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Amllicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 94.
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Sonntag, 2ü. April 1924»
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51. Zahrg.
Das Reparationsproblem.
ver Defchluß der Reparaklonskommifsion. — Aufnahme in der franz, presse
Die Reparationskommiffion hat einstimmig folgenden Beschluß gefaßt:
1. Kenntnis xu nehmen von der Antwort, tn der die deutsche Negierung den Konklusionen der Berichte der Sachverständigen beitritt.
2. In den Grenzen ihrer Desugmsse, die In diesem Bericht formulierten Entschließungen zu billigen und hie Methoden anzunehmen, die darin enthalten sind.
3. Die Berichte der beiden Komitees den inter» iHierten Negierungen offiziell zuzu. stellen, und ihnen die Konklusionen, die deren Kam- petenz unterstehen, anzuempsehlen, damit die vor- geschlagenen Pläne so rasch wie möglich ihre volle Wirksamkeit erlangen.
4. Die deutsche Negierung zu bitten:
») Sn kürzester Frist auf der Grundlage der Konklusionen und der Texte der Berichte die Gesetz- und verordnungsentwürfe der Neparationskommis- fion zu übermitteln, die dazu bestimmt sind, die vollkommene Ausführung dieser Pläne sicher zu stellen;
b) der Reparationskommission die Namen der Mitglieder mitzuteilen, die die deutsche Regierung tdezw. die deutsche Industrie in den Organisation». Komitees für die Eisenbahn- und die industrielle Hypothek, ml« sie in dem Bericht de» -ersten Sachoerstänlstgen-Ausschusie» vorgesehen sind, vertreten.
S. In einer der nächsten Sitzungen diesenigen Mitglieder der verschiedenen Organisationskomi- lees zu bezeichnen, Heren Ernennung der Repara- tionskommifsion zusteht.
6. Die Maßnahmen vorzubereiten, deren Aus- erbeitimfl der Bericht der Reparationskommisiion Vorbehalten hat.
parationrkommiffion die Pläne der Sachverständigen noch nicht in Kraft gesetzt und Deutschland für feinen Teil sich auf sie eingestellt hat?
Das „Journal" schreibt: Gewisse Delegierte hätten öfter die Ansicht vertreten, daß geprüft werden müsse, ob nicht an den S ch l u ß f o i g e r u n gen der Sachverständigen, von denen man annehme, daß sie die Alliierten nicht vollständig befriedigten, gewiss« Abänderungen vorzunehmen seien, aber bald habe die Meinung vorgeherrscht, daß man vor allem feine Bresche in da» Werf des Komitees schlagen dürfe, und daß die (Eröffnung, einer das technische Gebiet berührenden Erörterung, auf der jeder feine besondere Ansicht zur ©eltui.g bringen würde, nur em bis jetzt vollkommen klares Prolflem verwirren fönne. Die Reparat'onskom- miffion habe sich also offiziös auf den Standpunkt der Sachverständigen gestellt. Sie fei der Ansicht, daß man zu feinem glücklichen Ergebnis kommen könne, wenn man gewisse Empfehlungen annehme und andere ablehne. Der sranzö- sifche Delegierte erklärte, daß vor allem Deutschland aus die Probe gestellt werden müsse. Es müsse einen Beweis seines guten Willens dadurch geben, daß es den Vorschlag annehme, es möge Entwürfe für Gesetze und Verordnungen ausarbeiten, auf die «s sich stützen wolle.
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Wtb Parte, 19. April. (Tel.) Der „Ttfafin" veröffentlicht einen ohne Zweifel inspirierten Ar-
tikcl, in dem er fein Mißvergnügen über die Methode ausdrückt, die die Reparakionslommission durch ihren vorgestrigen Beschluß in die Tat um- Sesetzt hat. .Man erwartet,' so schreibt dar Blatt, »daß die Reparationskommission auf der Grundlage der SachverslSndkgenberichke ein Reparations- Programm unter Ihrer eigenenDcranfroorf- lichkeit aufstellen, es Deutschland Mitteilen und die Regierung erst in dem Augenblick eingreifen taffen werde, |n dem logischer Weise ihre Ausgabe beendigt ist, das heißt nach der Ausführung des Planer.'
