M 89.
Sonntag, 13. Aprtt 1924.
- -yuldaer Zeitung
2. Blatt.
*♦* Druck der Fuldaer Aetteudrnckerei itt Falb»
K*«k£&a*3IHI
M WWeil im VMM!
Eine große Rolle im Wahlkampf der Rechts- «idikalen spielt die Behauptung, die bisherigen Re- Gerungen der Republik hätten .aus hündischer Anast, wie ein sehr rechtsstehendes Blatt sich so vornehm ausdrückte, es nicht gewagt, gegen die These von der Alleinfchuld Deutschlands am Kriege etwas zu unternehmen. Und einer der lautesten Rnter in diesem Streite ist der bisherige Abgeordnete der Deutschen Dockspartei, Frhr. v. Lers- «er, der erst vor einigen Tagen mit großem Schwung aus dieser Partei ausgetreten ist, nach- Dem er wochenlang öffentlich in Wort und Schrift feinen eigenen Parteiführer angerempelt hatte. Run sollte eigentlich gerade Herr ip. Serener genau Men, was alles di« Regierung im Kampfe gegen die Schuldlüge unternommen hat. Denn das, was sie getan hat, ist wirklich nicht gering. Rur, daß es sich nach der ganzen Natur der Sache nid/t auf öffentlichem Markte absxielen konnte. Der einzige Weg, der uns heute offen steht, die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege zu bekämpfen, ist der, unermüdlich die Wahrheit über die Vorgeschichte und die Entstehung des Weltkrieges zu verbreiten. Hier hat denn auch Deutsch- lartd eine Unsumme von Arbeit geleistet, über die sich jeder, der sich Klarheit und Wahrheit verschaffen will, leid# an den zuständigen Stellen orientieren tonn. Es würde zu weit führen, in diesem Rahmen alles aufzuzählen, was geschehen ist: es sei nur an die Herausgabe der deutschen Akten über die Vorzeit des Wellkrieges (bisher zwAf Bände er- schienen), erinnert, sowie an das Buch des deutschen Botschafters z. D. v. Romberg: Die Fälschungen des russischen Orangebuches", daß .mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes" veröffentllcht wurde. i
Wie gesagt, jeder, der sich für diese Frage interessiert, hülle leicht das gewaltige Material, das hier vorliegt, kennen lernen können. Ist es also zll-n mindesten eine grobe Leichtfertigkeit, wenn neben - den anderen Demagogen und Hetzern auch von Lersner die unwahre Behauptung aufstellt, es sei gegen die Schuldlüge nichts geschehen, so wird sein Verhalten direkt zu einer politischen Unehrlichkeit ersten Ranges gestempelt durch einen „Offenen Bries", den Generalleutnant a. D. Karl v. Schoch an seinen früheren Fraktionskollegen Lersner gerichtet hat. Hier erfahren wir nämlich, daß Frhr. v. Lersner gegen die Behandlung einer Interpellation der Deutschen Dolkspartei über die Schuldlüge im Reichstag Einspruch erhoben hat. General- leutnant v. Schoch erzählt, wie er im Jahre 1922 bei der Fraktion der Deutschen Dolkspartei den Antrag auf eine Interpellation über die Schuldlüge stellte. An der Spitze der Unterschriften unter dieser Interpellation stand der Name des Herm von Lersner, der auf diesen Platz besonderen Wert legte Die Behandlung der Interpellation verzögerte sich jedoch infolge Geschaftsüberhäufung des Reichs- tages. Als dann im April 1923 eine Interpellation der Deutschnationalen über den gleichen Gegsn- stmid auf der Tagesordnung stand, die Interpellation der Deutschen Bolkspartei aber fehlte, begab sich Herr von Schoch zum Reichstagspräsidenten und beantragte, daß die Interpellation feiner Fraktion nachträglich auf die Tagesordnung käme. „Ich traute aber meinen Ohren nicht", so erzählt der General, „als mir ßoebe sofort erklärte, ec hätte es für selbstverständlich gehalten, daß die Interpellation der Deutschen Volkspartei gleichzriüg mit der deutschnaüonalen besprochen werde, aber Freiherr
». fierwner habe dagegen Einspruch erhoben!" Herr von Lersner hat das damals auch unumwunden zugegeben.
