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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
51. Zahrg
Samstag, 5. flptit 1924
Nr. 82
Sie-
Abschluß der Pariser Kammer-Debatte.
Mit 408 gegen 151 Stimmen hat die Kammer ttute Nacht gegen 11 Uhr die Interpellationsdebatte über die Annahme einer von dem Aba. Adolf Cheron ririgebrachten Tagesordnung abgeschlossen, in der sie tie ministerielle Erklärung billigt und ihr Vertrauen der Augen Reparations- und Sicherheitspoliti! der Regierung ausspricht.
ken kann also keine Rede sein. Auf und ab! berkurve!
«erlmtwortli» 16t die Schriitleitmig: Dr. Jobanner Stattet. Anzeige«: 3- $ arzeller, Fulda. Rotationsdruck und «erlag der s Fuldaer «ctieudruckerei in Fulda. Fernivreeber Rr- 9. s Bezugspreis für Avril: Postbestellung 1.80, Stadtberug 1.50 Mk.
Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht empfing den Chefredakteur der „Braunschweigischen Staats- Zeitung" zu einer Unterredung über die Besprechungen, die er in Paris mit dem Sachverständigen- kvmfiee in der vergangenen Woche gepflogen hatte. Er erklärte dabei: Sür die Aufrechterhaltung der Markstabilisierung seien die Alkssichten die denkbar g ü n ft i g ft e n.
Sie können auch anders!
Zum Wahlkampf macht man wieder die Beo- bachtuna, daß die sozia li st i scheu Agitatoren d a s Christentum als arbeitet« und kulturfeindlich hinstellen. Der vorwärts' kann seine Freude über die Absplitterungsversuche der christlichsozialen Volksgemeinschaft kaum verbergen. Daß er das zur selben Zeit fertig bringt, wo die Absplltte- rungen in den führenden Kreisen der Sozialdemo« kraiilchen Partei wie auch in ihren gewerkschaftlichen Massen falt nicht mehr zu übersehen sind, kennzeichnet den Geschmack, der beim ,Vorwärts' herrscht. Bekannt ist, daß man unter der roten Herrschaft in Sachsen das Gebet in der Schule untersagte und Ellern mit Strafen bedrohte, wenn sie ihr Kinder an kirchlichen Feiertagen vom Unterricht fernhalten würden. Ein gutes Schlaglicht auf den sozialistischen Begriff von religiöser Toleranz wirft auch, was das Aachener sozialdemokratische Organ, die freie Presse im Jahre 1920 vom Schulkompro- miß sagte. Es nannte dasselbe, eine „üble Errungenschaft der Koalitionsregierung" und verflieg sich zu dem Satze „die Religionsstunden waren fast stets Eltern und Kindern gleiche Greuel". Wer nun noch auf die wirtschaftlichen Bocksprünge der roten Wahlagitation hereinsällt und gemäß dem Wunsche der Vorwärts-Leute die Kultur-Grundlage unserer Staatspolitik für eine Frage zweiter Ordnung hält, muß schon vernagelt sein. Das dürften die Agitatoren der christlich-sozialen Volksgemeinschaft recht bald am eigenen Leibe erfahren.
Die sozialistischen Agitatoren aber wollen wir in die Schule ihres Parteifreundes, des früheren Justiz- Ministers Dr. Radbruch schicken, der einmal ein sehr schönes Buch über den Sozialismus als Kulturbewegung geschrieben hat. Man kann aus ihm lernen, daß der Sozialismus, wenn er überhaupt Kultur- bewegung sein will, eben christlich sein muß. Dr. Radbruch schreibt über Religion und religiöse Erziehung unter anderem:
„Eine so gewaltige Geistesmacht, wie die Religion, kann in der Erziehung auch des künftigen Geschlechts nicht totgeschwiegen werden. Aus Gründen unserer religiösen Vergangenheit sowohl wie aus Gründen unserer religiösen Zukunft . . . , denn unsere Kultur ist ohne das Christentum garnicht verständlich. Eine Jugend, deren Verständnis nicht durch die Religion aufgeschloffen wäre, würde von den besten Gütern unserer Kultur losgerissen, würde von den noch christlich gesinnten Volksgenossen durch eine tiefere Kluft geschieden werden, als sie zum Unheil unserer Nation Protestanten und Katholiken scheidet. Wir, die wir noch alle mehr oder weniger religiös erzogen sind, vermögen sie uns garnicht tief genug vorzustellen".
