Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
’ Nr. 59.
Berantwortlich iür die Eckrittleitiniz: St. JobanneS «tarnet. Anzeigen: I. $arselter, Fulda. Rotationsdruck lind Verla« der n Fuldaer Tctiendruckerei in Fulda. Fernldrechet Rr. 9. ::
BerugSvreiS: Monat Mär» 1.80 Koldmart-
Sonntag, 9. Marr 1924.
Sn,eigen-Vrei!e: «leinreile <To!onei> lokal o. 15 Goldmark, auswärts 0,50 Goldmar?: Reklameteile lokal 0,60, Goldmark “ auswärts 0,80 Goldmark. :.
Vei Wiederbo'unaen Rabatt- Dostlcheckkonto Frankfurt a. SR. 4051'
51. Zahrg.
Die M tun die MMSMM liegt jetzt im Wortlaut vor. Inhaltlich deckt sie sich mit dem, was bisher darüber schon mehrfach mit* geteilt worden ist: zunächst will die Entente noch* mals eine G e n e r a l k o n t r olle vornehmen, dann eine neue Regelung ins Auge fassen. Mit Schlagworten ist dem Dokument gegenüber jedenfalls nichts anWfangen. Der Ton der Rote ist, gegenüber früheren Schriftstücken dieser Art, sachlich. Die deutschen Blätter, die sich zu dem neuen Dokument der Botschafterkonferenz äußern, stellen übereinstimmend fest, daß es sich hier um ein Kompromiß zwischen den Regierungen von Frankreich und England handele. Die in der Rote angekündigts Wiederaufnahme der allgemeinen Militärkontrolle bedeute für das deutsche Volk eine neue schwere moralische Belastung.
Die „Germania" betont den Wunsch, aus der Sackgasse herauszukommen, in der man stch im Augenblick befinde. Sie könne aber nicht Maßnahmen zustimmen, wie sie die Note vorsehe, die über den Versailler Vertrag hinausgehen. Die alliierten Regierungen dürften nicht vergessen, daß auch die deutsche Regierung mit einer öffentlichen Meinung zu rechnen habe, und daß aus der Mißhandlung der deutschen Seele schwach der Zustand der Beruhigung und des zum Frieden erwachsen könne, der die beste Sicherung für Frankreich sei.
Das „B. T." bezeichnet die Forderung der nochmaligen allgemeinen Militärkontrolle für Deutschland als unerträglich. Hinsichtlich des m der Note erwogenen Garantiekomitces bemerkt das Blatt, es fei zwar m Aussicht gestellt, daß das Komitee nicht dauernden Charakter haben solle, aber eine sichere Bindung für die zeitliche Begrenzung der Wirkung des Komitees fehle.
Der „Vorwärts" erhebt im Sinne des Versailler Vertrages, der die Abrüstung einerseits Deutschland, aber die Einleitung allgemeiner Rüstungsbeschränkungen allen Nationen auferlege, die F o r d s r u n g, die in dSm Vertrag und in der Note vorgesehene Völkerbundsaufsicht unterschiedslos' auf alle Völker auszudehnen. Nehme Deutschland als glelichberechtigtes Mitglied der Völkergsmem- sckast an der Ausübung dieser gegenseitigen Auf- sicht des Lökerbundes über seine Mitglieder teil ^Nrverwirkliche sich der Bund gleichberechtigter
♦
Auf die Steigerungen hin, die Dr. Stresemann an Reichstag über die damals noch nicht im Wortlaut vorliegende Note gemacht hat, liegen Stimmen ausEngland vor. Es wird dort gesagt: Deutschland behaupte, die von den Sanierten geforderte Entwaffnung ausgeführt zu haben. Die Alliierten feien indessen während des ganzen letzten Jahres außerstande gewesen, irgendeine Inspektion zu Mternehmen, und hätten daher kein Mittel, die R: ch t i g k e i t der deutschen Behauptungen n a ch- z u p r ü f e n. Wenn Deutschland die Annahme des von den Alliierten vorgeschlagenen Garantiekomitees ablehne, so bleibe den Alliierten keine andere Wahl, als die beschwerliche und schwerfällige Kommission Rollet beizubehalten, die doch in Deutschland entschieden unpopulär ist.
