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Donnerstag, 27. Hl ätz 1924

Nr. 74

aus -er Vahlberveguirg.

Der heutige Kabinettsrat hat sich Havas zu­

unter den noch vorliegenden Fragen getroffen wor­den die noch vor dem Auseinandergehen der Kammer zur Debatte kommen sollen. Der Mini­sterrat ist auch in einen Meinungsaustausch all­gemeiner Art über das Kammerprogramm ein- aetreten, das in Ausführung des Finanzgesetzes in den verschiedenen Ministerien durchgeführt wer­den soll. ______________

sieht, daß die Deutschvölkifchen sich nicht als Retter Deutschlands feiern dürfen. Wer stark nach irMn und außen dastehen will, mutz den in n er e n Frieden herbeiführen und fordern. Ohne inne­ren Frieden gibt es keis starkes Reich Mit deutsch­völkischen Rezepten dient man nicht Deutschland, man dient aber den Gegnern, deren wir in der Welt leider noch genügend haben.

Kein Eisenbahnerstreik.

Zu der Meldung einer Berliner Korrespondenz über den Ausbruch eines umfangreichen Eifen- bahnerstreiks in Württemberg erfährt dieD. A. Z." aus Stuttgart, daß wohl in der Eisenbahn­werkstätte von Kornwestheim die Arbeiter infolge von Lohnforderungen in den Streik ge­treten seien, daß sie sich aber nach Verhandlungen bereit erklärt haben, die Arbeit wieder aufzu­nehmen. ., _ ..

Von einem Heb ergreifen des Streikes aus Ulm fei in Stuttgart nichts bekannt.

Die Zenirnmspartei in Thüringen.

Don einem Thüringer Parteifreund.

Es ist für unsere Parteifreunde im Deutschen Vaterlande vielleicht nicht uninteressant, etwas über die Tätigkeit der Zentrumsanhänger in Thürin­gens Diaspora zu hören. ,

Während bei der Wahl zum Thüringer Land­tage im Jahre 1920 den Zentrumsleuten Wahlent­haltung angeraten werden mußte, konnten sie be­reits 1921 mit einer eigenen Kandidatenliste vor­gehen, von der allerdings ein Mandat noch Nicht zu erringen war. ...

Dies ist nun in diesem Jahre, Dank geschickten taktischen Vorgehens und eifriger Wahlarbeit ge­glückt, sodaß mit unserem Abgeordneten, Syndikus Dr. Schömberg, zum erstenmal ein Zen­trumsmann im Thüringer Parlament

Wie notwendig hier ein Katholik ist, erwies sich gleich in den ersten Sitzungen, als der sattsam be­kannte Deutschvölkische Abgeordnete Dl n ter der ; sich mit dem Brustton der Ueberzeugung selbst als Katholik" ausgab, seine Ausfälle gegenJesuiten, Ültramontane, Satanspartei" (Zentrum) u. a. vom Stapel ließ. Selbstredend griff unser neuer Zen­trumsabgeordneter sofort ein und bereitete Herrn Dinier eine treffende Abfuhr. Um Herrn Sinter beurteilen zu können, muß man wissen, daß er als Katholik" sogar in einer eigenen Uebersetzung der Evangelien diese vondogmatischen Fäl­schungen" befreien zu müssen glaubte.

I Wie wichtig ein Zentrumsabgeordneter bei der parlamentarischen Beratung kultureller Magen hier ist, braucht nicht besonders hervorgehoben zu

Der neue Zesuitenschreck. I

Als Heft 1 einer Flugschriftenreihe "Völki­sches Rüstzeug" haben die Münchener DoMchen eine Schrift besprochenDer Jesuitismus als Bolks- aefahr". Wir haben das Sck)riftchen hier schon kurz als Sammlung unwissenschaftlicher Teudenz-Rach- I richten über den Jesuitenorden, Aufwärmung alter Jesuitenfabeln gekennzeichnet. Es handelt sich uäi I eine Schmähschrift, m der tausendmal nch- I tiggestellte und längst widerlegte Behauptungen verbreitet werden. Alle Forschungen der Wissen- I schäft prallen an diesen völkischen Propagandisten ab, sie schreiben einfach ab, um verleumden zu I können. Auf den Inhalt der Schrift, die sich nicht nur gegen die Jesuiten, nicht nur gegen Zentrum I und Bäuerische Volkspartei, sondern auch gegen die Katholiken und die Kirche richtet, braucht man kein Wort zu verschwenden.

