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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda. _____________

Mittwoch, 2. April 1924

51. Zahrg

Nr. 79

'ittlaHrszetz

9i$ llrteil int Mömhener P

Ludendorff steigefprochen

Aeslungsstrafe für 9 Angeklagte

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= Die Betriebsratswahien im Ruhrgebiet. Die ersten Teilergebnisse der Betriebsrätrwahlen im Ruhrgebiet, di« für die Kommunisten besonders günstig lauteten, haben ein falsches Bild gegeben. Nach den jetzt vorliegen­den Ergebnissen, die ungefähr ein Drittel der gesamten Schachtanlagen umfassen, steh: der Alte (sozialistische) Bergarbeiterverband doch wieder an der Spitze und zwar mit 348 Betriebsratsmitgliedern, während die Unionisten imb Syndikalisten 217, der Christliche Verband' 139, der Hirfch-Dunkersche Gewerkoerein und andere Organisatio- n«n 62 Sitze im Betriebsrat erhielten.

Wirtschaftliche ttampsbewegungen.

— Die vergarbeiterlöhne. Der Zechenverband in Essen hat Anträge der Bergarbeiterverbände auf Erhöhung der Löhne dahin beantwortet, daß eine Lohnerhöhung bei der jetzigen Lage des Ruhrbergbaues unter keinen Umständen in Frage kommen kann. Verhandlungen über diesen Gegenstand seien aussichts­los und zwecklos.

— Der Streik in den Schiffswerften. Am 29. März fanden in Hamburg Verhandlungen des Reichsarbeits­ministers mit Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeit­geber de: Seeschiffswerften über die Beilegung des nun schon fünf Wochen dauernden Streiks statt. Leider glaubten die Werften den Anregungen des Ministers nicht folgen zu können, sodaß die Verhandlungen nach 18stiindiger Dauer abgebrochen werden mußten.

— Di« Modistinnen von Paris haben den Streik beschlossen, da die von ihnen geforderte 30 "Zeige Lohn­erhöhung abgelehnt worden ist.

der neuer Wahrheitsbeweise ihre Befangenheit und ihren Irrtum selbst e i n f e h e n lernen. Dazu be­darf es aber der Zeit, und von heute auf mor­gen läßt sich das nicht erreichen. Vor allem aber läßt sich ein derartiger Kampf gegen die sogenannte Kriegsschuldfrage nicht führen, wenn die deutsche Regierung ihn offiziell aufnimmt, und er sozusagen den amtlichen Stempel erhält. Aufklärende Kleinarbeit, das ist der einzige Weg, der, wenn mich langsam, aber sicher zum Ziele führt, bis daß eimvandfrei und lückenlos beroiefen fein wird, daß Deutschland frei von der Schuld am Kriege und da­mit das Versailler Diktat von selbst hinfällig wird.

In München waren aus Anlaß der Urteilsver- kündigung im Hochverratsprozeß umfangreiche Si­cherheitsmaßnahmen getroffen. Die Poli­zeidirektion hatte folgende Anweisung ergehen las­sen: Die Polizeidirektion weiß, daß für den 1. April größere Kundgebungen geplant sind. Umzüge und Ansammlungen sind verboten und werden mit allen Machtmitteln unterdrückt. Die Standrechtverord- mmg (die Todesstrafe für Ruhestörung androht) gilt noch.

Ludendorff völkischer Spitzenkandidat.

An der Spitze der Reichswahlliste der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei stehen den Blättern zufolge General Luden- dorff, der die Kandidatur angenommen hat, v. Graefe-Goldebee, Landgerichtsrat Dr. Po s hner und Graf Reventlow.

Ob Ludendorfs beim Wahlkampf mehr Glück haben wird, als bei den Unternehmungen, an deren Spitze er bisher gestellt worden ist oder sich gestellt hatte, bleibt abzuwarten. Die deutschen Katho­liken wissen jedenfalls, was sie von ihm zu er­warten haben.

Näheres auf der 2. Seite.

wtb. München, 1. April (Tel.) Jm Hitler-Prozeß wurde folgendes Urteil verkündet:

Hitler und pöhner, kriebel und Dr. Weber wurden zu je 5 Jahren Aestung, 200 Mark Ge ldstrafe, eventuell 20 Tagen Festung, und Tragung der Soften verurteilt. Nach Verbüßung einer Strafzeit von 6 Monaten Festung wird den Verurteilten Bewährungsfrist für den Strafrest in Aussicht gestellt

General Ludendorff wurde freigesprochen unter Abbürdung der ab- jutragenden kosten auf die Staatskasse.

