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M 86.

Donnerstag, 10. April 1924,

Deutscher Dank an den hl. Vater.

Mit dem Wachsen der deutschen Not ist die fort- Liufende Hilfe des Heiligen Stuhles immer umfang­reicher geworden. In teilnehmender Fürsorge und ^,ermüdlicher Hilfsbereitschaft eilt der Papst mit gots neuen Spenden und Liebesgabensammlungsn tgn Notleidenden unseres Landes, ohne Ansehen her Religion oder der Partei, zu Hilfe. Der Zen- iralrat des Deutschen Caritasverbandes hat daher Ät nachfolgender, feierlicher Erklärung Sr. Heiligkeit «ntetct den herzlichsten Dank zum Ausdruck gebracht.

Der Zentralrat des Deutschen Tari­fs verbau des, der sich aus Vertretern fätot« gcher Hochwürdigsten Bischöfe Deutschlands zusam- Mensetzt, hat vor kurzem zu Bad-Nauheim, in An­wesenheit der Bischöfe von Mainz, Speyer und Osnabrück, sowie der Weihbischöfe von Berlin und Trier und des Apostolischen Administrators von Tütz, wichtige Beratungen gepflogen. Er ist ent« Massen, wie in der Vergangenheit so auch in Zu- Lunft, alle Kräfte und Mittel seiner Organisation wrfzubieten, Um der mannigfaltigen, noch immer .totoer auf Deutschland lastenden Not zu steuern. Er hegt die Zuversicht, daß die echt christliche Liebe un­sere katholischen Glaubensgenossen im Ausland nach dem Worte des heiligen Paulus: „Caritas numquam excidit" auch weiterhin uns bei diesem Rettungswerk an unserem schwer geprüften Volk zur Seite stehen wird.

Bei dieser gemeinsamen Tagung ist es dem Zentralrat ein wahres Herzensbedürfnis, laut aus- zufpvechen, daß Eure Helligkeit von Beginn Ihres glorreichen Pontifikates an einer der größten WohltäterDeutschlands gewesen sind, der aus väterlichem Herzen heraus stets von neuem ochste Gaben spendete, dem keine Not in unserem Vaterlande entging und der auch überall in der Welt tatkräftig "und mit großem Erfolg zur Hilfe­leistung aufgerufen hat.

Mr fühlen uns Um so mehr zu dieser Feststel­lung und zum öffentlichen Ausdruck unseres Dan­kes veranlaßt, als vielleicht gewisseDerlaut- barungen der letzten Zeit, die jede wahre Sachkenntnis vermissen ließen, das Herz Eurer Hei- ligkeit mit Schmerz erfüllt haben. Der Zentralrat nes Deutschen Caritasverbandes ist wohl der be­rufenste Beurteiler des Hilfswerkes Eurer Heiligkeit. Dieser Umstand berechtigt und verpflichtet uns, Eurer Heiligkeit namens der Noüeidenden Deutsch­lands und der gesamten organisierten katholischen Liebestätigkeit diese feierliche Erklärung zu geben.

Zentralrat des Deutschen Caritasverbandes.

Eingesandt.

Der platz am Schweinern««. Der Einsender des Eingesandt in Nr. 84 scheint mit den hiesigen Verhält« nissen doch nicht so ganz vertrant zu sein. Der Bau einer Markthalle ist wohl seit Jahren geplant, unter« blieb jedoch, zumal sich ein starkes Bedürfnis hierfür noch nicht geltend machte, mit Rücksicht auf die An­lieger der jetzigen Märkte. Zudem ist der Platz für eine Markthalle, wie Fulda sie einmal beabsichtig, viel zu klein. Der Platz am Schweinemarkt war bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts schon bebaut und es ist nur zu begrüßen, daß er endlich wieder feiner ur­sprünglichen Bestimmung zugeführt werden soll und die häßliche Umgebung verschwindet, denn daß da einmal durch die Stadt gärtnerische Anlagen geschaffen werden, glaubt wohl niemand im Ernst. (Folgt Unterschrift).

