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uldaerZertung
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Aulda.
Nr. 92.
Berantwortlüb tüt die SchrilUettans: Dr. Sobanneä £ tastet. Ameisen: 3- P atieller, Sulba. Ratatioordrnck und Setlaa der s Fuldaer Actiertdruckerei m Fulda. Fernsprecher Nr. 8. t Berusrvteir für Avril- Pofibeftellmtg 1.80, Stadtberns !U!0Mk.
Donnerstag, 17. Kpril 1924»
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51. Zahrg.
Irr« SAhmMMU
Der BeMrrtz der Reichsregiernng.
Die Parteien und die Außenpolitik. — DerRücktritt des ReichsZustizminifters- Poinearvs Ansicht über Deutschlands Wirtschaftslage.
Die Reichs reg ierung war fetzt zwischen den Wah- m vor eine weittragende Entscheidung gestellt, die vn ihr erneut ein großes Maß von Verantwort- chkeitsbewußtsein erfordert hat. Sie mußte auf Insuchen der Reparationskommiffion ihre Grund- mftellung zu den SachoerstLndigenderichten fest- kgen. In Uebereinsttmmung mit der Stellung- «ahme der Staats« und Ministerpräsidenten der Länder hat das Reichskabinett beschlossen, die A n f r a g e der Reparationskommission über die Sachverständigengutachten bejahend zu beantworten.
Vorher ist 'mit den Parteiführern verhandelt worden. Die Sozialdemokraten sowohl wie die Führer der bürgerlichen Parteien billigten dabei durchaus den Standpunkt der Reichsregierung. 3htr die Vertreter der Deutschnationalen erklärten, Laß dis Reichsregierung keine bindenden Verpflichtungen eingehen dürfe. Der Reichskanzler vertrat demgegenüber die Auffassung, daß es die Pflicht der Reichsregierung sei, die aus der außenpoliti- ichen Situation sich ergebenden unaufschiebbaren Entscheidungen zu treffen.
.Zu diesen Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Reichstagsfraktionen teilt die .Deutsche Allgemeine Zeitung" noch mit, daß von den Vertretern der Deutschen Volks- Partei die Auffaffung der Parrei dahin ausgesprochen wurde, daß die Sachverständigengutachten als Verhandlungsgrundlage unter gewissen Vorbehalten angesehen werden könnten, die sich im Wesentlichen auf die Freilassung der ® e * rangenen und die Rückgabe des wider- techtlich ungeeigneten Besitzes im Ruhrgebiet erstrecken. Bei den kommenden Der- fandlungen über die Regelung der Reparations- .rage müßten diese Vorbehalte deutscherseits nachdrücklich zur Debarte gestellt werden.
Zu der deutschen Antwort wird noch gemeldet, daß die Antwort der Reichsregierung an die Reparationskommission noch am Dienstag nach Paris abgeschickt worden sei und am Mittwoch vom Vorsitzenden der Kriegslastenkom- miffion übergeben werde. Die Antwort werde in Anlehnung an die von der Reparationskommission gestellten Fragen kurz feftstellen, daß die deutsche Regierung bereit sei, an der Lösung des Repara- tionsproblems auf der Grundlage der Pläne der Sachverständigen mitzuarbeiten.
