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DienSlag, 11. März 1924.

- Fuldaer Zeitung -=

Truck der Fuldaer Aett«drnckerei in Fulda»

2. Blatt.

Zum Zoll Ludendorfi.

In der „Allgemeinen Rundschau"', die im Hause Deines gebildeten Katholiken fehlen sollte, legt der Herausgeber Dr. Otto Kunze, der Nachfolger Dr. Armin Kausens, in überzeugender Weise dar, daß gjit mitten in einem neuen Kultur­kampf stehen. Er schreibt:

? Als der Beginn dieses Kampfes wird sich einst klar der 9. November 1923 abzeichnen, als sein Führer Ge- Zgrat Ludendorff. Wie kommt dieser im Kadetten - jaus erzogene, sein Leben lang mit militärischen, rein Aesseftigen Dingen beschäftigte Mann, fern allen geisti- «n Kämpfen der Zeit, auf den religiös-kulturellen Feld- derrnHügel? Man soll nie übersehen, woher ein Monn stammt. Erich Ludendorff ist 1865 geboren jhj Kruszewnia (spr. Krufch-vnja) in der Provinz Posen. Deutsch ist dort protestantisch, polnisch katholisch. Pei den preußischen Offizieren, Beamten und Siedlern, «ag sich daselbst ein ähnlicher Geist gebildet haben wie Ker der Ulste rleute in Irland. Ein empsind- tzches Nationalgefühl, eng verknüpft mit der konfessionel­len Tradition. Der Katholizismus, der Glaube des unter­worfenen Fremdvolks, wird verachtet, im Geheimen ober ob ferner Assimilationskraft gefürchtet. Ein Kampf der Pekenntnisse kann in solcher Umweft gar nicht rein «istig sein, vielmehr nur gesellschaftlich, wirtschaftlich, Sußerftenfalls auch blutig. Die rein geistigen Kämpfe find ja überhaupt em Hirngespinst des Liberalismus. Eo wahr Ideen in Menschen und menschlichen Gemein­schaften Fleisch werden, so gewiß endet alles Ringen zwischen Ideen fleischlich. — Ludendorff ist so eine Art Mtermann, etwa ein deutscher Carson. Der britische Carfon hat ja auch bewaffnete Verbände organisiert und gemustert, und er hat in der Gleichberechtigung der Katholiken das Ende des Vaterlandes gewfttert.

Ludendvrff ist der Führer im neuen deutschen Kultur­kampf. Seine Rede im HitlerProzeß, wo er alle erledigten Vorwürfe gegen Vatikan, Jesuiten und Zen- : Jrum wieder auskramt, bestätigt ihn in diesem Charakter. Wie west die Fackel selbst angezündet, wie weit sich chles in der geistigen Erhitzung des Nachkriegs zur Fstmune empört hat, ist noch unklar. Jedenfalls loht der Brand schon weitum. Dr. Krmze führt dafür eine Reihe Schriften an, u. a. einen gedruckten Vortrag von Dr. Albrecht Hoffmann: Der 9. Noveniber 1923 im Licht 6er völkischen Freiheitsbewegung (Verlag K. Rohm, Lorch, Wtbg.). Dieser landet im Kampf wider Rom

stilgerecht beim germanischen Heidentum:

„Dann werden auch die alten Götter wieder aus den Grüften steigen und der Hammer Thors wird die tref- fen, die einst die alten Eichen im heiligen Haine Wodans raebertefiten, in deren Rauschen nach des Tazitus Wort unsere Väter unter dem Namen der Götter das große Unnennbare verehrten, das sich nur in der Ehrfurcht .Cf.,., 44

-sfenvvn.

Furchtbar scheint, so heißt es zum Schlüsse des Aufsatzes, dieser entchristlichte Nationalismus in feiner Zügellosigkeit. Und doch hat er noch jeden Krieg verloren. Die Feldzüge von 1866 und 1870 wurden noch wesentlich mit dem alten gläubigen l^ristentum gewonnen. Auch die Erfolge des Welt­krieges sind auf dessen Rechnung zu setzen. Die NeÄsiriffe jedoch, die zum Zusammenbruch führ­en, fließen aus derheidnischen Derblen- d u n g, aus Größenwahn, Verkennung der Tat­sachen, sittlicher Schwäche, Eigennutz. Auf ähnliche Weise ist der Ruhrkrieg gescheitert und der erste Kulturkampf, schließlich der Kapp-Putsch und der Hitlerputsch. Der neue Kulturkampf wird ebenso Schellern. Das überhebt uns aber nicht der Sorge und Wachsamkeit. Die Zerstörungen der Kämpfe sind teuer genug, auf materiellem wie auf geistigem Gebiet.

