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Donnerstag, 20, Marr 1924
Zer IMjiMWWe Stütiuioerlrag
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um uvtlr>vu>w .,v^, ,.—, , glaubt haben, und daß Sie nicht an einen militärischen
und di-sse unsere Ansicht trifft auch mit der Meinung Marsch nach Berlin, sondern nur an einen politischen der Mtzgebenden Kreise in Bersin überein, W SW Berlin gedacht Men?-" Ludendgrif:
„Selbstverständlich, selbstverständlich! Dr. v. Scheubner- I Richter erklärte mir ja auf der Fahrt zum Bürgerbräu, I daß Hitler den Herren Kahr, Losiow und Seisier in der I Richtung ihrer Wünsche zum Absprung verhalfen habe. I Im Nebenzimmer des Bürgerbräus stand ich dann ebenso [ unter moralischem Zwang, wie jene Herren." Dors.: I „Es wurde doch aber immer von einer Diktatur Hitler- I Ludendorff gesprochen." Ludendorff: „Aber mehr I von der anderen Seite als von unserer Sette." Dors.: I „Persönlich haben Sie also nicht an einen militärischen I Marsch nach Berlin geglaubt?" Ludendorff: I „Nein, nein. Das war für mich fein feststehendes Pro- I gramm, sondern nur eine Unterhaltung."
Der Dorsitzende fragt werter: „Ist denn etwas davon gesagt worden, daß in Bayern eine Neubildung der Reichsregierung mit Ebert al» Reichspräsidenten erfolgen würde? Ludendorsf: „Don seiner Absetzung habe ich jedeusalls nicht» gehört." Dor s.: „Sie glaubten also an die Möglichkeit einer neuen Reichsregierung mit Ebert an der Spitze?" Ludendorff: „Das mußte jedenfalls der Zukunft überlasten bleiben." Dors.: „Sie werden einsehen, Exz., daß in dieser Darstellung ein gewisser Widerspruch zu Ihren früheren Angaben besteht. Wie koinmt das?" Ludendorff: „Meine erste Aussage wird meiner damaligen Auffassung entsprochen haben. Ich habe damal, so vieles gehört. Heute ist meine Austastung so. Es ist mir nicht möglich, etwas anderes zu sagen. Ich habe jedenfalls nicht an einen militärischen Marsch nach Berlin geglaubt." Dor s.: Hiller hat doch aber im Dürgerbräu die Bildung der Reichsregierrmg verkündet." Ludenborff: Sn seiner Rede ist aber nichts von Ebert gesagt." Dors.: „Die Regierung war aber doch schon gebildet. Es konnte doch also kein Druck mehr in Frage kommen." Ludendorff: „Sch habe in meiner Erregung nicht so genau auf die Worte Hitlers gehört. Sm übrigen kam ich genau so plötzlich in diese Situation hinein, wie die anderen Herren." R.-A. Dr. Luetgebrune: „Haben sich denn Ew. Exzellenz in dem Artikel irgendwie bedacht, wie die Diktatur einzu- richten ist?" Ludendorff: „Darüber habe ich nicht nachgedacht. Sie mutzte ebenso wie die Monarchie au» dem freien Willen des Dolkes entstehen." R.-A. Dr. Luetgebrune: „Waren sich denn Exzellenz dar- über klar, daß mit Hillers Reden gesagt werden sollte, die neue Regierung sei schon gebildet." Ludendorsf: „Nein, ich habe Hitlers Worte nicht so genau verfolgt." Dors, (ungeduldig): „Na, wie haben Sie sich denn ge- dacht? Bitte sagen Sie das kurz, das ist wichtig!" Lu- benborff: „Ich habe mich der neuen Regierung zur Derfügung gestellt. Diese Negierung war für mich ein Rampfgebilbe aus Männern au» dem Norden, die bann zusammen mit der bayerischen Staatsgewalt und ben Vaterländischen Verbänden einen Druck aus Berlin aus« üben wollten". Dors: „Es war also für Sie keine endgültige Bildung, sondern nur eine Dorbereitungsmaß. nähme?" Ludendorff: „Selbstverständlich" Staatsanwalt Ebardt: „Dann möchte ich Exzellenz doch folgenden Vorhalt machen. Exzellenz haben den Stand- punkt vertreten, daß es sich um eine Umwälzung handelte, die nicht von vorttherein mißglückt war, um eine völkische Revolution, deren erster Akt gelungen war, weil am 8. November abend» alle Macht in den Händen der neuen Regierung lag." Ludendorff: „Sch kann mich
: dieses Standpunktes nicht entsinnen."
