m - Wzmvmmer IVW.WkWU. Beilage 15 DM
Ful d aer Zertun g
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Mittwoch, 9. April 1924
Nr. 85
Jer öe§ CchvelWOigen-Berichtes
Reichstagswahl und 5chule.
In der „Deutschen Tageszeitung" losen wir eine Meldung, laut welcher 6er Deutsche Evangelische Kirchenausschuß die evcmgelischen Frauen und Männer airfruft, bei den kommenden Wahlen auf die Echaltung der evangelisch-konfessionellen Schule entscheidenden Wert zu legen. Wir begrüßen als Katholiken den Gesichtspunkt, den damit die evangelischen Volksgenossen für die Wahlen einnehmen und wissen uns 'mit ihnen einig in einem gemeinsamen Kampfe, wenn wir unsererseits ebenso für unsere katholisch-konfessionelle Schule kämpfen.
Es ist nur sehr interessant, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß yerade die „Deutsche Tageszeitung" und ihre Kreise den Katholiken manchmal gern verübeln, wenn sie bei der Entscheidung für eine Partei diesen Gesichtspunkt der Schulsrage in den Vordergrund rücken und nach wie vor ihrer politischen Waffe, dem Zentrum, das im Kampf um die katholische Schule erprobt ist, die Treue halten.
Katholische wett.
* »»such im Vatikan. Der Papst empfing am 7. April Krupp b. Bohlen und Halbach. — Zu dem Besuch de» Herrn Krupp v. Bohlen-Halbach beim Papst erfährt der römische Berichterstatter de» ,B. T/, daß Herr Krupp dem Papst für alles gedankt habe wa» durch die Entsendung de» Monsignore Testa für ihn und alle anderen Opfer der Ruhrkampfe» ge schehen sei. _____________
wirtschaftliche Kampsbewegungen.
— Ln dem Chor- und SaLetßreiK at »er Staatroper ix Berlin teilen die Blätter mit, daß die General- intinbantur sämtliche Streikenden entlassen und damit begonnen hat, einen neuen Thor gusammen- zuttellen Man glaubt, bereit» am Dienstag mit dem neuen Thor .Madame Butterfly" geben zu können.
— Äaf »er frankfurter Messe weilten am Montag ReiL»lanzier Dr. Marx mit Staatssekretär Bracht, Reich»«,rtschaftSminlsterLr Hamm, ReichSfinanzminister Dr. Luther, preuhtscher Staatssekretär Dr. Dönhoff, bayerischer Ministerpräsident b. «niUtn,,, der bayerische Gesandte in Berlin Dr. b. Preger, badischer Staatspräsident Dr. Köoler, der badische Minister Trum, hessischer Staatrpräsident Ullrich, hessischer Minister Raab und Ministerialdirektor Dr. b. Schönebeck.
Verantwortlich iür die Gdttiftleihma: Dr. Iobanne» Kramer. Anreisen: I. Varzeller. Fulda. Rotationsdruck und Verlas der 8 Fuldaer Vcttenb,uckerei in Fulda. Fernkvrecher Kr. S. s
verussvrei» sürSvr>li Posibeftelluna 1.80,StadtderualchOMk.
treter» der Regierung war zu entnehmen, daß sie keinen großen Wert mehr auf di» Vorlage legt, weil manche lllu»schußbrschlüsse ihren Wünschen nicht mehr entsprechen. S» erscheint daher nicht auSgeschloffen, day sie die Vor- läge zurückzieht. Ein derartiger Beschluß würde vor allem von den Gemeinden des besetzten Gebiete» nicht verstanden werden, die jetzt schon seit Jahrzehnten auf die dringend notwendige Reform der Landge- gemeindeordnung warten.
Um dar Kabinett Macdonalb.
Ein Mißtrauensvotum für die englische Regierung.
Die Regierung hat, wie aus London gemeldet wird, im Unterhaus nach vorangegangener Debatte über den Mietzinsgesetzentwurf bei der Abstimmung eine Niederlage erlitten.
Macdonald teilte mit, daß die Regierung infolge ihrer Niederlage bei der Abstimmung nicht demissionieren, sondern die Frage von neuem in Erwägung ziehen würde. .
