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FuldaerZertunq

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 89.

verantwortlich* die Schriitleituns: Dr. Jobanne» Stautet, Ameisen: I. P arretier, Suita. Raia!ian?druck und verlas der n Fuldaer trtitrbrnrferei m Fulda. Semi Bretter Sfr. ft :: BernardreiS kürStorP Poslbcltkvnng 1.80,Stadtber-g 1.505RL

Sonntag, 13» April 1924.

Anreisen -Breiic: ÄieiuAeüe (Uoioneü lokal 0.15 Go Smart, auswärts OLO Woldmark: Reklame,eile iolai 0.60, Soldmark, :: auswärts 0.80 Soldmark. r.

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51. Zahrg.

MWSIAkSkrSglZSklWSiW sind zurzeit in den Kabinetten der Großmächte Ge­genstand der Erörterungen. Die deutsche Re­gierung wird entscheidende Beschlüsse am Mon­tag zu fassen haben. Zu dieser Frage sind die M i- nisterpräsidenten der Länder zu einer Kabinettssitzung eingeladen werden.

Die Stellungnahme der Reparationskommifsion.

Die Reparationskommission in Paris hat in einer offiziellen Sitzung einstimmig folgende Ent­schließung angenommen:

Die Reparationskommission hat nach Kenntnis­nahme der Berichte der Sachverständigen sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie eine praktische Grundlage für die rasche Lösung des Reparationsproblems bilden. Sie ist deshalb geneigt, schon jetzt im Rahmen der ihr zu­stehenden Befugnisse die Konklusionen zu billigen und die vorgeschlagenen Methoden anzunehmen. Um die Durchführung der Vorschläge der Sachver­ständigen zu erleichtern und zu beschleunigen, be­absichtigt die Reparationskommission, den interes­sierten Negierungen die Entschließung der Berichte, die der Kompetenz der Regierungen unterstehen, zur Annahme zu empfehlen, jedoch sieht sich die Reparationskommission in die Notwendigkeit versetzt, ihre Zustimmung und ihre Initiative zu­rückzustellen, bis die deutsche Regierung bereit ist, ihre Mitarbeit an dem Plan der Sachverständi­gen sicherzustellen. Zu diesem Zwecke wird die Reparationskommission die Delegierten der deutschen Regierung am Donnerstag den 17. April anhören, es fei denn, die deutsche Regierung würde es vorziehen, eine schriftliche Antwort zu erteilen.

Mitteilung dieses Entschluffes ist bereits der deutschen Kriegslastenkommission zugegangen. Der offizielle Bericht der Kriegslastenkommission über die ihr von der Reparationskommission mitgeteilte Entschließung werde Samstag in Berlin erwartet. Entscheidendes über die Haltung der Reichsregie­rung zu dem Beschluß der Reparationskommission sei von der auf Montag anberaumten gemeinsamen Sitzung mit den Ministerpräsidenten der Länder zu erwarten.

Die Mieum-Berträge.

Die Verhandlungen in Düsseldorf haben wegen Ergebnislosigkeit eine Vertagung erfahren. Sa dem Abbruch der Verhandlungen erfährt die )euliche Allgemeine Zeitung', daß sich die Vertreter derMieummitdenneuen schriftlichen deutschen Vorschlägen nach Paris begeben werden, um dort neue Weisungen einzuholen.

Die deutsche Industrie.

Dr. Sorge, Vorsitzender des Präsidiums des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie und Mit­glied des Direktoriums der Kruppwerke, erklärte dem Berliner Vertreter des Reuterschen Büros:

