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Nr. 9i.
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöf Fulda.
«erantwortti» fit die Sckriitleituna: Tr. Sobanne» ft tnm et «nseiflett: I. 8 nr»eller, Sirtba. Rotationsdruck und verlas der s Fuldaer vctiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Rr- S. s vetuaSvrei» fflttotii: Poltbestevuns 1.80,Gtobtbesva 1J10IRL
Mittwoch, 16* April 1924.
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51. Zahrg.
Die Kernfrage der
Sachverftändigerrbericht
Für die nächste Zukunft Deutschland- überragen -ie Reparationsprobleme zurzeit weit olles andere, worüber sich die deutschen Menschen jetzt vielfach mit zäher Hartnäckigkeit streiten. Wir stehen halb hoffend, halb fürchtend dm entscheidenden Wendepunkte dieser großen auhenpolittfchen Fragen. Gefährlich wäre es, wenn radikale Elemente, unbelastet mit Kenntnissen und frei von Verantwortungsgefühl, jetzt wesonlichen Einfluß auf die Gestaltung dieser Dinge gewinnen könnten, für deren Bearbeitung nur die besten und erfahrensten deutschen Staatsmänner gerade gut genug sind.
Die Reichsregierung
hat am Montag über die Gutachten der Sach- verständigen mit allen Staats- und Mirrifter- präfidenten der Länder emgehende Beratungen gepflogen, wobei sich in den wesentlichen Punkten eine weitestgehende Einmütigkeit ergab. Der Beschluß des Reichskabinetts ist am Dienstag $u erwarten.
Es wird weiterhin bekannt, daß inan nach dem Verlaufe der Besprechungen es als gewiß annehmen dürfe, daß die Reichsregierung sich für eine schriftliche Antwort an die Reparations- kommission entscheiden werde, da die Entsendung besonderer Delegierter nach Paris nur Zweck hätte, wenn auf deutscher Seite der Wunsch bestände, schon jetzt sich ausführlich und in Details zu den Vor- fchlägm der Alliierten zu äußern. Die deutsche Regierung dürfte in ihrem Schreiben sich auf die Mitteilung beschränken, daß sie die Sachverständi- genberichte als eine geeignete Grundlage ansohe, um zu einem Einvernehmen über die Reparaüonsregelung zu gelangen und ihre Bs- «itwilligksit zur Mitarbeit auszufprechen.
Die Blätter unterstreichen die Einmütigkeit, welche die Besprechung ergeben habe. Auch der mecklenburgische Ministerpräsident, welcher der deutsch-nationalen Partei angehöF, hatte sich der in den Beratungen zum Ausdruck gekommenen Auffassung angeschlossen, trotzdew dir Deutschnat., ®*>ern Reichskanzler einen Protest überreich' n, der sich gegen eine Bindung der jetzigen Jung, die sich nicht mchr auf einen Reichstag stutze, in der Frage des Sachoerständigen» Gutachtens wandte.
Keichrbankprafideitt Dr. Zchacht.
hat neuerdings bemerkenswerte Aeuherungen über die Gutachten getan. Ein Telegramm meidet uns:
wtb Paris. 15. April. Der Berliner Berichl- erstakkerdes »Echo de Paris" hatte eine Unterredung msi dem Reichsbamkpräsidenten Dr. Schacht. Dteer sprach sich mit dem Sachverständigenberichr aus und sagte unter anderem:
Er sei wahrhaft erstaunt gewesen, festzustellen, daß die Sachverständigen Deutschland nicht wenigstens für einige Jahre ein vollkomme- ees Moratorium bewilligt hätten. Durch die internationale Finanz beeinflußt, hätten sie im Hinblick die AnstreiMmgen, die Deutschland gemacht habe, um seine Finanzen zu sanieren und seine Industrie im Ruhrgebiet im Betrieb zu erhalten, di« Zahl« gsfähigkelt Deutschlands überschätzt. Die Lasten der ersten Jahre könnten unmöglich getragen werden. .Schacht erklärte jedoch, er wolle nicht sagen, ob die Annuitäten, die für 10
Die Ruhrbesetzung und die 5chweiz.