। Angekl. Hitler: „Sch betone, ich kannte damals und kenne heute noch keinen anderen militärischen Führer für Deutschland als General Ludendorff. Auch die Briese, die ich ms Gefängnis bekommen habe, sehen in Luden- dorff allein den militärischen Führer für die große kommende Abrechnung." Dors, zu Hitler: „Haben Sie mit Exz. Ludendorff über militärische und diktatorische Befugnisse gesprochen?" Hitler: „Sch habe mi^Exz.
' Ludendorst über diese konkret Frgzx po^x
Soziales.
— flusroanteeung aus Deutschland Im Siena Februar find über Hamburg nach Uebersee auSge« wandert 3734 Deutsche und 1008 Äu-lander. Im Februar 1923 sind 2343 deutsche und 2358 ausländische Auswanderer über Hamburg gegangen. Er hat somit ein bemerkenswerter Umschwung stattgefunden. Die deutsche Auswanderung ist über fünfzig Prozent gestiegen, die ausländische um den gleichen Prozentsatz --uruckaeoapge»
Var tziilijchiner Ländchen.
Deutsche Treue.
Wie schon kurz hier gemeldet wurde, ergaben die neuerlichen Wahlen zu den Gernerndever t r e t u n g e'n im Hultschmer Ländchen m allen an die Tschecho-Slowakei abgetretenen Ortschaften eine überroMgende deutsch e Mehrheit. In Krawanr wurden 23 deutsche und 7 tschechische, in Kauther 19 deutsche und 5 tschechische, m Duslawitz 10 deutsche und 8 tschechische Gememdevertreter gewählt, obwohl die Tschechen eine Menge So l d a t en und Beamte in das Hultschmer Ländchen gelegt haben, um auf diese Weife die Wahlen zu beem-
bekämpft.
Das französische Fiar.nzgesetz I
ist numnchr endgültig vom Senat mit 151 gegen 23 Stimmen angenommen worden. Dw I demokratische Linke, die sog. Radikalen, haben sich der Abstimmung enthalten. JDte üamniet hat die Beratung der durch den Senat vorgenommenen Abänderungen sofort ausgenommen.
Mik der Organisakion des franzSsischea Heeres beschäftigte sich die französische Kammer. Der Be- richterstÄter über das Milltargesetz, Abg. Oberst Fabry, erinnert zu Beginn seiner Redean die gro- ßen Grundsätze der französischen Milüarpolitrk, die wesentlich defensiv sei. Diele Franzosen, besonders aber die So daten, hätten vor dem 3t r i e ge einen solchen A bscheu, daß die französische Politik nur auf die Notwendigkeit der nationalen Bertei- digung und auf die Sicherstellung des französischen Rechts und der französischen Ehre eingestellt sein könne.
Das Heer, das Frankreich unterhalte, soll nach dem vorliegenden Gesetzentwurf rn 32 Divisionen eingeteilt sein. Dazu kommen Spezialtruppen, die Artillerie, Luftgeschwader, Tankgeschroader und die allgemeinen Reserven. Der Berichterstatter teilt weiter mit, die Grenzarmee habe den Zweck, Frankreich ein Friedensheer zu geben, durch das es in den Stand gesetzt werde, jederzeit eine starke Shlachsfront auf dem rechten Rhemufer herzustel- len (Große Bewegung auf verschiedenen Seiten).
vle Relckstagswahl im besetzten Gebiet Melassen.
wtb Koblenz, 19. März. (Tel.) (Amtlich.) Nach einer Mtlteilung des Präsidenten der Reichs- vcrmögensvsrwallung in Koblenz hat die Interalliierte Rheinlandkommission die Verordnung über die neuen Wahlen des Reichstags vom 14. März, nach der die Hauptwahlen zum Reichstag am 4. Mai 1924 stattfinden, im besetzten Gebiet zugelassen.
