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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda. x

Nr. 84.

Lerantwortlich lür die Gdrriftleitung: Dr. Jobanner Kramer. Anzeigen: I. P arreller. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der o Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Fernlvrerber Ar. ft. s BeruaSvreir lürSörd: Dostbestellnng 1.80,Stadtbezug 1.50SRI.

Dienstag, S. April 1924.

Anreigen-Preiic: Stetmeile (Colonel) total O.lö Goldmari auswärts 0^0 Soldmark: Reklamezeile lokal 0,60. Soldmark auswärts (X80 Soldmark. :.

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51. Zahrg.

3m Leichen der Wahlen.

Reden des Heidjskanzlers, des fingen* und des Innenministers. Die Wahl in Bagern.

Die Wochenwende hat die führenden Männer 5er Regierung wieder auf die Rednertribüne ge= Art, um die großen Gesichtspunkte der Politik den- enigen klar zu machen, die überhaupt politische fragen verstehen können. Daß es leider Gottes -reife gibt, die politische Zusammenhänge nie­mals begreifen werden, ist den pflichtbewußten Männern im Kabinett Dr. Marx sicherlich auch klar. Gleichwohl ringen sie unablässig um Ver­ständnis für ihre Haltung.

Der Reichskanzler

sprich in einer Versammlung der Zentrumspartei In Barmen.

Vie Reichsregierung steht es als einen Erfolg ihrer Arbeit an, daß in den letzten Monaten in den inneren Verhältnissen Deutschlands eine gewisse Beruhigung Platz gegriffen hat. Auch außenpolitisch blieben wir vor schweren Erschütterungen bewahrt. Es scheint jedoch, als ob wir jetzt vor ernsten, für unser Volk entscheiden­den Ereignissen stehen. Die Gutachten der aus» ländischen Sachverständigen werden in wenigen Tagen bekannt fein. In den nächsten Wochen dürfte auch die Entscheidung der Reparationskommission über die Sachverständigengutachten fallen. Die Regierung wird nach dem Bekanntwerden der Gutachten mit aller Ge- uüfstnhaftigkeit - und Gründlichkeit prüfen, ob die darin medergelegten Folgerungen und Urteile für das deutsch« Volk tragbar und die errechneten Leistungen richttg be- messen und erträglich sind. Sie wird ihre Zusttmmung nur zur Uebsrnahme von Leistungen geben, die unter Anspannung aller nationalen und wirtschaftlichen Kräfte von dem deutschen Volke auch wirklich getragen werden können. Die trüben Erfahmmgen der letzten Zeit werden wohl auch dem kurzsichtigsten deutschen Staatsbürger die Augen darüber geöffnet haben, daß unser Handeln in erster Linie sich nach der Außenpolitik zu richten Hot und dadurch bestimmt wird. Die Außenpolitik selbst verläuft nahezu zwangsmäßig, da wir mehr Objekt in der Politik stemder Mächte sind, als daß wir selbst in ihre Gestaltung emzugreifen vermöchten. Diese Tatsache ist gewiß niederdrückend und schmerzlich für uns: es ist aber notwendig, sie als gegeben anzuerkennen. Diese Erkenntnis sind Einsicht bedeutet keine stumpfe Ergeben­heit in Unabänderliches. Sie soll die Vernunft und Klugheit wecken und uns zu Taten ermutigen, die uns in Besonnenheit frei machen und nicht nur uns, sondern ganz Europa vor dem Untergang zu retten.

Es muß einmal mit aller Entschiedenheit festgestellt «erden, daß kaum etwas mehr den Bestrebungen natio­nalistischer Phantasten Vorschub leistete, als das unser nationales Empfinden häufig so stark verletzend« Ver- hatten der Ententemächte, namentlich Frankreichs und Belgiens. Seit Jahren gibt sich Deutschland die redlichst« Mühe, zu einer Verständigung mit der Entente über die von uns zu tragenden Lasten zu gelangen, aber immer waren weitere Bedrückungen die Antwort auf unser Be­mühen. Poincare wiederholt bei jeder Gelegenheit im­mer wieder dieselbe Formel: das Ruhrgebiet wird nicht freigegeben, bevor nicht volle Zahlung geleistet ist. Wenn tatsächlich in Deutschland die nationalistische Welle stärker angeschwollen ist denn je, und wenn vielfach die Befürchtung gehegt wird, daß der kommende Reichstag durch Zunahme der extremen Parteien nicht arbeitsfähig fein wird, so wird daran die hem­mungslose Bedrückung Deutschlands durch Frankreich einen großen Teil der Schuld tragen. Oder will man gar Deutschland in diesen Zu­stand hineintreiben? Manchesmal könnte man es fast glauben, wenn in der französischen Presse jedes Wort, das den berechtigten nationalen Empfindungen des deut­schen Volkes Rechnung trägt, zu nationalistischem Exzeß und zu reattionärcm Geschrei verdreht wird. Ohne Achtung vor dem deutschen National­gefühl wird die internationale Atmosphäre nie ent­spannt und entgiftet werden.

