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Mittwoch, 12. Mär, 1924.

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aetteudruckerei m Fulda.

2. Blatt.

Soziales.

= SS. vrilffcher ZSrforgetag. Km zweiten Verhand- imtgStage in Frankfurt a. M. beschäftigte man sich in -rei Borträgen mit der »künftigen Gestaltung der öffentlichen Jugendfürsorge". Echatzrat Dr. Hartmann, »annover sprach über Förderungen für die lande», rechtlichen Ansführungkbesttmmnngen zum Reichsjugend» jvoülfahrtSgesetz, Frau OberregierungSrat Dr. Baurn» Karlsruhe über die Durchführung des Gesetze» unter ländlichen und Direktor Schrautb»Darmstadt über die Durchführung unter städtischen Berhältniffen. In :$er Aussprache über die großangelegten Vorträge wur- pen die strittigen fragen scharf herauSgearbettet. Ein- Heitlich kam gum Ausdruck, daß die Amtsvormundschaft unter allen Umständen erhalten bleiben und vor allem in Len ländlichen Kreisen erhalten bleiben müffe. Mit großer Mehrheit sprach man sich auch für ein Z u s a m» menarbeiten der privaten mit der öffent­lichen Fürsorge au». Die private Fürsorge sei heute mehr denn je am Platze. Al» oberste Richt­linien in der Jugendfürsorge tritt mehr und mehr der Erziehungsgedanke hervor, und mehr und mehr setzt sich die lleberzeugung durch, daß vor allen anderen zweigen der Wohlfahrtspflege die Jugendfürsorge nach Möglichkeit vor den Hemmungen der Finanznot bewahrt bleiben muß. Die nächstjährige Versammlung de» Deutschen Fürsorgevereins findet voraussichtlich in Pünster i. W. statt.

Kur dem Nachbargebiet.

= Ueuenberg. Am nächsten Freitag, abends 8 Uhr, finde, in der Henning'schen Gastwirtschaft dahier eine Versammlung de» VolkSvereinS für das kath. Deutschland statt. Der bekannte DolkSredner Herr tzeminaroberlehrer Dr. W e n z wird in der Versammlung sprechen. Alle Männer und Jünglinge, sowie Frauen und Jungfrauen, sind an dieser Stelle nochmal» dazu herzlichst eingeladen. ES ist zu hoffen, daß die Ver- fiirnrnluna sich eines zahlreichen Besuche» erfreuen wird.

Hünfeld. Am Sonntag nachmittag hatten sich die Abgeordneten der Kriegervereine des Kreises Hünfeld imhotel Engel zu einer Tagung versam» vielt. Herr Amtsgerichtsrat Eckhard-Burghaun be- ;grüßte die Erschienenen. Die sehr wichtige Tagesord- intmg wurde schnell erledigt. Es wurde festgesetzt, daß für ein Mitglied 1 Mark an den Landeskriegerverband, 50 Psg. an den Kurheffischen Kriegerbund und 50 Pfg. an den Kreiskriegerverband im Jahre abzuführen sind. Im Laufe des Sommers wird wieder ein Kreiskrieger- Lerbandsfest abgehakten werden, das der Krieger- oerein Hünfeld, der in diesem Jahre sein Svjäh- riges Bestehen feiern kann, übernommen hat. Nach Erledigung kleiner Geschästsangelegenheüen wur­de die Versammlung mit einem kräftigen hurnch auf Wer liebes Vaterland geschlossen.

fius Geisa und Umgebung.

----- Docha. Die Ausgabe von Sonntagsfahr­karten nach Eisenach soll so ausgedehnt werden, daß vom 1. Mai ab auch solche von Vacha, Dom­dors, Kaltennordheim und Dermbach aufgelegt wer­den, sodaß ein reger Ausflugsverkehr nach der Wartburgstadt zu erwarten ist.

Rus Gberheffen und den hessischen Aemtern.