Dem ist nicht so. Deutschland und die Alliierten sind in dem gleichen Augenblick mit der Angelegenheit betraut worden. Die Meinung in Europa und besonders auch in Amerika darf aber für einen Mißerfolg nicht die erste Regierung verantwortlich machen, da eine Einwendung gegen diese Przedur- fragen ergehen wird. Das wSre nicht möglich, wenn z. D. Frankreich den Anschein erwecken würde, als ob das aufgezeichnete Programm der Sachverständigen zum Mißerfolg gebracht werde, da es sich weigern würde, sich der Pfänder zu entledigen, die es in der Hand halte, bis D e u t f ch l a n d b e- gonuen hätte, den Text der Gesetze zu redigieren, die dem Reichstag übermittelt werden müßkm.
General Dawes hak erklärt, daß Frankreich gut daran getan habe, das Ruhrgebiet zu besetzen, also Mittel zu ergreifen, um Deutschland zum Zahlen zu zwingen. Für den Fall, daß Verhandlungen zwischen den Regierungen in Kürze eingeleilet werden — es ist klar, daß logisch« Aussprachen dringlich sind — muß der französische Standpunkt dahin prä- zisierk werden:
Frankreich vertangk 26 Milliarden unter der Bedingung, daß die Schulde n. die es bei England und den Vereinigten Staaten hat, anul- lierk werden. Geschieht das nicht, so halt es alle feine Rechte über diese Summe hinaus aufrecht. Das die Sanktionen anbetangt, so wird Frank- sich keines der Mittel, die es besitzt, entledigen, es fei denn, daß die Alliierten sie durch geroiffe andere Sanktionen ersetzen, die im voraus bestimmt sind und im Falle einer Verfehlung deutscherfeils in die Lrfcheiuung treten.
Frankreich und Belgien.
wtb Varls, 19. April. (Id.) Die Brüsseler Berichterstatter der Pariser DlStler stellen fest, daß Verhandlungen über eine Besprechung zwischen Poincare, Thennis und Hymans n o ch n l ch t statt- gefunden habe. Auf alle Fälle könne eine derartige Konferenz frühestens erst hn Laufe des Monats Mai zufamnumireken.
Besprechungen in Brüssel.
wtb Paris, 19. April. (Tel.) ka a ..!ch- kek aus Brüssel: Der König bat den MinisterprSst- deuten Thennis und den Außenminister Hymans empfangen und mit ihnen über die Repara- fionsfrage auf Grund des Snchverständiaen- berichks und die deutsche Antwortnote eine Unterredung gehabt.
Zu dem Beschluß 6er Reparationskmnmisston legen DlStterrneldungen aus Paris vor. Während der »Temps' und »Journal' im allgemeinen ge- näfjtgt sind, kann der „Slatin" feine Unzufrieden- ffit mit dem Beschluß nicht verbergen.
