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WWMiner 10 W. (mit MM. Beilege 15 W.)

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 76.

BerantwortiiL für die Sckrittleitung: Dr. Jobanne» Ä tarn er. Aureigcu: I. $ atieller. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der s Fuldaer Settendruckerei in Fulda. Fernivrerber Str. 9. s BerugSvreiS: Monat Märt 1.80 Goldmark-

Samstag, 29. Märr 1924«

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51. Zahrg.

Jec Cillll der sraMchen AbioettsKrise.

Es gibt sehr gut unterrichtete politische Kreise, P« der Auffassung sind, daß Poincare die gegen­wärtigen Vorgänge zu einem geschickten, Wahl- manöver ausnutzen wollte. Das Abstimmungs- Lkgebnis der Kämmer, das sich ja m erster Linie garnicht gegen ihn selber, sondern gegen den Fmanzmimster richtete, gab ihm Anlaß, um sofort Lurch die Einreichung seines Demissionsgesuches schärfstes Geschütz auszufahren. Er legte es form« sich darauf an, nach innen und außen durch diesen Entschluß Schrecken zu verbreiten. Er wußte sich seiner Sache sicher, nachdem gerade jetzt unter loteten Mühen und schweren finanziellen Opfern ^Frankreich von Amreika eine Anleihe zur Stützung des Frankenkurses erhalten hat, und nachdem ge­rade im gegenwärtigen Augenblick viel davon ab« hängt, daß die Fäden nach England angesichts der bevorstehenden Bekanntgabe der Sachverständigen- Lutachten nicht abreitzen.

Poincare wußte weiter, daß vor den Wahlen «n Nachfolger für ihn sich gar nicht finden ssäßt. Welcher Politiker in Frankreich würde es ijetzt noch riskieren, vor den Wahlen eine ganz neue Geschäftsführung aufzutziehen. Das wäre ja auch aus allgemein politischen Gründen gar nicht mög- Lh. Bis die Dinge in Frankreich soweit reifen, daß «in Mann wie Painleve an die Spitze treten könnte, wird noch geraume Zeit vergehen. Ob das Ergebnis der kommenden französischen Kammer- wechlen eine fokhe Entwicklung bereits mit sich bringt, muß bezweifelt werden. Sicher würde sein, daß ein Nachfolger Poincares im gegenwärtigen Augenblick nur ein Mann von noch schärferer Tonart sein müßte, und man weiß, daß der bloc natwnal in aller Stille für ein Wiederauftreten Clemence aus Stimmung macht. Aber auch Klotz und T a r d i e u würden Äs erste Anwärter für Poincares Nachfolge in Betracht kommen. Erst nach deren Ueberwinbung wäre die Bahn für einen Mann etwas gemäßigterer Richtung, rote etwa Darthou, frei, der bisher den Vorsitz in der Re- paraüonskommrssion inne hatte.

v Aber diese Betrachtungen haben zunächst nur cheoretrsches Interesse. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß in Frankreich vor den Wah­len eine grundstürzende Aenderung in dc- Regie­rungsbildung nicht in Frage kommt. Und wenn eine solche Entwicklung von irgend einer Seite in Frankreich erzwungen würde, dann wäre das das sicherste Kennzeichen dafür, daß man die Dornahine der Wahlen in den nächsten Wochen verhindern will und daß man danach strebt, mit einem mit diktatorischen Vollmachten ausgeftatteten Ministe­rium für eine geraume Zeit, die sich mindestens auf ein Jahr bemessen würde, zu regieren. Poincare steht solchen Bestrebungen ohnehin nicht fern, und sein jetziger Schachzug ist gerade auch unter diesen Gesichtspunkten mit zu betrachten. Ihm schweben gewisse Mu ff o l i n ische n Methoden vor, um die Maiwahlen im Sinne seiner Politik zu be­einflussen, um dann auf Grund des Ergebnisses dieser Wahlen wiederum seine eigene, nur in be­stimmten Punkten etwas abgeänderte Außenpolitik fortsetzen zu können.

Das alles muß man sich vor Augen stellen, wenn man die gegenwärtigen Ereignisse in Frank reich richtig beurteilen will. Poincare bat diesmal freilich zu eilig feine Karten auf gedeckt. Er hat durch feine Taktik allzu früh erkennen lassen, daß es sich bei ihm um ein Wahlmanövsr bandelt, aber wie die Dinge liegen, wird er fürs erste nur noch g e ft ä r f t aus den Ereignissen hervorgehen. Denn die gegenwärtige Situation bietet ihm erwünschte Gelegenheit, sich von bestimmten ihm seither unbe- qttem gewordenen Mitarbeitern auf unauf­fällige Weise zu befreien.

