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Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Sfaöf Fulda.

Nr. 80.

BrronNrortiild ür tue Sdrbtleünnfl: Dr. Jobanne« Kramer. Anretarn: I- B arseller. Su'.ba. Rolalwnikruck und verlas de» s gulbott Kdktibiftfnti 'n Nuldo. Nernlvreikrr Nr. S. :: BernaSdreiS kürAvr 1: TofibeffeFunfl 1.80, Etodib-,-al.S0TOI.

Donnerstag, 3» KprU 1924.

«nreisen »Preise: KlemieUe (UoicneO total al6 So »man anr-vLrtr 0.20 Sotdmark: Reklame, eile total 0.60. woibmart :: , aufwärts OSO Soldmark. r.

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51. Zahrg.

JeutsGllli-s Vorschlag zur Mililarkoutrolle.

Der Völkerbund als Kontrollorgan.

In einem Augenblick, in dem unter Hinweis | auf die Ergebnisse des Münchener Hochverratspro- zesses von der französischen Presse mit Nachdruck I die Aufnahme der Militärkontrolle in Deutschland , verlangt wird, hat der deutsche Botschafter in Paris dem Präsidenten der Botschaftcrkonferenz mit Bezug auf dessen Note rom 5. März über die Frage der Wiederaufnahme der Tätigkeit der in­teralliierten Militärkontrollkom­mission eine Note überreicht, in der es u. a. heißt:

Die drirtsche Negierung hat mich beauftragt, der Bol- fchri^erkonferenz vor allem zum Ausdruck zu bringen, daß sle den Willen zur B e r st Ö n d i g u n g, ter aus dec Note forte#, erkennt und würdigt und daß sie den Gedanken einer gemeinsamen Anstrengung, um aus der Sackgasse herauszukoMmen, durchaus akzeptiert. Line etwaige unoollständige Durchführung unwesentlicher Teile des Abrüstung-altes kann aber bas glaubt die btriftfje Regierung für sich in Anspruch nehmen zu dürfen nicht dazu führen, daß die Kontrolle beliebig verlängert wird. Die dsrüsche Regierung gestattet sich den Gegenvor­schlag, die Lrurchsührung der beschränkten Aufgaben der Milftärkontrolle von vornherein in die Hände eines anderen Organs zu legen, eines Organs, das eine Gewähr dafür bietet, daß sich die Militärkon­trolle in ihrer letzen Phase in einer Atmosphäre ruhiger Derhandlungen abfpielt. Dieses neue Kontrollorgan wäre auch zeitlich ausdrücklich an die Vereinigung der fünf Punkte zu binden, wenn man nicht vorzieht, feine Existenz terminmäßig z u befristen. Daß Donfchtemd, abgesehen von den fünf Punkten, im Sep­tember 1922 auch nach Ansicht der alliierten und effo« eiterten Regierungen mit wesentlichen Teilen des Ab- rüstungsakees nicht mehr im Rückstände war, er­gibt nach Auffassung Deutschlands bereits die Kollektiv» nrte vom 29. September 1922. Tatsächlich ist ja auch beispielsweise von der englischen Regierung wie­derholt positiv anerkannt worden, daß Deutsch- land, abgesehen von den fünf Punkten, den A b - rüstungsverpflichtungen genügt, insbeson­dere feine Wehrmacht unter das zuqelafsene Soll von 100 000 Man reduziert und die Abgabe von Waffen und Munition in völlig zufriedenstellender Weise durchge- fühvt hat. Es ist verständlich, daß die alliierten und assocsierten Mächte den Wunsch haben, die Frage, ob der deutsche Rüstungsstand heute noch derselbe ist, wie er sich im Sommer 1922 und mindestens auch «och im Frühjahr 1923 darstellde. einer Nachprüfung zu- ziisühren: aber man würde in die Rechte des Völkerbundes ein greifen, wenn man eine k-sravtige Nachprüfung in die Hände des zur Kontrolle des Abrüstunasaktes berufenen Organs der alliierten und affociietien Mächte legen würde, anstatt sie dem Völker­bund zu überlassen.

