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EinzeMuinme« 10 Pfen«ig.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 60.

BerontwortliL für die Sckriktleitung: Dr. JobomieS Kramer. Anreisen: I. P arreller. Fulda. Rotationsdruck und Verlas der s Fuldaer Artlendruckerei ht Fulda. Fernsprecher Nr. 9. »•

BerusSdreiS: Monat MS« 1.80 Koldmark-

Dienstag, 11. Marr 1924.

Anreisen-Preile: Kleinreile (Colonel) lokal 0,15 Goldmark, auswärts 0,20 Goldmark: Reklame,eile lokal 0,60, Goldmark. " auswärts OLO Goldmark. r,

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51. Zahrg.

Der falsche Weg poincares

Die A«sei«sndsr5etzungen über die Sicherung Frankreichs

Don einer besonderen Seite gehen uns folgende, «ehr -bemerkenswerten Ausführungen zu, die gerade än Aögemvürligen Augenblick, da die Frage der Militärkovtrolle erneut aufgeworfen ist, ein starkes Interesse beanspruchen dürften:

Frankreich hält sich mit allgemeiner Wehrpflicht hei 39 Millionen Einwohnern ein Friedens Heer -von 730 000 Mann, Deutschland ist bei 70 Millionen Einwohnern zum System des Söldnerheeres mit 12jähriger Dienstzeit gezwungen. Das bedeute., Hatz Frankreich jährlich rund 500000 Mann, Deutfch- Lmd 8000 Mann im Waffendienst aus bildet.

Im Kriege verfügt Frankreich über ein Heer «m 4—5 Millionen Mann, Deutschland ist durch das SöKmersystem die Bildung einer kriegsgeübten Re- ßeroe und eine Mobilmachung unmöglich gemacht.

Das Hauptgewicht bei seinem Heere hat Frank­reich auf die sogenannten „Mate ria l wa f f en", d. h. schwere Artillerie-Kampfwagen und Flieger gelegt; Deutschland sind alle diese modernen Waf- jjen untersagt.

Die Ausstattung selbst mit den Lurch den Ver- failler Vertrag zugebMgttzn Waffen und Mum- :8onsarten ist auf em bestimmtes Mindestmaß be­schränkt; Reservebestände an Waffen und Munition, die etwa zur Ausrüstung neu ausgestellter Ver­bände verwendet werden könnten, fehlen völlig.

Frankreich hat auch die „wirtschaftliche Mobilmachung" weitestgehend und planmäß ig vorbereitet und verfügt besonders im eigenen Lande, aber auch in den Ländern seiner Berbündsten über eine ausgedehnte Rüstungsindustrie. Waf­fen, Ausrüstung und Munition für dis Reserven fmd in reichstem Maße vorhanden. In Deutsch- Kurd sind die Fabriken zur Herstellung von Kriegs- gerat auf je eine für jede Waffenart beschränkt, alle anderen Anlagen und Maschinen zur Herstellung von Waffen, Mmrition und Kriegs gerät sind zer- storr.

Es kommt hinzu, daß ganz Deutschland mit einem dichten Netz von französischen Kontroll- und Beobachtungsorganen überzogen ist, die jedes Abweichen von den 'mllctäri scheu Bedingungen des Vertrages von BerfaKles zur Unmöglichkeit mache n.

Die Kennzeichnung der militänschen Neberlsgen- heit Frankreichs ist aber damit noch nicht erschöpft. Durch die militärische Besetzung des link en Rheinufers mit den auf das vstufer vorge­schobenen Brückenköpfen von Düsseldorf, Köln. Koblenz, Mainz und Kehl, sowie des gesamten Ruhrgebiets 'mit seiner Industrie hat sich Frankreich eine erdrückende strategische Vormachtstellung gegen­über Deutschland geschaffen. Fast 200 000 Be- jetzungstruppen, davon allein rund 150 000 Fran- Pjen, stehen sofort vevwendungsbLreit auf deutschem

Deutschland dagegen darf auf einer 50 Kilometer breiten Zone ostwärts des Rhsines Truppen über* hnupt nicht unterhalten. Ein Schutz der Dest- Mrnze durch Festungen besteht nicht mehr. Die Fe'tungen Metz und Straßburg sind in franzüsi- schb k Hand, alle anderen festen Werke sind geschleift. Rer e Befestigungen dürfen nicht angelegt werden.