Aus der Schweiz wird uns von einem besonderen außenpolitischen Mitarbeiter geschrieben:
Das politische Departement der Schweizer Bundesregierung hat dem Nationalrat einen großen Geschäftsbericht unterbreitet, in welchem allein 19 Druckseiten den Wirkungen der Ruhrbe- setzung auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz gewidmet sind. Es wird in diesem Bericht von vornherein die -Feststellung gemacht, daß diese Ruhr'oesetzung, und namentlich der passive Widerstand der Ruhrbevölkerung der schweizerischen Industrie und dem schweizerischen Handel außerordentlich schwere Beinträch- ügungrn zu gesägt haben. Rohmaterialien und Halbfabrikate waren ausgeblieben, die Kohlenoer- fargung beeinträchtigt: Taufende von Verträgen wurden aufgehoben: Transportschwierigkeiten stellten sich ein. Zahlreiche. Interventionen des Departements wurden notwendig. Der Briefwechsel de, Departements einzig in RuhrangÄegenheiten weist im Verlauf des Jahres 1923 nicht weniger als 2800 Eingänge und 2400 Ausgänge auf.
Eines der wichtigsten Probleme war der Stillstand des Verkehrs auf dem Abschnitt Basel-Karls» ruhe-Frankfurt infolge der Besetzung der Bahnhöfe Offenburg und Appenweier. Die Verkehrsimter- brechung auf der wichtigsten Eisenbahnlinie zwischen der Schweiz und Deutschland nmßte den s chw e.l - frischen' Interessen schweren Schaden zufügen.
Des weiteren mußte die Rheinfchif fahrt durch die Maßnahmen im Ruhrgebiet in eine besonders bedrängte Lage kommen, und auch dadurch wurde der schweizerische Handel sehr schwer betraf- «n- Insbesondere handelte es sich um die Schiffe,
deutschen Politik,
und Mieum-Verträge.
Jahre vorgesehen seien, zu hoch seien, denn man könne ja nicht sagen, in welchem Maße die deutsche Wirtschaft sich in dieser Zeit erholen werde.
Die Frage, ob die deutsche Regierung die Aon- klusion der Sachverständigen annchmen könne, beantwortete Dr. Schacht damit, er müsse sehr entschieden erklären, daß keine deutsche Regierung nach seiner Ansicht die konklusflonen annehmen könne, ohne daß einige Vorbedingungen erfüllt seien: 1) werde Deutschland auf wirtschaftlichem Gebiet auf den gleicheu Fuß gestellt rote die anderen Rationen? 2) werde das Ruhrgebiet geräumt werden? 3) werden die De- sahuagrtruppea im Rheinland auf ein vernünftiges Maß herabgesetzt? Ohne die Annahme dieser Vorbedingungen könne nach seiner Ansicht Deutschland den Bericht der Sachverständigen nicht annchmen. Auf die Frage, ob der Reichsbankpräsi- dent ein „Rein" der deutschen Regierung ins Auge fasse, wurde geantwortet, die Regierung sei nur der Wortführer der öffentliche» Meinung. Das deutsche Volk wird wichchaflliche Lasten nur um den Preis auf sich nehmen, daß ihm wenigsten» durch die Befreiung des Ruhrgebiets und der drei als Sanktionen besetzten rheinischen Städte eine Belohnung gegeben würde.
Belgien ist einverstanden.
Wtb Brüssel, 15. April. (Id.) Die belgische lelegraphenagenkur teilt mit: Der Ministerrat prüfte den Bericht der Sachverständigen und erachtete ihn als brauchbare Grundlage für eine billige und praktische Lösung der Reparationsstage.
Derlfingenmg der Mcum-vertrSge.
In der fortgesetzten Verhandlung mit der Mi- cum konnte in allen noch offenen Fragen eine Einigung erzielt werden, sodaß der Vertrag über die Verlängerung des bisherigen Abkommens um zwei Monate bito auf die Unterschriften fertiggestellt ist.
Lin wichtiger Differenzpuuft.
