.HZ 77.
Sonntag, 30. MLrz 1924.
Fuldaer Ejeitung
4. Blatt.
Druck der Fuldaer Aetieadrackerei in Fnlda
Regierung5krlsen und Markstand.
Don einem süddeutschen Reichstagsabgeordneten.
Wie die ewigen Regierungskrisen die Mark verschlechterten, zeigen folgende Zahlen:
Stand des Dollars bei Beginn bezw. Ende der
Kanzlerschaft: Kcheidemann Bauer Müller »ehrenbach Dr. Wirth Cuno Streseman» Marx
Beginn 8,83 Mk.
. 13,50 Mk.
. 73,- Mk.
. 37,50 Mk.
, 64,75 Mk.
. 7062,50 Mk.
. 3 Milld. Mk.
. 4,2 Bill. Mk.
Ende 13,50 Mk.
. 73,— Mk.
, 37,50 Mk.
, 64,75 Mk.
. 7062,50 Mk.
. 3 Milld. Mk.
. 4,2 Bill Mk.
Einige Bemerkungen zu diesen Zahlen. Unter her Kanzlerschaft Bauer ereignete sich der Kapp- Putsch, und der Dollar stieg um das SV-fache. Nach seiner Ueberwindung ging er wieder um 50 Prozent zurück. Unter der Kanzlerschaft Wirth erfolgte die ungerechte Entscheidung über Oberschlesien. Der Dollar stieg auf 350. Da kam die Ermordung Rathenaus. Und nun ging es rapide abwärts. Das Ausland verlor das Vertrauen zu uns. Die Schüsse, die Rathenau töteten, wurden der Mark verhängnisvoll.
Den tiefsten Absturz erlebte die Mark durch die Ruhrbesetzung unter Cuno.
Was lchren diese fortwährenden Regierungskrisen? Daß sie von Unheil sind, und daß die Parteien, die in den letzten fünf Jahren oft aus ganz nichtigen Gründen oder aber aus Mangel an Weitblick und Verantuwrtung aus der Regierung austraten, «ne schwere Schuld auf sich geladen
haben.
Die Zentrumspartei hat nie eine Re- gierungskrife gemacht, wohl aber hat sie hei allen Regierungsblldungen einschließlich der Regierung Cuno in der selbstlosesten Weise mitgearbeitet.
Im Interefle einer ruhigen Weiterentwicklung des Vaterlandes ist daher die Erhaltung eines starken Zentrums absolut notwendig. Es ist erfreulich, aus einem eben jetzt bekannt gewordenen Erlaß des Generals von S e e ck t zu ersehen, wie ernst rmd hoch er die harte und nüchterne Arbeit an unserem Vaterlande auffaßt. Was er von der Reichswehr sogt, gilt auch für die Zentrumspartei:
.... nicht von diesem oder jenem Extrem, nicht von äußerer oder innerer Revolution — komme sie von links oder rechts — das Heil kommt, sondern datz nur harte, nüchterne Arbeit die Möglichkeit zum Weiterleben gibt. Diese können wir allein auf dem Boden von Gesetz und Verfassung leisten.-
Hart und schwer war die Arbeit der letzten vier Jahre. Seit vier Monaten haben wir etwas festeren Boden unter unseren Füßen. Der ehemals dicht geschlossene Ring unserer Feinde weist erhebliche Lücken auf. Die Mark ist stabilisiert. Das Volk soll nun entscheiden, ob die Politik der nüchternen Arbeit, der Stabilität der Finanzen, der Wiedergewinnung von Freunden unter den Welttrölkern weitergeführt oder ob eine Politik der Schlagwörter, der Agitation, der Gesetzlosigkeit und der Inflation begonnen werden soll. '
Die Entscheidung liegt beim Volke. So wie es wählt, so wird es leben müssen.
Sozialismus und Landwirtschaft.
Es war zu erwarten, daß die Sozialdemokratie aus agitatorischem Bedürfnis unmittelbar vor den Wahlen Stimmung gegen andere Parteien machen will, indem sie die alten Interessengegensätze wie zwischen Unternehmer und Arbeiter, so auch zwischen Stadt und Land auszuspielen sucht. Zu diesem Zwecke hat sie es verstanden, berechtigte Forderungen der Landwirtschaft, ohne sie einer sachlichen Prüfung zu unterziehen, von vornherein als agrarische Anmaßungen hinzustellen.