So schreibt man außerhalb der sozialistischen Wahlbewegung, so hetzt man, sobald es gilt, für den verfahrenen sozialistischen Parteikarren Dumme zu gewinnen. Am Wahltag wird für den christlichnationalen Staatsbürger Gelegenheit fein, der sozialistischen Zungenfertigkeit die einzig mögliche Antwort zu erteilen.
«nreigen-Preiier Äleinieile «Colonel) total 0.15 »olbmart auswärts 0,20 (Solbmart: St e 11 am ei eile total 0,60, »oldmark :: auswärts 0,80 Goldmart. r.
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Kus der wahlbeweanng.
— Die Reichsiagskandidalen der Zentrumspartei im Freistaat Hessen sind: 1. Rechtsanwalt Dr. Bockius, Mainz; 2. Landtagsabgeordneter Regierungsrat Knoll, Darmstadt; 3. Bürgermeister Mobs, Landwirt Nieder- mörlen; 4. Frau Landtagsabgeordnete Prof. Hatte- mer, Darmstadt.
— 3m Wahlkreis Eichsfeld-Thüringen find vom Zentrum folgende Kandidaten ausgestellt: Rcichspostminister Dr. S) ö f I e, Berlin; Landuyt Wand, Amtsvorfteher, Breitenworbis; Lehrer Dietrich, Mitglied des preußischen Landtags, Halle a. S.; Kaufmann Wirtz, Stadt- verordneter, Halberstadt; Fräul. Sommer, Eisenach; Gewsrkschaftssekretär Hülsmann, Heilägenstadt.
— Drofiedng der deutschen Devisenb-darfr. Die Voss. 8b. hört, daß die erhöhte Devisenzuteilung für Getreideimporte ins besetzte Gebiet aut gehoben worden sei, da die Versorgung des besetzten Gebiets mit importiertem Getreide fürs erste sichergesteltt sei.
Arbeitsbeginn der Golddiskontdank.
Rach einer Aeußerung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht beginnt die Golddiskontbank bereits im Laufe der nächsten Woche ihre Tätigkeit. Man hat, rein bürokratisch gesehen, ihre Arbeit insofern erleichtert, daß man sieimGebäudeder Reichsbank in Berlin untergebracht und als eine Goldabteilung der Reichsbank organisiert hat.
Bekanntlich wurde die Golddiskontbank in erster Linie begründet, um der deutschen Wirtschaft, soweit sie kreditfähig ist, die notwendigen Kredite zu verschaffen. Damit soll auch nach den Plänen Dr. Schachts zweierlei erzielt werden, einmal, daß die Industrie sich mit ausländischen Rohstoffen hinreichend versehen kann und so wieder langsam und dauernd in Fluß kommt, des weiteren aber, daß die deutsche Wirtschaft keine Devisen mehr zu erstehen braucht und so der Inflation ein mächtiger Riegel vorgeschoben wird. In erster Linie sollen deshalb auch die Industrien Berücksichtigung finden, die ausländische Rohstoffe für den Export weiter verarbeiten. Auf diese Weise würden als Gegenleistung automatisch Devisen nach Deutschland hereinkommen und nicht nur die Rückzahlung der Kredite selbst gewissermaßen doppelt gesichert sein, sondern auch der inländische Devisenmarkt, der zur Zeit wieder bei den hoben Repartierungen eine gewisse Nervosität zeigt, große Beruhigung erfahren.