Die deutsche Abrüstung soll nach dem SB er­trag von Versailles die Vorbedingung für eine

allgemeine Abrüstung darstellen. Die Frage der Aufrechterhaltung des durch die deutsch: Abrüstung geschaffenen Zustandes gehört dagegen bereits in den Rahmen der allgemeinen Abrüstung hin­ein und kann daher nicht getrennt von ihr betrach- j tet werden. Deshalb kann dieses Werk schlechterdings

: nur von derjenigen Institution überwacht , und nötigenfalls geprüft werden, deren Obhut durch Ver­trag und Völkerbundakt die gemeinsamen Interessen aller Völker, insbesondere die Interessen Gesamte.ropas anvertraut sind. Die deutsche Regierung macht den in der Bosichasterkonferenz versrosenen alliierten und asso- dierten Mächten daher den Gegenvorschlag, daß sie sich zwecks Herbeiführung derjenigen Un.erfuchunzshand- Lngen, die sie im Interesse ihrer Bevuhigung über den deutschen Rüftungsstand für nötig halten, an den Rat des Völkerbundes wenden. Sach: des Völker- bunb es wird es dann fein, zu prüfen, ob die Vornr.s- setzungen für die Anordnung einer Spezi alunter- f u ch u n g gemäß Artikel 213 gegeben sind. Der Völ­kerbund wird in der Lage fein, durch gleichzeitige Einleitung einer tatsächlichen und atlge meinen Abrüstungsaktion die breite Oefstn.lichk.it davon zu überzeugen, daß die etwa für nötig gehaltenen Unt r» fuchungshandlungen nicht der dauernden Auf­rechterhaltung des jetzigen Mißverhältnis- s e s zwischen dem deutschen Rüftungsstand und dem- jenigen seiner Nachbarn, sondern der ehrlichen nutz end­gültigen Befriedung Europas dienen.

Die deutschen Zeitungen sehen in dieser Note über die Militärkontrolle ein E i n l e n k e n gegen­über den Forderungen der Botschafterkonfercnz. Die Note findet daher in der N e ch t s p r e s s e scharfe Kritik mit Ausnahme desBerk. Lokal- anz.", der es begrüßt, daß sich die Note mit Nach­druck auf das lebendige Gefühl der nationalen Würde im deutschen Volke beruft, welche eine zu­diktierte Daucrkontrolle nicht ertragen kann. Das B. T." hebt hervor, daß sich die deutsche Regie­rung in der Note ehrlich bemüht, auch von deut­scher Seite die notwendigen Schritte zu einem Ausgleich in der Frage der Militärkontrolle zu tun, der auf die internationalen Beziehungen, aber auch auf die innerpolitische Lage nur günstig einwirken könne. Der deutsche Vorschlag, der den Dölker- bundsrat entsprechend dem Art. 213 des Versailler Vertrages als Aufsichtsorgan über die Militär­kontrolle vorsieht, nehme der Kontrolle das Pein­liche, das Befehlende und Verletzende. Dieser Vor­schlag bedeute ein Vertrauensvotum, das Deutschland sicherlich nicht leicht geworden sei mit Rücksicht auf die Entscheidung des Rates in der oberschlesischen Frage, das aber von dem deutschen guten Willen wahrlich Zeugnis ablege.

Kus dem besetzten Gebiet.

Die Micum-Verträge.

Nach einer Meldung der .Köln. Ztg.' ist der Eechferausschuß des Nubrbergbaus am Dienstag mit der Micum zu einer Besprechung zusammenge- Wen.

Die Neichstagswahlen.

Einer Meldung aus Köln zufolge hat der kom­mandierende General des Brückenkopfes Düffeldols dem RegiernngsprSsidenten miioeicilt, daß er das Inkrafttreten der Veroidnung des Reichspräsidenten, die die Reichstagswadlen auf den 4. Mai festsetzt, unter dem Borbehalt genehmigt, daß die von der Miliiäibehörde über das Versamm­lungsrecht und die Pressefreiheit erlaffenen Vor­schriften beachtet werden.

Ulaffenkamps oder Krbeil?

