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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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Ur. 67.

Verantwortlich lür die Schriitleitung: Dr. SoEannrt Kramer. «ureigen: I. V arreller. Fulda. Rotationkdruck und Verlag der s Fuldaer Setirndruckerei in Fulda. Fernlvrecher Rr 9. r. Berugkvrei» fürSlvr U Poftbefiellung 1.80. Stadtb?,'glUiOMk.

Freitag, 11. April 1924.

Sureigen-Pretse: Klein,eile lLolonei» lokal 0.16 Soldmml aukwürtk 020 Doldmark: Reklame,eile lokal 0.60, Soldmark aukwLrtk 0L0 Goldmark. ■ •

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51. Zahrg.

Die Aufnahme des Lachverständigen-Derichts.

Die wichtigsten Ausführungen des Sachverftän- öigen-Benchtes, bei dessen Ueberreichung in Paris eine gewisse feierliche Form gewählt worden war, . find durch die hier schon mitgeteilten Borberichte unseren Lesern bekannt. Sie können kurz dahin zufammengefaßt werden:

Voraussetzung für die deutschen Zahlungs- Möglichkeiten ist wirtschaftliche Lei­stungsfähigkeit. Diesen Satz erkennt der Sachverstänüigenplan durch zwei Hauptfordeungen <m: 1. Die finanzielle und wirtschaft­liche Einheit des Reiches muß w i e d e r h e r g e- stell t werden. 2. Die Sta bili tä t der deu t° jchen Währung muß gesichert bleiben.

Aus der ersten Hauptforderung ergibt sich: Die Zollgrenze zürn besetzten Gebiet muß fallen, die Zoll-, Steuer- imd Währungshoheit der deutschen Behörden muß wiederhergestellt werden.. Die R e- niebahnen sind wieder de'r Reichsbahn, die ja im Reparationsplan eine besondere Rolle spielt, emzuglledern. Für Micumverträge dnd ähnliche erzwungene Sonderabmachungen ist «ach dem Sachverständigenplan kein Platz Mehr. „Der Kredit Deutschlands, der die Grund- lage der deutschen Zahlungsfähigkeit bildet, kann nicht wiederhergestellt werden, solange der fetzige Zustand im Ruhr- und Nheingebiet fortdauert." Diese einstimmige Anerkennung einer von deutscher Seite stets betonten Tatsache ist ein politisches Fak­tum. das zu unterstreichen wir üllen Anlaß haben. Die (Erfüllung dieser Forderung der Sachver­ständigen ist nur eine Frage des guten Willens der anderen.

Zur Sicherung der Währung wird ver­langt: Erstens die Errichtung einer neuen Noten- bank bezw. Umbildung der Reichsbank. Diese künf- tige Notenbank soll die deutsche Währung einheit- sich gestalten, sie soll durch Golddeckungsvorschriften und Einschaltung auch internationaler Kontrollen die Sicherung gegen neuen Mißbrauch der Note.r- presse schaffen. Der Aufbau des Instituts lehnt sich eng an die Reichsbank an. Biele Einzelheiten sind noch unklar in der Durchführung. Zweitens: Alle Zahlungen, zu denen die deutsche Regierung ver­pflichtet wird, sind in der deutschen Währung dem „Agenten für Reparationszahlun gen" auf" fein Konto bei der deutschen Notenbank zu überweisen. Mit diesem Zurverfügungstellen der Marksummen soll die Verpflichtung Deutsch­lands erfüllt sein. Die Sorge der Verwertung die­ser Summen zu Gunsten der Gläubiger, d. h. soweit möglich ihrer Umwandlung in Devisen ist Sache des „Agenten". Der „Agent" hat von sich aus darüber zu wachen, daß der Devisenmarkt nicht ruiniert wird, er hat aber auch alsBesitzerriesigerMark- guthaben ein unmittelbares Interesse an der deutschen Währungsstabllität. >