Die Angeklagten Frick, Böhm, Brückner, Wagner und Pernet wurden wegen Beihilfe zu 1 Jahr 3 Monaten Festung und 100 Mark Geldstrafe eventuell 10 Tagen Festung, ferner zur Tragung der kosten verurteilt. Diesen fünf Verurteilten wird für den Strafrest mit sofortiger Wirkung Bewährungsfrist bis zum 1. April 1928 gewährt

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Soziales.

— Besserung der wirtschastrlage in der Rheinorovinz. Noch dem Bericht des Arbeitsamts de: Rheinpiovinz hat Dort die Besserung de: Wirtschaftslage ein rasches Tempo angenommen. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen ist in der letzten Woche stärker zurückgegangen alSinder vorder gegangenen Woche. In den Bezirken Köln und Düffeldorf ist die Arbeits- losigteit um je 12 Prozent gesunken gegen 4 bezw. 9,5 der Vorwoche

Mittwoch, den 2. April

vorm. 11 Vs Uhr spricht der

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Herr Dr. Crone

gelegentlich der BertrauenSmäunerveriammlnng in her Harmonie. Alle Vertrauensleute und Freunde der Zentrumsparlei sind höflichst eingeladen.

Vie Goldbilanz.

Es hat sehr geraume Zeit gedauert, bis die Reichs­regierung mit den Aussührungsbestimmunaen zur Gold­bilanz hervorgetreten ist. Die wichtigsten Bestimmungen sind folgende:

Nach der Umstellung muß der Betrag der Aktien auf 20 Goldmark, 100 Goldmark oder ein vielfaches vpn 100 Goldmark lauten. Damit ist die Kleinaktie ge­sichert. Drese Kleinaktie von 20 Goldmark tritt dann in Kraft, wenn der Wert der Aktie einer Aktien­gesellschaft oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien am 31. Dezember 1923 weniger als 40 Billionen für 100 Mark Aktienkapital betrug. Ist dieser Wert am 31. Dezember 1923 höher gewesen, so müffen die Aktien auf 100 Goldmark oder das Vielfache davon gestellt werden. Die überschießenden Beträge sind, soweit nicht Aktien über 20 Goldmark gewährt werden, in Reserve zu stellen. Rach der Umstellung der Gesellschaften mutz der Betrag der mit mehrfachem Stimmrecht aus- gestatteten Aktien auf eine Goldmark oder ein Viel­faches davon, der gesamte Nennbetrag dieser Aktien auf mindestens fünftausend Goldmark lauten. Werden diese Nennbeträge nicht erreicht, so sind die Aktionäre berechtigt, die für die Einhaltung dieser Mindestgrenzen erforderlichen Beträge sowie den Betrag der entstehenden Kosten zu zahlen.

Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkün­digung (28. März) in Kraft. Die erste Verordnung zur Durchführung der B. ü. Goldb. vom 5. Febr. und die Vorschriften der §§ 3 bis 5 der zweiten Durch­führungsbestimmungen zur Rentenbankverordnung vom 17. Dezember 1923 treten außer Kraft. ES handelt sich hierbei um das vorübergehende Verbot der Herab- setzung des Nennwerts Der Aktien.

Die K-Goldschatzanweisungen, welche in unverzins­liche Goldschatzanweisungen .E" umgetauscht werden sollen, sind bis zum 31. März an die zuständige Z a h l- stelle des RelchsentschädigunqsamteS einzu­senden. Vielfach gehen jedoch im Entschädigungöver- fahreu ausgegebene K-Goldschatzanweisungen bei der Friedensvertragsabrechnungsstelle oder der Umtausch- stelle beim Reichskommiffariat für Reparationslieferun­gen ein. Es wird daher darauf hingewiesen, daß die im Entschädigungsverfahren ausgegebenen K-Goldschatz- anweisungen an das Reichsentschädigungsamt einzu­senden sind.

Ser M SeMlisMtl.

