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fit. 62.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

VkrontULrtlich 'ür die Stfriitlet'una: Tr- 3»tcnuc6 Kromer. Anreisen: 2- Barreller. 7'uidll. Roiationkdruck und Verlas de» Fuldaer Sdirr.birdetet in Fulda. Fernstrecker Nr- 8. s BeruasvreiL: Tonst Mürz 1.80 Goldmark.

Donnerstag, 13. Miirr 1924.

Anreise»»Breiie: Sietmeile (Colonel) lotci c.ia öu^mati. anrwärtd 050 »olbmart: Reklamen eile total 0.6(1 (Solbmctt :: auswärts OM Goldmark, r.

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51. Zcchrg.

4. oder N Mai?

Als voraussichtlicher Tag der Auf­lösung des Reichstages wird jetzt der Frei­tag dieser Woche bezeichnet. Nach der Annahme ges Notetats werde der Reichskanzler noch einmal lautGermania' den Standpunkt der Regierung zur Frage der Notverordnungen darlegcn und zunt Ausdruck bringen, daß die Regierung, 6a eine Hebet» rinstimmiing mit den Oppositionsparteien nicht zu erzielen sei, gezwungen sei, .an das Volk zu appellieren und den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen des Reichstages dürflen den Dtättern zufolge am 4. oder 11. Mai flat finden. Der 4. Mai dürfte dabei in erster Linie in Frage kommen Tie preußischen Gemeindewahlen, die auf diesen Tag einbeiufen sind, würden dann wohl um kurze Zeit hinauSgeschoden werden.

3n der Reicheiagssihung

am Dienstag wurde des verstorbenen sozial­demokratischen Abg. Albin K ö r st e n, der dem Reichstag 15 Jahr? angehört hat, gedacht. Der Ge­setzentwurf über die Golddiskontbank wurde ohne Debatte dem Heushallsausschuß überwiesen.

In der politischen Ausspracheamen die klei­nen Gruppen zu Wort, die sich um so radikaler aus« drücken, je bedeutungsloser sie für das politische Leben sind. Bemerkenswert war nur eine neue Rede des N e i ch s f i n a n z m i n i st e r s D r. Luther, der aufs neue der Inflation den Krieg cmfacste. Heber die Verteilung der Steuern auf die einzelnen Grup­pen werben immer noch die jetzt ganz unzutreffen­den Zahlen der Vergangenheit angeführt. Tatsächlich haben wir in der Zeit vom 1. Dezember 1923 bis zum 31. Würz 1924 folgende Verteilung des tatsächlichen Steueraufkommens: Vom Gesamtsteueraufkommen

brachte die Steuer auf den Besitz 58 Proz., die Steuer vom Arbeitslohn 14 Proz., Steuern auf G e n u tz- mittel 4 Proz., Steuern vom Umsatz 24 Proz. Die industriellen Unternehmungen, die gegenwärtig wenig Gewinn abwerfen, sind außerordentlich stark mit Ver­mögenssteuern belastet. Die vom Abg. chelfferich über die Steuerbelastung angeführten Zahlen halten einer Nachprüfung nicht stand. Unleugbar aber ist die unge­heure Verarmung des deutschen Volkes. Aus die­ser Lage können wir nur durch größere Steigerung der Einnahmen und äußerste Verminderung der Ausgaben den Weg ins Freie finden.

Die politische Aussprache ist jetzt zu Ende ge­führt. Am Mittwoch wird das Postfinanzgesetz und der deulschnationale Antrag wegen der Wahl des Reichspräsidenten, am Donnerstag das Gesetz über die Golddiskontbank erledigt werden. Der Spareusfchuß des Reichstages soll als ein Ausschuß bei der Regierung fortbestehen, lieber eine Ver­längerung der Gültigkeit der Freifahrkartrn der Abgeordneten bis zu den Neuwahlen soll noch mit dem Neichsrat verhandelt werden.

Der Kitz bei öer deutschen vottspartel.

