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Einzelnummer 10 Pfennig.

FuldaerZettung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

fir. 61.

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BernaSvrelS: Mono« Mär, 1.80 Feldmark.

Mittwoch, 12. MSrr 1924.

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51. Zahrg.

Der Kusklang des Reichstags. Die Schwierigkeit, den richtigen Wahltag zu finden.

In der Reichstagssitzung am Montag wehrte sich Außenminister 2r. Stresemann energisch gegen perfide Angriffe auf seine persön­liche Ehre. Es sprachen die Abgeordneten Dr. Düringer (Bolkspartei), der bekannte Vor­kämpfer der restlosen Aufwertung, Scheide» mann (Soz. ging mit Akten gegen die Dolchstoß­legende vor, D e g l e r t (Deutsch».) trat für Luden­dorff ein. Dienstag Weiterberatung und Gold­diskontbank. j

Der Tag der Neuwahl.

Die Auflösung.

Reichskanzler Dr. Marx hatte eine Besprechung Mit den Führern der vier Negierungsparteien. Dabei ergab sich, daß das Kabinett und sämt­liche Regierungsparteien völlig einig finb darüber, daß dieAuflösungdesReichs- tags noch in dieser Woche erfolgen muß, fcmer darüber, daß ein m ö g l ich st früher Dahltermin in Aussicht zu nehmen sei, wobei jedoch Rücksicht darauf genommen werden 'müsse, daß die Wahlen im besetzten Gebiet längere Zeit fit Vorbereitung beanspruchen.

Nachdem dieser WillezurAuflösung fest- bestellt ist, dürften die genannten Parteien nach Er­ledigung des Notetats und des Golddiskontbankge- fches bei Beginn der Beratung der deutfchnationalen tnti) sozialdemokratischen Anträge aus Aushebung bezw. Abänderung einiger Notverordnungen den Heber gong zur Tagesordnun g beantra­gen. Dieser Antrag würde ab gelehnt werden und die Regierung würde dann zur Auflösung des Hauses schreiten.

Es ist demnach wahrscheinlich, daß der Reichs­tag am Donnerstag feine Tagung beschließen wird. Die Formulierung des Antrages der Koa- ütionsparteien steht noch nicht fest. Es wird zur Zeit darüber beraten.

Aus dem Reichstage wird uns mitgeteilt:

Die politische parlamentarische Lage hat sich durch das Verlangen des Reichsbankpräsidenten, das Golddiskontbank-Projekt noch von dem gegen­wärtigen Reichstag erledigen zu lassen, eine erheb­liche Aenderung erfahren. Es wird jetzt nicht mehr möglich sein, den von der Regierung und der Mehr­zahl der Parteien in Vorschlag gebrachten Termin des 6. April für die Neuwahlen festzuhalten. Das geht um deswillen nicht, weil bis dahin die ver­fassungsmäßigen Fristen, namentlich bezüglich der Listeneinreichung nicht gewahrt wer­den können. Der 13. April ist deshalb untunlich, weil von evangelischer Seite gegen diesen Tag als einen Konfirmations-Sonntag Einspruch erhoben worden ist. Der Palmsonntag wird na­mentlich auf dem Lande als Konfirmations-Sonn­tag gefeiert, während in den Städten teilweise ver­schiedene Termine dafür in Frage kommen. Aber es ist nur selbstverständlich, daß solchen Einwänden der evangelischen Mstbürger st a t t g e g e - den wird.

Am 20. April ist dann das Osterfest. Am 27. April ist der W e i ß e n s o n n t a g, für den die­selben Gesichtspunkte vom katholischen Stand­punkt aus gelten wie für den Palmsonntag von evangelischer Seite. Es käme dann der 4. Mai. Aber auch dieser Termin ist, da an ihm die preußi­schen Ko mMunalwahlen stattfinden sollen, nicht angängig. Es wird in allen politischen Krei­sen als untunlich angesehen, die preußischen Kom­munalwahlen, bei denen es doch vorwiegend um lokale Dinge geht, zu verknüpfen mit den Reichs­tagswahlen, die unter großen politischen Gesichts^ punkten stattfinden sollen. Der dann folgende Sonntag, der 11. Mai, kommt wiederum nicht in Frage, weil an diesem Tage die s ran z ö si scheu Kammerwahlen stattfinden sollen. Nach der französischen Verfassung hat die Kammer zum 1. Juni zusammen zu treten. Es ist wohl schon er­wogen worden, eine Verfassungsänderung in Frankreich durchzusetzen, so zwar, daß die französi- Mn Wahlen erst nach den deutschen stattfinden. Wenn auch die Kammer für einen solchen Plan zu jaben wäre, so würde doch nach allen unseren In­formationen der französische Senat nicht für eine Verfassungsänderung aus diesem Anlaß zu haben sein.

