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FuldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
fir. 97.
Verantwortlich iür die Schriftleitung: Dr. JobmmeS Kramer. Anreigen: I. Parze Iler, Fulda. Rotationsdruck and Verlag der s Fuldaer »ctiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Str. 9. a Bezugrvrei r für Avril- Poftbeftellmig 1.80, Stadtbezug 1J0M
HreUag, 25. ßpril 1924.
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51. Zahrg.
MMegierung nni) Sachverstöndigellgutachte»
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Die englisch-mffische Ronserenz.
wtb London, 24. April (Tel ) Reuter meldet, daf, heute nachmittag 3 Uhr im Auswärtigen Amt eine Plenarsitzung der e n g l i j ch - r «f s i f ch e « Konferenz stattsinden wird. I« Abwesenheit des Premierministers wird Unterstaatsfekretär Ponsonby de» Vorfitz führen.
Aus Berlin wird uns mit geteilt:
Die Reichsregierung hat in ihren, jetzt nach den Dsterfeiertagen wieder ausgenommenen Besprechungen, sich erneut eingehend mit der durch die Sach- verstand i gengutachten geschaffenen Sachlage beschäftigt. Eine wichtige, und in ihren weiteren Wirkungen auf die beiderseitigen Entschließungen bedeutsame Grundlage ist geschaffen durch die halb-
lallen, und zwar aus allgemeinen wirtschaft- °!*3 Eich msbesondere zur Forderung der gememnüßtfim Beamtenbanken ufro., um die zeitweise "°n. den einzelnen Beamten nicht benötiqten Beträge ^erdurch für in« Gesamtbeamtenschaft und deren Selbst- hilfeemnchungen nutzbar zu machen. Cs ist zu erwar- ten, daß die Länder und Gemeinden, soweit es ihre ^mmrzlage irgend geltet, sich dem Vorgehen des Reiches cmichlwßen werden.
Hus dem besetzten Gebiet.
Der «Kölnischen Zeitung' zufolge ist Fritz von Opel in Rüffelsheim, der sich eine Radiostation anlegen ließ und dieselbe benutzte, ohne die Antwort der Rheinlandkommission auf das an sie gerichtete Gesuch abzuwarten, vom Kriegsgericht in Wiesbaden z« 500 Goldmark verurteilt worden. Der Ingenieur Gresser, der begonnen hatte, für sich eine Radio- station anzulegen, wurde zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt.
Mlttelstandsparieien.
In dem Mitteilungsblatt der Koch. Kauft». Vereine lesen wir:
Die britische Reichsausstellung.
Die Eröffnung.
Mittwoch vormittag wurde in Anwesenheit einer riesigen Volksmenge die Britische Reichsausstellung in Wsmbly vom König eröffnet Die Zeremonie fand in einem Pavillon statt, der in der Mitte des Stadions errichtet ift Sämtliche Plätze, die für etwa 100 000 Zuschauer ausreichen, waren voll besetzt. Dem Königspaar wurde bei seinem Eintreffen ein begeisterter Empfang zu teil. Die Eröffnungsrede wurde mittels drahtlos er Telegraphie weiter verbreitet.
zögerung seines Gintreffens in Hanau hätte ankommen müssen.
wtb Bellinzona, 24. April. (Tel.) Eine Befiäkigung der Blöktermeldung, daß der Reichs- kagsabgeordnete helfferich bei dem Eisenbahnunglück umgekommen sei. war an zuständiger Stelle nicht zu erhalten. Die verkohlten Leichen konnten noch nicht identifiziert werden. Ein Verletzter des Zugpersonals ist inzwischen gestorben.
wtb Bern, 24. April. (Tel.) Die Schweizer Depefchenagentur meldet aus Bellinzona: Bei dem Eisenbahnunglück wurden wahrscheinlich 5 wann des Lokomotivpersonals und S Reisende getötet, deren Identifizierung nicht möglich ist, da sie aus den brennenden Trümmern nicht geborgen werden konnten und vollständig verkohlt sind. Schwer verletzt find 4 Zugbeamte und 4 Reisende, jedoch nicht lebensgefährlich. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Räumung der Ungtücksstätte wird bis Donnerstag abend dauern
Helfferich tot.
