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Nr. 108.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

51. Zahrg

Donnerstag, 8. Mai 1924

An»rigen-Pr«ttc: Äleitueile (Colone!) total 0,16 Sotomart, auswärts 0,20 Sotomarf: Reklame,eil« total Ocho, ®atomar!, auswärts 0,80 Soldmark. t:

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Berantwortlich für bi« Slbriktlritung: Dr. JobamreS gramer. Anzeigen: I- P arsellet, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der n Fuldaer Sctieudruckerei in Fulda. Fernldrecher Rr. S. :. B e »u gS drei $ fürAvri: Boftbeltelluns 1.80, Ttadtberim 1.50 WL

WzMWmerlvW. MWskr.WWei5 Bfa.

Der neue Reichstag.

Nach einer Meldung aus Berlin wird der neu» «wählte Reichstag voraussichtlich zum 22. Mai einberufen werden.

In einer Besprechung des Reichskabinetts teilte der Reichsminister des Innern mit, daß die amt» lichen Wahlergebnisse nicht vor dem 16. Mai erwarten sind. DaS Reichskabinett bleibi auf jeden Fall bis zum Zusammentritt des Reichstags im Amt.

Die Wahlziffern sind noch in Fluß. Deshalb erfahren die Ergebnisse noch Äenderungen. Dabei macht man wieder die Erfahrung, daß die Ergeb­

liegen. Nach den am Dienstag vorliegenden Mel­dungen haben erhalten:

Stimmen Mond.

8er. Sozialdemokratische Partei . . 5 973 700 100

Zentrum ........3 899 022 65

Deutsche Dolkspartei 2 642 843 44

DeutschnationrM . . 5 755 609 96

Demokraten......... 1657 451 28

Bäuerische Volkspartei .... 941982 16

Kommunistische Partei . .... 3 712 001 62

Bayerischer Bauernbund .... 683 093 10

Deutsch-Hannoveraner 318 451 5

Bund der Geusen 58 880

Christlich-soziale Volksgemeinschaft 124 800

Deutsche Arbeiinehmerpartei ... 36 ISO

Deutschsoziale Partei 338 356 4

Freiwirtschaftsbund 36122

chäußerbund 23 828

Lemdliste 568 288 9

Nationale Freiheitspartei .... 59788

Nationale Minderheiten .... 133 628

Partei der Mieter . 46 975

Republikanische Partei Deutschlands 45775

Sozialistischer Bund 25 607

Deutschvöltisch« Freiheitspartei . . 1917 578 32

Bayerischer Mittelbund .... 5681

Völkischer Block 9 439

Parteilose Wirtschaftsgruppe ... 1847

Die Blätter halten es für sicher, daß die Reichs­tagsabgeordneten der Land du ndliste sich der deutschnationalen Fraktion anschließen werden.

Im Reichstag werden ehte Reihe bekannterer gestalten durch neue Männer ersetzt fern. Zu den nicht WiederkehrenLen gehören in erster Linie der auf so furchtbare Art aus dem Lsben geschiedene deutschnationale Führer Helsserich und der kurz vor ihm verstorbene deutschvolksparteiliche Abg. Hugo Stinnes. Der ebenfalls der Deutschen Dolkspartei angehörende Generaldirektor Döge- ler hat nach der Spaltung in der Deutschen Volks- Partei verzichtet. Die mit eigener Gruppenbildung mlfgetretenen Herren v. Lersner u. Maretzki sind unterlegen. Ebenfalls nicht wiedergewählt sind die deutschvolksparteilichen Mhrer v. Kardorff und v. Raumer, beides sehr wertvolle Kräfte. Der Verzicht auf WiederaiufstellrmH, den Frau Katharina v. O hei mb ausgesprochen hat, fft bei der Bedeutung dieser Persönlichkeit edenfaKs sehr schwerwiegend. Bon Demokraten fehlen die nicht Wiedercmfgestellten G o t h e i n und Pachnicke, sbenfo die Bauernbund-Führer Wachhorst de Bente und Dr. Böhme. Auch der demokratische vsamtenführer Postrat Delius ist unterlegen.