* politische personennachrichlen. vte „Wei- niarer Zeitung" meldet: Der thüringische Finanz- mlnister Stolz« ist von seinem Posten zurück-
| g «t r e t e n.
Achtstundentag fei grundsätzlich für das gesamte Eisenbahnpersonal zu gewährleisten. Zur lieber« Windung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Not« läge der Reichsbahn könne die Arbeitszeit auf 9 Stunden täglich verlängert werden, falls die Mehrarbeit durch einen Aufschlag bezahlt werde.
Auch der Hauptvorstand der christlichen Gewerkschaft deutscher Eisenbahner lehnte in einer Entschließung das Angebot der Regierung ab, und erklärte, gemeinsam mit den anderen Eisenbahnerverbänden für die Forderungen der Eifenbahnar» beiter dm Kämpf aufzunehmen.
Dienstag vormittag 10 Uhr sollen noch einmal Verhandlungen i«t Beilegung des Konflikts stattfinden. ____________ __________
sehungseinerverpflichlungen gewährt. Deutschland werde im ersten Jahr 1 Milliarde zahlen, die durch eine internationale Anleihe von 800 Millionen Goldmark und durch eine Verkehrs- steuer von 200 Millionen Goldmark aufgebracht werden sollen. 3m zweiten und dritten 3ahr soll Deutschland je 1 Milliarde und 200 Millionen und im vierten 1 Milliarde 750 Millionen Goldmark zahlen. Deutschland kann nach Ansicht der Sachverständigen vom fünften ober sechsten 3ahr ab jährlich 2 Milliarden 460 Millionen zahlen, die durch die verschiedensten Linnahmeguellen flcher gestellt werden sollen. Dom sechsten Jahre ab werde die Reparakionskommiffiou jährliche Zahlungen verlangen, die nach einem gewissen plan festgesetzt werden sollen, den das Komitee Dawes bestimmt habe.
5) Die Reichseisenbahnen. Diese sollen auf 50 Jahre an eine Gesellschaft mit einem Kapital von 26 Milliarden concediert werden.
6) Die Konvertierung der deutschen Zahlungen. Summa Summarum hängen die verschiedenen Kapitalien, die zu diesen minimalen Annuitäten beigesteuert werden, eng miteinander zusammen. Jedes Defizit unter einer dieser letzteren werde einer gleichartigen Forderung der Repara- tionskommission gegenüber den anderen Kapitalien entsprechen. Lin Defizit bei den Eisenbahnen oder denhypotheken werde wie oben erwähnt durch Mittel aus ben früheren Einnahmen gedeckt werben, bie über die vorgesehenen vier Beträge hinaus erhoben werben.
Mit Recht hielten die Sachverständigen diese Probleme für schwieriger, denn die Frage, wieviel und wie Deutsckstand zahlen solle. Sie hätten es lange studiert und schlügen die Errichtung eines ständigen Komitees, bestehend aus 5 Männern vor, von denen jeder einzelne Spezialist sei und zu denen je ein von der Reparationskommission vorgeschlagenes und von den Regierungen genehmigtes Mitglied hinzukommen soll. Dieses Komstee soll die Leitung dieses verwickelten und heMen Me- chanismus üebrnehmen, bas in lichter Linie bie Auf- gäbe hätte, bie Konvertierung der Reparationen vorzunchmen.
2l» Mirum-Verträg».
Das ,15. T/ hört zu der Frage der Micumver« träge, daß man ebenso wie die Reichsregierung auch in den maßgebenden inbuftrieüen Kreisen der Auffassung sei, baß eine Verlängerung diese» Abkommens nicht möglich sei. Diese Auffassung hätten di» (industriellen erst vor wenigen Tagen der ReickStegierung zum Ausdruck gebracht. Sogar auf die Gefahr einer Enteignung hin müffe matt auf diesem Standpunkt verharren.
Vie Wahlen in Italien.
Die Majorität bet Faszisten durch bas Gesetz gesichert.
Großer Erfolg der Volkspartei.
