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MM M NW. (mit jungt. Beilage 15 W.)

FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 63.

Verantwortlich lüt die Schritt!ettung: Dr. Johannes Rrnmet. Anzeigen: I. D arteller, Fulda. Rotatlonkdruck und Berlaa der n Fuldaer Lrticudruckerei in Fulda. Fernivrecher Nr. 9. s BetugSvrei?: Monat Mär; 1.80 SvlLmark.

$reitag, 14. Märr 1924»

Anrrigen»Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmark aurwlirtS 0,20 Goldmark: Reklamezeile lokal 0,60, Goldmark " auswärts 0,80 Soldmark. t.

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51. Zahrg.

Äm Reichstag wird erwogen, das Diäten» 8« setz zu ändern. In diesem Gesetz heißt es, daß die F r e i f a h r t k a r t e n der Abgeordneten bis 8 Tage nach Schluß der Tagung Gültigkeit haben. Diese Freifahrtvergünstigung soll dahin geändert werden, daß die Freifahrtkarten bis ,zu den Neu­wahlen gültig bleiben. Gegenüber anderslautenden Meldungen handelt es sich also nicht um die Auf­rechterhaltung der Diäten bis zu den Neuwahlen, sondern nur um die Aufrechterhaltung der Freifahrtkarten, die den Abgeordneten die Führung des Wahlkampfes erleichtern würde.

3n drr ReichstagssihMg

mn Dienstag wurde sachliche Arbeit aeleistet. Abg. Esser (Ztr.) begründet einen Zentrumsantrag auf Weiterzahlung der sozialen Fürforgeleistungen im be- setzten Gebiet. Der Antrag wird angenommen.

Der Gesetzentwurf über die Ausprägung neuer Reichssilberlmünzen ist vom Ausschuß dohiin geändert worden, daß nur 1, 2 und 3 Markstücke, nicht aber die ursprünglich vorgesehenen 5 Markstücke ge- prägi werden. In einer Entschließung ersucht der Aus­schuß die Reichsfinanzverwaltung, mit Rücksicht auf die besondere Zahlungsmittelnot im besetzten Gebiet bald­möglichst große Mengen der Reichssilbermün- zen in den Verkehr zu bringen. Anträge Helfferichs. der die Kentenmart zum gesetzlichen Zahlungsmittel' machen will, werden gegen die Deutfchnationalen ab. gelehnt. Die Vorlage wird angenommen.

Hierauf wird ohne Debatte in allen drei Lesungen ein gemeinsamer Antrag der' Sozialdemokraten, des Zentrums, der Deutschen Dolkspartei. der Deutfchnatio- nalen, der Demokraten und der Bayerischen Dolkspartei auf Aen berung des Reichs Wahlgesetzes angenommen. Bisher mußten nach dem Reichstags. Wahlgesetz die Kreiswahlvorschläge von min­destens 20 Wählern des Wahlkreises unterzeichnet wer­den. Nach dem angenommenen Antrags wird diese Mindestzahl auf 500 erhöht und es wird hinzu- lefüflt, an Stelle von 500 Wählern genügen 20, wenn 5e glaubhaft machen, daß mindestens 500 Wähler An- länger des Kreiswahlvorschlages ober eines anderen j*nb, mit dem sie der Wahlvorschlag verbindet ober der M dem gleichen Reichswahlvorschlag anfchließen will.

Es folgt die zweite Beratrmg des N «ichspvst - Mnanzgesetzes. Die Vorlage wurde mit großer Mehrheit in zweiter Beratung angenommen. Die Kndabstimmung, für die die qualifizierte Mehrheit er­forderlich ist, wird in der Donnerstagssitzung Kienommen werden. Die Erledigung ist, wie wir er- en, zweifelhaft.

Reichstagswahl und Reichspräsident.