Die Deutsche Do'kspartei benutzt die gegenwär­tige Kandidaten-Aufstellung, um in ihren Reihen gründlich aufzuräumen. Es handelt sich um die Hauptführer einer Opposition, die sich nicht nur gegen die offizielle Fraktionsführung, sondern auch gegen die PoiiÜk Strese manns als frühe­rer Reichskanzler und jetziger Außenminister rich­tete. Diese von dem Acgeordneten o. Lersner geführte Oppositionsgruppe wird nun auszuschalten versucht. Lersner ist ais Kandidat nicht mehr auf- gestellt worden. Er versuchte bei den Deutschnatio­nalen unterzukommen, hat aber dort die Rassen- probe nicht bestanden, denn irgend jemand hat aus­findig gemacht, daß seine Muuer eine geborene Jakobsohn ist.

Der Abgeordnete Maretzky, der immer ein Schmerzenskind der Deutsch-oslksparteilichen Frak­tion war und der es wiederholt liebte, in deutsch- nationalen Blättern gegen leine eigene Partei zu Felde zu ziehen, ist nun gleichfalls bei der KandÄa- tenaufstellunz ausgeschaltet worden. An feine Stelle wird Gouverneur Schnee treten, einer un­serer bekanntesten Kolonialpolitiker, dem der Ruf eines gemäßigten Mannes zu eigen ist.

Auch der dritte Oppositionsführer, Abgeordneter I Q u a a tz, wird nicht mehr aufgestellt werden, denn I die offiziellen Parteistellen haben es abgrlehnt, seine Kandidatur zu unterstützen. Zu dieser Gruppe ge­hört nun auch noch der Generaldirektor Bögler, ter allerdings in den letzten Jahren sich kaum im Reichstag sehen ließ, dafür aber hinter den Kulissen umsomehr, namentlich in wirtschaftlichen Fragen ge­llen die offizielle Fraktionspolitk Stimmung machte. Es wird mm offenbar von Bögler versucht, den obengenannten Abgeordneten Qua atz in den Reichs­tag zu bringen, dadurch, daß Bögler für Westfalen- Süd verzichtet. Es ist aber sehr fraglich, ob ein oerartiges Arrangement durchgeführt werden kann.

Dienationalen unter sich.

Der Streit zwischen den Deutschnation a- l c n und den Völkischen gewinnt allmählich scharfe Formen. Die 'eineRichtung" untersucht bie andere auf ihre Stellung zur Monarchie, zu Rc- llgion und zu anderen Dingen. So schreibt Erich Schwarzer im deutschnationalenTag" gegen die Deutschvölkischen um Herrn v. Graefe fol­gendes:

Die Stellung dieser Kreise zur Monarchie, auch zur Religion, feroie zu den sozialen Fragen d-ckt sich nicht immer mit den Anschauungen der Rechten. fierr von Eraeie ist beispielsweise ein erklärter Gegner nicht nur ' des Kaisers, sondern auch des Kronprinzen, der nach feiner Meinung unter jüdischem Einfluß stehe und < on dem man neulich nach seiner Rückkehr behauptete, | daß die Bankiers Mendelssohn und Gutmann die Ein- *

reise des Kronprinzen finanziert hätten. Wer die Dinge wirklich kennt und wer sich einmal die Mühe nimmt, gerade dieser unerfreulichen Propaganda gegen den Kronprinzen nachzugehen, sieht sehr bald, daß an die­sem Gerede ebenso wenig Wahres ist wie an manchem anderen, was über den Kronprinzen seit seiner Rück­kehr erzählt worden ist. Wer monarchisch denkt, kann nur bedauern, daß sich sonst vaterländisch gesinnte Män­ner mit Republikanern zusammenfinden, um die ch o - henz ollem mit Schmutz zu bewerfen. Deshalb fei gerade hier einmal auf Grund besserer Kennt­nis der Dinge mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck ge­bracht, daß die monarchischen Kreise alle Ver- anlasiung haben, sich gegen diese Agitation zu stellen." Wenn man sich angesichts dieser Auseinander­setzungen an die schmachvollen Anwürfe erinnert, die von den Deutschvölkischen gegen die nationale Haltung der deutschen Katholiken gerichtet worden sind, Anwürfe, zu deren Wortführer sich nun auch Ludendorff in München machte, dann wird man sich über diese Zurechtweisung von deutsch- nationaler Seite gegen die Deutschvölkischen seine eigenen Gedanken machen müssen.

