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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 81.

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Berantwortlich für die ectriftleilung: Dr. Jobmmer Kramer. Anzeigen: I. B arre ller. Rulia. Rotaliontdruck und Verlag der n Fuldaer Ariiendrrckerei in Fulda. Fernsprecher Rr- 9.

BeznarvrelrfürLpri: PoNbestellung 1.80,Stabtbezvgl.SOMr.

Zreitag, 4. Sprit 1924.

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51. Zahrg.

M Seksm res 15. All.

Auf die große Gefahr, die der 15. April für das Ruhrgebiet mit sich bringt, da an diesem Tage bekanntlich die Micum-Verträge ablaufen, ist schon Wiederholt h gewiesen worden. Reichsinnenminister Dr. Jarres hat gelegentlich einer Versammlung des Verbandes der rheinisch-westfälischm Presse . :f den Ablauf der Micum-Verträge hingewiesen u.ch Len 1r April als denkritischsten Tag" für De» .and bezeichnet.

Wie en schon wiederhoü darauf hmgewiesen, daß fe die Reichsregierung wie auch die In­dustrie f ,-|t auf dem unabänderlichen Standpunkt stehen, daß eine Verlängerung dieser Micum- Verträge unter gar keinen Umständen tragbar feien. Nun haben neuerdings in Düsseldorf Le- fprechunoen zwischen den Vertretern der Micitm und der Bergarbeiter des Richrreoiers stattgefun- den, r* der auch von Seiten der Arbeiter erneut darauf hingewiesen wurde, daß Arbeiter und Angestellte im Bergbau durch das Micum- Abkonrmen in ihren materiellen und sozialen In- teressen wesentlich berührt werden und daß sie sich von ihrem Standpunkt aus gegen eine Verlänge­rung der Micum-Verträge wchren Müssen, da sonst eine weitere Verelendung der Ardellerschaft die unausbleibliche Folge sei. Der Vertreter der Micum suchte die Schuld auf die Unter ne h m e r zu wälzen und behauptete dabei, daß alle Aus­künfte, die die Micum bis jetzt gesammelt habe, darauf hinausliefe, daß die Kohlenlasten vom Ruhr­gebiet wohl zu tragen sind und die Kohlenpreise in einer Höhe festgesetzt werden könnten, die die Lei- stungsfähigkest auch im unbesetzten Gebiet sicher- stelle. Daß der Vertreter der Micum bei dieser Ge- iegenheit auf neue Sanktionen hinwies im Falle der Einstellung der Lieferung und Nicht­erneuerung der Verträge, also selbst schon das Drohgespenst derneuen Arbeitslos!g- keit an die Wand malt, wollen wir nur nebenbei erwähnen.