»Ziegenhain. Auf Grund des Alterspensions- sefetzes tritt der Vorsteher der hiesigen Strafanstalt, Derr Oberinspektor Stöbeneraml. April in den Ruhestand. Am 1. März trat der Statttdiener Heinrich Schindler, der 30 Jahre im Dienst der Stadt gestanden, in den Ruhestand. Sch. mit der Glocke unterm Arm gehörte zum Stadtbild. Sein Nachfolger wurde Hilfsaufseher Noll. Di« Bekannt­machungen durch die Stadtschelle hören am 1. April taif.

# Ziegenhain. Im nahen Leimsfeld wurde der Sohn des Landwirts Hoffmann von einem herren­losen frömden tollwütigen S)unb in den Ober­arm gebissen und wurde auf Anordnung des Kreis« medizinalrates Dr. Ebert zur Weiterbehandlung nach Berlin gebracht. Auch in anderen Orten wurden Personen von dem Hunde angefallen, ohne indessen verletzt zu werden: außerdem wurden auch Hund« «bissen und es ist nicht ausgeschloffen, daß die Hundesperre auf weitere 3 Monate verlängert wer­den muß.

* Treysa. Ihn die Fahrpvst von hier nach Merxhausen aufrecht zu erhalten, wurden von der Oberpostdirsktion Kaffel von den Gemeinden Merx- Hausen und Willingshausen 'monatllch 60 Mark Zu­schüsse gefordert. Herr Manus Ka tz, ein Veteran von 1866 und 1870-71, früher im benachbarten iNsuenham, jetzt in Wertheim (Westfalen) beging in größter Rüstigkeit in seinem alten Heimatsorte fei­nen 80. Geburtstag. Er wurde von feinen Wen Bekannten reich mit Geschenken bedacht.

Marburg. Eine bei Freidhof abgrhaltene Der» fammlunq deS Pferdezucktvereinr für den Kreis Marburg beschloß endgültig, mit dem am 27. März stattfindenden Frühjahrspferdemarkt eine Prämiierung zu verbinden. Für die letzter« sollen 18 Klaffen vorgesehen werden. Bei der Aus­sprache wurde von einigen Rednern ausgeführt, auch der Warmblut zücht wieder größere Aufmerksam­keit zu widmen, überhaupt daS bodenständige kur­hessische Pferd wieder mehr zur Geltung kommen zu lassen. Herr Dr. Sprenger von der Landwirtschafts- kammer in Kaffel hielt einen Dortrag überdie wichtigsten Warm- und Kaltbluttiere".

Einiges für die Muli.

Die Reifeprüfungen sind in diesen Tagen en der Ordnung. Die Abiturienten, dieThrii", wie sie der Sdäent nennt, bevölkern die Prome­naden und warten mit Schmerzen, daß man ihnen endlich das goldene Tor zur Freiheit öffne. Wie trennt ein jeder darauf, Herr Studiosus zu heißen. .Darf ich euch kurz einiges von den skchentifchen Körperschaften erzählen?

Wenn so ein lustiger Mulus die Alma Mater bezieht, dann fällt er schon auf. Ein Neuling in ihrem freien Reich. An der Türe nehmen ihn die sogenannten KeUkommissionen in Empfang; jede Möchte möglichst viele brauchbare Füchse ihrer Kör­perschaft zuführen. Wer da nicht im Silbe ist, was alle diese freundlichen Herren von ihm wollen, der tut gut, er informiert sich überall und läßt sich Einladen, damit er einen Einblick in die Gesellschaf­ten gewinnt. Ich will euch mal ein wenig helfen bei der Auswahl.

Wie ihr wohl wißt, ist »s katholischen Stu- oenten kirchlicherseits nicht gestattet, schlagenden Verbindungen beizutreten. Darum? fragt ihr. Ueberlegt einmal: Ist nicht das Duell eine vor- läßliche Körperverletzung, di« Mensur also eine Vor­übung hierzu? Die Worte von Mut, Willenskraft und Körperstählen sind gut. Zeige deinen Mut in ^esetzestreue deiner Kirche gegenüber es wird dir sicht oft zu laicht, dann weißt du, was du tu

Bauer und Arbeiter.