Gin« erst bei Rodaktionsfchluß eingehende Meldung besagt:
Bellinzona, 24. April. (Tel.). De, deutsche Konsul in Lugano teilt mit, dah aufgruni der Ausweispapiere festgefkellt werden konnte, daß der Reichstagsabgeordnete, Staatsminister a. D. Dr. Helfferich und feine Mutter sich unter den Opfern des Eisenbahnunglücks befinde».
Ausland.
* Das erste Bedninenparlament. Die Wahl der Mitglieder für das erste Beduinenparlament, das am 1. Juni in Jerusalem Zusammentritt, hat im Transjordanlande begonnen.
Übertritt Der. bisherige deutschnationale Reichstapsabgeordnete Landgerichtsdireltor Warmuth
Die Katastrophe von Bellinzona, helfferich unter den Opfern.
Interessenpartei die Gründung anderer Jnteressen- par feien nach sich ziehen und der Kampf der Wirtschaftsgruppen untereinander würde noch ärger werden als er jetzt schon ist. Der kaufmännische und gewerbliche Mittelstand soll sich na- Lirlich nicht vom politischen Leben fern halten, aber feine politische Betätigung soll mit den Angehörigen anderer Erwerbsstände in den bereits bestehenden Parteien, die sich nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus kristallisiert haben, erfolgen.
Lin trauriger Gedenktag.
40 Jahre Kolonialpolitik.
Der 24. April ift der 40. Geburtstag bei deutsche» Kolonialpolitik, die am 24. April 1884, als Bismarck die Kolonialerwerbung des Kaufmanns Lüderitz an der Südwestküste Afrikas unter dem Schutz des Deutschen Reiches stellte, begründet wurde. Der frühere Gouverneur von Kamerun und Deutsch-Südwestafrika Dr. Seitz hielt aus Anlaß der Reichskolonialgründung einen funkentelephonischen Vortrag über die Deutschland entrissenen Kolonien. In der neuen Aula der Universität Berlin findet eine Gedenkfeier der Kolonialarbeitsgemeinschaft statt.
Das deutsche Volk gedenkt trauernd der Tatsache, daß die unter Bismarck begonnene Kolon ialpolitil infolge der unglücklichen Vorkriegs» und Kriegspolitii mit dem Verlust aller deutschen Kolonien endete. Möge eine zielklare politische Arbeit es ermöglichen, daß Deutschland bald wieder einem Teil der Kolonialwelt seine Sorge und seine kolonisatorischen Kenntnisse widmen darf._____________
Wirtschaftliche Kampfbewegung.
— Snrsperrung im Metallarbeitergewerbe. Die Würz. Bürger Firmen König und Bauer, Bohn und Herbert, Noell und Co. haben wegen der seit Februar sich einziehenden Lohn- und Arbeitsstreitigkeiten die ge sam te Arbeiterschaft auf die Dauer von 14 Tagen aus gestellt.
Beamtenfragen.
Vorauszahlung -er Deamkenbezüge. Obgleich die Finanzlage des Reiches immer noch sehr »etzannt kst, hat sich der Reichsminister der Finanzen A>ch entschlossen, den Reichsbeamten am 30. Avril ihre Bezüge wieder für einen ganzen Monat im EE zahlen zu lasten. Er glaubt die Verantwortung für diese Masinahn^ trotz der noch bestehenden Schwie- ngfctten im Interesse der Beamtenschaft auf sich nehmen |u muffen Nach Wiedereinführung der monatlichen Vorauszcchlung der Bezüge werden die Beamten aut
Kur ter Wahlbewegung.
= lleutnderg Am Freitag, 25. April, abends 8 Uhr findet im Gasthaus zum .Kaiser Friedrich« eine' Zentrums Versammlung statt, zu der die Zentrumswähler von Neuenberg, Männer und Frauen, herzlichst eingeladen sind.