Nach Durchsicht des Auszugs des Berichtes der Sachverständigen bin ich der Ansicht, daß die Vorschläge der Sachverständigen angenommen merben muffen. Die Lasten, welche den deutschen Industriellen aufgebürdet werden sollen, sind riesig schwer, aber die Vorschläge der Sachverständigen betreu­ten einen beträchtlichen Schritt vorwärts gegenüber allen Vorschlägen, die bisher gemacht wurden, vor allem insofern sie losgelöst sind von militärischen und politischen Erwägungen >rnd sich nur auf die wirtschaftliche Basis stellen. Und da wir kaum bes- sore Bedingungen erhalten können, müssen wir sie an« nehmen. Dr. Sorge betonte, daß die volle Wieder- herstellung der deutschen wirtschaftlichen Hoheit in den besetzten Gebieten, nämlich die AbschMung der fronzösilsch-balMchen Regie und der Zollschranken zwischen dem besetzten und unbesetzten Ge­biet absolute Vorbedingung für bte Erfüllung der von den Sachverständigen sestgeleglen Bedingungen ist. Dr. Sorge erklärte mit Nachdruck, daß die Ausführung der Vorschläge der Sachverständigen nur möglich fei, wenn eine internationale Anleihe aufgebracht wer­den könne, drückte sich aber über diese Angelegenheit etwas skeptisch aus. Er fügte hinzu, er fei sicher, daß, sobald die Vorschläge der Sachverständigen von der deut- scheu Regierung angenommen worden feien, die deut­schen Industriellen ihr* Aeuherstes tun würden, um der Regierung bei ihrer Ausführung zu helfen, obwohl er sich keiner Illusion hingebe angesichts der ungeheuren Lasten, die die deutsche Industrie auf viele Jahre zu tragen haben würde.

Zrankreich will Gespenster sehen.

Es war schon wiederholt darauf hingewiesen worden, daß Frankreich eine neue großzügige Propaganda gegen Deutschland ins Werk gesetzt hat, um die Aufmerksamkeit der Welt oon dem ihm nicht ganz genehmen Sachverständi- gen-Komitee abzulenkcn. Die deutschen Wahlen mit ihrer Rechtsschwenkung, vor allem aber der deutsche Revanchegedanke, das sind die fiauptleit» Motive eines neuen Pressefeldzuges.

In diesem Sinne arbeitet ein Sondergesandter Frankreichs namens Gaston L i e b e r t zur Zeit in Amerika. Er hielt dort vor der Gesellschaft der amerikanischen Offiziere des Weltkrieges eine Hetz­rede, in der er erklärte, Deutschland bereite sich für einen neuen Krieg gegen Frankreich vor. Er führte aus, Deutschland rüste sich bereits für diesen Krieg und warnte die Vereinigten Staaten, sich bereit zu halten. Wie unsinnig eine solche Behauptung ist, wie wenig das nach allgemeinem ausländischen Urteil, vor allem der Militärkontrollkommission, vollständig entwaffnete Deutschland auch nur daran denken kann, auf Jahrzehnte hinaus irgendwelchen Revanchekrieg zu führen, das wissen die politischen Führer Frankreichs genau, aber sie hoffen, in der Welt noch immer genug Dumme zu finden, die ihren Mahnrufen und ihrem Alarmgeschrei des

bedrohten Frankreichs und bedrohten Weltfrie­dens" glauben.

Wir erinnern hier nur an das Urteil eines sicher­lich nicht deutschfreundlichen Militärfachmannes, des Generals Fach, der ungefähr vor Jahresfrist bei feiner Militär-Inspektion in Prag es offen vor aller Welt aussprach, daß Deutschland tatsächlich so entwaffnet sei, daß es auf Jahre hinaus unmöglich an irgendwelche kriegerischen Erfolge denken könne. Es ist gut, immer wieder an di-se Worte des fran­zösischen Generals zu erinnern, um die jetzigen, lediglich Propagandazwecken dienenden französi­schen Stimmen auf ihren wahren Zweck zurückzu- sühren.

Vie Stellung Belgiens.

wtb Paris. 12. April. (Tel.). Havas melde! aus Brüssel: Der Außenminister hak gestern eine Unterredung mik dem französischen Botschasker ge­habt und sich später auch mit dem englischen Bot­schafter besprochen. Diese Unterredung bezog sich auf die Lage nach der Einbringung des Sachver­ständigen Gutachtens.

Wahlen in Dänemark.

' wtb Kopenhagen, 12. April. (Tel.) Bei den gestrigen Wahlen znm Folkething erlang­ten die gemäßigte Linke 45, die Konservativen 28, die Sozialdemokratie 55, die Radikalen 20, dis Deutschen 1 Sih. Die gemäßigte Linke verlor 7 Sitze, dis Konservativen gewannen 1. die Ra­dikalen 2, die Sozialdemokraten 7 Man­date. Ls ist damit zu rechnen, daß die bisherige Koalition (gemäßigte Linke und konservative) im neuen Folkething über 74 Sitze verfügen wer­den gegen 75 der Opposition (Radikale und Sozial­demokraten). _____________

Lor- George erkrankt.

wtbp aris, 12. April. (Tel.). DasJournal" mÄdet aus London, daß der Zustand Lloyd Georges, der infolge von Bronchitis das Beit hüten muß, ziemlich ernst sei.