Der „Temps" schreibt:
Frankreich könne, wie Jedermann «nMnde, Mzeit nur zwischen zwei Arten von Politik wäh- M. Die eine bestehe darin, daß es von ganzem Herzen an dem Piane der Sachverftändigen mit» «beite, in der festen Hoffnung, zu einer Regelung Ewigen und in dem Entschluß, feine Mühe zu
, solange das geplante Werk nicht die Ls- twendigkesten des Landes oder die gründ« fegenden Bedingungen des Friedens verfolge. Die .entere Politik bestehe darin, die Beschlüsse der Sach» perständigen Mn Scheitern zu bringen und das der- SeiÄge Pfänder» und Zahlungssystem beizubehalten oder ein anderes Zwangssystem einzuführen. Wenn femand beabsichtige, diese zweite Art der Politik zu verfolgen, so möge er es frei heraus sagen. Er müsse durch Argumente auseinandersetzen, warum die Entscheidung der Sachverständigen abzulehnen wäre, er müsse angeben, auf welche Weise ein gleichwertiges Abkommen zu erlangen wäre, wenn Frankreich der ganzen Welt als das Hindernis und par als das einzige Hindernis erscheinen würde, das den Bericht der Sachverständigen zum Scheitern^ gebracht habe. Die von der Reparationskorn- mission gebilligten Berichte des Sachverständigen» komitees seien entsprechend dem normalen Geschäfts, kmg den beteiligten Regierungen übermittelt morsen- Jede Regierung erhalte zugleich mit dem Be- 'schi ein von ihren Delegierten .unterzeichnetes Be» peitschre'ben. Die Begleitschreiben seien identisch ob- klotzt. Der französischen Regierung werde es nicht schwer fallen, erklären zu können, daß sie
« Dorschläge der Sachverständigen «s Ganzes genommen billige und bereit fei, tai ihrer Durchführung rnitzuwirken, sobald die Reparationskonmuffion mit ihrer „endgültigen Fest- jegung fertig" und „Deutschland in die Ausführung «9 vorgeschlagenen Zahlungsplanes eingetraten' F- Dagegen würde man vielleicht sämtliche betet- u«ten Regierungen und nicht die französische Regie- vung allein, tn Derlegenheit bringen, wenn sie schon wo^en Punkt für Punkt und Tag für Tag die Maßnahmen zugeben sollten, die fte zu treffen be- Üblich Ligen, um an dem Plan der Sachverständigen nntzuwirken. Wenn es uns darauf ankäme, er- «ört das Blatt, die Diskuffion in die Länge zu !£ • J° roürtKn wir diesen zweiten Teil der Poli- w rm Dunkeln lassen. Da wir aber verhindern wol»
baß eine Stockung eintritt, so stellen wir diese 1 u>We schon heute. Der „Kemps' geht dabei von pF -Voraussetzung aus, daß die deutsche Regierung "Estrobt sei, den wirtschasliichen Verkehr des R'-hr- »eneEez sobald wie möglich von den durch die Be» Rtzimz ihr auferlcgten Fesseln zu befreien, um die "suchen Ausfuhrpreise senkm zu können. Wir
<en ^fe ®orߣ> schreibt das B'att, aber es »cht doch nicht an, daß die deutsche Industrie von yn Ernten bereit befreit werde, bevor sie tee in
Bericht der Sachverständigen vorgesehenen an- Lasten übernommen hat. Wie kann also ein P-ogramm für die A änderung des derzeiti» «-»Zustandes ausgestellt werden, solange die Re- >
Amerika und Japan. I
Wn'®,riärung tc8 japanische« Botschasttl« in Par», lot h r ^an* Bo.'scbaltkr.in Pari», Öiraf JShll, Sofien iur folaente Erk äiuna zu dem »un' sf ’ainet'fantfrfjen -Konflikt in der Einwande- hnex ü!3e "Ei-iegeben: ES fei nicht denkbar, daß nn h ° r'ne w'SIändi'-cke Regierung o?cr ihr $eirieter lönn'f6 am^r,^an’r*(’ Regierung eine Tio iuna richten einfai -efunde Men'cbe versand ver-
HuH r”e Ö€rQtt^e Annahme. Te$qalb fönne fine 8?ü«. bie tine Auelegung der japanuchen »Nb ”• ene ung hinaurlanfe, nicht richtig !
ninit oernünfiig fein. E-, her Botschafter, i von der javanischen Note nur Kenntnis durch <
öa*, was bie Brest.- veröffentlicht habe. Er könne nur der aufrichiigen Hoffnung AuKdruck geben, dag em Schrift ttick, das von einem her wärmsten Bewunderer bir amerckani chen Naiion im (Seifte freundschaftlichen -sirtammenmirk m? mit der Re 'ierung bet B-re-mgien Siaaren a^efoxt teilte unparteriiche Aukiegung erfahre.
Da§ amerikanische Mnwin^eruniszese«;.
w,b Mashlngkon. 19. April. (Tcf.) Der S c n a f tat endgültig als Srundlage des neuen Einwanderbefchränkungsgefstzes die zweipro - i ; enkIge Quote auf Grund des Ergebnisses der ■ Volkszählung von 1899 angenommen
3us dem besetzten Gebiet.