Nach neueren Meldungen haben, um für die in Berlin und Potsdam 2 unterlegenen Reichstags­kandidaten v. Sterner und v. Kardorff Platz zu schaffen, die volksparteklichen Abg. Dr. Kahl und Dr. Strefemann sich entschlossen, auf die Man- öate in Berlin mD Potsdam 2 zu verzichten und die Wahl auf Grund der Reichsliste anzunehmen.

Einzelergebmfie.

Aus dem kreise Fulda.

tückers. W 566. Z 438 (385), D 1 BSP 16 (35), DB 4, BSD 3, DR 5 (2), K 29, NF 1, DW 1, Unabh. 4 (84).

Sfidten. W 1198. Z 783 (763), D 4 (37), BSP 63 (42), DB 11, DSB 8, DN 14 (14), K 104, NF 1, Unalch. 7 (119).

«eyhers. Z 227, DSP 15, K 10, DN 9, Unalch. 4, BSD 2, NF 1, HB 1, D 1, DW 1 Ung. 16.

Au» dem Kreise Gersfeld.

Abtsroda. Z 188 (205), DB 2, DSB 1, DN 2.

«ltenhof. BSP 6 (), WP 1 (), Z 91 (92).

«rand. BSP 1 (3), Z 112 (106).

Da»Miefeu. Z 48 (58), DN 6, K 1.

Dietges. Z 77, DB 4.

Günthers. NF 1, D 2, Unabh. 1, DSP 60 (89), DW 5 (0), Z 1, DB 15 (49), BSD 30, DN 19, K 4.

Habel. NF 1, DSP, 2, Z 4, DB 8, DSB 2, DN 115.

Hettenhausen. NF 1, D 4 (30), Unabh. 4 (218), $<5$ 149 (5), DW 2, Z 6 (2), DB 29 (43), DSD 12 (0), DN 90 (14), K 105.

"Hwach. D 4 (1), BSP 7 (2), DW 1, Z 223 (208), DB 1 (1), DN 15 (2), K 2.

«Ufer. DSP 9 (2), DW 6, Z 236 (195), DD 1,

< 3 DN 8, K 5.

L^'berg. Z in (87), DN 1.

D 2, Unabh. 3 (11), BSP 17 (8), Z 229 .yw), DD 2, DN 3, K 6.

«"«ers. DSP 6, Z 170 (169), DN 6, K 1.

Aus dem Kreise Kirchhain.

H^f-hr. DSP 4, DW 1, Z 186, DB 1, DSB 11, -LN 1, $ 1.

D 4, Unabh. 4, DSP 22, 3 761, DD DSB 8, DN 15, K 15.

Amvnebura. D 3, Unabh. 3, BSP 23, Z 393 DD 9, DSB 10, DN 23, K 26.

Emsdorf. D 1, Unabh. 3, DSP 1, Z 230, DD 8, DN 1, K 2.

Lrfurtshaufen. BSP 1, Z 193, DB 1 DN 3, K 1. Mardorf. HB 1, BSP 5 (15), Z 545 (509), BSB 2, DN 3, K 8.

Momberg. DSP 7, Z 503, DB 4, BSB 1, DN 13, K 1.

Neustadt. NF 55, D 8 (78), Unabh. 8 (86), BSP 78 (47), DW 4, Z 724 (735), DB 13 (33), DSB 101, DN 60 (28), K 49.

Roßdorf. DSP 3, Z 343, DN 15, K 3. Rüdigheim. DSP 1, Z 179, DB 1, DN 4, K 1. Slaufebach. NF 1, BSP 1, DW 1, Z 149, DSB 1.

Kreis Kirchhain (Gesamtergebnis). NF 521 (0), HD 8 (0), D 470 (721), Unabh. 68 (501), BSP 1488 (1803), DW 91 (0), 3 5008 (4583), DB 865 (1682), DN 2815 (1642), K 347 (0).