Die BeanitenbeMlmz.

Dienstag traten die Beamt en-Spitzen- organifationen zusammen, um sich über ihre Stellungnahme zu der Ausbesserung der Beamtengehälter schlüssig zu werden. Nach­dem das Reichssinanzministerium bereits mit den Ländern in Verbindung getreten ist, ist zu erwar­ten, daß noch in dieser Woche mit den Orga­nisationen über das Ausmaß der Erhöhung ver­handelt wird.

Die Erfurter Tagung des Reichsbundes der höheren Beamten fand mit einer Entschlie­ßung ihren Abschluß, in der eine Besoldung gefor­dert wird, die auch die Kosten der Bor- und Aus­bildung sowie die mit dem Amt verbundene 2er- antwortung berücksichtigen soll. Die hierfür nötigen Mittel sollen durch eine gleichmäßige Belastung aller Volksteile durch eine gerechte Steuerpolitik aufgebracht werden.

Mbsrmünzen und Notgeld-

Der Reichstag hat das Gesetz über die Neuaus- präß'.'.ng von Silbermünzen angenommen. Es wer­den im ganzen 300 Millionen Mark Silbermimzcn ausgeprägt, also 5 Mark pro Kopf. Mit Zustim­mung des Nei^sraks soll die Summe auf 10 Mark erhöht werden, sodaß also ein Umlauf von 600 Millionen Mark h-erausköme. Nach einem sozial­demokratischen Antrag soll für die Vermehrung auch ein Beschluß des Reichstages notwendig fein. Dies.-r Beschütz ist angenommen.

Das wichtigste ist, daß jede Gefahr einer Inflation vermieden wird. Es ist an sich selbstverständlich, daß solche Befürchtungen aus­kommen können. Indessen hat man im Gesetz ganz bestimmte Vorkehrungen getroffen, die einer solchen Gefahr vor l engen. 5m § 1 des Gesetzes ist vorgesehen, daß die Silbermünzen nur in demselben Maße in Verkehr kommen sollen, in welchem andere Zahlungsmittel dauernd ans dem V r- kehr gezogen werden. Diese Soll vorschri't ist nun in eine Muß Vorschrift umgeänbert worden. Es dürfen also Silbermün'en nicht in höherem Um­fange in Verkehr kommen, als andere Zahlungs­mittel verschwinden. Die Münzen werden aus 500 Teilen Suber und 500 Testen Kupfer hergestellt. Ein Antrag der Bayerischen Bolksvarlei 900 Teile Sil­ber zu bestimmen, fand keine Mehrheit.

Mit Rücksicht auf die Zahlungsmittelnot im be­setzten Gebiet ist eine Entschließung anaenommen, nach der möglichst bald große Mengen Ssibermün- zen gerade auch für die besetzten Gebiete in Verkehr gebracht werden sollen.

In den Ausschußverhandlungen über d'e Neu» ausprägimg von 300 Millionen Mark Sstbermiln- zen Hot auch die Frag- dos Rotge'des eine große Rolle gespielt. 'Die Erklämugen der zuständigen Slollen haben ergeben, daß das No'ge'd in sehr weitem Maße schon zurückgezogen ist. Das Eifen» bahn-Notgeld ist beispielsweise von 114 Mil­lionen auf 53 vermindert. Zum Test noch stärker ist das übrige Notgeld abgebaut. Das alleaale, also das ungedeckte Notgeld, das sich auf 110 Trillio­nen im unbesetzten Gebiet belief, ist auf 5 Trillionen herabgemindert, und die Umkaufsmenzs an solchem Geld im besetzten Gebiet in Hohe van 211 Trillionen ist auf etwa 100 Trillionen vermindert. Diese Not- ae(baresgäbe erklärt sich dadurch, daß wochenlang Städte und ganze Bezirke unter separatistischer Herrschaft standen und daß notgedrungen Zahlungs- mittel beschafft werden mußten.

