M 59.
Sonntag, 9. März 1924.
«- Fuldaer Zettung
Druck der Fnldaer Aekiesdvnckeeei teSPO* 3. Blatt.
Volkswirtschaft und Linrelwirtschäft
Lin Vierteljahr währungsanjban. l^,Sy*r«
Dor.
. Seit Januar haben
,tu?, u,^ uu= vu. genannten Zahlen hervorgeht, die Einnahmen durch Eingänge aus einmaligen Sterxrn und Umstellung des Steuersystems auf
von Kalisalzen selbst zu gewähren. Die Derkaufsbedm- gungen des Katilyndikats lauten jetzt dahin, daß allen kreditbedürftigen Landwirten Kalisalze aller Sorten mit einer achtmonatigen Zahlungsfrist — also gegen Zahlung nach der Ernte — zu einem niedrigen Zinssatz zur Verfügung gestellt werden, der nur 60 Proz. des jeweiligen Reichsbankdiskonts beträgt.
Das Kalisyndikat räumt den Landwirten durch dteft Kreditgewährung ganz außerordentliche Vorteile ein. Man kann durchschnittlich annehmen, daß bei Getreide eine Düngung mit 3 Ztr. Kainit pro Morgen einen Mehrertrag von 1 Ztr. Roggen und 1 Ztr. Stroh bewirkt. Selbst wenn unsere Getreidepreise weiterhin imter den Weltmarktpreisen bleiben sollten, beträgt der Wert des durch die Kalidüngung erzielten Mehrsrtrages bei Se- treide rund das Doppelte vom Preise des Kalls inklusive Fracht Bei den Hackfrüchten und Futterpflanzen, ine als Kaliftesser bekannt sind, liegen die Verhältnisse noch günstiger: bei den Kartoffeln z. B. läßt die Kalidüngung mit 3 dz 40proz. Salz pro Hektar einen MehrertrakI °°n 27 Hz erwarten, wodurch also eine glanzende Rentabilität des Kalis gewährleistet wird.
Der Landwirt, der Kali verwebet, ist somit in der Lage, Geld, welches er zu einem Zinssatz von 6 Proz. geliehen bekommt, so anzulegen, daß er nach Abzug ferner Unkosten aus die zehnfache Verzinsung rechnen kann. Der Landwirt muß heute ein scharfer Rechner sein und muß seinen Betrieb nach kaufmännischen Grundsätzen leiten, sonst ist alle feine Mühe umsonst. Als guter Kaufmann wird er ohne wetteres den Vorteil wahrneh- men, den die Kreditgewährung für Stofi, ihm bietet und im Interesse der Allgemeinheit ist zu hoffen, daß me zur Verfügung stehende kurze Zeitspanne ausrercht, um nach Möglichkeit vielen Landwirten es zu ermöglichen, daß fi« sich auf diese Weise noch mit Kali für di« nächste
GoDbafis wesentlich erhöht, »benso wie die Ausgaben sich infolge einer stärkeren Auswirkung der Sparmaßnahmen weiter vermindert haben und sich künftig noch weiter vermindern werden. Infolgedessen ist das Reich in der letzten Zest weniger auf die Inanspruchnahme der Rentenbankkrrdite angewiesen gewesen. Es war ihm sogar möglich, kürzlich 100 Millionen des Rentenbankkredsts zurückzuzahlen.
Angesichts der fest Beginn der Sanierungsaktion verflossenen kurzen Zeit muß das bisher vorliegende Ergebnis als durchaus befriedigend bezeichnet werden. Es konnte nicht anders erreicht werden als — neben den rigorosen Einschränkungen auf dem ganzen Gebiet der öffentlichen Verwaltung — durch eine steuerliche Belastung der Wirtschaft und jedes einzelnen Staatsbürgers in einer Höhe, wie sie in anderen Ländern für unerträglich gehalten würde. Alle finanziellen Kraftanstrengungen freilich u. alle Entbehrungen werden auf die Dauer nicht zum Ziel führen können, wenn nicht endlich auch an den Abbau derjenigen unproduktiven Ausgaben herange- gtrogen werden kann, die an dein Mark der deutschen Volkswirtschaft zehren und den Staatshaushalt aufs schwerste belasten' der Desatzungskosten.
diesem Gebiet übersehen.
