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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Snrrigeo-Preise: Rlemwle (dolonei) lokal 0.15 QWibmoti.

Mittwoch, 19. Märr 1924

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Ur. 67

Hu$ dem Zaargebiel.

Der Völkerbundsrat hat die folgenden beiden Regierungskommissare des Saargedietes ernannt:

An Stelle des bisherigen saarländischen Kom­missars Land den gegenwärtigen Präsidenten des Landesrates K ö ß m a n n, itnö an Stelle des däni­schen Mitgliedes Moltke-Huitfeldt den Spanier Espinestade Los Monteros.

Aus Saarbrücken wird zu der Ernennung Koß- manns erklärt: Der neue Regierungskommissar wird selber wissen, daß er n i ch t der Erwählte der politischen Parteien und der saarländischen Bevölke­rung ist. Auch nach ferner Ernennung hält die Saarbeoölkerung grundsätzlich an der Auffas­sung fest, daß das saarländische Regierungsmitglied von der gesamten Bevölkerung zu wählen ist, was allein den demokratischen Grundsätzen entspre­chen würde, die der Völkerbund auf seine Fahne ge­schrieben hat. Dies vorausgeschickt darf gesagt wer- i den, daß Herr Koßmann in weitesten Kreisen der i Saarbevölkerung große Sympathien besitzt. Koß­mann entstammt dem Arbeiterstande. Er ist Katho­lik rmd Zentrumsmann. Er muß in seiner Amts­führung sich bewußt sein, daß alles, was er tut und unterläßt, letzten Endes dem Katholizismus und der Zentrumspartei auf das Konto geschrieben werden wird, obwohl der Katholizismus und die Zentrums­partei an seiner Ernennung unbeteiligt sind. Herr Koßmann übernimmt eine unendlich _ schwere Ver- I antwortung. Eines vor allem muß ihm eine heil. Pflicht sein: Eine Vergewaltigung ,un- I seres Deutschtums darf er unter keinen Umständen dulden. Möge er sich dabei das I mannhafte Beispiel des früheren saarländischen I Mitgliedes der Regierungskommission, des Herrn v. I Doch, zu!m Vorbild nehmen, der lieber sein Amt I niederlegte, als daß er die Verantwortung für ein I Unrecht übernahm, das dem Saargebiet zugefügt werden sollte. Herr Koßmann kann gewiß sein, I daß er in einem solchen Konfliktsfalle die Saarbevöl- I kerung ohne Unterschied der Konfession und der I Parteien einmütig hinter sich haben und I daß sie dann nach Ablauf feiner Amtszeit beim I Völkerbund seine Wiederwahl und erneute Bestäti- I gung fordern würde.

In Deutsch-Ostafrika hat man zwei Formen des Hasen festgestellt, den sogenannten ockerfüßigsn mit einem rostgelben Nackenfleck und den grauen, hell leder­farbigen. Beide erreichen nicht die Größe unseres ein­heimischen Feldhasen; sie stehen etwa zwischen diesem und dem wllden Kaninchen. Als echte Hasen graben sie sich keine Baue.

3m Steppengebiet der ostafrikanischen Salzseen lebt übrigens noch ein anderer Nager, der zu den Hasen gehört; es ist der sogenannte Springhase.

Dieses hübsche Geschöpf ist oben rehfarben, unten weiß. Es erreicht eine Größe von etwa 45 Zentimetern, der lange, dichtbuschige Schwanz ist etwas kürzer und an der Spitze sehr dunkel. Die kurzen kräftigen Vor­derläufe sind mit fünf starken, langen, gekrümmten Krallen bewehrt. Die Hinterläufe, sogenannte Sprung­beine, sind sehr lang und haben vier breite, kurze, huf- atfige Nägel. Der verhältnismäßig große Kops mit nicht gespaltener Oberlippe hat mittellange, schmale, spitzige Ohren. Die großen, dunklen Augen sind longwimperig, fast schön.

3n ihrem Aeußern gleichen die Springhafen kleinen Känguruhs, bewegen sich auch wie diese in 2—3 Meter langen Fluchten vorwärts. In der Verfolgung können Sprünge von 6—10 Meter Weite ausgeführt werden. Das Tier kann aber auch wie ein gewöhnlicher Hase hoppeln.

Es frißt Wurzeln, Blätter und Sämereien. Die Nahrung wird stets mit den Vorderläufen zum Munde geführt.