Fuldaer Zeitung

*♦"* Druck der Fuldaer Aeiiendrackerei tx Fulda

Wertvolle Zugeständnisse.

Helfferich zeugt für die Finanzpolitik Erzbergers.

Sn weiten Streifen der Oeffentlichkeit ist die Mei­nung verbreitet, daß alle Versuche, die Finanzen des Reiches zu bestem, vollkommen umsonst gewe­sen seien. Ja, es gibt eme ganze Reihe von lieber« klugen, welche heute die Finanzreform, die unter Erzberger eingeteitet und unter Wirth vollendet worden worden war, als mißglückt bezeichnen. All diese Leute haben sich nie die Mühe gegeben, ein­mal wirklich die Finanzlage des Reiches zu studie­ren. Sonst könnten sie solche Behauptungen nicht aufstellen.

War denn wirklich die Arbeit, die mühevolle Ar- beit der drei Jahre von 1919 bis 1922 umsonst? Hat sich die Lage der Finanzen denn nicht vorüber- gkhend wenigstens gebessert gehabt? In der brei­ten OeffenKichkeit besteht die Meinung, daß es mit den Finanzen dauernd abwärts gegangen sei. Dem aber ist nicht so. Man muß eben Währung und Finanzlage von einander getrennt betrachten. Der Währungszerfall ist zum großen Teil darauf zurück­zuführen. daß d'e Spekulation vielfach em Interesse daran hatte, die Währung zu verschlechtern. Die schwierige außenpolitische Lage war für solche Pleitehyänen der willkommene Anlaß, auf die Der- fchlechterung der Mark zu spekulieren. Durch die Währungsverschlechterung einerseits und durch die außenpolitische Situation anderseits war es außer­ordentlich schwer, der ttostlosen Finanzlage Herr zu werden.

Dennoch gab es einen Zeitpunkt in der Ge­schichte unserer Finanzen nach dem Kriege, wo wir der Sanierung der Reichsfinanzen und damit der automatischen Besserung unserer Währung sehr nahe waren. Das war in der Zeit von April bis Juni 1922, also im ersten Vierteljahre des Rech­nungsjahre 1922.

In dieser Zeit machten sich die Wirkungen der Finonzreform Erzberger-Wirth in einer Weise gel­tend, die selbst der größte Optnnift nicht für möglich gehalten hätte. Damals hatten mir einen Zustand erreicht, bei welchem alle Ausgaben des Reiches, die außerordentlichen Ausgaben einschließlich des Zu­schuß- u-nd Anleihebedarfs der Post und Eisenbahn durch ordentliche Einnahmen noch ein sehr großer Teil der Ausgaben für den Friedensvertrag ohne Schuldaufnahmen gedeckt werden konnte.

Mancher mag vielleicht erstaunt und etwas zwei­felnd über diese Tatsache den Kopf schütteln. Aber er wird noch mehr in Derwunderung geraten, wenn er erfährt, von welcher Seite dieses Zeugnis für un­sere Reichsfinanzm ausgestellt worden ist. Kein Geringerer als Helfferich, der sicherlich nicht einer übertriebenen Freundschaft für Erzberger und Wirth verdächtig ist, hat in einer Rede am 4. Juli 1923 im Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller diese Tatsache feftgefteHt, indem er wörtlich aus­führte:

Für mich ist es kein Zweifel: hätten wir keine Geld­entwertung, dann würden unsere Steuern ausreichen, nicht nur um die Bedürfnisse der eigentlichen Reichsver­waltung zu decken, sondern auch um Ueberschüsse für Re- paratlonsleistcmgen zu produzieren. Den Beweis sehe ich in der Entwicklung unserer Reichsfinanzen während des obgelaufenen Rechnungsjahres. Im April, Mai, Juni und Juli vorigen Jahres haben die Reichseinnahmen Monat für Monat nicht nur die Kosten für die innere