Die faszisttsche Presse stellt zu dem Wahlsieg der Regierung fest, daß bie Regierungsliste wert mehr Stimmen erhielt <üs erforderlich waren, tttn 3o6 Kammersitze zu erobern. Die Blätter weisen weiter darauf hm, daß jetzt eine ruhige EntwilLung der italienischen Politik sicher sei. Die O p p o s r t i on verfüge nur über 179 Sitze, von denen die Italienische Dolkspartei entspricht der deutschen Zentrumspartei) die meisten erhalten habe, sodaß „Popolo" 'mit dem Wahlergebnis zufrieden ist. Da die Italienische Dolkspartei eine starke Mn- derheitspartei geblieben ist, ist über die Aussichten ihrer bisherigen bekannten Führer noch nichts be. kannt.
Nach der Italienischen Volkspartei kommen d« Gemäßigten Sozialisten. Die Wahl Turatt und Treues ist gesichert. Die Kommunisten sind vielleicht etwas stärker als bisher. Die Wahl Giolitti und von wenigen seiner Getreuen ist gesichert, aber sein Untersekdherr Corradini ist an« scheinend geschlagen. Die Demokraten sind zusckm- mengeschrumpft. Bonomi ist anscheinend geschlagen, dagegen ist die Wahl von Nasi, Amendola und di Eesaro gesichert. „Mondo" ist darüber besorgt und ruft nach Gesetz und Freihett. Das Blatt „$ico" hofft daraus, daß 6 Republikaner durchkommen. <*■ ->
MMWMMMMllMl.
Nochmals Verhandlungen.
In dem Konflikt zwischen den Eisenbahnarbel- fern und der Reichsregierung ist eine weitere Derschärfung eingetreten. Beirat und Dorstand des freigewerkschaftlichen (sozialistischen) Deutschen Eisenbahnerverbandes nahmen einstimmig eine Entschließung an, in der das neuerlich« Angebot des Reichsverkehrsnnnisteriums abgelebt und gefordert wird, daß der Lohn uom 30. März ab um 6 Pfg. pro Stunde für alle Lohn-
Der Augenblick der Ueberreichung der Sachoer- ständlgsngutachten scheint jetzt endlich da zu fein. Am Mittwoch werden die Gutachten überreicht. Me Rfeparationskommission ist für 10 Uhr zu einer feierlichen Sitzung emberusen. Die Uebergabe des gesamten Materials an die Presse erfolgt eine Stunde später. Es liegen aber, wie die folgende Meldung beweist, schon Auszüge vor:
wtb Paris, 8. April. (Tel.) Der '.Malin" gibt einen Auszug aus dem Bericht der Sach- verständigenkomitees:
1. Die Sanierung bet deutschen Finanzen. Um bas Bubget auszngleichen, verlangten die Sachverständigen vom Derttschen Reiche eine sehr strenge Kontrolleüber das (Ergebnis ber Steuereinnahmen, unb falls trotz der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen wiederum bie Jinanzen in Unordnung gebracht würben, würden bie Sachverstänbigen bie automatische Einrichtung einer alliierten strengen Kontrolle vornehmen, der man bie weitgehenbsten Befugnisse zuerkenne. Die Sachverständigen schlagen außerdem vor, daß ein Teil der Budgeleinnahmen. bie Zölle sowie sämtliche Verbrauchssteuern auf Tabak usw.» an bie bei bet neuen Golbemissionsbank errichtete Sasse abgeführt würden.
2. Die Goldemijs ionsbauk. Die Sachverständigen hätten deshalb einen sehr vollkommenen plan für die Zahlungen dieser internationalen Emissionsbank aufgestellt, bie später bie Reichsbank, bie Rentenbank unb bie Schacht'sche Goldkreditbank in sich aufnehmen soll. Die Bank soll in B e r 1 i n mit einem Kapital von 4 Milliarden Goldmark gegründet werden. 1 Million Aktien sollen der Reichsbank gegen Uebermittlung ihres Aktivums einschließlich der Immobilien übermittelt werden und 3 Millionen Aktien würben ben internationalen Zeichnern angeboten werben, bie natürlich im Aufsichtsrat vertreten sein sollen.
3. Ruhrgebiet. Die Sachverstänbigen glaubten, daß bie wirtschaftliche Wiederherstellung nut unter einer Bebingung auf bie Dauer roieber her- gestellt werben könnte, nämlich wenn die wirtschaftliche Einheit Dentfchlands wieder bergest eilt werde. Ohne die militärische Besatzung des Ruhrgebiets anzuschneiden, er- klären die Sachverständigen, daß es nötig sei, Deutschland die freie Verfügung in den von ben Truppen besetzten Gebieten, eingeteilt in regionale Direktionen, wieberzugeben. Die Eisenbahnen im Rheinland und Ruhrgebiet werden von einem internationalen Komitee überwacht.