Rußland sind freundliche Beziehungen im Ein- vernehmen anzubahnen. Unabhängig blerbt die Stellung beider Vertragstelle m Italien. Die Bestrebungen Italiens zur Erlangung einer Mit- telmeerherrfchast werden von beiden Vertrag st..len
W »Heuet SWemlmM gab am Dienstag zu Beginn der Sitzung Cttbenborff einige Erklärungen ab. die sich auf die Verwahrungen des Kardinals Faulhaber gegen die Aeußerungen Lu- benborffs bei ferner ersten Vernehmung bezogen. Lu- benbnrff erklärte zusammenfasisnb: Mir lag daran, festzustellen, daß die ultramontane Politik gleichzeitig in Deutschland und Amerika unterem Vaterland- ab- trägig wirkt, um damit recht deutlich zu erklären, wie ich m dieses Unternehmen hinein gekommen bin. „Sch habe geglaubt, daß in der Nacht vom 8. zum 9. Novern- ber Se. Majestäi der König auf Herrn von Kahr eingewirkt habe. Sch erkläre ausdrücklich, daß ich heute nicht mehr daran glaube."
Der »Marsch nach Berlin" kein Programm, sondern eine Unterhaltung.
ßubenborff wird anschließend verhört. Dors.: „Sie haben am 3. November im „Heimatlands einen Artikel „Die völkische Bewegung" veröffentlicht? ßubenborff: „Der Artikel ist nicht nur Im „Hei- matlanb" erschienen. Sch war am 14. Oktober in ®ree- lau und sprach dort mit mehreren Herren über die völkische Bewegung. Als man mich nach dem Wesen der Bewegung fragte, habe ich feine richtigeDefi- nition geben können. Deshalb setzte ich mich nach meiner Rückkehr hin und verfaßte einen Artikel, ber an viele Zeitungen gesandt worden ist. Er stand am 1. November u. a. im „Völkischen Beobachter", ßubenborff verliest bann diesen Artikel und Interpretiert auf Wunsch des Vorsitzenden ben Hauptsatz be» Artikels: Die völkische Bewegung führt durch Kampfgemeinschaft zur Volksgemeinschaft, zunächst unter völkischer Dik- tatur. Die völkische Bewegung ist Kampf, fluben- borff erklärt hierzu, baß die völkische Gemeinschaft, wie er sie ausfasse, die Zusammenfassung aller Deutschen bedeute, die bereit sind, zur inneren Gesundung tmb zur deutschen Einheit zu Ruhm und Ehre des Vaterlandes zusammenzustehen. Selber traf diese Voraussetzung bisher nur auf einen Teil des Dolkes zu. Dorübergehend kommt hierfür die völkische Diktatur in Frage. Sch bin Monarchist, erklärte ßubenborff, aber die Monarchie kann erst kommen, wenn das Volk es will. Vorher kommt die völkische Diktatur. Sch habe mich während des Krieges wkberhost mit der Diktaturfrage beschäftigen muffen. Sn Frankreich, England und Amerika standen Diktatoren an der Spitze. Mir wurde der Vorwurf gemacht, daß ich nicht die Diktatur übernommen hatte. Sch hätte es tun müssen, und bas ist ber Vorwurf, den ich mir mache. Dors.: „Bei Sbrer ersten Vernehmung hatten Sie er« klärt, daß die Diktatur nur gewaltsam durch das Zusammenwirken des Bayerischen Staates und den Norddeutschen Faktoren kommen könne." Luden- dorff: „Sch habe mich dauernd mit diesen Fragen beschäftigt. Wenn ich das damals gesagt habe, so entsprach es meiner danuckigen Auffassung." Dors.: „Sie Haven die Errichtung eines nationalen Reichsdirekto- riums als Patentlösung anfgefaßl. Haben Sie noch am 8. November abends an diese Lösung gedacht? ßubenborff: „Einzig und allein." Bors.: „Sie wußten büch aber von ber Verhaftung der bayerischen Minister?" ßubenborff: „Nein, das wußte ich noch nicht." Vars.: „Doch, doch, Exzellenz, das haben Sie ja schon zugegeben. Sie habendes ja im Vorzimmer des Bürgerbräus erfahren und Sie haben auch gewußt, daß Reichspräsident Ebert abgesetzt war. Dann war doch die Patentlösung nicht mehr möglich." ßubenborff: „Nein, bas habe ich nicht gewußt." Dors: „Sie behaupten also, daß Sie noch s am 9. November abends weiter an die Patentlösung ge-