Das mystische Erlebnis.

Von Ludwig Freiherrn v on Pastor.

Aus dem Buche: „Charakterbilder katholischer Reformatoren des 16. Jahr $).*, m dem die Gestalten 6er vier großen Heiligen: Ignattus, Theresia, Phisipp Nett und Karl Borromäus im Gesamtbild des 16. Iahrh. von dem Geschichtsschreiber der Päpste Ludwig Frhr. o. Pastor behandelt werden. (Verlag Herler u. Co., Freiburg L Br. 1924.) Teresa von Ahumada, oder wie sie mit ihrem Klofter- namen heißt, Teresa de Jefäs, geboren 1515 zu Avila in Altkchttlien, gestorben zu Alba de Tormes am 4. Oktober 1582, ist durch den imtern Reichtum wie durch die Weffeittgkeit ihrer ganz einzigen Begabung eine der glänzendsten und liebenswürdigsten Erscheinungen der ganzen Kirchengeschichte Ihre Schriften: eine vorbild- Lche Selbstbiographie, die Geschichte ihrer Klostergrün­dungen, Briefe, Gedichte und Abhandlungen über My­stik, hat sie mit fliegender Feder oufs Papier geworfen, ihre Briefe im Drang der Geschäfte nach der ersten StittierschM meist nicht einmal wieder überlesen, und doch behauptet sie wegen der „Reinheit, Schönheft und Anmut des Stils" und der genialen Kraft des Lisdrucks" einen Ehrenplatz unter den Klassikern der spanischen Sprache. Auf dem Gebiets der mysttschen Theologie giß sie in der ivtholffchen Kirche als eine Autorität ersten Ranges: Niemand vor ihr hat die verschiedenen mysttschen Zu- stände so eingehend beschrieben und so klar unterschieden, «iemand nach ihr den von chr gebotenen Beschreibungen wesentlich neue Beobachtungen hinzugefügt: höchstens ihr Schüler und Freund Johannes vom Kreuz kann der Meisterin in dieser Hinsicht an die Seite gestellt werden. Durch die Reform des Karmelitenordens eMich, dem sie Schwungkraft verlieh, dem sie zum Teil ein neues ®epr3ge aufbrüdte und neue Gebiete öffnete, tritt sie ebenbürtig in eine Reihe mit den großen Ordensstiftern des iß. Jahrhunderts.

Solch umfassende Vielseitigkeit beweist schon stir sich allein, was Teresas Schriften überall bestätigen, daß sich bei ihr durchdringender Verstand, klares Urteil, tfcus&iurödjte Ruhe und Selbstbeobachtung in wunder.

3m Rheialan-

haben, wie sich denken läßt, Ludendorffs Verdäch­tigungen des katholischen Volkes geradezu Helle Empörung hervorgerufen. Ein höherer rheini­scher Staatsbeamter schrieb der „Germania" u. a.:

Wer hier den gigantischen Abwehrkampf gegen den französischen Einbruch in allen Phasen mfterlebt, wer sich an den flammenden Worten entzündet hat, die hn Stile eines Görres der Je suit Muckermann dem fran­zösischen Unrecht entgegenMeuderte, wer die unerschift- lerliche deutsche Haltung des katholischen Klerus beobachtet hat, der, wie mir noch kürzlich ein Franzose sagte, von den ftanzösischen Generalen als tfie haupt- Kchlichste Triebfeder des deutschen Widerstandes gegen Me fremden Pläne angesehen wird, kurz, war den Aktivposten des Katholizismus im Kampf gegen jbte französische Invasion richtig würdigt, der wird es »erstehen, wenn Ludendorffs Anwürfe hier als ein Faust schlag ins Gesicht der katholischen Bevölkerung betrachtet werden.