Lin furchtbares kriegsgerichksurteit.
Arn Mittwoch begann vor dem französischen Kriegsgericht in Mainz der Prozeß gegen 30 Deutsche, die der Sabotage und Spionage während des Ruhrkampfes sowie verbotenen Waffenbesitzes angeklagt waren. 22 Angeklagte standen vor Gericht, während es den übrigen 8 gelungen war, ins unbesetzte Gebiet zu entkommen. Die Verhandlungen wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt, auch deutsche Verteidiger waren n'cht zu- gelassen. Die Urteilsverkündung hat am Karfreitag stattgefunden. Von den 22 Angeklagten wurden 12 zu Z w a n g s a r b e i t verurteilt und zwar: 4 zu zwanzig Jahren, 2, darunter der frühere Kapitänleutnant von dem Kreuzer „Breslau', Otto Horder, zu je 12 Jahren, drei zu je 10 Jahren und 3 zu je fünf Jahren. Ferner erhielten zwei Angeklagte je 5 Jahre Zuchthaus und 7 Gefängnisstrafen von eins bis vier Jahren. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Von den 8 Abwesenden wurden zwei zum Tode und die übrigen sechs zu fe 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. In der Urteilsbegründung wird gesagt, daß strenge Strafen verhängt worden seien, einerseits wegen des ver- -"■nrwil I........II IMMMMIMa-»»»-»»»-»»'—-----——
brecherischen Charakters der Straftaten, andererseits weg"n der arroganten Haltung der Angeklagten vor Gericht. ........
Deutsches Reich.
= Aus bet Vfilz. Jin der gestrigen Generalver fawmlung der.Neuen Pfälzischen Londeszeitung^ ir Ludwigshafen, wnrre der bisherige Vorsitzende bet AujsichtsroteS, Anstizrat Bürgermeister Bukiicher, feine! Am:eS enthoben und durch ten seitherigen stellvertretenden Vorsitzenden, Hoffmann erietzt. Ter von Vutscher sristlor entfallene Chefredakteur Dr. Fink wurde mit fofortiger Wirkung wieder in fein Amt eingesetzt. ____________________________
wirtschaftliche Rampfbewegung.
= Cinlgattg In der rhelnlsch-rvestsälflchm Holzindustrie. Die Aussperrung in der rheinisch-westfälischen Holzindustrie ist durch bie Annahme des Schiedsspruchs beendet, der unter linderem eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vorsieht, die bis zu 4 Stunden wöchentlich erhöht werden kann. Die Mehrarbeit wird mit einem Aufschlag von 10 Prozent bezahlt.
Em Wort zu
Don Adam L
Das ganz« tnnsrposistfche Elentz Irftt grell in die Erschrinung, wenn man den Aufmarsch der Parteien und Parteichen in den Wahlkampf verfolgt. Niemals ist die Perwirrung der Geister im politischen Leben größer gewesen als jetzt. Das zeugt von den geistigen und politischen Krankheit»- e r s ch e i n u n g e n im deutschen Volke. Aber es ist müßig, das wieder einmal auszusprechen. Weil ich mich feit Jahr und Tag bemüht habe, di« elementarsten Grundbegriff« politischen Fühlens und Denkens weiteren Kreisen nahezubringen, so glaube ich, daß es in der gegenwärtigen Stunde nottut, kurz und klar zu sagen, was ist, damit der große poliLsche Sinn des Wahlaktes und die eigentliche Bedeutung der Wahl nicht ganz verdeckt und oer- fditammt wird von den unzähligen Gruppen und Jnterestenbildungen, die wie Pilz« aus dem Boden geschossen sind.