Der Wirtschaftsplan, der für den Rest des Fiskaljahres vom 15. Roo ab m Goldmark (---- Ren- lerrmart) neu aufgestellt worden 'st, sah an Einnahmen aus Steuern, Verbrauchsabgaben und Zöllen einen Betrag von 1381 Millionen GM. vor, wozu aus dem Kredit der Rentenbank 585 Millionen GM. kamen. Das Ziel bei der Veranschlagung der Ausgaben war klar: die verschiedenen Dienst- Mveige dursten nur insoweit mit Geld versorgt werden, als es die Mittel der Reichskaffe erlaubten. Die notwendigen Einschränkungen — das ist das charakteristische Merkmal der Staatswirtschaft m den jüngsten Monaten —t sind daher soweit gegangen, daß selbst vorhandene Verpflichtungen und unabweisbare Bedürfniffe nicht mehr voll befriedigt werden konnten. Denn jeder Anlaß zu einer neuen Inflation mußte rücksichtslos verhindert werden. Dor allem haben die Betriebsverwaltungen (Reichsbahn, Reichspost- und Telegraphen- oerwaltung) vom Reich keinen Zuschuß 'mehr erhalten. Die auf allen Gebieten, insbesondere der Deamtenbesoldung, durchgeführen Sparmaßnahmen haben in den Ausgaben der allgemeinen Rsichs- verwaltung von Dekade zu Dekade (obwohl immer wieder starke Schwankungen nach oben vorka'men, die durch die ungleichmäßige Verteilung der Zahl- termme auf die Dekaden verursacht werden) bereits eine beträchtliche Verminderung herbeigeführt. Im Dekadendurchschnitt betrugen die Ausgaben der allgemeinen Reichsverwaltung im Januar 147,8 Million en GM. gegen 165,4 Millionen GM. ’m Dezember. Man muß bedenken, daß dieser Rückgang um 17,6 Millionen GM. nn Dekadsn- durchschnitt bereits in den ersten Stadien der Sanierungsaktion erzielt worden ist, trotzdem die Bereinigung der Ausgabenposten noch nicht in vollem Umfange wirksam werden konnte.
Dem Rückgang der Ausgaben steht eine Ver- vrehrnng der Einnahmen gegenüber, die entsprechend der gewaltigen steuerlichen Anstrengun entsprechend der aewaltigen steuerlichen Anstreng mg außerordentlich ist und das erstrebte Ziel der Da- lanzierung des Staatshaushaltes innerhalb der gefetzten Frist in immer größere Nähe rückt. Von 32.9 Millionen GM. m der ersten Dezemberdekade imd die Einnahmen in der letzten Januardekade auf .18 8,8 Millionen GM. gestiegen. Diese Zahlen sind indessen von den Steuereingangsterminen l>eeinflußt. Im ganzen Monat Januar betrugen hie Reichseinnahmen insgesamt 503,5Gold Millionen gegen 312,2 im Dezember und 63,2 im November.
Nach dem Ergebnis der ersten sechs Wochen der Wirtschaftsperiode sind die Einnahmen hinter dem Anschlag zurückgeblieben. Erst feit Januar hat sich die Umstellrmg der Steuern und Abgaben auf Gold- bafis in höherem Grad auswirken können. Die Ausgaben ließen sich, was vornehmlich auf die Höhe der Aufwendungen für die Bejatzungs- kosten zurückzuführen ist, auch bis heute noch nicht ganz mit der erwarteten Schnelligkeit herunter- drücken. Trotzdem der tägliche Zuschußbedarf m- zwffchm von 18,4 Millionen Goldmark in der elften DezÄnberdekade aus 1,03 Millionen Goldmark in der letzten Januardekade gesunken ist, mußte das Reich von dem Rentenmarkkrcdit von 1 Milliarde bis zum 31. Dezember bereits 670 Millionen als Zuschuß und 165 Millionen als kurzfristigen Bor-
Ernte versorgen.
Hierbei muß noch auf folgende Punkte Angewiesen werben. Die Kreditgewährung gilt nur für Auftrage, welche dem Kalisyndikat zur prompten Lieferung bis zum 31. März 1924 vorliegen. Das Kalisyndikat behält sich ferner vor, auch vor diesem Zeitpunkte die Annahme weiterer Aufträge zu diesen Bedingungen ab- zulehnen, falls die Reichsbank den zur Durchführung des Achtmonatszieles dem Kalisyndikat zur Verfügung gestellten Kredit zurückziehen oder emschranken sollte. Voraussichtlich werden sich daher die Auftrage auf einige wenig« Wochen zufammendrängen. Es ist nicht sicher, ob es der Eisenbahn gelingen wird, gerade m die,er Zett ausreichend Wagen zu stellen. Dem Landwirte, welcher die Kreditvergünstigung beim Kalibezug sich zunutze machen will, kann daher nur dringend empfohlen werden, seine Bestellung rechtzeitig aufzugeben, wenn er sicher gehen will, daß fein Auftrag zu diesen —- zugsbedingungen Berücksichtigung sindet.