<schließlich hat Frankreich es auch noch verstan­den, während Deutschland zur Abrüstung gezwun- 0eo vurde, in Belgien, Polen, Tschecho- Slo vakai, Rumänien und Iugo slav!en fffh D imdesgenoflen zu verschaffen, von denen jeder smzMe schon in seiner Militärmacht Deutschland Kberlegen ist.

Jedrm nüchtern Denkenden 'muß es daher ohne weiters,> einleuchten, daß das Ziel solcher militari- .scheu Anstrengungen Frankreichs nicht die Abwehr «ines argeblich drohenden "deutschen Angriffs fein L»m, sondern die Vorherrschaft auf dem jeuropäischen Festland unter ewiger Knebelung Deutschlands. Wer also «chige und geordnete Zustände in Europa wünscht, feilte die Sicherheit Deutschlands gegen das mllitäri- Ms Und imperialistische Frankreich verlange,'.'

Das französische Gelbbuch.

Dos von der französischsn Regierung heraus ge- B Gelbbuch betr. die Verhandlungen über die der Sicherheit bei einem Angriffe Deulsch- fft der Preffe übergeben worden. Die Doku­mente, 46 an der Zahl, verteilen sich auf dis Zeit ooen 10. Januar 1919 bis 17. Februar 1923 16 Dokumente beziehen sich auf dis Arbeiten der Friedenskommission, die anderen einzig rsid allein auf Verhandlungen, die zwischen der frauzösischen und englischen Regie­rung feit dem 21. Dezember 1921 geführt worden sind. Den Dokumenten sind angefügt 2 Kamnrer- vedeu Poincares vom 23. November und 17. Dczbr. 1923 sowie Protokolle der Beratungen des Völker- bwchss über die Herabsetzung der Rüstungen. Dis Dokumente sind zum Teil bereits bekannt.

„Ungeheure Schnitzer".

Deruichlendes Urteil des „Temps" über Poincares Außenpolitik.

Das Gelbbuch, das von der französischen Regie- Nmg veröffentlicht worden ist, veranlaßt den »Zenrps" zu der folgenden recht interessanten Be-

Nach dem Waffenstillstand — so schreibt das Blatt — hätten die' frän,zösifchen mili- tarisihM Pehörden oder doch wenigstens die Mili­tärbehörden, die im Namen Frankreichs gesprochen haben, eine deutsche Revanche anßerordent- sich h e f ü r ch t e t. Die Dokumente, die 'das Gelb­

buch veröffentlicht, -offenbarten p e s s i 'm istijche Dorausfetzimgen. Die anderen alliierten und asso­ziierten Länder, die diese Note erhalten hätten, seien also über die französischen Beunruhigungen unterrichtet gewesen, was nicht gerade die diploma- istche Lage Frankreichs gestärkt habe. Die franzö­sischen Behörden hätten so lebhafte Beunruhigungen gehabt, daß sie sich nicht damit begnügt hätten, militärische Vorsichtsmaßnahmen zu oerlan- g-en. In der Denkschrift, die Marschall Foch am 10. Januar 1919 überreicht habe, sei schon davon die Rede gewesen, Deutschland nicht nur den militäri­schen Zugang zum linken Rheinufer zu untersagen, sondern auch „politische Propaganda" in diesen Ländern. Die gleiche Rote habe die Konsti- fuimmg neuer autonomer Staaten auf dem linken Rheinufer ins Auge gefaßt. Diese Politik habe m der späteren Denkschrift der französischen Regierrmg vom 25. Februar 1919 sich zu der Formel verdichtet: „Festsetzung der Westgrenze Deutschlands am Rhein". Diese politisch« Garantie fei verschieden gewesen von der militärischen Garantie, die in der Besetzung der Brückenköpfe durch eine interalliierte Macht gefordert wurde. Der „Temps" 'meint, er habe sich nicht über den Wert einer militärischen Auffassung auszufprechen, aber er wolle sich jede Freiheit der Beurtessrmg vorbehalten, einmal, weil das fran.zö- sifche Oberkommando sich 1914 vollkommen getäuscht habe und dann weil die Militärischen Forderungen der fran-chsifchen Sicherheit, wie sie die Regie­rung Poincare 1922 erläutert habe, über die Garantien hinaus gegangen seien, die die Re- gierung Clemenceau im Jahre 1919 in die Sicherheitspakte habe einschreiben lassen. Zum wenigsten also bestanden Zweifel.