3m Gegensatz zu unserem Sungnra sind die Spring­hafen Höhlenbewohner wie die wilden Kaninchen. Sie hausen m geräumigen Bauen; immer wohnen mehrere zusammen. Es sind ausgesprochene Nachttiere. 3m Schutze der Dunkelheit kommen sie aus ihren Röhren und äsen sich. Man jagt sie am leichtesten mit einer Blendlaterne. 3m grellen Lichtkegel bleiben sie wie

Zm VMM öer Zeslam.

Nachdem der Termin der Reichstagswahlen vom Reichspräsidenten auf den 4. Mai festgesetzt war, ist die Zentrumspartei pünküich als erste mit ihrem Wahlaufruf auf dem Kampfplatz erschienen. In knappen klaren und doch wuchtigen Worten wendet sich dieser Ausruf an das deutsche Volk, feftwurzelnd auf dem alten Zentrumsprogramm, das schon unter der Führung Windchorsts das Ziel der Zentrums­politik klar bargelegt hatte und zu gleicher Zeit doch den Forderungen der Neuzeit volle Rechnung tra­gend. Und gerade letztere Punkte scheinen bei den Gegnern auf Nichtverstehen-Können oder Nichtver- stehm-Wollen gestoßen zu fein.

Das ergibt sich klar aus der Haltung, die em Teil der gegnerischen Preise einnimmt. Da ist zu­nächst der „Vorwärts", der sich mit dem Wahl­aufruf befaßt rmd der entweder tatsächlich nicht lesen kann, oder nicht richtig lesen will. Wenn er zürn Beispiel betont, daß „von der Republik in dem Appell mit keinem Wort die Rede ist", so hat er selbst sich insofern Lügen gestraft, als er vorher den Passus des Wahlaufrufs, in dem es heißt, „der Verfasiung Geltung zu verschaffen, die Staatsautorität neu zu begründen und sie allen zerstörbaren Kräften ge­genüber zu halten, war unser Wille" im Fettdruck besonders hervorhebt. Er kommt dann auf die Sozialpolitik des Zentrums, und druckt auch diesen Passus vollständig ab mit dem kurzen Bemerken: „Das ist alles." Und doch enthält dieser Teil ein so großzügiges Programm, allerdings auf der Linie des möglich Erreichbaren und nicht des un­möglich, nur mit demagogischen Mitteln in das Volk geworfene Unerreichbaren, daß man sich un- rvillkürlich sagen muß, das sozialdemokratische Haupt­organ der Reichshauptstadt will hier das Richtige nicht herauslesen, um nicht die eigene Sozialpolitik in Schatten stellen zu müssen. Allerdings bleibt das Zentnern, wie es in diesem Passus heißt, „rücksichts­loser Gegner sowohl des sozialistischen Materialis­mus und seiner unmöglichen Ziele wie des neuheid- nischen Mamimonfsmtis". Was das heißt, das hat der „Vorwärts" feinen Lesern nicht klar machen wollen. Deshalb muß er auch, um zum Schlüsse

Betotttoortiitb iür die Sckrntleüuns: Dr. Johanne» Kramer. Aareigen: I. $ arretier. Fulda. Rotattonrdruck und «erlag der s Fuldaer «ctiendruckerei in Fulda. Fernwrechrr 9?r. 9. %

BeruaSpreir: Monat Märr 1.80 Eoldmark.______

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Charakter-, Tier- und Jagdbilder aus Deutsch-Ostafrika.

Van Rektor Rudolf Sendke, Fulda.

Frsund Lösselmann. Sun»ura, 5er Hase.

Menschen, Hunde, Wölfe, Luchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu, Raben, Krähen, jeder Habicht, den wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen — alles, alles will ihn fressen!

Auch auf unfern Afrikaner dürften diese Worts Wildungens vollste Anwendung finden: die Zahl seiner Feinde ist Legion. Und doch besteht inbezug auf das Anse^n, das Freund Löffelmann bei den Landesbewoh- nern genießt, im Gegensatz zu uns ein gewaltiger Un­terschied.

Während bei den Europäern der Hase das Sinnbild der Angst, der Mut- und Ratlosigkeit ist, steht der ost- afrikanische Neger im Hasen die Verkörperung der Klug­heft, Beredsamkeit, List und Verschlagenheit. Er spielt m Afrika dieselbe Rolle wie bei uns Reineke ouchs, und dementsprechend gibt es dort vom Sungura auch eine Menge Geschichten' und Fabeln.