Seit der Einführung der Rentenmark ist wehr ein Vierteljahr verflossen. Die Zwischenlösung der Währungsfrage, die m der Schaffung hes Rentenbankgeldes erfolgt ist, ermöglichte es Überhaupt erst, die notwendigen Schritte zur D a- lanzierun g des Reichshaushalt-s zu tun. Von dem Gelingen dieser Maßnahme hangr in der Hauptsache die völlige Ueberwindung der Währvngsknsls, hie Rückkehr zur Goldwährung der Dorkciegszeit ab Auf die Dauer braucht die weltwirtschaftlich orientierte deutsche Wirtschaft auch im inländischen Verkehr GeDzeichen von international 'unantastbarer Wertgeltung. Cm Rad greift hier ins andere. Im Augenblick hängt alles von der Sanierung des Reichshaushalts ab. Nachdem ein Vierteljahr ver- ,stoffen ist, läßt sich an Hand der von der Reichs- «qieruna den internationalen Sachverständigen vorgelegten Denkschrift („Deutschlands Wirtschaft, Währung und Finanzen", Zentralverlag, Berlin) bereits das vorläufige Ergebnis der Anstrengungen auf
Langfristige Kredite für die Landwirtschaft.
Von Dr. A. I a c o b.
Die Einführung der Rentenmark beseitigte zwar die Gefahr der Geldentwertung, aber der Landwirt mußte für die Stabilisierung einen unerträglich hohen Preis in Gestalt einer drückenden Steuerlast zahlen. Um die Steuern aufbringen zu können, mußten die Landwirte in aller Eile große Teile ihrer Ernte und ihres Viehbestandes verkaufen. Das Massenangebot, welches auf den Markt geworfen wurde, drückte natürlich den Preis der landwirtschaftlichen Produkte sehr stark. Das Ergebnis war, daß sehr viele Landwirte auch jetzt im Frühjahr wieder ohne genügendes Betriebskapital dastanden und daß es ihnen vor allem wieder an dem nötigen Selbe für den Ankauf von Düngemitteln fehlte. Die Aussichten für die Anwendung der Düngemittel für die diesjährige Ernte waren daher äußerst trostlos und da- mtt natürlich auch die Aussichten für die Ernte, denn deren Ausfall hängt mtt der Anwendung einer richtigen Düngung aufs engste zusammen. Pros. Wagner-Darmstadt hat auf Grund seiner zahlreichen Versuche berechnet, daß bei Roggen eine Volldüngung mit 1)4 dz schwefelsaurem Ammoniak, 2 dz Thomasmehl oder Superphos- hat und 6 dz Kamst pro Hektar durchschnittlich einen Mehrertrag von 10,3 dz Roggen bewirkt, während bei Kartoffeln eine Düngung mtt 3 dz schwefelsaurem Ammoniak, 2 dz Superphosphat, Thomasmehl oder Rhena- niaphosphat und 4 dz 40prozentigem Kalidüngesalz einen Mehrertrag von 67 dz Kartoffeln pro Hektar erwarten läßt. Nimmt man an, daß der Düngemitteloerbrauch der deutschen Landwirtschaft, der im Düngerjahr 1922/23 2,9 Millionen dz Stickstoff, 3,0 Millionen dz Phosphor- saure und 7 Millionen dz Reinkali betrug, sich im laufenden Jahre auch nur um ein Viertel verringern würde, so bedeutet dies mit Sicherhett einen Ernteausfall von 35 Millionen dz Getreide bezw. 55 Millionen dz Kar- toffeln. Die verzweifelte Lage, in welche unser Volk dadurch gebracht werden würde, ist m ihren schrecklichen Folgen nicht auszudenken.
Don diesem Standpunkt aus gesehen, hört die Frage der Beschaffung der Düngemittel auf, eine reine Frage der Landwirtschaft zu fein, sondern wird zu einer Frage der Allgemeinheit, an deren Lösung alle das größte Interesse haben. Die Preise der künsllichen Düngemittel sind zum größten Teile bereits nicht unbeträchtlich unter die Friedenspreise herabgesetzt worden, sodaß die Rentabilttät der Düngung auch bei den jetzigen niedrigen Preisen der landwirtschaftlichen Produfte gewährleistet ist. Der Landwirt weiß dies auch, was hilft ihm aber das alles, wenn er das für den Ankauf der Düngemittel benötigte Kapital nicht zur Verfügung Hot. Wie soll er sich ausreichenden Kredit verschaffen, wenn Grund und Boden jetzt west unter den Friedensprcscn liegen, wenn die Hypothekenbanken die so niedrig taxierten Werte höchstens bis zu 20 Proz. beleihen und zwar in Pfandbriefen, deren Kurs ebenfalls gegenwärtig sehr schlecht ist.