Die Golddiskontbank selbst, das haben wir wiederholt ausgeführt, gilt als Zwischenstufe und wird ton der Goldwährungsbank, die nach den Plänen der Sachverständigen ebenfalls zum größten Teil auf ausländisches Kapital aufgebaut werden soll, späterhin sozusagen aufgesogen werden. Bis zur Gxündung dieser Goldwährungsbank hätte es aber noch langer Zeit bedurft. Um so mehr ist der Plan Dr. Schachts und fein tatkräftiges Durchsetzen im Interesse nicht nur der Wirtschaft selbst, sondern auch der Stabilisierung der Mark und damit der gesamten inneren Beruhigung Deuffchlands dankbar anzuerkennen.
Keberkurve des Kanten.
In der letzten Zeit wurde der französische Franken mit stark steigendem Kurse gemeldet. Rach einer neuen Meldung des „Berl. Lokalcmz." ist am Donnerstag an der Pariser Börse ein neuer Frankenrückgang eingetreten. Der Kurs für ein Pfund Sterling, der am Vormittag auf 71,90 stand, ist bis 3 Uhr nachmittags auf 74,70 gestiegen. Zu- rückgeführt wird diese neue Frankenbaisse auf den Wochenbericht der Bank von Frankreich, der eine Vermehrung des Banknotenumlaufs in der vergangenen Woche um rund 264 Millionen Franks aufweist. Auch an der Newyorker Börse ist der Franken zurückgegangen. Er notierte 5,8 Cents.
Von einer wirklichen Gesundung des Fran-
Zentrum in Bayern.
Die Bayerische Volkspartei erzwingt eine neue Taktik des Zentrums.
Wie berichtet, ist jetzt die Aufstellung besonderer Zentrumskandidaturen m Bayern von der Parteileitung angeordnet worden. Die Parteileitung war zu diesem Emschluß gezwungen. Wer Gelegenheit hatte, die Zeitungen der Bayerischen Bolksparter, z. B. den Beobachter am Main (Ajchaffenbnrg), zu lesen, ist durch diese Entwicklung nicht überragt worden. Die „Germania" schreibt zu der neuen Lage:
In weiten Kreisen des katholischen deutschen Volkes wird man es gewiß bedauern, daß es nur zu dem B r u- derkampf zwischen der Zentrumspartei des Reiches und der Bayerischen Bolkspartei kommen muß. Aber dieser Kampf läßt sich nicht mehr vermeiden, er ist eine unweigerliche Notwendigkeit geworden. Die Zentrumspartei kann mit ruhigem Gewissen behaupten, daß sie selbst nicht daran schuld ist, wenn sich die Singe so weit entwickelt haben. Im Gegenteil, in roeiten Kreisen der Zentrumspartei hat man schon seit langer Zeit mit allem Nachdruck die Forderung vertreten, die vornehme und geduldige Nachsicht gegenüber der Bayerischen Volks- partei äufzugeben und endlich das zu tun, was gegenüber dem Reiche eine unbebingte Pflicht fei. Auch in Bayern selbst sühe man der Politik, welche die Bayerische Bolkspartei nach der Auflösung ihrer Arbeitsgemeinschaft mit dem Reichszentrum begonnen habe, mit steigendem Mißtrauen und wachsender Verärgerung zu; fei es doch außerordentlich bezeichnend, daß sich gerade in Bayern, vornehmlich auf katholischem Boden, eine neue Partei auftun könne, deren politische Betätigung in bewußtem Gegensätze zu der Bayerischen Bolkspartei stände, die sich aber mit dem Reichszentrum sehr verwandt sühle. Die Zentrumspartei hat solchem Drängen aus den eigenen Reihen und mich von bayerischer Seite her bisher nicht nachgegeben, weil sie sich der Hoffnung hingab, die Bayern würden das Versehlte ihrer Politik einsehen und aus sich heraus bald wieder den Anschluß an das Reichszentrum suchen. Diese Hoffnung war insofern nicht unberechtigt, als wiederholt