Da wird uns erzählt, wie er den blutdürstigen Leo­parden, der ihm die alte, hülflose Mutter jerrisssn hat, übertölpelt und in eine Falle lockt. Der kluge Ele­fant hat beim Brechen durch den Busch unbeabsichtigt drei kleine blinde Nesthäschen zertreten. Dafür muß er zur Strafe Wurzeln und Wasser für den Hasen gru­ben. Der Hyäne, dem Schakal, der Schlange, dem Kranich und vielen anderen Duschgenossen schlägt er ein Schnippchen, verspottet sie weidlich und lacht sich halbtot über die Dummheit der Geprellren. Stets wird das Zottelohr als der Ueberlegene, Triumphierende, Glänzende verherrlicht.

Deutscher Reich.

* Der Preußische Landtag ist zu einer kurzen Tagung ^ufammengetreten. Vor allem sollen zur Erledigung kommen die Abstimmungen zu den An­trägen der Deutschen Volkspartri und der Deutsch- nationalen über die Damp fkef s el auf sich t und Über die einstweilige Einstellung der Maßnahmen gegen die Dampfkesselüberwachungsvereine, ferner die neuen Kirchenverfassungsgefetze, so­wie dos AussührungSgesetz zum Reichsjngend- Wohlfahrtsgesetz. Der Etat, der erst den Staats­rat zu beschäftigen hat, wird vor dem 15. April ni cht erwartet.

Vie vrsatzungrkosten. i

Aus Berlin kommen Meldungen über die Ant­wort, welche vom Reichssmanzmimstermm im Reichstag auf die Anfrage des Abgeordneten Hergt wegen der Höhe der Befatzungskosten erteilt mor­den ist. „ . ,

Danach betragen die inneren Besatzungs- r ost en bis zum Ende des Kalenderlahres 1923 insgefamt 1329 743 020 Goldmark, die äußeren 3 784 359 395. In den Jahren 1923 und 1922 ha­ben sich die Alliierten an den im sogen. Fmanz- abkommen vom 11. März 1922 vereinbarten Hochst- betrag der nicht unter Artikel 8—12 des Rheimand- abkommens fallenden Besatzungskosten von ^20 Millionen Goldmark nicht gehalten. Die Hohe der monatlich an die Bssatzungsbehdrden bezarstten Markvorschüsse beträgt zurzeit rund 7 Millionen Goldmark. m

Seit Januar 1923 haben Beschlagnahmungen von öffentlichen und privaten Geldern seitens der Embruchsmächte stattgefunden m einer Gcsamthohe 'nen schätzungsweise 50 Millionen Goldmark. Die Aufwendungen für militärische Anlagen, Kasernen- feauten ufw. für das alt- und neubesetzte Gebiet be­laufen sich auf rund 29,5 Millionen Gotdmark.

Die Belastung des Reichs aus Erstattung von Requisitionen an die Kommunen oder die Bevölke­rung Beläuft sich im Kalenderjahr 1923 im altbefetz- fen Gebiet auf 52 800 975 Goldmark, im neubesetz- fen Gebiet auf 41952 999 Goldmark.

Rechtsanwalt Schramm: Waren Ihnen die Pläne Kahrs, die auf die Aenderung der Reichsregierung I abzielten, im einzelnen bekannt?

Zeuge Pittinger: Sie waren nur ftibstver- I stündlich nicht bekannt. i

Rechtsanwalt Holl: Wissen Sie etwas von einer I kahrfreundlichen Presse, die geschaffen werden sollte?

Zeuge Pittinger: Ich weiß nm daß es sich darum ' gehandelt hat, Aufklärung zu schaffen, wie sie jede Regierungsstelle braucht, um den Leuten klar zu I machen, daß das General st aatskornrnissariat nichl von heute auf morgen ein Bayern der Maßkrüge und Weißwürste schäften kann.

Später wird noch als Zeuge vernommen der Frei­bankmeister Ulrich Graf, der ständige Begleiter Hck- lers. Er gibt eine Darstellung von den Vorgängen im Nebenzimmer des Burg erb r a u kel l ers, die in einzelnen Punkten von den bisherigen Darsteb lungen abweicht. Der Zeuge hat den Eindruck, da« nach der Rücksprache Hitlers mit Lossow und Leister die: tet= den Herren die angebotenen Aemter angenommen j hätten. Dann sei Ludendorff getommen und habe sich an Kahr gewandt, nachdem Hitler getagt habe, Kahr schwanke noch. Ludendorfi sagte zu Kayr: »Hellen Sie alle »eiteren persönlickMn Bedenken zuruck und tun Sie um der guten Sache willen mit. Lasten Sie sich doch überzeugen, daß nur mit einer «'fernen u f unser Vaterland frei gemacht werden kann. Kahr habe sich dann nach einigen Bedenken gereckt und habe «e.