Glücklicherweitz ist in letzter Stunde der Landwirtschaft eine Unterstützung zuteil geworden, die sie wenigstens von einem Teile der schwierigen Ausgabe der Beschaffung non Bettiebskredit befreit. Dem dringenden Wunsche der Landwirtschaft entsprechend hat das Kalisyndikat sich jetzt zu der außerordentlichen Maßnahme entschlossen, die erforderlichen Kredite für den Bezug
Verlangt die guten
CAIMON
Hanfa=Gummiab£atze
(Eine Neichsschuldenordnung.
Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 8 Dez. 1923 erlassene Reichsschuldenordnung vom 13. Februar 1924 in Vorlage gebracht. Bisher ist die Verwaltung der Reichsschuld von der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden unter der Bezeichnung „Reichsschuldenverwaltung" geführt worden.
Daß bisher eine preußische Behörde mit der Verwaltung der Reichsschuld betraut war, findet seine Rechtfertigung darin, daß in der ersten Zeit nach der Gründung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs ine Bundes- und Reichsschuld im Verhältnis zur preußischen Schuld nur gering war. Noch unmittelbar vor Ausbruch des Weltkrieges belief sich die Schuld, nach dem No- 'minalbetrage der Anleihen berechnet, bei Preußen auf rmrd 10,8, beim Reich auf rund 5,2 Milliarden
'münzen an.
wlrtschastsfragen.
= Bei der Frankfurter Häuteavkiion waren die Preis« etwa wie im Vormonat. Bullenhäute 7—8 Proz. höher. Zwischen Frankfurt und Kassel sind Verhandlungen hn Gange zwecks gemeinsamer Versteigerung der Gefälle. Die erste Versteigerung soll Anfang April in Frankfurt statt- fmben.
— Zahlungsstockung im Baumwollwaren-Grotzhandel. Die bedeutende Bcmmwollwaren-Großhandlung Siegfried Meier u. Co. m. b. H., Hamburg, Drehbahn 49, hat, wie dem „Konfektionär" berichtet wird, ihre Zahlungen eingestellt.
— Die Lag« der amerikanischen BaummoHinbiftrte insbesondere der Spinnereien, ist nach einem beim „Konfektionär- aus New Dort eingetroffenen Bericht durchaus nicht einheitlich günstig. Mindestens50 Proz, der amerikanischen Baumwollspinnereien stehen vor bei Notwendigkeit, ihre Betriebe auf Halbzeit zv stellen, teilweise sogar ist die Produktion auf 25 Prozent reduziert worden. In dem bedeutenden Baumwollindustrieplatz Fall River ist die Sage besonders schlecht. Die sechs Spinnereien der American Prin- ting Co. sind für einige Wochen geschloffen worden. Auch die Betriebe von Stafford, von Seaconnet, Chase & Durfee ustv. sind neuerdings eingestellt Word««, während der Rest der Fabriken nur ganz erheblich em- beschränkt arbeitet.
Mark. Hierin trat aber mit der SlusattS« i ""3 Kriegsanleihen eine wesentliche Aendervnrg ein. Bei Beendigung des Krieges betrug die preußische Schuld et-roo 10,7 Milliarden, wogegen die Reichsschuld auf 87,1 Milliarden angewachsen roarj Dementsprechend steigerte sich der von bem Stettin an Preußen für die Verwaltung der Reichs schuld zu zahlende Betrag, und dieser hat eine weitere wesentliche Steigerung erfahren, seitdem infolge des Uebrrgangs der preußischen Eisenbahnen auf das Mich dieses die preußische fundierte Schuld in der Weise übernommen hat, daß dieselbe zwar in preußischer Verwaltung verbleibt, die Kosten dieser Der- waltung aber vo'm Reich erstattet werden. Der Anteil Preußens an den Gesamtkosten der Berroaltung beläuft sich jetzt nur noch auf etwa 1 Prozent.
Bei dieser Sachlage läßt sich der bisherige Zustand nicht länger rechtfertigen, vielmehr erscheint eine Aen- derung dahin geboten, daß eine neue mit der Verwaltung der Reichsschuld zu betrauende Reichs- behörde ins Leben tritt, der die Bearbeitung auch der nach Umfang und Derroaltungsaufwand hinter der Reichsschuld bei weitem zurücktretenden preußischen Schuld mitübertragen wird. Diesem Bedürfnis will der vorliegende Gssetzentmurf dienen.