Auf die Höhe der Zahlungen Deutsch- lands, die von den Sachverständigen für möglich gehalten wird, muß sich besonderes Augenmerk richten. Für das erste Jahr ist ein nahezu voll- ständiges Moratorium vorgesehen. 200 Millionen Mark sind von den Eisenbahnen aufzu­bringen, weitere 800 Millionen Mark nur dann zu

zahlen, wenn sie uns durch auswärtige Anleihen ^zur Verfügung gestellt werden. Im zweiten Jahr -sind 720 Millionen durch Eisenbahn und Industrie Mfzubringen und 500 Millionen durch Verkauf von Vorzugsaktien der Eisenbahngesellschaft zu realisie- ten. Im dritten Jahr sind 1200 Millionen und im

vierten Jahr 1750 Millionen durch Eisenbahn, In- dustriebelastung und Steuern aufzubringen. Vom fünften Jahre ab 2500 Millionen Goldmark jähr­lich ,wobei noch Zusatzbeträge auf Grund eines Leistungsindex vorgesehen sind. 2% Milliarden jährlich wäre, falls zu 5 Prozent gerechnet, die Ber- zinsung einer Schuld von 50 Milliarden. Was aber tatsächlich nach den zehn Jahren, mit denen sich der Plan nur befaßt, werden soll, wie weit die ge­zahlten Annuitäten die Schuld tilgen sollen, bleibt-

offen.

Die Sicherung der Gläubiger erfolgt durch Pfänder. Die Reichsbahn steht dabei als Ein­nahmequelle im Mittelpunkt, sie soll steigend von 330 Millionen Mark im ersten Jahr auf 660 Mil­lionen vom vierten Jahre ab jährlich leisten. Das sind Summen, die nur bei blühender Wirtschaft aus dem in eine Aktiengesellschaft umzuwandelnden Un­ternehmen, natürlich nach Wiederherstellung seiner Einheit, erzielbar sein können. Die ausländische Beteiligung an der Verwaltung und Ueberwachung erscheint in glimpflichen Formen, solange der Z i n s e n d i e n st für die 11 Milliarden 5proz. Re­parationsobligationen nicht stockt.

Industrie-, Handels- und Berkehrsunternehmun- gen fallen mit 5 Milliarden Schuldverschreibungen belastet werden. Die Rentenbankbelastung, die auch die Landwirtschaft umfaßt, betrug 3,2 Milliarden. Isoliert betrachtet mögen die 5 Milliarden nicht schlimm erfcheinen, aber die gleichen Steuerzahler müffen auch für das innere Budget scharf heran­gezogen werden, und auch die schweren Berkehrs- fteuern belasten sie. Vor allen Dingen ist hier an eine Beförderungssteuer gedacht, deren Einzelheiten abzuwarten bleiben. Sodonn sollen Zölle und Steuern auf Alkohol, Tabak, Bier und Zucker als Sonderpfand dienen. Die Stellung solcher Sonderpfänder ist die Voraussetzung der Freigabe des französischen Generalpfandes an der Ruhr. Die vorgesehenen Kontrollen durch Kom- wiiiaxe ist glimpstM gedacht, solange üjtz '

zureichen, sie gestatten aber im Falle eines verrin­gerten Ertrags der Einnahmequellen Eingriffe jeder Art.

In Berliner politischen Kreisen werden die Gutachten der Sachverständigen, foweit sie bisher bekannt geworden, als diskussionsfähige Basis betrachtet. Man ist allerdings der Ansicht, daß die Ziffern wohl zu hoch gegriffen seien, da sie eine steigende Prosperität der deutschen Volks­wirtschaft voraussetzen. Jedenfalls wird eine em« gehende Prüfung der Vorschläge erfolgen.

Die deutschen Auslandsguthaben.

6% Milliarden Goldmark.