Der deutfchnationale Führer Schultz-Brom- fferg beantragt, daß die Neuwahl des Reichs- Kräsidenten gleichzeitig mit den Neuwahlen des Aichstages stattfinden soll. ' Jetzt vollziehe sich im deut­schen Volke ein politischer Umschwung und es ifei bedenklich, daß an der Spitze des Reiches noch länger «n Mann aus der früheren Periode steht, den eine ®efe Kluft von dem in diesem Jahre zu wählenden neuen Reichstag trennen würde. (Nur nicht zu zuversichtlich!) Reichsminister Dr. 3arres gibt dazu folgende Erklä- Amg ab: Der Herr Reichspräsident hat im Saufe des ! ^chres 1921 und 1922 wiederholt lebhaft darauf ge­längt, daß die in der rufprünglichen Form der Wei­marer Reichsverfasiung unbefristet vorgesehene Neuwahl «s Reichspräsidenten alsbald vorgenommcn werde»

m As öet MslWWUW ist jetzt da- Wenn nicht unvorhergesehene Zwischen­fälle ein treten, wird, wenn dieses Zeiiungsbtatt die Leser erreicht, die Auflösung ausgesprochen fein. Auf der Tagesordnung der Mittwoch-Sitzung stehen außer der dritten Lesung des Golddrskontbank- gesttzes nur noch kleinere Borlagen, die in kurzer Zeit erledigt werden dürften. Man hofft bereits um 2 Uhr mit den Schlußabstimmungen fertig zu fein. Die Reichsregierung wird dann die von den LozicrldemLtraten und Deutschitationulen beantragte Spezialdebatte über die Notverordnungen ableh­nen und der Reichskanzler wird den Reich »tag a u f l ö f e n.

Damit setzt dann der Wahlkampf ein, zu dem überall die Vorbereitungen schon im Gange sind. In allen Parteilagern müssen dabei große Schwierigkeiten überwunden werden, weil fast in eilen Parteien auch innere Meinungsverschieden­heiten zum Ausdrucke kommen. Besonders scharf , scheinen sich diese Auseinandersetzungen in der Deutschen Volkspartei zu gestalten. Wie aus Berlin gemeldet wird, treten dort eine Reihe führender Persönlichkeiten der Deutschen Volks­partei zusammen, die den Kreisen der Schwer- industrie und dem rechten Flügel der Partei angehören. Von Abgeordneten nahmen an der Besprechung u. a. Quaatz, Sorge, Vogler, Pieper, Adams, Maretzki, Steuermann und Frhr. v. Lers- ner teil. An der Politik welche die Partei unter der Führung Strefemanns befolgt hat, wurde scharfe Kritik geübt. Es wurde alsdann die Gründung einer nationalliberalen

Vereinigung

der Deutschen Dolkspartei befchloflen. Dem Programm nach soll die Vereinigung alle Partci» mitglteder sammeln, die in nationaler, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht an den Grundsätzen der alten naftonalliberalen Partei festhalten wollen, ins­besondere soll die Partei eine straffe, antiMarxi­st' s ch e Politik mit Anschluß nach rechts befolgen. Die Bereinigung betont, daß sie nicht die Absicht . habe, innerhalb der Partei eine Sondergruppe zu bilden, daß die Gründung vielmehr den Zweck ver­folge, diejenigen Kreise, die sonst nach rechts ab- sprmgen würden, in der Partei zu halten. Das y "B. T." nennt die Neugründung eine Art Pal ist» revolution gegen ©trefemann, ähnlich irte sich vor

Jahren die schwerindustriellen Kreise gegen den damaligen Parteiführer Bassermann zum altlibe­ralen Reichsverband zusammengeschlossen haben. Eine Vorstandssitzung der Deutschen Volkspartei, die auf Samstag den 15. März einberufrn ist, soll Klärung der Lage schaffen.

Reparation und Zrankenwährung.

poincars und der Senat.

Frankreichs „Finanz-Verdun".

Im Finanzausschuß des französischen Senats verlas der Berichterstatter für den Sanierungsent­wurf, Beranger, im Anschluß an die Besprechung mit dem Finanzminister, den Generalbericht. Der Bericht schließt mit den Worten: Frankreich mache augenblicklich sein „Finanz-Verdun" durch, aber dank dem Beistand aller Franzosen werde es noch einmal triumphieren. Frankreich habe schon heute die größten Opfer gebracht und sei deshalb berech­tigt, die restlose Zahlung dessen zu verlangen, was Deutsch la nd ihm schulde. Frankreich werde eine Finanzpolitik, die seiner würdig sei, erst bann haben, wenn es die drei Ziele verfolge: die Zah­lungen Deutschlands, die Regelung der ausroärti« gen Schuld und die Konsolidierung der schweben­den Schuld. Die Kommission lehne dagegen das unoerfassungsmäßige Ermächügungsgesetz ab. Sie stehe auf dem Standpunkt, daß die ver- langte Vollmacht der Regierung eine Handhabe geben würde, die bestehenden Gesetze und damit den ganzen Derwaltungs- und Finanzaufbau der Republik zu verändern und dementsprechend eine llebertragung der legislativen Vollmachten darstelle, die das Parlament nicht zugestehen könne und dürfe.