Ein Wort zur Verständigung von I. JooS, Mitglied des Reichstage».

Die Ueberschrist könnte auch lauten: Dauer und Der- braucher, oder noch allgemeiner: Die bäuerliche Bevöl­kerung und die Anderen. Denn wir reden hier nicht etwa bloß von bestimmten, wirklichen oder vermeint- lichen Gegensätzen der Jntereffen, sondern von B e t r a ch- tungsweisen und Anschauungskreisen, die einander entgegengesetzt sind. Darum ist die Frage, deren Lösung wir in heißem Bemühen immer wieder anzustreben uns verpflichtet fühlen, so unsagbar schw«. rig. Es handelt sich beiberfeits um Vorurteile, die im Saufe der Zeit geronnenes Blut geworden sind. Nicht Kriegserfahrungen und Erlebniffe der Nachkriegszeit haben die allenthalben fühlbaren Gegensätze geschaffen. Eie waren längst da. Sie haben in den letzten Jahren nur eine unerhörte Zuspitzung erfahren. Es ist Zeit, daß man ernstlich nach dem Rechten sieht.

Unsere Frage hat einen psychologischen Hintergrund. Stadt und Land reiben und stoßen sich von altersher Die Stadt will dem Land imponieren, beißt gegenüber der Landbevölkerung formale Dlldung und Feinheit heraus und matt so von sich ein Bild, auf das die Land- beoölkermig sich ihren eigenen Vers gemacht hat. Auf diesem allgemeinen Hintergrund spielen nun auch die Figuren Bauer und Arbeiter.

Der Landwirt, im Durchschnitt genommen, hält den städtischen Arbeiter für bequemlich, um nicht zu sagen faul und kennt ihn näher insbesondere von den bekann­ten Dettelgängen der letzten Jahre. In der städtischen Arbeiterschaft hinwiederum hat sich der Gedanke fest- gesetzt: Ein Dauer müffe eigentlich von Hause aus ärm- lich und in seinen Lebensformen bescheiden sein. Jeden­falls spüre ich, daß man dem Landwitt einen Lebens­habitus leicht übel nimmt, den man anderen Bevölke- rungsschichten ganz selbstverständlich einräumt. Don den gegenseitigen Vorwürfen der Geldgier, der Herzlosig- leit und des bodenlosen Leichtsinns wollen wir nicht reden. Auf beiden Seiten wird falsch gesehen. Der städtische Arbeiter arbeitet tatsächlich mehr und lebt ärm- kicher, als der Dauer auf dem Lande weiß und steht. Der Landmann unterschätzt in seinem Denken auch durch- aus die Schattenseite des Arbeiterlebens, gegeben durch das Einerlei der Alltogsarbett unter beständigem Zwang und Kontrolle. Nur hier und da, wenn der Bauer vom armen Schelm" in der Stadt redet, gibt er zu erkennen, daß er doch etwas davon nachfühtt. Der städtischen Arbeiterschaft muß dagegen gesagt werden, daß der Bauer den Besitz und den Reichtmn nicht hat, den man ihm zuspricht. Genau so wenig einheitlich und eindeutig, wie die Lage der Arbeiterschaft, so wenig ist sie es in der Landwirtschaft. Man muß also in jedem einzelnen Falle wohl unterscheiden.

