Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sladl Fulda.
)
51. Zahrg.
Dienstag, fS. MS» $924
Nr. 66
Demonstration in Berlin.
losten, gingen die
nüppels vor und zer»
imen.
Gegenwärtiger Stand 1924
1925
Wahlkreis Liegnitz wurden aufgestellt:
1. Pfarrer "Wilkens, Dittersbach, Kreis Sagan, 2.‘ Bauernguts!! jesitzer Siebeit-Schmottseiffen, 8. Fräulein
die Hohe der Smhlefftungen genannt, sie Men den Gegenwert von 300 Millionen Goldmark darstellen. Uvber die Finanzierung der SachLeistungen wöh- nend des Moratoriums gehen die Ansichten aus-
Außer diesen Mugzsugen 1. Linie ist eine Reserve von mindestens 100 Prozent anzunehmen, zn der im Ernstfälle noch die Flugzeuge des zivilen Luftverkehrs kommen.
schon Ein-„ und Ausfuhrzölle einer interalliierten KontrMe zu unterrvevfen. die namentlich darauf achten müsse, daß die deutsche Industrie der französischen bezw. englischen Industrie keine allzu scharfe Konkurrenz mache. Don einer Aufhebung der Zolllinie zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet ist in französischen Blättern noch nirgends die Rede. Neber die Sicherheitsfrage, die von Frankreich immer betont wird, wird in dem Gutachten der Sachverständigen wahrscheinlich nichts enthalten sein.
Das Gutachten wird ferner die Gewährung eines Moratoriums für Deutschland Vorschlägen. Während der Zeit des Moratoriums sollen jedoch
streuten den Zug. 12 Teilnehmer wurden festgs, nommen und dem Polizeipräsidium Mgeführt.
Hnietflen-ereH« Ätehtieile (Colonel) lokal 0,11, -Oowmart anSwLrtS 0,30 Soldmark: Reklame, eile lokal 0,011, 'Soldmark auswärts 0,80 Goldmari. :,
Bel Wlederbobmaeu Rabatt- «oMcheckkonlo Sranllm!! a-M- «51.
Stoffeln Flugzeuge 1. Linie
174 1562
200 1 800
220 2000
Die MrSM fit km Mnwö.
3n Frank reich.
Der bekannte Abaeordmste Paul Reynaud sprach in der Pariser Universität über den Völkerbund. Es sei offenkundig, daß Deutschland, wenn es sich gegen den Versailles Vertrag erhebe, das schwächste Glied in der Kette der es umgebenden verbündeten Staaten «ngreisen werde. Das Problem bestehe also darin, eine Formel ausfindig zu machen, die das im Versailler Vertrag aufgerich- rete europäische Gebäude fca seiner Gesamtheit schütze. Der Völkerkamd erscheint Reynaud als eine moralische Macht, der man sich zu diesem Zwecke bedienen könne. Was die Reparationsfrage anbelange, so könne der Völkerbund zwecks der Währungs- und Eisenbahnkontrolle in Deutschland in großem Maße in Anspruch genommen werden. Reynaud ist jedoch «mtschieden dagegen, daß der Reparationskommission ihre Kompetenzen entzogen werden, damit man irtne Bresche in den Versailler Vertrag legen würde, der in Europa ohnedies so viele offene und versteckte Feinde besitze.
3n Em klaub.
Der englische Vorkämpfer für den Völkerbunds» Aedanken, Churchill, erlÄärte in einer Wahlrede, wenn man die Gefahr von Kriegen befestigen wolle, jo müßte vollständiger Aufschluß über die Rüstungen durch eine internationale Körperschaft erfolgen. Die Schwäche des Völkstbunds liege darin, daß er sich n u r aus den siegreichen Nationen zusammenfetze. Churchill sa-zle, er trete für den Einschluß aller Nationen, darunter auch Deutschlands und Rußlands ein. Dor allem müßten Anstrengungen unternommen! werden, um den Beitritt Amerikas zu erreichen. Es dürste sich für den Völkerbund lohnen, gewisse Aenderuw- gen in seiner Verfassung vorzunehmen, um den Vereinigten Stacchen zu ermöglichen, chren Watz im Vösterbund einMnshmen. Der Völkerbund werde jedoch nie ein leitender Faktor in der Welt sein, solange nicht estrige der großen Rationen in einem wirklichen Verffuch, die Streitigkeiten der Vergangenheit beizulegen, zusammengebracht war- den seien. Churchill wies auf die alte Fehde zwischen Deutschland ttnb Frankreich hin und erklärt, es sei Großbr Üanniens Aufgabe, zu versuchen, sie beizulegen.
