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Jt£ 85.

Pli««»», 9. April 1984.

- Fuldaer Heilung

s. Blatt.

*♦* Drsck her Fnldoer •Äettenbnttfetet

Der Silberkönig von Flowershill.

Filmroman von Hermann Weber.

B] ------- _

gett der Trauung sind nun zwei Jahre verflossen. Die Ausnahme des Schwiegersohnes in mein Haus und Ge- echSst ist dmnals ohne besondere Umstände vorübergegan. jZg Nur wurde mir zu jener Zeit von meinen Der. Igjufen und Bekannten otf nahegelegt, daß ich mich doch uun, da ich meinen Unternehmungen eine frische Kraft gestalt meines Schwiegersohnes zugsführt hätte, zur »„ho setzen oder doch die Oberaufsicht über die Silber- «m«n aus den Händen legen könnte.

Diese Vorschläge waren gut gemeint enb kamen aus Ehrlichen Herzen; aber ich tonnte mich nicht entschließen, tzarauf etnzugeheu, weil mir ein Leben ohne jede Tätig- töt erschreckend dünkte.

Hrtb so antwortete ich meinen Ratgebern, daß ich «, Arbeit gewöhnt sei und mich dabei wohlfühle. Und stgte bestimmten Tones hinzu, daß mtr der Tod mir Vie Leitung über meine Werke aus den Händen nehmen fifettite. —

So standen die Sachen damals. Ist Ihnen alles so ®eit verständlich?"

»Klar und verstöndüch, Mr. Walk«. Erzählen Sie eet weit«." ___

„®bjt. Kurz nach meiner bestimmten Erklärung, daß fth nicht willens fei, mich zur Ruhe zu setzen, hab« ich dann eine Veränderung in meiner persönlichen Sicherheit -Pahrgenommen, ohne daß ich ab« zu Anfang sehr bar« Ms geachtet hätte.

Wie ein dunkles Bechängnis schien es üb« mir zu sthweben. Das Unglück schien mich direkt zu verfolgen. Wo ich ging und stand, breitete sich bas Unheil aus.

Eines Abends, zu Beginn ber Dämmerung, schlug Hnc Pistolenkugel durch das Fenster meines arbeite- zdmners, glücklicherweise ohne mich zu treffen. Einige Tage später befand ich mich allein in einem bereits Der« joßenen Stollen meines Bergwerks, um die vielleiclft mögliche weiter« Ausbeutung ein« schwachen Silberader pt untersuchen. Da glaubte ich dicht in meiner Nähe leise Stimmen zu vernehmen; dann ertönte eine Explo­sion und ein mächtiges Felsstück brach einige Schritte von mir entfernt nieder urtb versperrte mir den Weg. Hätte ich nicht zufällig einen schmalen Durchgang gefun­den. so wäre ich dem Hungertode überliefert gewesen.

Um meine Angehörigen nicht zu beunruhigen, schwieg ich üb® meine Abenteuer; doch ordnete ich im geheimen

eme strenge Untersuchung an, denn die Unglücksfälle, die sich immer in mein« Nähe «eigneten,, bereiteten mir Sorge. Die Untersuchung verlies ergebnislos. Jedoch waren am gleichen Tage zwei meiner intelligentesten Ar­beiter, der Mexikaner Juan Monteea, ein kleiner, schwarzhaariger Mensch, und ber Chinesenmischling Fong-sie, ein mittelgroß«, auffallend schmalschultrig« Mann, verschwunden und auch fern« nicht mehr aus­zufinden. ।

Nun verstrichen zwei Wochen ohne besondere Ereig­nisse, und meine alle Sicherheit kehrte zurück. Dann hatte ich in Deutschland wichtige Geschäftsabschlüsse zu «lebigen und rüstete mich ziur Fahrt über bas Meer.

Aber schon während ber Seefahrt nahte sich mir wie­der bas Unhell. Als wir eines Tages nach Möven schosien, riß mir eine Kugel die Mütze vom Kopfe; d« unvorsichtige Schütze war aber nicht zu entdecken. Am Abend dieses Tages lehnte ich einsam an d« Brustwehr des Schiffes. Meine Stimmung war nicht die beste. Ich fühlte mich sorgenvoll und niedergedrückt, denn diese nicht endenwollenden Unglücksfälle begannen allmählich, mich in eine krtmkmachende Unruhe zu versetzen. Da brach üb« meinem Kopfe eine schwere Segelstange los rmd stürzte dicht vor meine Füße auf das Verdeck nieber. —

Seit jener Stunde ist es mir klar, daß man mich am» dem Wegs räumen will! Ab« es soll heimlich ge­schehen. Es soll den Anschein haben, als fei ich einem Unglück zum Opfer gefallen.

Jene zwei Männer, der Mexikaner und bet Chinesen­mischlinge, sind mir auf den Fersen; sie haben ja auch den gestrigen Ueberfall ausgeführt. Unter irgend ein« Ver­kleidung werden sie sich auch an Bord des Schiffes be­funden haben, das mich hierher getragen. Ganz gewiß sind sie von jemand, ber meinen Tod will, bezahlt, um mich zu beseitigen. Aber bei Gott! — sie sollen sich oer» rechnrt haben!"

Er schwieg und nickte finster.

Doch auf seinem Gesicht lag die Wachsamkeit eines Mannes, der nun weiß, was ihm droht, ber ab® auch auf weiteres Unheil gefaßt ist.

„Sie sollen sich verrechnet haben!" murmelte er noch einmal zwischen den zusammengepreßten Zähnen hin­durch. Dann fügte er unvermittelt hinM: »Sind Sie übrigens bewaffnet, mein Freund?"

