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M 87.

Freitag. 11. April 1924.

Fuldaer Heilung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Aerieadrackerei in Fulda

Der Marxismus

dat gegen die ersten Anfänge der deutschen Ar- geiterschütz-Gesetzgebung gestimmt! Er wollte den Arbeiter verelenden lassen, um ihn aus der Volks« Gemeinschaft zu reißen un> zum klassenbewußten Proletarier herunterzuwürdigen. Die marxistische Sozialdemokratie hat sich erst spät zur praktischen Arbeit für die Arbeiterintcressen entschlossen. Sie hat diesen Schritt mit der Zersplitterung bezahlt. So rächte sich und rächt sich die reine Agita« t i c n s g i e r. Heute sind sich die Sozialisten in der Auslegung des Marxismus noch nicht einig. Es beginnt den Ehrlichen zu dämmern, aber immer wüstere Klassenkampfapostel suchen die Masten an sich zu reißen. Auch die Mehrheits-Sozialdemo­kratie leidet an der chronischen Krankheit, aus Agi­tationsrücksichten immer dann aus der verant­wortlichen Mitregierung verschwinden zu müssen, wenn der Staat vor entscheidenden Mo­menten steht!

Mit Klassenkampf und Appell an die Instinkte ist eben keine Staatspolitik zu machen. Sie schaffen Verbitterung und dienen auf die Dauer nicht ein­mal zur Verbesterung und Erhaltung der Gebens« Verhältnisse.

Nur in der Volksgemeinschaft, im ge­rechten Interessenaustausch, in der gütlichen Eini­gung aller Glieder des Staates, in Opfern von Men und für Alle kann Deutschland wieder auf­gebaut werden. Das stt der Grundsatz der Zen­trumspartei.

Wir wählen Zentrum!

yie religiöse Erziehung der Hinter,

Der „Amtliche Preußische Pressedienst" schreibt:

.Wie ein soeben ergangener Erlaß der preutzi- schenUnterrichtSministerS beir. die religiöse Er- ziehung der Kinder fest siel! t, kommt es bei der Ent­scheidung darüber nach dem ReichSgeseh vom 15. Juli 1921 jetzt nur noch darauf an, daß die freie Einigung der Eltern, z. B. bei der Einschulung von Kindern aus Mischehen in konfessionelle Schulen, zweifellos seststeht. Die früheren strengeren Formvorschrifien find aufge­hoben. Jeder Nachweis der Einigkeit der Eltern genügt, da diese nach Wortlaut uud Sinn deS Gesetzes in keiner Weise durch Formvorschriften belastet ober gar in ihrer Freiheit beeinflußt werden sollen. Als Nachweis kann auch die schriftliche oder mündliche Erklärung eines Elternteiles genügen, wenn sich nach den Gesamtum­ständen die Einigung zweifelsfrei ergibt (z. B. Er­ziehung der Geschwister in derselben Schule, persönliche Kenntnisse deS Schulleiters, dem die Erklärung abge­geben wird und bergt). PrivatjchrifUiche ober müttb- iiche Erklärungen beider Eltern werden in der Regel zenünen, um die Einigung darzutun.

Nach den Bestimmungen ter ReichSderfaflung (Art. 149) und des genannten Gesetzes ist fernerhin eine vom Staate ausgesprochene „Befreiung" vom ReligionSunter. richt nicht mehr erforderlich. An deren Stelle ist eine von dein Erziehungsberechtigten abgegebene Erklärung über „Nichttellnahme" am Religionsunterricht getreten.

Die Nichtteilnahme erfordert mit Rücksicht auf § 3 Abs. 2 des Reichsgesetzes über religiöse Rinberer- ziehung grundsätzlich eine Erklärung beider Ettern. Nach dem Sinn des Artikels 149 Abs. 2 der Reichsver­fassung genügt aber auch für diese Erklärung die ein­fachste Form. Jeder Schein einer absichtlichen Beein­flussung ist zu vermeiden. Es braucht nur festzustehen, daß die Berechtigten, die nach dem Reichsgesetz vom 15. Juli 1921 über die religiöse Erziehung der Kinde? be­stimmen, ihren Willen deutlich erklärt haben Eme eigene Erklärung zwölfiähriger und älterer Kinder ist nur notwendig, wenn es sich um einen Bekenntnis, wechsel handelt."__________

von ten Hochschulen.