Die BesatzungsbebörLen verlangen mm die Zu- ruckzish"ng des sämjlichen ungedeckten Notgeldes bis zum 1. Avril. Dad"rch würden d''e Städte und Ge­meinden in große Schwierigkeiten kommen. Auf 2orft';öungen der im Rheinlands amßgebenden Parteien hat das Reichsfinanzministerium zugesagt, daß die Reich ob an k den sengen Gemeinden, die durch die Einziehung des Notgeldes in Schwierig­keiten kommen. Sonderkredite gegeben wer­den.^ Jeder einzelne Fall soll besonders geprüft werden und das ist auch unbedingt notwenig, denn cs ift selbstverständlich, daß solche Städte wie Bonn, Aachen rnb Düren, die unter besonderem scharfen separatistischen Dn»4 standen und zu Notmaßnahmen bezüglich der Beschaffung van Zahlungsmittel ge­zwungen waren, eine andere Stellung eingeräumt wird, als denjenigen Städten, die nicht unter diesem Druck itandan, und die ebenfalls zur Ausgabe von Notgeld schritten.

Die Antwort des Vatikans an Ludendorff.

Der päpstliche Delegat Pizzar di hat sich nach München beneben, um dem dortigen Nuntius P a c e 11 i 2 Millionen Lire als Liebesgabe des Vatikans für' notleidende Deutsche zu übergeben. Das ist eine echt tatfolifd)*' Antwort! *

M MW WskkkilSlW.

Ablehnung des Limuächlestandes. Rüstungen nützen nichts.

Im englischen Unterhaus haben wich­tige Beratungen über die Frage der Luftrüstung stattgefunden. Der Unter st aatsfekretär für Lufffahrtwrien. Lerach, erklärte bei der Einbringung der Voranschläge sür die Erweiterung der Luftstreit- kräfte m der Heimat, zahlreiche Freunde der Re­gierung fragten besorgt, wie die A r b e 11 c r p a r» t e i eine Vermehrung der britischen Rüstungen rechtfertigen könne. Mitglieder der Arbeiterpartei könnten fragen, ob die Arbeiterpartei, von der die Führung auf dem Wege zur Abrüstung erwartet werde, statt dessen nicht die Führung in e n t g e g e n- gesetzter Richtung übernommen habe. Er wolle darauf Hinweisen, daß die Regierung keineswegs dir Rüstungen erweitere, sondrrn sie h e r a b s e tz e, denn das Ergebnis sei eine beträchtliche Vermin­derung in den Ausgaben für Kriegs­zwecke während des laufenden Jahres. Die Frage der Abrufttmg müßte erörtert werden, da­mit alle Nationen ernennen, daß Rüstun­gen nichts nützen.

Das Unterhaus hat bann mit 269 gegen 195 Stimmen eine Entschließung abgelehnt, in ber die Notwendigkeit betont wurde, eine hinreichende Luftstreitmacht zu unterhalten, um sich einen ange­messenen Schiß gegen Luftangriffe seitens der stärksten Luftstreitmacht innerhalb der Reichweite der britischen Küsten zu sichern. Dar Unterstaats­sekretär für Lustfahrtwesen hatte die Zurückziehung des Antrages vorgeschlagen, da er rote eine ge­gen Frankreich gerichtete Erklärung aussehe.

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Wideriprechende Meldungen.