chen. Das war ja auch nicht möglich, da, Exz. Luden- borff zu Anfang völlig gegen Lossow eingestellt war. Erz. Losiow hat ja General ßubenborff erst nähere Aus- tlärungen über die angestrebte P ° " osun 8 sege.
ben. Sch bedauere, daß die Herren Ebert und mann nicht hier als Zeugen vernommen wor^n sind ^b jemals an sie wegen ber Frage des Relchsdirektorlums herangetreten worden ist. Der Marsch nach Berlin w«S doch so gedacht, daß m etnem Augenblick die g r o ß amt n e einsetzen sollte, damit die Herrschaften tn Ber« ün wr niAt erst sich Nachfolger schaffen konnten. Zuerst muff XT ungeheure politische Propaganda einfehen. Kahr war nach meiner Ansicht nicht ber ge borene politische Führer und deshalb sollte er auch nur Landesverweser in Bayern bleiben, weil er dazu dank feiner Derwaltungskenntnisse sich besten eignete. Hotts sich unsere Bewegung durchgeietzt, so hatten w Jofort eine Volksabstimmung darüber tn dieWege ge« leitet, ob das deutsche Volk die aus d» Revolution 1918 geschaffene Republik anerkenne oder nicht. Erkannte das Voll fie an so sollte die Republik f u r e m t g b l e t-
I ben. Andernfalls konnte sie selbstverständlich keinen Tag ^Hinaus? wurde die Beweisaufnahme im Hlt-^ lerprozeß geschlossen.
Die Spende deS Papstes,
Die zwei Millionen Lire, welche der Papst «uaunften der Notleidenden tn Deutschland St an die apostolisch- Nuntiatur tn München sandte, find von letzterer zur Hal t« an die amt siche Sammelsteile deS deutschen Eptsko-
I pat» in Paderborn und zur ßalfte an de» I Taritas-Verband fibertoteien worden.
MWM M bkl MMM. i
Die Frage des Eintritts Deutschlands m den I Völkerbund ist in der letzten Zeit, besonders fett Antritt der neuen englischen Regierung, wiederholt m I ber Presse aufgetaucht. Es ist damals schon von uns I betont, und es ist dies auch im Reichstag von der I Reaierungsseite erklärt worden, daß eine Einladung weder offizieller noch inoffizieller Natur bisher an Deutschland nicht ergangen ist. Man mutz deshalb die gelegentliche Erörterung in der Auslands- presse gewissermaßen als Bersuchs-Ballon ansehen. I
Als eine solche glauben wir auch die neueste Aus- fassimg des Genfer Berichterstatters des „Echo de Paris" auffaffen zu können. , Dieser glaubt da- hin informiert zu fein, daß die Schwierigkeiten, I welche der Zulassung Deutschlands entgegenstanden, I „nach Informationen aus gewissen Kreisen beseitigt I .feien. Es bleibt nur noch eine Formsache zu erledigen. Deutschland fordere einen Stz im, Volker- I bundsrat, welche Forderung von Frankreich „ms letzt noch nicht gebilligt werden konnte". Frankreich wolle Deutschland nicht vom Rat ausschließen, aber es mützte dann Rußland das gleiche Recht zuge- stehen. Falls Deutschland in den Völkerbund em» trete, hätte Frankreich nicht die Absicht, Deutschland von einer Bertre^umg im Rate fern zu halten, sind nun kommt gewissermaßen der Pferdehus — falls die Reihe an Deutschland wäre. Mit einer ge« missermaßen naiven Offenheit fährt der Berichterstatter dann fort: fo würde Deutschland dann m einer - Reihe mit den Staaten mittlerer Bedeutung gestellt, mährend Deutschland selbst den Ausspruch auf den Rang einer Großmacht erhebe und dieselben Rechte wie Frankreich. England und Italien haben wolle.