. Immerhin wird der jetzige Vorgang nicht ohne innenpolitische Folgen für Frankreich bleiben. Schon seit einiger Zeit hat man aus der Stimmung der Kammer annehmen können, daß feine Politik

Eme Hilfe aus Uamda.

Bon Dr. T. Haken- Hamburg.

(Sin wohlgelungener Anfang wirklicher Einwande- run g s rs or ge ist in diesen Togen durch den Volks- v:rÄn Deutsch-Caaodischrr Katholiken gemacht worden.

Unseren deutschen Brüdern aus Rußland, die sich in den Zeilen der tiefen Rot und Wirrnis des Russenreiches in den verschiedenen deutschen Flüchtlingslagern gesam­melt heben, winkt durch ein großzügiges Angebot von­seiten ihrer Volksgenossen in <£<maba die befreiende Mög­lichkeit neuer Arbeit und lalkräfigen Borwärlsstrebens.

Der Gedanke, die in Canada ansößigen deutsch-russi­schen Former auf die arbeite- und heimatlosen Lands- ieirre aufmerksam zu machen und die Anregung zu ge­ben, diesen Flüchtlingen die Einreise nach Canada zu er­möglichen, ging von dem Oblatenpater Kirdorf aus, der als Sekretär der Abteilung für Einwanderung des. Volksvereins Deutsch-Conaüischer Katholiken die katholischen Farmer in Canada über die Lage ihrer katholischen Landrlrme in Deutschland ausklärte.

lieber hundert ronadische Farmer haben sich daraufhin bereit erklärt, die Deutschrussen alsFarmhelps" in ihren landwirtschaftlichen Betrieben zu beschäftigen, und ihnen auch die Einreise durch Vorstreckunq der Kosten zu er­möglichen. Der Eanadische Volksverein, der sich der Sache tatkräftig anNahttt, beauftragte den Generalsekre­tär des St. Raphaelsverein, Herrn Pater Georg Timpe in Hamburg, mit der Auswahl der Leute und der Fürsorge für die Einschiffung. Im Einvernehmen mit der' Kirch. Fürsorge E. V. in Berlin und dem Reichskommissar für Flüchtlingsfürsorge wurde wegen der Kürze der Zeit die Auswahl vorläufig auf das Flücht­lingslager Frankfurt a. O. beschränkt.

Nachdem am Samstag, den 22. März, der Hochw. Herr Bischof Keßler, der gleich den meisten seiner Diö- (efanen fern von seiner russischen Provinz in Berlin weilt, sich im Lager mit väterlichen Worten von seinen Schützlingen' verabschiedet hatte, indem er ihnen, beson-

immer stärkeren Widerständen begegnet. Wieder­holt ist fein Ministerium in Gefahren gewesen und oftmals hat Poincare nur mit der unmittelbaren Drohung seines Rücktritts, also förmlich mit vor­gehaltener Pistole, ein Vertrauensvotum erzwun­gen. Seiner Sache bei dm kommenden Wahlen ist er absolut nicht sicher und man muß schon damit rechnen, daß er noch weitere Manöver versuchen wird, um die kommende Entwicklung in seinem Sinne zu beeinfluffen. Das wird ihm freilich umso schwerer, je weniger es ihm gelingt, für feine Auf­fassung die englische Politik zu gewinnen. Und daß diese Sorge bei Poincare besteht, hat seine ganze letzte Haltung in innen- und außenpolitischen Fragen 'bewiesen. Der große Zwiespalt zwischen französischer Politik und einem großen Teil des französischen Volkes besteht darin, daß Poincare es darauf anlegen möchte, daß fein Sturz nicht aus den Wahlen, sondern aus möglichst geringfügigem Anlaß einer innerpolitischen Frage wegen erfolgt, während eine starke Strömung bei den franzö- fischen Politikern gerade umgekehrter Auffassung ist. Poincare legt jedenfalls Wert darauf, wenig­stens nach außen hin den Anschein zu erwecken, daß er nicht feiner Stellungnahme zu den Repa­rationsfragen willen gestürzt werde.

Die Lösung.

