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Sonntag, 11. Mai 1924,

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Aetteudruckerei in Fukda

Aus Kultur und Griftes

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Jahrhundertfeier der Gregorianischen Universität.

Aus Rom wird uns geschrieben:

Am 17. Mei 1824 unterzeichnete Papst Leo Xn. bas Breve, welches der G ese llsch af t 3 esu die Lei­tung des Römischen Kollegs zurückgab, das im Jahr« 1551 Ignatius von Loyola für die studierende Jugend gegründet hatte. In diesem Breve erwähnt der Papst den früheren Ruhm des Kollegs, gibt ihm feine Rechte und Privilegien wieder und spricht den Wunsch aus, es möge in der Zukunft die schönsten Früchte der Wissen­schaft und Tugend zum Besten der Kirche und der mensch- lichen Gesellschaft zeitigen. Der Erfolg entsprach sei­nen Erwartungen: Das Jahrhundert seit der Wteder- herstelliung war für das Römisch- Kolleg eine ruhmreiche | Zeit. j

Vor 1870 umfaßte die Anstalt alle niederen und höhe­ren Schulen; man konnte an ihr von den ersten Elemen­ten in der lateinischen Grammatik bis zum Doktorgrad in Philosophie und Theologie oufsteigen. Nach der Ein­nahme Roms mußte sie den Sitz, den ihr Gregor XIII. mit fürstlicher Freigebigkeit gebaut hatte, verlaßen und verlegte 1873 die phllosophische und theologifche Fakultät in den nahen Palazzo Borromeo. Drei Jahre später gliederte man die Fakultät für Kirchenrecht an. Im neuen Heim entwickelte sich das Römische Kolleg, oder wie es nun heißt, die Gregorianische Univer­sität des Römischen Kollegs, glänzend. Sell 1895 stieg die Zahl der Hörer auf 1000 und mehr, bis der Weltkrieg einen starken Rückgang brachte. Im Schuljahr 19221923 war die Zahl 1000 wieder erreicht «und wuchs im letzten Jahr auf 1139.

Die Hörer gehören fast allen Nationen der Welt an und sie bilden so ein« wirklich katholisch« und inter- nationale Universität. Als Pius XI. den Profes­soren und Studenten der Gregoriana am 21. November 1922 eine Audienz gewährte, konnte er sie ,chen wahren und herrlichen Airsdruck jener Katholizität und Univer- salität" nennen,die uns in der Nachfolge Petri zum Bater aller macht". Bei demselben Anlaß spendete der Hl. Vater der Anstalt, deren Alumne er selbst in den Jahren 18791882 gewesen war, hohes Lob, bezeichnete sie alsein Haus für die ganze Welt, als Herd der Wahrheit und der Wissenschaft. die sich Gott, feiner Ehr« und der Ausbreitung seines Reiches geweiht hat", und erinnerte an ihregroßen und glänzenden Traditionen, die so viele ausgezeichnete Männer fortgesetzt hätten".

In der Tat saßen auf den Lehrstühlen der Gregoriana mich in diesem ihrem letzten Jahrhundert Männer, die Zierden der Wissenschaft waren; um nur einige hervor­ragende Toten zu nennen: die Patres Perrone, Fran- zelin, Schrader, Palmieri, Mazzella, Patrizi, Cornely, Gurn. Ballsrini, Bucceroni, Tarquini, Wernz, Tongiorgt, De Maria, Renier, Secchi, Pianciani, Prooenzali, Angr- lini, Dalle, De Angelis. Mehrere von ihnen wurden mit dem römischen Purpur geschmückt: Franzelin, Tarquini, Mazzella, Billot, Ehrle. Bon den Hörern gelangten viele zu den höchsten kirchlichen Würden; drei von ihnen be­stiegen im letzten Jahrhundert den päpstlichen Thron: Leo XIII., Benedikt XV., Pius XI.

So ist es nur angebracht, daß die Gregorianisch« Universität den Zentenartag nicht ohne Feier vorüber- gehen läßt. Sie will ihre Dankespilicht Gott gegenüber erfüllen, der ikp: ein so gnädiger Schützer und Helfer ge­wesen ist in den Wirren, die Rom im letzten Jahrhun­dert gesehen hat. Das Programm ist folgendes:

Dienstag, den 13. Mai, am Fest des fel. Kard. Bel- larmin, den die Universität als ihren erlauchtesten Leh­rer verehrt, findet in der Jgnatiuskirch« ein Pontifikal- anrt statt, und abends Dankandacht mit Predigt und sakramentalem Segen.