Jeden aber, der von der Bedeutung unserer Landwirtschaft für die Volksernährung und für einen sichern Binnenmarkt unserer Jn- dustrieprodukte überzeugt ist und von Volkswirtschaft etwas versteht, erfüllt die heute für manche agrarische Wirtschaften infolge des ungünstigen Ver- hältnisies zwischen den Preisen der landwirtschaftlichen Produkte und der Produktionsmittel entstandene mangelnde Rentabllität mit ernsten S o r-
Pygmalion.
Don R. P. Garrold. •)
Pygmalion war ein Kaninchen, aber beileibe nicht etwa ein ganz alltäglicher Vertreter seiner Art. Er war em belgisches Riesenkaninchen, und was das heißen will, werden die Eingeweihten wissen. Zudem besaß er, ohne daß das winzigste Tüpfelchen daran fehlte, alle edeln Vorzüge und Eigenschaften, die nur je ein belgisches Mesenkaninchen besessen hat. Seine Ohren hatten genau die richtige Länge unD die richtige Form und hingen so, wie sie hängen sollten. Sein Fell war genau von der richtigen Tönung und schimmerte im richtigen Glanze. Seine Nase war tadellos, feine Linien perfekt: sein Schwanz war der Inbegriff aller Vollkommenheit und daher schlechterdings nicht zu übertreffen. Der Anblick Pygmalions ließ die Herzen aller Sonin- chenliebhaber höher schlagen und erfüllte sie mit Bewunderung und Eifersucht. Mft gutem Grunde konnte sein Eigentümer als ein Günsüing Fortunas gelten.
Der solcher Auszeichnung Gewürdigt war Dlef- sington, und viele waren der Ansicht, daß sich Fortuna in diesem wie in den meisten Fällen kochst launisch und — in Bezug auf Verdienst — jämmerlich blind gezeigt habe. Unter den Schülern von St. Batt, die Kaninchen hielten, wäre mancher eines so hohen Glückes würdiger gewesen als gerade Bleffington.
Blefsington war eingebildet und nahm jede Veranlassung wahr, sich aufzuspielen. Er war begabt und bekam Preise und kriegte nie Krach. Blessing- tons Freunde verschmähten es, sich „Bande" zu nennen, wie das in der Tertia übliche Wort lautete, sondern sprachen von sich als von seinem „Zirkel"..
Die Mitglieder des „Zirkels" taten sich etwas darauf zu gute, bei allem, was in der Tertia vorging, an der Spitze zu marschieren. Als z. B. Pater
•) Die Garroldfchen Schülergeschichten toben sich auch die deutsche Jungwelt erobert. Die drei Bände „Echte Jungen-, »Das wilde Kleeblatt-, „Kleine Brauseköpfe- (Verlag Herder, Freiburg i Br.) liegen schon in fünsundv'erzig Tausend Auflage vor. Aus dem letzt- genannten bringen wir oben äuszüglich eine Humor-
WWVKVWVKWUWUWWKWA
Die Aufnahme fand, wie erwähnt, auf dem
kämpferischen Grundeinstellung. Seitdem die Sozialdemokraten im Reich aus Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl aus der Regierung sich haben herausmanövrieren lassen, wollen sie um der Erhaltung ihres unzufriedenen und innerlich zerrissenen Anhanges willen volkswirtschaftliche und na- rionalpolitifche Notwendigkeiten nicht mehr ein« sehen.
gen. Und da arbeitet die sozialistische Presse mit den alten Ladenhütern zur Bekämpfung der Agrarier aus der Vorkriegszeit. Man behandelt die Vorschläge, welche in der Oeffentlichkeit zur Erhaltung einer leistungsfähigen deutschen Landwirtschaft gemacht werden, vom Gesichtspunkte der Wahltaktik, eines engen und darum kurzsichtigen Konsumenteninteresses oder einer klaffen
der Bekenntnisschriften als verpflichtende -teile der Verfassung ansehen würde.
