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FuldaerZettung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Staöf Fulda.

Nr. 96

Beraittwortlich iür die Schrittleiwns: Dr. Jobanner Kramer. Ameise«: I. P amller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der s Fuldaer Actiendruckcrci in Fulda. Fernsprecher Rr. 8. -

Be-ugSvreiS für Avril: Bostbestellung 1.80, Etadtbezug 1.50 Mk.

Donnerstag, 24. April 1924.

Anreisen -Preise: Kleinteile (Colone!) lokal 0,15 (Soldmark, auSwSrtt 0,20 Soldmark: Reklame,eil« lokal 0.60. Soldmark. :: auswärts 0,80 Goldmark, r.

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51. Zahrg.

Unterhaltung über die Kernfragen.

Meinungsaustausch zwischen Paris, London, Brüssel und Rom.

Weltabrüftungskonferenz?

In der Frage, wie das durch das Sachvsrstän- bigen-Urteil neu in Fluß gekommene Reparations­problem weiter behandelt werden wird, liegt fol­gende letzte Meldung vor:

wtb Paris, 23. April. (Tel.) Das «Echo te Paris" glaubt mikkeileu zu tonnen, daß zwischen z>en Regierungen in Paris, London, Druffel, Rom und Washington bereits eine Diskussion eingeleikek sei und zwar

über drei Fragen, die offenbar die französische Regierung durch ihre jsiplomalische» Vertreter anschneiden will:

1. liebet die verschiedenen Etap­pen, nach denen das augenblicklich im Ruhrgebiet aufgerichkeke wirtschaftliche Sy st em in dem allgemeinen System, das die Sach­verständigen oorsehen, aufgehen soll. Es könne nach der französischen These keine Fusion ffafffinben, ehe nicht dos Gelingen des vorgesehe­nen allgemeinen Systems fesigestellt sei.

2. lleberdie Frage der Sanktionen.

3. Hebet die Frage der interalliier­ten Schulden.

Das sranzöfische Verlangen gehe darauf hinaus, daß man die 27 Milliarden, die es England und Amerika schuldet, erläßt und ihm von Deutsch­land eine Minimumzahlung von 26 Milliarden Goldmark garantiert.

Die Meldung zeigt aufs neue, wie sehr das interallierte Schuldenproblem die Situation belastet. Wenn England und Amerika für die Be­ruhigung Europas wirklich etwas leisten wollten, müßten sie vor allem die Gläubigerrechte, die sie ihren früheren Bundesgenossen gegenüber haben, etwas weniger schroff geltend machen. Aber ge­rade zu solchen Opfern können sich die angel­sächsischen Länder anscheinend gar nicht verstehen und ihre Beruhigungsaktion bleibt Theorie.

CsoUdges neuer plan.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Coo- üdge, teilte in einer Ansprache an die „Associated Presse" von Amerika mit, daß er, nachdem eine endgültige Regelung der deutschen Reparationen eingetreten sei, die Einberufung einer neuen Welrkonferenz zur Erwägung von weiteren Beschränkungen der Rüstungen und zur Kodifizierung des

Vas Arbetts-ienstjahr

fpitit jetzt häufig m Wahlversammlungen eine Rolle. To einfach, wie es vielfach hingestellt wird, ist die Sache nicht. In der „K. 58." lesen wir über diese Frage der Arbeitsdienstpflicht folgendes:

Praktisch durchführbare Vorschläge find bisher aber noch nicht gemacht worden. Um «ine solche Umfassende Organisation durchzuführen, wie die ge­setzliche Ernführung der Arbeüsdienstpflicht mit sich bringen würde, müßte ein Heer von Beam­ten neu aufgestellt werden. In Bulgarien, wo be- tanntlich gleich nach dem Kriege die Dienstpfsicht «iirchgeführt wurde, find viele Beamte nötig; auf nntö 20 Köpfe Dienstpflichtiger kommt ein Beamter.