Ueber die Ministerkrise und ihre Lösun ' e» fährt die Havasagentnr folgendes: Tie von Poincare geführten Verhandlungen erstreckten sich viel mehr auf die politische und parlamentarische Lage als auf die Mittel, die Ministerkrise zu lösen. Die Be­sprechungen gestatteten jedoch Poincare die lieber» zeuguna zu gewinnen, daß er in der Lage sei, in kürzester Zeit das neue Kabinett zu bil­den. Zweifelsohne hat Poincare dem Präsidenten der Republik schon heute abend die leitenden Ge­danken vorgetragen, die er zur Gellung zu bringen gedenkt. Sie können wie folgt resümiert werden:

1. Weitgehende Umgestaltung des ehema­ligen Kabinetts, nur 4 oder 5 ehemalige Mini­ster und 3 Unterstaatssekretäre scheinen nach den bis jetzt vorliegenden Andeutungen ihm angehören zu sollen.

2. Die aus Spar famkeits rückfichten not­wendig gewordene Herabsetzung der Zahl der Mini­sterin!! und Unterstaatssekretariate.

Die französische Sicherheit.

Macdonalds Glaube an den Völkerbund.

Im englischen Unterhaus erklärte in längeren Ausführungen Macdonald sich fest davon überzeugt, daß Frankreich durch irgendwelche Sonder- abkomMen niemals, eine Sicherheit erlangen könne, da es Länder von irgendwelcher Bedeutung niemals zum Abschluß eines derartigen Paktes ge­winnen würde. Es habe keinen Zweck, Frankreich Garantien anzubieten, ohne ihm zu sagen, auf welche Kräfte sich diese Garantien gründeten. Dies fei einer der zwangsläufigsten Einwände, wenn man das Ziel der Sicherheit auf dem Wege von Sonderpakten und toonber^araniien anstrebe. Sie b r.i tische Regierung strebe nach Garantien eifier Gemeinschaft wie dem Völkerbund, da ein realer und wirksamer Standard von moralischen Garantien nur auf der Grundlage der Völkerver- söhnung, der Schiedsgerichtsbarkeit, und einer un- varteiifchen Rechtsprechung errichtet werden könne. Die Regierung habe es immer abgelehnt, in eine Teilprüfung des Sicherheitsproblems einzutreten, bevor sie nicht Gelegenheit habe, die Reparations- frage zu prüfen und zu lösen.

Zum Schlrih erklärte Macdonald, Asquith habe ganz recht mit der Bemerkung, daß Frankreich, Belgien und England sich entschließen müßten, Deutschland zum Eintritt in den Völ­kerbund zu gewinnen, wenn der Völker­bund die Zwecke erfüllen solle, die er wohl erfüllen könne.

der- ans Herz legte, daß sie als treue Söhne der Kirche und fleißige deutsche Arbeiter das Ansehen der Wolga. Leutchen drüben befestigen möchten und so auch durch wertere Begründung deutschen Ansehens im Auslande die Pflicht der Dankbarkeit gegenüber der lange im deutschen Mutterlande genossenen Gastfreundschaft erfüllen sollten, traten ungefähr achtzig Flüchtlinge mit dem Segen ihre» geistlichen Oberhirten unter Führung eines Vorstands­mitgliedes der katholischen Fürsorge die Reise von Frank- furt nach Hamburg an.

Am Dienstagmorgen begrüßte Äer Generalsekretär Herr Pater Georg Timpe die in den Auswandererhallen der Hamburg-Amerika-Linie wohl untergebrachten und gut verpflegten Leute nud wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß sie als Pioniere für ihre noch hier zurück- bleibenden Brüder hinauszögen. Ihr vorbildliches Ver­halten und ihre Arbeitsleistungen müßten die Vercm- lasiuna fein, daß zur Zeit der Ernte noch eine größere Anzahl Flüchtlinge von drüben angefordert würden. Der ießi im Augenblick der Trennung ihnen allen so harte und schmerzliche Abschied von ihren Familien würde durch die Zuversicht gemildert, daß der ihnen bei freier Kost und Wohnung in Aussicht gestellte Lohn non 300 Dollar sie sicher bald in die Lage versetzen werde, das Reisegeld zurückzuzahlen und ihre Familleu Nachkommen zu las­sen. Die Hoffnung, drüben vielleicht einmal als freier Mann auf eigener Scholle schaffen zu können, müsse ihnen noch darüber hinaus ein Ansporn sein.