Also derselbe Herr v. Lermvr, der heute zetert und schrete, daß nichts gegen die Schuld!üge geschehe, hat damals ohne Wissen und gegen den Willen der Fraktion mit allen Kräften verhindert, daß der Reichstag sich gegen dies« Lüge zur Wehr setzte. Es gehört wirklich ein eigenartiger Mut zu einem solchen Verhalten, und man kann Herrn von Schoch nur Recht geben, wem, er an Herrn von Lersner die Frage richtet: „Wie können 6te e» überhaupt noch wagen, zu schreiben: „Da diese Tat (Aufrvllung der SchuMüg»), auf die das deutsche Bolt feit Jahren wartet, trotz all unserer Bitten, Schreiben, Forderungen unterblieben ist, hat die Reichsregierung versagt." Versagt haben in allererster Linie Sie im April 1923. Und deshalb bestreite ich Ihnen angesichts dieser mehr als 'merkwürdigen Haltung das Recht, jetzt den Retter des Vaterlandes spielen zu wollen!"
Wirklich, es gehört schon etwas dazu, die Rolle zu spielen, in der sich jetzt Herr v. Lersner gefällt. Und wenn man auch im Wahlkampf gewiß nicht jedes Dort auf die GoBwage legt tmb Dinge fagt, die man in ruhigen Seiten wahrscheinlich nicht sagen würde, so darf man doch mit der Wahrheit nicht derartig Schindludcr treiben. Wenn schon das eigene Xnstandsgqühl nicht dcyu anhükt, ehrlich zu bleiben, so sollte doch wenigstens die Rücksicht auf das gute Gedächtnis der Mitmenschen auch hn Wahlkampf davon abbellten, sich so bedenkenlos über das Gebot der poetischen Ehrlichkeit himvegzusetzen.
Das werbe« um R«tzlaich.
pahtcete wÄ rnftmachen.
Gin Sonderberichterstatter mckdet dem „Manchester Guardian" aus Landon, es heiße, Poincare habe bett französischen Botschafter in London angewiesen, falls er um eine französische Beteiligung an den in London flatefmdettden englisch-russischen Besprechungen erlucht werde, diese Gelegenheit zu be- nutzen, das heißt eine solche Beteiligung nicht von der Hand weisen, sondern eine derartige Aufforde- rtmg an Poincare weiterzugeben. Soweit die briit- sche Regierung in Detracht komme — erklärt das Blatt — sei die englisch-russische Konferenz eine private Angelegenheit zwischen Eroßbrilannisn urtb Rußland. Eine AuÄuhnung ihrer Reichweite in dem Sinne, daß andere Rationen mit hineinbe- zoyen würden, komme nicht in Frage. Wenn andererseits dte französische Regierung zu einem fpäteren Zeitpunkte wünsche an einer alliierten Konferenz mit Rußland auf Grundlage der gescheiterten Haager Konferenz oder auf irgendeiner anderen Grundlage teilzunehmen, so werde die britische Regierung zweifellos damit einverstanden fein, ohne daß sie jedoch dadurch einige ausschließlich RußlarD und Großbritannien betreffenden Konferenz abgeschlossen werden würden, in Frage stelle« würde.
Frankreich und Xumiiten.
Sm „Journal des Depots" geht in feinem Veit- er UM auf die Möglichkeit ein, daß m» BtHaß der Anwesenheit des rumänischen Röntge- paare« in Paris ein französisch-rumänischer Vertrag ähnlich dsm französisch- tschechischen Vertrag zrtstanüe komme. Das Blatt findet jedoch, daß die Voraussetzungen in beiden Fällen nicht die gleichen wären. Rumänien liege viel weiter von Frankreich entfernt und fei
mehr vom Osten bedroht als von Mitteleuropa, wo es durch die Verträge der Ätei- iten Entente geschützt sei. . »
Aus dem Nachbareeblet.
