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Aus Kultur und Geistesleben der Gegenwart
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Sonntag. 13. Aprll 1924.
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। enffeNfitfien Folgen, welche her treffe Egoismus imd der cus ihm hervoraehende Neid und Haß nach sich ziehen, aufs bitterste an den Pharisäern er- fahren und am Marterholz des Kreuzes ausgekostet, chatten die Nationen und Staatsmänner, die an dem blutigsten aller Kriege schuld sind, die Lehren und Worte Christi, insbesondere seine Armut und Liebe sich zu Herzen genommen: dieser Weltkrieg wäre nimmer entstanden.
In den letzten fahren vor dem schrecklichen Deltkrieg hat man öfter« namentlich auf Karfreitag und Ostern, in gewissen Leitungen und Zeitschriften lesen können: die Menschheit braucht keinen Erlöser, sie kann sich selbst erlösen. Die Arbeit, ihre eigene Kraft kann und wird sie befreien und sel'g machen. Scheint es fetzt nicht, als ob (Sott den Menschen zeigen wollte, rote furchtbar schwer es ist, sich selbst in schweren Leiden und Un- glück zu erhalten und durchzuringen? Es war frevelhaft, wenn man zuweilen einzelne darüber murren hörte, daß (Sott solchen Weltkrieg nur zulasten konnte. Aber Gott war so unschuldig an dieser Welttragödie rote am Kreuze feine» liebsten Sohnes. Aber er läßt die schweren Sünden erst in ihrer ganzen Tragweite sich auswirken, um die einen zu strafen und di« andern zu prüfen. Ein höhere» Walten göttlicher Gerechtigkeit ist für den Tieferschauenden auch in dem Weltkriege nicht zu verkennen. vielleicht wer diese Dlutgeißel de» Kriege» ein Ultimatum Gottes an die Menschheit, besonders nn die im Glauben kranken und abgestorbenen Völker, wieder zurückzukehren zu den einzig wahren Idealen Christi, gläubig niederzusinken am Fuße des Kreuzes und mit dem römischen Hauptmann zu bekennen: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!" oder reumütig mit dem guten Schächer zu sprechen: ..Wir leiden, was rott verdient haben, dieser aber ist unschuldig."
wgenbez» «ntnaf ou» bat Stoffe, und dann ist da« ganze Konzept verdorben. Wir tadeln es mit Recht, wenn »ir glauben, daß das Ausland ein unehrlicher Spiel mit uns treibt, aber unser Tadel wird erst dann treffen, wenn er von Menschen erhoben werden kann, wie eben der, den man den redlichen, v-ert ehrlich en, den moralisch untadeligen nennen könnte, «ie eben imfer verehrter Herr Reichskanzler Marx einer ist, den fo viele Stimmen aus dem Auslände als den ehrlichen und vertrauenswürdigen Jreifen, In der Tat, „Ehrlichkeit ist noch immer ie beste Diplomatie".
A? MlsllW ZMWÜ7W.
Die bittere Rot der deutschen Se«nwart freibt wieder tmaeM'ie brave Bolkezenosten fort aus dem Land ihrer Vetter, hm zu netten Gestaden, an denen sie baffen, unter günstigeren Dedinmmgen den Kampf ums Dasein führen zu können. Allein im Jahre 1923 find 115 396 Deutsche über deutsche und fremde Häfen ausflenxmbert. Diese hohe Attsmcmdetnmgsqusie findet nur in der Aus- tpandertmg während der Jahre 1881—85 ein Gegenstück. In diesem Zeitraum betrug die Gesamtzahl der aus Detttschland auswcmdernden Personen 857 287.
von der vefchsgründung Ms zum Jahre 1900 wurden 2 498 266 über deutsche Häfen auswandernde Deutsche gezählt. In diesem Zeitabschnitt erreichte die Auswan- derwtg in den Jahren 1881—85 mit der obenangegebenen
Versteigerung.
Am Dienstag, den 15. April 1924, vormittags 10 llhk sollen in der Gastwirtschaft „Sur Rhönlust-
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Vffeutlich meistbietend gegen Darzahlung zwangsweise versteigert werden.
Zuida, »en 11. April 1924.
Uljtsüel, Sertchtsvollzletzer.
Wissenschaft und Forschung.
-S preftffor Viktor Henle, der frühere Direktor bei physiologischen Instituts in Kiel, der Senior der deutschen Tiefseeforschung, ist im Alter von fast 90 Jahren gestorben. Höchst verdient um die biologische Meere», forschung hat er sich durch sein Eintreten für die Förderung der Fischerei durch den Staat auch um die deutsche Wirtschaft große Verdienste erworben.