i sagt: „Sie haben mich überzeugt. Ich bin be­reit, den Posten eines Statthalters der Monarchie zu übernehmen." Die ganze Szene habe denfernes Treuaelöbniffes gemacht, wie man es fid) n'4t ernfter verstellen kann. Hitler und Kahr seien die Kranen in den Augen gestanden. Dann sei auf eine Bewegung Ludendorffs mit der Hand hin Lossow °uf Ludend°E zugegangen und Ludendorff habe gesagt. »Na, Kostow, aber jetzt machen wir es!" Lossow habe siallung ange- nemmeri und dann Wort sür Wort gesagt: „Eun Wmsich ist mir Befehl. Ich werde die Armee so organisieren, wie Exzellenz sie zum Schlagen benötigen. Auch Seisser habe eine ähnliche Wendung s^braucht wie „Euer Wunsch ist mir Befehl! Den famtlrchen Herren stand das Wasser in den Augen, so nlhrend sei die Szene gewesen. Die Stimmung^war aber nn übrigen ganz fröhlich; es wurde auch gelacht.

I Nach einer Pause erklärt der Vorsitzende: nach dem Standpunkt des Gerichts ist ein weiterer Zeugen­de w ei s zur Sache nicht mehr notig. Es sollen nur now einige Schriftstücke verlesen wetten Der 25or=

I kittende fügt bei, daß damit auch eine Vorführung Ides Generals v. Loffow unnötig geworden sei. R.-A. Kohl: Die Verteidigung erklärt sich mit dem Standpunkt des Gerichtes einverstanden.

I Die Sitzung wird auf Dienstag oertagt.

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Die „Kreuzzeitung" uni) die „Deutsche l Zeitung" klammern sich in der Hauptsache an bas prägnant geprägte Wort des „ueuheibni - I schen Ma 'mmonismus" an. Sie wollen darin lediglich eine Kampfarrsage gegen die nationale Bewegung erblicken, weil sie nur ungern em» gestehen, daß unter diesem neuheidnischen Manuno- rtismus bas sich immer mehr in ihren Kreisen breit- machende neue Heibentum auf urgermanischer heib- | nischer ©runblaae, aber mit allen Zeichen des neu­zeitlichen Materialismus, zu verstehen ist. Mit n a- ! tionaler Bewegung hat btefer Kamps der Rechten uin Macht und Besitz einer einzigen früher herrschenden Kaste nicht das geringste zu tun.

Die „Deutsche Tageszeitung" findet die Wen- bungen über eine „gerechte Gestaltung und An- wendung des Versailler Friedensvertrages" wie sie betont, „fast unbegreiflich matt". Sie kann natür­lich als Vertreter einer kleinen Gruppe des deut­schen Volkes hier hochtönende starke Worte gegen I den Versailler Friedensoertrag auspofaunen, aber positives und Realpolitik, dis letzten Endes wirklich eine Aenderung zu Gunsten des deutschen Volkes herbeiführt, wird auf solche Weise nicht er­zielt. ____________—___

Die Reßierung in Mecklenburg.

I Deuffchnasivnale und Volkspartei besetzen das * Kabinett.

In Schwerin ist der neue m e ck l e n b u r g i s che «Landtag zusammengetreten. Zum | Präsidenten wurde der deutschnationale Abgeorb- I nete Joven gewählt. Die Tagung des Landtags I am Dienstag wird sich mit der Wahl des neuen Ministeriums befassen, das nur aus drei Ministern bestehen soll. Für die Besetzung dieser Ministerposten durften, den Blättern zufolge, in Frage kommen für Inneres und Justiz: v. Bran­denstein, Vorsitzender des mecklenburgischen Landbundes (deuffchnat.), Landwirtschaft und Finanzen: Landwirtschaftsrat a. D. v. Oertzen (deutschnat.), Kultus und Unterricht: Pastor Stamm (Deutsche Vpt.).

