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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lladt Fulda.
Nr. 104-
BerantwortliÄ für die £<6rtftlefmnfl: Dr. Nobanner Kramer. Rnreigen: I- D orielUr. Fulda. 9tototionf6ni<t und verlas der :: Fuldaer Aetiendruckxrei in Fnlda. Fernivrecher Str. 9. ::
B ern «Svrei r fSr8Ünil! Postbelielluna 1.80, Stadtberugl.SOMk.
Samstag, 3. Hl al 1924.
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51. Zahrg.
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Eine günstige Wendung?
wtb £ o n don, 2. Mai. (XeL) „Daily Tete- j gMpf)“ meldet aus Rewyork, bah die Nationale Schützend an k, die grösste finanzielle Einrichtung in den Vereinigten Staaten, öffentlich mit amerifani- jchen finanziellen und kaufmännischen Unternehmungen für die v e r m i n d e r u n g bzw. Streichung der alliierten ü riegsfchulden au Amerika eintritt. 3n ihrem Monatsbericht weist die Bank die Amerikaner darauf hin, bah die Annahme des Reparationsplancs der Sadivctftänbi- gen ein formelles Ersuchen von feilen Europas um Verminderung der Schulden an die Vereinigten Staaten nach sich ziehen werde und bah die Amerikaner bereit fein mühten, eine Antwort zu erteilen. Der Bericht betont, bah der Snchoer - standi genplan eine wesentliche Derrninde, rang der Reparationssumme bedeutet.
Es ist klar, daß der ganze Umfang des Repa- ration^problems ein freundlicheres Gesicht gewinnen würde, falls Amerika feine Forderungen an die Ententestaaten ermäßigte. Gerade die Schuldenlast, die auf den Ententestaaten ruht, treibt sie ja vielfach zu den rigorosen Reparationsforderungen an Deutschland an. Hoffentlich verdüstert das deutsche Wahlergebnis des 4. Mai nicht die Entwicklung, die sich in der Richtung auf eine Erleich- Srung des Reparationsproblems anbahnt.
pomcartS in -er Zwangsjacke.
Er versucht durch die Belgier England für seine RuhrplSne breitzuschlagen.
wtb Paris, 2. Mai. (Tel.) Der „Malin" Mubt berichten zu können, daß der Umfang der Debatte zwischen den belgischen Ministern Theunis und hymanns und den englischen Ministern möglicherweise beschränkt worden sei, da niemand mehr einen Einwand gegen die Beibehaltung französischer Garnisonen im Ruhrgebiet erhebe und andererseits, daß die Geltung des bestehenden Systems neu geregelt wird, sobald die zur Durchführung des Sachverständigenplanes erforderlichen Spelze vorn Reichstag angenommen feien. Aber die dornige $ x «W» f tywrglfewa HErn
erfordere eine Lösung. Die französischen und englischen Eisenbahnen mühten in der Lage sein, den Verkehr auf 3 oder 4 für die Truppen unerläßlichen Strecken zu sichern. Dom finanziellen Standpunkt erschwere deren Gegenwart die Tätigkeit der Industrie ebensonWnig wie die der französischen Soldaten m Essen. Doch müsse eine Regelung zustande kom- mzn, damit die leitenden französischen Beamten in der Lage seien, die Zufuhr für die französischen Truppen zu sichern, was man nicht dem guten Willen der verlassen könne.
Pmncare macht verzweifelte Slnftrengungen, um die Forderungen des Sachverständigenurteils, die ihm unangenehm sind, zu umgehen. In seiner isolierten ßage wäre ihm natürlich nichts als ein Wahlergebnis in Deutschland, das er der Welt als Sieg des deutschen Chauvinismus dar- stellen und so wieder gegen Deutschland alle Instinkte wachrufen könnte'. Hoffentlich rotrb ihm diese Erleichterung feiner diplomatischen Lage nicht zu teil. Jeder deutsche Reichstagswähler kann mit dafür sorgen.
Deutsche koiniteemiiglieder.