Hugo Stimm, zu dessen Tod die offizielle deutsche Welt den Ange­hörigen innigste Teilnahme bekundet hat, wird am Montag auf seinen Wunsch in aller Stille eingeäfchert und die Asche wird in Mülheim beigesetzt werden. Ueber den Wiri­sch a f t s m a n n Sünnes schreibt Dr. Pinne im Berliner Tageblatt":

Hugo Sünnes war das größte Kobinations- und Transaktionsgenie, das de deutsche Indu­strie jemals hervorgebracht hat. Gewiß fehle es diesem hochbegabten genialischen Mann nicht an der industriell bauenden Kraft. Das große Werk des Rheinifch- WeMlischen Elektrizitätswerkes, das er geschaffen, und in dem er gemischtwrrlschaftlichs Derwaltungsformen zum erstenmal in grandiosem Stile verwirklicht hat, die glän­zende Modernisierung Üer früher so tranken DeU.sch- Luxembergischen Bergwerks- und Hülten-Aktiengesell- fchccht beweisen es. Dennoch waren andere Industrielle: Krupp, Thyssen, Rathenau und Ballin größere indu­strielle Baunaturen. Ainnes aber war der Mann der Phantasie, der Kombination und Konzen­tration, dem der große Wurf näher lag, als der stetige geduldige Md ruhige Aufbau. Schon vor dem Kriege kreiste der bewegliche Geist des Dreißigjährigen um das gewaltige Projekt eines rheinisch-westfälischen Montantrufts. Aber erst die Nachkriegsjahre mit ihrer Umwertung aller Werte", mit ihrer Umschichtung des ganzen deutschen Sach- und Geldbesitzes schufen ihm den fruäMaren Boden für die Entfaltung seiner Haupikräfte. Dieses Gesetz der Umwertung und Geldent­wertung hat Hugo Sünnes als einer der ersten in Deutschland erkannt und mit einer konsequenten Zielbewußtheit sondergleichen in seinem Sinne auszu­nutzen verstanden. In einer Zell, in der das Gros nicht nur der Bevölkerung, sondern auch der Wirtschaftsirei- benben noch an dem Satze Mark Mark festhirlt, an dem die meisten noch nichts von der Entwertung des Geldvennögsns, von dem Substanzschwund ahnten, hatte Hryo DKnnes begonnen, Sachwerte aufzukaufen und 3-t immer größeren Komplexen zufammenzuschwei- ßen. Er gab dafür Geld, das sich im Laufe der nI- slotion immer mehr entwerten mußte, er bezahlte sogar am liebsten mit Geld, das er anderen Banken oder Sachbesitzern schuldig blieb, und dar im Augen- blicke, in dem die Schulden bezahlt wurden, auf einen Bruchteil feines Realwertes zusammengefchmolzen war. Er beschränkte sich nicht auf fein eigentliches Wirtschafts­gebiet, auf das der Montanindustrie, sondern mit Hilfe der riesigen Differenzgewinne, die ein solches System der Sachwert-Zusammenfasjiung und Geldfchulden-Kontrahie- rung in immer größerem Umfange ab warf, schob er den Radius seiner Unternehmungen und Beteiligungen immer weiter vor. Er erwarb Schisfahrtsunter- nshmungen, Werften, Papierfabriken, Wälder, Druckereien, Zeitungen, Hotels, chemische Fabriken, Oelkonzerne. Er be­gnügte sich nicht damit, im Jnlande Sachsubanzen zu- sammenzuhäufen, sondern streckte seine Fühler ins euro­päische und überseeische Ausland vor, überall den Han­del durch Industrie, die Industrie durch den Handel be­fruchtend und stützend. Dabei ließ er sich zweifellos sehr stark oon seinen Kombinations- und Expansionsinstinkten leiten. Der Rausch des Entwerfens und Konstruierens, die Phantasie des immerNeuen" beherrschten ihn und sie belterrfchien demgemäß auch die Glieder, dieNeben- köniqe" und Untersührsr seines gewaltigen Konzerns, die es dem Haupt an Expansionismus gleichtaten. Manche Geschäfte wurden entriert, deren produktiver Sinn nach heute nickt klar geworden ist, vielleicht aus keinem anderen Grunde als dem, daß Sünnes, wenn ihm ein großes wertvolles Objekt dargeboten wurde, nichtnein" sagen kannte. Wenn auch das Wart von dem ,.W aren - haus für Sachwerte**, das für die Stinnesfchcn Unter­nehmungen geprägt worden ist, eine liebertreibung darstellt, fo hat er doch manches wie die Beteiligung an der Berliner Handelsgesellschaft, die polnisch-okrerschle- 1

9er MWNlKk in Ännksiikt o. M. Für den deutsche» Rhein.