*= Haimbach. Am Ostermontag sprach auf unserer gutbesuchten Zentrumsversammlung Konrektor P. Schmitt über die seitherige Tätigkeit der Zentrumspartei und über die ihr bevorstehenden neuen Aufgaben besonders auf kulturellem Gebiete. Der Verlauf der Versammlung, zu der sich erfreulicher Weise auch die lunge Männerwelt eingefunden hatte, berechtigt zur Hoffnung auf einen guten Erfolg am 4. Mai.
— Schwarzbach. Am Ostermontag fand nach dem Morgengottesdienst eine aus der ganzen Pfarrei gut besuchte Zentrumsversammlung statt. Der Redner Herr Dr. Will-Fulda zeigte durch Darlegung der geschichtlichen Tatsachen, daß das Zentrum an der Politik, die zum Zusammenbruch geführt hat, nicht beteiligt ist, dagegen seit der Revolution unentwegt au der Erhaltung des Vaterlandes mitgearbeitet hat durch eine gesunde Politik dec Erfüllung und Verständigung nach außen und des Ausgleichs der Gegensätze sin Innern. Die Versammelten nahmen die Ueberzeugung mit, daß ihre und des ganzen Volkes Interessen bei der Partei, die in den Grundsätzen der christlichen Sittenordnung verankert ist, wohlgeborgen ist.
m mcht sehr geschickter Weise, soviel ich weiss, auch ohne diesbezügliche Instruktionen aus der Wilhelmstraße, sich von seinen klügeren Kollegen au» Paris und Peters- bürg bei Ueberreichung der Ultimatums in den Dor- dergrund hatte schieben lasten.
Ich erinnere mich, daß ich im Winter 1905 — ich stand mit meiner Frau vor dem Teehause in Shimonoseki, darin der bekannte Frieden unterzeichnet wurde — die Befürchtung aussprach: „Hoffentlich müssen wir diese Dummheit nicht einmal bezahlen."
Leider ist meine Befürchtung etngetroffen. und das Ultunattmi der Japaner, das bei uns Dnrtfchen unberechtigterweise einen solchen Sturm der Entrüstung her- vorrief, war eine wörtliche Uebersetzung dos Ultimatums aus dem Jahre 1894, nur. daß an Stelle des Wortes „Pott Arthur" das Wott „Tsingtau" stand.
Die Rechtsopposition von heute hat wirklich keine Veranlassung, sich als überlegener Kritiker der ^Fehlschläge" der jetzigen Regierung aufzuspielen. Sie studiere die politische Geschichte der Zeit, als die Rechte in Deutschland regierte, und schlage dabei an die eigene Brust: mea culpa!
Deutscher Reich.
* Her Reichspräsident hat an den zum dänischen Autzenmmrster ernannten bisherigen dänischen Ge- fanbfen in Bersin, Grafen Moltke, folgendes Telegramm gesandt: „Zu ihrer Ernennung als Außenminister bitte ich Sie und ihr Dafer- land meine besten Wünsche entgegenzunehmen. Ich bedmiere aufrichtig, Sie von dem hiesigen Posten ichekden zu sehen, auf dem Sie so lange Jahre im Jmeresse der deutsch-dänischen Beziehungen gewirkt haben.
Zmn 1. Akai. Der „Vorwärts" veröffentlicht einen M a i -Aufruf der sozialistischen Arbeiter- internanonale, der zu Demonstratipnen des Weltproletariats am 1. Mai, insbesondere für die internationale Festlegung des Achfftunden- tages auf fordert.
= v« AieberlSndische Rote Urei,; hat für die Not- leidenden in Deutschland weiters 10000 Goldmwck auf. gebracht.
„§chlsch!Sge".
