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Amflicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Nr. (09.

Verantworttiü rät di« Echrittleitung: Dr. Jobanne» »tarnet. Anreise»! I- eatiellet, Fulda. Rotationsdruck und «erlag bet c Fuldaer «ctiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Är. 9.

Benn«?drei8fürSvrli: Bostbestelluns 1.80,Etabtbrrug luroDir.

Sreitag, 9. Mm 1924.

Anretsen-Breiie: »letnietle «lolonel) lokal 0,15 Goldmarl, auSwörtS (120 Oolbmart; Reklame, elle total 0,60, Soldmark, auswärts 0.80 Soldmari.

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51. Zahrg.

War wird aus dem neuen Reichstag?

Bon ReichÄninister a. D. Giesberts.

Der Ausfall der Wahlen zeigte, wie sehr noch das Volk beherrscht ist von Unzufriedenheit und Gärungsevscheinimgen, die ihren letzten Grund fin- 6en in den schweren wirtschaftlichen, sozialen imd politischen Verhältnissen als Aus­wirkung des verlorenen Krieges und der R e- volution. Auf Grund dieser Wirren konnte die verkehrte Konstruktion des Wahlrechts eine P a r - teizerfpitterung herbeiführen, welche die Arbeitsfähigkeit des neuen Reichstages sehr schwer -ö; nach rechts noch links um diesen vul­gären Ausdruck zu gebrauchen läßt sich mit Sicherheit eine regierungsfähige Mehrheit bilden, wenn nicht wenigstens die großen Parteigrup­pen, besonders die Sozialdemokratie und die Deutsch- nationalen, großes Maß von Selbstbeher- fchung und Derantwvrüichkeitsbewußtfein für die Erledigung der dringenden Auslandsfragen be­weisen.

Für die Zentrumsfraktion ist es selbst­verständlich, daß sie an der positiven, verantwor­tungsvollen politischen Linie wie bisher festhält.

In welcher Richtmig sich eine Regierungs­mehrheit bilden läßt, ist schwer zu sagen, da die kleinen Gruppen jede Kombination stören können. Das NächMegende ist der Versuch derGroßen Koalition" mit der Sozialdemokratie. Mißlingt diese, so dürfte die Arbeitsfähigkeit des Reichstages davon abhängen, ob eine Mindevheits- oder Rechts­regierung ein Programm und eine Politik zu ent­wickeln vermag, der gegenüber sich die Sozialdemo­kratie tolerierend verhalten könnte und umge­kehrt.

Der deukfchnakionale Führer Hergk hat sich dahin geäußert:

Dem Gutachten der Sachverständigen setzten die Deutfchnat. nicht von vornherein ein rundes Unannehmbar entgegen, wohl aber V o r b e- h al t e, die ganz unvermeidbar seien.

Aus keinen Fall wird sich eine deutschnatio- nal beeinfluße Regierung dazu hergeben, Ver­sprechungen mit ihrer Unterschrift zu decken, von deren Unerfüllbarkeit sie nach pflichtge­mäßer Prüfung überzeugt ist. Das Ausland wird die Gewißheit haben, daß, wenn mit ihm Verein­barungen unter deutschnationaler Mitarbeit Zu­standekommen, das Versprochene auch gehalten werden wird, womit sichere Grundlagen für das Nebeneinander aller Parteien gegeben fein wird und nicht immer wieder neue Konflikts st offe entstehen können."

Die Deutschnationalen vor der Wahl redeten zwar in anderen Tönen: aber die Haupt­sache ist, daß sie jetzt in außenpolitischen Dingen auch da sind, wo sich das Zentrum tntii die Volkspartei schon lange befinden."

3n Mecklenburg

P der von den Deutschvölkischen im Verein mit den Sozialisten gestürzte dsutschnationale Mnisterpräsi- dent von Brandenstein wiedergewählt wor­den. Er erhielt 24, der Oppositionskandidat 22 Stimmen. Die Völkischen enthielten sich der Stimme. Eine Stimme lautete auf Kardinal Faulhaber, was wohl denWitz" eines meck­lenburgischen Gemütes darstellen sollte.

Aus der Zenttumspartei.