Es bliebe danach als nächstmöglicher Termin tat­sächlich erfty>er 18. Mai. Tausenderlei Gründe sprechen ganz sicherlich g-gen die Hinausziehung der Neuwahlen, denn es ist gar nicht abzusehen, was bei einem neunwöchentlichen Wahlkainpf werden wll. Aber dis Verhältnisse liegen so unglückselig, daß man kaum anders verfahren kann. Es ist jeden­falls gar nicht abzusehen, wie bei Einhaltung der -oelsassungsbestimmung, daß nur an einem Sonntag yte Reichstagswahlen vorgenommen werden dür­fen, man anders zu Wege kommt. Trotzdem wird aber an einer Verfassungsänderung auf ande- rem Gebiete nicht vorüberkommen. Der neue Reichstag muß nämlich nach den verfaffungsrecht- nchen Bestimmungen innerhalb 60 Tagen nach der Auflösung des alten gewählt fein. Diese Frist würde Wer nidjt eingehakten werden können bei einem Wahltermin am 18. Mai. Man prüft daher tat- lachlich in der Reichsregierung und in den Parteien, N» nicht durch em verfassungsänderndes Gesetz die spanne für den Zusammentritt des neuen Reichs­tes von 60 Tagen auf 90 Tage verlängert wird. । « ist in der Tat ein geradezu abnormer und in

höchstem Grade peinlicher Zustand, daß in dem­selben Augenblick, in dem so ziemlich Einmütigkeit darüber besteht, daß dieser alte Reichstag so bald als Möglich zu verschwinden und einem neuen Platz zu machen hat, noch eine Verfassungsänderung ernsthaft erwogen werden muß, derzufolge der Reichstag noch in feiner Lebensdauer künstlich ver­längert wird!

Aber auch bezüglich des Wahltermins im Mai steht noch nichts Endgültiges fest. Es dreht sich tatsächlich alles um dis Frage der französischen Wahlen. In Frankreich hat sich die politische Situation in Verbindung mit dem Franken- sturz außerordentlich verschärft. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß Frankreich doch eher zur Wahl schreitet, besmiders wenn, was absolut im Bereich der nächsten EMwicklung liegt, die Entwertung des französischen Franken stch iveiterhrn sturzartig fort- setzt. Sollte das der Fall sein, dann würde auch in Deutschland früher gewählt werden, aber auch nicht vor dem 4. Mai. In diesem Falle würde bann eine Verlegung der preußischen Komm'malwahlen stattfinden. Bei den Parteien herrscht jedenfalls allgemein dis Ueberzeugung, den W a h l k a m p f nach Tunlichkeit abzukürzen.

Der SachvsrftaMgenherlcht fertig.

wtb Paris, 11. März. (Tel.). Das Sachvsr- ständigenkomikee Dawes ist gestern nachmittag ;u- fammengekreken, um verschiedene Fragen über das beiüf^e Budget zu prüfen. Ferner legte cs die Form fest, in der der endgültige Bericht abgefahk werden soll.

Das belgische Kabinett ist durch The», nis neugebildet. Ls will sich am nächsten Dienstag der Kammer vorslellen.

öus -er Pfalz.

wtb Speyer, 11. Marz. (Tel.). Die von der Rheinlandkommission zur Prüfung der Pscäzfrage gewählte Sonderkommissiou ist im Laufe des gestrigen Tages hier eingeiroffen und wird ihre Sitzungen in den heutigen Vormittagsstunden auf- nehmen.

♦

In Ludwigshafen befürchtet man einen neuen separatistischen Vorstoß unter dem Er­werbslosenführer Sun z. Die Kunz-Leute wollen die öffentliche Macht erneut an sich reißen.

Die „Kleine“ GoldbanL.

Von einem besonderen wirtschaftlich pol. Mitarbeiter.

Die jetzt zur Verwirklichung kommende Gold­bank stellt sich gegenüber dem Problem der „gro­ßen", also der eigentlichen Goldwährungs- oder Goldnotenbank als die viel beredte „kleine" Eold- bank dar. Man hat aber auch davon Abstand ge­nommen, sie, wie das vielfach geschah, als Gold- kreditbank zu bezeichnen, sondern die offizielle Bezeichnung lautet nunmehr Gold bist ont bank.