Wtb pari-, 15. April. (Tel.) Rach einer Meldung des .Makin" aus Düsieldorf bestehen doch noch Differenzen zwischen den Industriellen und der Micum über die Dauer des heute unterzeichneten Vertrags. Die deutschen Vertreter feien geneigt, das Abkommen für eine Höchstdauer von zwei Monaten anzunehmen. Die Franzosen und Belgier wollen, daß da» neue Abkommen bis zur tatsächlichen Anwendung des Sachverstän- digen-Gulachkens Geltung haben solle.
Die Gründung der Golddlskontbank,
Am Montag nachmittag 4 Uhr fand unter dem Bo.sitz deS ReichSbankpräsidenten Dr. Schacht iw ReichSbankgebäude die erste Generalversammlung der deutschen GolddiSkontbank statt, zu der 100 Vertreter der Aktionär« erschienen waren. Nack einem. Bericht Über den GründungShergang, die Geschäftsbedingungen und den Zweck der Gold- dikkontbank wurde der Vorstand, Ausfichtsrat und engere Ausschuß gewählt. Dem Vorstand gehören lediglich Mitglieder de« ReichSbankdirektoriumS an. Der Vorsitz nde deS Aussicht«ratS ist Dr. Schacht.
Im Anschluß an die Generalversammlung fand ein« gemrin'amr Sitzung des Vorstandes und der Ausfichtsrat statt. In Uebereinstimmung mit dem Gutachten de« AufsichtSrat wurde der Diskontsatz | der Golddirkontbank auf 10 Prozent festgesetzt.
j die in schweizerischem Eigentum waren und deren ’ Güter nicht befördert werden konnten. Dm weiteren weiden die Transportschwierigkeiten im Transitverkehr geschildert, sowie die Maßnahmen für die Liquidation „notleidender" Schweizerwaren auf dem rheinischen Eisenbahnnetz, wo plötzlich nahezu 15 000 Waggons fsstsahen. Der Bundesrat ent- ! sandte einen Beamten der S. B. B. nach Wes- ■ baden, der im Rückerstatttmgsdienst die schweizerischen Interessen wahrzunehmen hatte.
Schließlich wird berichtet über die Maßnahmen ; zum Schutze von Leben und Eigentum der Sä/wei» Sr im Rtchrgebiet. Die Rtchrbesetzung hat auch ein pfer in der S ä)w eizerkolonie Dortmund gefordert Dieser Fall hat zu wiederholten Intervention beim alliierten Oberkommando in Dii'seldorf und bei der iranchsi scheu Regirrrmg Anlaß gegeben, konnten aber infolge mangels an Zeu- ' gen bis heute noch nicht erledigt werden. Viele | Schritte in Paris, sowie in Düsseldorf wurden durch den Fall eines Landsmannes verursacht. der in feiner Stellung als Leiter eines großen deutschen Indirstrieimlernehmens mit den Besatzungsbehörden in Konflikt geraten war. Auf dringende Dorstel- - lungen bei der französischen Regierung konnte zwar die vorläufige Haftenllassung dieses Landsmannes { erwirkt, dagegen die spätere Verurteilung in Abwesenheit nicht verhindert werden.
—- Bit Banhenfirife. Nach einet äJielöunn der,Voff. i Zto.' au8 Laavsbcri an Sei Warthe bat die 1923 ae rundete Banchrma Johannes M ißboch ihre Zahlun en ein eneHt.
= Erhöhte 6»httfeHereife Slufgruub der betracht, l ich en Erhöhung der Seüebun «kosten hat die Le S ruppe des Vereins deutscher Eisenchetzereien (©leßereibcibonö beschlossen, die zuzeit bestehenden (Äuhtvaienpreis ab 16. Avril bi6 auf werteres um 12 "/.zu erhöhen.
Zentrum und Bayern.
Wtb ft 51 n, 15. April. (Tel.) Die ftöln. volks- zeilung" meldet aus München: Zwischen den Führern der bayerischen Dolkspartei und des Zentrums haben anläßlich des Reichsparteitages in Frankfurt Verhandlungen stattgefundeu, die dem Versuch dienen sollten, eine Einigung herbei,uführen. Die Verhandlungen find ergebnislos verlaufen.