Wie der Pariser Korrespondent der „Boss. Ztg." meldet, rechnet man in den Kreisen der Revara- tivnskommission damit, daß die deutschen und di« alliierten Mitglieder der verschiedenen Komitees für die Durchführung des Sachoer- ständigenprogramms mitte nächster Woche miteinander in Fühlung treten werden, um die Komitees durch die Wahl der neutralen Mitglieder zu vervollständigen. Die deutschen Vertreter für das von der Reparationskommission zu errichtende Komitee für Eisenbahnfragen, Staatssekretär Vogt vom Reichsverkehrsministerium. und Staatssekretär Bergmann, seien mehreren Blättern zufolge bereits in Paris eingetroffen.
* Die Rote-Kreuz-Liqa Der Generalrat der kioten-Kreuz-Liga in Paris hat seine Arbeiten beruhet. An einer Reihe von Resolutionen wurde das Programm der Siqa und die vom Sehetariat ent« faltete Tätigkeit gebilligt. Deutschland wurde auf- gefordert, einen Vertreter in den Rat zu entsenden. ______________________
vier bis fünf MMonen Arbeiter und Angestellte
•corex bis November 1925 ganz oder teilweise erwerbslos. Mit Angehörigen machte das ein Viertel des deutschen Volkes au«. Mitte Ab'il waren im undesetzren Gebiet noch 400 000 Menschen erwerbslos. Nicht das AgitationSgrschrei Und fo'e Klassenphrasen der Sozialdem okratie, uichtdieAgilationsanträge bet® eutf 4 national en, Uicht die unerprobten Rezeptchen der Völkischen haben bie'e Besterung herbeigesührt, sondern allein vie zie.bewußte und unter Opfern Aller zusiandege» kommene Wahrungspolltik der Regierung Marx. Sie war ein kühner Versuch, der unsere dolle Aufmerksamkeit erfordert, soll er nicht doch noch Aitern. Die Währung hält die stete Politik der Mch--.
hinein ins Zentrum!
fln die Nichtwähler!
Ihr wollt am 4. Mai zu Hause bleiben! Ihr geht an den Plakaten der verschiedenen Parteien vorüber, als ginge es Euch nichts an. Ihr habt die großen Worte satt, die ja doch nie eingelöst werden. Ihr habt Eure Privatmeinung, die sich da und dort vielleicht einer Partei nähert, sich aber doch nicht ganz mit dieser deckt. Ihr habt den Glauben an die Wirkung des Stimmzettels verloren, und so kümmert Ihr Euch nicht einmal darum, ob man Euch Wahlkarten zugestellt hat, imd wo Euer Wahllokal liegt.
Man kann Euch verstehen, Ihr fühlt Euch enttäuscht, und viele von Euch sind überhaupt nie so richtige Fanatiker einer Partei gewesen, weil Euch jeder Fanatismus und jede Einseitigkeit anekelt.
Aber überlegt einmal, was Ihr geschafft habt, wenn Ihr am 4. Mai wirklich nicht wählt.
Die Phrasen, die großen Worte, die Euch in der Seele zuwider sind, würden gerade bann, wenn der ruhige und politisch neutrale Bürger auf sein Wahlrecht verzichtete, e r st recht die Oberhand gewinnen. Wenn Ihr aus Widerwillen gegen die großen Worte zu Hause bleibt, bann habt Ihr erst recht den großen Worten in den Sattel geholfen.
Schließlich seid Ihr doch Bürger dieses Staates, seid an dessen Lebensform gebunden und unter tausenden wird kaum einer die Möglichkeit haben, auszuwandern, wenn ihm die Verhältnisse nicht mehr behagen. Wer aber nicht auswandern kann, und es auch gar nicht will, wer fortarbeiten will, wo und wie feine Väter gearbeitet haben, der muß von dem Recht des Stimmzettels Gebrauch machen. Heute mehr als je.