Demgegenüber möchten wir noch einmal ausdrücklich hervorheben, daß der Standpunkt der deutschen Reg'ierstng nach wie vor unverändert tft. Diesen Standpunkt hat Retchsaußen- mmister Dr. 6 tref ernenn am 28. Februar in seiner großen Rede über die gesamte deutsche Autzen- politik folgendermaßen gekennzeichnet:
„Die iReicbSreoteruna steht auf dem Boden ber dem Völkerbund zugrunde liegenden Idee der internationalen Solidarität. Diese Idee ist im xegenwar- tt-cn Statut des Völkerbundes nur unvollkommen verwirklicht. Das bisherige Verhalten des Völkerbunde» hat Deutschlands gute reffen vielfach stark geschallt. Trotzdem lehnt die deutsche Reoieruna den Eintritt in ben Völkerbund grundsätzlich nicht ab. Sollte dre Fra e akut werden, so wird die Reichsregierung prüfen, ob die Behandlung Deutschlands als vollberechtigtes Mitglied tm Völkerbund gewährleistet ist und ob der Eintritt selbst nicht etwa mit besonderen oder demu- timenden Bedingungen verbunden sein würde. Außerdem wird die ReichSregterung zu berücksichtigen haben, daß der Völkerbund eine ersprießliche Wirksamkeit nur entfalten kann, wenn das Ziel der Unibe.ialilat wenigstens für Europa erreicht wird."
Das „Derk. Tagebl." verösfmblicht den Work- laut der Abmachungen Mischen Frankreich unii ber Tschechoslowakei. Am 25. Januar tft bekanntlich zwischen den beiden Staaten em Freundscha s t^- und Bündnisvertrag abgeschlossen worben. Andere Abmachungen waren vorausgegangen. Am 28. Oktober 1918, also vor dem Ende des Krieges, wurde ein Geheimvertrag unterzeichnet, wonach eme aus 68 französischen Offizieren gsbiwete Kommstsion für die Dauer von 20 Jahren mit der Oragmsafton vnb im Falle eines Krieges gegen Deutschland, mit Iber Führung der tschecho- slowakischen Armee betraut wurde. Diesem Vertrag wurden am 24. April 1921 erganzeicheBe- stimm'mgen angefügt, nach denen ,es du' tsch^ho- slowakische Regierung übernahm, tm Falle einer ernsthaften Entwicklung der Anschluhbewegung Wien, Linz und Salzburg zu b^etzen. Am 8. November 1921 verpflichtete sich Benesch gememsam mit Frankreich wirtschaftspolitische und militarftche Schritte gegen Deutschland im Falle einer Gefahr- düng des mitteleuropäischen Friedens zu unter-
neuen geheimen Abmachungen bestehen in einer am 25. Januar 1924, also am Tage des Absthlustes Mischen Frankreich und der Teschecho- slowakei unterzeichneten Deklaration zu diesem Bündnisverträge. Ihre wichtigsten Punkte lau- ten: Die Tschechoslowakei tritt bei einem Kriege mit I Deutschland mit ihrer gesamten Kriegsmacht auf die Seite Frankreichs, und umgekehrt ver- pflichtet sich Frankreich bei einem Waffengang der I Tschechoslowakei mit Deutschland diesem den Krieg I zu erklären. Bei einem Kriege Polens 'mit Deutschland treten beide Vertragsparteien an die Seite Polens. Vor der Eröffnung von Femd- feligkeiten zwischen der Tfchechosiowakei und Ungarn gibt Frankreich die Unterstützung der Tsch^ho- I slowakei mit Kriegsmaterial zu erkennen.' Die Wiederkehr der Habsburger in Ungarn verpflichtet Frankreich zur sofortigen Entziehung der Krebste, und beide Dertraastsile zum Hinwirken auf eine D'rfck-ärfung der Kontrolle. Der Versuch einer Restaurierung der Hohenzollern in Deutschland I oder in einem seiner beiden Länder erfordert sofort den schärfsten Einspruch ultimativen Charakt-rs bei- der Dertragsteile in gleichen Roten unter Ankündi- I gung weiterer Sanksionen im Westen und Südosten unter Bezugnahme auf den Versailler Vertrag. Zu
