M 109.
Freitag, 8. Mai 1924.
sranbreichs yeererstärke.
0 h-r jetzt in Durchführung begriffenen Reform umfaßt das französische Heer tm Frie- 9*S in Frankreich und dem besetzten Teile Ht» dz 16 Generalkommandos mit 32 Ins an- §eutM _ Kavallerie-Divisionen und 2 Lustdivi- terie-' 3Ur Verfügung der höheren Trup- ^"^runq eine große Zahl von Maschinengewehr- F^>rnnen, Kampfwagenregimentern, schweren ^-^-Regimentern, Pionier- und Verkehrs- -Trillionen und Fliegerregimentern.
«ukerdem verfügt Frankreich noch in seinen kereuropäischen Besitzungen über erheb- !LÖ militärische Kräfte, welche im Kriegsfall mit » ken Teilen nach Europa überführt werden. Die nÄeürstechmk, das Marineprogranun und die Eitärxo'üik stellen sich in Frankreich zum großen Mrauf em, einen schnellen und sicheren Trans- nrt dieser Streitkräfte zu gewährleisten. Jnsge- rL taim die Friedensstärke der außerhalb Euro- E stehenden französischen Truppen auf weitere ?g Divisionen veranschlagt werden.
Zahlenmäßig beträgt die Friedensstärke 786 000 •sjjfe davon sind 217 000 Farbige. Auf beut- Boden stehen davon 146 000 Mann, welche ht ein Armeeoberkommando mit 3 Generalkomtnan-
9 Infanterie- und 1 Kavallerie-Division ge- gjiedert sind.
* Bei der Detrachllmg der Heerstärke Frankreichs Eß weiterhin berücksichtigt werden, daß es bei ssi- neI Armee den Hauptwert nicht einmal auf die Menschenzahl, sondern auf das K r i e g s m a t e r ial Lyjt Dieses ist — im Vergleich zu 1914 — jetzt „ehr als verdreifacht. Für den Kriegsfall W alle Vorbereitungen g° troffen, daß fast 5 Millionen weiße und farbig-- Franzosen als Sol- beten zur Verfügung stehe::; das bedeutet die Aufstellung von etwa 150 Divisionen.
Einen besonderen Platz in der französischen hseresmacht nimmt die Luftflotte ein. 64 Kampfstaffeln verfügen zurzeit über 640 Kampfflugzeuge. Diese reine Angriffswaffe ist folgender- paßen gegliedert:
32 Jagdstaffeln mit 320 Jagdflugzeugen 1. Linie, 20 Tagbornbenstaffeln mit 200 Tagbombenflug- slugzeugen 1. Linie,
12 Nachtbombenstaffeln mit 120 zweimotorigen zrachtbombenflugzeugen 1. Linie.
Dazu kommen noch folgende Deobachtungs- staffeln:
42 Beobachtungsstaffeln mit 420 Flugzeugen 1. Linie in Frankreich,
26 Beobachtungsstaffeln mit 224 Flugzeugen 1. Linie außerhalb Frankreichs.
Das ergibt eine Lufffltote von rund 1300 Flugzeugen 1. Linie, wozu ebensoviel« Flugzeug« der bereits lagernden Kriegsreferve kommen. Außerdem stehen für einen Ueberfall auf De-utschland etwa 1000 Zivilflug zeuge, die sofort zu schwersten Bombenflugzeugen eingerichtet werden lömen, zur Verfügung. Rechnet man noch mit einigen Hundert Schul- und Sportflugzeugen, (die ebenfalls zu Ausbildungszwecken verwendbar sind), jo ergibt sich zurzeit eine Luftflotte von rund 4000 Flugzeugen.
Für die weitere EntwicNung der französischen Luflstreitkräfts ist ein Programm ausgearbeitet, bas solgende Friedensstärke vorsieht:
140 Kampfstaffeln mit 1400 Flug engen 1. Linie als reine Angriffswaffe, darunter 16 Nachtbombenstaffeln mit 160 Riesenflugzeugen 1. Lime und 48 Tagbombenstaffeln mit 84 Bombenflugzeugen 1. Linie.