Eine Tagung des Reichsparteivorstandes der Jen- krwnspartei findet, wie wir bereits dieser Tage in Aus­sicht gestellt haben, und wie nunmehr endgültig bestimmi ist, am Samstag den 17., und Sonntag, den 18. Mai in Berlin, und zwar im Fraktlonszimmer der Zentrumspartei im Reichstagsgebäude statt. An der Sitzung weiden teilnehmen die Mitglieder des Reichs- parteworstandes, die Landes- und Provinzialvorsitzenden und die Generalsekretäre der Partei. Die Verhandlungen werden der Besprechrmg der politischen Situation gewid­met sein, wie sie sich aus den Reichstagswahlen vom 4. Mai ergeben hat, und der Reichsparteioorstand wird sich über die festens der Parteilestung nunmehr zu er« reifenden Schritte schlüssig werden. Der Tagung kommt eine ganz außerordentliche Bedoutung zu in Betrachtung des Umstandes, daß di« Zentrumspartei vollständig uner ichüttert aus dem Wahlkampf trotz Schwächung der übri­gen bisherigen Regierungsparteien hervorgegangen ist, so- daß ihr bei der künftigen Regierungsbildemg und damit auch bei der Mitbestimmung der künftigen Politik in Wahrheit eine entscheidende Bedeutung zukommt.

* Fürst Bülow an Kanzler Marx. Vom Fürsten Bülow, der vor einigen Tagen seinen 75jährigen Geburtstag feierte, ist beim Reichskanzler Dr. Marx folgendes Telegramm eingegangen. Herzlichen Tank für Ihr freundliches Gedenken, das Sie mir zugleich im Namen der ReichSregierung widmen. Mit treuen Wünschen begleitete ich Ihre Sorgen und Arbeiten. Einer einigen Nation wird Gott die Hilfe nicht versagen.

Itatholliche weit.

Sein allgemeines Sonst! 1925. Dieser Tage ver« breitete ein Korrespondenzbureau die Nachricht, es stehe wnrinehr im Vatikan fest, daß dos nächste Allgemeine Konzst Weihnachten 1925 eröffnet werde und daß mehr °ls tausend Bischöfe daran wilnehmen würden. Dazu wird aus Rom gemeldet: Gutunterrichtete kirchliche «reise dementieren die auch in der katholischen Auslandspresie verbrestete Nachricht über ein Allgemei­nes Konzil im Jahre 1925 unter Hinweis auf die 'Not- Wendigkeit einer vier bis fünfjährigen Dor- °ereitu n a desselben. Zudem werde die Kurie die «ischöse fänrtlidjer Länder der Erde nur einberufen, wenn "e Weltlage sich augenscheinlich gebessert habe und die fahr yon Verwickelungen geschwunden sein werde, schätzungsweise wird für den Zeitpunkt des nächsten Ronzsts rom Jahr 1929 bis 1930 aesprochen.

9t. Bronns als Wiler.

Der Lamps im Bergbau.

Wie derLokalanz." mitteilt, befindet sich der Reichsarbeitsminister Brauns auf dem Wege zum Ruhrgebiet, um dort durch eine Vermittlungsaktion den Kampf im Bergbau beizulegen. Die Vertreter der vier Dergarbeiterverbände haben in Essen in einer Sitzung die Lage besprochen. Don­nerstag nachmittag soll in Gelsenkirchen eine große Bergarbeiierversammlung aus Vertretern sämt­licher Gewerkschaften eine Kommission ernennen, die sich nach Düsseldorf begeben soll, um dort die Stel­lungnahme der M i c u m zu dem Arbeitszeitkampf im Bergbau kennen zu lernen. Vorläufig verhal­ten sich die Besatzungsbehörden vollkommen pas­siv.

Wie derLokalanz." aus Amsterdam meldet, wird die Arbeitszeitbewegung der deutschen Berg­arbeiter vom internationalen Gewerk­schaftsbüro mit größter Spannung verfolgt. Falls die Bewegung sich in einen allgemeinen Kampf um den Achtstundentag ausgestalten sollte, io könnten die deutschen Bergarbeiter mit der weit­gehendsten Unterstützung der Gewerkschaftsinter­nationale rechnen. Na, na!

Der Stand der Bewegung.