Die Deutsche Zentrumspartei, die stärkste Partei in dem von Frankreich bedrohten Rheinland, hat in Frankfurt a. M. eine Rheinkonferenz veranstaltet, an der sich die maßgebenden Persön­lichkeiten des besetzten Gebietes beteiligten. Die Versammlung faßte eine Entschließung, in der eine bewußte deutsche Rheinpolitik auf weite Sicht und die Zurückgabe der finanziellen, wirtschaftlichen und politischen Freiheit an das besetzte Gebiet ge­fordert wird.

Am Abend fand im Großen Saale des Palmen­gartens eine mächtige KundgebungderZen- irumspartei in Anwesenheit des Reichskanz­lers Dr. Marr, des früheren Reichskanzlers F eh­re n b a ch, des ehemaligen preußischen Minister­präsidenten Stegerwald und des Führers der preußischen Zentrumsfraktion, Dr. P o r f ch, statt. Der von der Menge stürmisch begrüßte Reichskanz­ler, dessen Rede wiederholt von lebhaften Beifalls­kundgebungen unterbrochen wurde, führte dabei u. a. folgendes aus:

Glaubt trenn ein vernünfiger Mensch, daß bei einer Mehrheit von deutsch völkischen und auch dentschnattonaken Abgeordneten im Reichstag eine friedliche Auseinandersetzung zwischen Deutsch­land und den Ententestaaten möglich wäre? Würde dann nicht in Frankreich die radikalste, chauvinistische Richtung bei den Wahlen überhand gewinnen und mit einem Scheine von Recht darauf bestehen, daß ein Deutschland, dessen radikale nationalistische Richtung auf diese Weise klar festgestellt fei, mit Waffengewalt niedergehalten und zerstückelt werden müsse? Alle Ententemächte mür­ben dann geschlossen als unerbittliche Gegner uns gegenüberstehen. Wir brauchen uns durch den aller­dings starken Stimmenzuwachs, den die Völkischen in Bayern aufzuweisen haben, nicht ängstigen zu lassem In Bayern ist in den letzten Monaten die natlonvlist'sche Woge sehr hoch gegangen, im übrigen Deutschland aber sieht men die Dinge etwas ruhiger und überleg­ter an als in Bayern. Namentlich die besetzten Gebiete sind für uns m dieser Hinsicht eine stete Warnung und Mahnung. Die besetzten deutschen Landestelle würden wohl endgültig dem Deutschen Reihe verloren sein, wenn die deutschoölkischen und deutschnationalen Ideen im Volke weiter Boden gewinnen würden.

Vielleicht wird das Verantwortmigsbewußtsein der Deutschnationalen durch den Umstand geweckt, daß der Stimmenzuwachs der Deutschvölkischen hauptsächlich auf Kosten der Deutschnationalen Partei geht. Die Deutschnationale Partei dürfte bei der Weiterversol- gung ihrer Politik nicht dem Schicksal aller Parteien ent­gehen, die mit Schlagworten und Phrasen auf die In­stinkte großer Massen rechnen und dabei die Erfahrung machen müßen, daß sie schließlich ihre eigene Macht an diejenigen verlieren, die noch leichtfertiger und noch radikaler demagogische Agitation zu treiben verstehen.

Die Wahlergebnisse in Bayern müssen auch nach der anderen Seite hin uns zur Lehre und Warnung bienen. Wir sehen an diesen Wahlen, wie

unselig die Zersplitterung in vielen Parteigruppen wirkt. Zum anderen mahnen sie uns daran, wie ernst die Pflicht eines jeden deutschen Staatsbürgers ist, von seinem Wahlrecht G-ebrauch zu machen. Am 4. Mai sich der Stimme zu enthalten, aus Gleichgültigkeit oder Verdrossenheit der Wahlurne fern zu bleiben, ist nicht nur gewissenlos und leichtsinnig, es ist Verrat am deutschen Vaterlande ur.b am deutschen Volke.