Der Dampfer Montrose der Canadian-Pacific-Line hat am Mittwoch 49 glückliche, hoffnungsfreudige deutsch- russische Landarbeiter ausgenommen und trägt sie nun bereits über den Ozean. Drüben wird ein Vertreter de» Volksvereins sich weiter ihrer annehmen.

Leider mußte ein Teil der Auswanderer noch in letz­ter Stunde wegen eines früheren Augenleidens oder we- gen Unkenntnis des Lesens auf die Ausreise verzichten.

Gegenüber den zurückbleibenden Angehörigen bei Deutschrussen erwächst aber dem deutschen Volke noch mehr denn je Die Pflicht der Gastfreundschaft und Für­

sorge. Wenn auch Spargründe eine Auflösung der Flücht­lingslager noch so gebieterisch verlangen, so wäre es ein Undank gegenüber den Canadischen Farmern, ein Un­bant gegen die Familienväter, die hinausgehen, um sich und ihren Angehörigen die Wege zu ebnen, weil sie nicht länger der Gast des durch eigene Not bedrängten Mutter- landes fein wollen, wenn nicht noch eine kurze Zeitspanne die zurückgebsiebenen Mütter und Kinder, ohne sie von einander zu trennen, in barmherziger Fürsorge behalten würden.

Unfern deutschen Glaubensgenossen in Canada schul­den wir von ganzem Herzen Dank, daß sie den Plan wie die Ausführung einer ersten praktischen Lösung der für Deutschland heute so bedeutungsvollen Auswanderer- und Ansiedlungsfrage in die Wege geleitet haben; zumal da diese Hilfe den deutschen Kolonisten im Wolgagebiet zu­gute kommt, die 1918 ungefähr 50 Millionen Goldmark, sogenannte Schutzgelder, durch ihre Vertrauensmänner General v. Mirbach und den damaligen deutschen Kon­sul in Saratow der deutschen Regierung zur Ver­fügung gestellt haben, mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß dieses Geld in Deutschland angelegt werden solle, um es der Beschlagnahme durch die russische Regierung zu entziehen. Weiter haben die Kolonisten des Nordens und Südens erhebliche Summen an deutscher Kriegs­anleihe gezeichnet. Den Wohltaten, die das Canadifche Ausland den Wolgadeutschen erweist, wird die Fürsorge im eigenen Vaterlands besonders im Hinblick auf die eben erwähnten Tatsachen gewiß nicht nachstehen wollen.

Die Golddisksnlbank.

_.e Gründungsarbeiten für die Golddiskontbank sind nun soweit gefördert, daß das Institut etwa Mitte April seine Tätigkeit aufnehmen wird. Das deutsche Konsortium, das die eine Hälfte der Aktien der Bank in Höhe von 5 Millionen Pfund Sterling übernommen hat, setzt sich aus rund 140 deut­schen Banken und Bankhäusern mit ihren zahl­reichen über ganz Deutschland zerstreuten Filialen zusammen. Die Berliner Stempeivereinignna ist an der Uebernahme mit 56 Prozent beteiligt, lieber den Emissionskurs der Aktien steht noch nichts end­gültiges fest.

wie der hexenwahn.

Am St. Fridolinsfeste in Säckingen hielt der Schwabenbischof Keppler am 9. März 1924 bei der Familienfeier im Vereinshause am Rhein eine sehr ernste Ansprache über die Zeitver- hältnisse und die Aufgaben der Katholiken. Er führte dabei u. a. wörtlich aus:

Dann zeigen sich auch Wetterzeichen an diesem nächtlichen Himmel, schlagende Wetter, unheimliche Erscheinungen. Das sind die ersten Blitze eines Kulturkampfes, der sich vorbereitet. Wer hätte das für möglich gehal­ten, jetzt in solcher Zeit, wo wir doch auf einander angewiesen sind, und die Einheit das erste Gebot ist! Jetzt fängt man an, Sturm zu laufen gegen die katholische Kirche, und die gellenden Kampfrufe sind schon überall deutlich zu hören.