Der Reichskanzler empfing den Chefredakteur der „Braunschweigischen Staatszeitung" zu einer Unterredung, in deren Verlauf er sich über den Wahlkampf wie folgt äußerte:

Wiederholt ift darauf hingewiesen worden, daß dieser Reichstags dessen Auflösung erfolgt ist, nicht mehr der wahren Dolksmeinung entspreche. Es wird sich am 4. Mai erweisen müssen, inwieweit diese Kritiker Recht behalten sollen. Es wird sich aber für jeden Deutschen die zwingende Notwen­digkeit ergeben, seiner Meinung durch Abgabe sei­nes Stimmzettels Ausdruck zu verleihen.

Der neu zu wählende Reichstag wird sich vor riesenhafte Aufgaben gestellt sehen, die der Lösung nur zugeführt werden können, wenn eine entschlossene, verantwortungsbewußte und verfassungstreue Mehrheit das Rückgrat der Ne­gierung bildet, die für die Politik im Innern und i nach Außen verantworlich zu zeichnen haben wird. (Es gilt, Realpolitik, Dernunftpolitik und nicht Gefühlspolitik zu machen, lieber das Ziel dieser Politik darf i'm deutschen Volke kein Zweifel bestehen. Keines unserer Rechte wollen wir aufgeben. Ehrlich und aufrichtig wollen wir an die Arbeit gehen, um uns aus der Schuldknecht­schaft zu lösen, die schwer auf uns lastet. Nicht mit Krieg und Kriegsgeschrei und mit der Waffe in der Hand. Nein! Mit Hammer und Mei- ß e l und Hacke und Schaufel in de? Hand wollen wir Werte schaffen, jeder an dem Platze, an den er gestellt ist.

Es ist notwendig, kühl und nüchtern die Dinge zu sehen, wie sie sind. Diese Erkenntnis erfordert den unbeugsamen Willen, ganze Arbeit zu leisten und Dienst am Baterlande zu verrichten, das wir retten können, wenn wir selbst es wollen. Opfer verlangt dieser Dienst am Vaterlands von jedem einzelnen von uns; aber der Lohn wirb sicher nicht ausbleiben, da jede Arbeit den Lohn in sich trägt. Jeder Deutsche fei ein Rädchen in der großen Ma- ' schinerie des vaterländischen Schaffens. Er lerne seine Funktion begreifen und werten und füge sich f willig und-freudig dem Ganzen. Nur Ktttik daran, ; daß die Maschine schlecht läuft, erforbert weni- • ger Mut als ber Wille, sich m das Getriebe ein« j zuschalten. Weg und Ziel sind uns vorgezeichnet. Es gift, mit Glauben und Vertrauen an die Arbeit zum Besten des Vaterlandes zu gehen.

Uatholjsche Welt.

- Bischof Augustinus von Limburg war om Täms tag plötzlich an Lungenentzündung so schwer er krankt, daß am Sonntan öffentliche Bittgebete stab- fanden. Später ist eine wesentliche Befferung eingetreten

Wmtt neues Mmm, das er selbst in der Kammer vorgetragen und im Senat hat vortragen lassen, bringt die alten Laden­hüter in neuer Aufmachung. Es wurde nach über­einstimmenden Meldungen von den Kammermit- gliedern sehr frostig ausgenommen.

Die Erklärung der Regierung enthält sich jeder Bindung und Festlegung fast ängstlich. Den beiden dringendsten Fragen der internationalen Politik, dem Reparations- und Sicherheitsproblem gegen­über beschränkt sich Poincare auf die Betonung einer weitgehenden Verständigungsbereitschaft. Er unterstteicht erneut, daß Frankreich seine Trup­pen aus dem Ruhrgebiet nur i m Ver­hältnis und nach Maßgabe der deut- schen Zahlungen zurückziehen werde unb,daß es die Pfänder, die «s gegenwärtig in dir Hand halte, nicht gegen leer? Versprechungen herausgeben werde, gibt aber andererseits der Hoffnung Aus­druck, daß die Vorschläge der Sachverständigen eine allgemeine Regelung und eine rasche Liquidation des Reparationsproblems ermöglichen werden, und erklärt weiterhin, daß die ftanzöfifche Regierung bereit fei, zusammen mit den Alliierten in den Vor­schlägen der Sachverständigen die Elemente für eine definitive Lösung zu suchen. Die Regierungs­erklärung beteuert, daß Frankreich keinerlei impe­rialistische Ziele verfolge und zu den Zwangsmaß­nahmen gegen Deutschland nur durch die Böswil­ligkeit des Schuldners und gegen ihren eigenen Willen gezwungen worden fei, bekennt sich ande­rerseits aber rückhaltlos zu einer Politik des nationalen Egoismus, deren Formel „erst Frankreich, bann Europa" die Antwort auf die jüngsten von der englischen Regierung in ber Si­cherheitsfrage gemachten Anregungen darstellen dürfte.