Donnerstag, den 15. Mai. wird in der gleichen Kirche ein Seelenamt für die verstorbenen Wohltäter, Obern, Lehrer und Schüler der Anstalt gesungen.

Samstag, den 17. Mai, ist im Vatikan in Gegen- n art des Hl. Vaters ein theologisches Doktorexamen: das Amt der Examinatoren haben die Eminenzen Billot, Laurenti und Sincero zu übenehmen geruht; der erste als früherer Professor, die beiden andern als einstige Schüler der Universität. Geprüft wird der hochw. Herr Ancel aus dem Französischen Seminar.

Am gleichen Tage wird der Verein der ehe­maligen Alumnen der Gregoriana gestif­tet. Das Protektorat hat Pap st Pius XI. selbst übernehmen wollen. Alle ftüheren Schüler können bei- treten, auch wenn etwa keine eigene Einladung von feiten der Leitung an sie gelangt sein sollte. Der Derein wird ein stets lebendes Andenken an die Jahrhundertfeier bleiben tmb die auf dem weiten katholischen Erdkreis zer­streuten Ex-Alumnen in einem heiligen Römer-

bund vereinigen. Dies« sollen auch ein neues, wür- dtgeres Universitätsgebäude erstehen sehen, wofür in die- fern Jubeljahr der Grundstein gelegt wird.

Caritas und Studenten.

Von Dr. Franz Kloidt, Geschäftsführer der Deutschen C. F. A.

Vom 23. bis 26. April tagte im St. Norbertusherm zu Oberzell bei Würzburg die diesjährig« Konferenz der kath Studentenseelsorger des deut­schen Sprachgebietes. Angesichts der gesteigerten wirtschaftlichen Not unserer studierenden Jugend war die Vereinigung ber Skudrntenseefforger dem Wunsche der Deutschen Caritas für Akademiker nachaekommen und hatte zwei Beratungstage für die Frage der kacholifchen Studentenfürforge bereitgrstellt. So war es möglich, daß die Zentrale der Deutschen Caritas für Akademiker mit den hochw. Herren Studentenseelsorgern, die zugleich auch Leiter der Zweigstellen der C. F. A. in den verschiedenen Hochschulstädten sind, in ausgiebiger, persönlicher Aussprache die zur Zeit brennenden Fragen der Behebung wirtschaftlicher Not erörterte. Etwa 30 Teil­nehmer aus den meisten und wichtigsten Hochschulstädten des Reiches waren vertreten: Der Hochwürdigste Episko­pat hatte durch Schreiben des Hochwürdigften Herrn Kar­dinal von Breslau und Entsendung besonderer Vertreter seinem starken Interesse auch für die Fragen der Stu­dentenfürsorge lebhaften Ausdruck gegeben. Die gute Un­terkunft im Kloster Oberzell, das zugleich alle Teilneh­mer der Konferenz beherbergt«, ermöglicht« einen starken persönlichen Austausch unter den einzelnen Teilnehmern und trug dadurch wesenüich zum guten Gelingen ter Tagung bei.

Seelsorge und Caritas: Das war der Leitgedanke der genannten Konferenz. Die infolge der schlechten Lage des Arbeitsmarktes, ferner durch bi« starke Erhöhung der Lebenshaltungskosten und Studien­gebühren (150300 Mark muß ein Student bar zu Be­ginn des Semesters bei der Universität einzahlen!) und nicht zuletzt infolge der stark geschwächten Gesundheit un­terer akademischen Jugend zu erwartenden gesteigerten Anforderungen an die Hilfsarbeit der Wohlfahrtspflege gaben Veranlassung, neue Einzelarbeit für die Zukunft zu besprechen. In dankenswerter Weise hatte der Prä- sident des Deutschen Caritasverbandes, Msgr. Dr. Kreutz, ein Referat über die allgemeine Lage der heuti­gen Wohlfahrtspflege übernommen, das für viel« Teil­nehmer der Konferenz einen sehr erwünschten Einblick in dieses groß« und nach außen hin so wenig bekannte Arbeitsfeld bot. Der Geschäftsführer der Drutschen C. F. A Dr. Kloidt, besprach in seinem Referat die Grundsätze, die bei der Einzelarbett der Zweigstellen maß­gebend sind, und leitete damit die Aussprache über die zukünftige Arbeft ein, die noch eine wichtige Stütz« durch das Referat des Vertreters derWirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft" des Herrn Baak, Dresden, fand, der die Arbeit der Wirtfchastshtlfe darlegte und als gleickMitiges Vorstandsmitglied der Deutschen C. F. A. die Aussprache über die Zusammenarbeft der katholi- schen und interkonfessionellen Studentenfürsorge einleitete. Hervorzuheben ist ferner, daß seitens der katholischen Studentensürsorge im nächsten Semester für mehr als 2000 Studierende ermäßigte und ganz freie Mittagstische beschafft werden sollen, derart, daß je nach den lokalen Verschiedenheiten entweder in katho­lischen Schwesternhäusem und Anstalten Mrttagstilch« eingerichtet und ausaebaut werden oder durch Natural- beliefenmg der menfae academicae seitens der C. F 8t. Freikarten für katholische Studierende ermöglicht werden.