einem in der „Sozialen Praxis" veröffentlichten tlrtitel des Regierungsrats BiensfÄdt (Hamburg) dieser zu folgenden Konklusionen: „Der Forderung der Arbeitsdienstpflicht liegen zwei T^ken zugrunde: 1. ein wirtschaftlicher. „Die brach- *^genöen Volkskräfte sollen an die brachliegenden Wsgüter angesetzt werden" und dadurch das «tolksvermögen vermehrt werden, 2. ein sittlicher:

Jugend soll erzogen werden im Geiste der Volks- Semeinschaft, indem sie ihre Arbeitskraft als Opfer Vaterlands dar bringt. Der erste Gedanke ist m<r't zu verwirklichen, einmal a ü s a r b e i t s t e ch- hffchen Gründen, da in den heutigen Der- Enisien nicht genügende und nicht geeignete Ar- Eü in Deutschland für eine jährliche Arbeitsarmee D^Letn)a 300 000 Mann vorhanden ist und zu den «Da vorhandenen Arbeiten eine allgemeine gleiche ^vnziehung der deutschen Jugend undurchführbar. V- (ferner aus finanziellen Gründen, da die ^«ttel für den sachlichen und personellen Aufwand, 7^ allgemeine Durchführung großer öffentlicher Ar- ^en und die Unterhaltung einer Arbeitsarmee von ’TjOOO Mann und des dazugehörigen Beamten- r*™ Verwaltungsapparates fehlen. Allerdings ist

Nveite Gedanke so wichtig, daß man sich nicht v/ negativen Feststellung beruhigen sollte, daß ""e DerwirMchung im Wege der Arbeitsdienstpflicht "^noglich -st- Man wird vielmehr weiter zu unter« haben, auf welchen anderen Stegen die ^^hziehung der Jugend zum allgemeinen Wohl

Das böse Zentrum!

Das Echo zahlloser Dierbankgespräche.

ältesten Ladenhüter tauchen wieder auf, U»Fi‘n 65. 9egen das Zentrum geht. Unter der r‘h „das christliche und patriotische Zen- einp « sich die „Hamburger Nachrichten" kew.Zuschrift eines „im römisch-katholischen Be- noffp « t ".ufgewachsenen deutschen Volksge- wipt Dicken, in der wieder einmal schlagend be- 'et! wird, daß das Zentrum die unpatriotischste *°Nei «st, die es, gibt.

schliche Widerlegung der Einzelheiten — W sich nicht. Gegenüber der klaren Felt-

Dölker rechtes begünstigen werde. Der Prä­sident erklärte, er sei nicht in der Lage, eine For­mel zu verkünden, die dsn Weltfrieden garantieren würde; er gab jedoch der Ansicht Ausdruck, daß gewiffe Dinge getan werden könnten, um der Welt einen großen Teil der Last militä­rischer Rüstungen abzunehmen. Die Washingtoner Konfererkz habe vieles getan, um Eintracht und Wohlwollen unter den Nationen wiederherzustellen; aber die Frage der U-Boote und der Lust- und Lundstreitkräfte sei weiterhin ungelöst.

Präsident Eoolidge Nannte in gleicher Rede den Dawesbericht unübertroffen an Bedeutung seit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes und erklärte, er vertraue darauf, daß sich der Bericht allen interessierten europäischen Regierungen em­pfehlen werde als eine Methode, durch die sie mittels gegenseitigen ZugestSndnis- ses zu einer stabilen Reg.elung des verwickelten und beschwerlichen Re- par ätionsproblems gelangen könnten und daß ein derartiges "Ergebnis Vorsorge treffen werde für die Wiederherstellung Deutschlands und für die größtmögliche Zahlung an andere Länder. Präsident Eoolidge deutete an, daß das private amerikanische Kapital für eine Anleihe an Deutschland zur Verfügung stehen würde und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Wieder­herstellung normaler Verhältnisse in Europa dem amerikanischen Handel und insbesondere den land­wirtschaftlichen Erzeugnissen günstig sein werde.