poincare
yat sich in längerer Rede über die R e y a r a» tionsfrage verbreitet. Darin fegte er u. a.:
Die Berichte der Sachverständigen beweisen, daß trotz oller Dementis Deutschland sich fiktiv verarmt hat und daß es fähig ist, au zahlen. Es Hot 6750 Millionen Goldmark außer Landes gehen lassen. An ausländischen Devisen befinden für für 1200 Millionen Goldmark in Deutschland. Deutschland hat feinen Bürgern nicht so viele Steuern auserlegt wie die alliierten Nationen. Es hat fest 1919 nicht aufgehört, seine wirtschaftlichen Einrichtungen zu verbesiern, sein Eisenbahnsystem zu vervollkommnen, ferne Telephon- und Telographenverbin- dungen, seine Häfen und Kanäle auszubauen. Seine Industrie ist so organisiert, daß sie eine höhere Produktion erzielen kann als vor dem Kriege. Das Land ist mit natürlichen Reichtümern versehen, und es hat die Mittel, sie in weitestem Maße auszrSauen. Seine Bevölkerung ist im Wachsen begriffen, seine Landwirt- TOaft entwickelt sich. Das sind die Feststellungen der Sachverständigen, und sie erklären ferner, daß Deutsch- Aid in der Lage ist, einen privilegierten Platz in der «Bett einzunehmen. Das ist des eine, was wir gesagt haben und was Deutschland verleugnet, und was selbst bei uns viele Leute nicht glauben wollten. Ardererssits Nt die Expertise genau in dem Rahmen durchgeführt »orden, den wir abgesteckt hatten. Sie kommt nicht zu dem Schluß, daß bie Gescmstziffer der deutschen Schuld herabgesetzt werden muß. Sie behält uns auf diese Weise die Möglichkeit vor. einen Teil unserer eigenen Forderung zum Zwecke der Regelung der inkerallrierten Schulden geltend zu machen, wie wir das stets getan haben. Sie setzt die Zahlungsfähigkeit Deutschlands für pte Zukunft nicht fest, sie zeigt vielmehr, daß die Zah- lungssähigkeft ununterbrochen wachsen wird. In diesem wesentlichen Punkte ist es also die französische Ausfas- Mng, die den Sieg davon trägt.. Schließlich sind die für Ne nächsten Jahre vorgesehenen Zahlungen und übrigen Stiftungen nicht allein höher als sie Deutschland für möglich erklärte, sondern auch als die. die Sonar Lau, t>5 Auge.faßte, ehe wir in das Rulwgebiet einrückten.
Lnglif ch-franz ösifcher Mefnungsauskaufch.
wtb Paris, 16. April. (Id.) Mniskerpräsi- tenf poincare Hal gestern nachmittag mit dem englischen Botschafter eine Unterredung gelockt, über deren Inhalt unbedmBes SsillsHweizen bewahrt wird. Man darf, aber annehmen, daß Poincare und Lord Creme ihre Ansichten über die Situation, die sich aus der bedingungslosen An- Zahme der SachverständigenvorschlSge durch Dentsch- aud ergeben werde und über die etwaige Form ler interalliierten Verhandlungen, ausgetauscht »den.
wtb Paris, 16. April. (Id.) Die gestrige ^ede Pomcar es wird vom „Echo de Paris" gedeutet, daß die wirtschaftliche Einheit Deutsch- M»ds nur unter gewissen Bedingungen wieder her ^eskellk werden könne. Einfache Berfprechun- len genügen nicht, damit Frankreich aufgebe, Vas es in der Hand Habs. Frankreich muffe in ®t Lage sein, zu beobachten, ob der plan der Sach
verständigen anders als auf dem Papier funktioniere. Auch die militärische Okkupation müsse bis zur Bezahlung verlängert werden, das verstehe sich von selbst. Aber die wirkschaflliche Besetzung müsse so gelockert werden, daß Frankreich ihre Strenge rasch und sicher Meder durchführen könne. Außerdem müsse Frankreich im Falle einer deutschen Derfehlung politische SanksionLn ergreifen können. Das sehe voraus, daß diese Sanktionen die Wiedereinsetzung des Regimes nach sich ziehen werde, das gegenwärtig im besetzten Gebiet besieht. M wtM» Mcss-MMe.
lieber den kritischen 15. April hinweg.
Das Abkommen, das zwischen der Micurn und der Sechser-Kommission der Zechenbesitzer getroffen worden ist, schiebt unter einer Reihe von kleinen Abänderungen der bisherigen Bestimmungen die Geltungsdauer der Micum-Verträge um zwei Monate, also bis zum 15. Juni, hinaus. Die schweren Lasten, die dem Ruhrbergbau auferlegt wurden, bleiben dadurch weiter bestehen. Trotz der allgemeinen deutschen Kreditnot und den besonderen Belastungen der einzelnen Unternehmungen hat sich der Ruhrbergbau zur Unterzeichnung des Abkommens entschlossen, da von der gegnerischen Seite unzweideutig erklärt wurde, daß die Lieferungen mit allen Machtmitteln erzwungen würden, und da seitens der deutschen Privatindustrie die Hasst nung gehegt wird, daß auch die Sachlieferungen in den nächsten beiden Monaten nachträglich mit dem Nnanzierungsplan der Sachverständigenkommission werden behandelt werden.