bei be« sonderen Gelegenheiten von führender Stelle der Boye- rischen Volkspattei ebenfalls dem Wunsche und der Zu. verficht Ausdruck gegeben wurde, daß sich die getrennten Brüder bald wieder zusammenfinden würden. Erinnert sei nur an die verheißungsvollen Worte des Prälaten Dr. Leicht bei der Feier des 70jährigen Geburtstages des Vizepräsidenten Dr. Porsch im Preußischen Landtag. Solche Erwartungen haben die Zentrumspartei bisher abgehalten, alle Brücken abzubrechen. Diese Geduld ist ihr sicher nicht leicht gefallen, denn die bayerische Politik seit der Dr. Heimjchen Sezession war eine fortwährende Durchkreuzung der von der Zentrumspartei vorwiegend bestimmten Reichspolitik. Die Bayerische Bolkspattei war immer mehr zu einem Anhängsel der Deuffchriationalen Bolkspattei geworden und wenn sie sich auch zuweilen bemühte, sich in ihrer politischen Haltung von dieser abzuheben, so blieb diese Abweichung doch nur von gradueller Bedeutung und lief letzten Endes daraus hinaus, die deutschnationale Opposition zu verstärken und nicht nur den Kredit der Zentrumspartei zu untergraben, sondern auch die vornehmlich von der Zentrumspartei repräsentierte Staatsautorität zu schwächen. Es ist die besondere Schuld der Bayerischen Bolkspartei, wenn sich in München das Zentrum aller rechtsradikalen hochverräterischen Bestrebungen bilden konnte. Heute möchte sie zwar diese Geister des Hochverrats wieder gerne loswerden, weil sie sich auch als Gegner der Bayerischen Sonderbcstrebungen entpuppt haben. Aber das kann nichts banan ändern, daß sie diese hochverräterischen Bestrebungen in grober Fahrläffigkeit großwerden ließ, daß sie mit Schuld daran trägt, wenn der Bestand des Reiches und sein Ansehen nach außen außerordentlich gefährdet worden ist.
Aber diese Asylgewährung an die Urheber und Mit- verbrecher des Kapp-Putsches war nur eine Begleiterscheinung, eine Frucht der bösen partikulariftischen Politik, welche von der Bayerischen Bolkspattei seit ihrer Sezession eingeschlagen wurde. Die Zentrumspartei kann nicht mehr länger geduldig zusehen, wie die Bayerische Bolkspattei mit ihrer Politik, die in dem Grundsatz gipfelt: „Bayern den Sagern!” den Reichs- gedanken weiter schädigt. Die Zentrumspartei ist immer für einen organischen Föderalismus gewesen, nie aber für einen „Föderalismus”, der das Reich, im günstigsten Falle, zu einer Dienstmagd Bayerns herabwürdigt, wie es von der Bayerischen Bolkspartei ohne Zweifel ge- wollt wird. Die „Denkschrift der bayerischen Staatsregierung über die föderalistische Revision der Weimarer Vevfassimg”, die am 4. Januar der Reichsregierung übergeben wurde, und für die die bayerische Volkspartei die HauptvWantwottung trägt, enthält Forderungen, die die Zennimspartei nicht nur aus Gründen der Erhaltung des Reiches, sondern auch aus kulturpolitischen Bedenken mit aller Entschiedenheit ablehneu muß. Aber gerade diese Denkschrift wird heute von der Bayenschen Volkspartei zum Leitmotiv des Wahlkampfes gemacht, wie aus einem ihrer Flugblätter, das am 15. März mit den Unterschriften der Ab- geordneten Speck und Held, also des Landesvorftan- des der Bayerischen Bolkspattei, versehen sind, hervorgeht. lieber die Unmöglichkeit einer Zustimmung des Zentrums zu den Grundsätzen jener Denkschrift ist die Bayerische Dolksparlei niemals im Unklaren gelassen worden.