Durch meine engen Beziehungen zu einem zweiten hott umtosten deutschen Bollwerk, nämlich Oberschlesien, ward mir auch em tieferer Einblick in den dort geführ­ten Abwehrkampf. Weiß der General Ludendvrff, der Aach Schweden fliehen „mußte", vielleicht nicht, daß in jener Zeit des deutsch-polnischen Ringens wiederum der katholische Klerus, allen voran der um die deutsche Sache hochverdiente Zentrumsabgeordnete Ulitzka tob viele katholische Laien, die noch heute im Zentrums- leben führend oorangehen, das Deutschtum trotz des pol-

nifchen Terrors mft feinen Banden, Ueberfällen, Miß­handlungen, Verleumdungen unter Einsatz ihres Lebens verteidigt und gerettet haben, was eben noch nach der unglückseligen, brutalen Ostmarkenposittk zu retten war? Herr Ludendorff mag in Hinterpommern seine Ideale von deutscher Kultur verwirklichen, wir wer­den hier ohne ihn am deutschenWerke weiterbauen, und wir sind — das sei ihm venraullch gesagt — auch angesichts dsr neuen durch die Invasion geschaffenen deut­schen Aufgaben bei neuen Anstrengungen.

Auch in der katholischen Studentenschaft hat der Fall Ludendorff die von der Altherrenschaft in ihrem weit überwiegenden Teil schon längst für notwendig erachtete Scheidung der Geister herbei­geführt. Landtagsabgeordneter R u ß-Worms schreibt in der „K. V.":

Katholisch» Studenten, ihr CDer. KVer, Unitarier und ihr alle, die ihr euch zu ftgend einer katholischen Stu- dentengrup»». bekennt, ihr empftndet als honorige Men­schen den Faustschlag im Gesicht, der in München eurer Kirche, eurem Papst, eurem religiösen Ideal versetzt wurde. Und dieser selbe Ludendorff hat es früher wohl für politischer gehalten, auf Kommerfen katho­lischer Studentenkorporationen in Mün­chen höchst persönlich zu erscheinen. Das dürste vorbei sein! Der Verfasser dieses Artikels bekennt sich als Alter Herr des C. V. voll Ueberzeugung und mft der Degeiste- nmg der Jugend zu dem alterprobten Bildungsideal des katholischen Korporationsstudenten. Er befennt sich zu den hehren Prinzipien, Religion, Vaterland, Wissen­schaft, Freundschaft! Aber gerade aus diesem tiefen pro­grammatischen Bekenntnis heraus erfüllte ihn die ge­fühlsmäßige, chauvinistische Einstellung eines nicht un- beträchllichen Teiles der deutschen Studentenschaft, auch der katholischen Studentenschaft, seit Jahren mit ernster Sorge. Der Typ Ludendvrff dünkte diesen jungen Men­schen mehr als realpolftische Desonnenk/eit und opfer- volle Arbeit im Dienste des Vaterlandes. Da lang man­cher kräftig die Wacht am Rhein und schalt noch kräftiger auf diejenigen, die sie zwar schweigend, aber um so treuer halten. Nun die hohen Herren stolz im Sattel zu fitzen wähnten, gaben sie ihren gutgläubigen katholischen Steftchügelhaltern die Sporen ins Gesicht. Dank vom Hause Luden.dorff! Eine gute, hoffentlich nützliche Lehre.

Die breiten Massen des katholischen Volkes wer­den die Signale von München nicht verkennen: der neue Kulturkampf wird und muß eine ge­schlossene Abwehrfront finden.

Mehrarbeit und bozialüemokratie.