Dor dem Kriege wuchtete auf dem bäuerlichen Besitz die Saft der Hypotheken. Der Bauer mußte stramm zufaffen und lief in seiner Wirtschaft immer großes Risiko. Verargen wir ihm nicht, wenn er dabei eine selbständige Haltung wahrte und sie verschloffen bei­behielt. In der Kriegszeit hielt sich der landwirffchast- liche Betrieb notdürftig. Die bäuerliche Bevölkerung lebte durchschnittlich besser als wir in der Stadt. Sollte sie schlechter leben? In den ersten Jahren der Rach- kriegszeit ergaben sich Erleichterungen durch die Um- Lagerungen und Verschiebungen infolge der Geldentwer­tung. Mit Unterschied, auch da rote bei anderen Stan- den hing es mehr ab vom spekulativen Spürsinn als von der sachlichen Arbeit. Aber im Ganzen genommen floffen der Sandwirtschaft Mittel zu, um ihren Betrieb wieder voll leistungsfähig zu. gestalten. Sie hat diese Mittel auch in ausgedehntem Maße dazu verwandt. Wir müffen das offen zugestehen und dürfen uns nicht durch Uebertreibungen von Cinzelfällen Irre machen lasten. Wir lehnen das Märchen von der Arbeiterfrau ab, die das teuerste Frühgemüse kaust, affo auch gerechterweise das Märchen von der bäuerlichen Familie mit den drei Klavieren. Die Hypotheken auf dem Sande konnten ab» gedeckt werden. Anderswo auch. Bergeff en wir nicht, daß bis Mitte 1922 die volle Zwangswirtschaft mit ihrem gebundenen Preis auf der Landwirtschaft lag, eine Auflage, die ein Sachkundiger in den Sozialistischen Monatsheften ungefähr der hypothekarischen Zinsenlast der Landwirte vor dem Kriege gleichsetzt. (Fritz Baade, Die deutsche Landwirtschaft nach dem Krieg, Soz. Man. 1923, 11. Heft.) Die Verkäufe im Schleichhandel konn­ten diesen Ausfall nicht wettmachen.

Die eigentliche Gewinnkonjunktur für unsere Land- wirtschaft lag zwischen August 1921 und Februar 1923. Sie war also kurz. In dieser Zeft waren die Erleich­terungen am fühlbarsten. Die Getreideumlage drückte zwar, aber sie war erträglich und der. Steuerdruck nicht besonder, stink. Trotzdem: keine übertriebene Dorstel- lung. Der landwirtschaftliche Betrieb schuldenfrei, Bo­den und Dich in leidlich gutem Zustand, Darvermögen wenig. Mit der Stabilisierung der Mark, schon mit der erstmaligen 1923 fand diese Entwicklung ein Ende. Die Preisverschiebungen zwischen den landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln (Düngemittel und Geräffchaften) und den landwirtschastllchen Produkten gestalteten sich immer un­günstiger. So ist in der Landwirtschaft eine Krise entstanden, die in den letzten Monaten derartige For­men angenommen hat, daß kein Mensch von Verstand sie mehr übersehen kann. Es fehlt an preiswerten An­geboten, die Händler haben kein Geld um zu kaufen, die Ladenpreise in der Stadt stehen zu hoch für die Konsumenten. Die Folge davon ist: der Dauer behält seine Produtte, wird sie nicht los, das Vieh steht auf Kosten, Kunstdünger und sonstige Bedarfsartikel können nicht enffprechend angeschafft werden. In diesem un­glücklichen Zettpunkt setzten Steuern ein mit horren­den Vorausbezahlungen, zu denen die Barmittel nicht

vorhanden sind. »Der Bauer greife kn die Substanz, wir haben sie bereits geopfert!" tönt es aus Kreisen der Arbetterschast und des Mittelstandes. Was heißt das? Derschleuderung der landwirtschaftlichen Substanz ist ein Volksschaden, ist Verschleuderung von Volksgut. Der Weg ist nicht gangbar. Kredite sind nicht da, es fehlt an Kreditgebern, an Geld. Unsere heutige Sage ht Deutschland ist eben dadurch gekennzeichnet, daß wir keine oder zu geringe flüssige Kapitalmaffen haben, die nur aus Ersparnisten kommen können. Die Rentabili­tät des landwirtschaftlichen Betriebs ist heute auf Null gesunken. Das läßt sich zahlenmäßig Nachweisen. Damit droht die Krise eine geradezu katastrophale Wendung zu nehmen. Die Fortführung der intensiven Betriebs­weise ist in Frage gestellt. Was aber der Bauer dem Boden oorenthält ober wegen Mangels an Mitteln ihm vorenthalten muß, das ist der städtischen Bevölkerung, ist uns allen vorenthalten.