Verwaltung der Reiches einschließlich der Betriebsver­waltungen, der Post und Eisenbahn gedeckt, sondern dar­über hinaus erhebliche Ueberschüsse geliefert. Der Heber« schuß der Reichseinnahmen über die Ausgaben der all- gemeinen Reichsoerwaltungen und der Betriebsverwal­tungen Hai betragen im April 7,2 Milliarden Mark, im Mai 7,8, im Juni 7,7, im Juli 3,8 Milliarden Mark. Zu den jeweiligen Dollarkursen umgerechnet war in dem Vierteljahr April-Juni ein Heberschuß von mehr als 100 Millionen Goldmark monatlich zu verzeichnen. Dieser Ueberschuß stand damals für die Durchführung des Frie­densvertrages zur Verfügung. Es ist nicht die Schuld Deutschlands, wenn er nicht in vollem Umfang für die „Reparationen", sondern größtenteils für tote Lasten, wie die Besatzung und die Kontrollkommission verwendet worden ist. Jedenfalls hat das Ergebnis jener Monate den Nachweis erbracht, daß wir mit Steuern von einer tröhe, wie sie kein anderes Land kennt, im Begriffe waren, unsere inneren Finanzen zu ordnen imb, wenn man uns von den toten Lasten befreite, den Boden für eine Re­gelung der Reparationen zu bereiten, die sich neben dem englisch-amerikanischen Schuldenabkommen immerhin hätte sehen lassen können.

Helfferich führte dann den Umschwung in den folgenden Monaten darauf zurück, daß das sog. Morgan-Komitee in Paris gescheitert sei. Das war gewiß einer der Gründe für die Währungsver­schlechterung und den späteren Verfall der Finan­zen. Aber noch mehr trug bei der Mord an Raichenau, der aus der inneren Atmosphäre des Hasses und der deutschvölkischen Hetze geboren war.

Wichtig an dieser Feststellung, daß selbst ein Helfferich zugeben mußte, daß die Finanzlage des Reiches im Anfang des Rechnungsjahres 1922 sich so außerordentlich gebessert hatte und daß ohne Geldentwertung „die Steuern ausgereicht hätten, um nicht nur die Bedürfnisse der eigentlichen Reichsverwaltung zu decken, sondern auch um Ueberschüsse für Reparationsleistungen zu produ­zieren."

Das aber waren die Wirkungen der viel ange­feindeten Finanzreform von Erzberger, die unter Wirth weiter geführt worden war. Und dabei hat­ten sich die Steuern noch nicht vollkommen einge­spielt, da erfahrungsgemäß bei allen Steuern zwei bis drei Jahre vergehen, ehe sie den Reinertrag bringen. Auch hatte sich die Finanzresorm vom Frühjahr 1922 bei diesem Ergebnis noch so gut wie nicht bemerkbar gemacht, da die damals beschlossenen Steuern im allgemeinen erst später in Kraft traten. Angesichts dieser Tatsachen fragt man sich: wie wäre wohl die Entwicklung geworden, wenn nichts die wahnsinnige Tat des Rathenaumordes erfolgt wäre? Ist es nicht eine furchtbare Tragik, daß ge­rade in dem Moment, wo mir einer Besserung, un­serer Lage so nahe waren, der politische Haß im Innern uns so unagbar zurückwarf. Denn diese Tat im Innern hat auch unsere außenpolitische Lage sehr verschlechtert. Die Tatsache, daß durch die damals einsetzenden Errleichterungen in den Barzahlungen für Reparationszwecke die Ausgaben, in Gold ge­rechnet, zurückgingen, wurde durch die damals nach dem Rathenaimorbc einsetzende Markkatastrophe wieder voll vernichtet. Durch die politischen Leiden­schaften ist die Mühe von Jahren auf finanzpoliti­schem Gebiete zerschlagen, sind Millionen von Men­schen m größtes Unglück gestürzt worden. ______

Frankfurter Dorse.

Die Notierungen verstehen sich In Billionen pro;ent. letzt. Kurs 8. ♦. W- Kurs 8. «

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