M 81.
Steil«8, 4. April 1924.
* Fuldaer Heilung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Aetieavruckerei tu Fulda
WerbeaM«tz derZenlruniMlei.
Freitag, abend 8 Uhr, Sitzung des
Mm Kmiteer.
Bericht über den Paderborner Kursus für Wahl» redner. Nähere Festsetzung der Wahlversammlungen. Weitere Mitarbeiter herzlich willkommen.
Die Parteileitung.
ftus dem Nachbargemet.
' ä Marbach (Str. Fulda). Am Montag mit der Predigt und dem Seelenamt für die Verstorbenen der Pfarrei und der Weihe des Msstonskreuzes schloß die vier- zehntägige Mission. Me beiden Jesuiten- Patres Ludwig und Blümel bekamen durch überaus zahlreichen Besuch der Predigten und den eifrigen Empfang der hl. Sakramente einen Begriff von dem lebendig pulsierenden resigiösen Leben. Da die Witterung in der ersten Woche günstig war und der Vollmond den von der Abendpredigt Heimwallenden den Weg tagshell erleuchtet, war besonders diese Predigt sehr stark besucht. Trotzdem konnte die Menge die neue Kirche nicht füllen. In der Ansetzung der Abendpredigt war besonders auf
Arbeiter Rücksicht genommen, so daß die mit dem letzten Auge Heimkehren'.en dieselbe besuchen konnten. In der zweiten Woche ging Pater Lvdwig je zwei Tage auf die Filialen, wo je vier Pediqten gehalten wurden und zwar in Bernhards, Dammersbach und Rückers. An dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden, reich mit Bildern geschnitzten Mffsionskrruz wurde ein von der Firma Bellinger Fulda gratis hergestelltes Emaillefchild mit der Jahreszahl der Mission angebracht. Möge das neue Leben in der neuen Kirche zu immer gnadenreiche- rer Entfaltung kommen. Die Vortragsweise der Jefuien-Patnes war einfach, anschaulich, packend und zeitgemäß und gefiel allgemein.
— Hünfeld. Herr Kanzleisekretär Büttner, der feit 46 Jahren beim hiesigen Amtsgericht tätig war, ist am 1. April in den Ruhestand versetzt worden.
--Limburg. Das Befinden des Hochw. Herrn Bischofs, der an Lungenentzündung erkrankt war, hat sich jetzt gebessert, daß auf eine baldige Genesung gehofft werden kann.
— Würzburg. Die beiden Brüder Krause in Veitshöchheim gerieten wegen einer Nachlaßsache in Streit, in deren Verlauf der jüngere einen Schuß auf den älteren Bruder abgab, der diesen so schwer verletzte, daß er nach wenigen Minuten starb. ____________
Uns Oberhessen und den hessischen Aenttern.
# Ziegenhain. Mit dem 1. April trat ©traf» anstaltsoorsteher Stöbener in den Ruhestand. Zum erstenmal geht von der hiesigen Anstalt ein Vorstecher in Pension. Er war als Mensch wie als Beamter wohlgelitten und beliebt. Die Leitung der hiesigen Strafanstalten hat Oberinspektor Passarge vom Gefängnis Anrath bei Krefeld übernommen. — Ebenso ist in den Ruhestand gereten Gerichtsvollzieher Thomas, der feit 1910 beim hiesigen Amtsgericht beschäftigt war. Die Gerichtsvollzieherstelle dahier wird vorerst nicht wieder besetzt und die Dienstgeschüste vom Gerichtsvollzieher in Treysa wahrgenoinrnm. •
Kunft und Literatur.
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Sine Märtyrerin der pflicht.
69] ----------
Die letzten Worte feiner Tochter klärten Simonnet endlich auf. Die Bitte, die sie enthielten, hatte auch Frau Regnard kurz vor ihrem Tode an ihn gerichtet, ohne daß er ihre Bedeutung begriffen hätte. Nun glaubte er sich Wer Ursache und Veranlafsimg im klaren zu jein und damit wurden alle feine Kombinationen über den Haufen geworfen. Doch wollte er sich wenigstens überzeugen, daß er sich nicht täusche und angswoll fragte er:
.Wenn ich dir diese Erlaubnis gebe, was willst du mit deinem Eigentum eigenllich anfangen?*
„3d; will trachten, das von dir geübte Unrecht gut zu machen, soweit dies möglich ist.*
„Das heißt, du willst die Summen zurückerstatten, die ich von meinen Schuldnern erhallen habe?"