Um mit letzterem zu beginnen, Deutschland legt und muß Gewicht darauf legen, daß der Völkerbund sich auf ganz Europa erstreckt, daß also vor allem Rußland zu gleicher Zeit Auf- । nähme in dem Völkerbund findet. Don dieser Uni- | vor sali tät des Völkerbundes ist in der obigen Genfer । Information keine Rede. Ein Völkerbund aber, der I nicht bereit und gewillt ist, alle Kulturftaaien auf« Zunahmen und feine Mitglieder durch die außerdem noch sehr mangelhafte Satzung des Bundes in Gefahr bringt, sich gegebenenfalls gegen Richtmitglie- der zu wenden, kann, wie gesagt, besonders im Hinblick auf Rußland, auf den Beitritt Deutschlands Nicht rechnen. Gerade Deutschland hat zu wiederholten Malen trübe Erfahrungen mit dem Völker- bund gemacht, wir erinnern hier nur einmal an Ob'erschle sien, daß es ein derartiges Risiko nicht eingehen kann. Zudem bleiben die Zulastungs- bestimmungen keine „Formsache", sondern sie sind von überragender Bedeutung und bisher noch in keiner Weise entgülsig erklärt. Vollberechtigtes Mit- glied und Gleichberechtigung, das ist für Deutschland Voraussetzung! Und, was aus der Genfer Information des „Echo de Paris" hervorgeht, daß, wenn Deutschland auch zur Zeit noch der Sitz tm Rat verweigert werden soll und daß Deutschland nicht einmal unter die Großmächte gerechnet werden soll, fo gehört das wohl zu den „demütigenden Bedingen", auf die der Reichsaußenmimster hingewissen hat, und die den Eintritt in den Völkerbund deut- scherfeits unmöglich machen.
Der französische Standpunkt ist überdies um so befremdlicher, als bereits auf der Pariser Friedenskonferenz Präsident Wilson im April 1919 mit einem deutlichen Hinweis auf Deutschland und Rußland die künssige Schaffung ständiger Ratssitze für die dem Bunde noch fernstehenden Großmächte in Aussicht stellte. Dieselbe Frage, nämlich die Schaf- sung solcher Ratssitze, wurde wiederum auf der Vol- kerbundsversamm'ung im Jahre 1922 angeschnitten, und damals wurde nicht nur von Neutralen, sondern auch von den Delegierten Englands und Frankreichs auf die künftig neu zu schaffenden ständigen Ratssitze für Deutschland und Rußland hingewiesen. Deutschland braucht also nicht zu warben „bis es an der Reihe wäre", sondern es kann und soll nach der allgemeinen Ansicht ber Völker- bundsmitglieder diesen Ratsitz ohne weiteres bean- spruchen. Es darf sich auch nickst zu einer Macht zweiten Ranges degrad'eren (affen; wie es fron« zösifcherfefts nach der obigen Genfer Meldung allzu gern gemacht würde, sondern es muß feine Aufnahme in den Völkerbund nur vollziehen als voll- und gleichberechtigtes Mtglied mit denselben Rechten und Pflichten wie die alliierten Großmächte.
