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M 76.

Samstag, 29. MLr- 1924,

Fuldaer Leitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Aetieudruckerel m Fulda

Nationale würde

Mißfarb. Zähne

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Bei der Auswahl gellen die in der Personalabbau- Verordnung vom 8. Februar 1924 enthaltenen Grund­sätze. Indessen muß dabei verhindert werden, daß nicht etwa in der Hauptsache der Lehrernachwuchs aus dem Schuldienst ausscheidet. Es ist vielmehr dafür Sorge zu tragen, daß ein angemessener Nachwuchs an Lehr- krästen vorhanden bleibt und die Möglichteit behalt, sich ordnungsgemäß auszubilden.

Das Verfahren bei der Auswahl der Lehrkraft« bleibt der Regierung überlassen. Es bleibt ihr auch uber- lassen, ob sie schon aus eigener Personalkenntnis Lehrer als weniger geeignet und für das Ausscheiden in erster Linie in Frage stehend erwählen kann oder ob sie,$u- nächst ganz allgemeine Vorschläge von den K.ei s- schulröten einsordern will. Bei Schulverbänden mit mehr als 25 Schulstellen wird den Schuldeputatro-

An den Schulen der Stadt Fulda wird, wie wir hören, durch obige Versüaung nur in einem Falle für das kommende Schuljahr die Aushebung einer Klasse möglich.________________

Sommerzeit bei der Regiebahn In der Nacht zum 30. März wird auf den Eisenbahnen des besetzten Gebietes die Sommerzeit eingesührt. Gleiwzeitig tritt ein n euer Personenzngsahrplan im Gebiet der ReichSbahndirektion Köln in Kraft, der vorwiegend im Verkehr mit Berlin, Hamburg sowie Holland wesent- liche Aenderunoen bringt. _______

Gottesdienstordnung.

Evangelischer Gottesdienst.

Samstag, 28. März. Fulda. Nachm. 3 Nhr Be­richte, Pfarrer Weber.

Sonntag. 30. März. Fulda. Vormittags 9'/, Konfirmation, heiliges Abendmahl. Nachmittags 2 Uhr Pfarrer Reich. Amtswoche Sup. Ruhl.

Dienstag, 1. April. Fulda. Abends 8 Kirchenchor.

Mittwoch, 2. April. Fulda. Abends 8 Passwns. gottesdienst (Pfarrer Reich).

Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft, $nlba, vuttlarstr. 17.

Sonntag. 30. März. 4 Uhr nachm. im evangel. Gemeindehaus Evangelisations-Vortrag des General- sckretärs vom Kriegerdankbund Berlin, Herrn Nerlich über:Da? Gebot der Stunde für die deutsche Männer­welt« (für Männer und Jünglinge). Abends 8 Uhr über:Gedenke der vorigen Zeiten- (für Alle). Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). Donnerstag abends [8 Jugendbundstunde. Freitag abends 8 Bibel, und Gebetstunde.

Don einer besonderen politischen Seite wird uns geschrieben:

Wie diejenigen Parteien, die auf den extremen Flügeln stehen, schon in der ganzen Nachkriegszeit ihre sogenannte Politik in der Hauptsache mit Schlagworten bestritten haben, so suchen sie auch jetzt im Wahlkampf mit hochtrabenden Phra­sen und wohlklingenden Schlagworten Anhänger xu gewinnen. Erleichtert wird ihnen dieses Be­mühen dadurch, daß sie geschickt auf die gefühls­mäßige Einstellung der Unzufriedenen spekulieren. Eines der Hauptschlagworte nun, mit dem beson­ders die Rechtsradikalen auf den Bauernfang ge­gangen sind und auch jetzt im Wahlkampf wieder gehen, ist das Wort von dem Mangel an nationaler W'ü rde Und es ist bei der Ein­stellung dieser Leute ganz selbstverständlich, daß sich durch diesen Mangel an nationaler Würde aus­schließlich nur die "Anhänger der republikanischen Reichsoerfassung auszeichnen. Wir wollen ganz davon absehen, daß man diese Klagen über man- aelnde nationale Würde auch schon vor dem Kriege häufig aennq hören konnte, als es noch keine Deutsche Republik gab, und es hieße weiter auch offene Türen einrennen, wollte man die Ver­fassungsparteien und ihre Anhänger sowie die Re­präsentanten des Reiches gegen diesen völlig unbe­gründeten Dorwurf in Schutz nehmen. Für heute sei nur einmal die Frage gestellt, wie denn jene Leute, die allein Nationalgefühl und Vaterlands­liebe in Erbpacht genommen zu haben glauben, selber die nationale Würde wahren, die sie bei anderen angeblich so schmerzlich vermissen. Und da kommt man denn zu der schmerzlichen, aber be­zeichnenden Antwort, daß, wenn heute unsere na­tionale Würde in der Presse, in Versammlungen, in Wort, Schrift und Bild aufs schmählichste mißach­tet und mit Füßen getreten wird, diejenigen Leute, die sich als Ankläger auswerfen wollen, die Hauptschuldigen sind.