Der ganze Ruhrbergbau mit Ausnahme von wenigen Zechen ruht. Von der Belegschaft sind mindestens 90 Prozent nicht eingefahren; kleine arbeitswillige Gruppen haben sich nicht halten kön­nen. Die in Bochum von der kommunistischen Union für Hand- und Kopfarbeiter abgehaltene Be- triebsratssitzung hat bereits eine Kampfleitung von 15 Bergarbeitern eingesetzt, die sich zwar aus ver­schiedenen Unionen zusammenfetzen soll, in Wirk­lichkeit aber von Kommunisten, Unioniften und Syndikalisten maßgebend beeinflußt wird. Die Folgen des Streiks machten sich bereits auf anderen Gebieten des Wirtschaftslebens bemerk­bar, so wurde infolge des Streiks auf der Zeche Radbod die Gaszufuhr für die Stadt Mün­ster unterbunden.

Der deutsch-russische Zwischenfall,

Ein Schiedsgericht?

Voss. Ztg." undLokalanz." wollen wissen, daß der Zwischenfall in der russischen Handelsver­tretung durch ein Schiedsgericht geregelt werde. Im Gegensatz hierzu bemerkt dieDeutsche Allg. Ztg.", daß die Angelegenheit sich in einem solchen Stadium nicht befindet. Im Zusammenhang mit einer von der kommunistischen Fraktion im russischen Landtag eingebrachten großen Anfrage teilt dieDeutsche Allg. Ztg." mit, daß der russische Minister des Innern über das ihm von der Berliner Polizei übermittelte, in der Handelsvertretung beschlag­nahmte Material berichten dürste. Die in der Handelsvertretung vorgefundenen Druckschriften u. s. w. seien bereits im vorigen Oktober der Be­schlagnahme verfallen. Der k o m m u n ist i s ch e n Partei sei es jedoch gelungen, größere Bestände dieser und anderer Flugblätter in die Räume der russischen Handelsvertretung zu verbringen, wo sie jetzt von der Polizei entdeckt worden sind. Schließ­lich sei von der Polizei auch, wiederholt beobachtet worden, daß anläßlich der W a f f e n t ä u f e für die kommunistische Partei immer wieder Persönlich­keiten feftgefteüt worden seien, die zu der Handels­vertretung in irgend einer Beziehung standen, die jedoch jedesmal, wenn die Polizei zugegriffen habe, als entlassene Angestellte bezeichnet wurden.

Die Berliner Vertretung der russischen Telegra­phenagentur teilt mit: Der Botschafter der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken verließ Mitt­woch abend Berlin und trifft Donnerstag abend im Flugzeug in Moskau ein. Der aus London nach Berlin zurückgekehrte Leiter der Berliner Handels­vertretung der Union der Sozialistischen Sowjet­republiken reift gleichfalls nach Moskau ab.

Ausland.

* Die ReNgionSfeindlichkeit der Augora-Tüike« Nach einer HavaSmeldung aus Konstantinopel hat Mustafa Kemal Pascha einem ausländischen Pressevertreter gegenüber erklärt, daß jetzt nach der Abschaffung des KalifatS das griechische und armcnischePatriarchatundder großeRabbiner an die Reihe käme. Die türkische öffentliche Meinung könne die Anwesenheit dieser religiösen Einrichtungen, die wesentliche Privilegien auf dem Gebiete der Gerichlsbarkeil besäßen, nicht dulden. Die Türkei erlebt auch ihrevölkische" Bewegung, wie sie si b heute vielfach im Geistesleben einer nationalistisch eingestellten Zeit zeigt.

Rechtsfragen.

-°- Skrafrechi und Jugendliche. Rach dem In- frafttreten des Jugendgerichtsgesetzes vom 16. Februar 1923 kommt die Bestrafung wegen einer vor Vollendung des 14. Lebensjahres began­genen Straftat nicht mehr in Frage, während im übrigen gegen Jugendliche durch Strafverfügung nur Geldstrafe und Einziehung festgesetzt werden darf imd die Umwandlung einer Geldstrafe in Hast der Entscheidung des Jugendrichters unterliegt. In einer Verfügung des Ministers des Innern an die OrtspteizeiL-ehorden werden diese jedoch, dem Amt- lichsn Preußischen Pressedienst zufolge, ersucht, in allen Fällen, in denen Zweifel hinsichtlich ter Ein­sicht vorliegen oder Erziehungsmahregeln erforderlich erscheinen, von der Festsetzung von Polizeistrafen abzusehen unb die Sache an den Amtsanwalt abzargeben.