Wir müssen uns bewußt sein, daß die extremen Par­teien auch den letzten ihrer Anhänger an die Urne bringen werden. An der Wahlbeteiligung der An­hänger der Mittelparteien hängt diesmal bas Schicksal des Vaterlandes. Wenn die radi­kalen Parteien selbst 200 Mandate erobern sollten, so müßten sich die MittelpaAcicn 300 Sitze im neuen Reichstag sichern. Das liegt nur in der Hand der Wähler.

Ich muß nochmals mit allem Nachdruck betonen, daß an dem Ueberhanbnchmen nationalistischer Agitation und dsutschvöikischer Ideen die verblendete Politik Frankreichs dis Hauptschuld trägt. Ich kann und will nicht annehmen, daß man in Frankreich beabsichtigt, die völkische und nationalistische Bewegung durch brutales Vorgehen gegen Deutschland zu stärken, um sich dadurch neue Vorwände für weitere ungerechte Maßnahmen zu schaffen. Ein großes Volk wie das deutsche kann nicht Sklavenarbeit verrichten. Es will inFreiheit die übernommenen Verpflichtun- gen erfüllen. Es erhebt auch als besiegtes Volk Anspruch auf die Achtung, die ihm als große Nation mit ehrenvoller Geschichte gebührt.

Nach dem Reichskanzler beleuchtete der frühere Reichskanzler, e'*enfalls stürmisch von der Ver­sammlung begrüßt, die innerpolitischen Verhältnisse Deutschlands und erörterte zunächst, welche Regie- mngsform für Deutschland die bessere sei. Mit der Flucht des Kaisers nach Holland sei diese Frage für die Zentrumspartei erledigt gewesen, lieber das Zusammengehen mit den Sozialdemokraten sagte der Redner, das Zentrum habe dabei niemals feine eigenen Grundsätze mifgegeben. Was das Zen­trum von den Sozialdemokraten trenne, fei die Frage des Klassenkampfes und ihr Verhalten in religiösen Fragen. Das Zentrum habe anstelle der sozialistischen Republik eine demokratische setzen wollen. Gegenüber einem Angriffe derFrank­furter Post" beschäftigte sich Fehrenbach mit der Friedensresolution des Jahres 1817, den Friodens- fchritten des Papstes und den Waffenstillstandsver- handlungen von 1918. Zum Schluß kam er auf die Verfassung von Weimar zu sprechen, die er zwar für verbesserungsbedürftig, aber als durchaus g e setzmäßig zustande gekommen erklärte.

sisckren Montammternehmungen erworben, das sich feine System nicht einorbnete. Aber man wurde im großen betrachtet diesem Kombinator ersten Ranges doch Unrecht tun, wenn man ihm nicht die zielbowußte organisatorische Idee zubillillote. Ihm schweble ein Wirtschiftsgebilde großer wi>-tfchristlicher Zusammen­hänge und wechselseitiger Ertragssteigerungen, ein System horizontal:r und vertikaler Derbindunaen vor. durch das er den Aufbau der deutschen Wirtschaft in feinem Sinne fördern und eine höhere Ordnung in den deutschen Pro- duktionsprozeß bringen wallte. In männer Beziehung, so z. B. im Aufbau seiner großen Montan-Elektrn- Gruppe, ist lhm dies zweifellos auch gelungen. In an­deren Beziehungen ist fein Werk fragmentarisch im Aus- b. u und zweifelhaft in der Wirkung geblieben. Nicht alles Hot sich in diesem System organisch gerundet, und wenn die P5tf» die Nachricht von seiner Erkrank-urg mit einem Kurssturz beantworte: hat, fo glaubt sie viel­leicht, daß nun, nachdem der alles beherrschende Kopf n:d)t mehr über dis Ganze nacht, manche Su.eb-*:r und Fugen des Konzerns sich lockern könnten.

Stinncs hat Söhne als Erben hinter la ff en die als klug und nichtig geschildert werden. Edmund, der älteste Sohn leitet feit einiger Zeit die Ber­liner Abteilung. Hugo, der zn-eite Sohn, bv giert feit langem die Homburger Schiffahrts- und Im> portbanbelsiniereffen. Seine Mitarbsi! e: sind zum Teil Männer ten übemurmalen Fähig'citen. Aber der ftärffie und ebenbürtigste Geh'lf>. Fried­rich Minoux, bat sich vor einiger Zeit oan dem Meister getrennt.

veanttensragen.