Die deutsche Regierung erklärt dazu: Nicht richtig ist die Behauptung, daß die Alliierten während des ganzen letzten Jahres außerstande gewesen seien, eine Inspektion vorzunehmen, und daß sie daher keine Mittel hätten, die Richtigkeit der deutschen Behauptungen nachzuvrüfen. Tatsächlich I. der Zeit zwischen dem 15. Januar und dem 31. Mai weit über 250 Kon trollh an d lun - §/nnJ70r^enommen morden, und nicht weniger als 240 Kontrollhandlungen haben auch glatt durch. geführt werden können, deshalb nämlich, weil in diesen Fällen die interalliierte Militärkontrollkom- mission bei der Zusammensetzung der Inspektionskommissionen auf die durch den Ruhreinbruch aus- gelöste Stimmung der Bevölkerung Rücksicht nahm. Daß die Kommission vom Monat Juni an diesen Brauch verlassen hat, ist eine Maßnahme, d,e sie nicht der deutschen Regierung zu verdanken hat.
ZinLende Valuten.
Das Andauern des Frankensturzes. — Die bedrohte spanische Währung.
Die Bank von Frankreich gibt über das Anwachsen des Notenumlaufs um 921 Millionen Franken in der abgelaufenen Berichtswoche folgende Gründe an:_ Dieses Anwachsen fei zum Teil auf die Ultimobedürfnisse zurückzuführen, zum Teil aber auch auf das allgemeine Anziehen der Preise, das die Industriellen und Handelsleute nötigte, ihre Disponibilität zu vermehren. Jeder Kaufmann — fo wird erklärt — müsse, wenn die Preise steigen, sein Betriebskapital vergrößern ober den Umfang feines Geschäftes verringern. Man müsse also zwischen zwei Gefahren wählen, entweder die wirtschaftliche Tätigkeit des Landes zu beschränken oder den Notenumlauf zu vergrößern.
*
Einer Meldung aus London zufolge wurde an der dortigen Börse am Freitag das Pfund offi- giell mit 111,75 Franks notiert.
*
Nach einer HavaSmeldimg aus Madrid ist infolge bei Sinken be? Peseta? burch Derord* nung de? Direktoriums bet Devisentermin, handel verboten worden. Beim Erwerb von Effekten oder beim Umsatz von ausländischer Valuta «ird an der Börse und im Bankverkehr der Na-r>« veis eines Importgeschäftes verlangt.
von der Regk-Vahil.
Nach einer Havasmeidung ans Mainz hat die französisch-belgische Regie der deutschen Eisenbahnverwaltung mitgeteilt, daß sie entsprechend dem Mainzer Abkommen vom 16. Februar geneigt sei, die internationalen Züge wieder einzurichten, die früher auf den Strecken des besetzten Gebieter verkehrten und zu den internationalen Konferenzen, die die Vorbedinungen für diese Wiederaufnahme de? internationalen Zugverkehrs zu regeln haben, ihre Vertreter zu entsenden. Man nehme an, daß auch die deutsche Eisenbahnverwaltung sich für die Wiedereinführung dieser Züge auSsprechen werde.
Die neue Türkei.
Dir Abreise des Kalifenhmts«.
Rach einer Meldung aus Konstantinopel ist ein Teil der Prinzen und Prinzessinnen a b g e- r e i ft. Die meisten reifen bei Abteils der gestellten Frist zur See oder zu Lande nach Rumänien,
Frankreich, Italien, der Schweiz, Aegypten und Syrien ab. Jeder erhält bei der Abreise 10 0 0 türkische Pfund. Später soll eine Gefanrt- stünme nachverteilt werden, deren Höhe die Nationalversammlung bestimmen wird.
Wie dem „Journal be Geneve" gemeldet wird, ist der frühere Kalif bereits in Trrritet am Genfer Sse mit seiner Familie emgetwffen und im Grand-Hotel abgestiegen. . 6.
Nach einer Meldung aus Konstantinopel ist das türkische Kabinett zurückgetreben und von Ismet Pascha, entsprechend den von der Nationalversammlung angenommenen Refor-mbestimmungen umgebildet worden. Auch in dem neuen Ka- bmet ist Ismet Pascha Ministerpräsi- bent und Außenminister. ,
Renier meldet aus Jerusalem: König Hussein ist zum Kalifen von Transjordanien, Mesopotamien und Hedschas proklamiert morden.
im
kampfes und des Martyriums war auch die Zeit
Kivchenpolstifche Bedrängnis rief das Zentrum Jahre 1871 ins Leben. Die Zeit des Kultur-
ber der
großen Zenll unshelden. Eine gemeinsame, aus Tiefe kommend« Woge trug unsere Führer über den Durchschnitt des Alltags hinaus und verlieh
Die Seidrumspartei im Lichte der Gegenwart
Bon Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Nuß (Worms).