Die Bayerische Bolkspartei HM von ihrer Wesensverwandtschaft mit der Zentrumspartei außerordentlich viel verloren, als sie in ihren Reihen Männer hochkommen ließ, die mit dem Grundgedanken und dem Geiste der Zentrumspartei, wie er seit Windthorsts Zeiten in ihr lebendig geblieben ist, nicht die g e r i ng ft e innerliche Verwandtschaft haben. Innerhalb der Bayerischen Bolkspartei haben Kräfte Einfluß gewonnen, die vor der November-Revolution 1918 int liberalkonservativen Lager standen, und die ihre Haupttätigkcit darauf anlegten, die bayenschen Katholiken und früheren Zentrumsleutr dem Reichszentrum zu entfremden. Die Bayerische Bolkspartei ist ja bekanntlich schon vor der Revolution im November 1918 als neue Partei von den Herren Dr. Heim und Dr. Schlittenbauer konzipiert worden, und zwar als eine Partei, die aus allen Lagern außerhalb der Sozialdemokratie die christlichen Elemente vereinigen sollte, um unter Abstreifung der früheren Parteisorrn den So- ziallsmus zu bekämpfen und den Stammesgedanken zu pflegen. Sie alle Bayerisch- Zentrumspattei hat am 15. November 1918 in München das Programm dieser neuen „Bayenschen Bolkspartei” angenommen. Ihre vorübergehende Arbeitsgemeinschaft mit dem Reichszentrum in der Nationalversammlung wäre infolge dieses besonderen Charakters der neuen Bayerischen Volksvar-
Rußland und China.
Der Kamps um die Probleme des fernen Ostens.
Nach einer Havasmeldung aus Peking erklärte der chinesische Außenminister in Erwiderung auf das Memorandum der sowjetrussischen Gesandtschaft, daß die chinesische Regierung geneigt sei, den Entwurf des chinesischen Abkommens zu unterzeichnen, falls folgende Aenderungen vorgenommen werden:
1. Das Abkommen müsse den beiderseitigen Verzicht auf die mit Dritten geschloffenen Verträge und Abkommen ausdrücken, die die Interessen der Gegenwart berühren.
2. Hinsichtlich derRäumungder M o n g o- l e i durch die sowjetrussischen Truppen müsse Rußland bestimmtere Verpflichtungen eingehen; sie dürfe nicht von Bedingungen abhängig gemacht werden, wenn auch die Einzelheiten der Räumung später ausgemacht werden könnten.
3. Die Frage der russischen Kirchengüter müsse in der Schwebe bleiben bis normale Beziehungen hergestellt seien, weil China noch nicht sämtliche Informationen in Bezug auf diese Güter besitze.
vor -er bayerischen Landtagswahl.
359 Kandidaten.
Nach den Bekenntmachungen der Wahllisten im rechtsrheinischen Bayern haben i’m ganzen 13 Parteien 359 Kandidaten für die Landtagswehlen am 6. April aufgestellt. Davon sind' 112 Staats- oder Gemeindebeamte. Die Zahl der werblichen Kandidaten beläuft sich auf 12.
Disziplinarverfahren.
Es bestätigt sich, daß die Kreisregierung in Oberbayern gegen P ö h n e r und Frick die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beantragt.
wirtschaftliche Rampsbewegnngen.
za. W Stteiftiaoe in Hamburg. Die im Schiffahtts- "und vereinigten linksradtkalen Seeleute legten ^chdem ein größerer Teil die Schiffe schon am Vortage Zerlassen hatte, die Arbeit nieder. Als Grund für ®en Streik wird hie Verweigerung gewisser Vergünsti» tongen aus dem Manteltarif, tote die Bekämpfung des ^reiwachensystems durch die Reeder angeführt — Auf Anforderung der Hamburger und preußischen Regierungs- Mäen ist die technische Nothilfe zur Erledigung
Rotstandsarbenen auf den Güterüabnhöfen der *if«Sahn eingesetzt worös»
Um die Arbeitslöhne.