Die deutschen ZchicksalsWahien.
Lloyd George, der ehemalige Premierminister von Großbritannien hat sich dieser Tage in einem öffentlichen Zeitungsartikel in sehr bemerkenswerter Weise über die durch einen seltsamen Zufall zusammentreffenden drei parlamentarischen Neuwahlen in Italien, Deutschland und Frankreich, ausgesprochen Lloyd George hebt hervor, daß sowohl in Italien, in Frankreich und in Deutschland es bei diesen Wahlen um das nämliche Problem, den Nationalismus geht. Der Ausgang der Italien ifdfen Wahlen bedeutet einen Triumph des Nationalismus. Was Frankreich betrifft, fo hebt Lloyd George in lieberem- ftimmung übrigens mit allen Informationen, die man im Auslande über die Politik Frankreichs und speziell Poincares erhalten kann, nachdrücklich hervor, daß die innere Politik zunehmenden Widerstand in den französischen Bevölkerungsschichten begegnet, daß aber feine agressive Außenpolitik durchaus die Billigung dieser Kreise findet. Und die Franzosen werden bei den kommenden Wahlen für diefenigen Kandidaten stimmen, die ihnen versprechen, soviel wie möglich aus Deutschland herauszuholen. Wer daher als Ergebnis der kommenden französischen Kammerwahlen die Durchsetzung einer verständigeren und versöhnlicheren Richtung erwartet, würde sehr enttäuscht werden. Frankreich kann sich heute als die größte festländische militärische und politische Macht fühlen. Es wird, wie Lloyd Georgs zutreffend ausführt, mit harter Faust feine Interessen puchrnehmen, ohne auf Rückwirkungen, die das auf den Frieden Europas haben kann, ~bie geringste Rücksicht zu nehmen.
In diesem Rahmen äußert sich Lloyd George nun auch über die deutschen Schicksalswahlen. Er schreibt darüber wörtlich das Folgende: „Eine Hochflut des Nationalismus schwillt auch in Deutschland. Das war früher oder später unvermeidlich. Mäßigung und Klugheit auf feiten der Sieger hätten es wohl verzögern können. In den Herzen der Deutschen kochte der Zorn und die Entrüstung über das System des Militarismus, das ihr Land ins Unglück gestürzt und tief gebemütigt hatte. Die Deutschen verachteten die Herrschaft der Hohenzolkern ebenso sehr, wie die Franzosen diejenige Napoleons, die sie 1870 zur Niederlage und Demütigung geführt hatte. Ein Menschenalter hindurch hätte man sich darauf verlassen dürfen, daß die Deutschen von selber den Militarismus und allen feinen Werken entsagten. Deutschland hat seine Revancheapostel gehabt, so gut wie Frankreich Deroulede, aber die Nation als ganzes lachte in beiden Ländern über diese Maulhelden. Sie Invasion an der Ruhr mit ihren Serbtmnungen und Einkerkerungen und die Umtriebe in der Pfalz mit ihrer offensichtlichen Vergewaltigung des nationalen Rechts der Deutschen haben aber dazu beigetragen, den unter der Asche schlummernden Funken des deutschen Stolzes wieder zu Heller Glut zu entfachen.