Das Echo.

wtb London, 23. April. (Tel.) „Daily News" mißt der Erklärung Eoolidge über seine Bereitwilligkeit, eine Weltabrüstungskon­ferenz einzuberufen, größte Bedeu­tung bei. Das Blakt betont, daß gegenwärtig nur ein Miß klang vorhanden fei, die Stimme Poincares. Wenn jedoch ein ernst­hafter Versuch von der franzöflschea Regierung unternommen werde, die neuen Friedensanskren­gungen zu „korpetsteren", so werde die 2soli e- rung Frankreichsendgültigundvoll- ständig sein. „Daily Ehronicle" weist darauf hin, daß die ZusKmmung des Präsidenten Eoo- . lidge die erste amtliche Aeußerung darüber dar- > stelle, die an Endgültigkeit nichks zu wünschen I übrig kaffe.

stellung des Reichskanzlers Marx, daß der Staat durch die Nationalversammlung eine unbestreit­bare Rechtsgrundlage gefunden hat, begnügt sich der Artikelschreiber mit dem Wort „Gesetz ist sie nur geworden nach dem formalen Rechtssatze: Sei im Besitz der Macht und du bist im Recht!" Die wahren Vaterlandsfreunde sind nach dem Artikel­schreiber „die Welen, die die deutsche Republik ab­lehnen". Lesen Sie den Beweis: „für sie ist sie nur der Staat der Sozialdemokratie, des Zen­trums und der Demokratie, nicht der Staat des deutschen Volkes."

Können sie verstehen, daß man auf dieses Ge­fasel nichts erwidern kann? „Haß gegen den Pro­testantismus" ist nach dem Schreiber „für das Zentrum der Destimmungsgrund seines Willens". Auch heute findet dieser „ausgewachsene" Katholik kein anderes Wort zur Sachlage, als dieses; „der­selbe Haß blitzt uns entgegen wie in den Tagen des Kulturkampfes." Verdächtigung, nichts wei­ter, ist es auch, wenn sich der Verfasser den Satz leistet, „der Kulturkampf gab dem Zentrum die äußere Berechtigung, feinen Haß gegen das Kaisertum offen zu organisieren (!); es schuf einen Staat im Staate."

Das böse Zentrum ging sogar soweit, „damit das preußische Kaisertum verschwindet", in Kauf zu nehmen, „daß auch die ausgezeichneten katho­lischen Fürsten vertrieben wurden." So geht es in Phrasen und geschichtlichen Schiefheiten weiter. Für die Gedankenveichundenheit wahrer Religiosi­tät und Nationalität hat der Artikelschreiber kein Verständnis. Er scheint es sich sehr leicht gemacht zu haben, diese Frage zu lösen. Er ist ja auch „im römisch-katholischen Bekenntnis" nur „ausge­wachsen". Wer könnte von ihm den inneren Austrag des christlichen und nationalen Ge­dankens verlangen! Was man verlangen kann, ist aber, daß Leute feiner Art, die von G e- schichte keine Ahnung haben und auch nicht die Selbstbeherrschung und Unvoreinge­nommenheit finden, politische Erscheinungen auch im Lager anderer objektiv zu würdigen, in Zei­tungen schweigen. Die Rolle anonymer Katholiken, namentlich so unglücklich zurechtfrisiert, wie in diesem Falle, ist nicht dazu angetan, dem Vaterland praktisch zu dienen.

* Der deutsche Gesandte in Mexiko. Graf Montgelas, der Anfang März in schwer krankem Zustand, von dort hier eingetroffen ist, ist in einem Sanatorium in Schlachtensee am 22 April ge­storben. An? dem bayerischen Zustizdienst hervor« oeaangen, gehörte er dem auswärtigen Dienst seit 1899 an. Als Legakionssekretär auf den verschie­densten Posten tätig, hat er seine erste wichtigere Stellung in Tokio von 1907 bis 1912 auSgeübt. Bon dort wurde er als Vortragender Rat in die politische Abteilung des Auswärtigen Amtes be­rufen und kam Anfang 1920 als Gesandter nach , Mexiko.