Die Hilfe für den Frank.

Amerikanische Bankiers unter Führung des Hauses Morgan haben einen Kredit von 100 Millionen Dollars an die Bank von Frankreich be» willigt. ,a. .

Zu den Meldungen über Kreditverhand­lungen Frankreichs in London erfährt der Fi- nanzmitarbeiter des „Manchester Guardian", es handele sich um einen Acceptkredit von fünf Millionen Pfund Sterling. Der Kredit, an dem sich

eine Reihe führender Londoner Banken und Fi- nanzhäuser beteilige, laufe zwölf Monate. Er werde durch in London hinterlegte Bonds der An­leihe für die nationale Verteidigung gedeckt und von der Bank von Frankreich garantiert.

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Wie der „Intransigeant" mitteilt, wird jeden­falls die Verlängerung der Legislaturperiode der Kammer auf ein Jahr nicht gefordert werden. Das Blatt führt den Verzicht auf diese Maßnahme auf den Widerspruch P oi n c a r e s zurück.

Das Moratorium für Deutschland.

Der Bericht der internationalen Sachverständi­gen ist nun der Reparationskommission in Vorlage gebracht worden. Sein Inhalt ist in allen Ein­zelheiten noch nicht bekannt. Doch werden sich die Vorschläge in folgender Richtung bewegen:

Die Sachverständigen werden ihre Auffassung über die Lage des Haushalts des Deutschen Reiches barlegen und die Mittel angeben, die nach ihrer Meinung das Reichsbudget auszugleichen geeignet sind. Dabei werden sie darauf bedacht fein, daß ein Teil dieses Budgets auch den Reparationszahlungen nutzbar gemadjt werden kann. Ausführlich wird der Sachoerständigen-Ausschuß sich darüber aus- lassen, welche Einnahmen das Reich sich noch er­schließen könnte und welche Ersparnisse zu machen wären.

Ein Moratorium wird in Aussicht genom­men, jedoch soll während der Zeit des Zahlungs­aufschubs das Reich Sachlieferungen machen. Der Ausschuß legt auch seine Meinung bezüglich der Frist dar, die Deutschland zum Ausgleich seines Budgets bis zur Aufnahme feiner Barzahlungen haben muß. Eine besondere Aufmerksamkeit wird der Frage der endgültigen Goldnotenbank, dem Eisenbahnbesitz als Garantie für eine inter­nationale Anleihe und den Monopolen gewidmet.

solle. Die Wahl wurde zunächst aufgegeben, well die Müwahl Oberschlesiens noch nicht möglich war. Als bann die neuen Grenzen Oberschlesiens feststanden, wurde in voller Uebereinstimrnung mit dem Herrn Reichspräsidenten der 3. 12. 1922 als Wahltag in Aus­sicht genommen. Aus diesem hohen Hause entsprang jedoch nacksiräglich der dringende Wunsch, die Neu­wahl zu verschieben. Fünf Parteien des Hauses brachten einen Initiativantrag ein. wonach der von der Nationalversammlung gewählte Reichspräsident fein Amt bis 3um 3 0. Juni 1925 führen soll. Das Gesuch wurde am 27. Okt. 1922 mit sehr großer Mehr­heit als verfassungsänderndes Gesetz ange­nommen und ist in die Verfassung selbst einverleibt wor­den. Seither sind keine Umstände hervorgetreten, die eine Aenderung notwendig machen konnten. Ganz be­sonders unmöglich erscheint die Verbindung der Wahl des Reichspräsidenten gerade mit den Reichstagswahlen. Nach der Neichsverfasiimg soll der Reichspräsident dem Reichstage gegenüber eine unabhängige und selbständige Stellung einnehmen. Er soll dem Parteigetriebe und dem Parteikampf entrisien fein. Aus diesem Grunde ist übrigens feine Wahlperiode anders bestimmt als die des Reichstages. Er soll auf sieben Jahre, der Reichstag nur auf vier Jahre gewählt werden. Die Reichsregierung bittet daher, dem von dem Abg. Hergt und Genossen eingebrachten Gesetzentwurf die Zustim­mung nicht zu geben. Der Antrag der Deutschnatio­nalen wird mit großer Mehrheit abgelehnt.