Die sogenannten Rechts-Kreffe, die heute Deutschland zu helfen meinen, wenn sie jedes Unternehmen der Regierung, oft unter den schwierigsten Ver- hälMissen notwendig geworden, in Grund und Boden kritisieren, haben ein schlechtes Gedächtnis. Sonst müßten sie doch längst im Hinblick auf Vorgänge aus jener Zeit, da sie die Politik, namentlich die Außenpolitik, ganz allein machten, schamvoll verstummt fein. Eine Episode aus der Vorkriegspolitik ist wohl geeignet, den Leuten, die sich über „Fehlschläge" der heutigen Regierung nicht genug entrüsten können, Stoss zum Nachdenken über eigene „Fehlschläge" zu bieten. In seinem bemerkenswerten Buche „Der Krieg der versäumten Möglichkeiten" (München 1923) schreibt ®ene< ral Hoffmann, der vielgenannte Generalstabsoffizier des deutschen Ostheeres, der vor dem Kriege zeitweilig zur japanischen Armee abkommandiert gewesen war, über die außenpolitische Einstellung maßgebender deutscher Stellen in der Zeit vor 1914 folgendes:
Was die Asiaten anbetrifft, so nahm der Generak- stab, wenigstens solange ich (herbst 1911) in der russischen Abteilung arbeitete, nicht an, dass die Russen in der Lage fein würden, ihre ganzen ostsibirischen Trup- Pen nach Europa zu werfen, da man sich dem Glauben hingab, dass es unserer Diplomatie gelingen würde, Japan dem Konzern der Feinde fern zuhalten. Gelang unserem Auswäriigen Amte diese nach dem ge« wohnlichen Menschenverstände nicht allzu schwierige Aufgabe, so mußten die Russen wenigstens einen Teil der ostsibirischen Truppen im fernen Osten belassen.
Allerdings konnte ich persönlich gewiffe Befürchtungen bezüglich unseres Verhältnisses zu Japan nicht unterdrücken. Ich erinnerte mich einer Aeußerung, die im Frühjahr 1914 der damalige japanische Kriegsminister Terauchi gemacht hotte. Terauchi 'tand im Rufe, uns Deutschen nicht sehr gewogen zu fein. Anlässlich eines Diners kam die Rede auf diesen Punkt. Terauchi gab zu, daß die Ansicht zwar nicht den deutschen Militärs, aber der deutschen Polittk gegenüber zutreffe, denn, daß Japan 'öen Krieg gegen Rußland führen müfle, daran sei auch Deutschland mitschuldig.
«Wir hatten Port Arthur 1894." meinte Te- sauchi, „den Chinesen abgenommen und befassen es. Das Ultimatum Deutschlands, Rußlands und Frankreichs Wtong uns, Port Arthur den Chinesen zurückzugeben; das die Russen dies Ultimatum stellten, war selbstverständlich. Denn sie strebten selbst nach Port Arthur und dem eisfreien Hafen Saini. Dass Frankreich Rußland unterstützte, war natürlich, denn es war chm verbündet. Aber was ging denn Sie die ganze Geschichte an?".
Diese Frage habe auch ich mir oorgelegt, noch mehr, •fe ich erfuhr, dass unser damaliger Gesandter in Tokio
lieber 30 Toke. — 50 Schwerverletzte.
Helfferich vermisst.
Durchweg Deutsche in dem völlig verbrannten Waggon.
Bei der Eifenbahnkatastrophe an der schweizerisch-italienischen Grenze sind bisher über 30 Tote und 50 Schwerverletzte festgestellt worden. Unter den Opfern befinden sich die Lokomotivführer der vier Maschinen und die Heizer der Heizwagen. Ein großer Teil der Leute konnte noch nicht identifiziert werden, da die Leichen völlig verkohlt sind. Bundesrat Motta und der Direktor der Basler Bundesbahnen haben sich an die Stätte des Eisenbahnunglücks begeben. Die vorläufige Untersuchung hat ergeben, daß der Führer des Luzerner Schnellzuges das Haltesignal überfahren hat. Bei dem Zusammenprall der beiden Züge geriet der mit Gas beleuchtete deutsche Wagen des aus Mailand kommenden Zuges infolge Explosion des Gasbehälters i n B r a n d. S ä m t l i ch e I n s a f s e n des Wagens, vermuttich durchweg Deutsche, find in den Flammen umgekommen. Der durch das Unglück angerichtete Materialschaden ist sehr groß. Allein die vier elektrischen Lokomotiven haben einen Wert von etwa 4 Millionen Franken.