(Ein neuer putsch-prozeß.

40 Anhänger Hitlers vor dem Münchener Volksgericht.

Wie aus München gemeldet wird, hat vor dem Dolksaericht München 1 der Prozeß gegen eine Reihe von Angehörigen des Stoßtrupps .Hitler wegen der Zerstörungeninder Münchener Po sth der Festnahme des Münchener Oberbürgermeisters und mehrerer sozialdemokratischer Stadträte als Gei­seln sowie wegen der Haussuchung bei dem Vize­präsidenten des bayrischen Landtags, und dem sozial­demokratischen Abgeordneten Auer, begonnen. Vier­zig Angeklagte haben sich in dem Prozeß wegen Beihilfe zum Hochverrat zu verantworten.

Wie das deutschnationale „Göttinger Tageblatt" erfährt, wird General Ludendorff gemeinsam mit seinem Verteidiger im Hitler-Prozeß, Rechtsanwalt Sütgebrune, ein Buch über den Hitler-Prozeß schrei­ben, das namentlich Hitlers Fähigkeiten als Staatsmann beweisen soll.

*

Die „Münchener Neuesten Nachrichten" melden: v. Kahr ist von seinem dreiwöchigen Erholungs­urlaub aus dem Süden nach München zurück- gekehrt. Wie verlautet, sollen General v. Lassow und Oberst Seißer noch einen Abstecher in die Schweiz gemacht haben___

August Brust f.

Am Ostersonntag starb in Essen infolge eines Schlaganfalles der christliche Arbeiterführer, der Zentrums-Abgeordnete im preußischen Landtag August Brust. Er war der Gründer der christlichen Gewerk­schaftsbewegung und jahrzehntelang ihr Führer. Im Jahre 1903 wurde er als erster Bergmann in Len preußischen Landtag gewählt.

August Brust wurde am 1. August 1862 in Hamm bei Werden an der Ruhr geboren und arbeitete über 20 Jahre mit Hacke und Picke im Bergwerk. Mit den Sorgen und Röten des Berg­manns, mit seinen Wünschen und Hoffnungen war er genau vertraut. Seine Beobachtung, das, was er mit eigenen Augen sah, was er nnfführend in der harten Arbeit unter Tage erlebte, brachten ihn auf 6en Gedanken, die Bergarbeiter in einer Organisa­tion zusammenzufchließen, die, auf christlicher Grundlage beruhend, die materiellen und geistigen Interessen der Bergarbeiter wahrnehmen sollte. So entstand hn Jahve 1894 der Gewerkverein christliche Arbeiter, dessen Gründer und erster Vorsitzender (letzteres bis 1904) der Verstor­bene wurde.

Die Stellung, die Brust sich im öffentlichen Le­ben errungen hat, verdankt er nur sich und seinem eisernen Fleiß. In langen Nächten, nach harter Tagesarbeit, holte er nach, was ihm die Schule nicht geben konnte. Und diese Kenntnisse und die Erfahrungen seines Lebens stellte er selbstlos in den Dienst seiner arbeitenden Mitmenschen. Ein Mann von vorbildlichem Pflichtgefühl, em uner­müdlicher Arbeiter und unerschrockener Borkämpfer für die Geltung des Christentums tim öffentlichen Leben, ein Freund der Armen und Bedrängten wird mit August Brust zu Grabe getragen. Im Zentrum wird fein Andenken in hohen Ehren bleiben.

* Das internationale Luftrecht. Auf dem Ka­pitol in Rom wurde der 6. Internationale Kongreß für Rechtsfragen des Luftver­kehrs eröffnet, zu dem 27 Staaten Vertreter entsandt haben. Ministerpräsident Mussolini begrüßte die Kongreßteilnehmer mit einer Ansprache.