Zum Eintritt Deutschlands.
Der tschechoslowakische! Außenminister Bene sch erklärte dem Genfer Ksrrespondenten des „Petit Parisien" zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund, dieses Problem werde in im'm er akuterer Form ge?.Ält. Dm Interesse des europäischen Friedens unfcl des Völkerbundes fei es wünschenswert, daß Sei rtfchland in Genf vertreten fei, aber es könne davor r nicht die Rede sein, bevor die beiden Hindernisse, auf die man zur Zeit immer wieder stoßen werde, eNÄgükig überwunden seien. Es muffe in erster Linie zu einer umfassenden, wenn auch nur vorläufigen Regelung der Reparationsfrage komknen und dann ‘muffe in diesem oder jenem Sinne die durch den Ruhrkon- fl i k t geschaffene Lage liquidiert werden. Erst nachher werde man an einen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund dercken dürfen. Jedes andere Vorgehen würde, west entfernt den europäischer ‘Frieden rascher herbeiz'gführen, den gegenwärtigen Stand der Dinge nur rlerschlim'mern.
was kommt vsrr d en SachverftZMgerr?
Die Frage, tme das Gutachten der ersten Sachverständig en,-KorNwisfion aussshen wird, ist von einer go'gz außerordentlichen Bedeu- tunq für die nächste innen» und außenpolitische Entwicklung. Die Berichte der Untersuchungsausfchüffe in Paris sind nunmeha oollerchet. Sie gehen in diesen Tagen der Reparationskommission zu.
Von wesentlicher BcLeutung wird das Gutachten ter Kommission Dawes fein, deren Ausgabe es fit, den Ausgleich des deutschen Budget und die Stabilisierung her d« rischen Währung zu unter- suchen. Es wird davon ausgehen, daß emstral die deutsche Währung stabil bleiben muffe und daß
te tat srmMM SkmrM fite M.
Die mNkärrschen Ausgaben Frankreichs für 1924 belaufen sich auf insgesamt^ - -><
3 <74 Milliarden Franks HeereSetat, Ot57 „ Anhang zum HeereSetat,
0S84Z , Recoudrabler HeereSetat,
0196 , , Kolonial »HeereSetat,
1038,8 , , Marmeetat
Zusammen 3 860,8 Milliarde« Franks.
Die Stärke für 1924 (ohne Kolonialarmee) ist nach denr Finanzgesetz vom 29. Dezember 1923 festgesetzt auf 33 000 Offiziere, 70000 Unteroffiziere, 625 000 Mann, 177 000 Pferde. Bei der Zahl der Offiziere find nicht einbegriffen 'mehrere taufend (am 1. Januar 1923 — 3100) Offiziere „a fitre tem- poraire", d. h. solche Reserveoffiziere, die als Leutnants ihrer aktiven Dienstzest genügen.
Auffallend ist, daß die Armee trotz ihrer verringerten Stärke 2540 Generale und Stabsoffiziere — <üs Führerreserve für eine Mobilmachung — mehr enthält als kurz vor dem Kriege.
Die Verstärkung der Luftflotte ist wie folgt beabsichtigt:
Die stanzWchen Wahlen.
Dem Echo de Paris zufolge wird angenommen^ daß die französischen Wahlen am 18. Maj abgehalten werden s ollen. Andere Blätter nennen nach wie vor den -Ul. Mai. Da« Blatt erinnert dann an die deutsche *: Wahlen, die am 4. Mai statt« finden sollen und ein,artet, daß sie das Vordringen der Nationalisten und der Parteigänger der Revanchepolitik bri rgen werden und daß sie der französischen öffentlichen Meinung endgültige Klar» heit darüber verscha ffen werden, was in Deutschland gegen Frankreich gerieben werde.
Der französische Senat hat die Finanzgesctze auch am Sonntag weiter» beraten. Er stimr ate der Aufhebung des Zündholzmonopols nach abermaliger Stellung der Der» t r a u e n s f r a g t mit 163 gegen 119 Stimmen zu.
