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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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Nr. SZ.

Verantwortlich lür die Edirirtleunng: Dr. Jobanne» Sramtt. Anreiaen! I. P arretier. Iuida. Rotationrdruck und «erlag der R Fuldaer S'dirrbrutfmi in Fulda. Fernlvrecker Rr- 9. :

BeinaSvre-S fürAvr P Dostbcsiellung 1.8!),Stadtb?»-al.60Mk.

Sonntag, 6. April 1924.

»«»eigen «Preise: Sleinreile (Colonel) lokal 0.16 »oiBmott auSicltti 0,20 Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60, «oldmark

auswärts 0,80 Soldmark. r.

Bei Wlederbo'ungen Rabatt- DolEcheckkonw Rronffnrt a. M 4061

51. Zahrg.

Vie stabile Rentenmarb.

Gegen Alarmgerüchte.

Wie derBerliner Lokalanzeiger" erfährt, hat Freitag abend der Derroaltungsrat der Renten» bank eine Sitzung abgehalten, an der auch Ver­treter der Neichsregierung teilgenom- men haben. Gegenüber den von verschiedenen Sei­ten ausgestreuten Alarmgerüchten über Unter- Höhlungs versuche gegen die Renten- in a r k erklärte das Mitglied des Dsrivaltungsrats her Rentenbank Hillger einem Vertreter des Blattes, daß von irgend welchen Manövern gegen die Ren- tenmart nichts bekannt fei. Die Möglichkeit einer Erschütterung der Rentenmark vom Ausland her bestehe nicht. Die einzige Befürchtung, die man vielleicht hegen könne, liege in einer Hergabe zu großer Kredite, jedoch fei auch in dieser Beziehung die weitestgehende Vorsorge getroffen vorden. Die Rentenmark müsse und werde stabil (em.

Das Volk muß jedenfalls wie ein Mann den au: Erschütterung der Rentenmark hinarbeitenden Schiebern, die mühelos die ehrliche Arbeit ihrer Volksgenossen ausbeuten wollen, die Stirn bieten, tks darf sich keinen abermaligen Dnflationsschwin- bel gefallen lassen. Mit den schärfsten Mitteln müßte der Versuch obgewendet werden.

Kranke Valuten.

Nach einer Meldung aus Brüssel bestätigt die Nation Velge" die vomVinetieme Siede" ver­öffentlichte Nachricht von einer umfangreichen Stützungsaktion zugunsten des bel­gischen Franken. Amerikanische Dah­nen, fügt das Blatt hinzu, werden derSociete Na­tionale de ErZbit 200 Millionen Dollar zur Ver- fügtrng stellen; die schweizerischen Banken würden eine Anleihe von einer Milliarde Franken gswähren, die die Societe Nationale de ErLdit nach Maßgabe des Bedarfs in Anspruch nehmen soll.

8ür -je Nuhrgesangenen.

Ein Appell des Reichskanzlers Dr. Marx.

Reichskanzler Marx gewährte dem Berliner Deotreter derAssociated Preß" eine Unterredung über die Frage der politischen Gefangenen in den besetzten Gebieten, in der er u. a. folgendes aus- führte: Unsere bestimmte Erwartung, daß die erste und 'frivverfrändlichste Folge der Einstellung des Ruhrtampfes die Freilassung der politischen Gefangenen sein würde, ist leider nicht erfüllt worden. Noch jetzt befinden sich etwa 1500 durch alliierte Kriegsgerichte verurteilte Deutsche in Ge­fangenschaft; zu ihnen kommen noch 40 Gefangene hinzu, die nach Frankreich, und 6 Gefangene, die nach Belgien deportiert worden sind. Die oerant- worllichen französischen Stellen nehmen jetztnoch Verhaftungen auf Grund von Handlungen vor, die rein politischen Charakters Find und in die Zeit des Ruhrkampfes fallen.