Es liegt uns mehr daran, nachzuweisen, daß sich die oben erwähnten angesammelten Auskünfte auf irrtümlicher Basis aufbauen. Das Kernstück der so­genannten MicuMverträge sind die Kohlen!le- ferungen. Die Zechen sind Lurch die Micum- Verträge verpflichtet worden, 27 Prozent der Koh­lenförderungen ohne jede Bezahlung an die Besatzung abzuliefern, aber auch die zum Verkauf stehenden übrigen Fördermengen müssen noch eine Kohlen steuer von 8 Franken pro To. tragen, also eine nicht unerhebliche Belastung und Verteuerung. Nun stellen die Besatzungsmächte für den Monat April eine erhöhte gor« Äerung, belasten also die ohnehin schon unter den Wcumverträge zusantmenbrechende Industrie noch mehr. Die Micum hatte für das Liefersoll der Berg­werke die Förderung vom Jahre 1921 berechnet, aber keineswegs in Betracht gezogen. Laß sich gegen­über dieser Zeit die Erzeugungsverhältnisie auf den emzelnen Zechen nicht gleichartig entwickeln konn­ten. Die Micumoerträge hatten bisher schon die Wirkung, daß die Magerkohlenzechen völlig still­gelegt wurden und bei den übrigen Schachtanlagen Feierschichten und starke Belegsverminderung durchgeführt werden mußten. Die Produkt! ons- kost en des Bergbaues sind durch die Micum-Be- lastungen trotz der verlängerten Arbeitszeit, trotz der, gegenüber dem Frieden, geringeren Arbeits­löhnen uml70bisl90Prozentüberdem Friedensnlveau gestiegen, was zur Folge hatte, Laß die minder rentablen Kohlenzechen völlig ausgeschaltet werden mußten und die Ruhrkohle so­gar im eigenen Industriebezirk selbst konkurrenz- unfähig geworden ist, geschweige beim, daß sie bei den erhöhten Abgaben, den Transportkosten für das unbesetzte Gebiet und Las Ausland rentable Preist erzielen könnte. Die Unternehmer können die er- höhten Unkosten nicht tragen, das wird von allen Seiten anerkannt, sollen nicht die Unternehmungen ganz zusammenbrechen. Die Arbeiter können nicht weiter in den Löhnen reduziert werden, abgesehen davon, daß dies auch nicht wesentlich zu einer finan­ziellen Besserung der Untern efjmungen beitragen würde. Das Reich kann die Kosten der Kohlen­förderungen nicht übernehmen, das ist wiederholt deutlich zum Ausdruck gekommen, beim damit würde von neuem die Inflation mit ihren ver­heerenden Folgen für Sie Gesamtwirtschaft ein« setzen und diese Inflation würde ein ebensolches Chaos zur Folge haben, wie es jetzt eintreten dürfte, wenn entgegen jeder besseren Einsicht die Besatz- nngsbehörden auf der Verlängerung der Verträge bestehen.

Was am 15. April eintreten wrd, Zwangs- oerlängerung, Sanktionen, oder Chaos und damit neue, unabsehbare Schäden für Deutsch­land. aber auch für Frankreich oder Rückkehr vermin ftiger wirtschaftspolitischer Einstellung der Micum, das ist die große Frage.

Streik bei der Berliner Slaatsoper. Das Chor- «mb Ballettpersonal der Berliner Staatsoper ist rn den streik getreten und Hai feint Mitwir­kung bei den Vorstellungen desTroubadour" und der Verkarsten Bruut" verweigert. In der Siaatseper und der Kroll'schen Oper mußten die meist chorlosen Cpern Mona Lisa" undTiefland" gegeben werden. Das Chorpersonal verlangt - Anerkennung der Organisation, chehattsnenregeluna und die Schaffung einer Alters- und .ninterbliebenenMforge. Die Leitung der Staatsoper hat zunächst die zum 8. April einen Spielalan angefeNt, Ser sich zur Noi ohne Chor durchführen iaht.

---- Streift- 6trEMftiiutfdjer Aus London wird ge­meldet, am Dienstag sei aus Croydon kein Flugzeug abaeganoen^ Der ^iu^bienft über den Kanal ist einge­stellt. Der «treit zwischen den Fliegern und der Neuen dieichSluft'anrtgesellschait ist entstanden durch Lohn- itreitiiifeiten und wegen der Frage, ob die Flie.ier oder die Direktion bezüglich des Abfluges und der Be- j Pachtung der Maschinen zu entscheiden haben.

LikWtWjWklSWklMiM

wtb Paris, 3. April. (Id.) Rach dem'pe- fif pcrifien werden die Sachverständigen die Ge­währung eines 4jährigen Moratoriums Vorschlägen, bei dessen Ablauf Deutschland im fünf­ten Jahre 2% Milliarden Goldmark be­fahlen soll. Während des Moratoriums hätte Deutschland Sachleistungen zu vollziehen und dteBefahungskostenzu bezahlen. 3m ersten Jahre sollen diese Posten durch eine internatio­nale Anleihe auf der Garantiegrundlage der Eisenbahnen gedeckt werden. Die Sachleistungen von Deutschland würden nach und nach ansteigen und während der letzten Jahre des Moratoriums, falls die Finanzlage es geskatte, wieder Barzahlun­gen tnifumfaffen.