In der Frage der Einzelfürsorge für kranke und er­holungsbedürftige Studierende wird eine Förderung da­durch eintreten, daß die katholischen Anstalten mehr für Unterbringung von Studierenden herangezogen werden. Außerdem ist die Bereitstellung von etwa 200 Plätzen für erholungsbedürftige' Studierende in Vorbereitung genommen. Bedenkt man dazu noch die vielen Einzel- foröerungen, die in den verschiedenen Zweigstellen jeweils auftreten, so ist ersichtlich, daß es sich um große und schwere Aufgaben handelt, die die Studentenseelsorger zu ihrer rein religiösen und wissenschaftlichen Tätigkeit auf sich nehmen. Allgemeine Fragen, roie die der Erfassung der katholischen Studenten durch Führer, durch Austausch der Adressen und Meldung der Religionslehrer; die Un- terbringjima in katholischen Familien, soweit bas möglich ist, die Beschaffung der allgemeinen Gelder für diese Arbeiten (mancher Studentsnseelforger lebt nur von pri- Daten Stipendien und infolge freier Unterkunft in katho­lischen Anstalten) bildeten den Rahmen für di« beson­deren Fürsorgeberatungen.

Die beiden nächsten Tage der Konferenz waren ganz den Fragen der Akademikerseeksorge gewidmet, über die von anderer Seite berichtet wird. Die Deutsche C. F. A. (1. Vorsitzender Prälat Dr. Schreiber, Unioersitäts- professor, Münster; 2. Vorsitzender Ministerialdirektor Dr. H e u k a m p, Berlin) wird ihrerseits bemüht bleiben, die Arbeiten der Stubentenseelforger, soweft st« die Für- sorge betreffen, nackftwücklich zu unterstützen und vor allem weitere Mittel zur Verfügung stellen. (Geschäftsstelle der Deutschen C F. A., Berlin N. 24, Große Hambcirger- strahe 10, Bankkonto: Deutsche Merkurbank, W. 8, Behrenstraße 25.)

Der Saatenftand im Ulat.

Rach der Statistischen Korrespondenz betragen die Br- gutachtungszisfern für den Saatenftand m Preußen Anfang Mai 1924, wenn 2 gut und 3 Mittel bedeutet, für Weizen 2,2 gegen 3,3 im April und 2,7 tm Mai 1923, für Spelz 2,0 begto 2,4, für Roggen 3,5 gegen 3,4 bezw. 2,9, für Gerste 3,3 gegen 3,4 bezw. 2,8, für Ge­menge 3,6 gegen 3,4 bezw. 2,9, für Rap» und Rübsen 3,4 gegen 3,5 bezw. 2,8, für Klee 3,1 gegen 3,3 bezw. 2,8, Luzerne 3,1 geren 3,5 bezw. 2,6, für Rwselwresen 31 gegen 3,4 bezw. 2,8 und für andere Wiesen 3,3 gegen 3,5 bezw. 3,1. , ..

Ergänzend wird dazu bemerkt, daß die Hoffnungen der Landwirte auf einen Ausgleich eine# großen Teiles der durch den Winter verursachten Schäden durch die günstige Witterung im April sich im allgemeinen nicht erfüllt baden, sodrß sich ein recht unfreundliches Bild für den Saatenftand ergibt. Die Begutachtungs­ziffern find aus den Berichten von insgesamt 3905 Der- trauensmännern zusammen gestellt worden; von den einzelnen Bezirken zeigen Ostpreußen, Pommern und Schleswig sehr schlechte Noten, die für Roggen zwischen 3,8 und 4,5 schwankten. Weit besser sind die für Schlesien, Sachsen und den Südwesten und am besten für Roggen in Breslau, Merleburg, Duffeldors und Aachen Umpstügunaen ex Winter, betreibe. Raps, filee und Luzerne mußten in recht er­heblichem, bet Roggen sogar in erschreckendem Umfange vorgenommen werden. Volle 10 Prozent des Roggens und mehr müssen als verloren angesehen werden. Von Winterwetzen fehlen 6 Prozent, von Raps 5, Klee 1*/. und Luzerne 3 Prozent. Beim Roggen ist der Verlust deSoalb so besonders groß, weil in einigen Bezirken, besonders West- und Ostpreußen, ein fünftel bis zur Hälfte ausgewintert tft. Die Wctde-Möglichkeiten werden tm allgemeinen ungünstig beurteilt, weil an vielen Stellen die Vegetation noch nicht erwacht ist.