Der ausgebliebene Abg. Helfferich.
Wie die Blätter erfahren, hatte der Reichstagsabgeordnete Helfferich die Absicht, mit dem in Bellinzona verunglückten Zug von feiner Ita- lienreife nach Deutschland zurückzukehren, um in Hanau seine erste Wahlrede zu halten. Dr. Helfferich ist bisher nicht in Hanau eingetroffen. Der „Boss. Ztg." zufolge hegt die Berliner Parteileitung der deutschnationalen Partei ernste Befürchtungen um das Schicksal Dr. Helfferichs, da bei seiner Zuverlässigkeit unter allen Umständen von ihm ein Telegramm über die Ser»
Bereitung aller derjenigen Fragen, die durch das Sachverschndigengutachten aufgeworfen werden, fortfahren, und sie wird ihre ganze Autorität daran fetzen, um alle diese Dinge einer ersprießlichen Lösung . Daß der neue Reichstag eine
ich andere Entscheidung gegenüber dem tändigengittachfen treffen würde, als sie 'ch die Mitregierung gefällt worden ist, erscheint völlig ausgeschlossen.
lieber die Einzel fragen wird der neue Reichstag sein Votum abzugeben haben. Die Taktik der Reichsregierung geht jedenfalls dahin, alles zu vermelden, was nur den Anschein geben könnte, als wolle Deutschland die ersten sich bietenden Möglichkeiten zu einer Verständigung durch eine ablehnende Haltung gefährden. Die Reichsregierung weiß sich dabei eins mit den Vertretern, wie überhaupt mit der Bevölkerung der besetzten Gebiete, in deren vordringlichstem Interesse die Lösung der schwebenden Fragen siegt.
Die Stellung Belgiens.
wtb’ London, 24. April. (Tel.) Der Brüsseler Berichterstatter der „Times" erfährt von gutunier- richteker Seite: Die belgische Regierung stehe zu den Befchlüssen der Sachver- ständigen. Es gebe jedoch gerviffe Punkte, wie der Prozentsatz der Verteilung der deutschen Zahlungen, die Bedingung für eine Räumung des Ruhrgebiet», die interalliierten Schulden usnch über die ein Meinungsaustausch zwischen Frankreich und Belgien für nötig erachkel werde. Die Ansicht der belgischen Regierung sei, daß die Fragen der Festsetzung des Betrages der deutschen Zahlungen and die der interalliierte» Schulden auch parallel erwogen werden könnten. Die Festsetzung dec deutschen Sesamlschnld forme auf einen gewissen Zeitraum verschoben werden, um die Durchführung des im Bericht der Sachverständigen enthaltenen Planes zu erleichtern und zu beschleunigen. Ufas die Ruhr betreffe, so sei man In Belgien der Ansicht, daß die Besetzung geändert werden müsse, aber unter der Bedingung, daß gewisse ernste Garantien vereinbart werde». Die Hauptsache sei, daß eine AtmosphäredesDer- traueus geschaffen werde, damit die Frage der deutsche» auswärtige» Anleihen, die bei der Lösung des Reparationsproblems mithelfen wolle, gesichert werde.