Der Ludendorff-Prozeß in Bayern und die großartige Kundgebung in Berlin bei Anlaß der Beerdigung eines in französischer Gefangenschaft i verstorbenen jungen Deutschen sind Anzeichen des in Deutschland im letzten Jahr erwachten neuen Geistes. Sie beweisen, daß es sich nicht um bloße lokale oder provinzielle Vorgänge handelt. Preußen und Bayern sind in trotziger Feindschaft gegen Frankreich wieder eins geworden, eine Woge der Leidenschaft hat sich über Deutschland ergossen. In dieser Sintflut sind alle auf den Frieden hinstre- benden Elemente versunken. Selbst der vernünf- tigfte Politiker kann sich nur noch Gehör verschaf
fen, wenn er vorgibt, diese neue und gefährliche Stimmung selber zu teilen. Der von der Gewalt und Furcht aufgerichtete Wehrdamm gibt nach, die feit Jahren aufgespeicherte Wut bricht durch und die neuen Abgeordneten werden auf der Hochflut dieser Strömung' in den Reichstag getragen werden. Dieses Schauspiel wird bann wahrscheinlich eine Rückwirkung auf die Neuwahlen in Frankreich haben, die einige Tage nach der deutschen Abstimmung stattfinden. Und diese beiden neuen Parlamente, die sich in übersteigertem Pattiotis- mus feindselig gegenüberstehen, werden, bevor noch eine Beruhigung eintreten kann, dazu berufen fein, den Bericht der interalliierten Sachverständigen zu behandeln. Keine hoffnungsvolle Aussicht!"
Um das Schicksal eines Volkes zu meistern, ist eine einseitige Parteiströmung, auch wenn sie im Augenblick von der Willenswahl der Nation in führende Stellung gebracht worden ist, nicht imstande. Noch immer haben Kompromisse gesucht und gesunden werden müssen und doch, wo man daraus verzichten zu können glaubte, ist das Experiment schließlich nur zum Schaden des Volkes unternommen worben. Was wir in Deutschland bei den Schicksalswahlen erstreben müssen, ist eine scharfe regierungsfähige Basis, aus allen Volks schichten, die willens sind, unser Land wieder groß, stark und frei zu machen.
Urteile in politischen Prozessen,
Wie aus München gemeldet wird, sind zwei Teilnehmer am Hitlerputsch, Major Streck und Oberleutnant Plaudt, vom Volksgericht in München wegen Beihilfe zum Hochverrat zur gesetzlichen Mindeststrafe von je sieben Jahren drei Monaten Festungshaft mit Bewährungsfrist bis zum 1. April 1928 verurteilt worden.
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Der StaatSgerichtShof zum Schutze bet Republik hat den Arbeiter Emil Hagelberg aus Altona zu l1/« Jahren Festungshaft und 60 Goldmark ®elo» strafe verurteilt. Sein jüngerer Bruder Walter Hagelberg würbe zu 8 Monaten Festungshaft und 20 Goldmark Geldstrafe verurteilt. Beide wurden dabei betroffen, wie sie im Auftrage bet Kommunistischen Partei Plakate anjchluaen, durch die zur Errichtung einer proletarischen Diktatur und zum Sturz der verfassungsmäßigen Regierung auf« gefordert würbe.•
Ueder Hugo Sünnes
sind nach dem Tode des führenden deutschen Großindustriellen mancherlei bemerkenswerte Mitteilungen und Urteile an die Oeffentlichkeit gedrungen.
Stresemann hat sich u. a. dahin geäußert:
Das Verhältnis von Sünnes zur deutschen Politik ist vom Ausland schief gesehen worden. Bor allen Dingen ist es eine ganz falsche Auffassung, in Stinnes etwa den Bertreter einer besonders reaktionären Auffassung zu erblicken. Nach dem Kriege hat Stinnes mit Ra t h e n a u und anderen den Aufruf einer Demokratischen Vereinigung unterzeichnet, und in der Deutschen Volkspartei, deren Rcichstagsstaktion er angehört, stand er durchaus nicht auf dem rechten Flügel. Er war zunächst einmal überzeugter R e- publikaner unb hat daraus nie ein Hehl gemacht. Als ich erst kurze Zeit Reichskanzler war, hat er mir den Rat gegeben, den passiven Widerstand auszugeben und dringend gebeten, nichts zu versäumen, um zu einer Verständigung mit Frankreich zu gelangen. In der Frage des Primats der Politik über die Wirtchaft war er anderer Meinung als diejenigen, die der Politik den Vorrang anwiesen. Seine weiteren Bemühungen waren im wesentlichen daraus abzestrllt, durch eine großzügige Verbindung zwischen der deutschen und der französischen Industrie die Drücke zu bauen für ein besseres Verständnis auch der beiden Staaten.