Die Versammlung spendete den Ausführungen des Kanzlers äußerst lebhaften Beifall und schloß mit einem freudig aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland. Dem Reichskanzler brachte die vor dem Versammlungsort harrende Menge leb­hafte Ovationen dar. Er richtete von der Treppe noch eine kurze Ansprache an das Publikum, in der er die Leiden des besetzten Gebietes würdigte und betonte, daß die Reichsregierung alles tun werde, um die Lage der Bevölkerung des besetzten Gebietes leichter zu gestalten.

Vizekanzler Dr. Jarres

sprach in Elberfeld bei der Deutschen Doikspartei.

Der Minister befaßte sich eingehend mit der außen­politischen Lage und erklärte, die letzte Veranlaflung unserer furchtbaren Lage sei der Vertrag von Ver­sailles und mehr noch als dieser Vertrag feine Aus- 'egung, die Ausdehnung und der Mißbrauch, der von gegnerischer Seite mit diesem Vertrage getrieben werde. Die Behauptung, daß Deutschland die alleinig« Schuld ?n dem Kriege trag«, ist eine Lüge. Der Minister be« ichäfügte sich dann mit dem in den nächsten Tagen zu erwartenden Gutachten und betonte, es komme nicht allein darauf an, daß die deutsche Wirtschaft einheilich geleitet und verwaltet werde, es komme m demselben Maße darauf an, daß die Verwalt ungs Hoheit yes Reichs und der ein,schien Staaten wieder­be r g e st e l! t werde wie früher. Staatshoheit und Wirtschaftsführung gehörten zusammen, eines oder das pudere könne nicht bestehen. Wir müßten eine unbe­schränkte Verfügung über das besetzte Gebiet im Rahmen ves Friedensvertrages und des Rheinlandabkommens ''erlangen.

Außenminister Dr. Strefemann

hielt am Sonntag inKiel gleichfalls vor der Deut­schen Doikspartei eine Rede, in der er u. a. sagte:

Der Wiederaufbau Deutschlands — so bracht« die Deutsche Dolkspanei vor zwei Jahren in einer Erklärung ihres Reichsaussthusses zum Ausdruck — man nur auf der Grundlage der heutigen Staats form erfolgen, weil jeder Versuch ihrer Aen- verung Erschütterungen im Gefolge haben würde, diesen Aufbau selbst zerstören würden. Die Deutsche ^clkspartei steht auf dem Boden der Verfas­sung, d. h. sie will Abänderungen der Verfassung nur

auf verfassungsnchßig«n Weg« erstreben. Wen» afltt das Wirken der verfasiungstreuen Parteien in Deutsch­land nicht immer wieder aufs neue erschüttert /werden soll, bann ist es vor allem nötig, daß man einer ver­nünftigen Reparationslöfung zustrebt, Deuffchland die Grundlagen wirtschaftlicher Entwicklung und poMscher Selbständigkeit gewährleistet, es vor fort­gesetzten nationalen Demütigungen und Beleidigungen, wie sie kürzlich erst fettens des französischen Kriegsmi­nisters erfolgt sind, bewahrt und damit die Ursachen be* settigt, die am meisten zur Entwicklung der Ex­treme in Deutschland mitgewirkt haben, die weit weniger ein Produtt deutscher Auffassung als ein Pro­dukt der gegen Deuffchland seit dem Friedensschluß ge­triebenen Politik sind. Daß Deutschland den guten Willen besitzt, bei erträglichen Leistungen zum endgül­tigen Frieden zu kommen, hat auch der Führer der Deutfchnationalen, fiergt, auf dem deutschnatto- len Parteitag in Hamburg betont, als er erklärte: Es gibt niemanden in unserer Partei, der nicht in W ü r d i - gung des übermächtigen Druckes, unter dem wir stehen, wüßte, daß es s ch w e r e O p f e r zu bringen gilt. Es gibt auch niemanden, der nicht für eine wirk­lich erträgliche Endlösung alles darbringen wollte, was sich irgend aus der freien Arbeit eines arbeitsfreudigen Volkes erübrigen ließe.