Die innere Politik der neuen Regierunc wird als Versuch einer Zusammenfassung alle: republikanischen Kräfte definiert. Von der Mehr­heit, auf die Poincare sich zu stützen gedenkt, sollen nur die Parteien der extremsten Linken sowie die­jenigen Gruppen ausgeschlossen sein, „die die Re­publik bekämpfen und die parlamentarischen Insti­tutionen zu unterhöhlen versuchen".

In der anschließenden Sitzung der Kammer wurden nach einer teilweise lebhaften Debatte' über die Skandale bei der Auszahlung der Kriegsent- fchädigungen die drei Budge..... ' “ o-

nate April, Mai und Juni na Zwölftels für März angeno ging darauf an den Senat.

Es werden jetzt längere Interpellations- Debatten folgen.

laßt, die Unterschrift zu vollziehen. Dies Bekennt­nis der deutschen Alleinschuld ist enthalten im Pa­ragraphen 231 des Friedensvertrages und lautet: „Die alliierten und affozierten Regierungen erklä­ren, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und feine Verbündeten als Urheber für alle Ver­luste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assozierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Eingriff Deutschlands und feiner Ver­bündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben."

Hier liegt erffo die Hauptauelle der Verelendimg des deutschen Volkes. Nach zwei Seiten hin strahlt sich die schädliche Wirkung aus: einmal innenpoli­tisch, dann zum andern außenpolitisch. Innenpoli­tisch, weil hier immer die Opposition mit ihrem Hebel einsetzt, und den leitenden Männenr in der Regierung dauernd Schwierigkeiten bereiter Hat die Opposition es in jedem Lande stets leicht, mit ihren Forderungen Sturm gegen die jeweilige Re­gierung zrr laufen, fo ist dies in Deulschland ge­rade mit der Waffe der gegebenen Anerkenntnis der Kriegsschuld — und wenn sie wie gesagt, auch nur unter drückendem äußerem Zwange erfolgt ist — um so leichter möglich, well hier eine Forde­rung erhoben wird, von der letzten Endes die Män­ner in der Regierung wie auch jeder einzelne Mann im deutschen Volke überzeugt ist, daß mir frei von jeder Schuld sind. Eine Unmenge Material ist hier zur Entlastung des deutschen Volkes oeröfsent- licht worden. Das Material, das von deutscher Seite bisher veröffentlicht worden ist, legt an und für sich schon zur Genüge dar, daß von einer Allein- schuld am Weltkriege, wie sie der obige Artikel 231 des Versailler Friederrsvertrages enthält, nicht die Rede fern kann.

Dazu kommen aber auch nach und nach mehr Stimmen aus dem Aus lande, die bewei­sen, daß die Weltmeinungen in dieser Frage doch erheblich zugunsten Deutschlands sich zu wenden be­ginnen. Aber noch wirkt die feindliche Propaganda, die sieben Jahren ununterbrochen im gesamten Auslande ungehindert tätig war, in der Welt nach. Der Ausspruch des ehemaligen 'Ministerpräsidenten Lloyd George, daß die Nationen in den Krieg hineingestolpert sind, daß also in Wirklichkeit an dem Weltkriege keine Einzelnation schuld trägt, sondern mehr eine Verkettung schwieriger Umstände, rft noch nicht zum Gemeingut der, Völker, vor allem der Entente geworden. Bevor bies aber nicht der Fall ift, ist jedes Sturmlaufen gegen den obigen Paragraphen 231 und demzufolge gegen eine Re­vision der Schuldfrage und damit des ganzen Ver­sailler Friedsnsoertrages vergeblich, ja nur gefahr­bringend.

Wie die Weltmeimmgen einst durch die Entente-

5er W gegen Oie SWWe.