Zu Wahlzeiten «rschcini m der sozialdemokrati­schen Presse immer wieder der Vorwurf gegen das Zentrum, als verrate es die Arbeiter inlereffen. Dabei werben mit bemerkenswerte'.' Skrupellosigkeit sogar anerkannte sozialpolitisch« Führer verdächtigt. Es geht in das Hirn dieser Demagogen nicht hinein, daß alle Stände in einem Dateilande wohnen, dessen Zusammenhalt Unterordnung und Einord­nung bedingt. Willen zur praktischen Arbeit Null. Es lebe die Verhetzung! Wenn neuerdings die Arbeit des Reichsarbeitsinmiftermms und damit des Ministers Dr. D r a u n s in einseitigster Weise verdächtigt wird, fo sei nur auf esti hier schon er­wähntes Schreiben des Hamburgischen Se­nats, der gewiß aus Leuten aller Parteien besteht, zur Beilegung des Hamburger Hasenarbeiterstreiks verwiesen, das so recht die allgeineuic Betrachtung beleuchtet, unter der allein praktische Arbeit für alle Stände zu betreiben ist und die immer die beson­dere Loitschnur der Zentrumspartei war. Es heißt da:

In einer von aufrichtigem sozialen Geist geleiteten Vermittlerarbeit ist es Ihnen gelungen, die durch die Arbeitsruhe im Hamburger Hafen verursachte Schädi­gung des deutschen Wirtschaftslebens zu beseitigen und die Arbeitgeber und -nehmer zu überzeugen, daß für einen Ausgleich der Gegensätze im Jnteresie der Allgemeinheit Opfer gebracht werden müßten . . . möge sich der Erfolg Ihrer Bemühungen über diese Einzelfrage hinaus in der Stärkung des Willens der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Wahrung des Wirr- fchaftsfriedcns fginsrettfi ausroirten.

Das nennen derVorwärts'' uni) seine Partei­gefolgtschaft draußen vor dem Volke: Zentrums­verrat sn den Arbeiteri irrer essen. Die Zentrumspartei wird sich durch d'ests dem Vater­land so abträgliche Agitaiionsgefchre! nicht beirren lassen, m ihrer wahrhaft sozialen Arbeit fortzu­fahren, auch wenn sie auf billige Propaganda dabei verzichten und nur mit dem nüchternen Blick und

gesunden kritischen Sinn des Staatsbürgers rechnen muß. Am Wahltag wird Gelegenheit fein, zu ent­scheiden, wem man die Stimme gibt: Dem notori­schen sozialpolitischen Phrasenheidentum oder der praktischen gerechten Sozialpolitik.

Der LisenbahnerstreiK in Vaden.

Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, ist der Eisen­bahnerstreik im Abflauen begriffen und im allge­meinen auf Mannheim, Heidelberg und Umgebung beschränkt. 3m Rangierbahnhof Karlsruhe haben sämtliche streikenden Arbeiter den Dienst wieder ausgenommen. Auch in den übrigen Streikgebie­ten sind zahlreiche Arbeiter wieder zum Dienst er­schienen. Nach der ganzen Stimmung in der Ar­beiterschaft ist die Zahl der Arbeitswilli­gen sehr groß. Sie werden nur durch Streik­posten. zum teil schon in ihren Wohnorten auf den Dörfern, daran gehindert, sich zu ihrer Arbeitsstelle zu begeben. Auf der Strecke Mann- Heim-Rheinau ist es sogar vorgekommen, daß Schrankenwärter durch Streikende gewaltsam von ihren Posten vertrieben wurden, sodaß Polizei zu ihrem Schutze eingreifen mußte. Der Betrieb wird uneingeschränkt durchgeführt. Die Lohnverhand- lungen in Berlin nehmen ihren Fortgang.

Im Reichsbahndirektionsbezirk Königsberg wurde für die in der eigentlichen Bahnunterhaltung tätigen Arbeiter vom 15. März bis 15. Okt. zur vollen Ausnutzung der günstigen Jahreszeit eine zehnstündige werktägliche Arbeitszeit ange­ordnet. Ein Teil der im Deutschen Eisenbahner- nerband organisierten Arbeiter der Königsberger Bahnmeistereien weigerte sich trotz der Mahnung der Verwaltung, die zehnte Arbeitsstunde zu leisten. Diesen Arbeitern etwa einem Drittel der Gesamtbelegschaft wurde das Dienstverhältnis fristlos gekündigt. Der Dienstbetrieb wird unter Ersetzung der Entlassenen durch neu zur Ein­stellung kommende Arbeitskräfte aufrecht erhalten.

wirtschaftliche Uampfbewegungen.