Fritzlar (Stadt). Hier hat sich das Zentrum mit 1048 Stimmen in der Reichstagswahl glänzend gehalten. DN 336, DB 120, D 102, DSB 52, DSP 160, K 138. In der Gemsmde- rvahl errang die katholische Liste eine starke Majorität.

Das Zentrum und die neue tage.

Aus Berlin wird uns von unserem Mitarbeiter mitgeteilt:

Ueber die Auffassung in führenden zentrumsparlamentarischen Kreisen zu der durch das Reichstagsergebnis geschaffenen Lage hören wir folgendes:

Durch den Ausgang der Wahlen ist der Nach­weis erbracht, daß das deutsche Volk in seiner Mehrheit die Fortsetzung der bisherigen Politik nach innen und außen wünscht. Gerade die Er- baltung der Zentrumspartei auf ihrem bisherigen Stand liefert den Nachweis, daß das Volk mit der Weiterführung der bisher von dem, vor allem unter unter Zentrumsleitung stehenden Kabinett beobach­teten außenpolitischen Linie einverftanben ist. Die Zentrumspartei wird getreu ihrem immer ver­kündeten Grundsatz auch bei der weiteren Behand­lung der Dinge gern mit jeder Partei zu­sammenarbeiten, die bereit ist, diese bisher von Erfolg begleitete, und nun auch von der Wähler­schaft gebilligte Politik im Interesse von Land und Volk zu führen. Die neue Regierung muß natür­lich entscheidendes Gewicht darauf legen, daß sie eine festeMehrheit erhält, die diese Politik stützt, und daß die Möglichkeit der Bildung einer Minderheitsregierung in diesem Augenblick gar nicht zur Rede steht.

Der Reichsparteivorstand des Zen­trums hat für den 17. und 18. Mai eine Sitzung einberufen, zu der auch die Vorsitzenden der Lan­des- und Provinzial-Organisationen und die Ge­neralsekretäre geladen werden. Bei diesen Bera­tungen soll dann über die weitere Taktik der Partei beraten werden. Die endgültige Entscheidung dar­über liegt der Reichstagsfraktion ob, die sich am Tage des Wiederzusammentritts des Reichstages, voraussichtlich am 21. oder 22. Mai, konstituieren wird.

Ueber die Frage, ob und wann das Kabinett demissionieren soll, hat die Reichsregierung zunächst in einer unverbindlichen Ministersitzung sich befaßt. Selbst wenn die Verschiebung in den Parteien nicht eingetreten wäre, würde schon einem alten parla­mentarischen Brauch entsprechend die Regierung ihr Entlassungsgesuch einreichen. Im vorliegenden Falle wird man aber, um angesichts der innen- und außenpolitischen Entscheidungen keinen unheilvollen Schwebezustand eintreten zu lasten, die Geschäfte voraussichtlich bis zum Wiederzusammentritt des Reichstages führen. Sobald bann der Reichstag sich konstituiert hat, wird die Reichsregierung ihr Amt in die Hände des Reichspräsidenten zurück­legen. Dieser wird dann ebenfalls einem parla­mentarischen Brauch entsprechend, zunächst dem Führer der zahlenmäßig stärksten Partei den Auf­trag erteilen, ein Kabinett zu bilden. Bei den aus der Ausführung dieses Auftrages sich ergebenden Verhandlungen wird sich dann alles weitere ent­wickeln.

Zahlenmäßig liegen die Dinge so, daß die Par­teien der großen Koalition eine ganz geringe Mehr­heit hätten, während die bürgerlichen Parteien unter Ausschluß der ausgefprochenermaßen als Lppositionsvariei in den Reichstag einziehenden Deutsch-Völkischen eine um eine Anzahl Mandate größere Basis hätten. Es ist auch nicht unmöglich, daß unter gewissen Voraussetzungen selbst eine Ver­bindung von. der gemäßigten Rechten bis zur ge­mäßigten Linken, also von den Deutschnationalen bis Einschluß der Sozialdemokraten, 'mindestens zur Erledigung der dringlichsten Angelegenheiten, zu­stande 'käme. .freilich ohne engere koaliftonsmüßige Bindung. Dieser Gedanke ist garnicht so abwegig angesichts der auch in Kreisen der Reichsregierung für sehr bedenklich, ja geradezu gefährlich erachte­ten Taffache des gewaltigen Anwachsens der Kommunisten, die ebenso wie die Völki­schen von vornherein erklärt haben, daß sie die | Parlamentsarbeit mit allen Mitteln zu sabotieren 1 trachten.