Noch einer Blättermeldung aus Newhork erfährt die(Ebca'o Tribuna", das Sachv rständigen'oniitee werde in jeinen Konklusionen für eine gewisse Reibe von Jahren, Hs Deutschlands Wirtschaftskraft wieder he,gestellt ist, die jährliche Zab lung don 2 Milliarden Eoldmark Vorschlägen. Tiefe Summe solle dazu bienen, die Sachlieferungen an die 91 Liierten zu decken, also die Kohlen» «nd .tioL'Iieferungen zu de leichen. mit anderen Worten die Micum-Perträge, dir am 15. April av'nustn, soll« n durch diese Zahlungen er letzt wer» den. . Nach Maßgabe der H< bnna der Finanz- und Wirtschasislae rollen biefe Zahlungen staffelweise die Summe von 31/» Milliarden Goldmark ei reichen. Abkommen wie die von W esbaden und Stinnes» Vitbeifoc iollen wahrscheinlich erneuert werden. Tie beul leben Staa'smonopole jollen von den Alli'ertea übermalt werden.

In amerikanischen Kreisen in Paris wirb er­klärt, die von der , Chicago Tribüne" gebrachte Nachricht, die Sachverständigen würden vorschlagen, Deutschland müßte sofort jährlich 2 Milliarden Gold- mark für SachTest nm gen zur Verfügung stellen, muffe mit allem Vorbehalt auf g'en o mmen roerben. Aus alle Fälle sei die gen/ante Summe stark übertrieben.

Kalif und Islam.

Ein Vrokeft der cerfriefcencn Kalif an gegen die neue Türkei. Jnleri'lamiilscher Religlonskoasretz.

Die Stimmung in Indien.

Der vertriebene Kalif hat in feinem Zufluchts­ort Terrilet in der Schweiz Vertreter der WeItpreffe cingefongen und ihnen einen Auf­ruf unterbreitet, wonach er die von der Anaora- Regierung getroffenen Maßnahmen für null unb nichtig erachte, ba die muselmanische Welt ihn durch ihre einstimmige Billigung feiner vor 1H sichren erfolgten Wahl zur höchsten Würde des Islam in Ausübung dieses erhabenen Amtes be­stätigte.Da die türkische Laienrepublit durch ihren llebergriff gegen die türkische nationale Sou­veränität jedes Recht zur Beteiligung oder zum Eingreifen verloren hat, ist es jetzt ausschließlich Sache der mohammedanischen Welt, in voller Auto­rität und in voller Freiheit über diese Lebensfrage M entscheiden. Ich lade daher die bevollmächtig­ten Führer und Vertreter der muselmanischen Ge­meinden der ganzen Welt ein, tätig an diesem Zicke mitzvwirken und mir in kürzester Frist ihre konkreten Beiträge für den Zusammentritt eines aroßen interislamitischen Selig i o nskongres- s e s Zukommen zu lassen, den ich bann zu richtiger Zeit an einem geeigneten Orte einzuberufen ge- denke, damit gemeinsam Beschlüsse gefaßt werden können, die die Lage erfordern."

Reuter meldet aus Delhi, die mohammeda­nische Meinung in Indien gehe dahin, daß die Nationalversammlung von Angora durch die Ab­schaffung des Kalifats und die Ausweisung des Kalisen und feiner Familie aus Konstantinopel den indischen Mohamedanern eine sehr schwere Beleidigung zugefügt habe. All­gemein werde eine islamitische Konssrenz zur Er­nennung eines Kalifen gefordert.

Beamtenfragtn.

Die Wrf$!t!öSen. Der Reichswgsausschutz für bc3 Ortsklassenverzeichnis beendete feine Beratungen über dieicn Gegenstand. Von Seiten der Regierung wurde bc-üglich der Einstuf,ing der eingemeindeten Orte rrrliirt, daß Piese Orte in die gleiche Stufe nach ll>rer Ein cmcindurig cinrücken sollen, wie sie die Orte besitzen, den u sie emzemcind-t worden sind. Der AuS- sckuh nab it Kenntnis von der Ei klärung des Regierun S» rertrctcrS und sprach die Erwa>tung ans,' daß die Reichsregieiung Irätesiens bis zum 1. November d. I. die angeklind'gte Neuregelung auf der Grund- ime des L<chnungcgcttc2 hr*n neuen vor-