einer P,stol, in der Rechten im Saal erschienen. Die Hmaussührung von Kahrs, v. Losiows und Seissers sei unter Eskorte von Bewaffneten erfolgt, d>e alle den Revolver in der Hand hotten. Hitler habe vorher erklärt, wenn nicht Ruhe herrsche, werde er ein M a - schinengewehr auf die Galerie bringen lassen. Hauptmann Göhring habe gleichfalls einen Schuß gegen bie Decke abgefeuert. Später seien die Re- volver verschwunden. Er hätte den Eindruck eines wohl vorbereiteten, brutalen Ueberfalls geerbt. Die Erklärung der Herren sei nach seiner Austastung unter direktem Zwang abgegeben worden und nach seinem Ge- mhl nicht ernst gemeint gewesen. Die Herren hätten nach seiner Meinung nicht anders handeln können, als daß sie scheinbar zunächst ihre Einwilligung gaben, weil sie sich sogen mußten, daß es sonst zu unglaublichen Auftanben gekommen märe.
hierauf machte Geheimrat Gruber Aussagen über Wahrnehmungen im Sürgerbräu. Er müsse sagen, daß Ludendvrff überrascht worden fei.
Die Aussagen des nächsten Zeugen Universitütsprofes- sarr Dr. Müller gehen dahin, daß er von den Vorbereitungen der Versammlung nichts wußte. Als Kahr und Hitler miteinander sprachen, hörte der Zeuge Müller deutlich die Worte: „Es wird alles in zehn Minuten erledigt sein." Er, Zeuge, hotte das Gefühl, daß inan in einer Mausefalle sa ß. Daß Hitler gegen Kahr vorgehen würde, hielt er für wahrscheinlich. Den Gedanken, daß es nicht ernsthaft sei, habe er keinen Augenblick gehabt.
Oberregierungsrat Sommer vom Staotsmmiste- rium de» Aeußern bemerkt zur Verhaftung der Minister, er habe seinerseits Kahr wegen der Verhaftung des Ministerpräsidenten gesprochen und um des- fen Freilassung erfucht. Kahr zeigte sich tieftraurig und sagte, er werde das. Weitere veranlassen. Hierauf entfpinnt sich zwischen Hitler und dem Zeugen eine Ai^einandersetzong wegen der Behauptung des Zeugen, daß im Saale Maschinenpistolen getragen mürben, was Hitler bestreitet. Auf die Frage eines Der- tewigers, worum Sommer feinen Ehef, den Ministerpräsidenten o. Knisiing, veranlaßt habe, die Der-
3ni »menet sm .: nab zu Beginn der Verhandlung am Freitag Jusiizrat Kohl folgende Erklärung ab:
.Ich bedauere meine in der Erregung über die Verhaftung d-S Hauptmanns Weitz gemachten verletzen- den Aeutzerungen, die den Herrn Ersten Staatsanwalt veranlatzten, den Sitzungssaal zu verlaffen. Die Ab- sicht einer Beleidigung lag mir fern. Ich stehe nicht an, den Herrn ersten Staatsanwalt um Entschul- vigung zu bitten.»
„ Der Vorsitzende stellte fest, daß damit der Zwischenfall beigelegt fei. GZ sei tief bedauerlich, daß derartige Angriffe gegen die anklagevertretende Behörde vorgekommen seien. Im Diederholungksall werde dos Gericht unter Umständen genötigt sein, da? Verfahren gegen den einen oder anderen Angeklagten vom Hauptverfahren abzutrennen. um eine ordnungk« mabtge Durchführung des Prozesses ju ermöglichen.
Dann wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren-
Der Zeuge Hauptschristleiter S ch i e d t, der ein Hauptmitarbeiter Kahrs gewesen fein soll, wird unvereidigt vernommen. Er hat v. Kahr veranlaßt, am 8. November im Burgerbräu eine Rede gegen den Marxismus zu halten. Auf die Frage der Staat«mwaltschast, ob der Zeuge erwartet habe, daß Kahr, Leister und Lossow bas Unternehmen ernstlich mitmachen würden, erklärte Schiebt, er habe das nicht erwartet. Es hätte nur eine völlige Sinnesänderung fein können. Schiebt bestätigte, daß er während feiner Tätigkeit beim Generalstaatskonnaissariat «uch seinen Posten als Hauvtschristleiter der „Münch e- ner Zeitung" beibehalten habe. Zur Frage, ob Schiebt Beamteneigenschast besitze, stellt Staatsanwalt Ehardt fest, daß bte Staatsanwaltschaft diese Frage be- iahen zu müssen glaube und eine Entbindung vom Amtsgeheimnis angeregt habe.