Nach debattekoser Erledigung der dritten Lesung des Notetats wird die Schlußabstimmung auf Donnerstag vertagt. Ein Antrag der Bayerischen Volkspartei will als Termin für die Neuwahl den 12. April festsetzen, diesen Tag zum öffentlichen Feiertag machen und die Arbeitgeber zur Fortzahlung des Lohnes für den Wahltag verpflichten. Ein Antrag der bürgerlichen Parteien verlangt für die Karwoche ein Verbot sämtlicher politischen und Wahlversammlungen.

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Nach der Reichstagssitzung hielt die sozial­demokratische Fraktion noch eine Irak-, tionsberatung ab. Die Fraktion hat, wie wir er­fahren, den Antrag der Koalitionsparteken, der eine Einschränkung der Wahlversamm­lungen während der Osterzeit fordert, abgelehnt. Sie werde auch dem von der Bayerischen Volkspartei und dem Zentrum einge- brachten Antrag, die Wahlen am 12 April vorzunehmen, keinesfalls zustimmen. Von einem Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Marr hat die Fraktion Abstand genommen.

Zranzofen und Separation.

Der Manchester Guardian veröffentlicht Einzel' beiten über die bett Separatisten in der Pfalz von dem französischen Militär und den Zvil- bebörben gemährte aktive U n terst ützung. Tarunier befindet sich auch der Wortlaut eines Schreibens des französischen Distriklsdelegierten in Bergzabern, Oberst Fabre, an einen auSgewiesenen Pfälzer, in dem eS heißt, die Bourgeosie der Pfalz habe eine günstige Gelegenheit vorbeigehen laffcn. Der Augenblick, den Vorteil der Pfalzauto­nomie mit einzuernten, sei für sie noch nicht ge­kommen. Ten Arbeitern der ersten Stunde muffe gestaltet werden, mit ihrem Werke fmtzufahren. Wenn die Stellung der autonomen Regierung kon­solidiert worden sei, werde die Stunde für ihn (den AuSgewiesenen) und für diejenigen von seinen Freun­den geschlagen haben, die ihre patriotische Arbeit zur Befreiung der Pfalz mit einfetzen wollten.

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Der apostolische Delegat Msgr. Testa ist in Koblenz angekommen.

Der rheinische Klerus hat in einer großen Versammlung in Köln folgende Entschließung gefaßt, die an den päpstlichen Nuntius gerichtet wurde:

Die von Hunderte» katholischer Geistlichen au8 allen Seilen der Rhernprovinz besuchte Ver- sammlung des rheinischen Klerus weist die Angriffe deS Generals Ludendorff gegen den Hei­ligen Stuhl und den deutschen Katholizis- muS mit Entrüstung zurück. Mit innigster Dank- barfeit erinnert sich der rheinische Klerus der Väter- lichcn Sorge, mit der der Heilige Stuhl wahrend des Krieges die Leiden der Völker zu mildern und deS apostolischen Freimutes, mit dem er einem Verständi­gungsfrieden zwischen den kriegführenden Mächten den Weg zu ebnen suchte. Die Hilfstätigkeit des Heiligen Stuhles für das notleidende Deutschland, das tätige Jntereffe, das er besonders den besetzten Gebieten durch Entsendung eines eigenen Delegaten bekundete, die er­habenen Friedensmahnungen Sr. Heiligkeit des Papstes Pius XL nach dem großen Ziel pax Christi in regno Christi haben nirgendwo dankbarere Aufnahme und innigere Zustimmunn gefunden als in unserer vielge- prüften rheinischen Heimat, die unter den Folgen des Versailler Diktats Unendliches leidet. Nirgendwo wird daher der ungerechte und unrit. terliche Angriff gegen den Heiligen Stuhl schärfer und rückhaltloser verurteilt als im katholischen Rhein­land, als besten Wortführer Ew. Exzellenz bitten, Sr Heiligkett dem Papst dies zur Erklärung zu übermitteln"

Die Ursachen des Marksturzes.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Jetzt erst, nach fast neun Monaten, wird dein Reichstag in einer Denkschrift der Bericht des Untersuchungs-Ausschusses des Reichstages vorge­legt, der im Juni 1 923 die Ursachen des da­maligen Markzufammenbruches prüfen sollte. Die Angelegenheit hat heute politisch nur noch histo­risches Interesse, wirtschaftlich sind manche Dar­legungen doch auch heute noch einer größeren Be­achtung wert. Insbesondere haben damals die starken Devisenkäuse der Firma HugoStinnes eine große Rolle gespielt. Der Bericht spricht sich darüber wie folgt aus:

„lieber die Zweckmäßigkeit eines derartigen Kaufs im freien Verkehr haben sich die vernommenen He>ren verfchieden geäußert. Redakteur Oefer und auch der Vertreter der Roichsbank, Reichsbankdirektor Fuchs, haben dieses Verfahren im allgemeinen für unvorsichtig i erklärt; Bankier Melchior hat es dagegen für keines- i megs ungewöhnlich erklärt. Das bezieht sich aber nur i

auf das Kaufen im freien Markt int allgemeinen, in dem befonberen Fall der Firma Sünnes ift noch zu berück­sichtigen, daß die Fftma Sünnes ihrerseits nur an be- kannte Firmen herangetreten ift"

Der Bericht fährt nach weiteren Darlegungen dann schließlich fort:

„Sie Bedeutung und der Ruf ber Firma Sünne« bringen es mit sich, daß jede ihrer Handlungen von weiten Kreisen nachgemacht wird.. Die Tatsache dieses Kaufes für die Eisenbahn, sowie bk weiteren Käufe am 16. und 17. April mögen objektiv mit dazu beigetragen haben, die Deoisenanfordenmgen zu erhöhen; der Firma ©tinnes kann aber weder aus der Tatsache, daß sie ge- kaust hat. noch aus der Art, wie sie getauft hat, irgend ein Vorwurf gemacht werden.

Zusammenfassend betont der Ausschuß noch einmal, daß die Unmöglichkeit, am 18. April den bis dahin ge- haltenen Kurs noch weiter durchzuhaven, ihren Urfprunfl nicht in der planmäßigen Manipulation einzelner Per­sönlichkeiten ober Kreise hat, sondern in den ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, unter denen ötefe Stützungsaktion ausgeführt wurde und schließlich zusammenbrach. Inwieweit bei dieser Situation Speku- lantenkreise mit dazu bettrugen, das Uebel zu verschlim- mem, konnte im einzelnen bei den Verhandlungen nicht festgestellt werden.'

Die Darstellung will offenbar die Dinge, zumal nachdem so lange Zeit verfloffen ist, vollständig leidenschaftslos betrachten und alles vermeiden, was noch nachträglich zu scharfer Auseinander- fetzung Anlaß geben könnte.

Vie Sage in Ludwigshafen.

Zur Streiklage in der Anlltn- und Sodafabrtk wird uns berichtet: Störungen der öffentlichen Ordnung sind am Mittwoch nicht vorgekommen. Die Stadtverwaltung S p e y e r hat beschlossen, an öie dort wohnenden Ausgesperrten je vier Pfund Brot und ein Pfund Fett, ferner Milch für die kleinen Kinder der Verheirateten auszugeben. Die kommunistische Stadtratsfraktion Ludwigs- Hafen wird den Antrag stellen, daß die Stadtver­waltung ebenfalls den am meisten Notleidenden Lebensmittel zur Verfügung stellt und Schritte zur beschleunigten Auszahlung des noch fälligen Loh­nes tue.

Zu der Erplofion von Dienstag vormittag wird mitgeteilt: Es ist kein Generator, sondern eine Gassammelleitung und ein dabei befind­licher Kühler explodiert. Als Ursache wird die überhastete Abstellung angegeben, wodurch sich Gasgemische bildeten, die zur Entzündung kamen. Ferner ist in dem Werk ein Braunkohlen- bunter in Brand geraten. Infolge der Ein­stellung der Notstandsarbeiten kann der Brand wegen Wasiermangels nicht gelöscht werden. Die Unfälle werden zulangwierigenStörun- gen bei der späteren Wiederauf­nahme des Arbeitsbetriebes führen.

3ffl Menet AAmsksmzetz ichloß sich an die Vernehmung des Obersten v. Seiner 01c zum Teil nicht öffentlich war, eine weitere Ein- ö. .Vernehmung des Herrn v. Kahr an. Wich- tig ist vor alleni eine Angelegenheit, die der Verteidiger Hou zur Sprache brachte. Er wies darauf hin, daß Ba­ron Auffeß, der Stellvertreter Kahrs, am 20. Oktober in eufer Rede gesagt habe, der Reichsarbeitsmini- ste r Brauns f< im Generalstaatskommissariat ge- loefen Minister v. Knilling habe ihm aber gezeigt w 0 LLe SaI)r gellte dazu fest, daß Auffeß selbst

Me Meldung als eine Fälschung bezeichnet habe. Eine große Anzahl Fragen bezog sich auf die Pläne Kahrs zur Errichtting eines Reichsdirektoriums. Kahr stellte dazu fest, er habe gehofft, bas Direktorium cu f legalem Wege mit Hilfe de- Artikels 45 ber R^chsrersaffung errichten zu können. Als Justizrat Schramm fragte, ob es auch einen legalen Staats­

streich gebe, erwiderte Kahr, daß man auch den Druck der Gewerkschaften auf di« Reichsrezierung alt einen Staatsstreich bezeichnen könne.