Frankreich und die Balkan-Aömge.

wtb B a r 15, 8. 2Uai. (Tel.) Rach demEcho de Paris" werden bei dem nächsten Besuch des ser­bischen Aönigspaares, das am 25. Mai in Paris erwartet wird, ähnliche Berhan dlungen wie Mischen Frankreich und Rumänien auch zwi­schen Paris und Belgrad ausgenommen werden.

Wtb Paris. 8. Mai. (Id.) Zu der Nach­richt, daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Rumänien aber den Abschluß eines dem fran­zösisch-tschechischen ähnlichen Verlags zum Erfolg geführt hätten, bemerkt dasEcho de Paris", es verlaute, daß der rumänische Außenminister nach Paris kommen wird, wenn das rumänische Königs­paar die Schweiz verlassen ljabe und daß dann die Berhandiungen wieder ausgenommen würden. Es sei keineswegs die Rede davon, daß ff r a n k r e i ch die rumänische Grenze garantiere. Der Gegenstand des neuen Abkommens, das dem Böl- kerbund unterbreitet werden soll, werde einsach darin beft^en, daß eindiplomatischesAn- sammenwirken der beiden Länder zwecks Aufrechterhaltung der bestehenden Verträge ge- währleistet werde und eine dauernde Fühlung­nahme zwischen den beiden General ft üben gesichert werde.

Vatikan und Ruhr-Opfer.

Der frühere Kriegsminister von Stein bemerkt in seinenErlebnissen und Betrachtungen aus der Zeit des Weltkrieges" (Leipzig 1919) über die Der- mittlertätigkeit des Hl. Stuhles: Der Papst habe sich oft und eindringlich bei den deutschen Behörden für Angehörige der Alliierten verwendet. Don einer Intervention desselben zugunsten von Deut­schen sei ihm dagegen nichts bekannt.

Dieser Vermerk Herrn von Steins ist schon für die Zeit des Krieges unverständlich. Der Hl. Stuhl hat seit 1914 jedesmal vermittelt,_ wenn er darum angegangen wurde, ohne jede Rücksicht auf natio­nale oder konfessionelle Zugehörigkeit der Bittstel­ler. Die Bitten aus Deutschland gingen nun wohl alle durch Kardinal von Hartmann oder dieKirch­liche Kriegshllfe" Paderborn nach Rom, und das mag erklären, warum man im K riegsministerium von Vermittlung für Deutsche nichts wußte. Frei­lich dürfte es auch dort nicht unbekannt geblieben sein, daß Benedikt XV. oft für bessere Behandlung der deutschen Gefangenen bei der französischen Re­gierung vorstellig geworden ist. Richtig bleibt, daß bis November 1918 m den weitaus meisten Fällen französische und belgische Anliegen den Gegenstand der päpstlichen Vermittlung bildeten. Das _ift auch nicht zu verwundern: es lag in den Verhältnissen, daß die vermittelnde Macht Roms vorwiegend in Konflikten zwischen Angehörigen des besetzten Ge­bietes und der Besatzungsarmee angerufen wurde. Okkupationsboden waren aber bis zum Waffen­stillstand Belgien und Nordfrankreich.

Dom Augenblick des Waffenstillstandes an mä­ren wir Deutsche das Sorgenkind der päpst­lichen Vermittlung. Benedikt XV. hat gearbeitet für Erleichterung der Waffenstillstandsbedingungen, für Aufhebung der Hungersperre und Zufuhr von Lebensmitteln nach Deutschland. Für unsere nach November 1918 in den Ententeländern zurückge­haltenen Gefangenen im allgemeinen (um von den zahlreichen Vermittlungen für einzelne ganz abzu­sehen) hat sich der Vatikan bis Ende 1919 wenig­stens zehnmal verwandt: für bessere Behand­lung, für günstigere Postverbindungen, für die Familienväter, Kranken und Studierenden _ unter ihnen, vor allem immer und immer wieder für chre sofortige Rückführung in die Heimat. Alles Übri­gens Dinge, die wir schon längst misten (vgl. die Veröffentlichungen derKirchlichen Kriegshllfe" Paderborn undDie päpstliche Kriegsfürsorge" in denStimmen der Zeit", Bd. 100 (19201921), S. 197208)!