Vie Kämpe lm endlichen Schiffsbau. Die Ar­beitgeber tm Schiffsbau eroerbe haben beschlossen, eine allgemeine Ausipcrrun i vom 10. April nb auf ben Docks der Verbände zu verhängen, deren Mitglieder in Southampton am 8. April nicht ?-r Arbeit zurüchie- kehrt sind.

Siebente Zahl der Konkurse Die Anzahl bet Konkurseröffnungen betoe. t sich feit 6er Stabilisierung der Mark in auffäll' i steigender Linie Im März sinb 62 Konki'rseiöffnungen.?u verzeichnen (ge en 4'2 im Februar, 28 im Januar, 18 im Dezemder und 7 nn November). Im ganzen eisten Vierieijahe sind nach einer Zusnmmenstellnna der Finanzzeiuchrist .Die Bank' K Konkurse c öffnet tootben (ge en 37 im vierten Quar.al und 70 im ersten Quartal 1923).

Wilö Kni km Mnk-MW.

Mardonaw für Bcffafigung des Lausanner Drrkrages.

wtb London, 2. April. (Tel.) likacds tald gab zu, daß b dnn Friedensvertrag von Lausanne vieles enlhr-.llcn fei. mit dem man sich nicht einvsr- sianden cr.läri habe. Es wäre unsinnig, wenn die Kenterung dir Ratifikation ablehnen und die Sig- rrnlarmächke ersuchen wolle, nochmals zu beraten. E?ain die Starre wieder aufgerolll werde, so geschehe dies unter Umständen, die nicht so glücklich wären wie die, mit denen Lord Curzon in Lausanne zu rechnen Halle. Mardona!) erklärte, Auslralien und Südafrika halten nicht nur die Zustimmung zu der netten Ronven'ion gegeben, sondern auch die Der- cnteotiimg für die Earanlterung übernomme t. Er fegte in ferner Rede weiter: Großbritannien wird den Vertrag ratifizieren, sonst wird kein Ende des Kriegszustandes ciniretcn, cs könnte dann kein HcbcreinTommen, keine friedlichen Beziehungen und feine Zusammenarbeit geben. Er erinnerte ferner daran, daz die Türkei es abgelehnl habe, iraend- welche Ernennung für die fiomilees oder Kom­missionen vorzunehmen.

S-refemann über Bismarck.

Sür Realpolitik nach innen und außen.

wtb Chemnitz, 2. April. (Tel.) Anläßlich eines von der Deutschen Volkspartci veranstalteten Vis- marckabends hielt der Minister des Aeußern Dr. Strefemann eine politische Rede. Ausgehend vom Geburtstag Bismarcks am 1. April gab er ein Bild der Realpolitik Bismarcks, dessen Größe darin bestand, die außen- und innenpolitischen Dinge vom Stande des R e a l p o l i t i k e r s zu meistern. Diejenigen, die Bismarck nur als den Mann von Blut und Eisen hinstellm, verkennen fein Wesen. Er war der große Kompromißpolitiker. Er brach den Kulturkampf ab, als er eine Gefahr für die Einheit Deutschlands geworden war und suchte Bundesgenossen, wo er sie sand. Diejenigen»

Betrachtungen zum

Dos Münchener Urteil ist so ausgefallen, daß Ludendorsf in aller Form freige­sprochen winde. Die Bestrafung der üb­rigen A ng e k l a g t e n ist auch nur schein- bar; durch die Anwendung der Bewährungsfrist und Anrechnung der Untersuchungshaft werden sie in einigen Tagen der Freiheit wiedergegeben fein. Das Urteil entspricht dem, was man nach dem Ab­lauf des Prozesses und nach der Geistesverfasiung, in der sich weite Münchener Bevölkerungskreise, die Juristen einc,ejd)iof|en, befinden, erwarten mußte. Niemand, der auf Grund von Lrbens- erfahrung und politisch-historischer Einsicht über die Münchener Dinge nachgedacht hat, konnte sich in den letzten Wochen darüber im unklaren fein, daß in München das Rechtsbswußtfein, das Vertrauen des Volkes zur Rechtspflege, die Staatsautorität einen fürchterlichen Stoß erhalten würden. Der ein­fache Mann aus dem Volke fagt sich: Jeden muß Strafe treffen, der gegen Verfassung und Gesetz vorgeht; es ist gleichgültig, ob er Kapp oder Hölz oder Hitler heißt; wer mithilst, einen Anschlag auf den Staat und die Verfassung auszuführen, macht sich mitschuldig und muß ebenfalls bestraft werden. Recht muß Recht bleiben. Rach dem Münchener Prozeß kann man nicht mehr erkennen, wo der Anfang und wo das Ende ist. Wenn die Hitler ünd Genossen niemals vor Gericht erschienen wären, wäre der Schaden für den Staat und für das Rechtsgekuhl geringer gewesen als er heute ist, da den breiten Schichten des Volkes sich Gelegen­heit bietet, unangenehme, höchst unangenehme Vergleiche mit früheren Urteilen in ähnlichen An­gelegenheiten anzustellen.