Man denke nur einmal daran, was von den Oppositionsparteien an Verunglimpfungen, Beschimpfungen und Verleumdungen des höchsten Reichsbeamten, des staats- und völker­rechtlichen Vertreters der deutschen Republik, des Reichspräsidenten geleistet worden ist. Und auch jetzt im Wahlkampf werden schon längst wider­legte Beschuldigungen und Anklagen wieder aufge- qriffen und skrupellos wiederholt, um in der Person des Reichspräsidenten auch die Deutsche Republik zu treffen. Daß dabei der frühere Beruf des Reichs­präsidenten wieder herhalten muß, ist bei Leuten, die sich durch eine derartige Gedankenarmut aus- zeichnen. natürlich nicht weiter verwunderlich. Aber auch hier genügt schon der einfache Hinweis a u f das Ausland, besonders auf Amerika, das ja von diesen Groß-Siegelbewahrern der nationalen Würde so gerne als leuchtendes Beispiel hingestellt wird. Hat man je etwas davon gehört, daß^ es auch nur einem Amerikaner eingefallen wäre, das Ansehen des ersten Vertreters der Vereinigten Staaten dadurch herabfetzen zu wollen, daß, er ,auf den früheren Zivilberuf des Präsidenten hinwies? Ist es je irgend jemand eingefallen, die Bedeutung beispielsweise Abraham Lincolns herabzu- fetzen, weil er aus einfachen bäuerlichen Der-

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hältnissen herkam? Aber das sind natürlich Erwä­gungen, die an dem Selbstbewußtsein eines rechts­radikalen Demagogen völlig wirkungslos abprallen.

Aber nicht nur mit dem Hinweis auf die frühere Tätigkeit des jetzigen Reichspräsidenten sucht man zu wirken, sondern man stellt mit frecher Stirn auch längst widerlegte und als erlogen erwiesene Be­hauptungen auf. So hat erft in diesen Tagen die Deutsche Tageszeitung" wieder einmal das Mär­chen aufgewännt, an der Spitze des Reiches stehe einer der Organisatoren des verderblichen und wahn­witzigen Munitionsarbeiterstreiks von 1918. Be­reits im Jahre 1922 wurde in einem, vor dem Mün­chener Amtsgericht vom Reichspräsidenten anhängig gemachten Strafverfahren durch Aussagen aller Zeugen bewiesen, daß der Reichspräsident mit der Vorbereitung und dem Ausbruch des Streiks weder direkt noch indirekt auch nur das geringste zu tun hatte und nach anfänglicher Weigerung schließlich nur eingegriffen hat, um den Streit möglichst schnell beizulegen und Schlimmeres zu verhüten. DieDeutsche Tageszeitung" wird ja Gelegenheit haben, zu beweisen, ob eine Unwahrheit durch Wie­derholung zu einer Wahrheit wird, da der Reichs­präsident sofort gegen den Verfasser Strafantrag wegen böswilliger Verleumdung ge­stellt hat. Aber ganz abgesehen davon, glauben denn die Herrschaften, denen angeblich soviel an der Wahrung der nationalen Würde liegt, durch derarüges Vorgehen das Ansehen der Ration zu heben? Begreifen sie nicht, daß sie in der Person des Reichspräsidenten seine ganze Stellung und sein Amt und damit die Autori­tät und das Ansehen des Reiches vor dem In- und Auslande herabsetzen? Ist es natio­nale Würde, wenn man die Republik als Saustall bezeichnet, die Farben der Republik, die doch den großdeutschen Freiheitskämpfern als Symbol der Einheit und Fre'chest des Reiches vorschwebten und die König Friedrich Wilhelm IV. durch die Straßen Berlins getragen hat, in der schmählichsten Weise beschimpft und mit Worten besudelt und das Wap- pentier der Republik, den Adler, Pleitegeschirr nennt? Will man wissen, was Verhöhnung natio­naler Würde ist, und wer die Leute sind, die sich in Wirklichkeit durch einen erschreckenden Mangel an nationaler Würde auszeichnen, so braucht man ja nur die Verhandlungen des Münchener Putsche? zu lesen und sich die Leute anzusehen, die dort als i Akteure in einem Spiel aufgetreten sind, das der nationalen Würde Deutschlands tausendmal mehr Abbruch getan hat, als in den fünf Jahren des Bestehens der deutschen Republik jemals auch nur em Anhänger der republikanischen deutschen Staatsverfassung sich geleistet hat.