AS-AUW in Her Metz.

wtb Bellinzona, 23. April. (Tel.). Ver­gangene Nacht gegen %3 Uhr ereignete sich auf der Station Bellinzona ein schwerer Zugzufam- men stoß zwischen Öen beiden Gotthard- Rachtschnellzügen. Die Zahl der Toten beträgt e t w a 1 5, die der Verletzten 9, davdn sind 6 schwerverletzt. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß der von Luzern kommende Rachtschnellzug das geschlossene Einfahrtssignal der Station überfuhr. Ein mit Gasbeleuchtung einge­richteter Vagen geriet in Brand. Die Rettungs­aktion ist im Gange.

Bellinzona liegt an der Südgrenze der Schweiz gegen Italien im Kanton Tessin. Es ist Eisenbahn­kotenpunkt, der vor altem von der Strecke Luzern-Ehiasso berührt wird, der die Schweiz in Nord-Südrichtung durchlaufenden Ver­bindungslinie zwischen Deutschland und Italien.

21 lote.

wtb Bellinzona, 23. April. (Tel.) Die Zahl der Toten bei dem Eisenbahnunglück hat sich bis heute morgen VAX Uhr auf 2 1 er­höht. Da die Leichen zum Teil schwer verkohlt sind, ist es außerordentlich schwierig, sie zu identifizieren. Von den toten Reisenden wurden bis setzt identifiziert Albert hiß aus Basel. Unter den Verletzten be­finden sich die Angehörigen einer Berliner Familie Forstmann: Wilhelm, Frieda. Werner. Albert. Frank und Hilda, ferner Otto Karell aus Bremen.

= Sortbautrnber Streift ans bet Kielet werft. Die Kieler Werftarbeiter, die zur Besprechung ber_Sage 3 Versammlungen abhielten, haben beschlossen, den Streit fortzusetzen.

Die Haltung des Vatikans.

Unsere Patentvölkischen benutzen jede Gelegenheit dem deutschen Volke und seinen Katholiken bei B atikan in seiner Haltung gegenüber Deutschland zu verdächtigen. Ist schon bemerkenswert, daß auf der andern Seite die französischen Chauvinisten das gleiche Geschrei erheben, so sei doch an einen neuerlichen Beweis für die Art und Weise, in welcher die Weltkirche einzig und allein Stellung nehmen kann, erinnert. Wir lesen in der »Saarbrücker San» deSzeitung, Nr. 87 vom 12. April bei der Be­sprechung eines französischen Buches über das Saar­gebiet, daß sich der annexionistische Bersaffer des Buches also beklagt: „Man hatte den Vorschlag ge­macht, ein eigenes Saarbistum zu errichten, um gewisse Unzuträglichkeiten zu vermeiden, weil der Klerus von den Bischöfen von Trier und Speier ab­hängt. Aber, so lautete die Anwort Roms, die Kirche arbeite in Aeternum (für ewige Zeiten) und könne keine zeitlich begrenzten Einrichtungen schaffen."

Diese Entscheidung zeigt, wie der Vatikan bei der Ausgestaltung der kirchlichen Organisation sich hoch über politische Kämpfe und namentlich über die einseitige Machtpolitik einer Gruppe hält und halten muß, weil es das Wohl der.Gesamtkirche erfordert. Vielleicht nehmen unsere unentwegt Völ­kischen einmal von diesem Gesichtspunkt Notiz, nach­dem sie bis heute nichts anderes taten, als übet „Machtgelüste Roms" und ähnliche haltlose Ge­spinste ihre Leser „aufzuklären".

• kille Klllltzkbullg des MM Bertram.

Lin Nahnwort von Pflichten katholischer Christen in entscheidungsoollen Stunden.

Breslau, Ostern 1924.