Ferner 80 Beobachtungsstaffeln mit 800 Flugzeugen 1. Linie. Insgesamt 220 Staffeln mit 2200 Flugzeugen 1. Linie, wozu wiederum eine gleichstarke Kriegreserve und eine wachsende Zahl von militärisch sofort verwendbaren Zwilflugzeu- fien tritt, sodaß also in etwa 3—5 Jahren mit einer Luftflotte von etwa 6000 Flugzeugen zu rechnen ist.
Nr die industrielle Mobilmachung stehen hi Frankreich 37 Flugzeugfabriken und 13 Motorfabriken zur Verfügung, die m kürzester Zeit die gleiche Leistungsfähigkeit erzielen werden, wie zu End- des Weltkrieges, wo alle 15 Minuten ein vollständiges Flugzeug und alle 10 Minuten em neuer Moror abgeliefert werden konnte.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Artiendruckerei tu Fulda
Nachklänge zur Wahl.
Das Zentrum.
„Das Zentrum steht unerschüttertda, ein Bollwerk der Staatsautorität und ein Damm gegen die Radikalisierung von recht? und links. Die Deutsch- völkischen sowohl wie die Kommunisten haben da am schlechtesten abgeschnitten, wo das Zentrum stark ist. Tie Zentrumsdomänen sind eben keine geeigneten Zaqdarü de für radikale Umsturzparteien. Die kluge und ausgleichende Staatspolitik der Zentrumspartei ist das beste Schutzmittel gegen das völkische und kommunistische Gift." (,Gerrn»nia'.)
Die Gefahr.
In der Versammlung der Kölner Zentrums- Wähler am Abend der Wahlschlacht wurde festgestellt, daß in Köln die Wahlbeteiligung nicht erstklassig gewesen ist. Anläßlich d-e'er Feststellung unterstrich Frau Schumacher-Köbl in ernster Würdigung der gesunkenen Wahlbeteiligung, auch bei der Frauenwelt, den Gedanken, daß wir beute die Tragödi unserer Jugend erle kn. Die Aibeiter als An hänaer der Linken und die gebildete Iug-nd in den Reiben der Rechtsradikalen, insbesondere der Deutsch- völkischen, fe:en uns ans den Händen geglitten. Sie mahnte die Frauenwelt, durch Le en der Zeitungen, durch Be'prechungen auch der politischen Fragen in der Familie an der systematischen 2bbeit an unserer Jugend teihunebmen. Die Frau müsse selbst sich zur rechten Staatsbürgerin durchbileen, um in unterer Jugend die echten Staatsbürger erziehen zu können.
Erfolg zäher Arbeit.__
In Koblenz war der Wahletfolg für das Zentrum olänrend, namentlich auch bei der Ge- metndewahl. ES hat, trotzdem die Mandatzisser von 48 auf 41 herabgesetzt wenden war, wieder 20 Sitze erobert. Dabei kämpften außer den Sozialisten und Kommunisten die „Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft", die Beamtenliste und eine »Freie Bürgervereinigung* gegen das Zentrum. Sie haben alle nur kleine Mandatkziffern erzielt. Dem Zentrum hat die Zersplitterung nicht geschadet. Es ist und bleibt die stätkste Fraktion, deren Gewicht im neuen Stadtrat noch größer ist wie im alten.
Zur Aufklärung.
Man schreibt unS: Von der Straße aus sichtbar an der Einpon stür zum Wahllokal war im Dorfe 3E. oaS große Plakat der Zentrumspartei mit dem Pfeil und Finsterzeichen auf Ar. 7 angebracht. Etn höherer Forstbeamter hielt sich für verpflichtet, im Wahllokal darauf hinzuweisen, daß die Anheftung des Plakates ungehörig fei Wir wollen hierin it deutlich dem betreffenden Herrn erklären, daß feine Ansicht falsch ist. ES kann jede Partei einen solchen Fingerzeig veröffentlichen und vor dem Wahllokal aufhängen. H.