Nationale Würde besteht nicht darin, daß man sein eigenes N e st m it S ch m u tz be­wirft und sich vor jeder Verantwortung drückt, son­dern daß man in schlecht en und leidvollen Tagen treu und fest zusammensteht und selber das Haus achtet und ehrt, m dem man wohnt. Tut man das nicht, dann darf man sich nicht wun­dem, wenn das Ausland es nicht tut; dann hat man aber vor allen Dingen jedes Recht verloren, den Mund aufzureißen und zu zetem über Mangel an nationaler Würde bei anderen!

Die Arbeitslosigkeit am Rhein u. Ruhr.

Aus den besetzten Gebieten beS Ruhrgebiets liegen infolge der noch immer bestehenden Behinderung der Verwaltung abschließende Ziffern über die Arb rits- lofigkeit nicht vor. Soweit Nachrichten einge­gangen sind, haben sich die Micumverträge und die französische Eisenbahnregie nicht als geeignet er- wiesen, die Gesundung der Wirtschaft und des Ar­beitsmarktes herbeizuführen. Wenn auch natürlich aegenüber der Zeit des völligen Stillstandes der Wirtschaft eine Abnahme in der Zahl der Erwerbs­losen eingetreten ist, so liegen die Verhältnisse in den besetzten Gebieten, wo es in normalen Zeiten kaum Arbeitslosigkeit gegeben hatte, jetzt unvergleich. lief) viel schlechter als im unbesetzten Gebiet.

Im unbesetzten Deutschland ist die Zahl der­jenigen Arbeitslosen, die Unterstützung erhalten, und neben denen es bekanntlich auch eine erhebliche Zahl Richtunterstühte gibt, in der ersten Märzhälfte von 1173 000 auf 989 000 zurückgegangen. Einen ähnlichen Rückgang weisen die Ziffern der Zuschlags- empfänger und der unterstützungsberechtigten An­gehörigen Vollerwerbsloser auf. Auch die K u r z > arbeit ist im Rückgang begriffen. Im Vergleich mit den letzten Jahren ist der Stand des Aibeits« Marktes allerdings noch immer re*t ungünstig.

Ter Grund liegt in den Auswirkungen des Ruhreinbruchs, der die 'Versorgung mit Koble und anderen Roh- und Hilfsstoffen erschwert und ver­teuert, in der Kapitalknappheit, in den ausgedehnten Arbeitskämpfen, sowie in dem späten Eintritt des wärmeren Weiters. Erst die letzten Tage haben in dieser Hinsicht günstiger- Voraussetzungen geschaffen, sodaß nun endlich auch die Landwirtschaft, Bauge­werbe und die Binnenschiffahrt mehr in _ Gang kommen Unter diesem Gesichtspunkt kann ein wei­terer Rückgang der Arbeitslosigkeit in den unbe­setzten Gebieten erwartet werden.

MbeaMnß her ZenllmWIei.

Freitag, den 28. März, abends 8 Uhr, tritt in der Harmonie (Zimmer 2) der Werbeaus­schutz, das

Retmerkormtee

zur Vorbereitung der Reichstagswahl zusammen.

Alle Vavteifreimde, die gewillt sind, an der DersammlungSarbeit sich zu betätigen, sind freundlichst eingeladen.

weltmsW öer toi). 5entr«to«.

neu, und wo Schuldeprftattonen nicht bestehen, den Schulvorständen binnen einer von der Schulauf­sichtsbehörde zu setzenden Frist zu gestatten fein, ihrer­seits begründete Vorschläge über die für ein Ausscheiden in Betracht kommenden Lehrkräfte einzureichen.

Der Abbau und die Volksschulen.