Man kann nicht verschweigen, daß die jetzige Lösung weniger bringt als man anfänglich erwar­tete. Weniger vor allem hinsichtlich der ausländi­schen Beteiligung, aber auch bezüglich der laufenden ausländischen Mitarbeit. Die ausländische Beteili­gung wird in effektiver Hergabe von baren Kapitalien nicht bestehen. Die Bank selber wird nur mit deutschen Kapital errichtet und zwar mit 200 Millionen Goldmark, von denen die Hälfte die Reichsbank gibt, während die andere Hälfte von einem Bankkonsortmm aufgebracht werden soll. Aus Grund dieser 200 Millionen Goldmark werden Banknoten in Höhe von 100 Millionen Mark aus­gegeben. Es handelt sich also auch bei dieser Kredit­bank in gewissem Umfange um eine Notenbank, doch sollen diese Noten nicht für den allgemeinen Verkehr, sondern für den inneren wirtschaftlichen Bedarf zur Verfügung stehen.

DieBeteftigung des Auslandes besteht eigentlich weniger in der Bereitstellung von flüssigen Gold- kapitalien, als vielmehr in der Gewährung von Krediten. Natürlich werden diese Kredite wieder in bare Gelder umgesetzt und das geschieht dadurch, daß die von der neuen Bank begebenen Wechsel rediskontiert werden. Das ist allerdings eine außeroichenüiche Erleichterung, eine starke Rückendeckung durch ausländisches Kapital. Auf diese Weise wird das deutsche Produktio-Dermögen vermehrt, ohne daß die bestehende Währung durch Kredite in Anspruch genommen wird. Es ist also die Gefahr vermieden, daß durch die Erhöhung der Kredfte eine, Erhöhung des Goldumlaufs eintritt und damit die Gefahr der Inflation erwächst.

Um den vorwiegend englischen Kreditgebern entgegenzukommen, hat man sich dazu verstanden, das neue Kapital und auch die neuen Noten aus englische Pfund-Währung auszustellen. Mit dieser Maßnahme soll auch gleichzeitig die internationale Dertrauensbasis geschaffen werden. Nach innen hat diese Maßnahme den Zweck, die zurückgehaltenen Devisen flüssig zu machen und in den auf englische Valuta lautenden Wen Devisen-Zer'tifi- kate bereitzustellen. Auf diese Weise we-den die wirklichen Devffen dem Produktionsprozeß wieder zurückgegeben werden formen.

Im wesentlichen handelt es sich also bei Reser kleinen Goldbank um eine Devisenbank, dazu

bestimmt, die Wirtschaft produktiv zu erhalten. Mit der Währung und ihrer Stabilisierung hat diese Bank an sich nichts zu tun. Freilich ist sie eine starke Stütze für die deutsche Mark, da der Druck auf der Rentenbankbasis nicht 'mehr so schwer lasten Mrd, als das jetzt bei der Drosselung der Kredfte der Fall war.

Trotzdem darf man sich von der jetzigen Neu- schövfung keine wirtscha flieh en Wunder erwarten, das Ziel zu einer endgültigen Lösung un­serer Wirtschafts- und Währungsfrage ist und bleibt die große Eoldnotenbank, die eigentliche Währungs­bank, gegen die aber doch im Augenblick noch zahl­reiche Hemmungen vorliegen.

*

Die gesetzlichen Bestimmungen über die Eslddirkontbank liegen nunmehr dem Reichstage vor. Der Gefetzemwurf bestimmt grundlegend, daß der Golddiskontbank das Recht der Notenausgabe verliehen wird, und daß dieses Recht während des Bestehens der Golddiskontbank auf diese und die bisher schon bestehen­den Notenbanken beschränkt bleibt. Die Bank wird ver­pflichtet zur Einlösung ihrer Noten mit 50 Proz in Gold oder kurzfristigen Devisen. Die Laufzeit der Wechsel der Bank wird auf höchstens drei Monate be­schränkt. Sonst bestehen für die Wechsel der Gold­diskontbank dieselben Borschriften wie für die Reichs­bankwechsel. Die Noten der Golddiskontbank sind sofort in Berlin einlösbar. Weiter ist die Golddiskontbank verpflichtet, ihren Diskontsatz öffentlich bekannt zu geben. Das Privileg der Notenausgabe wird auf 10 Jahre fest­gesetzt. Ferner sindet sich die sehr wichtige Bestimmung, daß von der Golddiskonlbank keine Kredite an Reich, Staat, Gemeinden und öffentliche Organe gewährt werden dürfen. Dis Derwaltuna der Ban? wird durch die Reichsbcrnk ausgeübt und für die Golddiskont­bank wird wieder das Bankgeheimnis eingeführt.