Vorbildlicher Eifer.
Frl. N. in S.. Vertrauensdame des Zentrums, hat für eine Anzahl Wählerinnen aus ®., die im Orte der VertrauenSdame am 1. Wat in Dienst getreten sind, die WahlberechtignngSscheine für S. ausstellen lassen, um sie am 4. Mai auSzuhändigen. Da gehen eint re Wählerinnen aber am 4. Mai zu einem Begräbnis in <8. Frl. N. merkt dies und läßt du.ch Radfahrer sofort die Scheine nach G. besorgen an den Vertrauensmann deS ZentcumS, der den Wählerinnen bte Scheine auS- händi t und somit mehrere Stimmen fürs Zentrum noch sichert. Bravo!
Neues aus Frankfurt.
(Ein neues Opfer der Strafte. Einem Fuhrmann, der vor einem Hause der Haidestraße Kartoffeln ablud, gingen die Pferde, da sie nicht abgesträngt waren, durch und rasten mit dem Wagen die Straße hinunter. Dabei überrannten die Tiere die 77jährige Frau Katharina K l ö s, die in Begleitung eines jungen Mädchens die Straße überschreiten wollte. Die alte Frau wurde derart verletzt, daß sie kurz nach der (Einlieferung in das Krankenhaus verstarb. Das junge Mädchen kam mit leichten Verletzungen davon.
Gottesdlenstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
In der FriedhosSkapellr am FranzosenwSldchen morgen Freitag, den 9. Mai 6'Z» Uhr hl. Messe.
Israelitischer Gottesdienst.
SamStag, 10. Mai. Vorabends 7.15,morgens7.30, nachm. 5, Sabbatausaang 8.50 Uhr. — Wochengotte S- öienft; Morgens 6.15, abends 8.30 Uhr.
Handel und wirtschaft.
Vie Geschästsaufsicht.
Don unferm Frankfurter Vörsen- Mitarbeiter.
Es gehört heute beinahe zur ständigen Tagesrubrik der Zeitungen, zu melden, daß dies« oder jene Finna die Geschästsaufsicht beantragt habe, dagegen fehlen fast vollständig die vor dem Kriege sehr beträchtlichen An- gaben neuer Konkurse. Diese Erscheinung ist die Folge einer während des Krieges, nämlich am 14. Dezember 1916, erlassenen Verordnung, welche die Geschästsauf- sicht, ein bisher unbekanntes Verfahren, einführt. Diese Kriegsmaßnahme sollte alle jene Unternehmun- gen, welche durch die Folgen des Krieges in Schwierigkeiten gekommen waren, vor dem Konkursverfahren bewahren und ihnen die Möglichkeit geben, ohne Aufgabe des Geschäftsbetriebes über kurzfristige Schwierigkeiten Hinwegzukommen. Sie wurde jedoch auch für die Nachkriegszeit beibehallen und in einer Verordnung vom 8. Februar 1924 erneuert, indem als Voraussetzung der Geschästsaufsicht auch jene Schwierigkesten angesehen werden, welche auf die aus dem Kriege erwachsenen wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen sind. Diese Voraussetzungen lassen sich natürlich sehr stark dehnen, und es ist somit nicht verwunderlich, daß alle irgendwie in Schwierigkeiten gekommenen Unter« nehmunoen die Geschäflsauffichtsverordnung anrufen, um an dem Konkurs vorbeizukommen. Die letzte Verordnung iedoch bietet auch schon die Handhabe, um einem Mißbrauch vorzubeugen, denn sie bestimmt, daß der Antrag auf Eröffnung der Geschästsaufsicht abzu- lehnen ist. wenn die 8ahlungsunföhigkett oder die Heber- schuldung auf einer Unredlichkeit des Schuldners beruht, oder wenn fein bisheriges Verhalten die Aussicht begründet, daß er während der Dauer der Gefchästsauf- sicht den Interessen der Glänb'-ier zmvider Hand-W wird.