• »Nur mit einem Revolver, Mr. Walker, da ich mich bisher auf meine guten Fauste verlassen habe. Jedoch befinbet sich unter meinem Gepäck nebst hinreichender

Munition eine Pistole aus meiner Kunstschützenzeit, eine achtschüfsige Präzisionswaffe, mit der ich auf fünfzehn Schrift Entfernung das Ah aus einer Spielkarte schieße."

»Sehr gut!" nickte «. „Stecken Sie diese Waffe zu sich; — wer weiß, wie wir Ihre Treffsicherheit noch ge­brauchen können!"

»Und Sie wissen nicht, w« die Anstift« dies« rast­losen Verfolgung fein könnten, Mr. Walker? Haben Sie nicht jemand im Verdacht?"

„Doch", sagte er mit einem fast schmerzlichen Ausdruck im Gesicht. „Einen Menschen habe ich im Verdacht, mich aus dem Wege räumen zu wollen. Ab« schon der Gedanke, daß ich diesen Menschen als meinen Feind be­trachten mußte, ist mir geradezu fürchterlich! Lassen Sie mich darüber schweigen."

Walker erhob sich und zog mich zum Fenster hin.

„Passen Sie auf", sagte er, „ob nicht einer der beiden Schurken m ber Nähe umherstrefft. Sie werden uns«e Fährte nicht verloren haben und keineswegs gewillt fein, ihr Vorhaben crufzugeben."

Vorsichtig hob er einen Zipfel des Vorhanges, und wir spähten hinaus.

Draußen herrschte noch regnerisches Weiter, wie am vorh«gehenden Tage. Nur wenige Leute eilten rasch vorüb«.

Direkt vor unseren Augen sah ich nichts Auffälliges; aber ein wenig abseits, im Schatten eines Torweges stand, ein Zeitungsblatt in ber Hand haltend, eine kleine Männergestalt im gelben Regenrock und tief in Die Stirn gezogener Reisemütze.

„Dort", flüsterte ich aufgeregt, „der Kleine, im Regen­mantel!"

Walker nickte finster. „Der Größe und Gestatt nach ist es Juan Montero. Und wenn er die Rückseite dieses Hauses beobachtet, wird sein Gefährte gewiß den Ein­gang bewachen unb jeden mustern, ber ein» und aus­geht."

„Wenn Sie sich mm an bie Polizei wendeten, Mr. Walker; würde sie Ihnen nicht hinreichenden Schutz ge- währen können?"

„Vielleicht —" sagte «.. „Ab® es gäbe Weitläufig- fetten ohne Ende, zumal ich Ausländer bin. Jetzt, wo ich meine Feinde kenne, wird entschlossene Selbsthilfe das Allerbeste sein!" Er raffte sich zusammen und fügte energisch ksinzu: „Meine Geschäfte sind abgeschlossen und es brängfr mich, heimzukehren. — Wollen Sie mein Be­gleiter sein und mir auch beifteben in Stunden ber Ge­fahr?"

Ich reichte ifrn die Hand.

Meine Freude an allem, was Kraft m» Vtett ves langte, riß mich hin. Das abenteuerliche junge Bli pochte mir wild in den Adern.

„Atff Tod und Leben!" sagte ich.

Er drückte meine Hand und sah mir fest ins Gesicht/ „Auf Tod und Leben!" wiederholte « meine Worte.

4. An Bord ber „Santa Trinidad".

Wir hatten hin und her überlegt, was nun zuerst ge­schehen müßte.

Was mich betrifft, mußte ich aufrichtig gestehen, daß ich den offenbar recht gefährlichen Absichten ber beiden überseeischen Banditen keine allzu große Furcht entge­genbrachte. , „

Wäre es zwischen mir und ihnen zu einem Hemd- gemenge gekommen, so hätte ich die beiben windigen Keile wohl mit meinen Fäusten niedergeschlagen, denn so viel Kraft traute ich mir schon zu; — ab« Walker übeerzeugte mich rasch von sein« eigenen Ansicht üb« die beiden Verfolger und machte mich nachdenklich.

„Betrachten Sie unf«e Sage nicht als eine gefahr­lose und nur von Ihrer Körperkraft abhüngend!" sagte' er ernst. „Jene zwei Männ« sind auf alle Möglichkeiten? gefaßt und gewiß reichlich mtt Geld versehen, so daß fie ■ Überall hilfreiche Hände finden werben. Außerdem haben' sie, wie ich schon früher erfahren habe, die Hälfte ihres» Lebens unter verbrecherischem Gesindel zugebracht. Sie sind uns. wenn auch nicht an Kraft, so doch infolge ihr« * List unb Verschlagenheit reichlich überlegen. Sie wer-, ben zu den verzweifeltsten Mitteln greifen, um ihr Zirt, also meine Vernichtung zu erreichen. Und werden fe- gar, wenn sie ihre Anschläge mißglückt sehen, einen offe­nen Mord nicht scheuen!"

„Nun denn — dann gilt es eben Mann gegen Mannt" rief ich entschlossen. „Wollen Sie mir ertauben, Mr. Walker, alles so einzurichten, wie ich es für das Bests halte?" .

„Treffen Sie nur Ihre Maßregeln; ich verlasse mich ganz auf Sie!" sagte er abgespannt. „Nehmen Sie auch dieses Geld für Ihre nächsten Ausgaben." —

Da ich meinen Wirtsleuten vertrauen zu können glaubte, teilte ich Ihnen bas Notwendigste mit unb trug, ihnen auf, da ich auf kurze Zeit fortgehen müsse, im-i ter keinen Umständen einen Fremden m die Wohnung kommen zu lassen.

(Fortsetzung folgt)

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