Die Golddiskontbank wird in derselben Weife wie die Rentenbank und die Reichsbank von allen Steuern befreit. Für ihre Dividendenscheme kommt auch Die Kapitalertragssteuer nicht in Anwendung. Weiter wer­den der Bank dieselben Erleichterungen eingeräumt ge- genüber den Devisenvorschriften, die die Reichsbank genießt.

Die Aktionäre der Golddiskontbank haben Anspruch auf eine jährliche Dividende von 8 Proz. Wird diese Dividende in einem Jahre nicht erreicht, so ist dw Differenz im nächsten Jahre nachzuzahlen. Uebersteigt der Reingewinn der Golddiskontbank den vereinbarten Dioidendcnsatz, so sind 50 Proz. dieses Heber» schusses abzuführen. Das Reich erhält diele Gewinn- beteiligimg für die Verleihung des Rechts der Noten, ausgabe.

Sehr wichtig ist, daß diese Bank in ihrem Aus­bau und in 'ihrer Verwaltung vollständig d e u t s ch ist. Die Kontrolle wird einzig und allein von der deutschen Reichsbank ausgeübt, und gegen­über den ausländischen Kapitalgebern sind nur be- stimmte Berichte zu erteilen. Die Dank selber wird in Deutschland ihren Sitz haben, auch das Kapital wird in Deutschland deponiert sein. In diesen <>u* geständnissen darf man gewiß auch einen recht star­ken Beweis für das Vertrauen, das man dem deut-' scheu wirtschaftlichen Schaffen entgegenbringt, sehen, zugleich aber auch einen Ansporn erblicken, auf der geschaffenen Grundlage rastlos weiter zu arbeiten. Denn diese Bank ist ja nur der erste Schritt auf dem Wege, unser eigenes Kapital durch Hinzunahme von ausländischem Kapital zu ver­größern, um auf diese Weise der großen Gefahr auszuweichen, die eine Erweiterung der Renten­bank-Kredite für die gesamte deutsche Währung haben müßte.

8a||ow, Ahr und der Muchener Hochverrat.

Der Moniog war im Münchener Hochverraisprozeß gegen Hitler, Ludendorff und Genoffen ein Tag beson­derer Spannung. Zu Beginn der Sitzung verliest der Dorsitzende eine Erklärung des Reichsjustizministers Dr. Emminger, der bekanntlich ein Bayer ist, zum Fall: „Unteroffizier Ebert".

In der Erklärung ist u. a. gesagt: „Zu der Ver- affentlichung des Hauptmanns Funk wird festgestellt, daß der genannte Unteroffizier Ebert nicht ein Neffe des Reichspräsidemen ist. Bon den drei Söhnen des Reichs­präsidenten sind zwei gefallen, während der dritte, der noch in Frage kommen könnte, zu der fraglichen Zeit schwer verwundet sich in einem anderen Frontabschnitt befand."

Nach einigen längeren Darlegungen der Verteidiger sagt der Vorsitzende: „Ich bitte Exz. v. Lossow ijemn» zurufen." v AS «Mi.

General v. Lossow.

Bei diesen Worten legte sich plötzlich die Unruhe, die bis dahin im ganzen Saal geherrscht hatte. Totenstille trat ein und alle Blicke richteten sich auf die Saaltür, durch die in langsamen gemäßigten Schritten die hochgewach- sene Gestalt des ehemaligen Führers der siebenten Divi­sion, Generalleutnants Otto v. Lossow, her- eintrat General v. Lossow, der im Cutaway erschien, trat mit unbeweglicher Miene, und ohne sich um die Ange­klagten zu kümmern, in die Mitte des Saales vor den Richtertisch.