Die Dauer be>' Gefchäfisarffsicht ist zunächst auf ein ?aftr beschränkt. Wird dem Antrag eines in Schwie- riflfetten befindlichen Unternehmens st"stgcgeben, fo wird non Seiten des Gerichts eine Aufsichtsperson bestimmt, welche die Geschäftsführung des Unternehmens überwacht. Im übrigen bleibt die Bewegungsfreiheit des Unternehmens unberührt, nur bei Dörsensirmen ruht automatisch die B ö r s e n f ä h i g k e i t. Eine unter Ge- schästsaufsicht stehende Bank muß also alle ihre Börsen- geschäste durch eine andere Bank ausführen lassen. Besonders charakteristisch für die Geschäftsaufsicht ist die Möglichkeit des Zwangsvergleiches, der bisher nur dem Konkursverfahren Vorbehalten war. Dagegen ist der Schuldner gegen Zwangsvollstreckungen und Arreste geschützt. Es ist selbstverständlich, daß die Entnahme von Geldmitteln aus der Geschäftskaffe zur Bestreitung der Haushaltungskosten eines Einzelschuldners, wie überhaupt die Unkosten, einer besonderen Einschränkung unterliegen müssen.
Ob einem Antrag auf Verhängung der Geschästsauf- ftcht seitens des Gerichtes stattgegeben wird ober nicht, bat eine besondere Bedeutung insofern, als auf diese Weise zu einer Reinigung des Wirtschaftslebens beigetragen werden kann. Ebenso wie die Einrichtung der Geschästsaufsicht zu begrüßen ist, weil unverschuldet in Schwierigkeiten gekommene Unternehmungen nicht zum Konkurse gezwungen werden, ebenso muß auch verlangt werden, daß die Geschästsaufsicht keine Deckung für alle unlauteren, spekulativen und sonstigen Varassten- Elemente im Wirtschaftsleben bilden darf. Alle Aus- wucherungen des Wirtschaftslebens, die keine Berechtigungen zur Weiterexistenz haben, müssen ausgeschlossen und somit ausgemerzt werden. Von besonderer Aktua- lität wird dieser Gesichtspunkt bei der Frage, inwieweit Firmen, die durch die berüchtigte Frankenspeku- lation zahlungsunfähig geworden sind, die Gelchästs- aufsicht auf Antrag gewährt werden soll. Da die Spekulation, die zum Teil natürlich auch auf wirtschaftlichen Notwendigkeiten beruht, auch die solidesten Firmen in Mitleidenschaft gezogen hat, wird diese Frage außer- ordenllich schwer zu entscheiden fein. Die Tatsache aber, daß durch Spekulation bas beutsche Volk schätzungsweise insgesamt 7 — 8 0 0 Millionen Goldmark verloren hat, sollte ein ernster Anlaß fein, sonst angebrachte Milde zurücktreten zu lassen.
9* erlittet
6- Mw
7.
Ma?