= Heidelberg. Der Hochw. Herr Bischof von Meißen, Sr Christian Schreiber, hielt in bet hiesigen Uni- oersität zwei Vorträge über bas Problem der Glaubens­einheil in Deutschlanb.

Neues aus Frankfurt.

--- Zwei geniale Betrüger. Die beiden Schwindler, die mit gefälschten Schecks auf die Leipziger Dolksbank !N Frankfurt und Umgebung zahllose Leute um erhebliche Summen betrogen und schließlich in Hersfeld erwischt Md verhastet wurden, Haden den bisherigen Ermitt­lungen zufolge in ganz Süddeutschland und Mitteldeutsch- icmd Betrügereien und Schwindeleien in solch erheb­st chem Umfange begangen, daß sie wohl zu den größten Schwindlern imferer Zeit gerechnet werden können. Wo und wie sie arbeiteten, davon nur eine ganz kleine Aus­lese: Im Februar in Leipzig, wo sie durch wertlose Schatzanweifungen Pelzwaren von außerordentlich hohem Wert erbeuteten, im März in ganz Süddeutsch!and, wo ie in Stuttgart, Konstanz, Ingolstadt, München, Nürn- »erg und schließlich in Frankfurt Gott und die Welt durch die deckungslosen Schecks der Leipziger Volksbank ikm riesige Summen prellten. Soweit hat bis zur Etimbe der polizeiliche Apparat die Sünden dieser bei­den Schwindler, die unter den Namen Heinz Bartels und Hans Norden aus Danzig reiften, aufgedeckt. Die wei­teren Nachforschungen dürften noch viele andere Schwin­deleien an das Tageslicht bringen.

= Mollebusch. Vier Arbeiter entwendeten nach ,md auch nächtlings aus dem unbewachten Lager einer hie­sigen Kohlenfirma 250 Zentner Kohle. Sie gingen so- xar, als sie ihrer Sache ganz sicher waren, dazu über, un Hellen Tage mit einem Fuhrwerk m dem Sager zu irscheinen und nach Herzenslust abzufahren und auf der Straße zu verkaufen. * Vtifcis

— Höhlenbewohner. Kundige Diebe drangen in einen Garten am Stadtwald ein und plünderten ein Gartenhaus aus und erbrachen sodann eine in einen Hügel eingebaute Vorratskammer, aus dem sie alle er­reichbaren Sachen stahlen. In der Nähe hatte sich ein Arbeiter ein unterirdisches Verließ angelegt, in dem er zwei gestohlene Ziegen untergebracht hatte. In diesem Falle kam die Polizei auf die Spur dieses „Höhlen. Menschen" und befreüe die Ziegen aus dem Verließ, den Mann nahm sie fest.

Nichts ist teilt 5em-

Mein Blick taucht in die Nacht hinein. In all die tausend Sterne.

Was lebt dort in dem Sternenschem

In ungeahnter Ferne?

O glaubst du, Mensch, den Schmerz der Welt

In deiner Brust zu tragen

Und hebst den Blick zum Sternenzelt, Vergissest du dein Klagen.

Denn nichts ist, Mensch, dein kläglich ©ein. Nichts deiner Seele Leben

Vor jenen Mächten, die im Schein

Der ew'gen Sterne weben.

Wilhelm Schäfer-Fulda.

(Druckfehler im vorigen Gedicht: Statt „Stunde", Munde" muß stehen »Wunde», .Runde").

Zur Neuortellng preuWegWeren Schulmsens.

Die „Neuordnung des preußischen höheren Schulwesens" ist hier schon kurz erwähnt worden.