Dn langes Frage- und Antwortfpiel entwickelfe sich über Ne geplante Ernennung Poehners zum Zivflkommkffar. Kahr erklärte Dazu, die Er- nenmmg fei nur so gemeint gewesen, daß dem Reichs- wehrkomrnandeur ein Kommissar beig.-geben werde, wie das schon bei stüheren Anlässen übsich gemeßen sei. Im übrigen sollte der Marsch der bayerischen Reichswehr nach Thüringen und Sachsen nur auf den Ruf des Reichswehrministers erfolgen.

Zum Schluß beantragt der Staatsanwalt di« Ver­nehmung des Rechtsanwalts Nußbaum über die Fest- nähme der Geiseln. Hitler wandte ein, er habe die Festnahme bereits zugestanden und erklärt, er habe sie nicht schon am Morgen wieder freigeben können, weil sie sonst von der erregten Menge in Stücke zerrissen worden wären. Dem schloß sich auch Ludendorfi an. lieber di« Vernehmung wird das Gericht später Beschluß fassen.

Die weitere Vernehmung Kahrs wurde auf Donners- tag früh vertagt.

Der plan Ehrhardts.

wtb Alünche n, 13. März. (Tel.) Zu der Donnerstagvormittagssitzung wird in der Ver­nehmung Kahrs fortgefahren. Rechtsanwalt (0a- demann richtet eine Reihe von Fragen an den Zeugen, die dieser im Sinne seiner früher gemach­ten Aussagen beantwortet. Für ihn habe es sich bei der Sitzung am 6. Sept, um nichts anderes gehandelt als eben um die gerüchtweise bekannt ge­wordenen plSne eines Vorstoßes der nationalen verbände gegen Thüringen und Sachsen Stellung zu nehmen. Er hält es für ausgeschlossen, daß Lossow vom Marsch nach Berlin gesprochen habe. Auf die Frage des Angeklagten Kriebel, ob Zeuge von dem plan Ehrhardts von dem Marsch nach Berlin Kenntnis hatte, erwiderte Kahr, er habe von derartigen Vorbereitungen Ehrhardts ge­wußt, fei daun aber abgeschnitten worden.

was ist »deutsches Empfinden"?

Der Münchener Prozeß zeigt immer komischere Blüten. Ein Zeuge, Oberstleutnant von Berchem, sagt, als General Ludendorff ihm eine zugespitzte {frage stellt, daß er sich nicht jeder Kleinigkeit er­innern könne, das würde Exzellenz auch nicht kön­nen. Daraufhin erklärt der Rechtsanwalt Holl in größter Erregung: Er hätte noch mehrere Fragen an den Zeugen stellen wollen, das tue er aber nicht 'mehr, da die eben verzeichnete Bemerkung des Zeugen an Ludendorff „fein deutsches Empfin­den" beleidige. Selbst der über alle Maßen und Begriffe hm nachsichüge Borsitzende kann in dieser Aeußerung keine Beleidigung erkennen, aber Rechts- anwalt Holl wiederholt, daß diese Bemerkung jeden- falls „sein deutsches Empfinden beleidige". E. tut das unter demonstrativem Beifall der Zuhörer.

Man wird sich nun verwundert fragen: Was ift eigentlich deutsches Empfinden? Ist es die maß­lose Vergötterung, die General Ludendorff zuteil wird, und r»e er sich ruhig gefallen läßt und die sogar einen Zeugen veranlaßt, vor seiner Derueh- Ämit dem Rücken gegen das Gericht eine rbeugung vor Ludendorff zu machen! Merk­würdige Begriffsverwirrung.

Ausland.

' Tod eines bulgarischen Staatsmannes Der frühere Ministerpräsident Gefchoff ist in Sofia gestorben.

* Wahlen in Dänemark. Die Folketinqwablen sind auf den 11. Ap-il festgesetzt worden?