Das noch einmal ausdrücklich hervorzuheben ist angesichts der obigen Meldung des „Echo de Paris" durchaus am Platze. Wir sehen aus der gegensätzlichen Auffassung am besten heraus, daß die Schwierigkeiten für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund noch keineswegs „beseitigt"^ sind,
Setantwottli» für die Gäriftleitung: Dr. I°b--m,er «ratne^ Ameisen: I. B anellet. Fulda. R°tatwnsdruck nnd Bertas der „ Fuldaer NctiendruSerei in Fulda. Ferntdreaer Rr. *
Be-uarvretS- Monat VSrr 1.80 «oldmark.
MeimmM in M. Mlll-lN. Winne 15 WO FuldaerZettung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda. ----sii s auswärts OÄ) «oldmark. •
Bet Wederrolunaen Rabatt. ,»N?-beckkonto Frantt-rt a. M. «ist.
Kurland.
* Der Umschwung in Persien. Reuter meldet aus Teheran, die fortschrittliche Partei, die mit der sozialistifchen Partei die Mehrheit int Parlament bildet, habe sich für die A b s e tz u n g d e s S ch a Hs mid die Ausrufung der Republik erklärt.
* Em Kalif von Aegypten. Einer Reutestmel- dung aus Kairo zufolge ist dort eine Dewegtmg tm Gange, die die Ausrufung des Königs Fuad zum Kalifen von Aegypten bezweckt.
— Iteue Kerbinäle. Der ,Osiervatore Romano teilt amtlich mit, daß in einem Geheirnkonfisto rium am 24. März die Erzbischöfe von New. Jork und Chicago zu Rarbinälen gewählt werden. Am 27. .März findet ein öffentliches Konsistorium statt.
Die Reise nach Wien.
Der Reichskanzler ist in Begleituna des
Heufietn Dr. Strefemann, der sich nach Leipzig be» neben bat/tohb dort in den Wiener Zug einst'igen. Die Rückreise von Wien nach Berlin erfolgt am Freitag nachmittag.
Ter bayerische Volksentscheid.
Nachdem der Anirag der bayerischen Volkspartei betreffend Volksbegehren in der Schlußsitzung des Landtages nicht die notwendige parlamentarische Mehrheit gefunden hat, hat die Staatsregierung em. Bekannimachung erlaßen, die bte abgelehnten Nolksbeaehren der Volksentscheidung unter breitet, welche zusammen mit den Landtagswahlen am tz. 4. 1924 voraenommen wird.
Die einzige Frage des VolksentscherdeS lautet dahin, ob der neu zu wählende Landtag er mächtigt sein soll, ein Gesetz zur Umgestal» "ung der bayerischen Verfassung mit em. facher Mehrheit zu beschließen.
Um den deuffchen Brüdern tn Oester, reich für die Hilfe Dank abzustatten, die sie vielen Kindern im Reiche durch ihre hochherzigen Spen- den haben zuteil werden lasten, werden sich am 10. April 500 Berliner Kinder nach Oester- reich begeben, um sowohl in Wien wie auch m anderen Städten Chorkonzerte zu veran- stallen. _ ________________
Deutscher Reich.
* Das Kabinett in Mecklenburg. In der Sitzunz des Mecklenburg-Schwerinschen Landtags wurde das neue Kabinett wie folgt gebildet: Freiherr v. Branden- stein: Ministerpräsident und Inneres; Amtsgertchts- rat a. D. Dietrich v. Oertzen: Finanzen und Sanin. wirtschaft; Pastor Dr. Stammer-Rostock: Kultus und Justiz- ’