Einem hn Zerftralblatt für die gesamte Unterrichts- «rwÄttmg in Preußen zur Veröffentlichung gelangen­den Erlasse des preußischen Ministers für Wissenschaft, Knrft und Volksbildung vom 1. März 1924 entnehmen tafr folgendes:

V Die finanzielle Notlage von Staat und Schuiverbän- tzen zwingt zu Sparmaßnahmen auch auf dem Gebiete des DolkAchulwesens und zwar zunächst dazu, im hin- Witf auch auf den Rückgang der Schulkinder- £a bl bte Zahl der Schulstellen zu verringern, gn Abänderung aller eatgegenstehenden Bestimmungen lyerben die Schulaufsichtsbehörden zunächst ermächtigt: Beschlüsse von Schulverbänden über Einziehung von Echckstellen zu g e n e h m i g en, wenn die auf eine Schul- Iftetfe entfallende Durchschnittszahl von Schulkindern in iem einzelnen Schulverbande und die auf eine Grund - sschulklasse entfallende tatsächliche Schülerzahl nach Ein- kuebttna der Stelle nicht mehr als 50 beträgt. Dabei' sind technische und nur nebenamtlich beschäftigte Lehrkräfte nicht mitzuzählen.

Bei einklassigen Schulen, d. h. Schulen mit Witter Lehrkraft, wird in der Regel eine Einziehung der Stelle nicht möglich sein. Indessen ist auch hier zu prü­fen, ob nicht eine Ersparung von Lehrkräften durch Airf- fyebung schwachbesuchter Schulen und andere Einschulung feer Schulkinder erzielt werden kann.

Dor Erteilung der Genehmigung zur Einziehung e on S d)uIft eilen nnrß festgestellt werden, a) daß die eintretende Erhöhung der Klasienbefuchszifser noch teen räumlichen Verhältnissen und den auf die Gesundheit öer Kinder zu nehmenden notwendigen Rücksichten ent­spricht, daß also insbesondere die Klassenräume für die Höhere Schülerzahl ausreichen: b) daß die Bestimmungen über die -onfessionell en Verhältnisse de r Schule burch die Einziehung von Schulstellen nicht verletzt und die Rechte der Minderheiten nicht geschmä- lert werden: c.) daß das Verhältnis von Lehrer- und Lehrerinnenstellen nicht entgegen den darüber bestehen­den Vorschriften verschoben wird.

Es ist ferner zu prüfen, d) ob auch nach Einziehung von Schulstellen der Unterricht in den technischen Fächern angemessen weitererteilt werden kann; e) ob es etwa notwendig ist, größere Schulsysteme durch die Einziehung von Schulstellen in ihrer Gliederung einzuschränken.

Das regelmäßige Arbeitsmaß der Leh­rer und Lehrerinnen an mehrklassigen Schulen ist derart zu erhöhen, daß die Unterrichtszeit für die Lehrer und Lehrerinnen voll ausgenutzt wird, soweit ihre Leistungsfähigkeit es zuläßt. Das würde für Lehrer eine regelmäßige wöchentliche Stundenzahl bis 30, für Lehrerinnen bis 28 Stunden bedeuten. So­fern im einzelnen Falle eine Lehrkraft bei der Festsetzung des Stundenplans hinsichtlich der Erfüllung der von ihr zu erteilenden Pflichtstunden nicht voll ausgenutzt werden könnte, ist es zulässig, diese auch an Schulen gleicher Gattung in derselben Gemeinde (Schulverband) ohne be­sondere Vergütung $ur Unterrichtserteilung anzuhalten. Die von dem Leiter eines Schulsystems mit sechs oder mehr aufsteigenden Klassen zu erteilenden Unterrichts­stunden werden auf wöchentlich mindestens 12 festgesetzt. Die Stundenpläne sind sofort für das neue Schul­jahr unter Zugrundelegung des erhöhten Arbeitsmaßes umzuarbeiten. Zuweilen wird es bei einzelnen Lehr­kräften nicht möglich fein, ihnen eine erhöhte Stunden­zahl aufzuerlegen, wenn soviel Unterrichtsstunden im ganzen nicht zu verteilen sind. Es bleibt dann der Schulaufsichtsbehörde überlassen, zu bestimmen, welche Lehrkräfte dementsprechend in ihrem Arbeitsmaß, auch mter Berücksichtigung ihrer sonstigen Betätigung im Schulwesen und in der Jugendpflege ermäßigt werden können.

Durch die Einziehung von Schulstellen wird eine er« hebliche Zahl von Lehrkräften entbehr­lich. Die Ausscheidung kann erfolgen a) entweder durch Versetzung in einen anderen Schulverband, b) durch Versetzung in den Ruhestand, wo es sich um dienstunfähige Lehrkräfte handelt, c.) durch Versetzung in den einstweiligen Ruhestand und d) durch Entlassung noch nicht endgültig angestellter Lehr-

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