Ich will hier, fuhr der Reichskanzler fort, auf die rechtliche Seite über die bei diesem ganzen Thema so viel zu sagen wäre, nicht eingehen. Eins muß ich aber betonen: Das ganze deutsche Volk sst durch diese schmachvolle Behandlung unserer Landsleute im tiefsten Innern ver- letzt. Alle diejenigen, die eine Völkerversöh- nung anstreben, sollten sich darüber klar fein, was bas deutsche Volk, das in feiner ganz überroiegen- ben Mehrheit eine friedliche Verständigung wünscht, Noch von der Möglichkeit einer solchen Verständi­gung halten kann, wenn man im Auslande Kritik oaran üben zu müssen glaubt, daß in Deutschland de Strömungen an Kraft gewinnen, die auf eine Wahrung der deutschen Rechte mit den Wittern der Gewalt hinstreben, so sollte man ?abei doch nicht vergessen, daß es undenkbar ist, iouhe Strömungen in die richtige Bahn zu lenken, lo.ange dem deutschen Volk die Erfüllung einer so elementaren Forderung der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, wie es die 'Frei- fassung der Gefangenen ist, versagt bleibt. 'Wh glaube, daß die französische Regierung gut be- rKen wäre und ein starkes Hindernis der von uns erhofften Verständigung beseitigen würde, wenn sie Nch dieser Einsicht nicht länger verschließen wollle.

Aus Paderborn wird gemeldet: Drofessor P l a f f z o t h vom Franziskanerklo st er w Paderborn ist zum Besuch der deutschen gefangenen in Frankreich nach Paris «bgereift. ____________________

Kus dem besetzten Gebiet.

| Au? Elberfelds wird gemeldet: Im No>den Stadt sind französi che Trupp n auf Elberfelder Gebiet vo: gedrungen; sie zogen eine R- ihe von auf --berfelder Gebiet gelegene Häuser in das besetzte ®ebtet ein.

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Nachdem vor einigen Tagen von dem leitenden hvllausichun der Nheinlandkommission eine nurür dibe-e^te Gebiet cüluge Wevuna wegen des Transitverkehrs durch das besetzte Gebiet er, .Jifien war, ist nunmehr auch von der Zolldiicttion j? Rudrgebietes in Düsseldorf eine für da? neu- ,clffc'e Gebiet geltende Regelung de? Transitverkehrs ^"Ichließlich des Verkehrs auf dem R.ein erfolgt.

e * Französisch - amerikanische Abwägung über rVieji. In Pari^ ist e n Abkommen zwischen der '^"Zösischen und amerikonnchen Regtet ung unter- xfchnet worden, das die den Milgliedsüaalen deS ^kerbundes französischerseus in' Ehrten eittge- ^Hinten Bortetle auch auf die Verein'aten l°<uen ausdehntz

politische Prozesse.

Der Mordanschlag aus den Ches der Reichswehr.

In dem Verfahren, gegen Thormann und Dr. Grandel wegen des Attentatplanes gegen General v. Seecft ist der von der Verteidi­gung gestellte Haftentlassungsantrag auch vom Kammergericht als zweiter Instanz abgelehnt wor­den. Nach Abschluß der Voruntersuchung wird nunmehr gegen beide die Anklage fertiggestellt. Wann der Termin der Hauptoerhandlung ist, steht noch nicht fest. Auch ist die Frage, ob die Straf­sache den Staatsgerichtshof oder die öffentlichen Gerichte beschäftigen wird, noch nicht geklärt.

Gegen Dr. Zeigner wegen Landesverrats.

Auf Anordnung des Oberreichsanwalts ist das Verfahren wegen Landesverrats gegen Dr. Zeigner eröffnet worden wegen seiner 'am 7. August im Leipziger Volkshause und am 18. Oktober im säch­sischen Landtag gehaltenen Reden, in denen be­hauptet wurde, daß zwischen der Reichswehr und gewissen rechtsradikalen Geheim- Organisationen enge Beziehungen beständen.

Oberländer.

Das Münchener Volksgericht oerurteitte zwei ehemalige Angehörige des aufgelösten Bundes Oberland, die nach der Auflösung noch Personen in den Bund aufnehmen und mit ihrer Kompanie Geländeübungen und Versammlungen ab­hielten, zu mehrwöchigen Gefängnis- ftrafen mit Bewährungsfrist.

Das Reparationsproblem.

Die Aufnahme des Sachverständigenberichks in Deutschland.