Bei Rheuma, Sicht, Nervenschmerzen, Sopsweh, Influenza, Grippe und Schmerzen In den Gelenlen und Gliedern wirkt Togal ganz hervorragend. Durch den ausgezeichneten Eriolg, den zahlreiche Aerzte mit Togal erzielten, hat sich dieses Präparat eine wohlverdiente allgemeine Anerkennung erworben. Togal ist stark harnsäurelSsend und geht daher direkt zur Wurzel bgs Hebels. Es verursacht keine schädlichen Nebenwirkungen. Die Wirkung tritt unmittelbar ein und der beruhigende Effekt de» Togal macht ee auch besonders wertvoll gegen Gchlailosigkeit. In all. Apoih. Beit. 54,3 •/« Aeid «et satte.. 0405»/« Chinin, 12,5»'» LIL. ad 100 An
Johl ihren Höhepunkt. Vie niedrigste Johl wurde fn bei Jahren 1896—1900 mit 127 808 deutschen Auswanderern sestqestellt. Jrn ersten Jahrzehnt dieses Jahrhundert, wanderten insgesamt 358 526 Personen (27 963 im Jah- resburcbfAnitfl aus. Bon 1911—14 verliehen im Durch, schnitt töhrlich 19 720 Deutsche das Land. In bea Kriegsjahren sind insgesamt 863 Auswandernde kontra!» fiert worden. In demselben Matze, m dem die brutalen Bestimnnmgen des Versailler Vertrages in Wirksamkeit traten, nahm die Auswanderung wieder zu. 1919 toerw es 3 236, 1920 schon 8 438. 1921 stieg die Aahl plötzlich auf 23 451, 1922 auf 36 527 bis schließlich im Jahre des Ruhreinbruchs und des dadurch verursachten schnellen rni-ttschaftttchen Niedergange» 115 396 Auswanderer gezählt wurden. Die höchste Quote hat in diesem Unglücksiabr der Monat November mst 15 827 Auswanderern auszuweisen, mährend im Januar desselben Jahres nur 3 066 gezählt wurden. Das Jahr 1924 dürfte ein weiteres Anwachsen der überseeischen Auswandenmg aus Deutschland bringen.
Der Äauptftrom der deutschen Auswanderer ergietzt sich nicht mehr wie vor dem Kriege nach Nordamerika, sondem nach dem Süden dieses Erdteils und zwar vornehmlich nach Argentinien, Brasilien und Chile. Für Nordamerika und in leister Zeit auch für bie südamerikanischen Staaten sind die Einwande, runosbedrngvngen erheblich erschwert worden. Verboten ist die deutsche Auswanderung immer noch nach einer ganzen Reihe überseeischer Länder, z. S. nach den fron» »ösischen Kolonien und Mandatsgebieten, nach Australien, Neuseeland, den englischen Kolonien in der Südfee, Sri- tisch-Jndien, Ceylon, Sansibar, Britisch-Ostasrika, nach Belgisch-Kongo und den belgischen Mandatsgebieten.
Der redliche Kanter. । Von Friedrich Muckermann S. 3.
Schon wieder em Ausländsbrief mit einer Be- tnerfimg über den Reichskanzler Marx. Schon wieder einer, der betont, welch ein Segen es für Deirtfchland fei, daß gerade em solcher Mann das Sta-atsruber führe. Einer, dem man glaube, den man achte, vor dessen untadeligem Charrrkter man sich verbeuge. Solche Vriefäußerungen geben zu denken.
Wir haben uns daran gewöhnt, Politik ungefähr gleichzusetzen mit Wirtschaftspolitik. Wir denken überhaupt gern in wirtschaftlichen Kategorien. Das Spiel der Politik scheint uns Spiel mächtiger Dirtschiaftsgruppen. Dis Stinnrs und Morgan usw., meinen manchs, beherrschen die Welt. Und doch ist das nicht ganz wahr. Ganz wahr aber ist, daß sämtliche Werte wirtschaftlicher Art doch nur abgeleitete Werte sind, die so viel und so wenig bodeuten, als der in ihnen enthaltene ©nrribroert, und dieser Grundwert, das ist ine Moral, die -Rechtlichkeit, 'mit unserrn guten deutschen Worte die Redlichkeit. War es nicht und ist es nicht auch hsute noch von ausschlaggebender Bedeutung für die Blüte deutschen Wirtschaftslebens, daß der deutsche Kaufmann als redlich gilt? Hat es uns nicht auch wirt-fchafüich geschadet, wenn dieser Stuf irgendwo und irgendwie in Frage gestellt wurde? Kann man in den glänzendsten vertikal- horizontalen Systemen, in den gewaltigsten Warenhäusern irgendwie vorankommen ohne redliche Menschen? Hat je ein Geschäft „floriert*, wenn alle Angestellten Spitzbuben waren? So kehren alle Werte schließlich zurück zu dem Grundwert des Redlichen und Rechtlichen.