Nach einer Ueberficht über die Gekdbewegüng bei der Reichshauptkaffe vom 1. bis 10. März betrugen die Eingänge rund 150,1, die Auszahlungen rund 162, mithin der Zuschußbedarf 11,9 Trillionen Paprermark gegenüber einem Zuschußbedarf von 47,6 Trillionen Mark in der letzten Februar- dekade. Der Gesamtzuschußbedarf des Reiches feit dem 16. November erhöht sich damit auf 779,4 Trillionen Mark, wovon der Hauptanteil auf den 16. November bis 31. Dezember 1923 entfällt.
Etwa 500 Mitglieder der kommunistischen Ju- grn-d, die von einer Liebknechtfeier kamen, zogen in geschloffenem Zuge, die Internationale singend, durch mehrere Straßen im Osten Berlins. Da sie trotz wiederholter Aufforderung sich nicht auf» beamten unter An « en »
WzelliUMll 18 W. AM Mstt.VMge 15 M.)
FuldaerZertUNg
Martha SSaitig, Geschäftsinhaberin, Liegnitz. DaS Zentrum hatte in diesem Kreis bisher kein Mandat. Bei. der letzten Bkahl erhielt die Parker hier 51876 Stimmen. Auf dem '.Delegiertentag der Zentrumsorganisationen in Pommvw, beiden Mecklenburg, Lübeck, Schleswig. Holstein wild Hamburg wurde als gemeinsamer Reichstaafskandidat der Vorsitzende der ZentrumS- partei in Hamburg, Kaufmann Friedrich LinSkens, ausgestellt.
— rrikckigüng der Srwerbrlosenziffer «m 10 Prozent Der deutsche Arbeitsmarkt weist in der zweiten Hälfte des Monate.Februar eine weitere Besserung auf. Nach der. vorliegenden Ziffern ist die Zahl der unterstützten Vollerwerbslosen von 1,3 Millionen am 15. Februar auf 1177000 zurückgegangen. Dies bedeutet einen Riökgang um zehn Prozent. Auch die Zahl der Kurzarb eiter ist auf 144000 gesunken. Der wesentlichste Grund für diese Besserung ist in der Stabili. tat der Lstährung zu suchen. Hemmend wirken nach wie vor bi«' Ruhrbesetzung mit ihren schwerwiegenden Folgen füic: die deutsche Wirtschaft. Authentische Zahlen auS dem ktesetzten Gebiet liegen nicht vor. Man schätzt die Erwerbslosen und Kurzarbeiter in diesen Gebieten auf über «ine Million.
Betantootilid> für die Echrütleitrmg: Dr. JoLanneS Kramer. Anreigen: B arretier, Snlba. Rotationsdruck rmd Verlas der s Stilb oer Aetiendrrckcrei in Fulda. Send treibet Nr. 8. tz
B e^ussvre's: Moua! März 1.80 Goldmark.
Deutscher Reich.
* Der preuff'M Landiagsabgeodnete Wiede, mann, der zugleich Vorsitzender der Industrie- erbet teraruppe Hit Deutschen Arbeiterbund (gelbe Gewerkschaft) rsh, ist aus der Deutschen Volkspartei ausgetreten rmd zu den Deutschnationalen U *r^ Bayern ist der Wahlkampf für die Landtagswahl toi vollem Gang. Die Wahl findet bekanntlich am 6. April statt. — Der Landtagskandidat des Völkischen Blocks, Ludwig Aschner, ist 3n seiner Wohnung in München verhaftet wordm. Als Grund hierfür werden seine Ausführungen ih einer Versammlung der Völkischen im Bürgerbräu jkeller bezeichnet.
derer Monopole fallen gekäfsen haben.
In bssoirdever Weife merken dte Eisenbahnen für Repavasionszwecke nutzbar gemacht werden. Es wird eine Eifenbahnbetriebsgesellfcyaft ge- SWet mit einem Berwaltrmgsrat, der nach Zeitungsnachrichten aus 14 Mitgliedern bestehen soll, die sich zur Hälfte aus Mitgliedern der Alliierten und zur Hälfte aus deutschen Mitgliedern zusmn- -nvensetzen. Die 7 alliierten Mitglieder sollen je ein Mitglied der Staaten England, Frankreich, Amerika, Italien, Holland, Schweiz und Dänemark umfaßen. Der Vorsitzende des VerwaLtungsrats soll ein Deut- scher sein und bei Stimmengleichheit den Ausschlag geben. Neben dem Derwaltungsrat soll ein Ge- nsralzettfor die gesamte Tätigkeit des Verwaltungs- rxrts kontrollieren. Frarrzösifche PreffestiNrmen fordern, daß der Generalzensor ein Franzose sein soll.