3m Hinblick auf die Aufnahme der Sachverstän­digenberichte in Deutschland schreibt derTernps": Die Rrparationskommission habe zunächst die Pflicht, Deutschland Gehör zu gewähren; aber sie sei nicht verpflichtet, in ihrer Arbeit stecken zu blei» bcn und sie im Stich zu lassen. Im Gegenteil, sie habe die Pflicht, ihre Aufgabe zu vollenden, welche Haltung Deutschland auch einnehmen möge. Selbst wenn die deutsche Regierung es a b l e h n e oder vermiede, sich über die Entschließungen der Sach­verständigen auszusprechen, hätte die Reparatious- kommiffion unverzüglich über diese zu befinden und dann in dem vom Friedensvertrag vorgeschnebenen Verfahren die Gläubigerregieungen damit zu be­fassen. Reichsbankpäsident Dr. Sctzctcht habe der Braunschweiger Landeszeitung erklärt, daß die deutsche Regierung gegenüber dem Bericht der Sach­verständigen volle Handlungsfreiheit be­halte, wobei er gleichzeitig behauptete, daß bereits nächste Woche die Golddiskontbank in Tätigkeit fein würde. Diese Bank könne aber bekanntlich nur gegründet werden und bestehen mit Hilfe umfang« reicher Kredite, die die Bank von England und andere englische Kreditinstitute gewährt. Wie ist es möglich, fragt derTemps", daß Deutschland so erhebliche Kredite in E n g la n d er­hält, wenn es bis 4. Mai nicht zu den Entschließun­gen der Sachverständigen Stellung nimmt uni) sie dann, wenn es ihm gut dünkt, zurückmeisen will?

Die Mitglieder der Reparationskom­mission haben eine nicht offizielle Sitzung abge­halten, um die F o r m a l i t ä t e n zu regeln, unter knien die Sachverständigen ihren Bericht übcr-eid^en sollen. Der Tag der Uebergabe konnte bis jetzt noch nicht bestimmt werden.

Vie Notlage der Bergarbeiter.

Der N.'ichslohlenrat und der Reichskohlenverband befaßten sich angesichts der Notlage, unter welcher der Bergbau und be onderS auch die Bergarbeiter- schaft des Ruhrbezirks aufs schwerste leiden, mit den von der M cttm einerseits und dem B:rgbauvereiii andererseits zur Beurteilung der finanziellen Lage des Ruhrberabaues zuiammengestellien Zahlenma- teriaL Sie kamen einstimmig zu dem Ergebnis, daß die jetzigen Micum-Lasten »niraobar sind, da sie die Veimögenssubstanz der Bergwerke in erschreckender Weise eueren rind die LebenS- bebingungen deS Bergbaues und der Bergarbeiter­schaft zerstören.

Der Reichskohlenrat und der Reichskohlenverband gaben der Erwartung Ausdruck, daß für die Regelung bet Verhältnisse im Ruhrbergbau nach dem 15. 4. eine ung gefunden werde, welche aus dielen un­erträglichen 3'ihäuben herausführt, bevor ein völliger Zusammenbiuch erfolgt.

Botschafter von Hoeffh in Par'S halte Freitag vor- mittag eine längere Unterredung mit Mi­nister Prä siden t Poincare über die Frage, was zu geschehen hat, um einen Zw i schen; u st a n d zwischen dem Ablauf der MicumwNrä ie am 15. April «nh ber endgültigen R gelang herbe znfühien.

Deutsches Keich.

* NeiwSwehr in Weimar. In der Sitzung des Weimarer Gem.indeia s wurde be'chlossen, die'Ver- nage über die Er r ich, ung vonOlsiziers» und Unke rosfizier S woh nun ge n für lie Reichs­wehr zu genehmigen. Damit ist der erste Schritt für die Verwirklich,mg des Planes, Weimar zur ländigen arn ii onsst ad t z r machen, getan.

* Neue Titel. 92,ue Titel hat das preußische Staatsmim lerium eeichafs n. Tie fiänMgen Ver­treter der Oberpräside'ten und ter Regieriings- ) äüdenten fuhren hiernach fo.tan die Bezeichnung Vizepräsident. Die Diriaenten der Abteilung 2 der Regierungen erhalten die Amtsbezeichnung RegierungSdirektor. Die gleiche Amtsbezeichuung erhalten die Lester der Oberversichecunasämler.

Armes deutsches Volk.