Die Redner der Deutschen Volksparier lehnten jedes Eingehen auf die innerkirchliche Frage, in welchem Umfange Bekenntnisformeln entscheidend für die Zugehörigkeit zu einer Kirche seien, rundweg ab und beschränkten sich auf die Feststellung, daß nach dem Wortlaut der umstrittenen Kirchenverfassung hinsichtlich der Bekenntniffe alles beim alten bleiben solle. Rein begrifflich sei nichts dagegen einzuwenden, wenn in der Kirchenverfassung etwas vom Bekentnis enthalten sei; daß aber die evangelische Landeskirche der Altpreußi- schsn Union einen anderen Charakter bekommen habe durch die Aufzählung der Bekenntnisschriften, sei durchaus zu verneinen, zumal alle diese Be- kenntnisschrifLen in der Kirchenordnung für Rhem- land und Westfalen und zwar nicht etwa im Vorspruch, sondern im Texte selbst enthalten seien, und die evangelische Generalsynode der altvreuß-schen Landeskirche im Jahre 1846 durch förmlichen Beschluß die in Rede stehenden Bekenntnisschriften als Grundlage für die Feststellung einer Lehrordnung anerkannt habe. Daß der Vorspruch jedoch keine lehrgesetzliche Verpflichtung darstelle, sondern der Kirche nur das Kolorit (!) gebe und auf diese Weise die JdenUtät der bisherigen Landeskirche mit der neuverfaßten klarstelle, gehe aus den Erklärungen von leitenden Mitgliedern der Kirchenversammlung hervor.
Die Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei bestritten das Recht des Staates, sich in innerkirchüche Angelegenheiten, zu denen zweifellos die Bekenntnisfragen gehörten, zu mischen. Der Vorfpruch mit der Aufzählung der Bekemtt- nisschrfften sei beschloffen worden, um die Identität und Kontinuität der neuverfaßten Kirche trotz der Namensveränderung (früher „Evangelische Landeskirche der älteren Provinzen", jetzt „Evangelische Kirche der altpreußischen Union") festzustellen. Er glaubt die Gegner damit beruhigen zu können, daß der Vorspruch nicht konstitutiven, sondern bloß deklaratorischen Wert habe. Er warne, bei der Neuverfassung der kirchlichen Gemeinwesen die Frage ■ der Kontinuität aufzuwerfen und verweise zur Be- gründung auf den Mißerfolg, den Bismarck erlebte, als er den Versuch machte, wegen der Beschlüsse des vatikanischen Konzils die Kontinuität der katholischen Kirche in Frage zu stellen.
Die Zentrumsfraktion beschränkte sich sowohl in den Ausschußsitzungen wie bei der Hauptberatung auf die Abgabe der Erklärung, daß sie entsprechend ihrer ständigen Ueberlieferung jede Einmischung von Parlament oder Staatsbehörden in innerkirchlichen Angelegenheiten, vor allen Dingen in die Lehre der Kirchen, für u n z u- lässig halte. Da die evangelischen Kirchen sich selbst ihre Verfassungen gegeben hätten, könnte es nid)t für die Aufgabe des Landtags gehalten werden, sich mit dem Inhalt.dieser Verfassungen zu befassen und dazu Stellung zu nehmen. Das Zen- irum beteilige sich an der Aussprache über die Verfassungen nicht, sondern werde sie bei den Abstimmungen über das vorliegende Gesetz als maßgebend betrachten.
Nachdem die Parteien m ausgiebiger Weise in den Ausschutzsitzungen sich ausgesprochen hatten, konnten di» Plenarverhandlungen um so kürzer sein Die von feiten der Sozialdemokraten und Demokraten auch hier gemachten Versuche, das vorsiegende Gesetz und damit die kirchlichen Verhältnisse in ihren: Sinne zu beeinflussen, wurde von den Rechtsparteien und Zentrum abgelehnt, das ganze Gesetz schließlich von den bürgerlichen Parteien gegen die sozialistffchen Parteien angenommen.
Pomeroy das Vogelhaus einrichtete, um den erschlaffenden Eifer des „Vereins für Naturkunde" von neuem zu beleben, begrüßten die Blefsingtonia- ner bieje Idee mit einem riesigen Aufwand von Begeisterung und machten den Vorschlag, nicht nur Vögel, sondern auch andere Tiere in die Sammlung aufzunehmen.
Daß der „Zirkel" die Gründung der Menagerie aus rem gemeinnütziger Absicht vor geschlagen habe, glaubte im Grunde niemand. Da Blefsington Kaninchen hielt und von Blessingtons Onkel eine Autorität auf diesem Gebiete war, so dachten seine Freunde wohl, das Ganze werde ein Blessington- sches Gehege werden. Hierin hatten sie sich — wenigstens zu Anfang — schlimm verrechnet. Lange Zeit genossen Arnolds Mungos — eine Art Manguste— und Philipsons Ringelnatter gemeinsam die höchste Auszeichnung. Diese letztere war etwa einen Meter lang und gab einen fürchterlichen Geruch von sich, wenn man sie neckte. . . .