Zweifellos wird das Gutachten, wie aus Presse- stimmen zu entnehmen ffi, davon ausgehen, daß in das Repara-tionsb-uÄget mw dann genügende Einnahmen stießen werden, wenn die Wirtschaftseinheit zwischen Deutschland und besetztem Gebiet wieder hergesteklk wird rmd ebenfn die Einheit der Reichsbahn des besetzten Gebiets mit der des übrigen Reichsgebiets. Die Betriebsverwaltung der Bahnen des besetzten Gebiets soll der zu lnkdenden BetrisbsgemÄnschvft der Deutschen Reichsbahn unterstellt werden. Die Franzosen verlangen, falls der Gsneratzerffor Fern Franzote ist, daß für die Bahne« des besetzten Gebiets ent besonderer französischer Kontrolleur bestellt weide, um den für die Sicherheit Frankreichs notwendigen Anforderungen bezüglich der rheinischen Bahnen gerecht M werde«, lieber die Wiederherstellung der Wirvschastseinhett des besetzten Gebiets mit der deutschen Wirtschaft tft in der ausläirdischen Presse wenig genaues zu erfahren. Bezüglich der Em- nahmen aus den Zöllen waren französische Blätter der Auffassung, daß es notwendig fei, auch die deut-
einandsr. Vielfach heißt es, die Sachleistungen sollen aus einer besonderen durch die Eisenbahn zu garantierenden Anleihe bestritten werden.
Während der Zett des Moratoriums sollen die Einkünfte aus dem Reparationshaushalt zwar ^besonders verrechnet, aber dem ordentlichen Haushalt zugeführt werden, • / ..-vrii.-i
Dsr Uanzler reist nach Men.
Reichskanzler Marx beabsichtigt dem österrn- chischen Bundeskanzler Seipel Mitte btefet --Loche ttt Wien einen Besuch obznstatte«.
Von unterrichteter Seite wird dem „Montag" dazu mitgeteilt, daß dir Reise des Reichskanzlers Marx nach Wien keinrrlet politischen Charakter tragen werde, sondern emr e t n freundschaftlicher Besuch bei Dr. Seipel fei. Reichsminifier Dr. Srrejemann werde »ich nach Wien fahren.
Die ReichZfinanzen.
Wie die „Montagspost" erfährt, sind in den letzten Wochen vom Reiche sehr erhebliche Mengen der großen Goldanleihestücke gegen Reittenmark ausgetauschr worden. Es handelt sich um Beträge von etwa 150 Millionen Goldmark, die sich zum großen Teile im Besitz der Banken befinden. In der nächsten Zeit werden wahrscheinlich auch die kleinen Teile der Gold- anleihestücke vom Reich zurückgekauft werden. Dsr Vorgarn lafls auf eine erfreuliche Besserung der Reichsfinanzen Wietzen.
es ferner darauf ankomme, die Mittel abzufchätzen, . ine Deutschland für Repara tio nszw eLe , werde verwerkden können, ohne daß das ins Gleichgewicht gebrachte Budget aufs neue erschüttert wird. Im Zusammenhang mit der Stabilisierung des Budgets wird die Anleihefrage und die Ernch- ttmg einer Goldmifjionsbank behandelt werden.
Zur Erzielung von Repamsionsle-st'.mgsn scheint man den folgenden Plan vorzuschlagen. Man will den ordenürchen Haushalt des Reiches von dem Haushalt der Reparationen trennen und einen neuen Haushalt für die Reparationsleistungen schaffen. An Einnahmen des Reiches, für den ordentlichen Haushalt werden dem Reiche die inneren Einnahmen (direkte und gewiffe indirekte Steuern) verbleiben. Mr den Reparationshausl-alt will man besondere Einnahmen schaffen. In ersterLm>e werden die Einnahmen aus den Zöllen und gewif- (en Verbrauchssteuern m diesen Haushalt zu fließen haben. Sodann wird wahrscheinlich die Forderung nach Schaffung gewiffer Monopole erhoben werden. Rach einigen Zeitungsnachrichten scheint das Gutachten vorzuschlagen, daß T a b a k-, B i e r- und Branntweinmonopole geschaffen werden, deren Einnahmen dem Rsparaüonsbudget zu-
Kurland.
* Schwedett und Rußland. Die schwedische Re-^ gierung hat beschlossen, Sowjetrußland de jure an» zuerkennen, ^kmtlich wird mitgeteilt, daß der. Wirtschaftsvertrag zwischen Schweden und Sowstttußlalkd» unterzeichnet wurde. Der Vertrag gründet sich «uf das Prinzip der Meistbegünstigung.