Bors.: „Sie sollen hier als Zeuge vernommen wer­den. Die Bedeutung der Zeugnispflicht ist Ihnen wohl bekannt. Sie werden zunächst unbeeidigt ver­nommen, weil für Sie durch Ihre Anwesenheit bei den fraglichen Vorgängen eine gewisse Beteiligung in Frage kommt, und weil nunmehr ein Ermittlungsver­fahren gegen Sie schwebt. Ich mache Sie daraus auf. merksam, daß Sie das Recht Haden, auf alle Fragen die Antwort zu verweigern, durch die Sie sich unter Umstän­den selbst eines Vergehens bezichtigen können. Wollen Sie Ihre Angaben machen?" — v. Lossow: „Jawohl." — General v. Lossow (der mit lauter und fester Stimme spricht): Ich bitte zunächst eine Erklärung ab- gebcn zu dürfen. Was hier in den letzten 14 Tagen ge­sagt worden ist, habe ich in den Zeitungen gelesen. Ich war seit dem Sommer 23 von befreundeter Seite aus dein Norden orientiert, daß man die Rettung aus den immer unmöglicher werdenden Berhältnisien von einem Direktorium erhoffte, das die Zügel der Regierung ergreifen sollte. Dieses Direktorium sollte rechtseingestellt, rein national, mit diktatori- 'chen Vollmachten ausgerüstet und unabhängig von parla­mentarischen Einflüssen und Hemmungen fein. Auf drei Vorbedingungen habe ich immer hingewiesen: 1. Die Männer dieses Direktoriums mußten gefunden und e i n- verstanden fein, dieses Amt zu übernehmen; 2. das Programm für das Direktorium mußte nicht nur in ne­belhaften Umrissen bestehen, sondern es mußte gründ­lich durchgearbeitet sein, so daß in dem Augen­blick, in dem das Direktorium die Zügel ergriff, sofort Positives geschaffen werden konnte; 3. mußten die Per­sönlichkeiten für das Direktorium die absolute Ga­rantie dafür bieten, daß die Reichswehr gesch! os- s e n hinter dem Direktorium stand. Darin stimmten Kahr, Seißer und ich Überein. Auf dieses Programm bin haben Leute, die in politischen Versammlungen den Mund nicht weit genug aufreißen konnten, deren Können mit ihrem Wollen nicht in Einklang zu bringen ist, und deren Triebfeder nur politischer Ehrgeiz ist, das Schlagwort vom

„Marsch nach Berlin" geprägt. Dieses Schlagwort, mit dem in vaterländischen Versammlungen und in der völkischen Presse Propaganda gerieben wurde, hatte für mich etwas Kindliches. Cs spricht aus ihm ein Mangel an Verantwortlichkeit und Einsicht.

Lossow verbreitet sich dann eingehend über den Kon­flikt Bayern—Reichsregierung, der unter dem Schlagwort „Der Fall Lossow" viel Lärm gemacht hat. Den Fall politisch zu erledigen, war nicht gelungen. Am 20. Okto­ber erhielt ich Befehl, zurückzutreten. Ich war stets be­reit, mein Amt niederzulegen. Ich hab- nie volitischen Ehrgeiz besessen und nur durch die Derhällnisse, ganz -regen meinen Wunsch, bin ich in den Vordergrund der Politik gerückt worden. Ich habe niemals den Wunsch gehabt, die Porck-Spielerei mitzumachen, und für mich war meine politische Tätigkeit ein Martyrium bis zum letzten Tage. Es ist falsch, die Inpflichtnohme der Truppen als Rebellion zu bezeichnen. Das ist ja in diesem Prozeß bis zum Ueberdruß behauptet worden. Vor Tisch las man es in der völkischen Dress- aller­

dings anders. Da war man der Ansicht, daß ich gm nicht anders handeln kannte, als ich es getan habe. (Mik erhobener Stimme): Aber dis 7. Division besteht n t chl aus chinesischen Kulis, die vom Reich bezahll werden, sondern aus bayerischen Landeskindern, die grr» deutsch und gut bauerffch sühlen. Eines ohne das ander« ist nickt möglich. Durch Zeugen kann ich beweisen, daß ich fest entschlossen war, sobald dieser Konflikt bereinig-, war, an mir selbst Harakiri zu verüben, d. h.. daß iff verschwinden wollte.

Hitler und Losfow.