In M ü n ch e n wurde diese Parole ausgegeben: Gegen Papst und Katholiken! Flugblätter und Broschüren leisten Unglaubliches in München. Wir wissen nicht, was kommen soll, aber wir müssen es für möglich ansehen, daß der reine Kultur­kampf wieder ausbricht. Das ist traurig. Wir bedauern es, aber wir fürchten es nicht. Der kommende Kulturkampf wird viel rascher enden, als der frühere. Er ist auch viel niederträchtiger und gemeiner und boshafter. Aber wir m ü f = fen gefaßt fein. Man sagt freilich: Den Ka­tholiken soll kein Haar gekrümmt werden, nur gegen die Jesuiten geht es, um das katholische Völk zu befreien von diesem furchtbaren Druck. Und gegen den Papst müssen wir freilich auch vor­gehen, denn er steht ganz unter der Herrschaft der Jesuiten. Meine Damen und Herren! Der Jesuitenwahn ist grab so entsetzlich wie der Hexen wahn im Mittelalter und ebenso unaus­rottbar. Aber wenn es gegen die Jesuiten und den Papst geht, so ist das unser Kampf, und wir werden ihn durchkämpfen, wenn er uns aufgenötigt wird. (Beifall!)

Wir bedauern es, wenn dieser Kampf kommt, um unseres Vaterlandes willen, das wahrlich ande­res nötig hätte. Aber um des Vaterlandes willen nehmen wir den Kampf auf, wenn er uns aufgenötigt wird, und wir werden uns unserer Haut wehren, und da werden meine Schwaben mit den Badensern eine Phalanx sein und eine ge­schlossene Front. Und da wird auch diese Gegend mitmochen und ihre Pflicht tun, davon bin ich überzeugt."

Der Reichsoerband der Deutschen Industrie hielt feine fünfte ordentliche Mitgliederversammlung, die aus allen Teilen des Reiches und von allen Zweigen der Industrie überaus stark besucht war, in Berlin ab. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Dr. Ing. e. h. Kurt Sorge, und 6er Erledigung geschäftlicher Ange­legenheiten sowie der Berichterstattung des Schatzmei­sters, Geh. Bergrat Dr. Hilger, ergriff Geheimrat Dr. Bücher das Wort, um sich in eiustündiger Rede über die gegenwärtige Wirtschaftslage zu verbreiten.

Hieran anschließend folgte der Vortrag des Geh. Justizrats Dr. Guggenheimer über die gegenmär« tige Steuergesetzgebung in ihrer Auswirkung auf die In­dustrie. Er setzte des näheren auseinander, in welcher Höhe die Steuern des Jahres 1924 hn Vergleich zu der Steuerbelasttmg im letzten Friedensjahr auf der In­dustrie lasten. Er betonte ausdrücklich, daß die Industrie bis zum äußersten bereit sei, die für die Aufrechterhaltung des Reiches erforderlichen Steuern zu zahlen. Diese müßten aber einfach und gerecht sein und gleichmäßig auf die einzelnen Wlrtschastsgruppen verteilt werden. Die augenblickliche Steuergesetzgebung werde jedoch diesen Forderungen nicht gerecht.

Die Verhandlungen, die in allen ihren Teilen den besten Verlauf nahmen, sind ein beredtes Zeugnis für die Geschlossenheit der gesamten deutschen Industrie.

Die deutsche KusVanderung.

In einem Artikel über die deutsche Aufwande tung wird festgestellt, daß im Jahre 1919 3000, im Jahre 1920 10 000, im Jahre 1921 25 000, im Jahre- 1922 37 000 und i. I. 1923 120 000 Personen aus Deutschland ausgewandert sind. Für das Jahr 1924 ist eine weitere Steigerung der Auswanderung zu erwarten.

In den Jahren nach 1900 machte der Abfluß durch Auswanderung nur ben 25. Teil des na­türlichen Zuwachses aus, der sich für die deutfä-e Bevölkerung aus dem Mehr an Geburten gegen­über den Sterbefällen ergab. I m Jahre 1923 ist bereits ein Fünftel des natürlichen Bevöl­kerungszuwachses im Wege der überseeischen Aus­wanderung a bg ef lo ff en.

Deutsches Reich.

Im Hittler- Ludendorff -Prozeß haben die Singe« klagten pathetische Schlußworte gesprochen. Der Vorsitzende gab schließlich bekannt, daß die Urteils - vcrkündung am 1. April vormittags 10 Uhr stattfindet.

* 3n Mecklenburg hat die neue Regierung die völkischen Organifafionen nicht verboten, wie eine verstümmelte Meldung besagte, sondern die bisher bestehenden Verbote a ufgehoden.

Kurland.

* Die Perser für den Schah. Havas meioet aus, Teheran: Die Sitzung die das Parlament abhalten wollte, um über die Absetzung des Schahs zu ver­handeln, ist aus Furcht vor neuen Volks- f unbgebungen um einige Tage verschoben worden.