In Nr. 110 vom 29. März bringt auch die „Gcncmia" kritische Aeußerungen zu der soeben rom Kultusrnrmstenum herausgegebenen Denk­schrift über diese Neuordnung. In der Be­sprechung der Stellung des Resigirmsunter- richts in den Lehrplänen findet sich der Ver- nrerk: „Der Episkopat ist in der Sache überhaupt nicht befragt." Dies gibt Anlaß zu der ölitteäung, daß der Episkopat in spontanen Eingaben mehrfach beim Kultusministerium eindringlich vorstellig ge­worden ist. In früheren Zeiten war es mehr als jetzt üblich, daß das Kultusministerrum selbst den Epiflopat zur Darlegung seines Gutachtens einlud. Wenn das jetzt weniger geschieht, ist allerdings die Gelten'dmachung der religiösen Interessen etwas er­schwert. Der Episkopat ist dann mehr daraus an­gewiesen, gelegentlich der außeramifich erhaltenen Mitteilungen von dritter Seite spontan feine Stimme zu erheben. Die Einhaltung der vor dem Umsturz bestandenen Praxis würde dem katholi- schsn Volke willkommen fein. <

Die zitierte Stelle der „Germania" wird es recht- fertigen, an dieser Stelle folgende Mitteilungen zu machen, um der Meinung vorzubeugen, als fei der Episkopat nicht rechtzeitig genug eingeschritten.

I.

Für künftige Theologen ist die Kenntnis der hebräischen Sprache als Voraussetzung der Arbeit auf dem Gebiete der alttestamentlichen Exegese von eminenter Bedeutung. Es ist nicht möglich, die kur; bemessene akademische Studienzeit mit der Einfüh­rung ins Hebräische zu belasten, namentlich nicht nn östlichen Deutschland, wo die Einführung in die polnische Sprache aus seelsorgerlichen Gründen not­wendig ist und daher während der akademischen Semester nachgeholt werden muß. Auf alles das hat dis Fuldaer Bischofskonferenz in einer Ein­gabe vom 30. August 1923 das Kultusministerium aufmerksam gemacht. Erfolg hat das nicht gehabt.

II.

Hinsichtlich der philosophischen Lektüre hat der Episkopat bereits in den beiden Eingaben vom 20. April und 2. Oktober 1922 gelegentlich der Besprechung der Aufbauschulen darauf hingswiesen, daß eine in den bei-den Primen einfetzende philoso­phische Lektüre, um nicht Verwirrung im Denken der Schüler anzurichten, mit ihrer religiösen Welt­anschauung harmonieren müsse. Aufs eindringlichste wurde daher die Uebertragrmg dieser Stunden an den durch seine philosophische und theologische Vor­bildung besonders geeigneten Religionslehrer em­pfohlen. Was die „Neuordnung" über die philo­sophische Lektüre sagt, läßt wenig Hoffnung auf Er­füllung dieses Wunsches, so sehr auch jedes treu gläubige christliche Herz wünschen mag, daß die studierende Jugend mit klarer, fester und harmoni- fcher philofophischer und religiöser Weltanschauung das Gymnasium verlasse.

III.

Gegenüber den Defürchfimgen, die in der Oesfentlichkeit laut wurden hinsichtlich Zurückdrän­gen des Religionsunterrichts und der alten Spra­chen, hat der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskon­ferenz am 29. Januar 1924 folgende Eingabe an das Kultusministerium gerichtet:

Der Vorsitzende der Fuldaer Lischofskonferenzcn.

V res lau, den 29. Januar 1924.

An Seine Exzellenz den Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin.

