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M 80.

Toniicrslag. 3. April 1924.

-fuldaer Leitung

2. Blatt.

Druck der Fuisaer «HctieiDtatfetct ia Fulda

Aus dem Nachbaryediet.

= Gersfeld. Som 1. d. M. ab find alle die G e- wsrbesteuer betreffenden Eingaben nicht m.chr «n das Finanzamt in Fulda, fonßern an das Landratsamt in Gersfeld zu richten, da hie Geschäfte des Vorsitzenden des Eemerresteusr- eusschuffes an den Landrat des Kreises Gersfeld übergegangen sind.

— Gersfeld. Im Alter van 74 Jahre starb in Neustadt a. 5- der Forstaufsch:r Joseph Stein. Büller. Durch seine etroa lllljähnge Tötigckeit bei der gräfl. Frabera'schen und v. Wa'dchausen'schen Forstvermaltung ist er im Gersfelder Bezirk weite- ren Kreisen bekannt geworden.

== Hersfcld. Die Ei senbahnvrrwaltung beab­sichtigt in Kürze Sonntagsfahrkarten von hier nach Eisenach, Kassel, Oberaula und nach der Rhön auszugeben. (Vielleicht siehe es sich auch ermöglichen, daß von Fulda aus nach Kassel imd Eisenach, den beliebten Reisezielen für viele Fuldaer, ebenfalls Sonntagskarten verabfolgt wer­den. D. 5t.)

— Eisenach. Das hiesige Wirrfchastsamt bringt fetzt erftmasig Schweinegefrierfleisch zum Verkauf. Der Preis beträgt 90 bis 95 Pfq. für das Pstrnd. R'ndergefrierfleisch wird zum Preise von 65 bis 70 Pfg. abgegeben.

ßus Geisa un) Umgebung.

— Geisa. Mit der Eröffnung der .Kin­derbewahrschule am 31. Mäiz ging ein chon feit Jahren aehegtcr Wunsch der hiesigen Bevölke- tun.i in Erfüllung. Hebet 50 Kinser der verschie­denen Kaufe sionen waren mit ihren Müttern er­schienen. In seiner Ansprache aab Herr Bürger­meister Hohmann seiner Freude über die zahlreichen Anmelbuneen Ausdruck, versicherte die Anstalt seines belond-ren Wohlwollens und dankte der Le tenn der Schule, einer der rhrw. Englischen Fiänlein, die in der Erziebuna der Jugend Geisas Mitarbeiten, für die von ihr übernommenen Müh"n. Herr Dechant Siedler wies in seinen Worten besonders auf die Bedeutung M Kindergarten? al< Vorschule hin, die den iprteren Lehrern bte Arbeit wesentlich er­leichtere und begrüßte die Gründung als Verwirk­lichung einer schon lange von ihm herbeigesehnten Einrichiuna. Als Kultvorstand der israelitischen Ge­meinde sprach Herr Kaufmann Freudenthal seinen Dank dafür ans, daß die Schule Kindern jeder Konfession zugänglich fei und wünschte den ko-ftssionellen Frieden der Kinderschar denen im Vater lande, d'e seinen Wert auch heute noch nicht verstehen. Infolge einer auswärtigen Beerdigung war H rr Pfarrer König von der evangelischen Gemeinde veih ndert, an der schlichten aber ein- druckevollen EiöffnungSfrier teistunehmen.

Heues aus $ranhfurt.

— Roudmord. Vor etwa einer Wove wurde an der Nieder rüder «chleutze die Leiche eines Mannes ans dem Main reländet, deren stütze durch Stricke zuiammen gebunden waren. Die sofort anaestelltcn Ermistlunen er oben, datz eS sich um den seit etva drei Sft’o taten Vermißt n Kaufmann Heinrich Landmann aus dem Etadtreit Rödelheim handelte, der bt6 Dezember 1923 wegen eines Vergehen eine cRefängnisstrase ve büßt hatte. Unter dem drin enden Verdacht, an dem Land, mann einen Naubmord verübt zu haben, wurde nun- mebr in Darmstadt der auS Hann bei Pfungstadt ge­bürtige Händler Michel verhaftet. Michel soll mit dem Landmann in der letzten Zeit Geschäfte allerlei A>t abgeschlossen haben und mit ihm viel zusammen gewesen fein.