tätsrats Dr. Pittinger, des Vorsitzenden des Bundes „Bayern und Reich" von Interesse. Der Zeuge bestritt u. a., daß der „Marsch nach Berlin" auch im Bunde Bayern und Reich Schlagwort des Tages gewesen fei. Zwischen dem Bunde Bayern und Reich und dem Kampfbund beständen Differenzen, die nicht zur Ruhe kämen. Die hauptsächlichste war die, daß wir im Bunde ] für einen Marsch nach Berlin nie zu haben wären. Wir standen auf dem Standpunkt, daß wir zur Ver­fügung stehen, wenn eine Abwehr gegen ein Vor- bringen der kommunistischen Bewegung auf Mitteldeutsch­land notwendig fei oder wenn wegen staatlicher Not­wendigkeiten ein Vormarsch angetreten werden müßte in der Weise, wie uns 1919 die Bürger im übrigen Deutschland zur Befreiung von der Räteherrschaft zu Hilfe gekommen find. Was wir nicht wollten und als einen Unsinn ansahen, war ein Marsch nach Berlin, bet uns nach unserer Meinung in Schwierigkeiten mit dem Ausland bmgen und praktisch zu einer Separation sich­ren müßte.

Der Angeklagte Hitler bemerkt, am 7. Ok­tober, auf dem Deutschen Tag in Bamberg, habe ihm Major Konter, einer der Führer des Bundes „Sanem und Rich", erklärt, Kahr werde die deutsche Frage losen. Er, Hitler, täusche sich, wenn er glaube, daß Kahr nicht marschiere. Oberst Xylon der habe sogar Kahr als den Bismarck des heutigen Deutschland bezeichnet, und er, Hitler, habe darauf erwidert, wenn Kahr wirklich marschiere, stehe er, Hitler, nicht hinten, sondern vorn.

Zeuge Pittinger: Es handelt sich um einen Bund von 80 000 Mitgliedern. Ich kann nicht sagen, daß all das richttg ist, was da behauptet wird. Xylander hat mir versichert, von seinen Aeuherungen in dieser Form könne nicht die Rede fein. Was Konter gesagt habe, wisst er auch nicht.

Der bekannte Pazifist Pros. Dr. Quibbe wurde am Sonntag auf Anorbnung der Staatsanwalt­schaft München verhaftet. Die Festnahme geschah im Zusammenhang 'mit einer Veröffentlichung-n der „Welt am Montag" am 10. Marz. Die gleiche Ab- hanblung hat Quibbe auch als Flugblatt drucken lassen und an die Presse des Auslandes gesandt.

sich nicht selbst $u schlagen, zu dem Resultat kom­men: „Unentschiedenheft und Schcvanken fft bas Wesen dieses Aufrufes."

Kurland.

* Das deutsche Hnltschiner Ländchen. Die Ge­meindewahlen in dem von Deutschland an die Tschechoslowakei abgetretenen Hnltschiner Ländchen, die nach Anullierung der ersten Wahlen neuerdings stattfanden, haben wieder mit einem Sieg der Deutschen geendet.

* Die Lage in Mexiko. Reuter meldet aus Mexiko: In einem Jmerview erklärte Präsident Obregon, baß hochgestellte Beamte britischer Petroleumgesellschasten ben Aufstand in Veracruz unterstützt batten, indem sie den Aufstän­dischen Gelb unb Schiffe zur Verfügung stellten und die Regierung bei ihren Bemühungen, die Bewegung zu unterdrücken, behinderten. Obregon beabsichtigt, die Angelegenheit durch den Generalstaatsanwalt untersuchen zu lassen.

Ich war über das sonderbare Benehmen des Man­nes ganz erftount „Was hat dir denn das Häschen getan?"

„Herr, glaube mir, dieser Halunke saugt meinen Tieren die Milch aus; darum haft er sich ja gerade m der Nähe der Herde auf."

„Du alter Narr, wst kannst du solchen Unsinn glau­ben; du weißt doch ganz genau, daß das kleine Tier an keine Ziege und erst recht an keine Kuh heranreicht."

„Ja, Herr, der Hase ist aber auch viel schlauer als du glaubst; der wartet, bis ich und meine Herde in der Mittagshitze ruhen. Dann kommt er ganz heimlich durchs Gras geschlichen und trinkt sich satt. Das ist ganz bestimmt wahr. U-berhaupt fft der Sungura viel klüger als jedes andere Tier. Sieh dir nur mol so einen lebenden Hasen an; der hat sich immer was zu erzählen, nie stehl fein Mäulchen still, dauernd mümmelt er vor sich hin. Herr, stecke deinen geschossenen Hasen in den Rucksack, sonst kannst du schließlich erleben, daß der alte Heuchler sich nur tot gestellt hat, aufspringt und davon läuft und uns auslacht.