Deviiettkttrie
Geld
Brief
Geld
Brief
Tltm-Uort
4,19
4,8t
4,19
4,21
Brflffet
11,R5
21,95
82,24
92,36
fiot'anb
157,60
168,40
158,10
158,90
tonbon
18,455
18,545
18,455
18,545
Paris
87,23
87,37
87,68
27,82
Schmelz
74,81
75,19
71,81
75,1»
Spanien
58,45
58,75
58,45
58,75
Stallen
18,95
19,05
19,05
19,15
Dänemark
71,58
71,88
71,02
7», 8
Norwegen
58,45
58,75
58,6)
58,90
Schweden
111,23
111,78
111,47
112,03
Prag
12,46
12,^4
12,46
12,54
Wien
5,98
6,02
5,93
6,03
= Jet Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 6. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 29. April (124,6) um 0,5 vom 100 auf 125,2 gestiegen. Von den Hcmptgruppen sanken in der gleichen Zeit die Lebensmittel von 110,6 auf 110,3, ober um 0,3 vom 100, davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 93,3 auf 92,4 ober um 1 vorn 100, während die Industrie-
stosse von 150,9 auf 153 oder um 1,4 vom 100, davon die Gruppe Kohle und Eisen von 141.7 auf 145,5 oder um 2,2 vom 100 anzogen. Die Inlandswaren fliegen von 1133 auf 114,1 ober um 0,7 vom 100. Die Einfuhrwaren gaben von 181,2 auf 180,6 oder um 0,3 vom 100 n ad). Die Indexziffer der Jnduftriestoffe und der Einfuhrwaren, sowie die Gesamtindexziffer vom 29. April sind infolge nachträglicher Aenderungen einet Preisnachweifung berichtigt.
Frankfurter Dörse.
Die Notierungen t>erflehen fld) bi Billionen Prozent.
letzt. Kurs 7. 5.
leS
. Kurs
T. 5.
Srankf. Bank
1,2
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—
—
Frankl, finp. Bank
2,0
1,5
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4,0
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2,0
1,9
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8,2
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Mitleid. Kreöllb.
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weftv. Srankf.
0,425
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2,625
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Kaff. qr. Strntzenbahr
13,2*
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14,0
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11,0
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28,0
25,5
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3,3
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—
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—
—
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1,7
1,8 1,6
Sichel 8c Co.
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10,1
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Wh. Jost 8 Co. Fulda,
Das Heideschloß.
Roman von Marte Harling. 18] -------------
»4u. wie gräßlich Sie heute mal wieder sind, liebe zu verlangen, daß wir uns für die Geschäste der Männer interessieren! Nein, nein, das siegt uns Frauen 80t nicht, wir wollen uns lieber ein wenig verhätscheln #ni> »erziehen lassen."
Ein tiefes Rot überzieht Ruths feines Antsitz, als geärgert erwidert: „Das ist doch wohl nur Ihre Mei- Frau Danderstraaten; ich bin überzeugt, die an- »ern Damen treten auf meine Seite."
Sie blickt fragend im Kreise Horum, doch niemand Weint sich um das kleine Wortgeplänkel gekümmert yr Wen
.Hofft und Grete sind ins Nebenzimmer gegangen, in ssch ein wunderschöner Flügel befindet. Äugen* m^ulich beabsichtigen sie, irgend etwas vorzutragen, sie durchstöbern eifrig plaudernd den Notenschrank.
?’re Gesichter strahlen dabei, imb ab nud zu klingt ein ***> herzliches Auflachen herüber. Elsa aber sitzt teil* Ns^los in einem Sessel am Kamin; nur ab und yr u7 ein schmerzlicher Blick die fröhlich lachenben Men- ™ im Nebenzimmer.
tah re ^.U^5 beweglichem Gesichtchen malt sich Slergcr Entäuschung, umsomehr, da sie Franz Vanderstraa- triumphierende Augen auf sich ruhen fühlt.
Ln, ® ärgert sich, daß Franz nun doch Recht behalten IhiL er doch gestern nach einer sehr erschöpfenden R.'Prt^e mit etwas spöttischem Achselzucken erklärt: E,bir ja gern glauben, kleine Ruth, daß du in Imik Beziehung ernst genommen werden willst; die rnei- ^fjrauen aber denken anders. Sie sind zusrisden, n st, ihrem Dergnügen nachgehen können, wenn sie ^rJ°, ungemein wichtige Toilettenfrage effchöpsend be- "n können; sie überlasten die Kehrseite des Lebens ru gern den Männern, und sie tun auch recht daran." te Hebt nun das feine Spottlächeln in seinen klugen KJ/1.’ Untl ein wildes Verlangen kommt über sie, ihn Hy.01 gründlich zu ärgern, ihn da zu fassen, wo Eine verwundbare Stelle hat. Ein Lied kommt «n Suhl- yn beMches ßieb von treulosem
ben, das sie einst gesungen und von dem Franz behauptet, es fei gänzlich erlogen; Männer feien immer treu.