Lossow legt seine Beziehungen zu Hstler dar, mit dem er immer nur in Gegenwart eines Zeugen spre­chen wollte, während Hitler Unterredungen unter vier Augen vorzog. Bei einer Unterredung im Oktober, er« klärte Hitler im Gerichtssaal, hätte ich gebrochen oder geknickt dagejessen. Das ist sein Eindruck gewesen. Man konnte aber auch folgenden Eindruck haben, den nämlich, daß General Lossows Geduld erschöpft war, und daß er es zwar nicht sagen, aber durch feine; Haltung ausdrücken wallte: Ich habe genug! Tat man Hitler seinen Willen, so war alles gut, konnte man dos nicht, so war man eben unten durch. Im Oktober, nach Erledigung der Ruhraktion, tarn Hitler wieder zu mir, weil er glaubte, die Zeit für seine Pläne sei ge­kommen. Hstler, der vorher bei seinen Unterredungen nichts für sich verlangt hatte, war jetzt nicht mehr der selbstlose Mann, für den er sich anfangs ausgegeben hatte. Hitler hielt sich für den „deutschen „Gambetta", und feine Umgebung, die das Erbe von Süd-Byzanz an getreten, hielt ihn für den

deutschen Messias.

Cs entstand in Hitler der Plan, die Reichsdlktatur Hitler-Ludendorff zu errichten und von Mün­chen aus Deutschland zu sanieren. Dieses Programm eMwickelte er und suchte mich zu gewinnen. Ludendorff werde die Reichswehr mstreißen; die Generale, so meinte er, lebten an der Futterkrippe und hiel­ten sich an Seeckt. Vam Major abwärts sei alles für Ludendorff. Ich habe lächelnd abgelehnt. Ich bin doch fein berufsloser Komitatschi, der glaubte, durch einen Putsch zu neuen Ehren oder Würden kommen zu können. Hitler glaubte, daß ich auf Grund des Kon­fliktes mit Berlin seinen Plänen geneigt sein würde. Er fetzte bei mir einen Ehrgeiz voraus, den ich nicht hatte, und er wollte nie glauben, was ich ihm oer-. sicherte, es falle mir leicht, in der Versenkung zu ver­schwinden. So versuchte er es, mich mit Leichen« reden zu gewinnen: Ich sei ein toter Mann und ein«: Rettung für mich gäbe es nur, wenn ich mit ihm zu> sammcnginge. Ich hatte aber nicht die Absicht, dey, neuen Jork zu spielen.

Zu Ludendorff

hat Lossow in den letzten Jahren, seitdem er in München ansässig ist, rein gesellschaftliche Beziehungen gehabt. Dabei habe ich mehrfach von ihm die Ideen vernom­men, die er hier im Saal in großer Ausführlichkeit er­örtert hat: Separation, katholische Kirche ustv. Ich habe diese Ideen bekämpft und glaubte, ein ge» wisses Recht dazu zu haben, weil ich seit erheblich länge­rer Zeit in Bayern wohne und ich als Protestant n i e den leisesten Konflikt mit Katholiken gehabt- habe. In meinem Regiment wußte man damals nur aus den Listen, wie die Offiziere zur Kirchenparade kommandiert werden, wer Protestant und wer Katholik ist. Aber cs war vergeblich, dagegen zu reden, daß man Gespenster bekämpfe. Ende September war ein Herr aus Berlin zu mir gekommen, der den Plan eines Direktoriums erörterte. Es war mir bekannt, daß auch Ludendorff davon wußte, und ich wollte mit ihm darüber sprechen. Ludendorff bezeichnete diesen Plan damals als die „P a t e n t l ö s u n g". Für den alten Eeneralstabsoffizier bedeutete das „eine ziem­lich richtige Lösimg". Das war für mich eine große Beruhigung, denn feit dem „Deutschen Tag" in Nürn­berg war ich über die zunehmende Aktivität des Kampf­bundes sehr beunruhigt. Mein Eindruck war der: Lu» dendorff hielt vom 20. Oktober bis zum 8. November die Löfpng der deutschen Fragen im Sinne der „Patent­lösung" für möglich, wurde aber von Hitler und seinem, Anhang unablässig zur Aktion, zur Lösung mit Ge­walt, über die man zu verfügen glaubte, gedrängt. Seine Haltung war mir jedenfalls nicht klar. Er er- klärte mir, er dränge in Berlin im Sinne der „Patent­lösung", man dürfe allerdings keine Zett verlieren, die Not sei groß, der „Kampfbund hungere" und sei nur schwer zurückzuhalten. In den Besprechungen, die v. Kahr und ich mit Ludendorff noch am 8. November hatten, glaubte ich, daß er immer noch auf die „Patent- löfung" eingestellt war. Allerdings ging es uns Dreien genau so wie Ludendorff. Wir waren nachher