4. Steigende Jahreszahlungen. Um die finanzielle nnb wirtschaftliche Wiederherstellung Deutschlands zu ermöglichen, schlagen die Sachverständigen vor, daß man Deutschland eine Aerob
ik übet die Kolonisierung Deutschlands, über die Verteilung der Ruhrbeute."
Könnten diese Ausführungen nicht auch ebensogut in dem völkischen .Deutschen Tageblatt" gestanden haben? Und weiter! Der nationalsozialistische Wahlaufruf für Bayern erklärt:
„Der völkische Block geht als Todfeind der parlamentarischen Schrebersystemr ins Parlament, nicht um die Novemberrepublik und ihr an diese ausgelieferter bayerisches Anhängsel aufzubauen, sondern um sie abzubauen.
Genau so betonen die Kommunisten, daß unter der Herrschaft des Kapitalismus die Parlamentswahlen für die Kommunisten nur agitatorische Bedeutung haben, und daß die Kommunisten nur in das Parlament gehen, um es zu zerstören.
Kommunalpolitifdjes.
— SesShröung b«r neuen ktödte- um tanboemeinbe- ordnung für Preußen. Wie un» die Zentralstelle der Kommunatpolitischen Vereinigung der Deutschen ZentrumSparter «Zentralstelle: Köln, Rubenstratze 1b mitteilt, hat am 3 April eine Dchung de» 22 Ausschuß de» Preuß. Landta es stattgefunsen, in welcher über die Weiterberatung der neuen Städte- und Land- flemeinDeorDnuna- beraten wurde, die bekanntlich bereit» in der ersten Lesung vorn Ausschuß fertigaestellt worden sind. Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, a m 24. Mat tn diezwetteLesungder beiden Vorlagen einzutreten und dann gleich mit der materiellen Beratung zu beginnen. AuS den Erklärungen de» Der-
Der neue vayernlandlag.
Vie alten Rechtsparteien stark geschwächt. — vergifte ber Bayerischen Bolfspartei. — Sozialisten behauptet. — Große Erfolge ber Völkischen.
Die Blätter sind jetzt in ihrem Urteil über den kusrang der bayerischen Landtagswahlvn darin einig, daß die Bayerische Dolkspartei, vor chlem in den Städten, durch die Dsutschoölkischen Einbußen erßtten hat. Die Schuld an den schweren Verlusten wird von den Blättern der Politik der Bayerischen Dolkspartei beigemessen, unter deren Duldung in München die deutschvölkische Bewegung habe groß werden können. Die Sozialdemokraten hätten sich entgegen allen Erwartungen im allgemeinen gut behauptet und nur einen Bruchteil ihrer Stimme an die Kommunisten abgeben müssen. Die Demo! raten und die alten Rechtsparteien (Dsutschnatwnale, Deutsche Dolkspartei) hätten in noch höherem Maße als die Bayerische Dolkspartei Verluste zugunsten der Detttschvölkischen erlitten.
Die Manbalzlffern.