„Nur jene, die du von Rechtswegen nicht fordern tiurfteft*
„Das wäre so viel, als würdest du einräumen, ich hätte sie gestohlen.*
Die Leute, denen das Geld auf diese Weise zurück- erftaüot wird, werden nicht im Traume daran denken, eine Anklage gegen dich zu erheben*
„Du würdest alles verlieren, was du besitzest*
„Ich gäbe alles mit Freuden hin.*
„Du besäßest keine Mitgift, wenigstens nicht vor meinem Tode.*
„Ich brauche keine Mitgift, da ich niemals heiraten werde.*
Er drang nicht weiter in sie, ein wenig außer Fassung gebracht in ch die Festigkeit amd Entschiedenheit, die Gilberte seinen Argumenten eirtgegenfetzte. Zudem spielte sch in seiner Seele gegenwärtig ein erbitterter Kampf ab zwischen seiner Habgier und dem sich immer gebieterischer regenden Bedürfnis, sich der Liebe feiner Tochter für immer zu versichern, indem er ihrem Verlangen nachgab. Mit eiyemmale hatte er feinen Entschluß gefaßt.
.Was du da tun willst hat noch niemand getan, una ich fn-chte, man wird sich allenthalben über uns lustig machen. Ich will mich indessen ruhig dem Spotte mei-
Gottesdlenftordnung.
Freitag, 4. April. (Herz-Jesu-Freitag.) Frauenberg. 12 stündige Aussetzung des Allerheiligsten. — Dom. Nachm. 5 Uhr Herz-Jesu-Andacht.
Frankfurter Dürfe.
Die Halterungen c erflehen sich in Billionen Prozent.
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ner Kameraden aussetzen, wenn du mir als Preis für meine Fügsamkeit all deine Liebe und Zärtlichkeit wieder zmvendsn willst."
„Ach!" rief Gilberte aus und umschlang ihn mit ihren Armen; „du besitzest beides wieder und für immer."
„Rur langsam, mein Kind," sprach er lief bewegt durch ihre Liebkosung, die er so lange entbehrt hatte. Vielleicht war er auch von der lieber,Beugung beherrscht, daß die Operation, die sie durchaus vorgenommen wissen wollte, sich viel weniger lästig und nachteilig für ihn gestalten würde, wenn er sie selbst besorgen wollte. „Es wäre gar nicht gerecht, wenn du dich um meiner willen berauben würdest. Behalte also dein Geld; ich werde mit dem meinigen besorgen, was du besorgt wissen willst."
Sie wagte seinen Worten nicht zu glauben; doch oer- sichente er mit solchem Eifer, daß er alles nm wolle, um sie zufrieden zu stellen, daß sie sich bald von seiner Auf- richtigkeit überzeugen lieh. Er würde unverweilt ans Werk gehen, sagte er. Er wird eine Liste der Leute auffteüen, die sich über ihn zu beklagen hatten, sich nach ihren gegenwärtigen Verhältnissen erkundigen und ihre Ansprüche befriedigen, so weit oaz möglich war.
(Bilberte dankte, als sie ihren Vater so sprechen hörte, Gott für die Sinnesänderung, die er in ihm bewirkt. Ihm selbst dankte sie auch, und nun vernahm er liebevolle, zärtliche Wort:, an die er schon längst nicht mehr gewöhnt war, so daß er sich zu Tränen gerührt fühlte. Sein Wille, begangenes Unrecht auszumerzen, erhielt heute feinen ersten Lohn.
„Du siehst, ich tue alles, was du nur willst," sprach er, nachdem die beiderseitigen Zärtlichkeitsergüsse ein Ende nahmen; „nun verlange ich aber auch eine Belohnung für meine Nachgiebigkeit."
„Laß hören, Bapa, um was handelt es sich? Stelle mich auf die Probe, um dich zu überzeugen, daß ich dir gleichfalls zu Willen fein kann. Was wünschest du?"
Versprich mir, daß du, wenn ich die Ausgabe, der ich mich jetzt unterziehe, gelöst und dir die Beweise davon mrgelegt haben w nix, mir gestattest, Franz von Fosseuse neuerbings zur Sprache zu bringen. Er liebt dich, du
vermischter.
* Die Tragödie eines Arztes. Der Hilfsarzt an der medizinischen Klinik in I n n s b r u ck, Dr. Wilhelm Marchese-m, der gegenwärtig am Meraner Krankenhaus wirkt, fft durch eine schwere Infektion um sein Augenlicht gekommen. Bei einer Operation geriet ihm ein Sekret ins Auge, das trotz sofortiger Entfernung die Erblindung beider Augen herbeiführte. Der junge Arzt galt als besonders befähigt, eine glänzende Zukunft stand ihm bevor.
* Brand im Schloh des Herzogs von Westminster. In dem prachtvollen Schloß des Herzogs von Weft-
ninster brach, während der Lord und feine Familie abwesend war, Feuer aus. Die berühmte Bibliothek des Herzogs konnte durch das tatkräftige Eingreifen der Dienerschaft gerettet werden, während viele berühmte und wertvolle Bilder der Galerie ein Raub der Flammen wurden.
* Ein Wolkenkratzer in Deutschland. Vor kurzem wurde in Hamburg ein RiesenhauS eingeweiht, daß eine Gesomtnutzungssläche von 1400 Quadratmetern hat, eine Höhe von 50 Metern erreicht und 12 Stockwerke zählt. Aus dem Dach dieses Wolkenkratzers, der einem Konsortium gehört, befindet sich ein Garten für die 5000 Angestellten, die in dem Hause beschäftigt werden sollen.