• Der $ürlt vom Schneeberg. Am Tag der Ein- Derieibtmg F tzimes in Italien hat der König von Italien den Dichter Gabriele d'Annunzio zum Mrsten von Monte Nevoso (Schneeberg) ernannt,1
Hns- der Zentrumspartei.
— No» w-'.i-erlchlestschen Scnirum. Eine perueinsam», BezirkSversaVimlunk, der Zentrumspartei der beide» mederschlefiftistn Wahlkreise BreSlau und Liepnitz (8. und 9. W ahlkreiSl hat besckloffcn, in beiden Kreisen selbständige Leisten aufzustellen und diese zu verbinden. Die Verbind« ing mit der oberschlesischen Liste ist ebenfalls vereinsxtrt. Im Wahlkreis BreSlau wurden an führender Stelle folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Oberstaatsanwalt Schulte, 2. Direktor der landwirt» fchaftlichen E chule in Glatz Dr. PerlitiuS, 3. Gewerk» fchaftSsekrrta t Jaletzky, 4. Jnnunpsobermeister Unter» berget. In diesem Kreis hatte das' Zentrum bisher zwei Mandchte. Bei der letzten Wahl erhielt es 177 085
Sitte Märtyrerin -er pflicht.
«1 -----
»Ach, Gnchmama, rote sehr danke ich dir!" rief ®ti> Serie aus ttnb sofort schrieb sie unter dem Diktat der Ickten Same folgendes:
»Mein fieber Notar, ,-erehrter Freund! — Me fieber. «icherin dieses Briefes, Frau Chwmbel, tvirtz von meinem Schwiegersohn wsgim Begleichung einer Schuld bedrängt, die fie unter Umständen, die sie Ihnen klarlegrn wird„ auf sich genommen. Ueberzsugen Sie sich von der Wahrheit ihrer Angaben und sobald Sie den Beweis haben, daß sie die Wahr'heit spricht, setzen Sie sie unverzüglich m den Stand, ihue Schuld samt Zinsen und auf. gelaufenen Spesen zu btigleichen. Bedienen Sie sich zu diesem Behuf der Gelder, die ich bei Ihnen liegen habe. Frau Thambels Möbel sollen demnächst versteigert werden; Sie muffen allo ohne Zeitverlust zu Werke gehen."
,5ft'5 so recht?" fragte Fran Regnard.
»Ich möcktze noch ein, paar Worte hinzufügen, Großmama."
„Alles, was du willst» mein Kind."
Gilberte fügte noch einige Zeilen barvm, die Sie dann Mit lauter Stimme vorlas und die lauteten:
„Da sichll Frau Chanrbel augenblicklich in bedrängter Sage befindet, so zahlen Sie ihr bis auf weiteres mott ab kch hundert Franken aus."
„Du bist die würdige Tochter deiner Mutter!" sagte Frau Regnard. „Und nun gib mir die Feder und führe weine Hand, damit ich lunjerschreibe."
Nachdem dies geschehen, begab sich Gikberte zu Frau Chambel zurück.
„Es ist altes in Ordnung, liebe Frau" sagte das sunge Mädchen gleich beim Eintreten. „Ich lasse Sie zum Bahnhof bringen und Sie fahren unverzüglich nach Paris zurück. Dort suchen Sie unseren Notar auf und übergeben ihm diesen Dries."
Sie reichte ihn unverschofsen der Bittstellerin, die ihn las, wie betäubt durch die Gewißheit, daß nunmehr alle ihre Leiden ein Ende hätten. Sie schien außerstande, ein Wort zu sprechen: doch plötzlich fiel sie vor Gilberte auf die Kniee, erfaßte ihre Hand und bedeck!« sie mit ihren Tränen und Küssen, während fie unverständliche DcmkeZworte stammelte.
Nachdem Frau Chantbel gegangen, kehrte Gilberte zu ihrer Großmutter zurück. Sie war im höchsten Grad erregt, denn die Begegnung mit der chnuptmannswitwe hatte sie gewaltig erschüttert. Jedes Wort, das über ihre Lippen kam, zeugte für ihre Niedergeschlagenheit und ihren Schmerz.