. Der „Temps" fährt dann fort: In dein Augen­blick, in dem politische Garantien notwen­dig geworden waren, um einen deutschen Angriff zu verhüten oder abzuwchre-n, hatte die französische Regierung 'mit den politischen Ansichten der Alliier­ten und Assoziierten rechnen müssen Sie hätte na- mentlich fragen müssen, ob England vom politi- scheu Stamdmmkt aus die Festsetzung der West­grenze Deutschlands am Rhein haste annohmen können. Wenn sie sich aber eingebildet hätten, daß sie die Engländer zu dieser Auffassung führen könn­ten, dann hätten sie einen ungeheuren Schnitzer begangen. Wenn sie aber im Gegen­teil die Unimöglichkeft begriffen habe, die Eng­ender zu überzeugen, dann haste die französische Regierung ihre politische Garantie in einer an­deren Kombination suchen müssen. Diese andere Kombination hätte unvermeidlich dazu füh- ren müssen, daß Frankreich und England gegen­über Deutschland eine besümmte Politik betrieben, nämlich eine Politik, die bei den Deutschen die Stärkung der demokratischen Jnsti- tut tonen und die Entwickelung pazifisti­schen Geistes hätte bilden müssen. Diese Poli­tik habe man nicht nur nicht durchgeführk, sondern man habe sich der Gefahr ausgesetzt, sie für lange Aert unmöglich zu machen dadurch, daß 'man die Westgrenze Deutschlands am Rhein verlangt habe.

Diese undurchführbare Forderung habe nur dazu geführt, den deutschen Nationalismus auf zupeitsch en dadurch, daß man ihm bewie­sen habe, daß Frankreich mit seinen Absichten iso- lrert dastehs und infolgedessen eine schwache Seite ferner Politik gezeigt habe.

Lalllaux.

5n StenpeLtier sprach am Sonntag Emllaur über die finanziell- und politische Lage Frankreichs. Der Wagemut, so erklärte er, der vorüber­gehend Unpopularität auf sich lade, hätte erfordert, das Land dem Frieden des Aus- 9leiches entgegenznführen, nicht nur aus mensch­lichen Gründen, sondern um das Land vor den Opfern cm Menschenleben zu bewahren, die in einem Mißverhältnis zu seiner Geburtenziffer stün­den. Caillaux berechnet den Verlust des erworbe­nen Reichtums in Frankreich auf ein Drittel min­destens aber auf ein Viertel. Frankreich sei ein arbeitsames Land, aber es habe noch eine schwere Periode durchzumachen, um wieder auf die Lage von 1914 zurückzukommen. Man muffe das Vertrauen der Gläubiger auftechterhal- ten, um wieder Kredit zu finden. Während des Krieges feien viele Fehler begangen worden. Die 20prozentige Steuererhöhung werde nur eine Stei­gerung der Steuerlasten zur Folge haben. Nach seiner Ansicht würde eine bessere Anwendung der Einkommensteu-r dem Budget den erforderlichen Ausgleich verschaffen.

Der französische Senat, die Regienmg und an­dere Instanzen bemühen sich fortgesetzt um Gesetz­entwürfe, die dem Frankensturz entgegen wirk en sollen. Hätten sie das früher schon getan und sich weniger aus die Allmacht der Kanonen verlassen, wäre es bester gewesen.

Das deutsche Rheinland.

Englische Vorschläge für die Lösung der Sicherungsfrage.

Der diplomatische Berichterstatter des Londoner „Observer'' schreibt zur Frage der Sicherheit Franl'- reichs, soweit die britische Regierung in Betracht komme, feien noch kein» endgülti­ge n Gedanken formuliert worden.