Wir haben bereits die „Banden" und Pater Pomeroy erwähnt. Die „Banden" und Pater Pomeroy waren damals vielleicht das Bemerkens- wertefte von St. Batt. — St. Batt war eine katholische Knabenschule, und die meisten Lehrer waren Priester. Pater Pomeroy war nicht nur Priester, sondern auch Naturforscher, und zwar nicht etwa ein gewöhnlicher Naturforscher: er war in der ganzen Welt herumgekommen und hatte neue Arten von Larven und Insekten entdeckt, die nach ihm benannt wurden, die „Soundso Pomereniana". In der Schulbibliothek war eine vollständige Sammlung seiner Werke, meiste Berichte an verschiedene entomologische Gesellschaften, die sehr selten gelesen wurden. Allein er verfaßte nicht nur Berichte an entomologische Gesellschaften, er verstand es auch, Geschichten zu erzählen, daß es einen kalt übertief. Da war besonders die Geschichte, wie Pater Pomeroy eine Cobra, d. i. eine Art Brillenschlange, fing. Er blies den Rauch einer Zigarre in das Loch, wohin die Cobra sich verkrochen hatte, und zwar so lange, bis sie wieder mm Vorschein kam und in einen bereitgehaltenen Eimer kroch. Viele, die diese Geschichten hörten — es war nur eine aus einer langen Reihe —, träumten in der Nacht, sie säßen vor hem Loche und warteten mit am Boden
Die Beratungen hn preußischen Landtag über den Entwurf eines Gesetzes betr. die Kirchenver- fasiungen der evangelischen Landeskirchen, die am 19. März mit der Annahme dieses Gesetzes endigten, waren besonders dadurch interessant, daß sie Helle Schlaglichter auf die Stellung der Parteien zur religösen Frage m allgemeinen wie zum VerhälMis zwischen Staat und Küche im besonderen warfen.
Welche Bedeutung alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten den religiösen Fragen beimaßen, zeigt schon der Umstand, daß die drei ersten Ausschußsitzungen von allgemeinen Erörterungen in Anspruch genommen wurden. Es zeigte sich bis m die Reihen der Sozialdemokratie hinein, daß im deutschen Volke nicht bloß der religiöse Gedanke, sondern auch der Kirchen gedanke tiefe Wurzeln gefaßt hat. Man will in der Kirche bleiben, allerdings nicht im katholischen Sinne, um sich der Kirche zu fügen, sondern um die Kirche im eigenen Sinne zu gestalten. Es klaffte für jeden aufmerksamen Beobachter der Widerspruch zwischen freier Forschung und dem Kirchenbegrfff, der in allen Kontroversverhandlungen zwischen Katholiken und Protestanten feit den Tagen der Reformation von den ersteren immer geltend gemacht wurde.
Der Vertreter der k o m m u n i st i s che n Fraktion lehnte das ganze Gesetz rundweg ab, well es die unbedingt notwendige völlige Trennung von Staat und Kirche nicht herbeiführe und den „unsäglichen (!) Unfug (!) nicht beseitige, daß staatlich gefördert, die kirchliche Lehre immer noch in den Köpfen der Bevölkerung Verwirrung anrichte". Bezeichnend für die Bewertung solcher Anwürfe durch die übrigen Parteien des Hauses war die Tatsache, daß keine diese Ausführungen einer Ent- gegmmg würdigte. Infolgedessen beteiligten sich die Kommunisten nicht mehr an den weiteren Beratungen, nahmen auch bei den Beratungen im Plenum nicht Mehr das Wort, was zur schnellen und sachlichen Beratung wesentlich beitrug.
Die Mehrheits - Sozialdemokratie scheint ihren Programmsatz: „Religion ist Privatsache", aufgegeben oder durch die Praxis derart erklärt zu haben, daß wir allen Grund haben, in der Zukunft dieselbe wohl ins Auge zu fassen. In gradliniger Folgerichtigkeit dieses Programmsatzes hätte sie sich an den Beratungen über die Kirchenverfassungen , selbst nicht beteiligen dürfen. Die Kirche wie einen Privatverein zu behandeln, etwa wie einen Tanz- oder Kegelklub, wie das früher von Sozialdemokraten häufig vorgeschlagen wurde, ging nicht Mehr an, nachdem die auch von der M ehrheitssozi a ldemok ra tie angenommene Verfassung den Kirchen eine besondere Stellung ein- geräumt hat. Man mußte daher auch zwar aus« gesprochenermaßen zugeben, daß die Kirchen in ’fjrer inneren Verfassung und Lehre frei feien, suchte jedoch unter dem Vorwande, staatlicherseits untersuchen zu 'muffen, ob die neuverfaßte Kirche identisch mit der alten fei, durch Verneinung dieser Frage die evangelische Kirche wenigstens der altpreußi- lchen Union zu zwingen, ihre Verfassung in der Weise zu überprüfen, daß der von der liberalen Seite stark befeindete bekenntnismäßige Vorspruch beseitigt mrb ein direktes Wahlsystem zur General- synode aufgenommen werde.