Der nächste Zeuge ist Generaloberst e. D. «ras «othmer, der vereidigt wird. Der Zeuge bekundet über b« Vorgänge im SürgerbrSuteßer, Hftlc. sei mit
ihnen Seelengröße u. den Abel reiner Persönlichkeit. Im heißen Kampfe gegen starke Mächte scharte sich bas ganze katholische Volk Deutschlands wie um seine geistlichen fo auch um ferne politischen Führer und Vorkämpfer. Das alte, heute säst wie abge- braucht ffirtaenbe Wort: „Fester nach jedem Sturm stehet der Zentrumsturm!" war damals eine tief empfundene Wahrheit. Es war läuterndes und prii- fenbes Feuer, bas in der großen Zeit auf dem ehrfürchtig gehüteten Herde der Partei loderte.
Inzwischen ist es bei uns von Grund aus anders geworben. Die Zentrümspartri kam von der Opposition zur Regierung und Verantwortlich» keit. Sie hatte jetzt zu zeigen, daß sie dem Volke etwas zu geben vermochte. Sie mußte produktiv arbeiten. Aus der Negative der Abwehr und des Kampfes kam sie zur Positiven, zur bejahenden, schöpferischen Arbeit im und am Staat. Allmählich stellten sich Gefahren ein. Wer in den 70er und 80er Jahren zum Zentrum gehörte, war verfehmt, war bei den anderen gesellschaftlich und wirtschaft- sich geächtet. Wer später bis auf die heutige Zeit sich zum Zentrum bekannte oder bekennt, braucht Fehme und Aechtung nicht mehr zu fürchten. Der November 1918 gebar nicht bloß NoveMbersozia- listen, fonbem auch Novemberzcntrums- leute! Es gibt heutzutage manche, Hoffentlich nicht viele, die nÄt Nebenabsichten imb eigennützigen Hintergedanken dis Zenteumsfahne schwingen." Da müssen wir die Spreu vom Weizen scheiben. Sonst kommt zu viel Unkraut auf den Zentrumsacker.
Eine weitere Gefahr war die in dem Zwang der Derhältniffe begründete Notwendigkeit zur Bildung von Koalitionen. Dir mußten und müssen die Verantwortung übernehmen für die Fehler und Dummheiten a,n derer, die uns wesensfremd sind, aber zur Arbeitsgemeinschaft der Koalition gehören. Jede Koalition ist eine Stärke und zugleich eine Schwäche.
Das Vaterland und die Kirche erwarten und verlangen etwas von der christlichen Vvlkspartei des Zentrums. Mehr Aktivität! Mehr Initiative! Die immer noch verworrene außenpolitische Sage mit der immer noch nicht ge- lösten Rhein-Ruhr- unb Pfalzfrage erheischen gebie« tertftf) bett ganzen Krafteinsatz und bie angestrena- tefre Kräfte-ntsaltung des Zentrums, und zwar der eigenen, typischen Gedankenwelt des Zentrums.
Hier muß unsere Partei wirklich heraus aus dem Turm. Mit einem passiven Gehen- und Geschehen- lassen ist weder dem Volk« noch der Partei gedient. Das Zentrum hat es in der Hand, eine aktive europäische Friedenspolitik tm Sinne des Papstprvgramms unb zur Befriedung der Nationen unb Völker zu inaugurieren. Stresemannscho Reden fdfeinen uns allerdings nicht durchweg au diesem Weg« zu liegen. Das Zentrum trägt bie großen Papstgebanken der We lt b es r ied u n g in sich. Sein Programm atmet unb kündet den Frieden. Wir brauchen nur Eigenes zu geben. Um eins den europäischen Frieden wieder aufbauende unb fördernde Politik zu machen. Gewiß können wir's nicht allein. Aber die Initiative können wir ergreifen, die Führung können wir übernehmen. Voran treiben können wir das Gute unb Edle auf außen- und innerpolitifchem Gebiete. Unser christliches Programm steht hinter uns! Wir brauchen es nur mit schöpferischer Aktivität unb btin Willen zur Tat zu entfalten.