= Vacha. Vom 10. April ab fuhren die Süge der Strecke Tann-Salzungen wieder die 2. Wagenklasse.
= Diez a. L. Aus der Grube „Holzappel" brach während der Frichschttht ein Brand aus. Bi« auf zwei Bergarbeiter konnte sich die Beleg- schäft retten. Eine Rettungskolonne versuchte vergeblich, die eingeschloffenen Kameraden zu befreien, mußte jedoch wegen der großen Rauchentwicklung wieder zurückgehen. Der Kolonnenführer Simon, der sich zu wett vorwagte, mußte seinen Wagemut mit dem Tode büßen, sodaß der Brand drei Opfer bisher forderte. Der Brand konnte noch nicht gelöscht werkten. -
- Kur Gherhefleu und denheMMnAenUerii.
> A Anzefahr. Bei dem sturmartigen Winde, s der in »ergangener Rächt über das Ohmtal brauste, ' entstand im sog. Ziller'schen Hof im nahen Gr oß - ! seelheim $ euer, bas rasch um sich griff und i eine Scheune nebst Schafstall vernichtete. Die Feuer- : »ehren hatten große Mühe, um ein Umsichgreifen । der Flammen zu »erbüten. Der Schaden, der dem \ Besitzer Ludwig Rau entstanden ist, dürfte erhrb- ! kich sein. U. a. verbrannten eine Anzahl Schafe 1 und außerdem wurden dort lagernde Baustoffe, Ze- ; ment usw. vernichtet.
vermischter.
* v« gsbrawi j»tn HantmterkerderMf. 3* Mr j letzten Sitztmg der Berliner Handelskammer teilte ! deren Präsident mtt, daß der Lehrlingsstand zurzeit ! seine jemals höchste Ziffer mit 44 800 eingeschriebe- | wwt LahrstnEev erreicht und damtt Ke Borkriegszahl weit üderhokt habe.
* «eberstatz an GMiWNk 1 Ao» WaMritaafitnb Pfund Heringe sind iA dem letzten tagen in Kiel eingetroffen. 5Me Heringe find im Kleinhandel nicht mehr unterjudringen und misten für industrielle Zwecke Berwendnng finde».
* Za» Tsde der»rieilt, tte steine •**«- Bericht in Landsderg bererleilte den Itzjlhrigen Bäcker Walter Schwandt vnd sainen um ein Fad» filteren Äoflegen Steinbock wegen Morde» fit» Tode. Die »eben hatten am 19. Ramacher »ortzgen Fahre» die Knnsmann-nstewe Rßnch Hahfiarf, »te tante de» An geklagten Schwandt, alt sie am Kochherd le* schästijst war, erdrosselt und beraubt. Die Beute war ihnen, eil sie am AlezanderPlatz m Berlin versuchten,sie zuVeikenftn, geraubt worden.
* Große Al engen von Getreide verdorben. Der dreistöckige Getreidespeicher des Rittergutes Kreisch« bei Görlitz, in dem 10 000 Zentner Getreide lagen, ist plötzlich mit ungeheurem Kr«h in einer Front von 18 Matern zusarnmengabrvchen. Die gmwlti- gen Getreidemangm sind vom Schutt vollständig bedeckt. Cs ist anzunehmen, daß der größte Teil bei Getreide« unbrauchbar geworden ist.
• Kristiania soll mngetaeft werden. Dar vom Storttttg gewählte Ausschuß, dessen Ausgabe es ist, zu erwägen, ob die norwegische Hauptstadt ihren Ramen ändern soll, scheint für eine Namensänderung geneigt, und so meint man, daß Kri- sttmua trotz heftigen Widerstande« vom 1. Januar 1925 ab D»le heißen wird.
„UI .......... — llll.ll Jill
* •refcfwee in An Lodz sind die Tertil- werte der Firma Angerstein abgebrannt. Der Materialschaden beträgt übet 300000 Dollars. Bei den RettungSarbeiten fanden drei Feuerwehrleute in den Flammen den Tod. 600 Arbeiter sind atbeitelH.