Abschreckende Vorgänge im Dahlkampf.

Dohin das deukfchs Volk kommen wird, wenn es sich in zwei radikale Flügel fpaliet und die staaks- und ruheerhalkende Mitte schwächt, zeigen Vorgänge in Frankfurt a. M. Es wird uns gemeldet:

Kiste und Ucmmuaisten i» Kampfe. In einer vom Völkisch-Sozialen Block einberufenen Wählerver- fammluni im Hipedrom, in der der frühere RcichS- t.inSab-eortinete Wulle über da? Thema:We.e rnir Freiheit" sprach, kam es am Schluffe der Diskussion zu Schlägereien zwischen Deutschvölkischen und Kommunisten, in deren Verlaut eS einig« Verletzte gab. Polizei fäubeite schließlich den Saal und stellte die Ruhe wieder her.

wtb Frankfurt a. M., 5. April. (Tel.) Zn den Ausschreitungen in der gestern abend abgehaltenen deutsch-völkischen Dahlversammlung erfahren wir noch, daß dieselben erst nach den Schlußworten des Abgeordneten W u l l e, als bereits ein Teil des Publikums den Saal verlassen hatte, einsetzten. Die im Saal anwesenden Kommunisten stimmten die Internallonale an, was die Völkischen mit dem Absingen des Hohenkrenzliedes beantworteten. Es kam zu lebhaften Auseinandersetzungen. Als von kommunistischer Seite ein Stuhl, offenbar als 2!n- griffszcichcn, nach den Deutfchvölkifchen geworsen wurde, kam es zu wüsten Schlägereien, bei der die Stuhle als Hauptmasse dienten. Etwa 2 0 0 Personen beteiligten sich an der Schläge­rei. plötzlich wurde von kommunistischer Seite nach den Völkischen eine Bombe geworfen, die in den Reihen der letztem explodierte und etwa 8 Per­son e n v e r l e h t e. Die Verletzten wurden größtenteils dem Krankenhause zngeführt. Erst einem Aufgebot von Schutzpolizei gelang es, die Streitenden zu trennen und die Ruhe wiederherzu- stcven. Ein Sprcngstück der Bombe wurde im Saale aufgefunden. Gegenüber einer Zeitungs- meldung muß festgestellt werden, daß weder von der Schutzpolizei noch von anderer Seite geschossen wurde und daß cs der Schutzpolizei gelungen ist, ohne Anwendung besonderen Zwangs das Hippo­drom zu räumen.

Uädmetlskrise in Württemberg.

Rücktritt des Staatspräsidenten.

wtb Stuttgart, 5. April. (Tel.). Jn der heutigen Sitzung des Landtages wurde ein Zcn- frumsanftag, wonach der Vollzug der Verordnung über die Aushebung von 7 Oberamkern und >*r> Landgerichtsamts Hall bis zum 15. 3uni versch m werden soll, mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und der Volkspartei angenommen. Darauf erklärte Staatspräsident Huber für sich und den Finanzminister den Austritt aus der Regierung. Dieser Erklärung schlossen sich später' der Minister des Innern und der Justizminister an. Die nächste Tagung des Landtages findet am Dienstag statt. Auf der Tagesordnung steht die Dahl des Staats­präsidenten.

Patterverbotzriheit.

In seinem Eifer, Wahlgeschäfte zu machen, hat derBorwärts" ganz vergessen, daß die soziali- stischen Parteien den Vorzug des Klassenkampfes für sich allein bis heute in Anspruch nehmen kön­nen. Er beschäftigt sich mit dem Wahlaufruf der Zentrumspartei in dem Sinne, als habe das Zen­trumStatt sich mit beiden Füßen auf ein Pro­gramm des größtmöglichsten Fortschrittes der Ar­beiter rechte und der Sozialpolitik zu stellen"', den nach rechts neigenden Kräften der Industrie und der Landwirtschaftnachgegeben". Uns scheint Sozialpolitik nicht Standesinteresse zu sein, son­dern gerade der Ober gebaute, ber das berechtigte Eigenstreben oller Stände zu einigen hat.