Die Demokraten als die Vertreter der frei- gesinnten Richtung innerhalb der evangelischen Landeskirchen sprachen sich in ähnlichem Sinne aus. Sie brachten ihre Gewissensnot zum Ausdruck, der sie gegebenenfalls ausgesetzt werden würden, wenn eine der evangelischen Landeskirchen einmal die Vorsprüche der Verfassungen mit der Aufzählung
klebendem Gesicht auf die kalte Berührung der aus- geräucherten Cobra.
Was die „Banden" betrifft, so waren die Ansichten geteilt. Pater Porteous verurteilte sie geradezu, da sie nach seinem Dafürhalten den Gemein- sinn beeinträchtigten, und er pflegte sehr sarkastisch zu werden, wenn sie sich irgendwie bemerkbar Machten. Dessenungeachtet rekrutierte sich gerade die am besten organisierte aller Banden hauptsächlich aus Schülern seiner Klasse und blühte und gedieh herrlich trotz des versengenden Gluthauches anzüglicher Bemerkungen. Es war jedoch kein Spaß, mit Pater Porteous in Widerspruch zu leben. Er konnte fürchterlich werden, und zwar in mehr als einer Hinsicht. Er konnte machen, daß du wünschtest, die Erde möchte sich auftun, um dein errötendes Angesicht wirksam zu verbergen als das dünne Taschentuch, womit du dich zu schneuzen vorgabst; er konnte machen, daß du am liebsten aus der Haut gefahren wärest: er konnte machen, daß du in der Magengegend Schauer und Unbehagen fühltest; er konnte machen — und dies war das Schlimmste von ollem —, daß es dich im Halse würgte und daß dir — o der Schmach und Schande! —, falls er nicht aufhörte, die Tränen über die Backen zu laufen drohten. Dennoch und trotz feines großen, reichhaltigen Arsenals blieb fein Kreuzzug gegen die „Banden" erfolglos. Es waren deren nicht weniger als fünf in feiner Klaffe und eine derselben war die „Bande" Mc. Ginleys.
Um zu Mc. Ginleys „Bande" zu gehören, mußte man verschiedenen Erfordernissen genügen. Man mußte am längsten Seil der Turnhalle hinaufklet- tern und seinen Namen an die Decke kritzeln. Man mußte imstande sein, Tatzen auszuhasten, sechs auf jede Hand, ohne sich etwas anmerken zu lassen, und was das Wichtigste von allem war, man mußte „eingeweiht" werden. Die Zeremonie der „Einweihung" wurde auf dem Sprecher von Mc. Pferüe- stall vorgenommen. Außer den Mitgliedern der „Bande" wußte niemand, worin die Zeremonie bestand, und das Geheimnis, das sie umgab, war eine der Hauptursachen, warum sich immer neue Kandidaten zur Aufnahme drängten.