Wenn aber dieGroßdeutsche Zeitung" sogar noch heute, März 1924, nach Ablauf eines ganzen Jahres Ruhrbesetzung mit jener Bemerkung des einstigen Kriegsministers die päpstlichen Bemühun­gen für uns bemessen will, so zeugt das ganz gelinde ausgedrückt von bedauerlichem Mangel an Dankgefühl und ist für den Hl. Stuhl einfach eine Beleidigung. Denn seit Beginn der Ruhr- okkupaticm hat die päpstliche carstative Vermittlung Woche für Woche, zeitweilig sogar Tag für Tag in Brüssel und Paris für uns gearbeitet.

Diese Arbeit vollzog sich ihrem Zweck entfpre- chend im Stillen. An eine offen«. Besprechung sei­ner Vermittlertätigkeit hat der Hl. Stuhl nicht ge­dacht. Die Anklage der Gegenseite nötigt uns jedoch, wenigstens einiges darüber zu sagen. Auf Voll­ständigkeit können wir aber schon deshalb keinen Anspruch machen, well mir die Vermittlung des päpstlichen Delegaten im Ruhrgebiet, Msgr. Testas, hier im ganzen, soweit sie nicht über Rom ging, nicht berücksichtigen.

Drei Ziele hat die päpstliche caritatioe Dermitttung hauptsächlich verfolgt: Gewalttätig­keiten der Besatzung sarmoe zu verhindern, das Los einzelner Berurtettter oder Ausgewiesenr zu erleichtern und die wegen des passiven Widerstan­des verhängten Strafen allgemein rückgängig zu machen.

Auf die Einzel fälle der ersten Gattung wollen wir hier nicht eingehen. Jedenfalls geht aus den Akten hervor, daß der Hl. Stuhl sich der ihm vorgelegten Klagen aufs gewissenhafteste an­genommen bat, auch wenn die Vermittlung für chn selbst und die betreffende Regierung vielleicht pein­lich war. Es ist bezeichnend, was Kardinal G a J p a r t i einmal (Februar 1923) bei Vorlegung

verPrSfideatschafisLamp? in Amerika.

Vorwahl günstig für Loolidge.

wtb paris, 8. Mai. (Tel.) Nach einet Agen fnrmelbung aus Newyork hat bei den Borwahlen für die Präsidentschaft in San Franzisko Präsident Loolidge 240 000 Stimmen erhallen, während Johnson nur 195 000 Stimmen erhielt. Die Nie­derlage des letzteren ist, so fügt die Meldung hinzu, umso bemerkenswerter, als Kalifornien feine Hei­mat ist. - * - ;

Amerika erläßt Chinas Schulden.

wtb patis, 8. Mai. (Tel.) Nach einet Mel­dung derChicago Tribüne" aus Washington hat das Repräsentantenhaus mit 211 gegen 114 Stim­men ein Gesetz angenommen, nach dem China der Rest der Boxer-Entschädigung erlassen wird. ___________________

Strafgericht übet die chinesischen Seetäuber. Nach einer Agenturmeldung aus Hongkong sind 30 Chinesen, die an den kürzlich begangenen See­räubereien in den Gewässern von Kanton tellge- nommen haben, auf Befehl der chinesischen Behor. | den erschösse n worden.

solcher Gewalttärigkeiten einem Nuntius schreit. 1 Der Hl. Stuhl war infolge seiner unoedlngten Un- Parteilichkeit streng verpflichtet, die Ausmerkfamkeu ter belgischen imd französischen Regierung auf.diese Fälle hinzulenken, und wird es auch tn Zukunft tun, ohne sich viel um die Ausnahme zu kümmern, die solche Mahnungen unter Umstanden finden, genau wie er es während des Krieges getan hat. Wegen der Ausschreitungen der Kolonial, truppen ist Nuntius Cerrettr m Paris wiederholt vorstellig geworden.