Aus dem ergebnislosen Verlauf der Einigungsverhandlungen zwischen dem Reichszentrum und der Bayerischen Volkspartei glauben mehrere Blätter schließen zu dürfen, daß man nunmehr mit dem Ausscheiden des Reichsjustizministers Dr. E m m i n g e r, der der Bayerischen Volkspartei angehört, aus dem R e i ch s k a b i n e t t rechnen zu müffen. Dre „Vorwärts" will bereits wissen, daß Reichskanzler M a r r die Leitung des Reichsjustizministeriums mitübemehmen werde.
Rach einer Meldung des „Berl. Tagebl." aus München bereitet das Zentrum dort die Heraus- gäbe einer eigenen Zeitung vor.
Die Rrbeitszeitstage spielt im Wahlka'mpf «ine wichtige Rolle. In der großen Zentrumsverfammlung am Samstag m Fulda konnte man aus den Ausführungen der sozialdemokratischen und kommunistischen Diskussionsredner und Zwischenmfer aufs neue diesen Eindruck gewinnen. Es liegt System darin, die Zentrumspartei für die Verlängerung der Arbeitszeit verantwortsich erscheinen zu lassen. Vor allem bemühen sich die sozialdemokratischen Gewerkschaften und mit ihnen die sozialdemokratische Partei in den letzten Monaten in starkem Maße, die christlichen Gewerkschaften für die Verlängerung der Arbeitszeit verantwortlich zu machen. Es ist schon wiederholt darauf hin- gewiesen worden, daß durch das eigenartige Ver- halten der freien Gewerkschaften und der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion die gesetzliche Regelung der Arbeitszeitfrage nicht die günstige Erlangung gefunden hat, die sie bei einer anderen vernünftigeren Einstellung der Sozialdemokratie hätte finden können.
Wäre di« gesetzliche Regelung auf Grund des ersten Ermächtigungsgesetzes in der von der Regierung vorgeschlagenen Weise erfolgt, so wäre damit den Interessen der Arbeiterschaft in weitgehendem Maße gedient worden. Diesen Standpunkt, den die christlichen Gewerkschaften heraus- gestellt haben, hat kürzlich auch der s o z i a l d e mo- kratische Reichst agsa bg. Schumann, Verbandsvorsitzender des Deutschen Derkehrsbundes, vertreten. Auf einer Konferenz der Gau- und Ortsvorstände des Deutschen Verkehrsbundes hat Schmnann nach dem Bericht des betreffenden Der- bandsorgans Deutscher Verkehrsbund, Nr. 6 vom 22. März 1924 bezgl. der Arbeitszeit folgendes aus- geführt:
Nachdem am 17. Nov. die Demobilmachungsordnung abgelaufen war, stand fest, daß die Reichstagsmehrheit nicht für ihre Verlängerung zu haben war. Fest stand auch, daß die Unternehmer ihre durch di« Krise gewonnen« Macht rücksichtslos gegen den Achtstundentag anwenden wollten. Es mußt« zu retten versucht werden, was zu retten war. Aber gewisse Unentwegte lehnten die Mitarbeit am Arbeitszeitgesetz ab. Sie wollten sich draußen nicht dem Vorwurf der Massen aussetzen, daß sie an einem solchen Gesetz mitgearbeitet hätten, obwohl sie wissen mußten, daß es ohne das Gesetz noch schlimmer kommen würde. Ich habe mich an der Arbeit beteiligt und wäre das Gesetz herausgekommen, ständen die Arbeiter heute besser da. Dann fiel die Koalitionsregierung durch das Vorgehen gegen Sachsen usw. und jetzt kam an Stelle des Gesetzes die schlechtere Verordnung. Die Verschlechterungen sind hineingekommen, weil die Regierung erklär«, sie müsse nun Rücksicht nehmen auf die Tarife, die in der gesetzlosen Zeit zustande gekommen waren.
Danach waren also die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten bereit, an einem Gesetz zur ; Abänderung des Achtstundentages mitzuarbeiten, i Sie haben sich davon nur abhaften lassen, aus Furcht vor der Agitation der Unentwegten, d. h. also der radikalen Genossen, insbesondere der Kommunisten. Die Ausführungen des Reichsarbeitsministers über di« Schuld der Sozialdemokraten an dem Nichtzustandekommen eines günstigeren Arbeitszeitgesetzes finden durch die Ausführungen des Abg. Schumann ihre volle Bestätigung. Cs "" imiß in diesem Zusammenhang noch kurz darauf hingewiesen werden, daß vor kurzem auch der sozialdemokratische Reichstagsabg. B r e Y Hannover, Verl andsvorsitzender des fo'ialbernafratifdien Der andes der Fabrikarbeiter, ähnliche Ausführungen wie Schumann gemacht hat.