In einem anscheinend beeinflußten Leitartikel bemerkt der »Petit Parifien" zu der Angelegenheit: Die ganze Welt habe gestern vormittag erfahren, daß Stresemann Vorschlags, die Untersuchung des Standes bj?r Rüstungen in Deutschland, die die Alliierten verlangen, dem Völkerbund zu überlas­sen. Dagegen habe sie nicht erfahren, daß diese Untersuchung gewissermaßen abhängig gemacht werde von der Durchführung eines allgemeinen 2(b- rüstuagsplanes, während der Ariedensvertrag, auf den sich die deutsche Regierung so ausgiebig berufe, Deutschland die Beachtung der in Versailles fest­gesetzten Bestimmungen zur Pflicht macht, sodaß er die Voraussetzung einer allgemeiner Einschrän­kung der Rüstungen werde.

Das Blatt erklärt sich für überzeugt, daß die Alliierten und insbesondere die französifchs Regie­rung von einem zu lebhaften Wunsche beseelt seien, den Völkerbund wachsen und gedeihen zu sehen, als daß sie sich nicht bereits mit der Möglichkeit einer Inanspruchnahme in der Militärkontrolle beschäf­tigt hätten; aber die Fragen dürften nicht durch­einander geworfen werden. Die technische und juristische Frage sei eins, die politische Frage aber etwas ganz anderes.

Meinungsaustausch.

wtb Parts, 3. April. (Tel.) Der Rewyork herald" hält es für wahrscheinlich, daß der Bericht der Sachverständigen sofort an die beteiligten Re­gierungen überwiesen werde und in der nächsten Woche ein Meinungsaustausch zwischen Poincare, Thennis und Macdonald be­ginnen werde.

Krifenluft in England.

Die Arbeiterregierung in der Mietenpolitik isoliert.

Im englischen Unterhaus hatte der Ges-undheits- mmifter Wheclcy die zweite Lesung des Regierungs­entwurfs beantragt, der die Entrichtung des Miet­zinses betrifft und der oorfieht, daß beschäfti­gungslose Mieter wegen Nichtentrichtung der Miete nicht exmittiert werden dürfen. Die Konservativen bekämpfen den Entwurf heftig. Ascmich habe angetünbigt, daß die Liberalen die zweite Lesung nicht unterstützen würden. Eine Niederlage der Regierung erscheine daher unver­meidlich.

Es wurde aber Vertagung der Debatte be­schlossen. Das Kabinett beschäftigte sich mit der durch die Vertagung geschaffene Lage und ist zu dem Schluß gekommen, wie auch der Ausgang sei, sei die Angelegenheit nicht als Vertrauens­frage anzusehen. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß der Gesetzentwurf zurückge- zogen und von neuem vorgelegt werden wird.

In der französischen Kammer

sieht Poincarö fortgesetzt im Mittelpunkt heftiger Angriffe, die von den äußersten Flügeln, Rechts- radikalen und Kommunisten, gegen ihn und seine neuen Kabinettsmitglieder geführt werden.

Die deutsche Militär-Note.

Vor Verhandlungen über die Frage der MilitSr- kontrolle.

wtb p a r i s, 3. April. (Tel.) Rach demPe­tit Parisien" wird die neue deutsche Rote in der Frage der Kontrolle heute in einer vertraulichen Sitzung im Sekretariat der Votschafterkonferenz und wahrscheinlich am Samstag in der B o t s ch a f- terkonserenz selbst zur Sprache kommen.

WnrlÄberW in Frankreich.

wtb Paris, 3. April. (Tel.) Rach dec offi­ziellen Statistik betrug -!e Zahl der Geburten in Frankreich im Jahre 1923: 761 SSI, die Zahl der Todesfälle 660 990. Es ist ein Aeberschuß der Ge­burten von 94 871 gegen 70 579 im Jahre 1922 zu verzeichnen.

* Amerika unb Deutschland. Aus Newyork wird gemeldet: Gneeralmajor Bryan erklärte in der Sitzung de» kirchlichen Frauenkomitees, die sich mit der deutschen Kinderhilfe befaßte: Wir wünschen den Frieden in b c r W e l t. Dem Frieden wird besser gedient durch die Einnahme euer sympathischen Haltung Deutschland gegenüber, als durch Gleichgültigkeit. Wie die New- yorker Zetung aus Washington meldet, begegnet die Re­solution betreffend die Zuwendung von zehn Millionen Dollar für das deutsche - ilfswerk im Senots- krmitee für auswärtige Angelegenheiten lebhafter D p - Position 11. a. wurde gellend gemacht, daß Spar­samkeit geboten sei. Auch wurde darauf hingewiesen, baß eine Anzahl wohlhabender Deulscher Geld oerschwenderisch ausgeben.