Aus den Bemühungen des Hl. Stüh'- les für einzelne geben wir einen Auszug der bedeutenderen Fälle nach der Zeiisolge:

Februar bis 9Rai' 192 3, Für die in Zweibrücken in harter Gefangenschaft festgehalte­nen Bürgermeister des Ruhrgebiets, ine Bur- germeifter von Buer und Recklinghausen, Dr- Bauer-Bottrop und Schaeffer-Essen rtn besonderen. Mr Herrn Schaeffer hat Delegat Testa durch Sm unb persönlich bei Herrn Tirard, General De- goutte und dem französischen Kommandanten von Essen Henrys vermittelt, um den Derurt-eilmi wenigstens aus dem Gefängnis zu befreien. Spater besondere Vermittlung für Bürgermeister Dr. FE- Bonn unb Postdirektor Dr. Scherbaum- Recklmg- häufen. Für 8 Familien m Düsseldorf, dre aus- gewiesen werden sollten, weil ein Unbekannter auf dem Dache ihres Hauses einen Telephondraht durch­schnitten hat. Um Abwendung der Reprefsallenvon Mettmann. Die beiden zuletzt genannten «alle legte Testa gerade am Karfreitag General Degoutte vor mit dem Hinweis, der Todestag des Erlösers fei nicht der Zeitpunkt für solche Maßnahmen De- goutte zog daraus die gegebenen Befehle zurück.

Mai bis Juni 1923: Mr Schlage ter ging noch zwei Tage vor feiner Hinrichtung em Telegramm des Kardinalstaatsfekretars mit dem Vermerkurgente" (dringend) nach Paris.

Für Herrn Krupp von D'ohlen-Hal- dach hat sich der Hl. Stuhl feit 30. Ma, zu wieder­holten Malen verwandt, zunächst, bannt er wenig­stens in Deutschland bleibe unb als Zivllgestingener behandelt werde. Am 19. Juni schreibt Kartend Gasparri persönlich für ihn am Pomcare. Nach Schluß des Krupp-Prozeffes wieder dringente Bitte nach Paris, die Herren Krupp, Hartwig, Bruhn und Oesterlen in Deutschland zu belassen, und wenn das nicht zugestanden werden solle, sie wenigstens als fische Gefangene zu behandeln. Außcmnumster Perettt d la Rocca gab bann auch die Versicherung, die Herren tonnten im Rheinland betten unb mit ter Verwaltung ihrer Fabrikm verhandeln. Dor kurzem konnte Herr Krupp persönlich Pms XI. unte Kardinal Gasparn für chre Bemühungen bauten.

Am 3. Ium meldet Kardinal Gasparri am Testa und Nuntius in Paris. Der Nuntius begab sich persönlich für Goerges zu Pomcare, Kartenal Du teis, Minister Colrat und General CastckiE, ebenso tat Testa wiederholt bet Degoutte Schritte, für den Unglücklichen. Am 16. Juli neues leie«: grinm? Äntiüs Genetti: bitte drmgend vor- stellig werden bei Regierung str Paul Goerges, ter, demnächst erschossen werden soll. Am 18. tarn« Genetti beste Hoffnung machen, daß die Dermttt Itrng Erfolg haben werde.

Juli bis August: Nach dem bedauerliche» Unglück auf ter Hochselter Drücke bet Dmsburg Schritte m Paris und Brüssel, um Repressalien zu verhindern oder rückgängig zu machen. Besondere Fürbitte für die 20 Geiseln, tee in Dmsburg harte Gefangenschaft dulden. Am 10. Juli Fürbtttt für den zum Tode verurteilten Paul Sasse, Maurer, Max Gruber, Mar Hampe, Alfred Schne,- ter, Willi Dreyer und Karl Frey hat sich der HU Stulil verschiedene Male ins Mittel gelegt. Am 12. Juli geht ein Triegramm an Numtms Genetti ab: er soll doch schon mit Rücksicht auf das junge Alter der Verurteilten unb die Erregung m Deutsch­land, die durch steche Urteile nur gesteigert werte, alles tun, um Strafänderung zu erwirken. D» Verurteilten wurden begnadigt. Am 19. unb 29. Juli und 25. August Verwendung für tee vom bei» gischen Kriegsgericht in Aachen zum Tode Derur- tellten Keller, Schultz unb Ptingeder, am 14. unD 29. August sehr nachdrückliche Verwendung Gaspar- ris für die im Prozeß Gras zum Tote verurteilten Reinhardt, Niebke unb Klein.