Man schreibt uns:

Die deutsche Wirtschastsnot ist zweifellos nicht allein als Folgeerscheinung der verkürzten Arbeitszeit anzu­sehen. Von einer Alleinschuld der Arbeiterschaft am Doduktionsrückgang kann keine Rede sein. Als Haupt- sächlichste Ursachen für die erschreckende wirtschaftliche Unterbilanz und Verarmung der breftesten Volksschichten kamen vielmehr in Frage:

1. Im Weltkrieg starben 1 700 000 Männer den Hel- dentod, !'/■> Million deutscher Soldaten wurden oer- wandet, 3 Millionen Kriegsbeschädigte fielen unter das Bersorgungsgesetz. Damit ging viel wertvolle mensch­liche Arbeitskraft verloren. 2. Die Umstellung der Kriegswirtschaft -auf Friedenswirtschaft verschlang Zeit und Kraft. 3. Der Verlust der Handelsflotte und des deutschen Kapitals im Auslande, bie Wegnahme der Kolonien und der fremden Handelsstützpunkte trugen viel zur Derarmung der deutschen Wirtschaft bei. 4. Die Wegnahme bedeutsamer Industrie, Erz- und Kohlen- gebiete hn Westen und im Osten Deutschlands, die Schwächung der landwirtschaftlichen Erzeugung, beson­ders durch dis Verluste im Osten, erhöhten die deutsche Not. 5. Fast sämtliche Staaten der Welt haben während des Krieges ihre eignen Industrien gewaltig ausgebaut, die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist daher schärfer geworden wie vor dem Kriege. 6. Wir sind durch den Kriegsvettust weitgehend im Bezug der Rohstoffe vom Ausland« abhängig geworden. Dazu kommt noch unsere Geldentwertung, die schlechte Ausbildung unserer Heranwachsenden Jugend zu Qualitätsarbeitern, damit auch der Rückgang an Quali­tätsarbeit uftn.

Abhilfe kann nur durch dis Aufrechthaltung der stabilisierten Währung, durch technische Verbesserung der Betriebe, Heranziehung eines gut aus­gebildeten Nachwuchses im Handwerk, Industrie, Handel, Verkehr und Landwittschast, durch bessere Löhne und Ge- hälter zwecks Erhöhung der Kaufkraft der breiten Volks- massen, durch Schaffung neuer Absatzmöglichkeiten im eignen Lande, durch schärfere Kalkulation, Beschränkung auf einen nur mäßigen Unternehmergewinn und eine vorübergehende Verlängerung der Arbeitszeit geschaffen werden. Festgestellt sei noch, daß der ermordete Minister Rathemm in Genua ausgeführt hat, daß'der wirtschaft­liche Wert dessen, was uns durch den Friedensoerftag ab­genommen worden ist, so groß sei, daß jährlich 4 Millio­nen deutscher Arbeiter ihre Arbeitskraft einsetzen müß­ten, um nur diesen Verlust hereinzubttngen. Dazu tarn- men noch die ungeheuren Leistungen an Reparationen.

In der furchtbaren Zeft des deutschen Zusammen- bruchs wurde im November 1918 dsr schematische Achtstundentag singesührt. Er blieb in Kraft, bis am 21. 12. 23 die bekannte Arbeitszeitverordnung kam.

barer Mischung mit dem Blick des Gesetzgebers, mit Menschenkenntnis und Verständnis für die gewöhnlichen Bedürfnisse und Kleinigkeiten des Alltagslebens ver­binden. Diesen außerordentlichen Gaben des Geistes reichen aber bei ihr noch größere Vorzüge des Charak­ters die Hand. Ihr ganzes Leben und wiederum ihre Schriften beweisen es. Durch und durch rein und edel, leicht entflammt für die höchsten sittlichen und religiösen Gedanken, und entschlossen, im Ringen um diese höchsten Güter mit EeisteÄfreudigkeft jedes Opfer zu bringen, mutig bei eintretenden Schwierigkeiten, ausdauernd im Leiden, zeigt sie die Kraft und Entschlossenheft Les starken Mannes, aber auf der andern Seite auch die ganze An- mut und Liebenswürdigkeit einer edlen Frauenseele. Und gleichsam als ob es mit all diesen Vorzügen noch nicht genug wäre, verbindet sie mit dem allem eine Feinheit des Geistes und der Umgangsformen, um die jede Welt­dame sie beneiden könnte.