Aus dem Wahlaufruf der Zentrumspartei geht gerade dieser echte sozialpolitische Gesichtspunkt so eindeutig hervor, daß nur ausgesprochen schlechter Wille obige Einseitigkeit daraus machen kann. Dir sozialistische Art, mit Hilfe des Klassenkampfes die berechtigten Interessen der Arbeiterschaft roahrzu- nehmen, hat nur Verwicklungen und Rückschläge bringen können. Gerade di« letzte Zeit des deut­schen Wirtschaftslebens dürfte dargetan hoben, wie alle Stande des deutschen Volkes auf einander an­gewiesen sind. Soll eine Politik, die diese Erkennt­nis zur Richtschnur ihrer weiterer Arbeit macht, eineHauptspitze gegen die Sozialdemokra- t i e statt nach rechts" fein, dann ist derVorwärts" im Recht, wenn er dem Wahlaufruf der Zentrums­partti frisch, fröhlich, frei diese Charakteristik gibt.

Lder stößt er sich etwa an der Erklärung, daß das Zentrum im neuen Reichstag die Frage des noch immer schwebenden Schul gesetzes im ch r i st- l i ch e n Sinne einer endlichen Lösung entgegen­führen wirb? __________

Soziales.

* Ilm die Sor.nfcgjf'ei'igung. Anläßlich der (Ein» führung der achttägigen WeÄelschicht in der Duisburger Jadwin- protestieren die geistlichen Präsi- des der katholischen Arbeitervereine von Groß-Duisburg in einer öffentlitzen Erklärung gegen die dadurch herv^r- gerufene ständige Sonntagsarbeit, die dem Ar- beiier bie Erfüllung feiner religiösen Pflichten unmöglich mache. \>n der Erklärung heißt es, daß n. B. einem Hoch- oiencrrbciter nur fünf bis sechs Sonntage im Jahre frei bleiben.

* Ter Beute! büßt für die wurael. Sieben Matro'en des PassagicroairPfirSMera it c" sind zu je 15 00 Dollar Geldstrafe verurteilt worden, loeil in amerikanischen Gemässe!n in ihrem Besitz aitobolischetLett^'ike vo- 's funken worbe- .

Sie Memsen an SknlWM.

wtb Paris, 5. April. (Tel.) DasOeuvre" glaubt milteilcn zu können, welche Zahlungen di« Sachverständigen für Deutschland festgesetzt hätten. Sie hätten die Zahsirngea nicht nur für die nächsten Jahre, sondern auch föt die gesamte Zah­lungsperiode bestimmt. Lediglich fei es unterlassen worden, die Zahl der Annuitäten fest­zusetzen.

Auf Grund dieses Systems habe Deutschland zu zahlen: im ersten Jahr 1 Milliarde, im zweiten 1 Milliarde 200 Millionen, im dritten 1 Milliarde 500 Millionen, im vierten 2 Milliarden, im fünften 2% Milliarden Goldmark. Vom sechsten Jahr ab werde die Jahreszahlung von 2% Milliarden auf Grund eines Mrtfchafts-Koeffizienten, dessen kom­plizierte Zusammensetzung das Komilee geregelt habe, erhöht werden können. Der Betrag der Zah­lungen solle aus solgenden Quellen fließen:

1) Aus den Einnahmen, 2) aus der gesamten Industrie, 3) aus den Zöllen und 4) aus gewissen Monopolen. Die meisten dieser Einnahmen wer­den unmittelbar an die Vertreter der interalliierten Verwaltungsorgane abgeführt werden.

Iie Naliomllsfeil hübeil und Driften.

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter.

Die französische Presse benutzt krampfhaft jede passende und unpassende Gelegenheit, um bas Ge­spenst derRevanche-Lust Deutschlanbs" an die Wand zu malen und diesem Vorwand die Aufrechterhaltung derPolitik der starken Hand" zu rechtfertigen, von welcher Frankreich nicht Ab­stand zu nehmen geneigt ist. Je-de unbedachte Aeußerung irgend eines Deutschvölkischen Schreiers wird sorgfältig registriert, und jede Radau-Demon­stration dieser unreifen Elemente wird tnumphie- rertb in sämtliche Weltteile gekabelt, um alle Be­wohner des irdischen Planeten vor der angeblichen deutschen Gefahr" gruselig zu machen. So wurde die unliebsame Straßenszene, welche einige deutschvölkische Jünglinge bei der Trauerfeier für den unglücklichen Ruhrmärtyrer Dreyer herauf- beschwvrm hatten, von der französischen Presse sen­sationell aufgobauscht und zum Anlaß genommen, tfm namentlich in England und Amerika eine Stim­mung zu erzeugen, die dem Weiterbestand der fran­zösischen Politik günfHg sein sollte.