Viele Worts brauchte man über das Urteil nicht zu verlieren. Es spricht zu sehr für sich selbst, wie überhaupt der ganze Prozeß keinen Kommentar erforderlich macht, sondern für sich selbst spricht. Bis zuletzt waren die A e ußer lich­te i t e n des Prozesses unübertrefflich vielsagend. Trat Ludendorff in den Saal, so erhoben sich die Anwesenden demonstrativ zur Begrüßung und das männliche Publikum schlug die Hacken zusammen. Aber ganz ähnlich wurde Hitler gefeiert. Auch ihm wurden förmlich militärische Ehren erwiesen, und das zu 99 Prozent von Hitler-Anhängern durchsetzte Publikum stand mit demverhimmel­ten Märtyrer" eigentlich fortgesetzt in Verbindung. Hitler selber leistete an Kokettieren mit dem Pub­likum geradezu Außerordentliches. Oft genug wandte er sich während seiner Reden vom Gerichts- tisch weg und sprach in die Presse- und Publikums- l'änfe hinein. Im Gerichtssaal waren einige Bank- reihen den unmittelbaren Angehörigen, Freunden und Bekannten der Angeklagien eingeräumt. Hier lw-nte man jeden Tag dieselben Zuhörer beobach­ten, die sich mit der Zeit geradezu ein Heimats- rccht in diesem Raum erworben zu haben glaub­ten. Die stete Kontrolle, die oft durch vier- oder fünffache Passagen ging, empfanden sie förmlich als eins Beleidigung. Mit den Angeklagten stand dieser Teil der Zuhörerschaft in ständiger Verbin­dung. Ludendorff selber beteiligte sich daran. Immer, wenn er in den Saal hineintrat, begrüßte er zuerst jenen, wegen seiner phantastischen und widerspruchsrollcn Darlegungen auch vom Gerichts­hof nicht ernst genommenen städtischen Flsischfrei- bankmeister Graf, den Rechtsanwalt Holl als die Verkörperung derdeutschen Treue" bezeich-

bie sich heule auf Bismarck beziehen, übersehen, daß er der erste gewesen wäre, der die Konsequenzen aus unserer außenpolitischen Lage gezogen hätte.

Wenn die Deutsche Dolkspartei sich auf den Standpunkt stelle, daß mit der jetzigen Sozialdemo­kratie eine Reichspolitik nicht getragen werden könnte, fo fei dies ein Ausdruck der tatsächlichen Lage und habe nichts mit Politik zu tun, dir das deutsche Volk innational" undinternational" zerreißen wolle. Schließlich habe so die Volks« e i n h e i t im Westen und Osten uns deutsche Oe- biete gerettet. Wer da glaube, daß wir sie heute nicht mehr brauchen, wisse nicht, vor welchen Ent­scheidungen wir in Bezug auf andere deutsche Oe- biete noch stehen können.

Im Anschluß an seine Rede in Hannover ver­breitete sich der Minister über die Notwendigkeit einer realen Außenpolitik, die erfordere, in vernünftigen Grenzen Opfer zu bringen. Diese Politik sei eine Politik, die vor dem Richter- stuhl der Geschichte und auch vor Bismarcks Auge bestehen würde.

Während und nach der Rede wurden dem Mi- nister stürmische Ovationen zuteil.

Kurland.

* Rach Italien! Ein itasienisches Blatt schätzt die Zahl der d e u t f ch e n Jtalirnfahrer gegenwärtig auf fiebjigtaufenb. Dreloirriel aller Hotel- zimmer Stafiens seien von Deutschen besetzt. Rach den Vorbestellungen werde die deutscheMassen, invasion" bis in den Sommer hinein et» dauern.