Der Minister erntete für feine Ausführungen stürmischen Beifall der Versammlung, die unter Absingen des Deutschlandliedes auseinanderging.

W WMe MM.

Am Sonntag ist in Bayern (mit Ausnah'm e der Pfalz, wo erst am 4. Mai gewählt wird) zum Landtag gewählt worden. Die Ergebnisse Ke­gen noch sehr lückenhaft vor, da viele ländliche Stimmbezirke in Frage kommen, ferner die Aus­zählung erschwert ist, weil mehr als 15 Parteien sich um Mandate bewerben. Die kleinen Partei- grüppchen sind bös hereingefallen. Ähre Stimmergebnisse m den großen Stabten zäh­len nur nach wenig Hunderten. Auf dem Lande dürften sie vielfach gänzlich ausgefallen fein. Die „wilden" Parteien erweisen sich immer mehr als grober Unfug, der von „Ehrgeizlingen" angerichtet wird.

Die Stimmverteilung auf die großen Par­teien ist zunächst nur für die Städte feststellbar. In Sagern spielen aber die Bewohner der ländlichen Bezirke für das gesamte Wahlergebnis eine große Rolle. Die Ergebnisse aus den Städten zeigen fol­gendes Bild. Die Sozialisten und Kommu­nisten haben sich in nennenswerter Stärke be­hauptet, wenn sie auch gegenüber der Revolu­tionszeit Einbußen erlitten haben. In großer Stärke gehen die Deutschvölkischen aus der Wahl hervor. Ihre Gewinne gehen auf Kosten der Deutschnationalen und sonstiger bürgerlicher Par­teien; am wenigsten auf Kosten der Bayerischen Volkspartei. Vereinzelt scheinen aHertringg auch Wähler der Bayerischen Volkspartei an die Völki­schen verloren gegangen zu sein.

Das Münchener Ergebnis.

wtb München. 7. April. (Tel.). Das End­ergebnis für München-Sladk ist folgendes:

von 408772 Wahlberechtigten haben 300 867 Stimmen abgegeben. Es erhielten: Sommu- nisten 47 986, Sozialdemokraten 51489, Unab­hängige Sozialdemokraten 1383 — Deulfchvölklschen 104 972 — Bayerische Volkspartel 59636. Christlich-soziale Parkei (aus der Bayerischen Volks­partei hervorgegangen) 2319. — Von der allen Rechten erzielten: vereinigte nationale Rechke (Deutschnationale) 12 721, naffonalliberale Landes- parkei (Reubildung aus der Deutschen Volksparkei) 2055, Deutsche Volkspartei 4155. — Deutscher Block (Demokratische Partei) 7642. — Von den beruss- ständigen Parteigruppen erhielten: Be- amteaparkei Rückert 282, Beamtengruppe kartosiel (aus der Bayerischen Volkspartel hervorgegangen) 2839, Bayerische Mittelstandspartei 2833, Bayeri­scher Dauern- und Mittelstandsbund 106.

Für den Volksentscheid, von der Bayerischen Volkspartei beantragt, stimmten mit „ja" 91016, mit „nein“ 182 193.

Augsburg.

wtb « og s b u r g, 7. April. (Tel ). 3n den drei Hauptstimmbezirken haben von 96 350 Wahlberech­tigten 72 661 Stimmen abgegeben. Es erhielten:

Kommunisten 8356, Sozialdemokraten 17 618, — Völkischer Block 16 864. — Baye- rische Volkspartei 20777. Chrisllichsoz. Partei 37. — Vereinigte nationale Rechte (Deulsch- naftonale) 4262, nationalliberale Landesparkei 315, Deutsche Volkspartei 510. —Deutscher Block (Dem.) 3201, — Standesparteien: Beamkenparkei Rückert 9, Veamkengnrppe Kartoffel 334, bayerischer Mikkelskandsbund 32.