Teresas innere Erlebnisse erlangten durch ihre Schrif­ten, die in den Sprachen aller kacholischen Völker eine fast unübersehbare Verbreitung sanden, eine Bedeutung, die weit über den engen Kreis der mystisch Begabten hinausreicht. Mystische Erfahrungen hat es freilich in der Kirche immer gegeben, feit der erste Märtyrer Ste­phanus den Himmel offen sah und der Apostel Paulus in den dritten Himmel verzückt wunde: die Schriften der ersten Kirchenväter, eines Cyprian oder Drigenes, be­richten nicht selten davon. Niemals aber ist vor Teresa de Jesus das gonge Gebiet der Mystik nach allen seinen Stufen so eingehend dargestellt und in all seinen Einzel­heiten so klar beschrieben worben. Teresa ist auf diesem Gebiete Entdeckerin, die kühn ein noch unbekanntes Meer durchsegelt und ein neues geistiges Reich für die Kirche erobert. Seit ihre Schriften vor ihrer Heiligsprechung kirchlich geprüft und als untadelhaft erfunden wurden, hat sie unter dem Schutz der Päpste ebt solches Ansehen gewonnen, daß man sie, dis Frau, ifa einzige ihres Ge­schlechts mit den'größten Kirchenlehrnrn vergleichen karm.

Die Tragweite dieser Schriften wie der ganzen Rich­tung, welcher Teresa Bahn gebrochen hat, ist vor allem ! aus ihrem Verhältnis zu der eigentümlichen Seistesströ- *

Für alle Einsichtigen war die Frage der Arbeitszestver- längsrung eine Frage der Steigerung der Gütererzeu- gung, der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmärkte sowie eine Frage der höheren Be­wertung des Reallohnes der arbeitenden Volksschichten. Die Sozialdemokratie dagegen, besonders in den radr- kalen sozialistffchen Gewerkschaftskreisen, sagte dieser Ar- beitszeitverordnunq den schärfsten Kampf an, trotz- dem 1. die sozialdemokratischen Minister im ersten und zweiten Kabinett Sttesemann f ü r bie gesetzliche Regelung auch im Sinne der Arbeitszeiwerlängerung sich ausge­sprochen haben, 2. daß die sozialdemokratischen Vertreter die Vereinbarung in der Nacht vom 5. auf den 6. Okto- ber v. I. angenommen haben. Diese Vereinbarung hatte folgenden Wortlaut: „Die schwere Not unseres Landes läßt eine Steigerung der Gütererzeugung drin­gend geboten erscheinen. Das wird nur unter restlicher Ausnutzung der technischen Errungenschiften bei organi­satorischer Verbesserung unserer Wirtschaft und emsiger Arbeit jedes Einzelnen zu erreichen sein. Neben der Stei­gerung der Produktion durch dieses Mittel wird auch die Neuregelung der Arbeitszeitgesetze unter grundsätzlicher Festhaltung des Achtstundentages als Normalarbeitstag nicht zu umgehen fein. Dabei ist auch die Möglichkeit der tariflichen oder gesetzlichen Arbeiis- zeit im" Interesse einer volkswirtschaftlich notwendiger, Steigerung und Verbilligung der Produktion vorzusehen. Für die öffentlichen Verwaltungen finden ähnliche Grund­sätze Anwendung." .

Die Vertreter der Sozialdemokratie, die dreier Ver­einbarung zustimmten, waren Müll e r-Franken, Frak- ttonsvorsitzender. Wissel und der Dergarbeiterfuhrer Ianschek. Ferner muß festgestellt werden, daß die Mitglieder des sozialen Ausschusses des deutschen Reichs­tages dem Gesetzentwurf, so wie er aus den Ausschuß- beratungen hervorging, einstimmig zugesttmmt ha­ben, und daß sie sich oerpslichte-ien, auch in der Fraktion den Gesetzentwurf zu verrieten.

Aus dielen Tatsachen ersieht man, wie die Sozial­demokratie im Reichstage ihre Stellung zur Arbeitszeit- Verlängerung eingerichtet hat und wie man heute dran, ßen im Lande geradezu eine en igegengefetzte llitz- faffung einnimmt. Die ch ristl. Arbeiterbewe­gung dagegen stellt sich auf einen anderen Standpunkt. Sie sagt: wer in der Zukunft die Wohltaten des Achtstundentages will, muß heute dort für eme an­gemessene Verlängerung der Arbeitszeit eintreten wo öte Produktionsfteigerung der Derbilligung der Waren dient. Das ist praktische Arbeiter- polittk.