legen werd--

3m MM« SMvMWözeS gab v. Kahr als Zeuge, wie schon aus dem gestrigen Bericht zu ersehen war, im allgemeinen das gleiche nn wie General von Lossow. 'Auch v. Kahr schilderr die Vorgeschichte der Versammlung am 8. November und den Uebersall in dieser selbst.Zunächst tarn mir der Gedanke, vom Podium aus die Versammlung, die mir eben zugejubelt hatte, auszufordern, sich mit mir gegen diesen UebcrfaU zur Wehr zu setzen. Bei einem Ueberbiick über den Saal und die drangvolle Enge vor mir erkannte ich aber, daß schon eine Panik viele Men­schenleben gefährden würde, daß die sichtlich in großer Erregung befindlichen Bewasfneien von den Waffen Gebrauch machen und ein unsägliches Unglück und Blut­bad anrichten könnten. Als ich zu diesem Entschluß kam, ging ich vom Podium herab und tarn unmittelbar neben Lossow und Seiher zu stehen. Ich sagte leise: Da hat uns die Polizei in eine schone Sauerei geraten^ lassen, da muffen wir schauen, wie wir wieder heraus­kommen." Da fiel schon das Wort:Komödie spielen!" Wir waren durch langes Zuiammenar- btiten auf unser großes Ziel völlig zusiunmengespielt und völlig einig darüber, daß wir nur durch ein ge­wißes Mitspiclen die Freiheit der Bewegung erreichen konnten, die wir brauchten."

Als ich nach der Bürgerbräuversammlung ins Eeno- ralftaatsEommiffariat kam, traf ick dort Baron v. Frey- berg. dem ich sagte, ßoffom, Seisier und ich seien ent­schlossen. die Sache nicht mitzumachen Gegen 11 Uhr rief mich Minister Matt ap. Ich schilderte ihm kurz die Vorfälle und jagte mit besonderer Beronung: 21m Telephon kann ich hierüber nicht weiter sprechen." Matt fragte:Was will Hitler eigentlich?!" Ich ant­wortete:Den berühmten Marsch nach Ber­lin." Minister Matt rief zurück:Da wird er weit kommen!" Dann machte Matt noch d'e Bemerkung: Das sind schöne Zustände'", worauf das Telephcn- gespräch abgeschlrffsn wurde.,

Kahr schließt seine Slusfagen: Es ist richtig, daß ich in der vaterländischen Bewegung ein starker Arsm- f e r war. Ich glaube, daß einem Volk wie dem deut­schen, das seelisch so zermürbt und erschöpft ist. eine stille Sammlung seiner Kräfte zur eigenen Schicksalsgestaltung dringend nölig ist. Darum wallte ich mich in den vaterländischen Verbänden betätigen, um einerseits der Regierung einen gewissen nationalen Rück­halt zu geben und andererseits dis vaterländischen Ver­bände in Zeiten großer Erregung vor Schritten zu be­wahren, an denen sie vielleicht scheitern müßten, chente stehen sich hier vor dem Tribunal Männer wie F e i n de gegenüber, die doch in den großen nationalen Grund­gedanken dieselben Empfindungen hatten. Den fier, ren, gegen die sich die Anklage richtet, ist es darum zu tun, ihre Gegner im politischen Spiel tc- Rovenber- ietge auch aus ihrer früheren nationalen Tätigkeit her- aus zu ver dtz cht i g e n. So wird jede n'ntrtoate Ar­beit tötgefchlagen, denn keiner staun mehr d'm andern trauen und vertrauen, und in solcher Atmosphäre ver­harrt das Mark des Staates. Den Vorteil aber hat die Internationale. Das natic'nals Streben muß in einer solchen Gistatmefphäre ersterben. Varn per­sönlichen Standpunkt aus felje ich den hier zutage os- tretenen Bestrebungen ruhig entgegen. Mir kann nie- manb von dem, was ich bin, etwas nehmen, mir kann >manb etwas geben. Ich hinein freierMann. Personen mögen bleiben oder vergehen, wenn nur der Stach und das Volk weitergedeiht.