Wirtschaftliche Nampsbewegungen.
— Am Snchdruckergrwerde kriselt e« noch. In München wrrb gestreift. Die Veile er haben Not» zeiturigen herauSgegeben, dre mit Ausnahme der .Münchener Poitt und der völkischen Blätter alle Münchener Togerzeituruen umfassen. Auch in Sckte - sren tft eine 'Streikbewegung im Sanne. Wegen der Fortdauer Des Strei:« der Mosch, .ensetzer und Stero- lhpeure in verschiedenen 3eitunp$betiieben Sch.estenS hu en die Ze-tungSverleger ur.D Buchdruckereibesitzcr Schlesiens beschlossen, am Mittwoch, den 16 April fänuli te Zeitun. s- und Druckererbetriebe in Schlesien gu sch liefen, wenn bi« dahin die Streikenden trotz der Aufforderung ihre« Verbandes die ilrbeit nicht Wieder ausgenommen haben sollten.
Hugo Sünnes
ist am Montag in Berlin ein geäschert worden AlS Vertreter der ReichSregierung waren erschienen der Reichkanzler, und die Reicksminister Dr. Stresemann, Oefer, Luther und Jarres, für du preußische Staatsregierung Minister Siering. Di« Trauerrede hielt Geheimer Oberkonsistorialrat Dr. Conrad. Nachdem der Mülheimer Knappenchor das Niederländische Dankgebet gesungen batie,_ sank der Sarg unter den Klängen des Liedes „Strömt herbei ihr Völkerscharen" und des Westfalenliedes langsam in die Tiefe.
Der Nachlaß.
Hugo StinneS Nachlaß beträgt nach einer Meldung der Kasseler Neuesten Nachrichten 7 50 Millionen Gold mark, einschließlich der Beteiligung an den Jnduftriewerken. Das Testament setzt den 29 jährigen Sohn Eomund Stinnes zum Nachfolger des Vaters in der Leitung der kaufmännischen Betriebe ein.
Kurland.
* Die Kommunisten in Luxemburg. Einer Mel- düng aus Luxemburg zufolge wurde bot der Wohnung des Bürgermeisters von Luxemburg, Diderich, eine Bombe zur Explosion gebracht, die das Gebäude beschädigte, aber niemand berletzle. Es wird angenommen, daß der Anschlag von den Kommunisten verübt worden ist.
* Zur Lage in Spanien. General Prino de Rivera, der von Madrid in Barcelona angefotrtmen ist, erklärte Havas zufolge, daß er dem Könige ein Dekret zur Unterzeichnung vorgelegt habe, das sehrschwere Strafen und sogar die Todes- strafe vorsieht gegen diejenigen, die mit bemaff- neter Hand Attentate gegen Eisenbahnen usw. unternehmen.
* Erdbeben und japanische Flotte. Der durch das Erdbeben nötig gewordene Ergänzungskredit zmn Marinsbudget beträgt 92 Millionen Ben, wovon 26 Pen für Gebäude und der Rest für Rü - stungszwecke bestimmt ist. Die Summe ver» teilt fick) auf acht bezw. zehn Jahre.
Kus der VahlbeMgung.
Die Reichsroahlliste des Zentrums.