I Eine hervorragende Rolle in der Schmähschrift nimmt wieder die Frage des Tyrannen- mords ein. Die Jesuiten sollen gelehrt haben, daß es erlaubt fei, einen Fürsten zu ermorden. Es wird ein Satz eines Jesuiten zitiert, der allerdings unter gewissen Voraussetzungen den Tyrannenmord zuläßt. Dabei wird verschwiegen, daß der damalige Ordensgeneral die Ansicht verworfen und das Buch

I verboten hat, daß die Mehrzahl der Jesuiten von I jeher das Gegenteil lehrt und daß zahlreiche Juristen I und Schriftsteller jener Zeit, die dem katholischen Glauben fernstanden, den Tyrannenmord verteidigt

I haben. Der genannte Satz des genannten öefuiten I kommt überdies in einer Schrift vor, die im Auf- I trage des französischen Königs verfaßt wurde und I dem damaligen Kronprinzen die Grenzen feiner Macht zeigen sollte. Dem Fürsten wird gesagt, daß, I wenn er ungerecht, grausam, hart ist, das Volk, ja I der Einzelne, ihn aburteilen kann. Ist das nicht besser als einem jungen Herrn Schmeicheleien zu sagen, wie das leider anderwärts der Fall war, Wir

I wollen indes die Lehre eines einzelnen nicht ver- I leidigen, sondern nur zeigen, wie eine falsche Dar­stellung gegeben wird. Von historischer Wahrheit, von Objektivität findet man keine Spur. Solche | alten Ladenhüter werden nur heroorgeholt, um konfessionelle Hetze zu treiben. Auf katholischer I Seite wird selbstverständlich keinerlei Eindruck er- I zielt, wenn nun von völkischer Seite unter der Vor- I fpiegeiung, den Kampf gegen den Jesuitismus zu I führen, zum Sturm geblasen wird. Dafür ersah- j ren aber alle Katholiken, wessen sie sich zu gewär-

IüerßeU)er wird das in Aussicht stehende neue Thü­ringer Wahlgesetz mit der Verminderung der Man­date uns kaum noch die Möglichkeit bieten, einen eigenen Kandidaten durchzubringen. Das Zen­trum wird gezwungen sein, sich durch Listenverbin­dung an eine andere Partei (nach augenblicklicher Lage die D. V. P.) anzulehnen. Diese wird uns aber nur dann einen Platz an aussichtsreichen Stellen einräumen, wenn wir über eine entspre­chende Anzahl Stimmen verfügen. Daraus folgt mit Naturnotwendigkeit, daß das Zentrum m Thüringen nicht auf feinen neu errungenen Lor­beeren 'ausruhen darf, fondern, daß es seine Or­ganisationen kraftvoll weiter ausbauen muß. Hier­zu gehört, außer eifrigen Mitarbeitern, die uns glücklicherweise zur Verfügung stehen, aber auch Geld, von dem wir das letztere leider nicht sagen können, da unsere Wählerschaft zum größten Teil aus kleinen Leuten besteht. Wir richten daher an unsere Parteifteunde im großen Deutschen Vater­lande die Bitte, uns das fehlende Geld beschaffen zu helfen und zu Einzahlungen das Postscheckkonto 16 968 Erfurt benutzen zu wollen.

Unseren polisischen Dank hoffen wir dann viel­leicht schon bei der jetzigen Reichstagswahl in einer recht großen Stimmenzahl ausdrücken zu können. _

Schule und Volksbildung.

Die Reform des höheren Schulwesens.

Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung hat eine Denkschrift überdie Reuordnung des preußischen höheren Schulwesens" herausgegeben, m der die Richtlinien für die geplanten Veränderungen tm Schickwesen entwickelt weiden. Die Denkschrift betont, daß die Neuordnungkeine mit schönen Worten ver­schleißte Sparmaßnahme" sei. Auch unter anderen Ver­hältnissen wäre die Reform gekommen, die augenblick­liche Not hat sie nur beschleunigt.