Die Sache ist wesentlich anders als vor dem Sriege. Da gab man feinen Stimmzettel der oder jenen Partei, vielfach aus Verärgerung oder sonst einer Augenblicksstimmung heraus, und man wußte dabei doch, daß das System, das Reich sich nicht ändern würden. Der Stimmzettel vor dem Kriege war eine Postkarte an die Regierung, auf der der Wähler ein paar Wünsche äußerte. Heute liegt im Stimmzettel die Mitentscheidung über alle Vorgänge, die früher abseits vom Parlamente erledigt wurden. Der heutige Stimmzettel gibt eine große Macht in die Hand seines Besitzers.
Und glaubt nicht etwa, baß Ihr Euch an der Entscheidung nicht beteiligt habt, wenn Ihr zu Haus bleibt. Jede Stimme, die Ihr abzugeben versäumt, bedeutet eine verstärkte Wucht der Stimmen, die wirklich abgegeben werden. Und von diesen wirklich abgegebenen Stimmen werden Euch viele nicht nur unsympathisch, sondern praktisch gefährlich werden.
Unser Wahlrecht beginnt schon sehr früh. Schon wer am 4. Mai seinen 20. Geburtstag feiert, darf mitwählen. Ihr, die Ihr nicht wählen wollt, werdet meist den älteren Jahrgängen angehören, denen die Ausübung des Wahlrechtes keine reizvolle Neuigkeit mehr ist, wie den Jungen, denen das Hin und Her der Politik schon die Erkenntnis gebracht hat, daß man mit beim Stimmzettel keine Ewigkeitswerte schafft, sondern praktische Arbeit leistet oder Unsinn verhindert. Wollt Ihr, baß unser Wahlrecht den jüngsten Jahrgängen die Entscheidung über Deutschlands Zukunft in die Hände spielt? Ihr könnt das verhindern.
Und wenn Ihr der grosten Phrasen müde seid und erLlich einmal Ruhe und A r bei t in. Deutschland wünscht, bann gibt es Parteirichtungen, die auch den großen Phrasen entgegentreten. Wenn Ihr auch nicht an allem Gefallen findet, was diese Parteien vertreten, in einem sind diese Parteien doch Eure berufenen Wortführer: in der Ablehnung der großen Worte, der verderblichen Illusion. Diese (Eure Wortführer haben <5 seit Jahren nicht leicht gehabt, gegen die großen Worte ariFukämpfen. Sie haben es deshalb schwer, weil Ihr diesen, Euren Wortführern, nicht zu Hilfe kommt. Die Radikalen links und rechts stehen zu ihren Politikern: nur Ihr seid der Politik müde, und Ähr beschwört gerade durch diese Müdigkeit die Gefahr herauf, daß erst recht Dinge kommen, die Euch zuwider sind.
Nichtwähler sein, bas heißt nicht, sich von der Entscheidung fernhalten. Ihr führt sie durch Euer Fernbleiben erst recht herbei. Und hinterher werdet Ihr Euch dann beklagen! Dann aber wird Euch recht geschehen fein.
Das dürft Ihr nicht so kommen lassen: T u t also am 4. Mai Eure Pflicht!
Um das Zell des Bären!
Ein sehr heftiger Streit ist zwischen tem bölki- scheu Führer Wulle und dem deutschnationalen Führer Westarp über die Frage ausgebrochen, ob sich die betreffenden Parteien im Reichstag mit an« deren bürgerlichen Parteien zu einer Koaliiion zu- iammensi '-innen und sollen. Westarp hat eine Koalition utfchnationalerf mit Zentrum und Deutscher artet bejaht. Er wird deshalb auf daS heftig;ic rrn Wulle angegriffen, der erklärt, daß die wahrhaft Völkischen sich im Reichstag von jeder Regierungsbildung fernha'ten müssen. Die deutsch- nationale ,Kreuzzeitung' stellt daraufhin sehr niedergeschlagen feit, daß die Völkischen durch diese Haltung „eine von Sozialisten und Demokrateu freie Regierung unmöglich machen".
Es ist zwar das.Fell der Düren, da? die beiden Herrschaften jetzt unter sich verteilen, aber die Debatte ist nicht uninteressant. Im übrigen haben e8 die Wähler ja selbst in der Hand, durch ihr Votum diesen Streit um des Kaisers Bart zu beenden.