Der der Reparationskommission gleichzeitig mit dem Bericht Dawes übergebene Bericht Mac Kennas umfaßt nur sieben Seiten. Dazu kommen kurze Annexe über die Gutachten hn Ausland im Jahve 1924, während des Krieges und nach dem Kriege. Das deutsche Guthaben im Aus­land wird auf 6% Milliarden Gold- mark geschätzt, der Besitz der Ausländer in Deutschland auf 1 bis 1% Milliarden Goldmark. Als einziges Mittel, die geflüchteten Kapitalien wieder zurückzuführen, wird die Beteiligung der Gründe betrachtet, die die Abwanderung verursacht haben, d. h. die Schaffung einer stabilen Wäh- rung. Als Beispiel wird Oesterreich angeführt. Zum Schluß wird zur Erwägung gestellt, während der Uebergangsperiode denjenigen, die unter der augenblicklichen Gesetzgebung der Gefahr der Strafe wegen Kapitalflucht unterliegen, Straffreihe it zu gewähren und ihnen bei Zeichnung von Anleihen für die Bezahlung in fremden Devisen besondere Bedingungen zu bieten. Auf diese Weise würde die Rückführung des geflüchteten Kapitals die endgül­tige Wiederherstellung des finanziellen Gleichge­wichts in Deutschland beschleunigen.

Das Echo der deutschen presse.

Mit Ausnahme der völkischen „Deutschen Zeitung", die von der Bersklavung Deutschlands spricht, begegnet der Sachverständigenbericht in keinem Berliner Blatt einem schroffen Unan­nehmbar.

Die deurschnationale „Kreuzzeitung", die schwere Bedenken, insbesondere hinsichtlich der unerhört hohen Leistungen, die in dem Sachverständigen­bericht der deutschen Wirtschaft aufgebürdet wür­den, und hinsichtlich der vorgesehenen internationa­len Kontrolle der deutschen Finanz- und Wirtschafts­lage äußert, erklärt dennoch, daß eine schroffe Ab­lehnung des Gutachtens nicht unbedingt erfor­derlich fei. Jeder Diskussion über die Sachver­ständigenvorschläge müßten jedoch folgende Vor­bedingungen vorausgeschickt werden: Räumung des Ruhrgebiets, Festsetzung einer ber Leistungsfähig­keit Deutschlands entsprechenden Gesamtsumme der Reparationsoerpflichtungen und Gewähr für die Finanzhoheit.

Der gleichfalls rechtsstehende „Lokal-Anzeiger" bezeichnet den Bericht der Sachverständigen als Grundlage für Erörterungen über die Reparations­frage, fordert jedoch von der Reichsregierung un­bedingtes Festbleiben in der Frage der Micum- Verträge. Eine Verlängerung dieser Verträge würde von sich aus allen Grundsätzen, auf tönen das Gutachten aufgebaut sei, ins Gesicht schlagen, und der Haushalt des Reiches würde durch Finan­zierung der Micum-Berträge aus dem Gleich­gewicht gebracht und die Stabilität der deutschen Währung unrettbar zerstört werden.

Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" des Herrn Hugo Stinnes kommt noch zu keinem abschließen­den Urteil über das Sachverständigengutachten, be­tont aber, daß Deutschland sich sehr sachlich mit dem Bericht auseinandersetzen müsse.

Die „Germania", das Organ der Zentrums­partei, schreibt: Ein besonderer Wesenszug der ge­genwärtigen europäischen Politik ist das Miß­trauen. Der Sachverständigenbericht ist nicht mit diesem Vorurteil belastet. Die Vorschläge, die uns heute vorliegen, entftammen nicht der Reparations­kommission, nicht der Botschafterkonferenz oder einer andern Körperschaft der Siegerstaaten, son­dern sind aus dem gründlichen und eingehenden Studium eines unparteiischen Sachverstän­digenkollegiums hervorgegangen. Auf den sach­lichen Inhalt der Vorschläge eingehend, erklärt das Blatt, daß die vorgesehenen Lasten außer­ordentlich groß seien, und daß es zweifelhaft wäre, ob sie in dieser Höhe für uns überhaupt trag­bar seien. Daß der ganze Zahlungsplan auf der Voraussetzung basiert, daß die finanzielle und wirt­schaftliche Einheit des Reiches wieder her- gestellt wird, wird von dem Blatt besonders freudig begrüßt. Das Blatt schließt seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß das Gutachten die Grund­lage zu einer Aussprache biete.