Die Gesamtlage ist aber gegenwärtig deshalb noch ungeklärt, weil offiziell mit Parteien und Par­teiführern vor der neuen Konftitutierung der Frak­tionen nicht verbandelt werden kann. Es ist aber bemerkenswert, daß die Deutschnationalen bis jetzt, entgegen allen anderen Ankündigungen im Wahl­kampf, noch von keiner Seite, auch nicht in ihrer ' reichshaupistädtischon Presse die unbedingte Betei-

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ligung der Deutschnationalen an einer kommenden Regierung gefordert haben.

Urach itt Mecklenburg.

Sie Völkischen und Sozialisten stürzen das deutsch­nationale Kabinett.

In der Plenarsitzung des Landtages in Mecklen­burg wurde der Ministerpräsident Freiherr von Brandenstein von der Deutsch-Völkischen Frei­heitspartei gestürzt, weil feine Srellungnahme zu dem Sachverständigengutachten nicht der Ansicht der Deutsch-Bölkischen Freiheitspartei entsprach. Die Sozialdemokraten schloffen sich dem Mißtrauensantrag an, der mit 36 gegen 27 Stimmen angenommen wurde. Das Stäatsministerium erklärte sich mit dem Ministerpräsidenten solidarisch und nahm die Abstimmung zu Protokoll.

Hannover.

In einer VersamMung von Vertretern der Provinz Hannover, zu der Oberpräsident Noske ein» geladen hatte, und an der Ministerpräsident Braun, sowie die Minister Severing, von Richter und Hirt- fiefer, ferner Ministerialrat Meister und Geheimrat Gräser vom Ministerium des Innern teilnahmen, verlas Ministerpräsident Braun eine Erklärung, in der er im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung über die Zugehörigkeit Han overs zu Preußen die Nachteile der Kleinstaaterei hervorhob und die Vor­teile wirtschaftlicher und kultureller Art schilderte, die im Großstaat eigen sind.

Vas KasLo -erPartei-Gründer".

Man schreibt uns von parlamentarischer Seite: Zwischen acht Parteien hat sich der Wahl­kampf vollzogen. Wenn auch auf der Reichstags­liste nicht weniger als 23 Parteien erschienen und wenn sich unter Hinzuzählung der kleinen Gruppen und Grüppchen im Lande tatsächlich das Vorhandensein von sage und schreibe 75 in Worten fünfundsiebzig Par­teien ergeben hat, so konnten als ernsthafte Bewer­ber tatsächlich nur die bisherigen großen Par­teien des Reichstages in Frage kommen und zwar die Dcuischnationalen, die Deutsche Dolkspartei, das Zentrum, die Demokraten, die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Bayrische Volkspartei, zu denen als neuer Faktor die Völkischen traten. Alle anderen Parteien haben eine reftlofe Nieder­lage erlitten. Man könnte ihnen das gönnen, wenn man nicht lebhaftes Bedauern empfinden müßte mit dem Verlust so vieler und zweifellos sehr werwoller Stimmen, die solchen Gruppen zuge­führt wurden und die samt und sonders den bür­gerlichen Parteien verloren gingen.

Das grauenhafte Parteielend in Deutschland, die unausrottbare Sucht zu Parteibildungen, wo immer sich Unzufriedenheit zusammenfindet, ist durch dieses Wahlergebnis gründlich gebranbmarlt. Nicht mehr Parteien tun uns not, sondern w e- niger! Innerhalb der bestehenden Parteien müs­sen die Jnteressen-Vertretungen oder diejenigen, die glauben, ihre Rechte besonders anmelden und ver­teidigen zu müssen, ihre Wirksamkeit suchen und sie müßten alles daran setzen, um durch möglichst starke Vertretung innerhalb solcher Parteien auf die Berücksichtigung ihrer Wünsche und Forderun­gen hinzuwirken.