Der IRai.
ein Tag schmerzlicher Erinnerung.
Am Sonntag, dem Tag der Reichstagswahl, sind es genau 5 0 Jahre, baß eines der härtesten und schmachvollsten Kulturkampsgesetze veröffentlicht wurde. Am 4. Mai 1874 trat das „B e r = bannungsgesetz" gegen katholische Priester und Bischöfe, die die Maigesetze verletzten, m Geltung, nachdem es im Reichstag mit 214 gegen 108 Stimmen angenommen worden war.
Der Monat Mai hat uns überhaupt die wichtigsten und folaenschwerften Kulturkampsgesetze gebracht. Die „M aigesetze" des Jahres 1873. so genannt, weil sie am 9. Mai im Reichstag beschlossen, am 11., 12., 13. und 14. Mai von König Wilhelm unterschrieben und am 15. Mai veröffentlicht wurden, hatten in unerhörter Weise in die Rechte der Kirche eingegriffen. Auf einer Bischofskonferenz in F u l d a hatten die preußischen Oberhirten einstimmig beschlossen, der staatlichen Ausführung der kirchenpolitischen Gesetze den passiven Widerstand entgegenzustellen: der Regierung überreichten die Bischöfe am 26. Mai 1873 die Erklärung, daß sie nicht imstande seien, zum Vollzüge der neuen Gesetze mitzuwirken. Einmütig stand der Klerus und das katholische Volk hinter feinen Bischöfen. Darum verfehlten die Maigesetze zum größten Teil ihre Wirkung: trotz einer Unmenge von verhängten Geld- und Gefängnisstrafen gegen, Bischöfe und Priester wurde der passive Widerstand ungebrochen fortgesetzt.
» Da griff nun Bismarck in dem ersten Maigesetz hbs Jahres 1874 zu dem äußersten Mittel. Um ?zu beweisen, daß der Kampf vorwärts geht, damit die Gegner sich nicht der Illusion bingeben, er weiche zurück", brachte er das sog. Verbannungs- gcfetz vor den Reichstag: da man mit der bloßen Einkerkerung nicht auskomme, da auch die Internierung nicht helfe, müsse man die Möglichkeit haben, die B-schäle und Geistlichen» die sich auf- lehnen, aus Sem Lande zu schaffen.
Selbst in links stehenden Blättern wurden Stimmen laut, S e anerkannten, in wie horrender Weife die neue Kulturkampfvorlage das Rechtsempfinden der Katholiken verletze.
In gewohnter meisterhafter Rede nahmen die Zentrumsführer jener Zeit gegen das Gesetz Stellung. Peter Reiche ns perger charakterisierte das neue, angeblich den Frieden bezweckende Kampsgesetz als ein „Prostriptionsgeseg der aller- ödesten Art", der passive Widerstand des Episkopates fei von nichts anderem diktiert als von der Macht des Gewissens. Ludwig Windthorst erklärte, das Gesetz sei nichts anderes als das Wiederaufleben der alten „Reichsacht", die Acht falle verhängt werden über Priester und Bischöfe, die nichts anderes getan als ihre Pflicht erfüllt hätten, die die Sakramente gespendet, das hl. Opfer dargebracht hätten auch ohne die Billigung des Staates. „Was kann denn Staatsgefährliches gefunden werden in der Zelebrierung der hl. Messe und in den übrigen Kultusakten? Was kann Gefährliches gefunden werden in der Spendung der Sakramente? Was kann Gefährliches darin fein, wenn der Priester auf dem Schlachtfelde oder bei Epidemien hineilt, um den Sterbenden zu trösten und vorzubereiten auf den schweren Gang in die Ewigkeit? Fühlen denn die Herren nicht, daß .... es undenkbar ist, daß vor dem gefunden Menschenver- ftanS das Verrichten des Gebetes, der Unterricht in der Lehre der Apostel abhängig gemacht werden kann Savon, ob der Betende, der Neligionslehrer, Sie Staatsgenehmigung erhalten hat?" Wenn Sie uns die Priester nehmen, oder wenn Sie uns verfälschte Priester senden zu können glauben, bann irren sie sich sehr. Sie irren, wenn Sie glauben. Saß wir den letzteren folgen werden oder ohne die anderen nicht fertig werden.