Als eine feiner edelsten Aufgaben hat der Episkopat es stets betrachtet, Hüter und Förderer jener humanisti­schen Bildung zu fein, die von allen christlichen Völkern als kostbares Erbteil der Vergangenheit betrachtet wird. Dahm hat das Preußische Kultusministerium zu den ver- fdjiebenen Zeiten, in denen Neugestaltung auf dem Ge­biete des höheren Bildungswefens in Erwägung gezogen wurde, unb zu neuen Forderungen Stellung genommen worden mußte, nicht ungern die Stimme der kirchüchen Behörde gehört, vielfach auch diese zur Aeußerung etnge- loden. Das gibt mir Anlaß, zu hoffen, daß Eure Erz., selbst ein ausgesprochener Freund Iber humanistischen Bildung, ben nachstehenden Ausführungen, die in aller Kürze zur Frage der SBerminberung des Gymnafialimter- richts sehr bringende Wünsche ausfpcechen, nicht ungern Aufmsrkamkeit zuwenbsn werden/

Anlaß zu den für -weite Kreist beunruhigenden De- ftreb'.mgen gibt neben Rücksichten der notwendigen Spar­samkeit wohl hauptsächlich einerseits bas Gerede von Ucberbürbung der Schüler, andererseits bas Streben nach einer neuen Zielrichtung für die Bildungsanstalien, letzteres im Zusammenhänge mit Weltanschauungsfragen tmb mit Interessen einzelner Stände unb einzelner Kreist ber Lehrerschaft. Die nachstehenden Darlegungen bitte als Aeußerung eines einzelnen Bischofs ansehen zu wol­len, wobei ich allerdings auf Grund der wiederholten ein­schlägigen Aussprachen auf den Bischofskonferenzen Grund Hobe anzunehmen, des Einverständnisses meiner Amtsbrüder im oberhirtlichen Amte gewiß zu fein.

I. Ist die Schülerschaft unserer Zeit überbürdet? Es mag sein, baß in den Zeilen der Unterernährung weiter Kreise dieses Gefühl etwas stark hervorgetreten ist. Es mag auch fein, daß eine Uederhäufung mit Veranstaltun­gen eine zu groß« Zersplitterung der Zeit -unb eine durch ungünstige Einflüsse ehtftcmbene Neigung zu einer gewis­sen Zerfahrenheit zu solchen Empfindungen beigetragen hat. Doch im allgemeinen möchte ich, der eigenen Er­fahrung eingedenk, annehmen, baß bas Reden von Ueberbürbung übertrieben ist, unb daß eine Gewöhnung an volle Entfaltung der Arbeitskräfte eher zur Gesundung als zum Nachteil unserer Jugendlichen gereichen wirb.

Aus denselben Errocimmgen heraus neige ich der Auf- fassung zu, daß eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit vielfach dann wieder erreicht werden kann, wenn da, wo nicht zwingende Rücksichtnahme auf Wohnungsverhält- trifte imb Entfernungen zu,n Beispiel in der Großstadt dem entgegensteht, eine Verteilung des Unterrichts auf Vor- Md Nachmittagsstimben wieder in Erwägung ge­zogen unö eine Ausdehnung der 45 Mimtten-Stunde auf 50 Minuten-Stunben eingeführt wirb. Wir älteren Akademiker haben bei viel mehr Schulstunden tmd viel kürzeren Stunbenpaufcn in -unseren Gymnasialjahren nicht über Ucberbürbung zu klagen brauchen und denken mit Dank daran zurück, daß das Gyrnnasi'.mr uns zu tapferer Entfaltung der Arbeitskräfte die beste Anlegung geboten hat.

II. Wenn das Kultusministerium dem Andringen auf Verminderung der Stundenzahl sich nicht sollte entztexen können, so bitte ich im Interesse einer tüchtigen unb für dos Leben ausreichenden sittlich-r eligiöfeN Schu- l u n g aufs dringendste darum, um Gottes willen von der Verminderung der Zahl der Religionssftrtden Ab­stand zu nehmen. Wer bebarf in unserer Zeit der Ge­fährdung der religiösen Gesinnung, des Schwindens ber Gottesfurcht, der Untergrabung der Sitzung vor aller Ailtorität unb ber Bedrohung der Sittlichkeit, — wer bedürfte in solchen Gefahren geistiger Zerfahrenheit mehr der religiösen Festigung in einem sicheren religiösen Wissen unb religiös-sittlicher Charakterbildung als 'micr* studierende Jugend, die später führend und vorbildlich zu wirken bex-fen ist? Ist da nid)i vor allem ein pest- halten an der vorhandenen mäßigen Zahl ber Reli­gionsstunden das ernsteste Gebot ber Stunde?