Auch die demokratischen Blätter, das „D. T." und die „Boss. Ztg.", kommen zu dem gleichen Schluß, indem sie jedoch ebenfalls über die Höhe der in dem Gutachten genannten Summe schwere Bedenken äußern. Das „B. T." unterstreicht vor allem die Voraussetzung der Wiederherstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Hoheit Deutschlands im besetzten Gebiet, die mit der Zurückziehung der französischen Truppen aus dem Ruhrgebiet und aus Düsseldorf und Duisburg verknüpft werden müsse.

Kelchsban'Präsident Dr. Schacht hat sich in Dresden auf der Tagung der sächsischen Industriellen auch über die Gutachten geäußert. Der unverwüstliche Lebensmut des beutst en Volkes, das selbst in den schwersten | vePouilleltL, habe offenbar den Sach­

verständigen einen garzuhohenBegriff von unserer Leistungsfähigkeit gegeben. Es scheint ausgeschlossen, daß die von den Experten ge­nannten Ziffern tragbar seien, aber ber Redner hofft auf die Möglichkeit eines modus vivendi, vor allem aus einem Umstande nämlich, daß in dem Expertengutachten zum erstenmal der Versuch, ge­macht werde, das Reparationsproblem politisch zu entgiften und es mehr mit wirtschaftlichen Augen anzu sehen.

Der Uonserenzgedanke.

Das Pariser „Journal des Dubais" sagt am Schlüsse eines Resumes des Sachverständigen­berichts, die Ausführung und Annahme ber Sach- verstänbigenvorfchläge feien für Deutschland in dem Maße notwendig, in dem es sich wieder erheben und feinen Kredit wieder Herstellen wolle. Der Entwurf bereite eine neue internationale Konferenz vor, und jede Konferenz ende not­wendigerweise mit einem Kompromiß. Der Plan der Sachverständigen biete eine Berstän - digungsbasis. Jetzt müßten die Regierungen ihn in die Tat umsetzen, dadurch, daß sie ein Sy­stem schaffen, das den augenblicklichen Umständen angepaßt fei.

Das „Journal des Dubais" ist der Ansicht, daß die Konklusionen der Sachverständigen nicht verfeh­len würde, vor der Eröffnung der Konferenz, in der die Ministerpräsidenten sie diskutieren würden, eine Atmosphäre zu schaffen, die den inter­nationalen Beziehungen günstig sei.

Der hader im Innern.

Aus Merseburg wirb gemeldet: Etwa 50 Stahl­helmleute, die in Zscherben eine Versammlung abgehalten hatten, wurden in der Nacht auf dem Nachhausewege in der Nähe des Heltstetter Bahnhofs von Kommunisten überfallen und mit- Re­volvern beschossen. Drei Stahlhelmleute sind durch die Schüsse schwer verletzt worden. Die Kommunisten flüchteten. Dis Schupo verhaftete in Passendorf etwa 20 flüchtige Kommunisten.

*

Nach einer Meldung aus Landsberg a. Lech ist durch Organe der Münchener Staatsanwaltschaft der wegen Hochverrats gesuchte Führ er der National­soziallisten, Hermann Esser, der längere Zeit flüchtig war, verhaftet und nach München trans­portiert worden.

Ist das noch Politik?

Die Münchener „Großdeutsche Zeitung", das Organ der Völkischen, leistet sich in einem Bismarck-Artikel folgende Verunglimpfung des Reichskanzlers Marx und seiner Partei: „Gegen­wärtig nimmt den Reichskanzlerstuhl ein Mann ber Partei ein, die Bismarck in der giftigsten Weise bekämpft, ihn mit Schmutz und Unflat beworfen hat, die seinem Werk von Anfang an feindselig gegenüberstand, weil deutsche Macht und Größe nicht mit ihren wirklichen Zielen übereinstimmte... Das ergibt sich auch aus dem Urteil, das der Reichs­kanzler Marx, wohl der geistig unbedeut­samste Mann auf dem Reichskanzler­stuhl feit 1918, über die völkische Bewegung gefällt hat. . . ."