Ich wandte alle meine Beredsamkeit in, um den Hir­ten vom Gegenteil seiner Ansichten zu überzeugen: ohne Erfolg; er blieb bei seinem Glauben. Der Sungura war und blieb für ihn das lebendige Gefäß der Schlau­heit und des Witzes.

Während der Zeit meines Hausbaues am Strande des Indischen Ozeans dicht bei Daressalam habe ich im Saufe von vier Monaten 13 Hasen geschossen. Das felsige Gestade war mit lichtem, trockenem Dornbusch bestanden, einem Lieblingsaufenthalt Freund Löffel- manns. ,. „ . .

Wenn ich am Sonnabend nachmittag die Bauhond- werker ausgelohnt hatte, drückten sie mir immer noch einmal das hornige Gelände durch. Das war in zwan­zig Minuten geschehen und machte ihnen viel Vergnü­gen. Fast regelmäßig rutschte ein Hase heraus, der Hann gewöhnlich dem Schrot zum Opfer fiel. (F. f.)

Die bayerischen Verfassungswünsche.

Die Vollversammlung des bayerffchen Land­tags bchanbelte die Volksbegehrungs- anträge der Bayerischen Volkspartei. Dafür würben 72, bagegen 66 Stimmen abgegeben, sodaß die notwendige Zmeidrittelmehrheit nicht erreicht ist. Die Begehren gelten somit als abge­lehnt.

Der Präsident teilte nach der Abstim'mung nut, daß er ihr Ergebnis sofort dem Staatsministerium zuleiten werbe, damit nunmehr eine Volksent - scheibung über die Volksbegehren herbeigeführt werden kann. ____________

* Gin wenig begehrter Posten. Die Zahl der Bewerber um den deutschen Vertreterposten in der Türkei sind erheblich zusammengeschmolzen, als bekannt wurde, daß die deutsche Vertretung ihren Sitz nicht in Konstantinopel sondern in Angora haben werde. Im Auswärtigen 2Imt_ wird der Name des zu ernennenden Vertrers sorgfältig geheim i gehalten; man erklärt nur, daß die Ernennung eine I große Ueberraschung bereiten werde.

gebannt sitzen und lassen den Jäger dicht hercmkornmen. Ihre großen funkelnden Seher sind ein gutes Ziel.

An die Gefangenschaft gewöhnen sie sich sehr leicht. Sie schlafen fest zusammengerollt, oder auf ihren Sprung­beinen sitzend. In letzterer Stellung drücken sic mft den Vorderläufen die Ohren über die Augen.

Die Ansichten unserer Neger über die Intelligenz I des Sungura gelten nicht für den Springhasen.

Ich habe an der Küste und auch am Viktoriasee nur immer den grauen Hasen gesehen und erlegt.

Unser Sungura lebt nicht aus der Echamba, dem bebauten Feld, sondern im Busch auf trockenem Boden, wo er sehr fest liegt. Das mollig-weiche Fell ist ziem­lich dünnhäutig. In die Küche bringt das Wildbret des Hasen eine angenehme Abwechslung; es ist weiß und zart. Den Mohammedanern ist der Genuß des Fleisches durch den Koran verboten, für viele Einge­borene dagegen ist es ein Leckerbissen. Sie fangen den Hafen, ebenso wie Perlhühner, Frankoline und Rebhühner, m recht künstlich gestellten Schlingen aus Hans oder dünnem Draht. Vielfach streifen sie den Balg gar nicht ab, sondern sengen nur die Haare.

Den ersten afrikanischen Hasen traf und schoß ich im Palmenwald bei Daressalam, dicht am Strande. Ich war in der Abendstunde mit der Flinte lockenden Perl­hühnern nachgegangen und dachte nicht im entferntesten, daß Hasen hier etwa vorkommen könnten. Plötzlich rutschte ein Krummer vor mir aus trockenem Gras und Dornbusch. Meinen rasch hinterher geworfenen Schuß quittierte er mft einem Purzelbaum.

Etwa hundert Meter abseits betreute ein alter schwarzer Hirt seine Rinder- und Ziegenherde. Der kam jetzt eilend herangekeucht, sah den toten Hasen im Gras liegen, hupfte von einem Bein aufs andere und wußte i gar nicht, wie er seiner Freude Ausdruck geben sollte.

„Herr, das hast du gut gemacht, daß du diesem I schlechten K-rl. diesem Dieb das Lebenslicht ausgeblasen w ■ • -

EMivUlMN 10 M (mit Mstr. Beilage 15 M)

FuldaerZeitung