Vor den Wahlen tauchen von Zeit zu Zeit Vor- schtäge auf, die dahin gehen, einzelne Berufsstände zu, besonderen politischen Parteien gufan: i;u- schffehen. So ist bekanntlich auch in Bayern , _• den Landtagswahlen «ne sogenannte Mi11elstands- partsi gegründet worden, die den gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand umfassen sollte, aber nicht einmal ein Mandat erringen konnte. Mit solchen Sondergründungen glaubt man fen Einfluß des Mittelstandes im Parlament ver- türken zu können. Diesen Absichten, die sich schon wiederholt zu verwirklichen suchten, — allerdings mrmer mit negativem Erfolg — ist zunächst einmal ent gegeng ich al len, daß eine wirklich beachtenswerte Mittelstandsparfei nur geschaffen werden könnte, roenn alle Angehörigen des Mittelstandes dazu gebracht werden könnten, nur die Kandidaten des Mittelstandes zu wählen. Daß soviel Ewigkeit auf- jebracht würde, ist schwer zu glauben. In einer nutzen Partei würden sich die Mitglieder zusammen- mden unter dem einzigen Gesichtspunkte der Der- iretung der Mitfesstandsinteressen, in allen a n - >eren Fragen aber würden sie in den o eichrieben ft en politischen Sägern stehen: nnb es g i b t noch andere Fragen als die der reinen Jnteressenpolitik! Die Fragen der allg meinen Staatspolitik und derKulturpolitik find eminent wichtige Gebiete der politischen Willen sbil- dung Und die Verschiedenheit der Ansichten in 5tumtrfragen, z. B. in Schul- oder Ehegesetz - gebung oder in der allgemeinen Polittk bei der vrage, ob Monarchie oder Republik, ob Föderalis- nrUa-s r Militarismus, würde bereits den Keim der Auslosung m eine solche Jnteressenpartei hinein- ragen. Eine Mittelstandsparfei von der Art, daß ie im Parlament durch zahlenmäßige Stärke ihren Wunsche» Nachdruck verleihen könnte, läßt sich über« Ä-fÄ auf bringen, denn dazu ift der --------------^„„ucriunsoirenor
kaufmännische Mittelstand zu i ift den Blättern zufigge zur Deutschen ffce-w wuchs die Gründung wt statt ' übergeh-^
'gengutachrens en dlvc angenommen habe.
Auch gegenüber der scharfen Kritik, die in diesen Tagen in einem, in zahlreichen deutschen Zeitungen verbreiteten Artikel des Abg. Dr. Helfferch vor- genommen wurde, hüll die Reichsregienmg daran fest, daß sie es mit ihrem Veranttoortungsbewußt- fem gegenüber Volk und Land nicht hätte vereinbaren können, das Sachverständigengutachten ab» 3 ul ebnen. Die Rechsregierung ist der Auffassung, daß, wenn auch das Gutachten unzweifelhaft von der deutschen Wirtschaft die schwerste» Opfer . verlangt, von denen heute noch niemand sagen kann, ob sie überhaupt je getragen werden können, doch dieses Sachverständigengutachten andererseits auch wieder gewisse Vorteile enthält, die ferne deutsche Reichsregierung preiszugeben wagen dürfe. Die Tatsache, daß alle Ententemächte sch auf den Boden des Sachverständigengutachtens stellen, und damit auch den Voraussetzungen der Ausführung der Vorschläge zustimmen, die dahin gehen, daß Deutschland seine volle wirtschafttiche Verfü- gungsfreiheit über die Wirtschaft der besetzten Gebiete, aber auch die Aussicht auf erträgliche Gestaltung der Besatzungskoften und auf Wumung der über den Versailler Vertrag hinaus besetzten Gebiete echält, bedeutet nach Auffassung der Reichsregierung eine erhebliche Entspannung der gesamten außenpolitischen Situa- fion.
Die Reichsregierung stützt sich in ihrer Auffassung nicht nur auf die Zustimmung aller Landesregierungen, sondern auf das Urteil führender Wirt- schaftskräste. Auch neuerdings hat sich der Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Industrie 'Dr. Sorge für eine rasche Entscheidung in diesen Fragen eingesetzt, um der gesamten deutschen Wirt- ichaft willen. Tatsächlich gefährdet die gegenwärtige Unsicherheit in der Regelung der Reparattons- frage in Verbindung mit der beispiellosen inneren Kredit not jede sachliche, und vor allem jede prodickttve Tätigkeit. Die Reichsregierung wttd baffer in ihren Maßnahmen zur gesetzgeberischen Vor-