Wenn in Sexta bisher drei Religionsstunben bestan­den, so ist das nicht zu viel imb nicht entbehrlich. Denn die Schwierigkeiten, die allen Lehrern ber Sexta aus ber Ungleichheit in Vorbildung und Borleben der Neulinge erwachsen, fpurt der Religionslehrer ganz besonders. Er soll den Schülern die ganze Schützest hindurch Seel- forger, Berater unb Führer fein. Da gilt es, früh die ein­zelnen kennen zu lernen, ihnen nahe zu kommen, auf ihre Eigenart eingehen zu können, ihr Vertrauen zu ge­winnen. Er fall sie von Anfang an stufenweise in das religiöse Leben einführen, zur religiösen Betätigung er. ziehen, in ihren bald kommenden sittlichen Kämpfen sie leiten. Das moderne Elternhaus Hilst meistens zu wenig mit; es ist anders eingestellt als zu meiner Jugendzeit, wenn auch nicht immer mit Schuld der Eltern, lieber» dies ist bas Lehrpensum für die Neulinge schwer genug. Daher drei Stunden unentbehrlich.

Eine Verminderung der zwei Stunden Religion in folgenden Klassen, auch insbefandere in der Oberstufe ober in Oberprima würbe nicht nur die Stellung der Religion in der Achtung ber Schüler stark herabbrücken, sonbom widerspricht mich der ganz eminenten Bedeutung ber Ausgaben, die in den Oberklassen inmitten der mo- bemen Geisteskämpfe bei den zur Reife schreitenden Jugendlichen zu erfüllen sind. Ihre inzwischen erwachte Fähigkeit zur Reflexion, ber Drang zu einer mehr selb- ständigen Auseinandersetzung mit den großen Wettan- schauungs- unb Lebensfragen, weiter irie letzte Einfüh­rung in das kirchliche Leben der Gegenwart und das Vertrautwerden mit den Hauptströmungen und Erschei- rtmgen ihres künftigen Lebenskreises: alles das in einer Wochenstunt« zu bewältigen, ist eine Unmöglichkeit selbst für begabteste Lehrer unb Schüler, zumal die Ausge­staltung des Religionsunterrichts zur Tat- und Lebens­schule umsichtigste Sorgfalt in Anspruch nimmt.

Schon jetzt klagen die akademischen Lehrer über den geringen Schatz an religiösem Wissen, ben bie Abiturien­ten mitzubringen pflegen, und bebauetn tief diesen Mangel beim sittlichen Wiederaufbau unseres Volks­lebens. Wie erst, wenn Religionsstunden dem Streben nach Abbau z-um Opfer fallen würden? Ein Hinaustreten ins Leben aber ohne Rüstzeug zum geistigen, religiösen Kampfe und Wirken wäre das Bedauerlichste.

III. In ber Frage einer Verminderung ber den sprachlichen Fachern gewidmeten Stundenzahl wirb eine Einigtest unter den Interessenten nicht herbeizuführen fein, wenn keiner etwas von feinen Stunden abgeben wich Es kommt alfo wefentlich an auf die Frage, wie man Ziel und Aufgabe der gymnasialen Arbeit auffaßt. In den Augen der katholif-hen Kirche war es stets eine der wichtigsten Ruituraufgaben, nicht die Jahrhunderte aide Brücke abzubrechen, die uns mit der Vergangenheit verbindet unb nicht das ideale Bikdungsgut zu gefährden, das als wertvolles Erbteil uns überkommen ist. Daher die emsige und verständnisvolle Schulung in ben alten klassischen Sprachen unb in der klassischen ß i te r atu r.