Jedes Kind weiß, daß im Derhältnis Bismarcks zu den Katholiken Bismarck der Angreifer war. In jenem unglückseligen Kulturkampf haben sich die deutschen Katholiken ihrer Haut wehren müssen gegen die Eingriffe des Staates in ihre kirch­liche Freiheit. Es war für sie der bitterste Ge­danke, daß dieser Kulturkampf Bismarcks wenige Jahre später erfolgte, nach dem die deutschen Ka­tholiken neben den deutschen Protestanten die deutsche Einheit und das neue deutsche Reich mit ihrem Blute erkämpft hatten. Bis­marck hat dann fein Unrecht eingesehen und entschlossen die Konsequenzen daraus gezogen. Mag er aus feiner protestantischen Denkweise heraus den Katholizismus nie verstanden haben: der Abbau des damaligen Kulturkampfes spricht für die Größe fernes staatsmännischen Blicks.

Diese Größe, mehr noch politische Wohlanstän- digkeit und Klugheit, bringen die Parteivölkifchen von heute, die so gerne Bismarck zum Ehrenmit­glied ihrer Bewegung stempeln möchten, nicht auf. Man braucht nur die Presse zu studieren, um festzustellen, wer heute wieder „in der giftig­sten Weise bekämpft, mit Schmutz und Unflat be­wirft". Berechtigte Abwehr von Seiten der Ka­tholiken gegen die neue parteivölkische Kultur- kämpferei werden diese Schreiber später wohl eben­so wieder mit den Kennworten belegen, die für ihre eigenen Angreifer zutrifft. Die Person des Reichskanzler, der als Begründer und Führer der großen Bewegung der katholischen Schulorgani- fation, als Führer einer großen Parteibewegung und Vorkärnvfer vieler katholischen Organisationen in anderer Weise als die Sudler ber „Großdeut­schen Zeitung" seine geistige Fähigkeit in einem bereits langen Leben nachgewiesen hat, ist über ausgesuchte Beschimpfungen von dieser Seite er­haben. Wir wissen bestimmt, daß selbst ein Bis­marck vor den Augen dieser kleinen Geister we­niger Gnade gefunden hätte, wenn er über deren .^Politik" die ganze Wucht seines staatsmännischen Sarkasmus ergossen hätte. Tote müssen sich ge­fallen lassen, daß ihnen der parteivölkische Stempel aufgedrückt wird. Lebende, die anders denken, werden mit dem Schni»tzkübcl bedacht.

Dazu paßt bann ganz nett der Kult, den man mit den parteivölkischen Heroen treibt, deren Politik ein paar Jahre alt ist und vorläufig nur aus großen Phrasen besteht, deren Einlösung man wohl mit einiger Berechtigung Mißtrauen entgegen bringen bari

Letzte Nachrichten.

Reichsregierung und Sachoerskänbigenberichl.

Wtb Berlin, 10. April. (XeL) Die Reichs regierung hat den Blättern zufolge gestern nach­mittag in einer Sitzung den aus Baris übermittel­feil Teil des Sachverftandigenberichts beraten. Da wichtige Teile des Wortlauts des Sachverständigen­gutachtens noch nicht vorlagen, konnte sich die Reichsregierung nur auf eine allgemeine Bespre­chung beschränken. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Heute früh wird die Re­gierung die Prüfung des Gutachtens fortfetzeu.

Die Amerikaner.

wtb B a r i s, 10. April. (lei.) Der amerika­nische Sachverständige Owen Ioung hat dem Ber- treter des „Eaulois" in einem Interview erklärt, die Amerikaner hätten in voller Unabhängigkeit und noch bestem Gewissen der Aufforderung der Repakdtionskommission entsprochen und an dem Blane der Sachverständigen mitgearbeitet. Er glaube zu der Hoffnung berechtigt zu fein, daß bet plan der Sachverständigen von erprobten Man nern ausgestellt fei, und auch die ungeheure Mehr­heit feiner Landsleute nicht gleichgültig lassen werde. Amerika könne nur auf eine Art an ber Verwirklichung des Blaues Mitarbeiten, indem es sich an der Anleihe beteiligt. Wie schnell oder wie langsam Amerika die Kapitalien aufbringen werde,' hänge zunächst davon ab, wie der Bericht ber Sachverständigen in amerikanischen Finanz­kreisen beurteilt werde. Er nehme an, daß, wenn der Sachverständigenplan in dem Geiste, wie et zustande gekommen fei, auch ausgenommen werd« und wenn auch in ber Reparatiouskommiffion Einigkeit zwischen bcn Mächten bestehe, Ame­rika bem Rufe Europas sich nicht länger verschlie­ßen unb gern an der Herstellung bes Frie­dens und bet wirtschaftlichen unb finanziellen Er­holung Europas Mitwirken werbe.