Die christliche Arbeiterbewegung wird auch, trotz Der Hetze, die zur Zeit gegen dieselbe von feiten der sozialisti­schen Gewerkschaften getrieben wird, werterhm den Weg der Pflichterfüllung gehen. Sie ist sich bewußt, daß nur durch mühevolle und ergiebige Arbeite- leistungen aller Dolkskreise die staatliche uich wirtschaft­liche Zukunft Deutschlands gesichert ist. Das Hingt hart ist aber wahr und bleibt wahr. Der sich einbildet, daß ein aanzes Volk nach dem Verlust des größten Rneges aller'Zeiten besser leben kann und weniger zu arbeiten braucht wie vor dem Kriege, ,st em polt, tischer und wirts christlicher Jdtot.

Die deutsche Arbeiterschaft muß sich deshalb von den marxistischen Gedankengängen frei machen, und sich «r christl. nationalen Arbeiterbewegung zuwenden. Dann wird auch das ganze arbeitende Volk die richtige Em- stellung zum Staat und den anderen Standen finden, und es wirb an die Stelle ödesten und stuchtlosen Klasien- kampses der Geist der Volks- und Arbeitsge- m e i n ’ cf) a f r treten.

Steuerfrage«.

Die Adgg. Effer, v. Guerard, Hofmann'LndwigS- bafen und Sri. Lauscher haben mit Unterstützung der Zentrumsfraktion folgenden Antrag im Reichs- tag eingebracht: . .

Dar Reichsfinanzministerrum hat bte Vorausbezah­lung der einzelnen Steuern für die Mühlen auf 1 Proz, des Umsatzes festgesetzt. Da in normalen Zeiten der Gewinn der Mühlenindustrie nicht mehr als 1 Proz. vom Umsatz beträgt, erscheint diese Festsetzung viel zu hoch. Sie mutz in der heurigen Zeit angesichts der Überschwemmung namentlich de? besetzten Gebiete? mit ausländischem Mehl zum Erliegen der Mühlen führen, deren Erhaltung wesentlich im Interesse der deutschen Volkswirtschaft liegt. Der Reichstag wolle beschlietzcn, die Reichsregierung zu ersuchen, die Voraus­bezahlung der Einkommensteuer für die Mühlen im befehlen Gebiet auf drei Zehntel Prozent und im unbesetzten Gebiet auf sechs Zehntel Prozent vom Umsatz sestzusetzen.

Neuer aus Hranksuri.

— Der Oberbürgermeister als Ehrendoktor. Die juristische Fakultät der Universität Frankfurt hat Ober­bürgermeister Voigt zum Ehrendoktor ernannt.

----- wiid-reröffnunq der Biebbafcn. Nach eingehender Prüfung der 45 Kilometer langen, seit der Ruhrbe- setzung außer Betrieb gesetzten Riedbahnstrecke Frank- furt-Goldstein-BiebeSheim wird nunmehr auch hier der Verkehr am 10. März wieder ausgenommen. ES fahren Personen, unb Güterzüge. Damit ist der ht—•2r~~n~n~rniiuiii.iii u 11111■iiiiiibiii■■■n—u iMiiiiim,

mung der Neuzeit zu verstehen und zu beurteilen. Die unleugbaren Kulturforischritte des 16. Jahrhunderts füh­ren zu Verirrungen und Uebertreibungen, immer stärker erhebt jene Richtung ihr Haupt, die in Geld und Gut, Blüte von Handel und Gewerbe, Macht unb Wohlstand die einzigen Wette des Menschenlebens erblickt, in der Wissenschaft nur mehr anerkennen will, was sich mit Händen greifen und durch Experimente be­weisen läßt, in der Politik nicht nur tatsächlich, sondern mehr oder weniger grundsätzlich Gerechtigkeit und Chri­stentum beisestesetzt und Macht für Recht erklärt. Mit erhöhtem Nachdruck mußte deshalb innerhalb der Kirche das Uebernatürliche unb Geistige betont werden, und daß in dieser Beziehung auch dem Fortschritt der Mystik eine Rolle zukam, liegt auf der Hand, denn sie schützte, ver- tiefte, stärkte den Glauben an das Uebernatürliche im Christentum: dehnte die weltliche Richtung der Zeit ihr Gebiet nach der irdischen Seite ins Ungemeflene aus, so erweiterte sich dementsprechend innerhalb der Kirche bas Erkenntnisgebiet nach dem Ueberweltlichen hin.