Wie sehr die Vertreter der weltlichen Fakultäten unserer UnioerfHäten für die Beibehaltung ber seitherigen Schulung im Lateinischen und Griechischen eintreten wollen, kann ich triefen überlassen. Für die Theologen Ist es von höchster Bedeutung ,daß Kenntnisse und Schulung im Lateinischen und Griechischen nicht Schaden nehmen, wobei allerdings auf die Kenntnis des Latei­nischen in höherem ÜDtafee Gewicht gelegt wird. Die lateinische Kirchensprache, das Verständnis ber Heiligen Schrift, ber Zeugnisse aller christlichen Jahrhunderte, ber kirchlichen Publikationen unb Rechtsbücher in der Ur- spräche, das Studium ber Kirchenväter, der grunblegen* den philosophischen unb theologischen Werke ber Vorzeit, ber Verkehr mit den kirchlichen Behörden: alles bas zwingt zu ber Forderung einer tiefen Kenntnis und einer Schulung im Gebrauche des Lateinischen, ganz abgesehen davon, daß es sich um Kern und Stern aller hrunani- sttschen Bildung hierbei handelt, -um Bindeglieder, die die unvergängliche Aufgabe zu erfüllen haben, Mittler zu sein zwischen dem anttken Kulturerbe unb unserem Volks- tum. Es ist auch nicht übertrieben, wenn der altklassische SprocheniMtevricht als eine Art vortrefflicher Paliistra folgerichigen Denkens und prägnanter Ausdrucks«eise bezeichnet wirb. Viele verborgene Wurzeln imferer heu­tigen Kultur würden bedroht, wenn man einem aus wirtschaftlich oder ähnlich iniereffierten Kreisen stammen­den einseitigen Uttlitätsprinzip nachgeben wollte. Wie viele Fasern verbinden imfer Geistesleben in Recht, Li­teratur, Kunst unb Wissenschaft mit jenem ererbten Kul- turgiut, mit dem bie katholische Kirche in ununterbrochener Kontinuität in steter engster Fühlung geblieben ist, kei­neswegs zum Schaden der heimischen Sprache unb (Eigenart.

Unzutreffenb würde die Annahme sein, als komme bie Beschäftigung mit den antiken Sprachen dem Unter­richte im Deutschen nicht argute. Wir ehemaligen Schü­ler ber humanistischen Gymnasien sinb sämtlich erst in :■ späteren Jahren recht inne geworden, welche treffliche ' Schulung im Deutschen gerade das Eindringen in den \ Geist ber antiken Meister unb dos Ringen nach vollenbe- ter Wiedergabe ihrer Werke in der deutschen Sprache, in deutscher Empfindung und in deutscher Sprachbildsam- feit uns vermittelt hat.

Wenn es mir gestattet wird, hier die konkrete Frage nach der notwendigen Stundenzahl zu berühren, so be­merke ich folgendes:

Don einem erfahrenen Fachmann wirb mir die Not­wendigkeit betont, für bas Lareinifch-r in Sexta unb Quinta acht Stunden, in den oberen Klassen sechs Stun­den in Unter- unb Ober-Tertia und fünf Stunden in ben oberen Klassen als unentbehrlich bezeichnet. Don anderer Seite wird die darin liegende Verminderung als angängig nur dann bezeichnet, wenn die Dauer ber Schulstcmbe auf 50 Minuten erhöht, wird. Einzelhesten dieser Art mochte ich aber nur mit einer gewissen Zu» rückhaltung hier einflechten, weil lehramttiche Erfahrung bestimmen mag, ob in diesen Konzessionen nicht zu weit gegangen sein mürbe.

Zu Eurer Exzellenz tiefer Einsicht oertraue ich, baß allen oorstehenben Darlegungen, die der ebenso pflicht- mäßigen. wie ernsten unb herzlichen Sorge um bie Be- Währung ber echt christlichen unb humanistischen Bildemg unseres Volkes entspringen, wohlwollende Aufnahme werbe zuteil werben.