Zur Reichrtagrwahl.

Der Rundfunk als Wahlhelfer.

Einer Korrespondenz zufolge wird der Ber­liner Rundfunksender in allernächster Zeil m, den Dienst der WahlpropaganLa gestellt werden. Die Sekretäre der verschiedenen Parteien seien be­reits zusammengereten, um eine Verständigung hin­sichtlich des Durchspruchs von Wahlpro­grammen herbeizuführen. Die Einrichtung soll auf die Grundlage unbedingter Parität gestellt wer­den, sodaß alle Parteien gleichmäßig zu Worte kommen.

Der Riß in der Dolkspartei.

Die auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hannover in Aussicht genommene Rücksprache mit den Mitgliedern der Nationalliberalen Vereini­gung, die zunächst innerhalb der Vereinigung eine Klärung über die Stellungnahme zu der von dem Zentralvorstand der Partei angebahnten Einigung herbeiführen sollte, hat stattgefunden. Am Donners­tag sollen die Besprechungen zwischen den Ver­tretern der Vereinigung und dem Parteivorstand der Deutschen Volkspartei geführt werden.

Das Zentrum in Bayern.

Nachdem der von der deutschen Zentrumspartei unternommene Versuch, mit der bayerischen Volkspartei zu einem friedlichen Einverneh­men für die Reichstagswahlen zu kommen, über­haupt einer Beantwortung von der offiziellen Lei­tung der Volkspartei gewürdigt zu werden, durch eine Mitteilung derKorrespondenz der bayerischen Volkspartei" eine schroffe Ablehnung er­fahren hat, ist von der Reichsparteilei­tung des Zentrums für die Reichstagswahlen be­schlossen worden, in allen vier bayerischen Wahlkreisen eigene Zentrums! andi- daturen auszu st eilen.

Der innere Krieg.

In Grasdorf bei Hannover kam es anläßlich der Gründung des OrtsvereinsStahlhelm" zu einer Schlägerei zwischen Stahlhelmleuten und Arbeitern, wobei der 17jährige Arbeiter Schulz mit einem Degen durch den Hals gestochen wurde. Der Verletzte ist am Dienstag gestorben.

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Dem in stanzösifcher Gefangenschaft gestorbenen Dreyer hatte die deutsche Reichsregierung an­läßlich der Ueberführung der Leiche in die Heimat in Berlin eine würdige Feier bereitet. Der Innen­minister Dr. Jarres sprach am Sarge. Nach der Feier prügelten sich leider die völkischen Fahnen­deputationen mit Anhängern der Republik herum. Nationale Würde?

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Nach Blättermeldungen aus München werden dort über das Ermittelungsverfahren gegen Kahr, Loffow und Seißer Einzelheiten bekannt, die dar­auf hindeuten, daß das Verfahren in kurzer Zeit zur Einstellung gelangen werde. In den Kreisen, die Lossow nahestehen, erhalte sich hartnäckig das Gerücht, daß Lossow nicht nach Bayern zuruck- kehre, sondern sich der t ü r k i s ch e n A r m e e ver­pflichtet habe.

ßrmut und Verwüstung'-.