Die Denkschrift wendet sich von dem bisher dem Unterricht zugrundeliegenden Ideal der Allgemein­bildung ab. Wirkliche Bildung kann heute nur durch Beschränkung auf wenige Gebiete erworben wer­den. Wer hier etwas Gründliches erarbeitet, der wird sich später auch auf anderen Gebieten leicht und sicher zurechtsinden. Also nicht Vieles, sondern viel.

Die Denkschrift hebt hervor, daß die Schulerquali­tativ" überbürdet seien, d. h. mit allzureichen Dingen beschäftigt werden imb infolge dessen die tatsächliche Ar- beftsleistung der Schüler geringer geworden ist. Wenn man diese Bunkscheckigkeit ausgibt, dann läßt sich die Wochenstundenzahl auf 30 verkürzen. Ein vertiefter Ar­beitsunterricht mit größerer Selbständigkeit des Schülers ist einer der Grundgedanken der Reform.

Die Schulverwaltung lehnt die sogenannteelastische Einheitsschule" ab. Aus den verschiedenen Wurzeln der deutschen Kultur sollen bestimmte Schultypen ihr beson­deres Gepräge erhalten, sodaß erst die Gesamtheit dieser Typen das Ganze der Bildung umfaßt. Die Einheit soll vor allem dadurch gewahrt werden, daß jede Fächer- gruppe ihre Verbindungslinien zu unserer Kultur heraus- arbeitet. In diesem Sinne werden alle höheren Schulen deutsche Schulen fein. Die Typen sind: das altsprach- liche Gymnasium, das neusprachliche Reformgymnasium, die Oberrealschule (vorwiegend mathematisch-naturwissen­schaftlich) und die deutsche Oberschule. Die Mädchen­schulen erfahren geringe Veränderungen.

Don besonderer Wichtigkeit ist noch, daß die Starr beit der Lehrpläne und der StundentafeIn so gemildert werden, daß weitgehende Wünsche befriedigt werden. Die Lehrpläne sollen nur Richtlinien und An­regungen sein für die Anstaltspläne, durch die die ein- zelne Schule sich ihr Arbeitsgebiet, ihre Besonderheit uni Eigenart selbst bestimmt. An Stelle der behördlichen Regelung tritt die Arbeitsgemeinschaft der Lehrerschaft. Diese wird nun das wichtige Organ der Lehrplanarbeit. Sie schasst die innere Einheitlichkeit des Unterrichts, sic weist dem Einzelfach seine Aufgaben für den Gesamt- unterricht zu. Die Starrheit der Stundentafeln soll ge- mildert werden, sodaß aus der Isolierung des Fachunter­richts und dem Aggregat der Fachintcreffen wirklick> die | Einheit des BildunaswUl-o- wird.

Ausland. *

* Di« irischen Wirren. Aus Dublin wird ge­meldet, dah ein großer Teil der Waffen und Aus- riistungsgegenstände, die bon den Meuterern von Gormanstown und Daldonel weggenommen worden sind, der Regierung auSgeliefert wurden. Bei Rosfan (Leitrim) kam es z« einem Zusammenstoß zwischen FreistaatSlruppen und einer Ab­teilung Irregulärer. Ein Leutnant, der die Regierungstruppen befehligte, wurde getötet, einer der Irregulären gefangen genommen.

> Reuter zufolge ist Kolonialmlnister Thomas unter polizeilichen Schutz gestellt worden, wie es heißt, im Zusammenhang mit den irischen Drohbriefen.

* Der Schah von Persien WM «ach Teheran zurück. Eine Pariser Nachrichtenagentur erklärt, die Nachricht verbreiten zu können, daß der Schah von Persien nicht darauf verzichtet habe, nach Teheran zurückzukebren. Sofort nach Beendigung der ärztl ichen Behandlung, in die «r sich begeben habe, werde er feinen Plan, nach Teheran zu­rückzureisen, zur Ausführung bringen.

England und Frankreich. I;

Die Licherheilsfrage und Deutschland.