Dor der Einigung über die Eisenbahner-Löhne.
Die Verhandlungen zwischen dem Reichsver- «hrsministerium und den Spitzengewerkschaften lber den Lohntaris und die Lohnhöhe sind unter tetn Vorsitz des Reichsverkehrsministers Oefer fort- worden. Sie wurden soweit gefördert, daß pt einem günstigen Abschluß zu rechnen ist. dazu noch mitgeteilt werden kann, wurde eine Zulage im Durchschnitt von 1 5 P ro z. vereinbart. Außerdem erklärten sich die Patteien itrit Aenderungen an verschiedenen sozialen Bestimmungen des Tarifvertrages einverstanden. Die Serembarungen unterliegen noch der Zustimmung fcs Reichskabinetts.
Die Buchdrucker.
Während die Arbeitgeber den Schieds- ^pturl} im Buchdruckgswerbe, der einen Spitzenlohn pon 30 Goldmark vorsieht, angenommen haben, haben ihn die O r g a n i sa ti o n s v ertre- ter der Buchdrucker einstimmig abgelehnt. Sie teharren auf ihrer Forderung nach Zahlung eines Wochenlohnes von 35 Mark. Die Arbeitgeber werden wahrscheinlich nunmehr die Verbindlich- keitserklärung des Schiedsspruches beantragen, worüber dann weitere Verhandlungen iwt- wendig wären. Der fofortige Ausbruch eines Kampfes im Berliner Bnchdruckgewerbe ist daher noch nicht zu befürchten.
3n Oberfchlesien.
Die Streikbewegung der Bergarbeiter Polni fch-O b erfch lefiens kann als zu- i-amme nge b r oche n bezeichnet werden. Ein «euer Streik fft im Dombrowaer Bergrevier «sgebrochen, doch handelt es sich nicht Um einen Sympathiestreik, sondern um eine völlig selbständige Streikbewegung, weil die dortigen Arbeitgeber, wider „Overschlesifche Kurier" berichtet, eigenmächtig einen zmvlfprozentigen Lohnabbau vorgenommen haben sollen.
Mahnruf vom Rhein!
Aus dem besetzten Gebiet wird uns geschrieben:
Die Neuwahlen zum Reichstag machen sich auch an Rhein und Ruhr bereits bemerkbar. Der Wahlkampf hat eingesetzt. Hefter den Verlauf der Wahl- bswegung kann natürlich in diesem Augenblick Endgültiges noch nicht gesagt werden. Eine Hoffnung darf 'man aber laut werden lassen: Daß nämlich bei allen Meinungsverschiedenheiten der Parteien das Einigende nicht vergessen wird. Man wird im besetzten Gebet nicht vergessen, daß die Wahlen unter den Augen der Franzosen stattfinden. Aus diesem Grunde vornehmlich wird man den Besatzungstruppen kein Bild der inneren Zerrissenheit Deutschlands twrführen. In Bonn haben sich die meisten Parteien dahin geeinigt, den Wahlkampf durchaus sachlich ju führen. Auf der Tagung her rheinisch-westfälischen Presse in Hagen hat der Oberpräsident Grenowski gleichfalls ein Uebereinfom'mcn nach dieser Richtung hin angeregt. Es fft zu hoffen, daß auch dieses lieberem* kommen zustandekommt, um so mehr als der Reichs- ’mrnifter Jarres, ebenfalls ein Sohn des besetzten Gebiets, auch darauf hingewiefen hat, daß wir uns um Selbstv erst ändli chkerten willen die Köpfe nicht entzwei schlagen.