Bei der Kritik an den Taten oder Unterlassun- gen der Zsntrumspartei darf man nun aber nicht in den Fehler des Schematismus und der Schabfone verfallen, indem man sagt: Am so und so vielten hat Windthorst dies gesagt, Ketteler das geschrieben, und heute? Diese Fragestellung ist oberflächlich unb wirb den Besonderheiten der sich ändernden Zeit- verhältniffe nicht gerecht. Die Frage muß vielmehr so gestellt werden: Was würde unter den heuti- 8«n Verhältnissen und im gegebenen Falle Windthorst sagen unb Ketteler schreiben?
Die Reinheit des Wollens unb Handelns von Männern wie Marx steht außer jeder Diskussion. Auch die Tatsache, daß die Zentrumsfraktionen des Reichstags unb ber Einzellandtage heute ganz anderen Schwierigkeiten gegenüberstehen wie früher, ist nicht zu bestresten. Dies alles kann aber den Wimfch, ja die Sehnsucht der weitesten Wähler- schichten nicht unterdrücken, daß bie Zentrumspartei mit ihrem hervorragend echischen Programm und mit ihrer ruhmreichen Geschichte noch mehr als bisher dem neuen Deutschland in ber Außen- unb Innenpolitik den Stempel ihres Geistes aufbrücken möge.
Gawte 51 ärmer, ganze Persönlichkeiten auf bem GoDgrimbe ber Moral, das ist es, was unser Volk auch sm politischen Leben voll innerer Sehnsucht vertengt. Ich möchte bas, was uns heute bewegt imb was wir vom Zentrum unb seinen Führern forbem, in die kurze Formel bringen: Die Zentrumspartei diene in allen ihren ®liebem dem wahren Wiederaufbau im Zeitalter des sittlichen Abbaus! Deutschland, ja Europa wird es ihr danken.
Vie Lage im Reichstag ist durch bie neu aufgetretenen außenpolitischer, Fragen ber Golbkrebitbank und der Militär« kontrolle noch komplizierter geworben, als sie es schon war. lieber Auflösung und Tag ber Neuwahlen gehen bie Meinungen noch immer her und hin. Die demokratische Reichstagsfraktion kam neuerdings zu bem Schluß, daß die Neuwahlen b e- schleunigt vorgenommen werben müßten. Da aber für bixsen Tag nur ber 13. April, der Palmsonntag, zur Verfügung steht, so müßte in Be- fprechungen mit den anderen Fraktionen geklärt werden, ob nicht ausnahmsweise am Samstag vor bem Palmsonntag bis Wahlen vorgenommen werben könnten. Ein Hin» auszichen des Wahlkampfes über die Karwoche hält die Fraktion für unerwünscht.
Zu dem beutschnationalen Antrag, daß bie N e u« wähl des Reichspräsidenten gleichzeitig mit den Reichstagswahlen stattfinden soll, hört ber „Derl. Lokatenzeiger" aus parlamentarischen Kreisen, baß der Reichspräsident selbst den Wunsch äußerte, daß der Antrag noch vom jetzigen Reichstag erfcbigt werden möge, damit nicht der Eindruck enkstche, als ob durch bie schnelle Auflösung bes Reichstages allein bie Scrbinbimg dieser beiden Wahlakte unmöglich gemacht werde.
3n der Reichskagssitzung
am Freitag erregten vor allem bie Ausführungen des Reichsernährungsministers Grafen o. Sanitz Aufmerksamkeit. Der Redner erklärte u. a.: Die Landwirtschaft leidet gegenwärtig unter einer Erttagskrise, die nun baL auch der ganzen deutschen Derbraucherschaft sehr empfindlich fühlbar werden wird. Der derzeitige Steuerdruck auf die Landwirttchaft ist auch nach der Mei» mmg des Finanzministrrs nur ganz vorüber^ gehend tragbar. Die Landwirtschaft muß aber jetzt vorübergehend fchwere Lasten bringen, um die von ihr selbst gestützte Rentenbank stabil zu erhalten. Die von Helfferich gegen di« Goldkreditbank gerichteten abfälligen Bemerkungen kann ich nicht billigen. Die Rentenbank allein kann die Kreditansprüche 6er Wirt, schalst nicht befriedigen. Die Landwirtschaft hat das größte wirtschaftliche Interesse an der Goldkreditbank. Wir sind jetzt kurz vor dem Ziel ber wirtschaftlichen Erleichterung. Die nächsten Monate werden noch sehr schwer fein. Aber die Landwirtschaft und Finanzwirtschaft darf nicht vor dem Ziel den Kopf verliefen. Auf die Dauer läßt sich auch der jetzige Zustand der Schutzlosigkeit der Landwirt- schaff gegen die U-berschwemmung durch das Ausland nicht aufrechterhalten. Es geht nicht an, daß die Landwirtschaft schutzlos ist, aber durch den Zoll geschützte Produkte der Industrie kaufen muß. Es fragt sich nur, wann man an die Lösung dieser Frage Herangehen kann. Ich habe keine Veranlassung, jetzt näher darauf einzugehen, wo keine der politifck>en Parteien daran denkt, kurz vor den Wahlen diese Frage anzuschneiden. (Heiterkeit.) Die I3anbroirtfd)aft ist zur Zeit zahlungsunfähig. Agrarkrisen sind aber die größte Gefahr für ein Sott. Erzeuger und Verbraucher sind auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden durch die Pro»' sperität der heimischen Scholle. Die Landwirtschaft ist nicht Selbstzweck, sondern die gegebene Grundlage für die körperlich: imb seelische Erneuerung des deutschen Volker. (Lebhafter Beifall.)