Der Londoner Berichterstatter des Manchester I Guardian bezeichnet die letzte Unterredung zwt- I scheu dem Premierminister Macdonald und dem ftanzösischen Botschafter Grafen St. Aulaire als den Beginn einer aktiven Phase der I französisch-britischen , Diplomatie unter der neuen britischen Regierung. Bet der I Unterredung, in der hauptsächlich St. Aulmre das I Wort führte, seien die Fragen der Pfalz, der Kol- I ner Bahnen, der Ruhr, der Sachverstandlgenaus- I schüsse und der französischen Sicherheit erörtert I worden. Befriedigung sei, wie verlaute, auf bei­den Seiten über die Erfolge der Behandlung des Problems der Pfalz und der Kölner Bahnen aus- gedrückt worden. Der französische Botschafter und französische Kreise in London seien zuversichtlicher I als vor einer Woche, daß die Sachverständigen ein Uederemkommen erzielen werden. Bei der I gestrigen Unterredung habe Macdonald, wie ver­laute,' angedeutet, daß jetzt ein neuer Faktor tn die Erörterung eintrete. Graf St. Aulaire habe I ziemlich klar zum Ausdruck gebracht, daß das Problem der französischen Sicherheit nur gelost werden könne durch den Abschluß ein e s I dauernden englisch-französischen I Verteidigungsvertrages. Ma c d o- nald habe angedeutet, daß der britische Plan vollkommen anderer Art sei und daß der Weg zur I Sicherheit durch den Völkerbund führe, möglicherweise vermittels eines gegenjei- | tigen Garantiepaktes, vielleicht aber auch durch I einen besonderen Plan der Entmilitarisierung und I Neutralisierung des Rheinlandes unter der Völker- I bundgarantie. . I

DerneueFaktorinder L a g e sei jedoch I d i e H a l t u n g B e r l i n s. Von deutscher Seite I sei betont worden, daß keine deutsche Regierung 1 se irgendeine Vereinbarung betreffs des Rheiman- 1 be« ännehmen werde, die über die Bestimmungen I des Versailler Vertrages hinausgehe. Auch wurde I Deutschland dem Völkerbund nur unter der Be- I dingung beitreten, daß ihm ein dauernder Sitz im I Völkerbundsrat im Voraus verbürgt werde. Das I deutsche Element in diesem Problem sei der neue I Faktor, der durch Macdonald gegenüber Pans be- I tont werde.

Der Bericht der Sachverständigen.

Zu der Frage, wann der Bericht der Sachverständigen endgültig der Repa- rationskom Mission überreicht werden wird, berichtet die Agentur Havas, aus einer von ihr in autorifiierten Kreisen vorgenommenen Untersuchung ergebe sich, daß die Sachverständigen -ehr wahrscheinlich ihre Arbeiten am Samstag den k9. März beendet haben werden, sie würden leood) tu einer letzten Ueberarbeitung des Textes schreiten müssen. Unter diesen Umständen werde die Re- aarationskommission nicht vor Diens- taq den 1. April offiziell mit dem Doku­ment befaßt werden können. Dieses werde ohne Zweifel fchon am Tage nach der Ueberreichung der Oeffentlichkeft übergeben wer- den.

Der Unterausschuß des Komitees Dawes hat »eute vormittag nochmals über das Statut der Zoldnotenbank verhandelt. Gegen Abend wird er nach Havas nochmals zusammentreten, um den iwuen Bericht der Eisenbahnsachoerstandigen Leverve und Acwvrth zur Kenntnis zu nehmen.

Die Mcum-Verlräge.

Wie uns aus Berlin mit geteilt wird, werden m tiefen Tagen die amtlichen Verhandlungen Mischen den deutschen u. den französischen Vertretern wegen der Micum-Verträge ausgenommen. Weil jich die Beratungen der Sachverständigen infolge inzwischen -in-getretener Schwierigkeiten länger als ursprüng­lich angenommen war, hinausziehen, sodaß mit einer Regelung der beiderseitigen wirtschaftlichen Abmachungen auf Grund der Micunwerträge bis zu deren Ablauf am 15. April nicht mehr gerechnet werden darf, wird nun auch offiziell die Frage der Verlängerung dieser Verträge m Er­örterung gezogen. Es wird sich wohl vorläufig darum handeln, diese Verträge um einen Monat, also bis zürn 15. Mai m ihrer Geltungsdauer zu verlängern. Die Reichsregierung wird bei den Ver­handlungen keinen Zweifel darüber lassen, daß diese Regelung nur als eine provisorische bis zur Ueberwindung eines Uebergangsstadnuns anzusehen ist und daß sic ihren Standpunkt auf­recht erhält, wonach diese Verträge auf die Dauer nicht erfüllt werden können und daß die Regierung als solche nicht, wie man es von französischer Seite gern möchte, ihrerseits in die jetzt von der Industrie als solcher übernommenen ^Verpflichtungen einzu- treten in der Sage wäre.