In bei jyrantfuner Zeitung lesen wir über Srinnes:
Er selbst war der Menschenverachtung reichlich voll. Schon im Frieden, als sein Aufstieg erst begann. .Mit dem preußischen Beamten kann man erst vorn Regierungspräsidenten aufwärts vernünftig reden", äußerte er. Aber das war keine bloße Abneigung gegen die Bureaukratie. Er urteilte ebenso schroff über seine BeMissgenossen, .beten höchster Streben es fei, ein Fideikommiß zu kaufen, um sich adeln zu lassen". Und als ich mich einmal mit ihm übet die Kartell-Entwicklung unterhielt, die wenigen Großen gewaltig gesteigerten Einfluß gab, aber ans Kosten der Freiheit und der Individualität der vielen, erwiderte er nur lächelnd: „Glauben Sie wirklich, daß es in der Industrie so viele Individualitäten gibt?" Er sah überall die Schwäche, er fühlte seine Ueberlegenheit. Charakteristisch dafür war sein Verhalten bei dem berühmten Kreditangebot der Industrie im cherbst 1921. Er halte die Dinge sich entwickeln lassen. Aber als es zur Entscheidung kam, warf er die monatelangen Beratungen mit einer chandbewegung um wie ein Kartenhaus: „Das Kreditangebot der Industrie ist ein Kreditangebot derjenigen, die selbst keinen Kredit haben!" Und diejenigen, die die VerharMungen im Namen der Industrie geführt haften, ließen sich glatt desavouieren, wagten keine Entgegnung. Es war kein Wunder, daß fein Machtgefühl immer höher wurde. Aber er konnte auch verehren und ehren: als er feine Schiffe aufs Meer schickte, gab er ihnen die Namen ßubenborff, Tirpitz, chavenstein und — Karl Legion (der Führer der freien Gew-rkschaf- ten). Nichts ist für ihn so charakteristisch wie diese Auswahl.
lieber den intimen Stinnes wird in der Kasseler Post mitqetei:
Hstgo Stinnes war ein glücklicher unb dabei dennoch unglücklicher Familienvater. Er liebte feine sieben Kinder, die in allen möglichen Städten Deutschlands zer- treut leben, auf das zärtlichste. Aber er bekam sie fast nie zu sehen. Seine unausgesetzte Täftgkeft verbot ihm das. Nur wenn Geburtstage gefeiert wurden, ließ er es sich nicht nehmen, einen hasftgen Besuch zu machen. Das war alles. Fragte man ihn, welches Ziel er vor Augen habe, was ihn bewege, wozu er feine ungeheuere Arbeit leiste, fo antwortete er: „Für meine Kinder!" Irrte er nicht? War es nicht die Arbeit selbst, von der er befeffen war, der geschäftliche Erfolg, die -pirttchaftliche Macht?
Zapan gegen Amerika.
wtb Parts, 16. AM. (Tel.) haoas meldet aus Tokio vsm 15. d. 3L: Das Kabinett ist heul« 3 ufam menget retot und hat die Frage der neue» Einschränkungen, die die Vereinigten Staaten der japanischen Auswanderung auferlegt haben und die sich nur auf Handarbeiter beziehen, geprüft. Die öffentliche Meinung ist durch de» Beschluß des amerikanischen Kongresses sehr erregt Die Zeitungen sind entrüstet über die Sprache gewisser Amerikaner und fordern das amerikanische Volk auf, daß es sich über den Ernst bet Loys Rechenschaft ablege, die durch die getroffene» Maßnahmen geschaffen worden sei.
gus dem besetzten Gebiet.
Der „Kölnischen Volkszeitung"' zufolge solle» die wegen der Borgänge vom 30. September in Düsseldorf vom französischen Kriegsgericht Ende Dezember zu Gefängnisstrafen verurteilten Schupoleute begnadigt und noch vor Ostern entlassen werden, soweit es sich um Mannschaften handelt. Die Begnadigung der OffizierO sei in wohlwollende Erwägung gezogen.