Es sprachen noch die Abgeordneten Fischer (Dem.), Dr. D e y e r l e (Bauer. Volkspartei) und der Kommunist Bartz. Damit ist btt allgemeine Ausiprache geschlossen.
3n ber nächsten Woche
soll zunächst am Montag bie zweite unb britte Beratung ber Haushaltsgesetze stattfinden. Am Dienstag wirb ber Gesetzentwurf über bie Kolbnotenbank unb bas Postsinanzgesetz in erster Lesung zur Beratung stehen. Man hofft, am Mittwoch unb Donnerstag diese Beratung in zweiter unb britter Lesung zu Ende zu bringen. Damit hätte ber Reichstag feine Arbeit beenbet
Keine Wahlreform.
Ter Minister be8 Innern IaneS hot bei» Rcichsrat mitgeteilt, bax, nachdem ber Aeltestenrai des Reichstag« bezüglich der Wahlreform auf einem ablehnenden Standpunkt stehen geblieben fei, nunmehr da? ReichSkabinett sich entschlossen habe, von der Einbringung einer Wahlreformvorlag« jetzt abzufehen.
fammlung im Bürgerbräukeller zu besuchen, verweigert der Zeuge die Antwort unter Hinweis aus seine Schweigepflicht.
In der Nachmittagsitzung erklärte der Zeuge Fabrik- bescher Kühner-München, Vorstandsmitglied der Vater- ländischen Verbände, Kahr, Losiow und Seisser seien sich darüber klar gewesen, daß eine Auseinandersetzung mit Berlin kommen mußte. Fraglich sei es aber gewesen, ob es sich wirklich um einen Marsch nach Berlin gehandelt hätte. Leute mit Maschinenpistolen habe er nicht gesehen. Generalmajor v. Hemmer hatte den Eindruck, daß Losiow und Seisser chre Erklärungen im Bürgerbräu nur gezwungen abgaben. Ministerialdirektor Muller vom Justizministerium hat den Einbruch der Bewaffneten als einen plötzlichen UeberfaO angesehen. Generalleutnant o. Kleinhenz hatte ebenfalls den Eindruck, daß den Beteiligten ihr Entschluß furchtbar schwer geworden sei. Er habe sich in den Freudentaumel nicht mit hineinreißen lasten, weil er sich bewußt gewesen sei, daß unter Um- ständen großes Unglück daraus entspringen werde.
©eneralmajoT Frhr. v. Kreß protestiert zunächst als Führer,der 7. Division gegen die schweren Verdächtigungen der Reichswehr bei den Verhandlungen. Die Behauptung, daß aus dem Lastkraftwagen auf dem Odeonsplatz geschossen worden fei, fei unrichtig. Oberleutnant Braun habe den Leutnant Easella nicht erschossen. Braun habe auch nicht versucht, Offizieren der dem Hauptmann Röhm unterstehenden Abteilung die Mdiferftücte und Portepees «bzunehmen. Auch die Angabe, daß nach durchgeführter Einschließung de, Gebäudes des Reichswehrkommando, di« Reichs» wehr den. Waffenstillstand gebrochen und da, Feuer eröffnet habe, fei fa lf ch. Die ersten Schüste feien aus dem Wehrkreiskommando gefallen. Dadurch feien zwei Pioniere verwundet worden. Entgegen der Behauptung, daß nicht die Absicht bestand, das Gebäude zu verteidigen, verliest der Zeuge den Bericht eine, Augenzeugen, der feine Aussagen aus feinen Eid