A. Carb. Bertram, Fürstbischof von Breslau.

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aus dem Mchbargediet.

= Haras. In ber Dolksvereinsverfarnmlung. die an vergangenen Sonntag Hierselbst stattfand unb zu der sich erfreulicherweise auch recht viele junge Leide beiderlei Geschlechtes eingefunden hatten, gab Herr Dr. SB en z dem Verlangen nach Wiedererlangung der politischen unb wirtschaftlichen Freiheit Ausdruck und legte bar, rote sie unser Volk wiedsrgewmnen konnte. Herr totuötem assessor Pfeifer mies auf die Bedeutung und Not- Wendigkeit des Volksvereins hin auch gerade für btt jetzige schwere Zeit unb forderte zu cöfet tigern Beitritt auf.’ Unterstrichen wurden diese Ausführungen burd» ben Versammlungsleiter, unseren hochw. Herrn vfarrer. Die Diskussion gestaltete sich z. T. sehr lebhaft unb hat sicher zu mannigfacher Klärung beigetvagen. Bereit- willig hatten auch die beiden hiesigen Gefangoeretne chre Kunst in ben Dienst der guten Sache gestellt unb um- rahmten die Vorträge durch einige Gesangsgaben in ge­wohnter mustergültiger Weife.

Zenlnimspartei

der Archer Schlüchtern.

Die für Dienstag, den 8. April, angefagh Versammlung mußte verschoben werden. Sie findet nun bestimmt statt am

Sonntag, den 13. Rprrl, «achm. 4 Uhr im Kurhaus zu Soden.

Redner: Unser Reichstagskandidat Dr. Crone- Münzebrock.

Die Zentrumswähler und besonders die Dele- gierten des Kreises Schlüchtern sind herzlich ein geladen.

frankfurter Börfc.

Die Notierungen vergeben sich In Billionen Prozent.

letzt. Kurs 9. 4.

letzt.

Kurs

9 4.

Jrankt. Bank 1,75 1,7

Srank1. Boben

—

—

jrankf. finp. Bonk 2,6 2,5

Srankf. Gas

4,8

4,8

Vankf.pfonbbr.-Bank 2,3 2,5

Srantzi. Hof

12,0

11,0

fstistetb. Krebitb. 2,5 2,4

Sf. Dok unb IDltk

8,1

8,25

rOeftb. Srankf. 0,67 -

Gothaer Waggon

——

2,6

Kost. gr. Straßenbahn — —

fia:b unb Tleu

81,5

30,0

flbt Gebr. mächtersb. 2,0 9,0

fiebb. Kupfer

7,7

8^5

flbter u. Oppenheimer — —

flOdifter Sarbw.

llrG25

10,875

flfiticffenb. Zellft. 19,0 18/.

Kornrnq. Katferst.

8,5

8,6

Bab Salychtltt 11,0 11,0

Konternf. Braun

1,5

1,135

B=lbur piano 3,2 2,9

Lech fiuasb.

7,8?5

7,1

Beck 8c Senket C. 3,0 3,3

fflainkraftw.

6,1

5,8

Bing. Metaltw. 3,55 3,5

IRrauin Bntib.

22,0

22,0

Breuer 8c Co. 8,0 —

Motor. Oberurtet

——

10,25

Brockhues 8,0 6,25

Neckar!. Sahrz.

5,1

5,0

Cement Karlftabt 9,5 9,0

Vf lz. Hähm.

2,7

2,12z

Chem. Griesheim 11,4 11 ,n

Srtiurkert Ubg

28,0

28,0

Daimler Mot. 3,9 8,7

Srhuhftoff Sulba

4,0

4,0

Deutscher Derlag 18,0 18,25

Schuht 6«rz Sf-

4,0

2,9

Dürkopp — —

Schuht. Leanber Offb

2,5

2,2

Eifa. Kaiferslautem 1,8 1,8

Sichet 8c Co.