Die Frühjahrsbestellungen sind noch immer sehr im Rückstand; im äußersten Osten haben sie mancherorts. noch nicht begonnen, weil ber Boden zu feucht ist, in den mittleren und westlichen Bezirken ist das Sommergetreide voll gesät und zum Teil sind die Saaten in befriedigender Weise schon aufgegangen. Außer vom Nordosten ist mit dem Legen der Kartoffeln überall, mit dem Einrillen des Rübensamens größten, teils begonnen worden. Hinsichtlich der Schädlinge werden immer wieder Klanen über Mäuse laut. Die Landarbeiterverhältnisse werden im all« gemeinen als befrtebigenb angesehen. In Ost. Preußen besteht Streitneigung, im Bezirk Erfurt wan­dern vielfach Arbeiter aus der Kaliindustrie infolge des Stilliegens der Schächte in die Landwirtschaft zurück.

GoLtesdienftordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 11. Mat. Dom. (Schluß der östev- lichen Zeit.) '/,6, 6, V,7 u 7 hl. M., V.7 hl. M. u. Kam. d. Jungfr.-Sod., 8 Pfarramt m. Pr., */»10Kathedral- amt m. Pr., V«12 letzte hl. M. m. Pr nachwitt. */i2 Herz-Mariä-Bruderfchaft, 2 Chr., */i3 Feier d. Schutz» festes d. hl. Joseph seitens d. kath. Veretne der Stadt, 4 Pred. m. And. u. Segen. Abends 7 Maiandacht. Stadtpfarrkirche. 5/i Kom., 5»/. hl. M., 6% hl. M. n. Kom. der Jungfr., 8 Brandwallfahrt nach dem Frauenberg, daselbst Pred. u. Amt, 8/« hl. M., 11 zweiter Schulgd. u. Pred., 2*/* Bruderschaft von der Todesangst d. Herrn, 3'/« A. f. d.Jungfr.-Sod., 8 Mai-A. Pfarrkirche znm heiligen Geist. 7 Frühmesse, 8 Hochamt und Predigt, abends */i8 Maiandacht. Severikirche.- Sonntags/*7, werktags 6 hl, M. Ober» realschulgotteSdienst: Sonntags 8, Werktag» 6". Herz-Jes«-He-m. Sonntag 8 Pr. und^Amt, 2 Segens» äNdachr. Mittwoch abenos a*/* Srgenscmvacqr. Frauenberg. 5, */»6,6, V«7 u. 7 hl. M., Vi8 BruderschaftSm., */»9 nach Ankunft der Brandprozession auS der Stadt­pfarrkirche Pred. u. Levitenamt m. AuSs. d. Allerhlgft., nachm. 2 Kreuzwegandacht in. Pr. (Kalvarienberg).

Eotterdienstoudnung aus dem Maria-Ehrenderg.

Born 17. Mai ab jeden Samstag um 8 Uhr Gottesdienst.

Pfingstmontag: 10'/, Uhr Amt. 1 Uhr mittags Andacht mit Jungfrauenvortrag.

Mariä-Heimfuchung, Sonntag, 6. Juli. Bon 5A Uhr ab Beichtgelegenheit. 6 und 7 Uhr hl. Messen. 9 Uhr Predigt mit Hochamt.

Fest der hl. Snna> SamStag, den 26. Juli. Von 6 Uhr an Beichtgelegenheit. 6 und 7 Uhr hl. Messen. 10 Uhr Predigt und Amt. (Muttertag.)

Himmelfahrt Mariä, Freitag, 15. August. Von 5 Uhr an Beichtgelegenheit. 5*1» und 8 Uhr hl. Messen. 9 Uhr Predigt und Hochamt.

Fest des hl. Michael, Sonntag, den 28. September. Von 6V» Uhr Beichtgelegenheit. 10 Uhr Predigt und Amt, (Männertag.)

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