Nürnberg.

wtb Nürnberg, 7. April. (Tel.). Das Wahl­ergebnis von 104 Bezirken ist folgendes:

Kommunisten 25 392, Sozialdemokraten 45 321, Unabhängige Sozialdemokraten 307. - Völkischer Block 32 635, — Bayerische Volkspartei 8112. Ehrisklichsoziale Partei 6765, — Nationale Rechte 2191, nationale Lan­despartei 5925, — Deutscher Block (Demokrat.) 5318. — Standesparteien: Veamtenpartei 31, Gruppe Kartoffel 687, Bauern- und RNtkel- siandsbund 7293.

(Siehe auch Letzte Rachrichten.

MMtuno Der iranÄmMentlWL

Alarmnachrichten.

Di« französische Regierung sucht der Bevvlle- rung Frankreichs das Schreckgespenst einer nationalistischen Erhebung Deutsch­land s an die Wand zu malen. Die Pariser Blät­ter berichten eingehend über großzügige Berhaf- tungsakttlmen von Nationalisten, von Haussuchun­gen ufro., die im besetzten Gebiet zurzeit stattfinden.

Zu der Pariser Meldung über Massenhaus- uchungen und Verhaftungen im französifch besetz­ten (Bebtet bemerkt das Wolffdureau: Wenn auch die phantastischen Angaben von hier aus im einzelnen schwer nachzuprüfen sind, kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß es sich hier ebenso wie bä den aufgebauschten und entstellten Berich­ten, die die französische Presse in der letzten Zeit über andere Vorgänge in Deutschland gebracht hat — um französische Tendenznachrichten handelt, die offenkundig dazu bestimmt sind, den Bestrebungen der französischen Politik eine Scheingrundlage zu schaffen.

Die MilltärKonttolle.

Vorläufig keine Stellungnahme der Botschafter- Konferenz.

Die Botfchafterkonferenz hat die deutsche Rote in der Frage der Mlitärkontrolle zur Kenntnis genommen, und nach einem Meinungsaustausch beschlossen, die Aufmerksamkeit der Alliierten auf die deutsche Antwort zu lenken. Rach dem „Temps" ist kein Beschluß gefaßt worden. Der italie­nische Botschafter hat den Verhandlungen nicht beiwohnen können, und der englische Botschafter hatte keine Instruktionen erhalten. Die Verhand­lungen feien vorläufig auf Ende der Woche vertagt worden.

Der „Zehlfchlag".

In einem Interview, das er dem Vertreter des „Westfälischen Volksblatt" gewährte, hat der Reichs­kanzler Marx sehr richtig darauf hingewiefen, daß, wenn die Opposition sage, die bisherige Politik fei ein Fehlschlag gewesen, das nur bei denjeni­gen verfangen könne, die das verhütete größere Üebef nicht zu würdigen wüßten. Der Kanzler wies darauf hin, daß man doch die trüben Erfah­rungen des Jahres 1923 nicht ungenutzt lassen sollte. Damals habe das deutsche Volk einmütig und entschlossen „Rein" gesagt. Aber trotzdem die En­tentestaaten unter sich uneins waren, war dieser Auflehnung der erwartete Erfolg nicht beschieden.

Die Opposition stellt es immer so hin, als ob die sog. Ersüllungspolitik den Feinden zuliebe geschähe. Das ist eine jener vielen sinnlosen Ver­unglimpfungen, mit denen die Rechtsopposition das Ansehen der deutschen, also der eigenen Regierung, nach Kräften vor In- und Ausland in gehässigster und disziplinloser Art systematisch herabzusetzen sucht. In Wirklichkeit geschieht ein Nachgeben, wenn es einmal wirklich geschieht, natürlich nur dem deutschen Volke zuliebe und nur nach sorg­fältigstem Abwägen, welche Konsequenzen immer noch leichter zu tragen wären, die des Annehmens oder des Ablehnens. Die deutsche Regierung macht es sich eben nicht so leicht, wie die Opposition, die ihre „neue" Politik immer eingestandenermaßen mit der rücksichtslosen und leichtfertigen Aufopfe­rung von so und so viel Millionen deutscher Volks- genosien beginnen will. Ihr liegt eben das Wohl und Wehe aller Volksgenossen und nicht nur eines Teiles am Herzen. Daß die Regierung sich niemals der Illusion hingegeben hat, als könnte man durch Nachaeben das Wohlwollen der Sieger erkaufen, braucht nicht weiter bargelegt zu werden. Die Re­gierung dürste über die wahren Absichten der Sn- tenteftaaten immerhin zuverlässigeres Material be­sitzen al» jene Unverantwortlichen, die einfach aus der Tiefe des Gemüts Maßnahmen fordern, deren Tragweite sie nicht entfernt übersehen. Nicht um bas Wohlwollen ber Sieger bonbeit es sich, fonbern um bas Wohlergehen ber Deutschen.