So ist die tatsächliche Sage zurzeit. Die Klagen unserer Landwirte sind berechtigt. Wir müffen sie hören und ernstlichen Willen bekunden mitzuhelfen an ihrer Beseitigung.

Es ist zwar nicht leicht, in den Masten 6er städtischen Arbetterschast unter den Nachwirkungen der eingangs gekennzeichneten Sage Verständnis für die Maßnahmen zu finden, die jetzt notwendig sind. Unmöglich ist es nicht. Man kann in der Stadt so schwer vergesten, wie auf dem Land. Naturgemäß haben sich die Erleb- niste der letzten Jahre in den zerrütteten Gemütern tie­fer eingegraben, als das ht normalen Zetten der Fall war. Man fft gereizt hüben und drüben. Wir müffen allemal vergesten und uns angewöhnen, nicht mehr zu­rückzuschauen. Dolkswirtschaftspolitik und das ist Sandwirffchastspolttik im eminenten Sinne des Wortes kann nicht aus der gereizten Empfin- düng, noch weniger aus irgend einem Rachegefühl her- aus gemacht werden. So sprechen wir zu unseren Ar- beitern, zu denselben, die bei den Zolltarifen 1903 sehr wohl begriffen hatten, um was es sich handelt und sich durch kein Schlagwort irr«^ machen ließen.

Nun gift es eine Formel zu finden für die Heu- tige Sachlage. Unsere Landwirte müssen rentier» liche Preise haben. Gut. Aber es ist bei der heu- tigen geschwächten Kaufkraft nicht möglich, über den Friedensstand hinauszugehen. Das wolle man wohl be­denken. Wtt fühlen zwar, daß die Masten der Lohn- und Gehaltsempfänger nur auf eine gewisse begrenzte Uebergcmgszett bei dem heutigen Minimum verbleiben können, wtt sehen aber noch keine Sicherheiten zu besten Ueberrotnbung. Die Einfuhrventile dürfen nicht so geöffnet werden, daß sie gegen den deutschen Bauer wirken. Das kann niemand wollen. Hier liegt die Stuf­gabe ht der Bekämpfung verteuernder Zwischenstellen zu imgunften des Konsumenten. Wir haben heute noch eine Aufblähung int Zwischenhandel. Es fft unmöglich, die doppelte Anzahl von Existenzen gegen friiher durchzuschleppen bei vermindertem Warenquan- tum. 3m übrigen würde uns eine freie Einfuhr nichts nützen, wenn die Jmporttrusts uns den Nutzen vom Munde wegnähmen. Die wirtschaftliche Uebermachi- strllung der Trusts und der Kartelle muß zerschlagen werden. Das liegt auch ttn Interesse der Landwirtschaft. Alles, was dazu dienen kann, den Kredit wieder zu gesunden, dient auch der Landwirtschaft. Ein Hindernis ist der hohe Zinsfuß der Danken, ein Rückstand aus der Inflationszeit. Die Förderung der nationalen Wirt- fchaft als Programmpuntt findet bi» in die Reihen der sozialistischen Arbeiterschaft hinein keine Gegner. Wtt misten, daß Deutschland wett stärker von den Erträgen der einheimischen Landwirtschaft leben muß, als man gemeinhin weiß und annhnmt. Das wird auf abseh­bare Zett so bleiben.