Die vergangenen Jahre nach der Revolution standen im Zeichen denkbar größter S t a a t s o h n» macht. Das lag u. a. auch daran, daß keine Re- grerung natfy der Revolution es fertig bringen konnte, rein staatspolitifch und national zu handeln. Die Sozialdemokraten und Kommunisten bildeten fast die f)äffte des Reichstages, eine Tatsache, die feine Regierung aus der Welt schaffen konnte, umsoweniger, als der übrige Teil des deutschen Volkes in fünf Parteien mit einer vielfach entgegengesetzten politischen Einstellung auseinandergerissen war. Mit der seit einem halben Jahrhundert vertretenen Siaatsweisheit der Sozialdemokratie konnte der Staatswagen eines die Mitte Europas bewohnenden und niedergeworfenen Volkes mcht lefolut bergauf geschoben werden. Das innerpolitifche Staatsideal der Sozialdenwkraten war die Demokratie. Und sie sah nicht ein, daß die Massen, denen sie jahrzehntelang den Klassenkampf und den Krieg aller gegen alle gelehrt hatte, die Voraussetzungen zur Führung der Staates in eines Volkes Unglücks- stunde garnicht mitbringen konnten. Weil das goldene Zeitalter, das di« Sozialdemokraten jahrzehntelang oerfprod-en hat, nicht eingetreten ist, sind die l>ewegl!chen Element« unter ihren Anhängern nach lmks ober zur äußersten Rechten gestoßen. Die Kommunisten halten zäher als je fest an der blut- rünftigen Dck atur des Proletariates. Was Lenin in Rußland fertig brachte, aber auch nur zeitweise, weil bas Volk aus 90 Prozent Anasphabetxn besteht, will der Kommunismus in dem MturelF in voller Slüte stehenden Deutschland ebenfalls verwirklichen. Aber Millionen sind bei dieser Radikalkur in Ruß- fan-b. bucistäbiich verhungert und eine Besserung der arbeitenden Klaffe ist trotz Lenin und der Diktatur des Proletariats n'cht e!ngetreten. Das ist der Erfolg tommuniftiftyer Dolksbeglückung.
Auf der anderen Seit» war vo-aus.zusehen, daß der Wille zum Leben, je länge er durch außenpolitischen Druck und innere -Schwächung gefesselt rourte, desto stärker zum Durchbruch kommen mv^te. So erleben wir heute, ro;e eine nationale ®elje durch ganz Deutschkand geht. Sie ist gut; sie.zeig*, wie der Wille zum Leben und zur natio» no'en Erneuerung dennoch lebt trotz der Not der Zot und des brutalen Verhaltens von Frankreich, gerade dadurch entfacht imb gesckürt wird. Das nat onale Cntz'ach.m darf rrcbf vemachlässiqt wer» ten; sondern es heißt jetzt ensitsich und redlich, ihm ,')kele setzen und Wege tr \ damit es von Nut'en imd W e r t ist. das ist dir große Ge ahr der Stunde: das de: e Volk scheint in 2 frfarf« Gegensätze auseinanter-utlaffen und sich in zwei großen Strömungen gcgenüberzust l- fen ""d von neuem zu zerfleischen. Hie Kommimis- maks! rufen die einen und wollen die Diktatur des Proletar als mit Blut und Hunger einfübren, — hie ^Nationalismus! schreien die anderen und geben sich Rairsche hm. Unb nichts ist gefährlicher, als nut Rausch Politik tre'ben, d. y. die großen Zusammenhänge eines Volkes in der Mitte E'-ro as meistern ?.u wollen. Es ist verbängnisvoi', nur die Demagogie, mit ter tönenden Phrase und glän enden Erste, nationa l Instinkte zu wecken. Denn dos lmd Emriindungen und Ge'ühle, die j den Augenblick wechseln. Mit ihn m kann man Theater spielen, ater nicht die großen Lebens'ragen eines großen Volkes (ören. Zuneigungen und A' neigun- gen kann der Agi.ator und Demagoge in Bersanzm- i
den Wahlen, itegerwald.
kungen leicht erzlefeN, aber damit wird ein Dost nicht regiert, das können nur Menschen, denen die große Not ihres Volkes und Landes auf der Seele liegt, und die mit unbeugsamer Entschlossenheit dem Ganzen dienen wollen und aus den Zusammenhängen heraus handeln.