Die weitere Vernehmung v. Kahrs vollzog sich in geheimer Sitzung.

In öffentlicher Sitzung kam es später zu einem Kreuzverhör Kahrs. Auf eine Anfrage de- Rechts­anwalts D. Roder erklärte Dr. v. Kahr, daß er vor fei­nen Aussagen eine Besprechung mit Lossow und Seisser nicht gehabt habe. Justizrat Kchl erklärt, die Verteidigung werde Nachweisen, daß nicht die Auge- Hegten, sondern die fierten der Generalstaattkomm.sia- rictts die Retchsverfaffung zerjchlagen halten. Die F age der Verteidigung, warum Kahr das Verlangen der Reichs- rtgietung, die Reichsbefehlsgewalt wie-derherzusteilen. abgelehnt habe, beantwortet Kahr, wie d-'e ireifien Fragen, auf Grund des Amisgeheimniffes nicht. Kahr sagt weiter aus, in den Zetten, wo die wenigen nicht in Schutzhaft befindlichen Minister in Rezensbrirg waren, fei er Inhaber der ganzen Gewalt gewofeu und habe, wo keine Verbindung h'rzustcllen war, abe-n bie Entscheidungen treffen müssen. In der Nacht ccm 9. No. fember habe er mit Minister Mali 'elephon.fch nicht ge­nauer sprechen können wegen der Gefahr der llebctwa. chung der Telephonlesiungen. Auf Fragen der Verteidi­gung bekundet Kahr, er habe angenommen, daß das Direktorium auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfaffung geschaffen werde.

Am Mittwoch soll Oberst S e i f f e r vernommen unb dar Kreuzfeuer gegen Kahr fortgesetzt werden.

Seiner als Zeuge.

wtb München. 12. März. (Tel.) Heule vor­mittag wurde die Vernehmung des drillen H a u pk- zengen, des Pollzeiobersten v. Seiftet ausge­nommen. Der Zeuge, Ehef der Landespolizci in München, wird ebenfalls unvereidigt vernom­men. Zeuge betank einleitend, daß feit Errichtung des Generalstaatskommijjariaks ihm dis wichtige Aufgabe der Aufrechterhaltung der Verbindung mit den vaterländischen Verbänden oblag, deren Samm­lung zu nationaler Arbeit Kahr als eine feiner Hauptaufgaben betrachtete. Rachdem die ersten Kraftproben des Kampjüundes gegen den Staat am 1- Mai mit einem Fiasko desselben geendet hat­ten, trak eine gereifte Ernüchterung ein bis zu dem Deutschen Tag" in Rüf.berg, ourch den die Be­wegung wieder einen neuen Antrieb erhielt und die Führer in einen roaßlos steigernden Größen­wahn gehoben wurden. Während Kahr für Deutschland ein Reichsdirektorium erstrebte, woll­ten Hitler und Ludendorff ein Direktorium hillcr- Lndendorst. Er habe allmählich den Eindruck ge­wonnen, als ob hftter eine suggestive Wir­kung auf ihn aui-üben wollke. Minour und Lossow hätten versucht, Ludendorff in mäßigendem Sinne zu beeinflußen unb ihn zu veranlassen, auch auf Hitler mäßigend einzuwirkcn. Lndcndocff habe damals geüußer', er werde nichts unternehmen ohne vorherige Verständigung. Ende Oktober habe sich Dr. Weber nach seiner Ansicht sehr um ritte Eini­gung zwischen Kahr und Hitler bemüht. Zeuge betont, daß Ludendorss aus anßenpolllis-hen Grün­den völlig u n m o g l i sei. Die tinsfegen Sel­ber, stehen durchweg im Einklang mit den Aus- fagru Kührs und Lofjows.