Dauer und arbeitet find keine Gegensätze. Sie gehören enger zusammen als man glaubt. Sie leben von einander. Diele unserer städtischen Arbeiter stam­men aus dem Urgrund des Bauerntums, vorn Land. Warum sind beide Teile nicht näher zufammengekom. men? Warum entwickelten sie sich im letzten Jahrzehnt auseinander? Die Frage soll hier nicht erschöpfend be­handelt werden. Nur ein« Andeutung möchte ich an- bringen: Der Prozeß, der gegenfettiges Verstehen und Ausgleich, ja gegenfettige Förderung will, ist längst eingeleitet Wenn wir so langfam vorankommen, dann liegt es an Störungen außerhalb unserer Macht. Ganz unstrettig liegt se auch wohl an der Führung mancher landwirffchastlicher Organisationen, deren ein­zelne Vertreter nicht immer die glücklichste politische Orientierung und entsprechende Worte fanden. Aus Re» bet dieser und jener hervorragenden Persönlichkeiten an der Spitze solcher Drganifationen haben wir mitunter Wortprägungen gehört, die aus die Herausarbeitung des Gegensatzes statt der Versöhnung hinauszugehen schienen. Um mich ganz kurz auszudrücken: Ich sehe nicht ein, warum die ländliche Bevölkerung in einen bewußten Gegensatz zum heutigen Staat und zur heutigen Der- faffung hineingeführt werden soll. Ihre wohlverstan­denen Interessen sind nicht identisch mtt einer solchen politischen Einstellung. Wo immer sie in Führerperfön- lichkeiten der bäuerlichen Organisationen zu Tage tritt, wirkt sie statt ttn Sinne wachsenden Verständnisses im umgekehrten Sinne. Wer hat ein Interesse daran, daß dem so ist oder daß in diesem Sinne weiter fortgefahren wird? Niemand. Wenn wtt zu einem dauerhaften und gesunden Verhältnis zwischen Dauer und Arbetter, zwi­schen Stadt und Land gelangen sollen, bann geht es wohl nicht anders, als daß wir auf der politischen Linie uns einigen, die wir die Zentrumslinie nennen. Und alle störenden Schleier, die immer wieder das wahre Bild verhüllen, müffen weggezogen werden.

tun und auch zu taffen hast. Die Schlagenden haben wir kurz besprochen, die Korps, Landmannschaften, Burschenschaften, Turnerschaften u. a. m. Aber ihr könnt sie euch erst selber ansehen, sonst meint ihr am Erch«, ich wäre befangen.Wingolf" fft auch em schöner Verband, aber mehr zur religiösen evan- geüschen Seite «eigend.

Von den katholischen großen Verbänden nenne ich euch nur die drei, den C. B. als farbentragenden, U. V. und K. D. als nicht farbentragende Verbände, die zwar getrennt marschieren, aber vereint schlagen, wenn es gilt. Religion, Wissenschaft, Freundschaft sind ihr«' Leitsterne. Wer diese drei Dinge ehrt, der liebt auch sein Vaterland mit ganzer Seele. In jeder Musenstadt findet ihr ihre Vereine. Don den schmucken Dereinshäusern wehen euch stolz ihre Danner entgegen, den Frohsinn verkündend, der in ihren Mauern herrfcht. Wenn chr da einmal einen Blick hineingeworfen habt, bann werdet ihr euch gleich zu Haule'fühlsn. Es kommt nun noch darauf an, ob ihr Farben tragen wollt. Das will ich hier nicht entscheiden. Darüber gibts zwei Meinungen. Hier salü ihr lelbsst wählen.