Der Plan einer Neutralisierung des Rheinlan de s unter Aufsicht des Völkerbundes

bedürfe, wenn er glücken solle, der Unter- stützung Deutschlands. Eine der dringend­sten Notwendigkeiten sei daher, daß D e u t s ch l a nd um Aufnahme in den Völkerbund er­sucht werde. Deutschlands Berantworlliclsteit sei ge- genwärüg sehr groß. Aber man sei der Ansicht, daß Deutschland weitdenkend genug sein werde, um edel­mütig seinen Beitrag zur Herbeiführung einer,all­gemeinen Regelung der Sicherhritsfrage zu leisten. Die schlimmste aller vorgeschlagenen Lösungen sei, daß der Separatismus im Rheinlande unter dem Namen „Internationalisierung" organi­siert wurde, mit einem Worte, daß Deutschland un­ter den Auspizien des Völkerbundes zerstückelt werde. Macdonalds Ausdruck in seinem Schreiben an Poincare „Örtliche Entmilitarisierung und Neu- tralisierrmz", die in ganz Deutschland Beunruhigung verursacht habe, sei falsch verstanden worden. Mac- donÄd habe auch nicht einen Augenblick an die po­litische oder wirtschaftliche Abtrennung des Rhein- landes von Deutschland gedacht. Unter solchen Be­dingungen würde weder Deutschland noch Ruß­land dem Völkerbünde beitreten. Strese'mann spreche für das ganze deutsche Volk, wenn er er­kläre, Deutschland werde niemals zustim­men, daß das Rheinland unter irgendwelchem Vor­wand oder unter irgend jemandes Auspizien in einen Puffer st aat verwandelt werde.

Was England sagt.

„Poincare- und Frankenkrise". — „Nuhr-Nemesis".

Die „Poincare- und Frankenkrise" wird von der englischen Preffe lebhaft erörtert. „Sunday TimeS" verkündet in Fettdruck, Poincare kämpfe um sein Leben. Unter der Ueberschrist .Ruhrnemesis" führt da? Blatt aus, der Franken falle und reiße Poincare mit sich. Seine Politik sei e8, die die Wege für den auaenblicklichen Sturz d r französischen Währung geebnet habe. Poincares Hasardspiel sei fehlgeschlagen. Wenn er Geld von Deutschland wolle, um den Franken vor dem Zusammenbruch und sich selbst vor schmählicher Niederlage bei den kommenden Wahlen zu retten, so wüste er das Ruhrgebiet verlassen und alles zurücknehmen, was er öffentlich während der letzten Wochen ge­sprochen hake. ES werde jetzt von Frankreich klar erkannt, daß die Aussicht, von Deutschland (Selb zu erhalten, durch Poincares Ruhrpolitik sehr behin­dert worden ist. Die Ruhrbesetzung bat da? deutsche Eisenbahnshstem und die deutsche Schwer­industrie betroffen, sodaß kein eFinanzgrupPe der Welt heute Deutschland leihen will, wenn nicht die Wir t» schaftScinheit Deutschlands wiedertzergestcllt werde, b. h., wenn bie Franzosen nicht aufhören, das Ruhrgebiet zu kontrollieren.

Die Goldkredttdank.

Der ReichSbankpräsibent hat im Ausschuß des Reichstages und auch an anderer Stelle eine aus­führliche Darstellung über feine abzuschließenden Verhandlungen in Paris mit den Sachverständigen gegeben. Diese Ausführungen waren gleichzeitig die Begründung für ben bem Reichstage nunmehr noch in Vorlage gebrachten Gesetzentwurf über bie Golbkrebitbank. Eine größere Opposition hat sich im Ausschuß eigentlich nur von beutschnationaler Seite (Dr. Helfferich) gegen btefen Gesetzentwurf er­hoben. Immerhin muß man bamit rechnen, baß der Entwurf im Reichstag einer ziemlich lebhaften Aussprache unterliegen wirb.

Die Golbkrebitbank ist lebiglich die Vorstufe für bie eigentliche Goldnoten- oder Emissionsbank. Für bie jetzt durch Gesetzentwurf zu schaffende Kredit­bank wird eine Verpfändung von Reichseigentum nicht in Frage kommen. Ter Gesetzentwurf soll lediglich die Grundlage dafür geben, daß durch die Errichtung dieser Bank die Wirtschaft mit Krediten versehen wird, die die Reichsbank und die Rentenbank ihr jetzt nicht gewähren können, um nicht die Währung in Gefahr zu bringen.

Tollarkiiufe der Reichsbank.