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Sie legte ihrem Vater die Hand auf den Mund und bad flehend:
„Verdirb mir die Freude und das Glück dieses Augenblicks nicht! Für die Zukunft kann ich mir kein größeres Glück vorstellen, als an deiner Seite verweilen. Du wirst begangenes Unrecht nach Möglichkeit gesühnt haben; wird sich der Himmel aber damit begnügen? Wird er nicht fordern, du mögest auch wirkliche Sühne üben, indem du irgend eine Heimsuchung über dich ergehen lassen mußt? Und wenn es zu einer solchen käme, sollst du nicht allein fein, wir wollen sie gemeinsam ertragen."
„Aber ich könnte ja auch an deiner Seite weilen, wenn du verheiratet bist . . ."
Kopffchüttelnd erwiderte sie:
„Du betrübst mich wirklich, Papa, wenn du immer wieder auf dieses Heiratsprojekt zurückkommst. Ich werd« nicht heiraten und mich durch keinerlei Argumente in meinem Entschluß erschüttern lassen."
Sie wagte ihm nicht m sagen, daß sein Name, der auch der ihrige war, nach wie vor besudelt bleibe, selbst wenn er se'ne Opfer einigermaßen entschädgt haben werde, und daß ihr unerschütterlicher Widerstand dieser Ueberzeugung entspringe; was sie ihm verschwieg, er erriet es nicht. Doch drang er nicht weiter in sie, obschon er die Hoffnung, ihren Widerstand eines Tages überwinden zu 'önncn, nicht aufgab. Er konnte es nicht ertragen, das Bild seiner Tochter, die durch sein Verschulden unglücklich war und eine Vergangenheit zu sühnen suchte, die er allein verschuldet harte, immerfort vor Augen zu haben, ohne daran etwas ändern tu können.
Während der jetzt folgenden drei Monate herrschte in Dimonnets Haus eine ganz seltsame Erregung, die er selbst, wenn er gutmütig über sei. e seltsamen Unternehmungen spottete, „das Fieber der Sühne" nannte. Er hatte seine Agenten und Beauftragten in Bewegung gesetzt, um di: Leute ausfindig zu machen, die sich mit Riecht als Opfer feiner Unerbittlichkeit bezeichnen konnten, und so ost nun einen austrieb, wurde er ersucht, den Anwalt
aufzusuchen, der ihm seiner Zeit so viele Ungelegenheiten bereitet hatte. Dort erfuhr der Betreffende sodann, daß Herr Simonnet, der. seine Auslagen gedeckt sah und keinen Vorteil aus dem Unglück anderer ziehen wolle, sich aus eigenem Antrieb entschlossen habe, den ehemaligen Schuldnern der Bank von Navarra all das zurückzugeben, was er bei seiner Operation als Gewinn betrachten konnte. Eine solche Großmut war einfach beispiellos, und die Leute, die den Nutzen davon hatten, standen im ersten Moment ungläubig da. Ihre Ungläubigkeit schlug erst ins Gegenteil um, wenn sie ihr Geld in Empfang genommen hatten.
Noch lange sprach man in Finanzkressen von „der | Ueberspanntheit dieses wackeren Simonnet", der den Leuten das Geld zurückgibt. Ein sehr schlechtes Beispiel nennten es diese, ein Geständnis der eigenen Niedertracht jene, denn schließlich gibt man Geld nur zurück, wenn man es gestohlen hat. Die dritte Kategorie, die der Gleichgiltigen, meinten, es sei doch ein kühnes Unternehmen, das aller Achtung wert wäre.
Diese verschiedenen Ansichten drangen nicht an das Ohr desjenigen, dem sie galten; seine Beauftragten hinterbrachten ihm nur die Arußerungen des Dankes und des Lobes, die sein Verhalten auslösten. Jedoch Simonnet kehrte sich weder an Dankesversicherungen noch an Kundgebungen des Tadels; er ging unverdrossen seines Weges, ohne ein Wort der Klage vernehmen zu lassen, so daß niemand wußte, ob und wie schwer ihm sein Vorgehen falle. Er hielt bloß vor Augen, daß er mit der Sache schon gern aufgeräumt hätte, und konnte m den Tag erwarten, da er vor seine Tochter hintreteu und ihr melden würde, daß mit der Vergangenheit abgerechnet sei.
Endlich war auch dieser Taz gekommen und Simon» ne» legte seiner Tochter triumphierend einen ganzen Stus, Quittungen vor.
.Hier hast du den Beweis meiner Fügsamkeft und meines Eifers, dich zufrieden zu stellen", sagte er. „Ich hcck>« ein schönes Stück Geld ausgegeben; doch tut es mir nicht leid darum, denn wenigstens wirft du mir -------- keinen Vorwurf mehr zu machen haben." (Schl. {.)