Selbst wenn aber ber „Fehlschlag" wirklich vor­läge, so hat am allerwenigsten bie Opposition das Recht, die Führung aufs neue zu verlangen. Ist etwa die Politik, die die heute oppositionellen Kreise während des Krieges geführt haben, kein Fehlschlag gewesen? Wenn das deutsche Volk nicht so unendlich langmütig wäre, würden die­jenigen, bie jene großen Fehlschläge ber Vorkriegs­zeit unb ber Kriegszeit auf bem Gewiflen haben, schon längst schweigen müssen.

ttulturkämpser Ludendorff.

Der Verband nationalgesinnter Soldaten des deutschvölkischen Offiziersbunbes, der Frontkrieger- bund, der Iungbeutsche Orden und der Schützen- und Wanderbund veranstalteten in München eine Bismarckseier im Vürgerbräiikeller. Lubenborff, dem zu Ehren die Feier veran­staltet wurde, hielt eine Rebe. Er wendet sich darin erneut gegen Marxismus und jüdische Welt­anschauung. „Die andere Gefahr ist die ultra- montane (stürmischer Beifall) mit bem Christen­tum auf der Flagge, aber doch schleichendes Gift."

lieber das Echo, bas feine erste Fanfare gegen den „Ulttamontmiismus" gefunden hat, zeigte sich der Herr General sehr erstaunt. Natürlich hat er nicht bw katholische Religion gemeint, sondern nur die Ultramontanen, wozu aber laut seiner Verteidi­gungsrede gehören der Papst, Kardinal Faulhaber unb das Zentrum.

* Politische Perionennachrichten. An einen Herz­schlag starb in Breslau der sozialdemokratische LandlagSabgeordnele S ch o l t ch imAlter von 64Jahren.

Sie Bewegung Oer ßiWoer.

Verschärfung der Lage. — Der Streik in Süddeutsch land. — Der Finanzminister befürchtet neut Inflation.

Das Reichskabinett befaßte sich am Samstag in längerer Beratung mit dem vorläufigen Verhanblungsergelmis der L o h n r e g e l u n g be der Reichsbahn. Der beabsichtigten Lohnerhö­hung konnte aus währungspolitischen und allgemein wirtschaftlichen Gründen nicht zugesttmmt werden. Auf Grund des neuen Vermittlungsoorschlages, ber den Wünschen der Arbeiter, soweit es die Rücksicht auf die allgemeine Lage irgend gestattet, entgegen­kommt, sollen die Verhandlungen mit den Gewerk­schaften fortgesetzt werden.

Die Blätter melben am Montag, daß bie Lags bei der Reichsbahn im Verlauf ber letzten 24 Stunben eine weitere Verschär­fung erfahren habe. Der Streik breitet sich weiter aus unb hat jetzt auch auf R ü r n b e r g übergegriffen, wo zwei Detriebswerkstätten lahrn- getegt worden find. Ebenso ist der Güterverkehr an der Schweizer Grenze aus der Strecke Weill-Lipolds- hoch nach Basel zum großen Teil durch den Aus­stand der Güterbodenarbeiter unterbunden. In Hamburg sind wertere Betriebswerkstätten außer Tätigkeit gesetzt. Die Blätter teilen weiter mit, daß die Lage sich noch werter dadurch verschärft, daß das Kabinett jetzt auch seine Zusttmmung zu dem neuen Tarifvertrag zwischen bem Reichspostmini- sterium und den Postarbeitern versagt habe.

Die Po starbeiter wollten, rote aus gewerk­schaftlichen Kreisen verlaut«, sich bem Vorgehen der Eisenbahnarbeirer an schließen. Der sozialistische Deutsche Eisendahnerverband hat am Sonntag seinen Hauptbeirat nach Berlin gerufen. An der Tagung nahmen 27 Delegierte der einzelnen Bezirke teil. Der Erste Vorsitzende des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Scheffel, erstattete Bericht über die bisherigen Derhandlimgen 'mit dem Reichs- oerckehrsministerium. Er erklärte, den Hauptwider- ftanb gegen die Lohnregelung leiste das Reichs­finanzministerium. Scheffel drohte damit, daß der Kampf nunmehr auf der ganzen Linie zu erklären sei. In der Aussprache wurde an der Haltung der Regiertmg eine außerordentlich scharfe Kritst geübt und die Stimmung der Eisenbahner im ganzen Reich als Mcherordenilich erregt dar­stellt. In vorgerückter Stunde wurde bie Sitzung auf Montag vertagt. . r..