Erschweren können Sie unsere Lag», wehe ton können Sie uns. Sie können unsere Herzen verletzen, aber von unserem Glauben abbringen können Sie uns nicht. Haben wir die Priester nicht, so werden wir allein beten, und wenn die Geistlichen uns keine Predigt halten, dann werden wir Laien finden, die sie halten: und wenn Sie uns die Kirchen verschließen, dann werden wir uns in den Wäldern versammeln: wir werden uns ebenso zu helfen wissen, wie die Katholiken in Frankreich sich zu helfen gewußt haben unter den Jakobinern."
In der 3. Lesung nahm Hermann v. Mallinckrodt das Wort. Es war eine feiner letzten Reden. Denn bald schon sank der große Führer ins Grab. „Wenn Sie glauben, einen solchen Kampf (zwischen Glauben und Unglauben) brächten Sie zum Austrag durch derartig armselige Äer- bannungsgesetze, so rechnen Sie völlig falsch und Sie kennen nicht die Wirkung der christlichen lieber» zeugung." Leiden erzeuge die Bereitwilligkeit zum Leihen, alle Klaffen Ses kaih. Volkes seien in der Entschlossenheit, für den Glauben zu leiden und in der Hoffnung „per crucem ad lucem!"'(durch Kreuz zum Licht) in unzerstörbarer Treue Bereinigt (vergl. Kißling, Kulturkampf H).
Trotz glänzender Verteidigung des Zentrums nahm die nationallideral-konferative Mehrheit das Derbannungsgesetz mit erdrückender Mehrheit an. Priester und Bischöfe konnten feit dem 4. Mai 1874 wegen kirchlicher Amtshandlungen aus bestimmten Orten und Bezirken ausgewiesen werden, sie konnten der Staatsangehörigkeit verlustig erklärt und selbst aus dem Gebiet des Deutschen Reiches ausgewiesen werden. Und diese gesetzlichen Handhaben wurden rücksichtslos gegen die Diener der Kirche angewandt.
Wir wollen uns am 4. Mai 1924 jenes unerhört harten Gesetzes vom 4. Mai 1874 erinnern und mit dem Stimmzettel am 50jährigen Gedenktag dieses Gesetzes die gebührende Antwort geben, wenn die Nachfolger jener alten Kulturkampfparteien heute um untere Stimmen buhlen. Dr. Sch.
Kepublit Griechenland.
wtb Athen, 2. Mai. (Tel.) Heute vormittag wurde anläßlich der Errichtung der Republik in bet hiesigen Kathedrale ein feierliches Te Deum abge- halten. Der Präfident und die Minister wohnten der Feier bei und leisteten den Treueid für die Republik. Am Rachmittag fand bk feierliche Vereidigung der Armee auf sie Verfassung statt.
Rumänien sucht Geld.
«ad London. 2. Mai. (Tel) Die „Times" berichtet, daß der rumänische Minister des Aenßereu gestern mit Macdonald im Unterhaus zusammen- gctroffen ist und später auch auf dem Schatz- a m t Vorgesprächen hat.
Rußland und Belgien.
wtb London, 2. Mai. (Tel.) »Daily Telegraph" zufolge traf der belgische Botschaf. ter Moncheur gefletn nachmittag mit dem Geschäftsträger der Sowjelrepublik Rakowsky zusammen, am ihn mit dem Wunsche der belgi- Regierung. die Möglichkeit von Verhandlungen zwischen beiden Ländern zu unternehmen, bekannt zu machrn.
g—am ,
Note „gut".
Vas die Statistik über dir Reichsregierung sagt.