Teresa ist als Mystikerin eine überaus merkwürdige, geradezu einzige Erscheinung. Sie gehört keineswegs zu jenen, die sich dem bunten Spiel ihrer Einbildungskraft ohne Urteil und Widerstand hingeben. Sie warnt davor, die erste beste Schaumblase der Einbildung als eine Vision zu betrachten; sie verweist auf Beispiele von Täuschungen in dieser Hinsicht und fügt bei, es sei ihr unverständlich, wie manche Leute sich einreden könnten, etwas zu sehen, was sie in Wirklichkeit nicht sehen. Namentlich ist sie sich darüber klar, daß übertriebenes Fasten und Nachtwachen Zustände herbeiführen kann, die von Unkundigen mit Verzückungen verwechselt wer- den; in solchen Fällen pflegte sie ihre Untergebenen durch kräftigere Nahrung und längere Nachtruhe zu heilen. Ueberhaupt hat Teresas Wesen durchaus nichts lieber- fpanr.tes. Die Klarissen von Madrid, bei denen sie vier­zehn Tage weilte, waren hoch erfreut, m ihr eine Heiligt gesunden zu haben, die man nachahmen könne, denn sie esie und schlaffe und rede wie olle andern.

Daß weiterhin Teresa mit voller Aufrichtigkeit und Treue über ihre inner« Erlebmffe berichtet, wird kaum

gesamte Eisenbahnverkehr von Frankfurt in das besetzte Gebiet wieder in deutschen Händen.

= Heue Kartoffeln. Kartoffeln neuer Ernte kom.. men seit einigen Tagen aus Afrika nach Frankfurt und werden in den Gemüseläden feilgeboten. Die Früchte sind nutzgrotz, gelbbraun und ausgesprochener Luxusartikel, da das Pfund 50 Goldpseunige kostet.

— Räuberischer AeberfaL. Auf der KreiSstratze zwischen Groß-Eichen und Sellnrod (Oberhcffen) wur­den zwei Frankfurter Händler von mehreren Wege­lagerern überfallen und beraubt. Die Täter, etwa 20—24 Jahre alt und völlig verlumpt, konnten nicht ergriffen werden. .

= Freifrau Mathilde von Rothschild f. Wenige Tage nach Vollendung ihre? 92. Lebensjahres tft Freifrau Mathilde von Rothschild sanft entschlafen. Sie war eine Tochter deS BaronS Anselm von Rothschild, der später die Leitung deS Wiener Bankhauses übernahm» und mit Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild ver­heiratet, der ihr schon vor 23 Jahren in den Tod vor. angegangen ist. Eie übte Wohltätigkeit tn weitestem Sinne und brachte künstlerischen Bestrebungen regeS Jnteresie entgegen. * , •

= Stratzendahirbetriebsstönmg. Der Straßenbahn- betrieb halte in den letzten Tagen wiederholt unter er- lieblichen Störungen technischer Natur zu leiden, bte sich in unliebsamen Verspätungen und Verzögerungen des Verkehrs auswirkten. Donnerstag nachmittag trat abermals eine Störung ein. Dabei wurde im Werk 1 in der Gutleutstratze ein Arbeiter durch ausspritzendes Oel schwer verbrannt. Die Störung machte sich auch insofern bemerkbar, als in den Hauptposträumen eine längere Zeit hindurch bei K erzenschein ge­arbeitet werden mutzte.

von den Hochschulen.