Eine schlechte Rechnung, wollte man diese Idealen Werte aus der Polstik ausschalten. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß für einen Politiker außer der Redlichkeit nicht noch andere Eigenschaften notwendig sind. Auch der deutsche Michel ist redlich, aber darum noch kein Politiker. Wenn aber die Redlichkeit Grundwert und Borans- setzung für alle erbten Erfolge ist, so muß sie auf eine viel stärkere Weise wieder in unser politisches Empfinden eingestellt werden. Dor allem von Parteien, die Wert darauf legen, den Geist des Christen- itums zu besitzen. Wie nämlich das Christentum über alle vergänglichen Mächte die Macht der Idee stellt, fo über affe noch so blendenden Dor- züge eines Menschen die Lauterkeit des Charakters. Bei stärkerer Betonung gerade dieser Werte würde sich das Angesicht der verworrenen inneren Politik bald ändern. Denn schnell verstehen sich Menschen, die nicht sich, sondem die Sache suchen. Solche Menschen müssen eben redlich sein. Die Herrenmode dürfte für die Parlamente von Stadt und Reich ziemlich belanglos sein, aber eine reine Weste wäre doch in jedem Falle ein sehr empfehlenswertes Kleidungsstück.
Das wäre auch der Weg zu internationaler Drrständigung. Man muß einander wieder glauben lernen. Mögen wir es wahr haben oder nicht, man hält uns Deutsche i'm Ausland vielfach für verlogen. Wir könnten mehr bezahlen, wir umgingen diesen und jenen Paragraphen, so tuschelt man. Ob mit Recht oder Unrecht, das ist eine Sache für sich; wir sind jedenfalls so lange nicht in der Sage, dergleichen richtigzustellen, als wir nicht den Eindruck ehrlicher Menschen machen. Diese Schrinwelt ist ja im allgemeinen schon mit dem Eindruck zufrieden. Aber am Ende macht man auf die Dauer doch nur den Eindruck eines ehrlichen Menschen, wenn man es wirklich i st. Die Schauspielerei ist hier wirklich zu schwer. Man fällt doch
»enig gebraucht, hell Eiche,
Der Much des Gsldes,
Do» Dr. Kerl Albert Döaele.
Stus dem Kapitel Karfreitag der siresttapr-Ge- beltfen .himmelslichter" des lebenrerfah. eenen Essayisten Dr. K. A. B 8 a t Ie (erschienen int Serie# Herder, Freiburg i. Br.).
5n der bedeutsamen Nibelungentragödie Rich. Wagner» hat Alberich, ein scheußlicher Awerg aus dem Geschlecht der Nibelungen ober Schwor zelben, die Liebe verwünscht und den Dellenmädchen des Rhein» ihren Schatz, „das Rheingöld", entrissen. Lus diesem schmiedet der dustere Nibelung Alberich einen Ning, der ibm die ganze Welt untertan macht. Mit Loge» Hilfe fängt Wotan den Alberich und zwingt ihn zur Herausgabe des Ringes und feiner Schätze. Aber der Zwerg spricht den Fluch über den Ring aus, und nun bringt der Ring ans Gold affen, die ihn nehmen ober erhalten, Fluch. Siegfried, der starke, freie Held, hat dem Riesen Offner den Ring abgenommen und ihn der Brunhilde gegeben. Aber dieser verfluchte Ring der Nibelungen wird auch diesem lebensfrohen, schönen und starken Menschenpaare zum Berhänanis. Siegfried fällt unter Hagen» Streichen. Brunhilde besteigt, nachdem sie den Ring („das Rbeingold") wieder den Rheintöchtern zurückgegeben, den flammenden Scheiterhaufen und verkündet den ttebertebenben als großes Gesetz der Zukunft:
Richt Gut, nicht nicht gffltfM* Pracht: Nicht Haus, nicht Hof, nicht herrischer Prunk; Nicht' trüber Verträge trügender Bund;
Nicht heuchelnder Sitte hartes Gesetz:
in Lust und Leid läßt die Liebe nur sein!
H«t nicht ein geroiffer Staat au» seinen Kolonien viel Gold geholt und sich gleichsam damit einen Ring geschmiedet, um Länder und Meere zu beherrschen? Hat nicht diese verfluchte Gier nach Gold und Macht das eine Land gegen das andere mit Reid und Eifersucht erfüHt und so den entsetzlichen Weltkrieg herbeigeführt? So scheint in derTatdie Nibelungentrilogie Wagners die Tragödie unsrer Seit geworden zu sein. Die sittliche Idee, der tiefe sittliche Stern, den Richard Wagner in dieser Nibelungensage herausgeschält hat, daß diese Macht- und Goldgier allen Fluch bringt, bleibt auch für unsre Zeit bestehen.
Die Goldgier der einen und der Haß dar andern haben da» furchtbare, miffionenhafte Elend und Wehe de» Weltkrieges heraufbeschworen.
Angesicht« der entsetzlichen Folgen, welche Goldgier und Haß nunmehr anrichten und auswirken, versteht man, warum Jesu» Christus arm geboren sein wollte, arm lebte und am Kreuze starb, warum er immer wieder vor der Habsucht und dem Reichtum warnte und warum er die Siebe zum Hauptgedot machte und die Liebe noch vom blutigen Kreuze aus predigte. Jesus Christus hat den Fluch des Goldes gekannt und in feine unheimlichen Tiefen geschaut; er haf ihn an Judas selbst erlebt und erlitten. Jesus Christus hat auch die
16. ByEtiS, MMbMU