Druck erzeugt Gegendruck. Wenn sich die französischen Machchaber an dieses Gesetz, das auch, in der Politik gilt, erinnern wollten, bann müßte, sie ehrlicher Weise zugeben, daß es ohne bie fortge­setzte Politik der Verdemütigungen, die Frankreich, lest Versailles gegenüber dem ohnmächtigen Deutsch­land anwendet, auch nicht sooiele nationalistische Heißsporne in Deutsckstand gäbe, und ein Mann rote Hitler nie einen solchen Zulauf hätte bekommen können. Und es muß mit Genugtuung anerkannt werben, daß es auch in Frankreich vernünftige Kreise gibt,, bie sich ber Einsicht in diesem Zusam­menhang nicht verschließen. So bedauerte ber fran­zösische Abgeorbnete Herriot in der Kammer­sitzung am 3. April offen, daß Frankreich nicht ver­standen ffabe, diedemokratischen und pazifistischen Elemente 'in Deutschland zu ermutigen.Es ist," so führte Heriot wörtlich weiter aus,sehr traurig, daß wir uns jetzt mit der Frag« beschäftigen müssen: Wie wird der Reichstag von Morgen sein? Ich ge­höre zu den Leuten, bie in der Reparationsfrage auch bas moralisch« Element erkennen, und di« es bedauern, daß durch unsere Politik der deutsche Nationalismus großgezogen wurde."

Es ist also ohne weiteres zuzugeben, baß her an- dauernde Versuch ber franzöfilchen Nationalisten, die deutschen Souveräniiätsrechte zu schmälern, den deut­scher' Nationalisten Wasser auf die Mühlen leiten. Aber die Tatsache der französischen Gewallpredigten isi noch lange kein B.weis für die Richtigkeit der Taktik der deutschen Nationalisten. Sehr trcffend betonte dieser Tage der Rcichskanzler Dr. Marx in der Unterholiung mit einem Pressevertreter:

Es tft ja begreiflich, daß aus dem Unmut über die DrangsaUeruns- der deutschen Volkes durch einen Teil unserer ehemaligen Kriegsgegner der Wunsch nach einer Politik der Auflebnung entspringt, ober diese Politik des Irrealen, wie ich ste einmal nennen möchte, würde ins Verderben führen. Jn unserer Machrlosig. keit kann un» nut eine Politik der Gedulo und de» lannfantrn, mühsamenDurchkämpfenS vorwärts bringen.» Angesicksts der ungleichen Machtverteilung ist zur Genüge klar, daß der deutsche Nationalisrnus in seinem poütifchen Feldzug gegen den französischen Nationalismus von vorrcherein zur Niederlage ver­urteilt ist. Eine wahrhaft nationale Politik treibt m Deutschland derzeit nur derjenige, ber sich bei all seinem Tun darauf besinnt, daß Politik bie Kunst bcs Möglichen ist. Die deutschen Nationalisten freveln in unverantwortlicher Weise gegen das Wohl des deutschen Volkes, wenn sie ihm oorgau- kein, baß uns eine Politik starker Worte aus dem Labyrinth herausführen könnte. Denn Frankreich ist bei feinem politischen, biplomatischen und militä­rischen Machwerhältnissen stets in ber Lage, dieser -Politik starker Worte" sofort einePoti- t i k ber starken Hand" enlgegenzustellcn und lauert nur darauf, bie Torheiten deutschvölkischsr Nationalisten biesem Plane dienstbar machen zu können. ,

* Oesterreich vnd Deutschland. AnkangS nächster Woche werden die HandelSvertragSverhand« lungen zwischen Deutschland und Oesterreich in Wien beginnen. Die deut che Delegation für diese Verhandlungen wirb un er Führung deS Ministerial- direktors im Answäriigen Amt, Wirkl. Geb. Sega- t lonoot v. Ctvühammer am 7. April in Wien