Nach den letzten Wahlergebniffen in Bayern dürfte sich dem „Lokal-Anzeiger" zufolge der bayerische Landtag etwa folgendermaßen zusammenfetzen: Bayerische Dolkspartei 30 Sitze, Völkischer Block 16, Bereinigte sozialdemokratische Partei 14, Bauernbund 7—8, Kommunistische Partei 7, Vereinigte nationale Rechte (Deutschnationale) 6—7, Deutscher Block (Demokraten) 1—3, Nationalliberale Landespartei einen Sitz. Wenn die noch ausstehenden Ergebnisse auch das Gesamtbild zugunsten der Bayerischen Dolkspartei verschieben dürften, so werde diese doch nicht mehr für sich allein in der Lage sein, eine Regierungsmehrheit zu bilden. Wie sine Regierungsmehrheit überhaupt zustande kommen soll, ist noch un g e= Miß. ,
lieber den Wahlausgang schreibt die „Germania":
Das Ergebnis der bayerischen Wahl ist arJf jeden Fall bedauerlich, sowohl vom nationalen wie vom kulturellen Standpunkt aus. Es, Hot in diesem überwiegend kathol. Lande den Einfluß des Katholizismus im politischen Leben nicht nm zurückgedrängt, sondern auch noch starke antikatholische Kräfte hochgebracht. Immer wieder muß man sich fragen, wie so etwas möglich ist in einem überwiegend katholischen Lande, in dem bis jetzt eine starke christliche Dolkspartei die Möglichkeit hatte, maßgebenden Einfluß auf die Politik des Landes aus. tuüben. Auf diese Frage kann man kaum eine Antwort geben, ohne bitter zu werden. Wir sagen leider nicht viel, wenn wir feststellen, daß dieses Wahlresultat mitverschuldet worden ist durch die Politik der Bayerischen Volkspartei. Unter ihrer Duldung konnte München der 5)erb aller verfassungsfeindlichen Umtriebe werden, unter ihren Augen ist die deutschvölkische Gift- pflanze groß geworden. Die RÄnkalikievung des politischen Lebens Bayerns ist mit ein Ergebnis der Politik der Bayerischen Dolkspartei. Er hat sich erneut gezeigt, daß die Taktik der nationalistischen und völkischen Bewe. gung durch noch stärkere Worte und Gesten oder durch schwächliches Nachgeben den Wind aus den Segeln zu nehmen, nicht Mn Ziel führt. Hätte die Bayerische Rolkspartei oonAnfang an energisch den Kamps gegen diese Bestrebungen aufgenommen, hätten sie oder ihre Vertrauensleute in der Neuerung nicht durch immer größere Konzessionen den Mut derer um Hitler und Ludendorff gestärkt, dann wäre sicher manches anders gekommen. Das Kahr-Regiment, die Politik der halben Berfassungsbrüche, hat sehr schlimme Folgen gehabt. Die Politik der von der Bayerischen Lolkspartei gestützten Regierung während der Konfliktszeit mit dem Reiche war treffliche Vorarbeit für di» Deutschvölki- f ch e n. Was Wunder, wenn ein Teil der bisherigen Anhänger der Bayerischen Dolkspartei, fast systematisch zur Auflehnung gegen die Verfassung erzogen, nun einen Schritt weitergeht und bei den völkischen Putschisten sein Heil sucht? Diese entsetzliche Derwirrung im bayerischen politischen Leben wäre nicht möglich gewesen, wenn die Bayerische Dolkspartei sich nicht immer weiter von dem Programm und der Politik des Zen t r u m s entfernt hätte. Sie war Erbin der Zentrumspartei in Boyern. Sie hait dieses Erbe schmählich vertan.
Und noch in einer anderen Beziehung bedeuten die gestrigen Wahlen für die Bayerische Volkspartei ge- vadezu eine Katastrophe. Mit den Landtagswahlen- war bek-rnnüich auch bie Frage verbunden, ob der neu- gewählte Sanbtofl ermächtigt werden soll, mit einfacher Mehrheit Verfassungsänderungen zu beschließen. Diese DerfasiungsändewMg sollte sich' baranf beschränken, daß die Stelle eines Staatspräsidenten und eine Zweite Kammer geschaffen, und daß die Volksbegehren und Lolksenilscheidungen durch eine Erleichterung der Bestimmung des § 92 der bayerischen Derfassung vereinfacht würden. Es sind zum Teil Ziele, die auf der Linie de-, föderalistischen Programms der Bayerischen Volkspartei liegen. Für diese föderalistischen 3iele hat die Bayerische Dolkspartei noch nicht einmal im eigenen Lande die verfassungsmäßige Mehrheit finden können. Also auch hier ein Versagen der söderalisü- schen Polittk der Bayerischen Volkspartei, diesmal aber nicht verursacht durch das „unibarifche" Zentnum, sondern teuch die Mehrheit des bayerischen Volkes febft
Kommunisten und völkische.
Verblüffende Aehnlichkeik.