Deutsche Einigkeit.

Nachstehend veröffentlichen wir eine Liste bet 25 Parteien, die bei den Reichstagswahlen mit einer eigenen Kandidatenliste hervortreten werden:

1. Deutsch-völkische Freihei. spartet, 2. Deutsch-natio­nale Volkspartei, 3t Deutsche Volkspartei, 4. Zentrum 5. Christlich-soziale Bolkspartei, 6. Christliche VolkSge-' meinschaft, 7. Bayrische Volkspartei, 8. Bayer. Bauern-- bund, 9. Demokraten, 10. Republikanische Partei, 11. Deutsche Arbeitnehmerpartei, 12. Rheinische Arbeiter­partei, 13. Sozialdemokraten, 14. Unabhäiugige Sozial­demokraten, 15. Sozialistischer Bund (Ledebour), 16. Proletarische Partei, 17. Kommunisten, 18. National, sozialistische Partei, 19. Hannoveraner, 20. Wirtschafts­partei, 21. Bodcnreformer, 22. Haus« und Grundbesitzer, 23. Nationale Kreiheitspartei, 24. Deutsch-soziale Partei, 25. Deutsche Partei (Baden).

Gnade uns, wenn im neuen Reichstag bei einer .großen- politischen Aussprache von jeder Partei sich drei Rednergarnituren züm Worte melden!

In Bayern ist sogar ein Gutsbesitzer, den nie­mand aufstellen wollte, dazu übergegangen, auf seinen Namen hier eineeigeneParteizu gründen.

wirtschaftliche Uampsbewegungen.

Der Essenbahnerjtreik in Württemberg Von der Reichsbahndirektton Stuttgart wird mitgeteilt daß weiter in den Streik getreten sind: die Arbeiter auf dem Westbahnhof Stuttgart, in Feuerbach, auf dem Güter« bahnhof in Untertürkheim, auf dem Haupt- und Rangier, bahnhof Heilbronn und die Aüterbodenarbeiter in Bie­tigheim. Der Betrieb wurde trotzdem überall aufrecht­erhalten

Soziales.

Hamburgs Bank an Minister Brauns Der Prä. jidcnt des Hamburger Senats hat an den Rei.hsarbeits^ Minister Dr. Brauns folgendes Schreiben gerichtet: In einer von aufrichtigem sozialen Geist geleiteten Vermittle rarbeit ist es Ihnen, hochgeehrter Herr Minister, gelungen, die durch Arbeitsruhe im Hamburger Haien veranlaßten Schädigungen des deutschen Wirt» schaftslebens zu beseitigen und Arbeitgeber nnd Arbeit, nehmet zu überzeuaen, daß für den Ausgleich der Gegensätze im Interesse der Allgemeinheit Opfer gebracht werden mußten. Dec Senat spricht Ihnen feinen be­sonderen Dank dafür aus, daß Sie es mit Rücksicht auf die Bedeutung einer ungestörten Arbeit im Hamburger Hafen übernommen haben, die langwierigen Verhand­lungen persönlich zu führen, und daß Sie den in den besonderen Verhältnissen unseres Hafens liegenden Schwierigkeilen volle Würdigung haben zuteil werden lassen. Möge sich der Erfolg Ihrer Bemühungen über Siefen Einzelfall hinaus in einer Stärkung des Willens der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Wahrung des Wirtschaftsfriedens segensreich auswirken."

katholische Welt.

= Thüringer Katholikentag in Sera Der Gesamt- vorstand der katholischen Vereine Gera's hat mit Zu­stimmung des Landesausschusses für Katholikentage be­schlossen, die Jahresversammlung der Thüringer Katho­liken nach Gera zu berufen. Die Tagung erhalt be­sondere Bedeutung durch Teilnahme und Mitwirkung des Hochw. Herrn Dr. Christtan schreibet, Bischofs von Meißen.

Die neuen Kardinale.

Der Papst hat am Donnerstag in einem öffenf lieben Konsistorium in Sankt Peter den neuen nord- amerikanischen Kardinalen den Kardinalhut aus­gesetzt.

* Diebstahl in der Berliner amerikanischen Bot- schäft. In die Handelsabteilung, der amerikanischen i Botschaft in der Budapester Straße in Berlin wurde eingebrochen. Die Einbrecher stahlen außer einem Seälfragen und Wäsche einen eisernen Geld­kasten, der werlvrlle Schmuckstücke und mehrere Scheckbücher enthielt.