— Var Btlb «’» Verräter. Vor einigen Nächten wurde auS einem Warenvause an 6er Zeil eine große Menge Uhren, Ninae, Schuhe und andere Sachen von emem Einbrecher ceiloblen. Ein von dem Täter am Tatort zutück-elaffenes Lichtbild eines Mädchens führte auf die Spur des Maschinenbauer» Rudolf Bro- drtck, der auch die Tat unumwunden eineestand und mitteilte, datz er das DiebSgnt im Niederräder Walde durch seinen „streund" Walter Speer bähe vergraben lassen. Ms die Politei den Waid absuchte, war der Koffer mir seinem wertvollen Inhalt bereits wieder in andere Hände übergegangen.

--- 3m Main ertrunken. Am Untermainlai wollte ein 2ljähri er Mann sein Schiff besichtigen. Er tat einen Fehltritt, stürzte in das Wasser uni ertrank, ehe ihm jemand Hilfe drin en konnte. Die Leiche konnte noch'nicht geboreen werden.

— Liu «eiter vankün eftcllter. Der Bankbeamte Bernhard Wever stahl feiner Bank zwei Rechenma­schinen und veisilberte sie. Der Jüngling wurde fest» rinomtnen.

Arbeitszeit und Wahlkampf

Sä naher der Termin der Rrichstagswahlen yeranruckt, um fo rer’egener suchen die Sozial» ccmorraten nach Wahlparolen, die zugkräftig genug er|d;D.nen, um ihre Gläubigen bei der Stange zu

A.s dte größte Errungenschaft der Revolution auf tvirtschastlich-fozialem Gebiete betrachten die So- zErmokraten den Achtstundenarbeits- l a g. Wir gehen mit den Sozialdemokraten darin cmg, daß der Achtstundentag Zweifelsohne eine ueeale Losung auf sozial-wirtsckmftltchein Gc iete darstellt, wir sind aber auch der Meinung, daß der Zeitpunkt seiner Einführung verfehlt war, weil er nach dem Zusammenbruch Deutschlands erfo'ais, und weil seine schematische Durchführung verhin- derne, den Weg des wirtschaftlichen und sozialen Ausstieg durch erhöh e Leistungen möglichst schnell zu bereiten. Seine Einführung scheint denn auch weniger sachlichen sieleerlegenheiten seitens der so- ziteldemokratischen Partei zu entspringen, als viel­mehr dem Wunsche der Volksbeauftragten, sich mit fokalem Oel zu salben. Für jeden Einsichtigen war es damals schon klar, daß über kurz oder lang eine Überprüfung des scheinatifchen Achtstundentages eintreten mußte, wenn sich die Auswirkungen des verlorenen Krieges und des Diktates von Äersail- les in ihrem katastrophalen Umfange zeigen wür­den. , Die Entwicklung der wirrjchaftlichen Ver­hältnisse hat dieser Auffassung recht geoeben Eine Neuordnung der Arbeitszeit ließ sich auf die Dauer nicht umgehen, wollten wir die Ketten von Ver­sailles von uns werfen und Staat und Wirtschaft wieder zu alter Blüte bringen.

Die Bestrebungen zur Regelung der Arbeitszeit gehen bis in das Jahr 1921 zurück. Schon dama s lag dem Reichsrat ein Gesetzentwurf zur Regel'.mg vor. Dieser Entwurf behielt grundsätz'ich den Acht- sti'ndentag bei, sah aber einige Ausnahmen vor. Da infolge der Nachkriogsin^ationsw'rtschast und der daraus enlspringenden Scheinkonjunktur die Wirtschaftslage Deutschlands noch kein so be­denkliches Aussehen angenommen hatte, so erfuhr dieser Entwurf naturgemäß die heftigsten Anfein­dungen. Aber schon im November 1922 haben die heutigen Regierungsparteien in Verbindung mit Vertretern der fozialdemokratikchen Partei in der damalig-'n Note an die Entente anerkannt, daß Ausnahmen vom Achtstundentag nötig feien, wenn es wirklich zur Sanierung der deutschen Wirt­schaft und Finanzen kommen solle. Der betreffende Passus aus der Note an die Emente lautet:

Achtstundentages als Nsrmalarbeitstaq nicht zu nm* liehen fein. Datei ist auch die Möglichkeit der tarif­lichen oder gesetzlichen Ueberschceitunz der jetzigen Ar- bsttszest im Interesse einer volkswirtschaftlich netwendi- sen Steigerung und Verbilllgung der Produktion voi- zusehen. Für die öffen'ftchen Dermaltrmgen finden ähn­liche Grundsätze Anwcnüunz.