Die im Januar 1921 beim Herannahen der Wahlen erinnere ich heute von neuem die Diöze­sanen an die staatsbürgerlichen Pflichten, die der katholische Christ in entscheidungsvollen Stunden zum Schutze der höchsten Güter des Volkes zu er­füllen hat. Was mich dazu bewegt, ist genügend bekannt. Es sind nicht Rücksichten welt­lichen Charakters und weltlicher Politik. Es find weit höhere und heiligere Ziele. Man braucht ja nur zu erwägen, wie viel durch Gesetze und Regierungen der Kirche und dem Christentum, der öffentlichen S i t t l i ch'k e it, der religiösen Jugenderziehung, der Hei­ligkeit der Familie, der Elternrechte, dem Wirken der christlichen Caritas und so vielen anderen Gütern helligsten Wertes genützt, aber auch geschadet werden kann: man braucht nur einen Blick in die Verwirrung der öffentlichen Meinung durch die Agitation der letzten Monate zu werfen, um zu erkennen, wie groß bei heran- nahenden Wahlen die Verantwortung der Wähler in religiöser Hinsicht ist. Das der Anlaß, das der einzige Grund dieser meiner Kundgebung.

Woher die Verwirrung der öffentlichen Mei­nung in so erbitterten Wahlkämpfen?

Es ist die N o t d e s V a t e r l a n d e s, die zum Anlaß genommen wird für maßlose Vorwürfe gegen die, die nach bestem Wis­sen und Können auf jenem dornenvollen Wege, den ein besiegtes und verarmtes Volk nun einmal gehen muß, bedächtig und umsichtig zu führen streben, um noch Schlimmeres abzu- wenden.

Es ist der Ve r l u st j e n e r E i n i g k e i t, die mein Brntsvorgänger an der Bahre eines Vorkämpfers unserer heiligsten Interessen mit markigsten Worten in die Herzen der Katho­liken gerufen hat.

Es ist die unerhörte Verdächti­gung der edelsten Absichten und Bestrebun­gen des Heiligen Stuhles, verbunden mit einem Kampfe gegen die katholische Kirche, zu dem bald offen, bald unter verdecktem Namen mit skrupellosem Fanatismus das vaterländische Empfinden aufgerufen wird.

Es ist die Unzufriedenheit mit den drückenden Folgen des Krieges, unter deren Last man Unmut weckt gegen die, die die un­dankbarste aller Aufgaben zu erfüllen haben, die Aufgabe der Lastenverteilung.

Mit all jener Vaterlandsliebe, die durch unsere heilige Religion ihre höchste Weihe erhält, mahne ich: vergeffet im Gewoge dieser verwirrenden Stimmen nie den Schutz der höchsten Güter unse­res Vaterlandes: Schutz der christlichen Religion und der katholischen Kirche, der Braut Jesu Christi, Schutz der katholischen Schule, die wir fordern für jedes katholische Kind, Schutz der Heiligkeit von Ehe und Familie, Achtung vor Autorität und öf­fentlicher Ordnung, Gerechtigkeit und Liebe im wirtschaftlichen Leben zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Kampf für Gottesrechl und Elternrecht, Freiheit für Entfaltung all der gei­stigen Kräfte, die in unserer Religion und Kirche von Christus uns gegeben sind.

Da-s sind Leitsterne pnserer Vater­landsliebe. . .

„Höret nicht auf die, die mit vieldeutigen Ver­sprechungen Stimmenfang treiben oder noch mehr Spaltung ins katholische Volk zu bringen suchen. Folget Männern, die durch die Tat bewiesen haben, ob sie es ehrlich meinen mit Kirche und Schule, mit der Heiligkeit von Ehe und Familie, mit bem friedlichen Ausbau der wirtschaftlichen und staat­lichen Ordnung."

So mahnte ich im Jahre 1921. So auch in diesen ernsten und enifcheidungsvollen Tagen.

A. Kard. Bertram, Fürstbischof von Breslau,