Und doch sollte man bedenken, daß jetzt bei bei Landwirtschaft die Lage wesentlich schlechter fw uns ist als in der Vorkriegszeit. Damals hatte» wir Geld genug, um aus dem Erlös unserer Ex portartikel die fehlenden Lebensmittel, die unsere Landwirtschaft nicht aus der heimatlichen Scholle erzeugte, vom Auslande zu kaufen. Heute ist das aber bei der passiven Handelsbilanz anders. Da können wir, wenn die Landwirtschaft nicht mehr oder vielleicht noch weniger Lebensrnittel erzeugt, diese auf die Dauer dem Auslande nicht bezahlen. Wir müssen daher trotz aller Schwierigkeiten die Lage der Landwirtschaft so gestalten, daß sie immer mehr ihre Roherträge steigert und wir vorn Ausland im Lebensmittelbezug unabhängiger werden. ,
Wie nun im Gegensatz zum Gros feiner Parteigenossen der Sozialist Max Cohen (Reuß) die Lebensfragen der Landwirtschaft behandest und schließlich zur Schutzzollfrage Stellung nimmt, lesen wir im „Firn" Heft 10 S. 169. Er steht auf dem Standpunkte, daß zur Erfüllung der berechtigten landwirtschaftlichen Forderungen zunächst energische Versuche gemacht werden, die Preise für die Bedarfsartikel, "wie Kunstdünger, Kohle, Maschinen, soweit wie möglich zu senken und bülige Produktionskredite der Landwirtschaft zu gewähren dabei soll diese den Anteil an Opfern bringen, di« das arme Vaterland nach den Grundsätzen steuerlicher Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit von einem jeden Stande fordern muß Und schließlich zum letzten Mittel zur Behebun- der Agrarkrisis übergehend, nämlich zum schütz^ zoll, rechnet er mit der „recht demagogischen Weise ob, wie seine Parteipresse diese Frage behandelt, und kommt zu folgendem Ergebnis: „Keineswegs wird man landwirtschaftliche Schutzzölle unter allen Umständen verwerfen dürfen, wenn sich Herausstellen sollte, daß die Landwirtschaft ohne sie einfach nicht mehr produktionsfähig bleibt. Grund- sätzlich kann man diesen Schutz keinem Gewerbe verweigern, und es ist eine reine Zweck maß r g- f e 115 f r a g e, ob man für oder gegen Zolle ist. Die landwirtschaftlichen Arbeiter werden hier auch ein Wort mitzureden haben, und sie werden unter Umständen fordern, daß man so ein wichtiges Gewerbe wie die Landwirtschaft noch weniger zugrunde gehen lassen darf als ein industrielles in der Stadt. Die deutsche Sozialdemokratie könnte auf diesem Gebiete wirklich etwas von der englischen Labour Party (Arbeiterpartei) lernen, die sich ihre Stellung zu Schutzzöllen ausdrücklich vorbehac- ten hat."
Also lautet das Urteil einer verantwortunngs- vollen Wirtschaftspolitik, die demagogischen Machenschaften abhold ist.
Masken und saßen mit untergeschlagenen Beinen m einem Kreis. Der Einzuweihende wurde mit verbundenen Augen vorn Pförtner hereingesührt. Dann forderte man ihn auf, die Hand auszustrecken, und er erhielt die vorgsschriebenen sechs, die ihm Mc. Ginley, gestützt auf eigene, bedeutende passive Erfahrung, mit wahrer Meisterschaft verabreichte. (Dieser Teil der Zeremonie war allen, d. h. den Zuschauern, höchst ergötzlich.) Hatte der Kandidat die Feuerprobe erfolgreich bestanden, so wurde ihm das Taschentuch von den Augen genommen, und er legte feierlich auf Ehrenwort die üblichen Gelöbnisse ab: nie eines der Geheimnisse der Bande auszu- plaudem, immer treu zur Bande zu halten und der Feind ihrer Feinde zu fein. Dann unterschrieb er seinen Namen mit einem m sein eigenes Blut getauchten Zündhölzchen — ein schauerliches, aber in hohem Grade romantisches Verfahren. Die nötigen leichten Verwundungen wurden regelrecht mittels einer Lazette beigebracht und die verletzten Stellen mit aus der Apotheke entwendetem Pflaster verbunden. Mc. Ginleys Vater war, wie dies in England vielfach übli ist, Arzt u. Apotheker zugleich. Dann gab es Gerftenzucker, den Mc. 'J inleys Köchin lieferte, eine echte Irländerin und e'ne der zuverlässigsten Stützen der Bande. Alles in allem war die Zeremonie der Einweihung mit ihrer düstern, von leisem Stallgeruch durchwehten Umgebung sehr eindrucksvoll und schauererregend.
— Allerlei Weisheit. Die Dimensionen der aller- seinsien Nerven sasern variieren zwischen 0,0025 und 0,025 Millimeter. — Rumänien lieferte bis zum Wellkriege 4 pCt. der ganzen Wellproduktion oller landivirtscbajtlichen Erzeugnisse, Rußland 20 Prozent und die Bereinigten Slaaten 62 Prozent. — Goethes Lieblingsblume war die Reseda. — An dem Außen- bau des Mailänder Tomes befinden sich über 2000 Statuen und Statuetten aus Marmor. — Die
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Dr. Eismann, Mitglied des preutz. Landtags.
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svctcher statt. Die Eingeweihten trugen schwarze F-.au eine geschiedene Frau.