In den Guadalquivir gestürzt. Zwischen SkvMa und Algaba ist eine Brücke e i ngrstü rzt. Tu Brücke war eigenilich wegen des Hochwassers oe8 Gnadalqn vir für den «eikehr geiperrt. Trotzdem ließ der Brückenwächter einen schweren Autobu« mir etwa 100 Personen über die Brücke fahre«. Die'e begann plötzlich z» wanken und brach zu» sammen. 30 Tote nn» 50 Schwerverletzte wurden geborgen, doch ist die Zahl der Umgekommeneu erheblich höher.

Münchener Prozeß, nete, wohl deshalb, weil er Hitler, als dieser in der größten Rage war, ein Maß Bier holte, weil, wie Graf entschuldigend bemerkte, eshoalbe" nicht gab.

Der Schlußtag hat die theatralische Auf­machung auf der Höhe gezeigt. Alle Angeklagten, soweit sie ehemalige Offiziere sind, hatten große Uniform angelegt. Der tierärztliche Assistent Dr. Weber hatte Oberland-Uniform an. Vor der Ur- teilsverkündigung l eßen sich die Angeklagten photo­graphieren. Die Freunde der Angeklagten hatten sinnige Blumensträuße in das Senchtsgebiiude ge- schickt. Um die Besetzung der Plätze im Zuhörer- raum tarn es zu erregten Szenen. Einige Damen halten Blumensträuße in den Händen, an­scheinend in der Absicht, sie später den Angeklagten zu überreichen, doch mußten die Strauße auf Ver­anlassung der Polizei aus dem Saal entfernt wer­den. Unter den Zuhörern wie unter den Zeugen befanden sich o, e l e O f f i z i e r e, die in ihrer alten Frtedensunisorm mit Helm und allen Orden und Ehrenzeichen erschienen waren.

Als der Gerichtsvorsitzende das Urteil verlesen hatte, stand General Ludendorff» der in Felduni- form mit Militärmütze erschienen war» zu folgende Erklärung auf:Ich empfinde meine Frei» fprechung als eine Schande für den Rock und für die Ehrenzeichen, die ich trage, weil meine Kameraden verurteilt worden sind." Das Publikum brach in brausende Heilrufe aus. Der Vorsitzende Neidhart rief Ludendorff erregt zur Ordnung und! rügte seine Aeußenmg als grobe Ungehörigkeit. Auf fein Ersuchen an das Publikum, daß sich die Heil- rufer melden möchten, blieb alles still. Der Vor­sitzende verfügte darauf, daß alle Anwesende:! den Saal zu verlassen hätten, während d>e Verurteilten und ihre Verteidigung bis zur erfolgten Saalräu» mung bleiben möchten. -

Auf dem Gang und in den Nebenzimmern spielte sich eine Reihe erregter Szenen ab. U. a. kgm es am Treppenausgang zu einer Szene zwi­schen General Ludendorff und dem Negierungsrat Bals von der Polizeidirektion, der Ludendorff dienstlich ersuchte, zur Vermeidung ruhestörender Demonstrationen für sein Auto einen anderen Weg als bisher zu nehmen. Lichendorfs, dem gerade Blumensträuße überreicht wurden, weigerte sich in erregtem Ton, dieser polizeilichen Anordnung z» folgen, und stellte dem Regierungsrat Bals anheimz. ihn zu verhaften.

wib München, 2. April. (Tel.) Die Bayerische Volkspartei korrefpendeuz schreibt 3tun Urteil im lerprozeh unter anderem: Man muß zu dem Schluß kommen, daß hier ein Urteil gefällt worden ist. das den, Rechtsempfinden in keiner Weise gerecht wir», well die Straftat und das Objekt der Straftat mit de» Strafmaß in keinerlei Verhältnis strhe. Die Strafe ist durch die Bewährungsfrist praktisch aufgehoben, obwohl keine Garantie gegeben ist. daß die verurkeiflen die Vorau-selzung irgendwie erfüllen. Das Gericht Hot fich ans den Standpunkt gestellt, daß die Sache Ludendorff­einen Sonderfall darstelle. Der Freispruch des Gerichts ist nur bei Anerkennung eines frlchen Sonderfalls ver­ständlich. Wenn der Freispruch dem Heerführer Luden­dorsf eilt, so ist es für dca Politiker Lützendorfs kein Ruhni-