Im besetzten Gebiet liegen ja die Dinge so, daß der Radikalismus hier niemals eine Keimstätte gesunden hat. Gleichfalls ist mit einem Maulheldentum dott nicht viel anzufangen, wo es täglich gilt, die wahre Vaterlandsliebe durch die Tat zu beweisen. Parteien gibt es auch an Rhein und Ruhr und folglich wird es auch Parteikämpfe geben. Parteikärnpfe sind an sich durchaus nichts Unehren- haftes, wenn es sich dabei um die großen Welt- an sch auu n g s fra g e n und um die politischen Fragen handelt. Diese Fragen können aber in einer Weife geklärt werden, ohne daß der Standpunkt des Gegners verhöhnt und ohne daß der Gegner selbst bekämpft wird. Im Rheinland selbst wird der Wahlkampf nur von den großen politischen Patteien ausgefochten werden und wenn 'man im besetzten Gebiet etwas nicht verstehen kann, so ist es die Tatsache, daß sich im unbesetzten Gebier so an die dreißig Patteien und Patteigruppen gebildet haben, von denen die allermeisten ohne Existenzberechtigung sind. Die Manner in den besetzten Gebieten sind auf ihr Verhalten nicht etwa stolz, sondern sie betrachten es als eine Selbstverständlichkeit. Der ungeheure Druck, der fett Jahren aus dem Rheinland lastet, hat die Einheit der Rheinländer nur verstärken können. In diesem Sinne war der französische Druck ein Teil von jener Kraff, die das Böse wollte, aber das Gute geschafft hat. Wenn so die Machtmittel der französischen Politik eine harte, aber doch eine politische Schule waren, so sollte man doch eigentlich hoffen, daß das mibe- setzle Gebiet auch die entsprechenden Lehren daraus zieht. Die Männer von Rhein, Ruhr und Saar nehmen von allen deutschen Volksgenossen im un- besttzten Gebiet ohne weiteres tm, daß alle, ohne Ausnahme, bestrebt sind, mitzuhelfen an der Befreiung der Länder, auf denen jetzt noch die Last der fremden Besatzung richt.
Die Bewohner des besetzten Gebiets würden es nicht verstehen können, wenn im unbesetzten Gebiet gewisse Parteien andere Parteien bezichtigen wollten, daß sie nicht an ihrem Teil das Beste für die Freiheit des besetzten Gebietes zu leisten gewillt sind. Das besetzte Gebiet fft sich in seinen Gruud- ftagen, den Fragen feiner eigenen Zukunft, einig und will einig bleiben. Ein Wahlkampf im unbesetzten Gebiet, der sich an diese Voraussetzung nicht hielt, würde im unbesetzten Gebiet nicht verstanden werden, und dann könnte die Gefahr bestehen, daß zwar nicht die Denkweise im besetzten Gebiet ge» ändert würde, wohl aber könnte der Zusammenhang zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet gelockert, könnte das innere Verstehen geschädigt werden durch Schwierigkeiten, die unsinnig und unpolitisch sind. Das unbesetzte Gebet will sich nicht zum Lehrmeister des unbesetzten Gebiets ausspielen und doch erscheint es andererseits nötig, daß angesichts des kommenden 4. Mai aus diese wahrhaft nationale Forderung hingewiesen wird. Der Ruf des besetzten Gebiets an das unbesetzte Gebiet lautet daher: Vergessen wir nicht, daß wir alle K i n- dereines Volkes find, daß wir alle das Beste für unser Volk wollen, daß wir alle unser deutsches Vaterland lieben und im Unglück nur erst recht!
So will auch der Ausruf der rheinischen Verbände verstanden fein, dessen Schlußsätze lauten: Die Leiden des Rheins rufen Euch, seid einig! Drängt das zurück, was Euch verbittett und vergiftet und haltet Euch vor Augen, daß auch der Wahlkampf nur dem Zwecke dienen darf, dem deutschen Volk den Weg zu öffnen, auf dem es frei zu werden vermag, mit allen feinen Gliedern. Unser fft das Land am Rhein, Mosel, Saar und Ruhr, und unser soll es bleibenl