Um sich aus dem Wirrsal der Parteien und Parteileidenfchaftcn heraus den richtigen Blick zu verschkchfen für das, was uns nottut, muß man klar den Sinn des jeweilig Notwendigen begreifen. Die- fes Notwendige ist in der gegenwärtigen Situation: Weckung und Stärkung des Nationalen. Und national fein heißt: erkennen, daß man einer großen Bluts- und Lebensgemeinschaft angehört, die wir Volk nennen, von der der einzelne nur ein verschwindend kleiner Teil ist, und nach dieser Erkenntnis handeln. Die Lebens- gemeinschast, diese Zugehörigkeit zum Volk, wird gerade in den Zeiten der Not und Erniedrigung als Volksgemeinschaft besonders stark empfunden und drängt dahin, das Schicksal zu wenden. Das Schicksal wenden kann aber nicht der nationale Rausch. Der macht nur blind, sodaß man die Ding« nicht mehr sieht, wie sie sind. Und wie liegen die Dinge? Wir sind ein 60-Millionenvolk, das in der Mitt« Europas liegt, nicht geschützt durch natürliche Grenzen. Wir sind umgeben von IfiOO Millionen Menschen in Europa und in der Welt, von denen uns keine hundert Millionen besonders freundlich gesinnt sind. Dazu ein geschlagenes Volk und ohne Waffen, und da zu glauben, man könne über Nacht die Waffen über den Rhein tragen, ist die politische Naivität. Gewiß die Befreiung Deutschlands Muß kommen, aber ihr muß die nationale Erneuerung vorausgehen, uni das ist eine lang«, zähe, riesengroße Ausgabe, und muß es fein. Was Zukunft geben und Erlösung bringen soll, muß langsam wachsen, muß aus dem Volke als Einheit kommen. Darum bedürfen wir zuerst, und so notwendig wie das Brot zum Leben der Volksgemeinschaft.
Die Reichstagswahl sollte hier den Weg bereiten. Wie die Dinge liegen, scheint das unmöglicher als je. Der Druck von rechts und links scheint die radikalen Strömungen zu stärken, und damit eine kräftige und zielbewußte Regierung mit ftftem Programm unmöglich zu machen. Das abei brauchen wir gerade heute mehr denn je; in der Zukunft wird, gerade weil der Druck von den Er> tremen von rechts und links so stark wirkt und sich so scharf gegenübersteht, eine Politik des Au sgleichs unbedingt nötig fein Im Sinn« jenes Wortes von Bismarck, daß die Staatsführung auf der mittleren Linie der im Volke Herr- fchcndsn Strömungen und Richtungen sich zu be- wegen habe.
Das leuchtet bei ruhiger Betrachtung ter Singe «in. Und daraus fo'gt ohne weiteres, die Bedeutung und Notwendigkeit eines starken Z e n t r u ms als der Partei des Ausgleichs und der Mikie. Trotz oder gerade wegen der großen Varleiwirrnis triit das heute so deutlich hervor. Es g;lt gerate im narteipolitifchen Leben: je stärker die Spannungen Finte desto größer muß die Kraft fein, die sie zum Ausgleich bringt. Und gelingt fe n Ausgleich, so zerklüftet sich das Volk weiter und kommt nicht zu ter Volksgemeinschaft. Je zersplitterter, je uneiniger aber wir im Innern sind, desto länger und dornenvoller wird der Leidensweg sein, den das deutsche Volk als Ganzes zurücklegen muß, ganz gleich, wacher poliiifchen Gruppe oter so'ialen Schcht wir angeboren. Das deutsche Vo'k ist nun einmal auf Gedeih und Verderb miteinander oeo bunten. Die Bolksgemein schäft ist allem die Goran sie und das Fundament einer endgültigen Dolksbefreiimd-
Man muß diele Din"« ,zu Ende teufen, dann kommt der Sinn der Bedeutung der Wahlen von selbst, und damit zugleich die Erkenntn's: gerade in ter gegenwärtigen Situation, wo auf den Flügeln rechts und links die stärksten Empfindungen und Gefültle am Werke sind, muß mit umso größerer Selbstverständlichkeit der reale Mittelweg gegangen werten. Das wird und muß das Ziel aller zukünftigen Zentn'msroltiik fein; wem daran liegt, bat es in ter Hand, sie am Wahltage mtlzute- ftimmen. —