Am vergangenen Sonntag wurde von den Kan­zeln der Erzdiözese München-Freising ein Hirten­brief des Kardinals Faulhaber verleien, der die Einleitung des Jubeljahres bedeutet, mit dem die Erzdiözese beuer die 1 LttOjährige Wied erkehr des Beginns der Predigertätigkeit des Gründers des Erzbistums, des hl. Kor­binian, beginnt. Ter Hirtenbrief enthält auch folgende allgemeine ernste Zeitbefrachtung:Die Gegenwart unseres Volkes ist Armut und Ver­wüstung. Was der vierjäbrige Krieg übrig ge­lassen, hat die fünfjährige Revolution weiter zer­stört, und was die fünfjährige Revolution übrig ge- laffen hat, soll jetzt der weiß Gott wie dieljährige sog. Kulturkampf gegen die hl. Kirche vollends verwüsten . . . Die Gegenwart unseres Volkes offenbart Haß gegen Rom und die römisch-katho­lische Kirche. Auch in früheren Zeiten wurden die Päpste geschmäht und verfolgt. . . . Auch in früheren Zeiten wurden die Bischöfe von Freising geschmäht und verfolgt. . . . Heute aber, an den frischen Gräbern der Hnnderttausende von katholischen Sol­daten, die für ihre deutsche Heimat in den Tod gingen, ist der Lügenfeldzug gegen unsere bl. Kirche ein Verbrechen, das laut zum Himmel schreit. Keiner ist katholisch, der nicht den hl. Vater in Rom als Oberhaupt der Kirche aner­kennt."

katholische Welt.

Himtius pacelli beging am 2. April das fit- berne P > iesterj ubil äum. Pacelli bat sich in den 7 Jahren, die er at8 Vertreter bcS Papstes in München weilt, durch feinen feinen und klugen Takt, feine große Sachkenntnis und feine unbeirrbare Sachlichkeit und Gerechtigkeit viele Freunde erioorben. Er beherrscht die deutsche Sprache wie feine Muttersprache und hat sich stets als em großer Freund des deutschen BolkeS bewiesen. Anläßlich des 25jäbrigen Priesterjubiläums des päpstlichen Nuntius Pacelli überbrachte der Ge­sandte v Hantel die Glückwünsche der Reichs­regierung. Ter Reich-kan;ter unb der Minister des Aeußercn gtatulieüen außerdem telegraphisch.

Der Deutsche Suchdruckerverein teilt mit: Im Lohn, streit des Deutschen Buchdruck.,rwerbes fällte der vom Reichsarbeitsmimsterium eingesetzte SchlichtunciS- ausschutz den Schiedsspruch, daß für die Zeit vom 29. 3. bis einschließlich 31. 5. der Spitzenwochenlohn a.uf 30 Gold mark festgesetzt wird

Die Eisenbahnerbewegung.

Die Mischen dem Reichsverkehrsministerium und den gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen ge­pflogenen Verhandlungen über die Regelung der Löhne der Eifenbahnarbeiter konnten n och n i cht abgeschlossen werden. In einer Besprechung der Gewerkschaftsvertreter wurde darauf beschlossen, die Reichsregierung als Vermittler anzurufen. Diese Verhandlungen finden voraussichtlich am Donnerstag statt.

wtb 211 f o n a, 3. April. (Tel.). Die die Reichs- bahndirekiion Altona mitt eilt, mußte gestern wegen wiederholter Verweigerung der dienst- planmäßigen Arbeitszeit ein großer Teil der Gütenbodenarbeiter io Groß-Hamburg entlassen werden. Ein anderer Teil ist wegen dieser Enllasfnngen in einen Sympathiestreik getreten. In den nächsten Tagen können daher voraussichttich Eil- und Frachtstückgüter ans den Eilgüteradferligungsstellen Grotz-harnburgs nur in beschränktem Umfange angenommen und ausge­liefert werden. Die Reichsbahn kann jeden­falls in diesen Tagen eine Verantwortung für die rechtzeitige Annahme und Auslieferung von Eil- uud Frachtstückgütrn nicht übernehmen.

Russisch-rumänische Verständigung gescheitert.

Um Bessarabien.

wtb Wien, 3. April. (Tel ). 3n der heutigen Sitzung der russisch-rumänischen Konferenz gab der Ches der Sowjetdelegallou Sresfluski die Erklärung ab, daß Rumänien Bessarabien entgegen dem Willen der drückenden Mehrheit der Bevölkerung in seiner Hand halte. Rußland schlage die Organisierung einer Volksabstimmung in Bessarabien vor, denn nur so werde Rumänien imstande sein, sich von der Anklage zu befteien, daß es Beffarabien gewaltsam und gegen den Willen der Bevölkerung in seiner Macht halte, wie es mit der in ihrer Mehrheit von Ukrainern bevölkerten Bukowina der Fall sei. Die russische Delegallou wiederholte ihren enfaeaenge- setztsn Standpunkt. Da beide Ansichten «lKMmit- einander in Lebereinstimmung gebracht werden konnten, wurden die Arbeiten der Konfe­renz für beendet erklärt. Die Deltzgatto- nen verlassen demnächst Wien.