Die Reichsbank hat mit einem deutschen Dampfer 10 Millionen Gold und zwar in Barren nach Amerika übermittelt, die dort zum Ankauf von Dollars verwandt werden sollen, um den Devisen- fond der Reichsbank zu stärken. Auch diese Maß­nahme dient der Sicherung der Stabilität der Währung.

31 Mttmk WsemlMM

wurden am Samstag zahlreiche hohe Offiziere vernom­men, die teils für, teils gegen die Angeklagten aussagten. Ein Jugendfreund Lubendorffs, Generalleutnant o. Hil­debrandt, sagt u. a. im Hinblick auf bie Aeuherungen Lubendorffs über die katholisch« Kirche, er habe niemals eine Red« von Ludendorff gehört, in der er nicht von Gottvertrauen sprach. Die Verteidigung ging mit den Belastungszeugen wieder merkwürdig um, namentlich mit dem Oberstleutnant v. Berchem. Dieser Reichs­wehroffizier läßt sich das nicht gefallen und ruft erregt: Wir von der Reichswehr haben es endlich falt, uns von der Bevölkerung bespucken und beschimpfen zu lassen für das, u>as wir für unfere verdammte Pflicht und Schuldigkeit erkannt und getan haben. (Laute Protest­rufe im Publikum.)

Am Montag sttl General o. Loffow vernommen werden. ,

Auch die bayerische Regierung hat unmittel- oar nach der Verteidigungsrede des Generals Lu- dendorff dem Apostolischen Nuntius in München, Mons. Pacelli, mündlich ihr lebhaftes Bedauern über dm in dieser Rede gegen den Heiligen Stuhl gerichteten Angriffe zum Ausdruck gebracht und hierbei betont, daß sie diese in jeder Hinsicht unbe­rechtigten Angriffe außerordentlich peinlich und schmerzlich empfinde. ?K

Die Leipziger grühjahrsmeffe.

Von Dr. F. E. M a y. l1

Die Leipziger Frühjahrsmesse ist auf Sonntag zu Ende gegangen. Das Bilanzbild der Messe ist günstig. Massenbesuch und zufriedenstel. lende, ja, in vielen Branchen recht günstige Um- s ä tz e tarnen zustande. Die diesjährige Messe ging — im Gegensatz zu den vorhergehenden Jnflationsmessen — unter stabilen Wirtschaftsverhältnissen vor sich.

Die Folge der Währungssanierung war ein übe r- reiches erstklassiges Warenangebot, feste Preise und kr: lante Bedingungen. Die K a u f e r s ch a s t war aufnahmewillig, wenn auch die Kaufkraft bei weitem noch nicht die Stärke der Vorkriegszeit erreichte. Am Freitag der Meßrooche stieg die Zahl der geschäftlichen Besucher auf rund 170 000, eine bisher noch nicht erreichte Frequenz. Die I n • landskunds chatt bestimmte vor allem das Messe­geschäft. Das Ausland spielte auf der Messe nicht mehr wie in den letzten Jahren die dominierende Rolle. Der ausländische ,.A ll e s t ä u f e r" wird wohl jetzt die Pariser Messe bevorzugen, um auf Grund des Frankensturzes eine „Ausverkaufs- Möglichkeit auszunutzen. Da Jnlandskauf- kraft und Jnlandsabfatz das Messegeschäft be­stimmten, prägte sich die Tendenz der Messe mit Rücksicht auf die Kapitalsknappheit vor allem in Preis­senkungen aus. Der Kreditverkehr, der in der letzten Zeit der Inflation völlig zerrüttet war, hat sich wieder belebt. „Sechs Wochen Ziel in sechs Akzepten" waren als Gefchäftsbedingung an der Tagesordnung. Die ominöse Klausel „frei­bleibend", die dem Ansehen der deutschen Wirtschaft im Ausland viel geschadet hat, ist, nachdem Deutschland ein „edelvalutaris che s" Land geworben ist, als Geschästsgrundlage verschwunden. Zum Teil wurde noch ein längeres Zahlungsziel als sechs Wochen eingeräumt. Unterstützt wurde das Messegeschäft durch eine lebhafte Meßreklame, die vielen Arbeitslosen Beschäftigung bot. In den Mcsseumzügen sah man neben viel Althergebrachtem doch auch neue, wirkungsvolle Ideen. Cs sei nur auf die geschickte Stra- ßenreklame durch Radio-Lautsprecher und auf den Flugblattabwurf durch kleine, wendige Sportflug- zeuge hingewiesen. A