Auf Grwid dieser Vereinbarung legte das Reichsarbeitsm.nisterium am 22. Oktober 1923 dem Reichstag» dm Entwurf eines vorläufigen Gesetzes über die Arbeitszeit vor. Vorher aber waren die Parleim in einer inoffiziellen Beratung dieses Ent­wurfes geladen worden, wo', ei festgestellt wurde, daß dcr Entwarf int wesentlichen der ebenerwähn­ten A b m a ch n n g der Koalitionsparteien entsprach. Die Parteien hatten sich Vorbehalten, zu den Ein­zelheiten des Entwurfs Anträge im Plenum zu fiel» len. Die Einberufung des Reichstages verzögerte sich aber mit Rücksicht auf die in Luchsen cingetre» tenen politischen Verhältnisse, die d'e sozialdemo­kratischen Minister zum Austritt ans dem Kabinett veranlaßten. Als der Reichstag endlich doch zu- sammcnlrat, scheiterten die Verhandlungen über das Arbeitszettgesetz an den Sozialdemokraten, in deren Fraktion sich jetzt unter dem Einfluss? füh­render sozia istischer Vewerkschaftskrc.sc eine starke Opposition gegen den gemeinsamen Entwurf geltend gemacht hatte. Die Demooumachnmgsoer- orbmtng war unterdessen mit Rücksicht auf den noch nicht cera schadeten Entwurf des Arbeitszeitgesetzes bis zarm 17. Nov. 1923 verlängert worden. Für feine (Erneuerung war im Reichstag keine Mehrheit vorhanden. Mit dem Ablauf dieser Verordnung hatte bei dem jetzt entsetzenden Kampf über die Ar­beitszeit die Arbeiterschaft irgend einen über die Bestimmungen der alten Gewerbeordnung hinaus- gehmden gesetzlichen Schntz nicht. Dieser Zustand war für die Arbeiterschaft auf d:e Dauer unhalt- l er. Der Reichsarbeitsmimstsr hatte aus diesem Grunde dem Herrn Reichspräsidenten den Er'aß dcr Arbeitszeitoerordnung in der Fajiung des Ent­wurfs auf Grund des Artikels 4e> vorgeschlagen. Dieser Vorschlag sand aoer bei den freien Gewerk­schaften keinen Anklang. Unter dem Druck der Ver­hältnisse sahen sich d'e Gewerkschaften doch endlich gezwungen, bei dem Reichsordettsimnister um den Erlaß der Arbeitszeitver. rdnung auf Grund des der Regiermtg Marx bewilligten Ermächtigrmgs- gefetzes e i n z u k o m r.i e n. So ist d e am 21. De- 5em: er 1921 erlassene Verordnung zustande gekom­men. Der Rei.l>sarbeitsm'nister Brauns be­merkt hierzu in seiner Rede vom 20. Februar 1924:

SteutfdiLmD tritt) alle criorderiict en und geeigneten Maßnahmen ergreifen, um tnbefontere durch (5rbö nng des WirkunnSirades der Arbeit zu einer Steigerung der Produktion und damit zu einem Ausgleich der Han­delsbilanz zu gelangen. Z r diesem Zweck wird insbe­sondere eine Neuregelunu de§ Aibeitezeitrrchtes unter stesthaltun r des Achtitun^entagrs alsNormatarbeits- tags rind unter Zulnffung gesetzlich begrenzter Aus­nahmen auf tariflichem oder behördlichen Wege zur Behebung der Not age der deutschen Wirtschaft m die Wege geleitet werden.

Das zeigt klar tmd deutlich, daß Man and; auf Seiten der Sozialdenrok"a!is einsah, daß der fche- Matifche Achtstundentag den Forderungen der wirt- chcrftlichen Lage nicht gerecht wurde und man m- olgedesien gewillt war, über feine Abänderungen in Erwäg mgen einzutreten. Im Saufe de- Jahres 1923 wurde durch den Ruhreinfall dte wirtschaftliche und politische Lage in Deutschland immer schwieri­ger. Bevor es zur Bildung des zwesten Kabinetts Swefemann kam, einigten sich die Koalitionsparteien einschließlich der sozialdemokratischen Partei über die Arbeitszeitfrage, nachdem Vas erste Kabinett Strefemann über diese Frage zu Sturz gekommen war. Die Verhandlungen über das Arbeit-zeit- gesetz wurden von den Parteien der großen Koali­tion geführt und es kam nach stch-tSgigen Dsr- bcmdlungen zu folgender Vereinbarung, die ein­stimmig, also auch von den Sozialdemokra­ten, angenommen wurde:

Dir schwere Not unseres Landes läßt eine Steigerung der GütererzrirMng dringend geboten erscheinen. Das rvlrb nur unter restlicher Ausnutzung der technischen Errunaenschaften bei oraaniscstorischer ^Verbesserung tm» ferer Wittschast und emsiger Arbeit jedes Einzelnen zu crre:d)en sein. Neben der Soigerung der Produktion durch diese MLel wird o.d) die Neuregelung dcr Arbeitszeitgesetze unter grundsätzlicher Festhaltung des

„2(115 diesen tatsächlichen Vorgängen ist eines meines Erachtens klar ersichtlich, was ich zur Rechtfertigung der Rcichsrcgierung festzustellen gezwungen bin: Die Hal­tung der seztaldrmokratischen Partei gegenüber der Ar- teitszettverordrnmg war eine andere, als sie noch die Verantwortung der Negierung wittrug, im Gegensatz zu ihrer hantigen Haftung, da sie in der Opposition steht. Die Oeffentlichkeit kann sich meines Erachtens auch billft gerweise darüber wundern, daß die Sozialdemokratie ge­rade heute die Ratifizierung des Washingtoner Abkom­mens fordert, während frühere Regierungen, baruntrr auch sozialdemokratisch geführte, mit einer solchen For- deremg zum mindesten nicht gedrängt worden sind. Ich wiederhole: Diese Feststellung zu machen bin ich zu meinem Bedauern in der Verteidigung gezwungen. Das deutsche Volk hat aber ein Recht, alle diese Vorgänge fiicnm zu kennen, um seinerseits ein unparteiisches Ur­teil fällen zu können."

Wie der Staat, so kennt auch die Wirtschaft eine organische Weiterentwicklung. Beide sind daher im Grunde konservativ. Zwangsweise Eingriffe oder Hemmung der organischen Entwicklung, wie sie staatspolitisch die äußerste Rechte, wirtschafllich aber die Sozialdemokratie versucht hat tmd noch heute versucht, führen zur Verwirrung und Auflösung von Staat und Wirtschaft. Wer aber dem Zentrum, das diese Notwendigkeiten des wirtschafchchen und politischen Lebens klar erkennt, eine Begünstigung der sozialen Reaktion vorwirft, unterstreicht damit nur seine eigene Unkenntnis der Dinge und stellt sich selbst das Zeargnis aus, daß er zur ernsthaften Mitarbest in Staats- und wirtschaftlichen Fragen durchaus nicht geeignet ist. Er beweist damit, daß es ihm auf nichts weiteres ankommt, als d'ejeni- gen, die den Mut haben, in einer harten Notzeit die Konsequenz für die Allgemeinheit zu ziehen, herunter zu reißen, um Parteigeschäfte zu machen.

U-rhtiches.

Die hochwürdi cn Herren Kuratgeistlichen werden hiermit daran e-innert, daß für die Zwecke der krrch, lichen Statistik am nächsten Sonntao, dcn G. April in allen Kirchen und Kapellen die Zählung der Ktrchen- besucher vorzunehmen ist.

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SottesdieriltorZnung.

Katholischer Gottesdienst.

Donnersta». 3 April. Dom Nahm, von V-.5 ab Getegcnh U zur hl. Beichte. Vib.n'5 8 Fastciipre).

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Spanische Messweine!

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bewilligt worden. Dadurch verbilligen sich meine anerkannt vorzüglichen spanischen Messweine in Zukunft um SOPfg.p. oFlasche. Ich empfehle der hodiw. Geistlichkeit, sich sofort den Bedarf für längere Zeit zu sichern.

Durch Verfügung des Reichsfinanzministers ist für ausländische Messweine, die nur für gottesdienstliche Zwecke verwendet werden, vorübergehende

Joseph Sdimltt, yä" Fulda

Vereidigt er Messweinlielerant Päpstlicher HollieferanL

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Baa^miuiAaii *n allen Grössen Kecnnunsen fmaMse,'.