Die französischen Wanzen.

Verminderung der Ruhrbesatzung.

Die Regierung hat einen vorläufigen Kredit­vorschlag eingebracht für das Budget der zurück­zuerstattenden Ausgaben für die Monate April, Mai, Juni und Juli. Der Kredit beläuft sich auf 3 423 414 288 Francs. Außerdem wird ein Kredit von 275 156 492 Francs für die Bssatzungstrup- pen im Ausland gefordert. Bei diesem Betrag fft die Verminderung der Effektivbestände im Ruhr­gebiet berückftchtigt, die in einer Verminde­rung von nahezu 44 Millionen Franc für die in Frage kommenden Monate zum Aus­druck kommt.

Der IHiniffetraf und das Finanzgefeh.

tigen haben.

Diese und andere Schriften sind weniger bemer­kenswert durch ihren Inhalt als durch die Tatsache, daß sie überhaupt erscheinen können. Siegesbe­wußt stellen sich die Völkischen. Sie hoffen auf die Zukunft. Der Rächer wird erstehen so künden sie an. Deutschland müsse sich von den Jesuiten freimachen, dennein starkes völkisches Groß­deutschland kann nie und nimmer im Interesse der jesuitisch- jüdisch-römischen Machtpoli- tifer liegen, denen die Weltherrschaft vorschwebt." Die Hoffnung fei berechtigt, daß das jefuitifebe Syitein letzten Endes an dem ge­funden Sinn des Volkes scheitert, daß der teuflische Trug durchschaut wird. Die blutigen Ereignisse vorn 9. November 1923 in München (gemeint ist die Nieder­werfung des Hitlerputfches) haben fast ganz automatisch das Augenmerk auf jene Hinter- und Dunkelmänner gelenkt, denen Religion nur ein Mittel zur politischen Macht fft und die zur Erringung dieser Macht genau so rücksichtslos vorgehen, wie im Miftelalter und Bruder gegen Bruder ausspielen. Der Blick des Volkes hat sich geschärft. Und darum wird und muß der Tag kommen, wo das deutsche Volk sich freimacht vom jesuitischen Rarrenseil, an dem es noch geführt wird. Dann erst wird das deutfche Volk sich selbst wiederfinden und sein eigenes ursprüngliches Wesen wieder entdecken".

Aus diesem kurzen Zitat geht unwiderleglich hervor, von welcher Geistesauffassung die Völkischen durchdrungen sind. Wir ersehen ferner daraus, wie diese völkische Bewegung wüten würde, wenn sie jemals zur Biacht gelangen sollte. Dann würde der Kulturkampf Bismarcks nur ein kleines Abbild von dem sein, was käme. Die Völkischen schreien zwar laut gegen die Juden, in Wirklichkeit aber richtet sich der Hauptstoß gegen den Ka­tholizismus. Dem geben sie äußerlich Aus- : druck, indem sie das erste Heft der Flugschristenreihe [ dem Jesuitismus widmen. Es sind das Kreise, die seither notgedrungen ihre Kulturkampfsgelüste zurücksteckten, nun jedoch glauben, daß die Zeit der i Ernte gekommen fei.

Wir überschätzen die deutschvölkifche Bewegung nicht. Sie findet ja einen gewissen Anhang, weil sie in der Opposition steht, weil sie alles das kriti­siert, was andere tun, um die Einheit des Vater­landes zu retten. Auch diese Bewegung wird ab­flauen, sobald die Rechte ans Ruder kommt und praktische Arbeit leisten muß. Dann werden die Völkischen eine jämmerliche Niederlage erleiden. Wenn sie trotzdem den Kamps inszenieren wollten, nun, sie sollen ihn haben. Sie werden auf Granit beißen. Selbst Bismarck mußte den Gang nach Canosia antreten. Seine Epigonen werden noch weit bösere Erfahrungen machen. Der Katholizis- I mus läßt sich nicht mit Fußtritten beiseite stoßen. I Wir wollen andererseits auch diese völkische Be- I megung nicht unter schätzen. , Sie stellt für uns I eine Gefahr insofern dar, als wir befürchten müssen, | unsere wertvollen Kräfte für die Ab - I wehr zur Verfügung zu stellen. In dem Wesen I des Katholizismus liegt es nicht,, den Kampf gegen | andere Richtungen zu führen. Wir wollen den k on- 1 feffiondlen Frieden, weil wir nur auf I diese Weise aus der grenzenlosen Not unserer Tage herauskommen. Weniger im Jntereffe des Katholi- ! zismus, umsomehr aber im Interesse des I Deutschen Reiches bedauern wir das neue Geschrei, das sich an verschiedenen Stellen erhebt. I Käme es, was doch die Völkischen beabsichügen, zu einem neuen Religionskampfe, so wäre das Schick- | fal Deutschlands besiegelt. Woraus mau. auch er-