„Sing das Lied nicht wieder, Ruth," hat er damals gejagt, und sie hat es nicht wieder gesungen. Run aber will sie es fingen, nun gerade!
Man hat sich inzwischen an kleinen Spieltischen niedergelassen, Grete und Horst fingen ein paar hübsche Lieder, die sich auf die Silvesterfeier beziehen. Grete hat keine- große Stimme, aber sie singt mit Innigkeit und weichem Schmelz.
Heinz ist zu Ruth getreten und hat sie ht eine der Fensternischen gezogen.
„Mache es Franz doch nicht so schwer, Ruch, indem du immer wieder deine Ansichten so sehr betonst. Du siehst ja selbst, wie wenig Anklang du damit bei unserer Damenmett findest. Du mirftt doch zugeben, daß es sehr viel war, daß Franz den erften Schritt zu eurer Wieder- Vereinigung getan hat."
Ruch blickt spöttisch lächelnd in Heinz' ehrlich besorgtes Gesicht.
„Heinz, ich will dir etwas sagen: Franz ist ganz anders als du; er hat deinen Schatz nicht nötig. Franz ist ein Spötter, der gar nicht ernst nimmt, was ich ihm sage, sondern sich darüber luftig macht. Während ich ihm meine aufrichtige Meinung jage, gibt er sich nicht einmal die Mühe, auf meine Worte einzugehen. Du bist wenigstens ehrlich, du nimmst mich ernst und suchst mich von deiner Ansicht zu überzeugen. Ich glaube, er hat den ganzen Zwist nicht ernst genommen; denn hätte er bas, so wäre er nicht hier."
„Nun, Ruth, eigentlich ist es doch ein Glück, wenn Franz so denkt; durch diese Auffassung ist wenigstens ein ernster Konflikt vermieden."
„Wenn er nicht noch nachsölgt, Heinz! Sei überzeugt, ehe ich Franzens Ring wieder tröge, gibt es noch eine schwere Aussprache."
„So willst du nicht, daß heute abend die Verlobung bekanntgegeben wird?"
„Stuf keinen Fall, Heinz!" Darüber habe ich euch doch nicht im Zweifel gelassen."
Elsa, die von Horst herbeigerufen, eben ins Nebenzimmer gehen will, kommt gerade am Fenster vorbei, um Heinzens Frage und Ruths Antwort zu hören, und
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vor ihr im Kreise zu drehen. Wie hn Traum nur hört sie Horsts Bitte, doch auch ein Lied zu fingen.
Sie schüttelt den Kopf; sprechen kann sie augenblicklich nicht, denn ein heftiges Schluchzen würgt tn ihrer Kehle.
Grete sieht bestürzt das trostlose Weh in Elsas Zügen, unb sie schlingt den SIrm um ihre Schultern.
„Elsa, was hast du? Du bist fo verändert in der letzten Zeit. Elsa, zürnst du uns, daß wir uns lieb haben? Ditte, sage es mir, ich kann nicht glücklich werden, wenn dir mein Glück Schmerz bereitet!"
Da lacht Elsa spottend auf, aber wie ein schriller Schmerzensschrei klingt dies Lachen.
„Närrchen du, ich hatte nicht mal eine Ahmmg, daß ihr euch lieb habt; da siehst du also, wie wenig ich mich um euch gekümmert. Nein, Grete, um meinetwegen brauchst trj dich nicht zu sorgen."