8,25

1,1*

Clberfelb. Kupfer 3,5 2,2

Siemens elektr Bdr.

10,5

12,5

Ctektr. tief. oef. 13,5 13,5

Ihar. tief. Gef.

8,4

8,6

El. Licht unb Kraft 10,5 10,26

D. S»6f. Koft

4,2

8,8

Emag. Srankf. 0. m. 0,65 0,6

wansi Sc Sreyt

8,7»

3,7

Sitzfabrik Sulba 4,o 4,0

Zuckert. Sranhenthal

3,2

2,8

Berliner Kursbericht

Deutsche Staatspapiere,

8. 4. 9 4.

<3oldanlelhe Dotlar|d)äh-fintD.

5 ■Reithsanleihe

4 ...............

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3 .........-.....

. Zwmtgsanleibe

4 Sthufiaebiet

5 Spar-pr.-flnl.

5 pr.Schahanl.22

4 pr. Cont, )V, vo............

3 do. ..........

4 Bayer. Anleihe 3’ s do. da.

4,8

83,0 0,095 0,51 0,27

0,97

2,75 0,15

0,801 0,265

0,42

4,2

83,0 0,09 0,5 0,873 0,955

0,30t 0,252

0,4 0,59 0,58

Ausländische Werke.

Goth-Rente 4 türk, flömin. 4 .. Bogb. S. II .. Cole 4Vi finatol. 5.1 4*/».. S. II 4V,.. S IN IN«. Anleihe

6,75

7,635 23,-.

9,5

8,5

8,0

10,4 6,85 7,125

22.0 8,625 7,5 6,5

werkbest Anleihen.

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2,49 3,8 8,2

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13

2,45

3,6

2,9 3,75

10,0

Versicherungs-Aktien

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167,0

70,0

90,0

160,0

69,0

44,0

88,0

Eifenbahn-Akkien.

ilektr. hoch bahn I 37,5 I 33,625

Oefterr. Staatsb. 32,75 —

5a)antungbahn I — I 0,875

SchMahrk-Werke.

Kosmos Dpi- Neptun vpstch. rapag nanfa £ oyd Ceretn. €lbe

23,0

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10,2

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10,0

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Vank-Akkien.

vor». Crebitbank Bagr. tj. u. IDbk. Barmer Bank-Ö.

Berliner tjanbelsb. Commer.bank

Banz. Privatbank BarrnftäblerBank B. flfiat. Bank

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0,4

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3,5

2,0

32,0

30,5

4,75

4,625

2,6

2,7

8,125

7,75

17,5

17.25

Deutsche Bank

8,8

8,85

D. Ueberfee-Bank

67,5

67,0

Dlsconto«Komm.

10,0

9,1

Dresbner Bank

6,0

5,24

Meining. gpt.-Bk.

1,7

1,7

mtttetb. Crebltbk.

2,5

2,4

Oeft. Crebit

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Reichsbank

22,0

28,0

Indnstrie-AMen.

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8,3

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3,875

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35,75

31,5

48,75

87,5

37,0

35,75

18,25

18,0

13,5

12,3

2,6

2,5

13,25

12,0

14,0

12,0

5,0

5,0

65,25

60,0

12,5

12,0

4,75

4,0

4,2

3,0

1,6

1,6

40,1

35,0

15,1

13,5

2,9

2,5

55,1

58,75

8,0

7,0

27,7

24,75

11,6

10,5

89,0

34,75

17,0

14,0

11,125

9,75

6,0

5,0

9,25

8,75

23,0

——

21,0

17,5

5,0

4,75

26,25

21,25

31,0

29,62«

2,6

9,95

10,0

10,0

25,875

24,0

16,75

15,0

1,S

1,0

14,75

13,25

2,5

9,5

17,1

16,75

9,5

3,0

wer „Contieord“ fährt, weiß, was ein Reifen halten kann.

für Auto, Kraftrad, Fahrrad.

(Fahrt nach der neuen „Continental.Straßenkarte“.)