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Die Republik in Griechenland.

Das Parlament beschließt die Absetzung ' der Dynastie.

Die Nationalfeier ist am Dienstag unter Teil­nahme einer ungeheuren Menschenmenge aus allen Schichten der Bevölkerung begangen worden. Rach I einem Gottesdienst in der Kathedrale begaben sich die Minister und Abgeordneten im geschlossenen Zuge zum Parlament, das in feierlicher Sitzung einstimmig den gestern eingebrachten Antrag der Regierung annahm, durch den die Dynastie abgesetzt und die Republik errichtet wird. Artilleriesalven verkündeten das historische Ereignis, das von der Nationaloersammlimg und der Stadt mit unbeschreiblicher Begeisterung ausge­nommen wurde. Die Feier dauert drei Tage an. Heute wird ein Ministerrat eine Verordnung unter­zeichnen, durch die alle wegen politischer und imU= «rischer Vergehen Verurteilten amnestiert werden. Die Presse begrüßt die Ausrufung der Republik als j ein großes Ereignis, das den Beginn einer neuen historischen Epoche Griechenlands darstelle.

Belgien und Rußland.

Wie Havas aus Brüssel meldet, glaubtLibre Belgiciue" zu wissen, daß das Kabinett sich jetzt mit der Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen | zu Sowjetrußland beschäftigt habe. Es sei nicht mrbekannt, fügt das Blatt hinzu, daß diese Frage namentlich den Haftn von Antwerpen berühre und daß der dortige Bürgermeister Dan Camvelaert persönliche Verhandlungen mit dem Sowsetvertreter hierüber ausgenommen habe. Der Gegenstand dieser Verhandlungen habe auch den MiNlsterrat I beschäftigt.

vom Münchener Rsvemberputfch.

Ein welkerer Prozeß.

Wie aus München gemeldet wird, wurde von dem Volksgericht gegen den Oberstleutnant a. D. I Oldenburg verhandelt, unter dessen Führung I am Morgen des 9. November vorigen Jahres eine Volksmenge in den Sitzungssaal des Münchener I Rathauses eingedrungen war, um den Stadtrat I zur Hissuna der fchrvarz-weiß-roten Fobne zu ver- I anlassen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten I meaen Beamtennötiguna in Tateinheit mit Haus­friedensbruch zu 350 Mark Geldstrafe und Tra- qung der Kosten. Von einer Gefängnisstrafe sah das Gericht ab, weil der Angeklagte ein ehren- I Hafter tapferer Offizier gewesen sei und well er bei dem Eindringen in das Rathaus eine gewisse Vermittlerrolle zwischen der erregten I Volksmenge und dem gefährdeten Stadtrat ge- ^^Die^Ver Haftung und Verschleppung der sozialistischen Stadträte, die Zer- störunq derMünchener Post" und die Gelddieb- I stähle kamen nicht mehr vor das Volksgericht, fon- I tzern werden Ende April vor der Strastammer 1 ftezw. dem Schwurgericht verhandelt werden.

Der Dartdoorffanb der Demokratischen Partei beschäftigte sich auf einer Tagung in Berlin mit der Ausarbeitung seines Wahlprogramms und stellte die Spitzenkandidaten für die Reichswahlliste auf. Die Liste _ beginnt mit dem Reichsminister a. D. Koch. Es folgen

folge'insbesondere mit dem Arbeitsprogramm des ; Dr. Gertrud Bäumer, Erkelenz, Rcher-Köln, Reichs- Parlaments betaäfti^ E- eine Auswahl 1 wehrmimfter Dr. Geßler und Dr. Ludwig Haar.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda. _______

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