WellMWM uni MtliAMinW.

Vom Arbeitgeberverband wird uns geschrieben:^'"

Vor kurzem ging eine Notiz durch die Presse, daß eine Reihe von Professoren der badischen Hochschulen eine gemeinsame Erklärung gegen die sozialpoli­tische Reaktion veröffentlicht hätten. In der Er­klärung kommt zum Ausdruck, die Vertreter der Wissen­schaft müßten davor warnen, daß die Arbeügeberseite in der Gunst der Gelegenheit wichtige sozialpolitische Ein­richtungen und mit diesen den inneren Frieden und die Geschlosienheit der Nation bedroht.

Es Ist anzrmehmrn, daß die Unterzeichner dieser Er- klSrung mit dem von ihnen erhobenen Vorwurf nicht di« Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände treffen wollen. Denn wer die Politik der Vereinigung seit Jahr und Tag verfolgt hat, und wer vor allem über die Streit­fragen der letzten vier Monate forttaufenb unterrichtet worden fft, wird gegen dir Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und damit gegen die Überwiegend« Mehrheit der deutschen Arbeitgeberschaft nicht den Vor­wurf erheben dürfen, daß hier eine aus der Linie ge. funder Staatspolitik herausfallende Intereffenpolitik ge­trieben würde.

Trotzdem soll dieses Vorgehen von Kreisen der Wif senschaft dazu benutzt werden, um noch einmal vor aller Öffentlichkeit die wesentlichen Ziele zu skizzieren, für die die Vereinigung der deutschen Arbeit­geberverbände eintritt.

Die Machtverfchiebung im November 1918 traf ein wirtschaftlich, politisch und physisch unvorbereitetes Volk. Die Maßnalnnen, die damals ergriffen wurden, und an denen auch die Arbeitgeberfchast in der Zentralar­beitsgemeinschaft mitgewirkt hat, tragen z. T. diesen Stempel ihrer Zell. Sie waren nicht auf orga- irischer Entwicklung aufgebaut und sollten zum großen Teil nur dem vorübergehenden Zustand der Demobil­machung und der Wiederankurbelung der Wirtschaft dienen. In der Arbeftsgemeinschaft hoffte man das nötige Gleichgewicht zwischen Ideen und Dogmen auf der einen und der harten Praxis auf der anderen Seite Herstellen zu können. Auch der damalige Gewerkschafts- führer Legten war sich dieser Schwierigkeit einer auf dem Novemberabkommen aufgebauten deutschen Wirt­schafts- und Sozialpolitik bewußt. Deshalb ist der leider bald in Vergessenheit geratene Brief mit den Unter» schristen E. v. B o r s i g und L e g i e n an den Rat der Volksbeaustragteu geschrieben worden, wonach die Zen- tralarbeitsgemeinschast der Arbeitgeber unb Arbeitnehmer sich klar darüber war, daß die Vereinbarung über den Achtstundentag nur bann dauernd durchgeführt werden kann, wenn der Achtstundentag für alle Kulturländer durch internationale Vereinbarung festgesetzt wird. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt worden und damit sind schon in einem der wesentlichsten Punkte des Abkommens über die Arbeitsgemeinschaft Schwierigkeiten entstanden, wenn die Gewerkschaften an dem starren Dogma be» schematischen Acht-Stundentages c. ; die Dauer festhalten würben.

Wir wisien weiter, bah der Staat bald nach ber Re volution einen schweren Fehler gemacht hat, wenn et das Abkommen zwischen den Spitzenvrganisationen vom 15. Nov. 1918 allmählich durch Gesetze unb Verordnungen gegenstandslos die mit dem Sinn des November-