* Der Staub ber Reichshaupikasse. Bei bei Reichshauptkasse betragen für die Zeit vom 21. bis 31. März die Einzahlungen 179,1 Millionen ©olbmarf, bie Auszahlungen 189,3 Millionen Goldmark, sodaß em Zuschuhbedars von 19,2 Mill. Goldmark vorhanden ist. Für den Monat März ergibt sich folgendes Bild: Einzahlungen 526,8 Millionen Golbmark, Auszahlungen 485,6, mithin Ueberfchuh 41,2 Millionen Golbmark.

= Die italienischen Wahlen. Die Wahlen sind am Sonntag bei fall gleichgültiger Stimmung ber- laufen. De Wahlbeteiligung in Rom belief sich auf runb 40 Prozent. Die Ergebnisse werben mit geringer Neugier erwartet, ba ber faszistiscke Erfolg, dank bem auf die sadistischen 'Larteiintecesien zugea schnittenen Wahlrecht, nicht bezweifelt wird.

Schule und Volksbildung.

= vom Ehilrin-er Schulwesen. Durch eine Rotver- orbnunn be? Polttbildunasministeriumr ist ab 1. April die gesamt« mittlere Schulveitvaltung (Oberschulräte) an den höheren Schulen abgebaut worden. Somit sind fünf Oberschnlräte ihrer Dienstes enthoben.

wirtschaftliche UampfbeWegungen.

--- vor dem Stieben in Hamburg. Die Verhandlungen des ZentratverernS deutscher Reeder mit den seemännischen Berufsverbänden haben ihren Abschluß gefunden. Nach der Einigung der Parteien fällte der Schlichter einen Schiedsspruch, der einen neuen Heuertarif vorsieht, dessen Sätze ab 1. April Gültigkeit haben. Die Voll­versammlung der freigewerkschaftlich organisierten See? teilte hat Dem Schiedsspruch zugestimmt.

fiö$ der rvahlbewegung.

— Vie Lille der Deutschen vslkrpartei. Die Deutsch, BolkSpaitei bat die Listenau stellung für den Reichstag beendet. Don den besonders hervortretenden Mit­gliedern der Deutschen Doikspartei kandidieren in Ost­preußen Reichsminister s. D. Dr. Scholz, in Berlin Prof. Dr. 0adl und Reichsminister a. D. v. Rau­mer, in Egarlottendurg Dr. Stresemann und Herr v. Rarborff, in Potsdam Gouverneur a. D. S^chnee, in Pommer» Dr. Mittelmann, in Breslau Staats­sekretär v. Rheinboben, i» Magdeburg Dr. Rulenkamp, in Halle-Merjedurg $r. Sremer, in Thüringen Mi­nisterpräsident Dr. Leuthäuser, in Schleswig-Holstein Dr. Runkel, in Hamburg Raufmann Dauch, in Biele­feld Syndikus Dr. Hugo, in Heffen-Darmstabt Reichs» wirtschaftSmipister a. D. Dr. Becker, in Röln-Aachen und Roblenz Univ.-Professor Dr. Moldenhauer, in Düsseldorf-Ost Staatssekretär z. D. Remple?, in Düssel- dors-West Cberbüttiermeiitec Dr. Most, in Oberbayern (Generalleutnant v. Schoch, in der Pfalz Geh. Justizrat Dr. Zapf, in Dresden Rkichtminifter a. D. Dr. Heintze uud ix Baden Rechtsanwalt Dr. kurtiuS. sowie der Staatsminister a. D. Dr. Düringer.

-- De» »en btwelrelt*. In Weimar sand bet sechste demokratische Parteitag statt. Die vor bem Tagungklokal angebrachte schwarz-rot-goldene Fahne wurde von Rationalsozialisten heruntergerissen unb vernichtet. — Rach einer Meldung des /Berliner Tage­blattes' iu? Köln hat die dortige Demokratische Par­tei beschlosien, eine Parteizeitung berauszugeben. DaS Blait soll am Dienstag unter dem Titel »Rheinische Volkszeitung' in Köln erscheine».