— Lirolerhilse für deutsche Studenten. Bon der Tiroler Landesregierung, Landeskomitee für Deutschlandhilfe. sind der Deutschen Caritas für Akademiker (1. Vor­sitzender Herr Universitätsprofessor Dr. G. Schreiber M. d. R, 2. Vorsitzender Herr Ministerialdirektor Dr. Heukamp, Berlin) 10 Millionen Kronen für die Studentenhilfe zugegangen. Wir freuen uns, daß sich zu der Hilfeleistung, die unser erst kürzlich von toirt. schaftlichen Schwierigkeiten befreites Nachbarland den deutschen Kindern in grotzem Umfange angedeihen läßt, setzt auch noch die Sorge um die Linderung unserer studentischen Notlage gesellt. Nach wie vor ist die Not. läge der deutschen Studierenden überaus grotz,insbesondere wegen der grohen Erwerbslosenziffern. (An» schriften richte man an Dr. Kloidt, Berlin R. 24* Große Harnburgerstratze 10).

Technik und verkehr.

- vas erste atlantische Paffagier-Motorschiff wird demnächst in Deutschland fertiggestellt. Das Schrff, das für die Hamburg-Südamerikanische DampfschiffahrtS» gesellschast erbaut wird, hat 12000 Tonnen unb vier Motoren von znfammen 10000 Pferdestärken. DaS Motorschiff soll 2000 Passagiere aufnehmen.

7---- Sin neues deutsches Erotzschiff, bet 21000 Brutto- regiftertonnen fassende Zwlschenschraubenturpinenbarn- pfer „Deutschland» der Hamburg - Amerika - Linie rüstet gegenwärtig im Hamburger Hafen zur ersten Ausfahrt und wird am 27. März seine erste Reise antreten.

Gottesdienst ord«L«s-

Dienstag,11. März. Frauenberg. Zweiter Diens­tag der Novene zum hl. Antonius. Nach dem Leviten­amt Fastenpredigt. Im übrfgen ist die Ordnung wie am 1. Dienstag.

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jemand bezweifeln wollen, der ihre Schriften kennt. Sie beschreibt wirklich Erlebtes, nicht Erfurtt-enes, das ist der Eindruck, der sich jedem Lefer unwiderstehlich aufdrängt; sie verlangt nicht nur von andern die genaueste Wahr« heiisliebe, sondern stellt diese Forderung auch an sich selbst und ist deshalb offensichtlich bemüht, sich so klar und wahrheitsgetreu wie nur möglich auszudrücken. Oft sucht sie das Wesen der mystischen Erlebnisse durch Ver­gleiche klarzumachen, unterläßt aber dabei nickst, die Punkte anzugeben, in denen der Vergleich mcht zuirisst: wo sie auch in Kleinigkeiten, z. B. in Zeitangaben, chrer Sache nicht sicher ist, versäumt sie es nicht, die Unsicher, heft anzumerken.

Ferner legt Teresa auch den mystischen Erlebnissen kein übermäßiges Gewicht bei. Die Liebe $u Gott, so bemerkt sie öfters, bestehe nicht in Tränen und fußen Gefühlen, sondern darin, daß man Gott diene in Oe- rechtigkech mit männlicher Entschlossenheit unb Demut. Demgemäß bot sie Gott bei ihren ersten mystischen Ge» fahrungen, er möge sie lieber auf einem andern Weg führen; und auch später noch versuchte sie, nahenden Verzückungen Widerstand entgegenzusetzen, freilich fast immer vergebens, denn es war ihr, als ob em Adler fie packe unb mit sich emporreihe.

Ihre mystischen Erlebnisse wurden für Teresa dke Quelle großer Leiden. In ihrer Umgebung hiev man anfangs alles für t«rflffchen Trug, und die Besorgnis, vielleicht ein Spielball des bösen Geistes zu sein, brachte sie in die furchtbarste innerste Bedrängnis. Später jedoch war sie Über die Echtheft ihrer mystischen Erfahrung« beruhigt. Während der Dauer solcher Erlebnisse erscheine es handgreiflich, sagte sie, daß fie keine natürliche llr«i fache haben könnten; die gewaltige Veränderung zum Dessem, die durch di« mystischen Begnadigungen in ihr vorgegangen fei, verrate ebenfalls die Hand Gottes. Ich kürzester Zeit bereichere während solcher Erlebiriffe Gatt die Seele mit Schätzen, die sie mit aller Anstrengung ich zwanzig Jahren sich nicht hätte erarbeiten können; stei ühle sich durchdrungen von der Geringschätzung alles- rein Irdischen und von unbezwinglichem Mut, Trotzes für die Ehre Gottes zu unternehmen.

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