„Du bist aber ganz anders als sonst, Elsa. Was hat dich denn so verändert? Früher hatten mir doch keine Geheimnisse voreinander; warum willst du mir denn jetzt nicht sagen, was dich bedrückt?"
Der herzliche Ton Gretens tut Elsa ungemein wohl, aber sie kann doch ihre Bitte nicht erfüllen. Sie kann nicht sagen: „Ich liebe deinen Bruder, davum bin ich so unzlückllch." Nein, eher sterben, als ihre Liebe oer- raten!
»Ich bin nicht anders geworden, liebe Grete; aber da du wohl zu sehr mit deinem Glück beschäftigt warft, hast du nicht bewerft, was andern kein Geheimnis ist. Der stete Unfriede im Hause reibt mich auf; ich will für einige Zett fort. Vielleicht wird die Fremde mir gut tun."
„Du willst fort, Elsa? Wir wußten ja noch gar nichts davon!"
»2ch wußte es selbst noch nicht bestimmt. Ich werde einstweilen zu meiner ehemaligen Erzieherin Fräulein f)ermann nach Bonn fahren."
„Was sagt denn dein Later zu deinen Reiseplänen?" Ein bitteres Lächeln zuckt um Elsas blaffen Mund.
»Papa ist mit meinen Reiseplänen sehr gut einver- standen, er ist ja nur froh, wenn er den Störenfried auf anständige Art los wird."
„Sag dos nicht, Elsa! Dein Vater hat dich lieb, er ist nur ein wenig strenge. Männer haben bas ferne zrmnfijÄcn der grauen nabt*
„Nein, Kleine, früher war Papa anders; früher hatte er ja auch noch keine vergötterte Frau. Doch laß uns nicht darüber reden, es hllft ja doch alles nichts. Werde du recht, recht glücklich, kleine Grete, du verdienst es wirklich. Ich werde meinen Weg schon finden. Behalte mich nur em wenig lieb, wenn alle einmal den Stab über mich brechen. Sage das auch deiner Mutter; üjr beiden seid die einzigen, deren Liebe ich nicht verlieren möchte."
Mit impulsiver Heftigkeit schlleßt sie Grote in ihr« Arme, und diese fühlt, wie heiße Tropfen aus Elsa- Augen auf ihre Wangen fallen Ehe sie sich jedoch von ihrer Bestürzung erholt hat, ist Elsa veffchwunden. Ruth aber hat am Flügel Platz genommen und versucht, für irgend ein Sieb eine Begleitung zu finden.
Ein lustiges Spottlachen liegt in ihren Augen, als sie jetzt zu dem hinter ihr stehenden Franz aufblickt tntii schelmisch spricht: „Nun sollst du deinen Willen haben,' Franz; ich werde dir ein Liedchen singen, ob es dir freilich gefällt, weiß ich nicht."
Noch einmal greifen ihre Hände präludierend kn die Tosten, dann beginnt sie mit ihrer prachtvollen Stimme, die von weicher, dunkler Slangfärbung ist:
„Auf brauner Heid', im grünen Wald da gehn die Schätzchen zu zwei'n.
Mein lieber Knabe, und kommst du nicht bald, ich warte dein allein.
Die Vögel singen so süßen Sang, ich latsch auf deinen Schritt;
Doch wenn ich selbst an zu fingen fang, bann kommen die Tränen mit ,
Mein liebster Schatz, die Mutter meint bu wärest mir nicht treu! i
Da hab ich die ganze Nacht gemeint und mein am Tag arrfs neu. —
Auf brauner Heid', im grünen Wald, da weht so kalter!
Wind, ;
11 nb kommt mein falscher Schatz nicht bald, — (Bett Gnad' mir armem Kindl" - Die Worte verhallen, reicher Beifall lohnt die Sängerin. Franz aber ist blaß geworden, fast drohend' blitzen seine Augen Ruth an.
(Fortsetzung folpü