Dhr habt doch nicht etwa die Absicht, garnicht aktiv zu werden? Das ist heute, wenn nicht in jeder Weise, so doch jedem möglich Von welchem er­zieherischen Wert ist es, ein kraffer Fuchs zu sein, der von Freunden auf seine Fehler aufmerksam ge­macht wird und langsam seine tollen Launen in wohlbedachtes Handeln umstellt? Wer nicht aktiv werden will, der kann sich auch nicht unterorvnen, weil er nicht will. Wer nicht gehorchen kann, kann nicht befehlen, und beides muß beizeiten gelernt sein. Bedenkt nur die kleineren Vorteile einmal. Ihr seht gleichgesinnte Kameraden, die euch bald Freund werden, habt ein Heim, könnt euch Auskunft über das Studium, manche drückende Frage holen und mit Frohen froh fein. Eure Richtlinien fürs Leben inü euch damit gegeben. Wenn ihr die streng be- olgt so werdet ihr Männer werden, die für deut» ches Volk und deutsches Wirken schaffen können zu deutschem Wohle. Zieht ihr noch Semestern bann als bemooste Burschen aus, vergeßt nicht, was ihr eurem Bunde schuldig seid, und denkt an die, die ihr wiederum mit Won und Tat für diesen warben könnt.

vermischtes.

* Der rollende Felsblock. Don den im Erker» tal des Harzes bei Rabenklippen gelegenen Haus» mannsklippen, einer der interessantesten Felsengrup» pen des Erkertales, löste sich ein großes Stuck Gestein ab und rollte den Erkerhang hinab in den Erkerstutz. Aus dem Wege drückte der Koloß, alles, was ihm entgegentrat, zu Boden, feine Spur zeigt das Bild einer ausgehauenen Wa ldschneife. Das Gewicht dieses Felskolosses schätzt man au# 300400 Zentner.

* Der Tod im Blindgänger. Auf der Gemar­kung Polchow (Pommern) war ein sogenannter Blindgänger, ein Minengeschoß, aufgefunden wor­den. Der Fund wurde vorschriftsmäßig gemeldet und ein Militärfeuerwerker erhielt den Auftrag, das Geschoß unschädlich zu machen. Dabei frepierte die Mine vorzeitig. Der Feuerwerker und der Bauernhofsbesitzer Gustav Olwig, auf dessen Feld der Blindgänger gelegen hatte, wurden durch Sprengstücke getötet.

* Handel tnif Doktorkileln. In Venedig wurde der ruffifche Professor Pietritsch verhaft tet, der einen schwunghaften Handel mit Doktor- titeln der Universität Los Angelos in Kalifor­nien betrieb. Der Hochstapler, der wegen gleicher Betrügereien aus der Schweiz ausgewiesen worden war, machte glänzende Geschäfte nach allen Län­dern, auch nach Deutschland. Sein Verdienst war fo bedeutend, daß er sich in Venedig zwei Dillen im Wert von über einer halben Million Lire kaufen konnte.

* Der sonnigste Ort der Erde ist Calama in Chile. Dort wurde in einer Höhe von 800 Metern über dem Meere eine Sonnensternwarte errichtet, die dem Studium über Schwankungen der Sonnen­strahlen dienen wird. Der Ort liegt 22 Grad süd­liche Breite, hat eine Mitteltemperatur von 17 Grad Celsius und weist fast keine Wolkenbildung auf. __

Kunst und Literatur.

= ver Nachfolger Wölffl ins. AI» Nachfolger des Kunsthtstortkers an der Münchener Universität, Geheimrat Prof. Dr. Wötfflin, ist Prof. Dr. Max Hautmann, Professor an ber Universität Rostock vom Kultusministerium berufen worben.

Sottesdienftordnung.

Mittwoch, 12. März. Stadtpfarrkirche. 5 Uhr Kreuzwegandacht.

Frankfurter Dorfe.

Die Dotierungen oerfteben stch In Billionen Prozent.

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18,6

8,3

8,8

21,25

20,0

20,0 "

19,0

8,6

8,5

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7,0

7,0

5,S

5,

2,25

2,1

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17,0

4,0

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18,9

3,5

3,253

26,8

23,5

14,1

12,25

Mißfarb. Zähne

entstellen bas schönste Antlitz, übler Mundgeruch rott« ab» stchend. Beide Übel werden sofort in vollkommen unschädlich« Weste beseitigt durch die bewährte Zahnpastt Chiero4QBta