In ben demokratischen Blättern lesen wir:
Die Aehnlichkeit der Rechts- und Linksradikalen wird immer größer. Jetzt finden wir in der „Roten Fahne" unter der Ueber- schrist „Die pazifistische Walze" einen Artikel, in dem folgende Sätze vorkommen:
„Was bedeutet in Wirklichkeit der ganze „vozifismus" Macdonalds, des Linksblocks und der neue völkerbunds- rummel? Der Wilfonfche Pazifismus mündete in den Vertrag von Versailles. Die vierzehn Punkte und der Völkerbund waren nur Programm und Instrument der imperialistischen Sieger zur Verteilung der Deute. Die Appelle zur „Verständigung" bedeuten heute den Ruf zur Einigung zwischen französischer unb englischer Bourgeoi-
Umetaee'SreUe: Rlenueile (ttolonel) lokal 0,15 «oldmark.
au»wSrt» 0^0 «oldmark: K»klame»eile lokal 0.60. »oldmark Ri 3(lnr(l autofirte OSO «SolbmarL y “
Bei «iederbolimgen Rabatt- BoM-beckkmUo fktmtfurt a- M. 4051
Kurland.
* Minlsterkrife in Südafrika. Sin Telegramm au« Kapstadt teilt mit, daß General SmulS, der' Premierminister von Südafrika, seine Demission eingereicht hat. Diese Demission wurde durch da« Resultat der Teilwahlen von Waterstroem hervor- gerufen.
Kus -er wahlbervegvng.
= Hünfeld. Glänzend verlief am Sonntag, 6. April, enter dem Vorsitz de» Rechtsanwalt» Kramer die Delegiertenversammlung der Rentrums» partei für den Kreis Hünfeld im Saal des hiesigen Gefellenhause». Aus den verschiedensten Tellen des Kresses Hünfeld waren die Dertrauensleute zusarnmen- fieftr&mi, sa daß der erweiterte Saal kaum die Zuhörerschaft zu fassen vermochte. Dr. E r o n e - Münzebrock stellte sich seinen Wählern vor, entwickelte sein Programm und gab einen Rückblick und Ausblick auf die Arbeiten der Regierung und des ParlameMs. Die anwesenden Gegner wußte der Redner so geschickt zu treffen, daß keiner derselben das Bedürfnis fühlte, sich zum Worte zu melden. Mit einer anregenden Diskussion schloß die Versammlung, die ganz getragen war von der alten Zentrumsbegeisterung, wie wir sie in Bersammlungev aus früheren besseren Zeiten gewohnt waren.
--- Rückers (Sr. Hünfeld). Unter dem Vorsitz des Vertrauensmanns Herrn (Emil Ebert. Leimbachshof, fand hier eine sehr zahlreich besuchte Zentrumsversammlung statt. Al» Redner sprach Herr Dr. Neubauer in anschaulicher, fesselnder Weise. Die von H. H. Stationär Heidt eingeleüete lebhafte Diskussion brachte Klarheit in vielen dunklen Punkten. Die Versammelten wurden überzeugt, daß nur da» Zentrum die kulturellen und wirtschaftlichen Interessen am wirklamsten vertreten, habe und verteidigen könne. Abends um 7 Uhr hielt Dr. Neubauer eine zweite Zentrumsversammlung mit demselben Erfolge in Dammersbach.
-- Kriminalpolizei gegen eine Hamburger Bantfirma. An der Hamburger Börse hatte sich in letzter Zeit der Gebrauch herausgebildet, daß im Freiverkehr für Devisen Ausgeld auf den amtlichen Berliner Kurs gezahlt wurde, das am Samstag bis auf 15 Proz. ge-. stiegen war. Nach einer Meldung der „Doss. Ztg." ist jetzt die Kriminalpolizei gegen dieses Treiben eingeschritten und hat bei einer alten Hamburger Bankfirma dt» S ortenkasje beschlagnahmt.
* Bürgermeister und Gendarm. Jn Eschingen bei Landau wurde der Bürgermeister Vierte von dem StationSgendarmeriewachtmeister Beutner erschossen. Der Büraerrneister halte sich nach Schluß der Polizeistunde noch mit einigen Leuten in der Wirtschaft aufgehalten. AIS der Wachte meister Feierabend gebot, entspmn sich ein Streif in dessen Verlauf ber Wachtmeister den Revolver zog. Beutner ist vorläufig ix Untersuchungshaft genommen.