Von einem unserer außenpolitischen Mitarbeiter wirb uns geschrieben:

Die Not des deutschen Volkes hat ihren Ur­sprung in den unmöglichen und unerträglichen Be­dingungen des Versailler Friedensdiktates, und den durch dasselbe dem deutschen Volke auferlegten brückenden Lasten. Diese Lasten auf das Maß des Erttäglichen zu bringen, ist die Aufgabe aller deut­schen leitenden Staatsmänner gewesen und muß sie auch fernerhin bleiben. Wie weit es gelingen wird, unsere früheren Gegner von der Unmöglichkeit ber Erfüllung ber in dem Versailler Friedensvertrag enthaltenen Bedingungen mehr ober weniger zu überzeugen, und diese auf das wirkliche Maß der deutschen Leistungsfähigkeit herabzusetzen, bas ist zur Zeit die schwierige Aufgabe der Sach- verständigen-Ausschüfse. Dabei ist es trotz Anerkennung der völligen Objektivität dieser Sachverständigen und ihrer großen Sachkenntnis doch weiter berechtigt, daran zu zweifeln, daß sie Deutschlands Lage richtig einschätzen ober sich ein richtiges Bllb von ber deutschen Leistungs­fähigkeit verschafft haben. Sicherlich wttd das Ur­teil dieser Sachverständigen, so objektiv es auch lauten mag, noch immer die künftigen Leistungen Deutschlands in einer Höhe bestimmen, die zum mindesten hart an die Grenze des Möglichen und Erreichbaren geht. Auch eine solche Milderung, ein vorübergehendes Moratorium ufro. dürfen uns in keiner Weise über die Größe und die Schwere der uns noch bevorstehenden Opfer hinwegtäuschen. Ob dabei nun aber die Sachverständigen mit ihren Finanzierungsplänen und Erleichterungen über­haupt durchdringen werden, bas scheint bei ber Einstellung Frankreichs, wie sie zur Zeit ist, noch immer recht fraglich. Solange ber Versailler Friedensvertrag in solcher Schwere und mit solchen Opfern auf dem deutschen Volke lastet, so lange dürfte ber wahre Frieden nicht in Europa Einzug halten. Wenn ein Volk, wie das deutsche Volk es in den letzten Jahren getan hat, dauernd fein Letz­tes hergibt und der Gegner noch immer nicht zu­frieden ist, und wie bei der Ruhrbesetzung gewis­sermaßen als Gerichtsvollzieher auftritt, um alles, also auch die gesetzlich ausgenommenen lebens­notwendigen Gegenstände, zu nehmen, so muß das einen dauernden Zustand ber Erbitterung und damit zugleich der F r i e b e n s b e d r o h u ng werden.

Es liegt darum im Interesse nicht nur Deutsch­lands, nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt, diese Ursache zu neuen Verwicklungen ein­gehend zu erforschen und hier Abhilfe zu schaffen. Die Quelle des Hebels ist, wie gesagt, der Versailler Friedensvertrag. Es müßte also hier eine Revision stattfinden, die dem deutschen Volke neue Lebens- notmenbigteiten bietet. Und eine solche Revision des Versailler Vertrages ist auf die Dauer bin nicht nur möglich, sondern direkt erforderlich, wenn die Grundlage, auf der er sich aufbaut, ins Wanken kommt. Und diese Grundlage, das ist die Kriegs­schuldfrage.

Nicht umsonst haben die Feinde Deutschlands von der damaligen Regierung und ber Weimarer Nationalversammlung eine offizielle Anerkennung ber Alleinschulb Deutschlands am Weltkriege ver­langt. Denn mit einem solchen Bekenntnis mußte Deutschland als notwendige Folge die moralische und materielle Schadenersatzpflicht in vollem Um­fange übernehmen. Man hat dieses Bekenntnis in den Versailler Vertrag eingeschlossen. um so durch die Unterschrift unter dem Vertrag gleichzeitig auch eine schriftliche Anerkennung für die deutsche Allein- schuld vor aller Welt zu besitzen. Und als Deutsch­land, vielmehr die verantwortlichen Kreise in Deutschland sich nicht nur im Hinblick auf das Volksbewußtsein, das sich von einer solchen Kriegs­schuld frei wußte, sondern auch vor allem im Hin­blick auf die furchtbaren materiellen Folgen wei­gerte. dieses Bekenntnis zu unterschreiben, da hat man sie durch Zwang und Drohung unter Aus- 'uchung der geschwächten deutschen Position veran-

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