Die „Technische Messe", überreich beschickt, war bis zum Ende stark besucht, und der Verein deut, scher Werkzeugmaschinenfabriken hat die Verlängerung seiner hervorragenden Ausstellung bis zmn Mittwoch nach bei Meßwoche beschlossen. Selbst bie Baumesse, die infolge dos Darniederliegens der Bautätigkeit seit Jahren ungünstig abschnitt, ist mit dem Geschäft der Frühfahrsmesfe außerordentlich zu- f rieb en. Wenn es richttg ist, daß die Messe der „Gradmesser des Wirtschaftslebens" ist, so wird deutlich erkennbar: es geht aufwärts mit dem deutschen Wirtschaftsleben!

Die „Gesimdungskrise", eine Folge des Abbruchs der In statt ou swt rts chaft, ist zum größten Teil überwunden. Das Messeergebnis, das seinen sichtbaren Ausdruck in den überwiegend gut gehüllten Orderbüchern der Aus­steller gefunden HÄ, wird sehr bald auf den deut­schen Arbeitsmarkt günstig einwirken und eine Herabminderung der großen Zahl van Erwerbslosen zur Folge haben.

Kurland.

* Ter Kalif in der Schweiz. Bekanntlich ist bet aus bet Türkei verbannte Kalif, bas zeitliche Ober­haupt be§ Islam, in Territet am Genfer See ein« getroffen. Ein Mitglied ber Schweizerischen Re« gierung hat ihn besucht. Dem Aufenthalt bes Ka­lifen in bn Schweiz stehen keine politische Bedenken entgegen.

* Dar irische Problem. Die Regierung bts irischen Freistaates hat bie Verhaftung zweier höh­erer Offizere, be8 Generalmajors Tobin unb bes Obersten Talton angeorbnet. Sie werben der Meuterei beschuldigt. Eine spätere Meldung be­sagt, bie Meuterei war bie Folge Oer Entlassung von 800 Offizieren, welche burch ihre Unzufrieben- heit verursacht wurde. Es wirb gemelbet, baß der Kommandant der Templemore Kaserne bei dem Empfang der Mitteilung von der Demobilmachung mit seinen Leuten nebst Maschinengewehren in das Hügelland gezogen sei. Panzerwagen sind gegen sie entsandt worben.

* Die Zentralexekutive bet Sowjetunion hat ben Hanbelsvertrag mit Italien ratifiziert.

* Spaniens Kampf in Marokko. Nach einer Meldung auS Madrid erklärt eine Note bes Direk­toriums, baß ber Staub bet Operationen in Marokko sehr zufriebenstellenb sei. Das Oberkommando habe die Absicht, sie weiter zu betreiben, mit dem Ziel, ihren Erfolg zu befestigen und bem Feinde die Macht Spanien? zu beweisen.

wirtschaftliche Uampfbewegungen.

--- Streift im Hamburger Hafen. Die Urabstimmung der gesamten Hamburger Hafenarbeiterschaft hat mit überwie gen derMehrheit zum Streikbeschluß geführt. Die Arbeitsniederlegung soll am Dienstag erfolgen. ___

Schule und Volksbildung.

— Stagen ver Stenographie. Im Reichstagsausschuß für Bikdungswesen wurden u. a. Petitionen auch eine Eingabe des Reichsbundes für Nationalsteno, grapHie behandelt. Die Petition wendet sich gegen den vom Reichsministerium des Innern angeblich beab» fichtigten staatlichen Zwang der Schaffung eines Erni. gungssystemS GabelSberger-Stolze-Schrey und verlangt statt dessen ein wissenschaftliches Verfahren, tn dem neben ben Einigungsverhandlungen Gabelsberger- Stolze-Schreh gleichzeitig staatlich unparteiisch geleitete Vergleichs- oder BewShrungSkurfe durch erfahrene päda- gogifch geschulte Kräfte zwischen den Stenographie-, systemen veranstaltet werden sollen. Die Eingabe wurde auf Vorschlag des Berichterstatters der ReichS- regicnmg zur Serückjichtigung überwiesen.