Der Zerfall ber Deutschen Bottspartei.

wtb Berlin, 10. April. (Tel.) Nachdem bü Verstänbigsverfammlungen zwischen der Bcltspartei und ber Jlaftonalliberalen Bereini­gung ergebnislos »erlaufen sind, rocnbe sich jetzt bie Rationalliberale Bereinigung mit einem Wahlaufruf an bie Oesfentlichkeit, in bem fit ihre Ziele, insbesondere die Lösung der fioalitioe mit der Sozialdemokratie in Preußen barlegt uni erklärt, daß der Anschluß der Bereinigung an bie Deutschnationale Bottspartei geboten ist. Für die Wahl wurde im allgemeinen bie List ber Deutschnationalen Boltspartei empfohlen.

Das Zentrum in Bayern.

wtb Berlin, 10. April. (Tel.) Wie bit „Germania" hört, wird die christlich-soziale Partei in Bayern in der Zentrumspartei aufgehen und als eigene Partei zu existieren aufhören. Die baye­rische Zentrumspartei, deren Programm bas des Reichszentrums ist, soll den Titel tragen: Zen­trumspartei (christlich-soziale. Partei).

Die Kandidaten der ftanzösischen Kommunisten.

wtb Paris, 10. April. (Tel.) Rach einer Mel- dnng ber „humanitee" hat die kommunistische Par­tei beschlossen, bei den bevorstehenden Kammer­wahlen den Hauptmann La Boule und den Schriftsteller Guilbeanx als Kandidaten aufzu­stellen. die beide in Rußland leben und in Frankreich zum lobe verurteilt wor­den find.

Die neue Türkei für den Alkohol.

wtb B a 11 s, 10. April. (Tel.) Rach einer Havns Meldung aus Konstantinopel ist in Angora das Alkoholverdot aufgehoben worden. Dft A b g a b e auf Alkohol unb geistige Getränke ist aus das vierfache erhöht worden. Die aus dem Ausland eingeführten Getränke erfahren eine 12- fache Verzollung des Tarifs. Die Regierung ist er- mächtig! worden, binnen drei Monaten die Herstel­lung zu monopolisieren.

Bekanntlich mar den Mohammedanern das Weintrinken durch den Koran verboten. Die neue Türkei verläßt die Anschauung der Väter, um — Steuern aus dem Alkoholgenuh zu ziehen.

Rußland und die anderen.

Der ftanzösische Senat hat mit 284 gegen 5 Stimmen den von der Kammer angenommenen Gesetzentwurf gebilligt, der einen Kredit von k Millionen Franken für die in R u ß l a n d gefan­gen gehaltenen Franzosen bewilligt. Senator de Monzil erklärte hierzu, daß es für Frankreich vorteilhaft wäre, die Beziehungen zu Rußland wieder aufzunehmen. Er stellte an den Mi­nisterpräsidenten diesbezüglich, eine Reihe von Fra gen. Der Ministerpräsident drückte sein Erstaunen darüber aus, daß ein Problem von dieser Wichtig­keit bei Gelegenheit einer Kreditbewilligung auf­geworfen werde und erklärte, daß die Regierung der Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen kein Hindernis in den Weg legen werde.

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Wie das Niederländische Korrespondenzbüro er­fährt, ist eine Wiederaufnahme der hol­ländisch-russischen Beziehungen bin neu kurzem zu erwarten.

Die Krankheit des Herrn Stinnes.

In dem Zustand des Großindustriellen Hug- Stinnes ist eine geringe Besserung eingetreten, sodaß nach Ansicht von Prof. Bier erhöhte Hoff- euna lMehh dtzv ^attejuep .» ’ AUbsu 4U atalteii