Auf französisches Drängen hat die Rheinland» kommission neue Anordnungen gegen die Tätigkeit der Verbände erlassen, die sich angeblich die m 11 fr tärische Ausbildung der Jugend zui Aufgabe gemacht haben. Nach einer diesbezüglichen Havasmeldung aus Koblenz soll es fid darum handeln, neu entdeckte Eeheimverbände zi treffen, die es sich angelegen fein ließen, zum freiwilligen Eintritt in die Reichswehr auf kurze Frist aufzufordern.
Ter Wechsel im Justizministerium.
Der ReichSminifter für die Justiz, Emminger, hat den Reichspräsidenten um Enthebung von seinem Posten gebeten. Der Reichspräsident hat dem Ec suchen entsprochen und gleichzeitig den Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Joel mit der Führung der Geschäfte des ReichSjusttzministtr»^ beauftragt.
Kurland.
* Die Deutschen in Kanada. Reuter meldet auS Ottawa: Im letzten Jahr sind 1258 Deutsche, davon 794 Landwirte, nach Kanada eingewandert. In den ersten Monaten des Jahres 1924.haben sich 524 Deutiche, davon 249 Landwirte, in Kanada niedergelassen.
* Die Nationalversammlung in Angora hat ein- stimmig den deutich-türkischen Freundschaf tSvertrag ratifiziert.
Die neue tage in Thurlnaen.
Im thüringischen Landtag wurde das n e u e thüringische Staatsminifterium gebildet. Dr. Leutheußer und Dr. Sattler bleiben in der Regierung. Das Finanzministerium übernimmt Dr. von K l ü ch z n e r, Staatsräte wurden der Syndikus des Porzellanfabrikantenverbandes Dr. Richter- Kahla und Justizrat S) e r t ■ rich-Meiningen.
Für das neue Ministerium stimmten 32 Abgeordnete, dagegen 23. Drei enthielten sich der Äb- stimmung, ein Stimmzettel war ungültig. Der Abgeordnete Dr. Krüger (Dem.) erklärte, feine Fraktion könne eine stark unter deutfchvöl • kischem Einfluß stehend» Regierung Nicht wählen.
Auf Anttag des Oberreichsanwalts wurde durch die Mehrheit gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten die Immunität de» kommunistischen Landtagsabgeord-l neten Dr. Neubauer aufgehoben. Dr. Neu-; bauer hatte sich dadurch ein Hochverratsoerfahren t zugezogen, daß feiner Zeit in feiner Wohnung von ■ der Reichswehr ein Plan zur Erstürmung der Weimarer Landespolizeikaserne gefunden worden war.
Der thüringische Landtag hat weiter gegen b« Stimmen der Sozialisten und Kommunisten ein« Borlage über die Aufhebung des 1. Mai als gesetzlichen Feiertag angenommen. j'
völkische Instinktpflege.
Man weiß nicht, wie man es anders nenne, soll. Bringt da die „Großdeutsche Zeitung" nach dem Dorbild anderer Blätter anseuernde kurze Leitsprüche. Aus Cavours Briefen zitiert sie eine Stelle „für die Völker wie für die Einzelnen gibt es Umstände, wo die Stimme der Ehre di« der Klugheit übertönen muß". Das kann man nur als eine Rechtfertigung des unbesonnenen Dtitz» brauchs erklären, den diese Kreise mit der berechtigten nationalen Erregung treiben. Zu glauben, als hätte ein Staatsmann mit diesem Ans sprach ein Gegensatz zwischen Ehre und Klugheit konstruiert oder gar unverantwortlichen Unbesonnew heilen, wie sie sich heute die Bölkijchen gegenüber der Nation leisten, einen Freibrief ausgestellt, wäre eine Naivität, die nur Stimmungs- Politikern vom Schlage der „Gtoßd-utschen Zeitung" vorbehalten bleibt. i
Das Bedauerliche ist nur, daß derartige publizistische Gewissenlosigkeiten, mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten „Staatserziehung" zu betreiben, in den Köpfen der von warmer Vater-' landsliebe durchdrungenen Jugend, soweit sie politisch gänzlich ungeschult ist, heillose Verwirrung anriditen - — ——-------