Nach einer Veröffentlichung des statistischen Reichsdmts ist fast auf allen deutschen Kohlengruben die Vorkriegsproduktion nahe- zuerreicht. '
Wer nicht auf Phrasen hört, sondern Tatsachen sprechen läßt, entnimmt aus obiger Meldung, daß die Reichsregierung unter Führung des Zentrums die durch den Krieg und den Zusammenbruch völlig zerrüttete deutsche Produktion in einem wesentlichen Teil zur Gesundung geführt hat. Gibt es nicht genug der n ünf 11 ge Männer, die derartigen Leistungen mehr Gewicht beimeffen für ihre Stellung zur Reichstagswahl als den Sprüchen radikaler Ignoranten? Am 4. Mai muß es sich zeigen.
Der Gipfel.
5m Wahlkampf gibt es eine ganze Reihe von Parteien, von denen man nicht weiß, was sie eigentlich wollen. In Fulda ist es ja sogar vor- grkommen, daß einer, der die Parteien eigentlich abschafsen wollte, zu diesem Behuf eine neue Partei gegründet hat. Auch sonst sind die Motive für Parteigrsindungen oft recht bemerkenswert. So ist jetzt klar, warum die Nationalliberale Bereinigung gegründet werden muhts. In einem m Berlin verbreiteten Flugblatt der Natio- nalllberalen Bereinigung sinder sich unter anderem sollender Satz: „Sie (die Nalionalliberale Ver- ehugiung) kämpft gegen b i e Regierung, die vor wenigen Tagen die Zahl der Turnstunden verminderte und in dieser Schicksalszeit unserem Volk und unserer Jugend Steine für Brot gibt."
Die Reichsretzierung hat allerdings sehr viel zu tun, aber daß sie sich auch noch um Turnstunden kümmern mußte, erfahren wir erst aus diesem Flugblatt. Bisher unterstand der Turnunterricht dem preußischen Unterrichtsminister B o e l i tz und dieser ist Mitglied der Deutschen Bolks- Partei —, von der die Nationalliberalen sich also deshalb trennten, weil sie z u wenig Klimmzüg» machen können!
Immerhin zeigt das, von welchen hochpolstffchen Defichtspunkten dieser Wahlkampf geführt wird. Ts ist wahrhaftig Zeit, daß er zu Ende geht, denn man kann gamictji wissen, auf welche Gedanken wir noch bet solchen tiefgründigen Weltanschauung gebracht würden._______
Der 1. mal
ist fn Deutschland und auch im Ausland in diesem Jahre ziemlich unoermerft oorübergegangen. In Berkin hatten entgegen den Verboten die Kommunisten zu Straßenumzügen aufgefordert. Die Beteiligung war schwach. Meist wurden die Ansammlungen von der Polizei ohne Anwendung von Waffengewalt zerstreut. Rur in der Prin- zesstnnenftraße kam es am Mittag zu einem schweren Zusammenstoß mit einem Zug von etwa 1000 Personen. Hierbei gab ein schwerbedrängter Ober« Wachtmeister in der Notwehr einen Schuß ab. Die Kugel durchbohrte einem Neger die Lunge und verletzte eine zweite Person leicht. Die Demonstranten stoben auseinander, sammelten sich aber wieder am Luisen- und Elisabethuser, wo sie von verstärkter Polizeimannschaft endgültig mit (Bummitnüppeln ausetnanbergetrieben wurde.
Weitere Schießereien werden aus Oberschlesien gemeldet. In Hindenburg wurden z. B. zwei Personen getötet und fünf verletzt, eine Person lebensgefährlich Der Anführer der Leute, die geschossen hatten, Glodnisk aus Kochowitz (Polnisch- Oberschlesien), wurde festgenommen.
wtb p atis 2. Mai. (Tel.) Die gestrige Maifeier ist in Frankreich ohne ernstliche Zwischenfälle ruhig verlaufen. Nach dem Vlalk „Ce Peuple" haben in 7 0 Industriezentren Kundgebungen für das Programm der sozialistischen Gewerkschaften staltgefunden. 3n den meisten Plätzen fanden Umzüge statt. 3n Paris haben die Kommunisten die Maifeier getrennt von den Sozialdemokraten abgehatten. Die Kommunisten hielten in Paris 16 Vollversammlungen ab. die stark besucht waren.