Spricht schon diese entsetzliche parteiische Zer­splitterung, die uns schon zum Gespött des Aus­landes macht, für die politische Naivität der Deut­schen, die selbst durch die gewaltige Erschütterung des Weltkrieges und feine Folgen nichts gelernt zu haben scheinen, so fast noch mehr der Umstand, unter welchen kleinlichen Interessen sich dieser Wahlkampf vollzog. Da muß man doch die aller­größte Hochachtung haben vor dem besetzten Gebiet, wo dieser Wahlkampf wirklich unter überragend hochpolitischen Gesichtspunkten, unter denen der Befreiung deutscher Lande und deutscher Volksgenossen von gegnerischem Druck geführt wurde.

In sonstigen Teilen des deutschen Landes hat man sich vielfach von engherzigen Gesichtspunkten, von Rückwirkungen bestimmter Verärgerungen, von Auswirkungen einer Unzufriedenheit, die ja notwendigerweise durch die scharfen Eingriffe in unsere ganze Wirtschaft zur Rettung der Währung auskommen mußte, leiten lasten, und derErfolg" ist, daß jene Gruppe eine Riesenarbeit gänzlich ergebnislos vertan hat, daß tausend und abertau­sende, ja hunderttausende von Wählern sich im Effekt von der politischen Mitbestimmung der Ge­schicke des deutschen Volkes und Landes für die nächste Wahlepoche ausgeschaltet haben.

Ob man denn nicht endlich einsieht, wie zweck­los, ja, wie töricht, und noch mehr, wie verderblich im Hinblick auf das Wohl der Gesamtheit ein der­artiges ganz und gar unpolitisches Vorgehen ist?

Das Fiasko der Parteigründer und-der Partei­gründungen ist ein warnendes Signal. Möchten doch diejenigen, die in unbegreiflicher Einsichtslosig­keit durch ihr jetziges eigenbrödlerisches Verhalten nicht nur dem Lande, sondern ihren eigenen Volks­genossen so schweren Schaden zugefügt haben, er­kennen, was die Stunde gebietet: Energischer Zu­sammenschluß aller positiven Kräfte zu gemeinsamer Arbeit und damit zu größtmöglichem Erfolg!

Unserer Meinung nach würden diePartei- gr ünb er", diese Leute der unproduktiven Zeit- und Kraftaufwendung, nicht so üppig ins Kraut schießen, nicht inr Reich und auch nicht sonst, wenn die Wählerschaft energischer die Spekulation auf die Dummheit zurückweisen würde, die da oft in die Erscheinung tritt

Die Trotze Konferenz.

wtb p a t i s, 7. Mai. (Tel.) »Renmark Herold" will van aukorisierier Seile erfahren haben, cs sei nach kein Zeitpunkt für den Zusammentritt einer inkernakianalen Konferenz festgesetzt worden. Macdonald habe van Theunis und Poincare die Zusicherung erhalten, daß sie eine Erneuerung des obersten Rakes billigen würden, wenn die ftauzästfchen Wahlen vorüber seien und be­kannt sei. auf welche Elemente Poincare für seine Partei im nächsten Parlament rechnen könne. Es werde jedoch dementiert, daß Poincare die Räu­mung des Ruhrgebiets angeboten habe, falls England sich schriftlich verpflichte, im Falle deutscher Verfehlungen ernste Strafmaßnah» men durchzuführen.