2n der Reichswahlliste der Deutschen ZeniMMspartei, beschlossen bei der Tagung des Reichsparteivorstandes in Franksurt a. M., den 12. April 1924, wurden folgende Kandidaten aufgestellt: 1) Reichskanzler Will). Marx, Berlin; 2) Staatsminister a. D. Dr. Peter Spahn, Berlin; 3) Frau Hedwig Dransfeld, Werl i. Westf.: 4) Hcmptschristleiter Adam Roeder, Karlsruhe; 5) Frau Ministerialrat Weber, Berlin; 6) Ministerialrat Wegmann, Oldenburg; 7) Oberlehrer Hofmann, Ludwigshafen; 8) Rechtsanwalt Dr. Lammers, Ber. lin; 9) Oberpostschaffner Koch, Essen; 10) Studienassessor a. D. Dr. Krone, Berlin; 11) Generalsekretär des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, Herrmann, Hannover; 12) Dr. Müfer, Köln a. Rh., Dorstandsmitglied des Reichsverbandes deutscher Kolo- nialwaven- iimb Lebensmittelhändler; 13) Hauptschriftleiter I. B. Krauh, Schöneberg; 14) Landwirt Wand, Eichsseld; 15) Rechtsanwalt v. Rehbinder, Berlin; 16) Sanitätsrat Dr. Iordans, Saarbrücken; 17) Oberst a. D. Dornemann, Charlottenbmg; 18) Postinspektor Przibilla, Breslau; 19) Oberregierungsbaurat Sarrazin, Friedenau; 20) Polizeipräsident ©fielet, Gelsenkirchen.
■ Petersberg. Am Samstag abend fand auch hier in Petersberg im Birkenbach'fchen Saale eine Zentrum s v e r s a m m l un g statt, in der unser Herr Pfarrer Kircher Über Bolkswohlfahrt und über die Entwicklung der Sozialpolitik sprach. Auch der Dor- sitzende der christlichen Gewerkschaften Herr Karl Schmitt mies in einem Referat nach, wie gerade das Ientrum es war, wenn es galt, das Vaterland über die Partei zu setzen. Obwohl reger Anteil an der Aussprache genommen wurde, blieb dieselbe doch sehr sachlich und hinterließ den Eindruck, daß man in Petersberg verantwortungsbewußte politische ürbeit, wie sie das Zentrum geleistet hat, zu würdigen weiß.
— Künzell. Eine sehr tntereffante Zentrumsversammlung wurde am Sonntag hier abgehalten. Herr Bürgermeister Herbert-Zirkenbach aus eigener Erfahrung als Zentrumsabgeordneier und Herr Arbeitersekretär'Wiedemann-Fulda erklärten das Programm und die seitherige Tättgkeit der Zentrumspartei. Recht lebendig mürbe die Verstmnnlung, als Herr Haase von der kommunistischen Partei aus Fulda in der Diskussion zu Wort kam. Ausgerechnet Herr Haase, der bei der vorigen Reichstagswahl als Vertreter der Unabhängigen und gestern als Kommunist erschien, roarf dem Zen. trum Gesinnungswechsel vor. Er verspottet sich selbst und weih nicht wie! Ein Jugendlicher, Herr Wagner aus Fulda, suchte mit Mühe aus einer anscheinend schlecht [eferlidten Broschüre ebenfalls kommunistische Weisheit vorzubringen. Jedenfalls hat Herr Haase durch sein Auftreten das Gegenteil von dem erreicht, was er er- reichen wollte Er wurde von Herrn Wiedemann fllän- zend abgefertigt und heimgeschickt, lieber Moskau und den Genen des Kommunismus weist man im Fuldaer Sanb besser Bescheid als Herr Haase über Christus und j das Christentum.
= wohl Versammlungen der Ientrumsparlei fanden am Sonntag noch statt in Blankenau (Lehrer Schmitt-Neuenberg), in Hainzell (Dr. WM, in Kleinlüder (Dr. Will und Lehrer Schmstt-Neuen- berg), in Burghaun (Stud'.enrat Dr. Hohmann). Der Besuch all dieser Versammlungen war sehr gut.
= Bad Soden (Sr. Schlüchtern). Am Sonntag nachmittag fand hier eine außerordentlich flirt besuchte Delegiertenversammlung der Zentrumspartei statt. Der Saal des Kurhauses war bis auf den letzten Platz besetzt. Herr Lehrer Werner-Marborn leitete die Versammlung. Reichstagskandidat Dr. Crone- Munzebrock entwickelte in durchschlagender Rede das Pro- gramm der Zentrumspartei. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an, in der u. a. Herr Kuratus Kind- Marbom auf die hohen ethischen und kulturellen Ziele der Zentrumspartei hinwies, die besonders für uns Katholiken von größter Bedeutung seien.
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