„Wäre Frau Chambel das einzige Opfer meines Dakers," sagte sie, „würde die Zahlung, die ich durch deine Güte bewerkstelligen konnte, hinreichen, um die Erinnerung an die zahllosen Ungerechtigkeiten, deren er sich schuldig gemacht, aus der Wett zu schaffen, ich könnte noch an die Berwirklichung meiner Träume glauben. Ist aber nicht mit Bestimmtheit anzunehmen, daß es noch eine ganze Anzahl anderer Leute gibt, die er ins Unglück gestürzt hat cknd die ich nicht kenne? Wi« könnte ich nur im entferntesten daran denken, selbst glüctlch zu sein, wo so viele andere durch feine Schuld der Not preis- gegeben sind? find tft es andererseits als ehrlich zu
bezeichnen, wenn man mit einem der allgemeinen Verachtung preisgegebenen Namen in eine Familie einzieht, deren DorgaugenhsÄ feinen Makel aufzuweifen hat, und sie drÄnirch der Gefahr auslfttzt, gleichfalls verachtet zu werden? Franz mag mich immerhin treu und wahr Heben; es würde doch ein Tag kommen, da er — was er auch sagen mag — bereuen müßte, mich geheiratet zu haben. Und wenn ich das roahrnehmen mühte, so wäre ich noch viel beklagenswerter als heute!"
„Er wird es niemals bereuen!" behauptete die Großmutter; allein ihre Worte waren nicht von fieberzeugung getragen und vermochten auch (Silierte nicht zu beeinflussen.
„Außerdem," fuhr diese fort, „bin ich entschlossen, dos Erbe meines Vaters nicht anzunehmen, wenn ich ihn überleben sollte, und mein eigenes nur dazu zu verwenden, das liebel, das er gestiftet, nach Möglichkeit auszugleichen. Ich bedeute für Franz daher nicht mehr die vorteilhafte Verbindung, auf die er mit Recht Anspruch erheben darf."
„Du wirst mein Vermögen erben,“ wandte Frau Regnard ein. „Ich bin reich."
„Reich genug, um meine Zukunft sicher zu stellen, Großmama, aber nicht aenügend, um die der Famllie Fosseuse in dem Hellen Glanze erstrahlen zu lassen, den sie sich wünscht. Ich werde überhaupt nicht heiraten. Das war von Anfang an mein fester Entschluß, von dem ich nur einen Moment abwich, bewegt durch die hochherzigen Bitten eines jungen Mannes, dessen Empfindungen ich möglicherweise hätte teilen können. Es war unrecht von mir, mich in meinen Absichten erschüttern zu lassen. Was sich jetzt zugatragen btit kommt ein«
Mahnung Des Himmels gleich und rveist mir zu deutlich meine Wicht, als daß ich mich ihr entziehen könnte."
„Ich kann deine Worte nicht widerlegen, mein Kind," erwiderte tie alte Dame; „ist es aber klug von dir, einen1 si> herben Entschluß zu fassen, ohne noch zu wissen, roas die Opfer, die int vollbringen willst, von dir fordern werden? Es ist ja möglich, daß sie weder so lästig sein werden, tifie du voraus setzest, noch dein Vermögen in fonberlichein Maße beeinträchtigen werden. Es ist auch nicht ausA schlossen, daß dein Vater, sobald er von deinem Entschlüsse Kenntnis erhält, die Bedrängung seiner Schuldner einstellt nut) sie nachsichtiger behandelt. In diesem Falle könnte dein Gewissen beruhigt sein und du könntest dich ungestört deines Glückes erfreuen."
„Es Klare vergiftet durch die Erinnerung an die Menschen, die er bereits geplündert hat. Wie könnte ich übrigens meinen, daß er sich durch meine Worte rühren ließe? Sein Herz ist von Stein, auch liebt er mich nicht, hoal mich nie geliebt."
„Daz ist wahr. Du haft in seinen Augen den großen Fehler, Steiner Mutter ähnlich zu sein."
„Ich würde mich bloß einer rauhen Abweissung ans« fletzen, wenn ich al, Fürsprecherin seiner Opfer auftreten trronte. Lieber verlange ich gar nichts von ihm und gehe unabhängig von ihm der Aufgabe nach, die mir die Pflicht auferlegt. Nur einige Monate noch und ich bin volljährig, und am Tage meiner Mündigkeit werde ich an mein großes Werk gehen. Margen aber schreibe ich Frau von Fosseuse, um ihr zu sagen, daß ich chren Sohn weder heiraten kann noch will."
,6r wird sich unglücklich fi-hlen."
tte- folgt)