-= Der Ur!ci"b der Beamten Das Stnafsmini>tciium hat beschlossen, es für das Rechnungsjahr 1924 bei der für 1923 getroffenen Urlaubsregelung für die preußischen Beamten bewenden zu lassen. Dabci letzt da? Staatsministerrum voraus, daß dadurch der Sßeifo ala'ibnu weder beeinträchti-rt noch verzä ert wird, ferner daß die Heranziehung be,anderer Urlaubever» 11der auf das Aeußerste beschränkt wird.

wirtschaftliche Uampfbewegungen.

Die rohsdeweauna im vnchdruckgewerbe. Im Reichsarbeit-ministerium fanden Verhandlungen über die von den Shbeitgebern beantragte Verbintlichkeits- eiflärung des Schiedsspruches für die Buchdrucker statt, der eine Festsetzung des Wochcnlohnes in sieben Gruppen peftr.ff. [t bis zur Höhe von 30 Mark Vorsicht. Der Schiedsspruch wurde in seiner ursprünglich n Form für verbindlich erklärt. Darüber hinaus e> k ärt.n sich tie 'Arbeitgeber bereit, vom 3. Mai ab eine Wörbe, t- liche Zutage zu gewabren, die ebenfalls rntprechend den Locngruppcn gestaffelt ist und in der Sitze 1.50 '.MarE beträgt. Tie Fui kuonüce des Berliner Buchdruck- gewerbcs werden am kommenden Montag zu einer Konferenz zitsammcntrelcn, in der übet die Annahme oder Ablehnung dicics Cchicd-ipruches und der ani-a- botenen Zulage Beschließ gefaßt werben fall. In Leipzig haben die Buck'druckereibesitzer den Gebilfcn

gekündigt. In Dresden streiken dir Setzer der bürgerlichen Zeitungen, fo daß diese nicht erscheinen können. Nach der letzten Meldung erläßt der Vor­stand des Verbandes der deutschen Buchdrucker einen Aufruf, in dem erkärt wird, daß die Organisation durch die Verbindlichkeitserklärung des Spruches sich nunmehr gezwungen sieht, an die Geh'l'enschaft die Auf'ordernng zu richten, sich auch ihrerseits dem Schieds- spriuch zu unterstellen.

DK enalifchen Demarbelter.

wtb London, 12. April. (Tel.) Das Slr- belksministirium beschloß, einen Unlirsnchnngsaus- fchuß für die Berqarbeiterlöhne zu ernen­nen. Am 16 April soll eine Zufammenkimfl zwi­schen den Berlrclera der Mdrikgeber und Arbeik- nehmer stätlsknden, um die Bedingungen zu ver­einbaren, unter denen die Arbeiter nach dem 17. April, an welchem Tage das Lohnabkommea abläuft, fortgesetzt werden soll.

Präsident Ceoitdge als Friedensstifter.

wtb Paris, 12. April. (Tel.). Aach einer Havasmeldung aus Washmglou hat Präsident Coo- lidge den amerikanischen Kommissar bei der Repu­blik San Domingo beauftragt, die Vermittlung der vereinigten Staaten zur Wiederherstellung des Friedens in Honduras ouzudielen.

AlMcmd.

* ..i,-merzrit in Enzkand. Aus London wird gemeldet: Tie Vorlage betreffend die ständige Ein­führung der Commerz it vo.n ersten Sonntag rm Apiil bis zum ersten Sonntag im Oktober ist mit 169 gegen 129 Stimmen vom Unterhaus ange­nommen worden. Falls die Vorlage auch in der drillen Lesung znr Annahme gelangt, wirb die Sommerzeit in jedem Jahre zu der angegebenen Zeit eingefi'ihrt, wie in Frankreich, Belgien und Holland. (Denischlana Hal diese No stanbmagncihme nalüriich nicht nötig!!)

* Nomantische Politik in Griechenland. Nach einer Havasmelbung aus Athen veröffentlichen die Blätter fci Hütungen des Ministxrpiastdenten, die einen Raub überfall auf den S ch n ellzug Athen-Saloniki bei Doxa na in Thessalien als einen A kt reaktionärer Politik hinflefien. Die Banditen hätten den Zng anznhalten geglaubt, in dem Ministerpläsident Papanastasin sich befand, der jedoch eine zweistünbige Verspätung hatte.

* Politischer Prozeß in Bulgarien. Die Minister des Robinetts Stambtilinskh, die wegen Ber- schwörnng und der Bildnng ungesetzlicher Kamps- veibönde angeklagt waren, wurden fretgejprocheu.