Das französische Echo.

wtb Paris. 7. Mai. (Tel.) Die Morgenbläiter sehen ihre Vetrachtungen über das Ergebnis der deutschen Reichstagswahlen fort. Das »Echo de Paris- schreibt: Man dürfe niemals vergessen, daß in der deuffchrn Politik ein leidenschaft­licher Element mitspiele: man dürfe daran zwei­feln, daß die Deutschen den Plan der Sachverstän­digen glatt ablehnten, der ihnen gegen Bezahlung von 4 Milliarden in 4 Jahren die sofortige Aufrich­tung ihrer wirtschaftlichen und administrativen Ein­heit sowie eine lange günstige Ruhepause für die Diederaufrichtung ihrer Macht sichern, eine derar­tige Regelung annehmen, könne jedoch Frankreich täuschen, den Druck ausznüben, den man sich im besetzten Gebiet geschaffen habe, bevor die Ordnung von Versailles konsolidiert sei. Das könne den Konfinent den schlimmsten Gefahren und zwar sehr rasch ausseheu. Der Kontinent werde Seine Ruhe haben, solange die Deutschen nicht das Ver­gebliche des Anrufens der Gewalt fühlten. Ihre kriegerische Leidenschaft würde nur verschwinden, wenn sie überzeugt seien, daß ihre traditionellen Gewaltmekhoden zwecklos seien. Das bedeute kei neswegs, daß man sie brutal behandelten und ihnen Berechtigest versagen müsse.

Mm 'ntu§ bei solchen französischen Pressestimimen immer bedenken, daß dort jetzt der Wahlkampf für das französische Parlament im schärfsten Gange ist.

Stimme aus Amerika.

wtb Rervyork. 7. Mai. (Tel.) Die di« Aewyork Times" erfährt, sind die Iteroijorter Bankkreise erfreut über die Nachricht, daß die d e u f- schen Koalitionsparteien über genü­gend Stimmen verfügen, um die Annahme des Dawesberichts durch Deutschland sicherzustellen. Diese Taffache in Verbindung mit der bevorstehen­den Rückkehr Morgans nach Amerika lenkt das In­teresse von neuem auf die A u s g a b e d e r d e u t- schen Anleihe.

Kampf im Ruhrbergbau.

Aus Essen wird gemeldet: Die Bergwerksbesitze, haben infolge der Beschlüsse der Bergarbeiterorga­nisationen in Essen und Bochum am Dienstag abend die gesamten Belegschaften aus- fl e f p e r r t. Seit dieser Zeit ruht die Arbeit aus ämMchen Zechen des rheinisch-westfälischen In- dusttiegebietes.

Don der Aussperrung tm Ruhrgebiet werden lautDerl. Tagebl." etwa 300 000 Bergarbeiter betroffen. Die Besatzungsbehörden haben dem Blatte zufolge erklärt, daß sie strikte Neutra­lität üben werden. Die Haldenbestände für die Kohle verbrauchende Industrie sind gleich null. Infolgedessen muß man bei einer längeren Dauer des Kampfes mit der Stillegung weiterer Betriebe, vor allem der Metallindustrie, rechnen, wo­durch weitere 150200 000 Arbeiter brotlos würden.

Dlättermeldungen aus Dresden zufolge fft auch auf allen Gruben des sächsischen Bergbaues die Aussperrung der Berg­arbeiter erfolgt. Die Notstandsarbeiten werden von den Bergbeamten errichtet.

Die Stellung der christlichen Bergarbeiter.

Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, bet Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands die polnische Berufsvereinigung und der Gewei foerei» Hirsch»Tuncker (Bergarbeiter) haben beschlossen, bii bisherige tarifliche Schicht von sieben Stunden unter Tage und acht Stunden über Tage beizubehalten. In einem Aufruf der genannten vier Bergarbeiter­oerbände wird dieser Beschlug den Bergarbeitern mitgeleilt, aber gleichzeitig betont, daß ein Streik von den Verbänden ausdrücklich ab gelehnt wird. Sollten sich dennoch Kämpfe entwickeln, so seien diese streng nach gewerkt hafilichen Grundsätzen zu führen. Jede diesen Grundsätzen widersprechende, nicht von den vier Verbänden ausgehende Parole sei entschieden zurückzuweisen.

Streik aus den Wersten.

wtb. Bremen, 6. Mai (Tel). Die Werstar» beiter haben mit überwiegender Mehrheit be» schlossen, den Hamburger Schiedsspruch abzu* lehnen. Ein gleiches wird aus Lübeck ge­meldet.