* Kn trinkfester Milliardär. Der bekannte Oel- Magnat H. H. Rogers in N e w y o r k ist mit der Polizei wegen Uebertretung des Alko - hol-Gesetzes in Konflikt gekommen. Die Beamten beschlagnahmten eine ganze Kraftwagenladung von französischem Champagner und altem Burgunder, zum Teil aus dem Jahre 1805, die der Milliardär von seiner Wohnung auf. Lang Irland nach dem „Ritz-Hotel" schaffen ließ, in dem er gegenwärtig Aufenthalt genommen hat. Eine große Menge der edelsten Gewächse ist nun zur Vernichtung verurteilt.
mm, im im moffiere oes Sftmws« UM Sterbesälle enm 4. bis 11. April 1924.
4. April. Selter a. D. Witwer Theodor Noll, 80 5. « W. 12 t. 6 ®ti* Möller, 2 M. 27 T. 6. Rrnt, nette Witwe Therese Reinhardt, 83 I. 4 M. 29 L 7. Sebtert« Maria tzetzwi« Paula Ruhl, 40 I. 19 T. 8. Zimmerinnnn» - Wefrau Maria Veronika Stapf, 52 I. 16 T. #. Landwirt Iebanne» HauSmann, Reichlo», 27 A. I M. 26 T. 8. Rentenempfänger Witwer Silvester Hohmann, 74 2. 3 ®1. 8 I. 9. Landwirt Alfred Eebrtih Setilieb -feister, 84 I. 10 M. 17. T. 10.
twe Srnma Karoline Daniele Dreusing, 44 I. 10 M, K t _______
S-tter»ie«ftor-nung.
Äatt»ttl*«t «oteeddienst.
V a I m f • « x t a 4,18. April. Dom. Osterkommunion der tzunßsrauen. xiA, 6, */i7 u 7 hl. 28, '/,7 hl. M. u. Stern, s. d. Mitgl. d. ^unefr.-Sod. i. d. Marienkapelle, 8 Pfarramt m. Palmenweihe u. Um,.. */«10 Kathedral- amt in. Palmexweihe u. Umg., *411 Chr. f. d. Jüngl., M2 letzte di. R., ’/»2 He-H-Mariä.Brudeischäft, 2 Ltzr. t b. JteMfr., ‘.3 Vers. d. Iungfr.Eod. i. d. ROrientetzeLe, 4 sieftexpr., 7 Hen».Baria.Bniderschaft m. Pr. B Weten i. », Marienkapelle. Montag nachm. 6 Sasten-A. Mittwoch nachm. Wen ‘AB ab Beichtgel. — telt>f»t»fir*e. B'/i Äem„ B’A hl. St., 6*/« hl. M. u. Äom. d. 8 erster vchulgd., SV, Palmenweihe
u. Pfarramt, 11 -weiter Gchulgd., SV. Chr. f. d. Jüngl. i. d. Severinrche, 2'/, Bruderschaft bon der Todesangst bet Peern, 8'A »«dacht fflt die Jungfrauen-Lodaliiät. — Pfarrkirche »am Mligeu Seist. 7 strühm., 8 Palmen» Wethe, Progesstsn u. Hochamt, ‘AB Chr. u. A. Mittwoch in der Ctzarwoche: nachmittag» 4—6 Beichtstuhl. — Seacrlkirche. •tmnteg» 7, werkte«» */,7 hl. M. — Hrrz-tzesa-Oel«. Vinn taz 8 Pr. und Amt, 2 Segen», andacht. Mittwoch adend» 8‘A Segensandacht. — Heonenßer». 8, V,1, 6, V»7 tt. 7 hl. M., */*8 Bruder» schaftem. nt. Vorlesung d. Leiden»geschichte, */»9 Palmen» toelhe u. Prozession, darauf Sebitenamt m. Absingen d, Passion, nach«. 2 Pre». u. And. f. d. Terztaren.
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