Zugleich ergab sich die Notwendigkeit einer Re- vffion der bisher für die Verbriefung der Reichs» schuld geltenden Dorschristen 'mit dem Ziele, die Lage der Finanzverwaltung bei ihren Kreditoperationen durch zweckentsprechende Ausgestaltung der bisherigen und durch Schaffung neuer Derbriefungs- formen freier zu gestalten. ,
Der Entwurf zerfällt daher in zwei Hauptteile, Der erste, der die §§ 1—22 umfaßt, enthält Me für die Verbriefung der Reichsschuld geltenden und auf das Rechtsverhältnis der Reichsgläubiger zum Reichsfiskus bezüglichen Vorschriften, der zweite mit den §§ 23—35 hat die Organisation der Reichs- schuldenverroaltung und des Reichsschuldenausschusses sowie deren Ausgaben zum Gegenstand. Hierin schließen sich in den §§ 36—40 Vorschriften über das Verhältnis der Landesgesetzgebung, besonders der preußischen, zum Entwürfe und über das Inkrafttreten des Entwurfes sowie Uebergangsbestim-
Sm, A Wn im M.
Der Obst- unh Kleingarten.
Im Obstgarten ist mtt dem Pflanzen von Baum tab Strauch fortzEahren, wenn irgend möglich bald zu beenden: besonders das Pflanzen von dem frühtrfebigen Beerenobst. Mit dem Beschneiden soll ebenfalls aufgehä- ‘ werden. Rindenerkrankungen bei jüngeren Bäumen, e. Folge der winterlichen Sonnenbestrahlung bei Frost, hellt man durch das Schröpfen, d. h. man macht mit einem scharfen Messer in der Nähe der erkrankten Stellen oder durch diese selbst einige gleichlaufende Schnitte, ohne bis in das Holz zu kommen. Hierdurch läßt die Spannung nach und es tritt Heilung ein. Das Schröpfen farm von Mitte März bis Mai vorgenommen werden und ist zugleich das beste Mittel gegen Gummifluß, Krebs, Frost platten usw. Der Kampf gegen die Schädlinge ist mit aller Kraft fortzuführen, denn das Spritzen muß vor dem Erscheinen der Knospen beendet sein.
Im Gemüsegarten betrete und grabe man nie Nasses Land, es ist sonst für das ganze Jahr verdorben. Schwerer Boden ist besonders empfindlich hierfür. Im Laufe des Monats können all« Gemüse, die es vertragen, hn Freien an Ort und Stelle ausgefät werden, z. D. Radieschen, Salat, Spinat, Zwiebeln, Möhren, Meiruben, Erbsen, Puffbohnen, Petersilie und die grobfamigen Gewürzkräuter. Schnittlauch wird verpflanzt, Steckzwiebeln, Knoblauch und Meerrettich gelegt und der Boden um den Rhabarber gelockert und ausgiebig gedüngt. Angetriebene tErbfen und Puffbohnen können ebenfalls ms freie Land Kommen, und in günstigen Sagen am Ende des Monats -mich Setzlinge von Weißkraut, Wirsing, Kopfsalat und Kohlraben. Die Frühbeete verlangen jetzt die peinlichste Aufmerksamkeit, damtt die angehenden Saaten nicht zu Heil wachsen ober gar schwarze Füße bekommen.
Der Zimmergacteu.
Für den Zimmergärtner ist der März der rechte Lrühlingsmonat. Das Verpflanzen wird fortgesetzt und möglichst beendet. Die täglich wärmer wirkende Sonne
verlangt gewissenhaftes Gießen aller Pflanzen und wiederholtes Besprengen der Blattpflanzen im warmen Zimmer. Die Kübelpflanzen sind reichlich zu lüften und au= zuhärten; zu dichte oder in bestimmte Formen zu haltende sind entsprechend zu beschneiden, mit Ausnahme der Fruhlingsblüher, bei denen es erst nach dem Verblühen geschehen darf. Hortensien, Fuchsien usw. werden aus den Ueberwinterungsrämnen gebracht, verpflanzt (mit Ausnahme der Hortensien), stark zurückgeschnitten und zum Schutz gegen Ungeziefer oft besprengt. Den Winter über ruhende Knollen und Zwiebeln sind jetzt zu pflanzen. Die abgeblühten Alpenveilchen hält man allmählich immer trockener, damit sie einziehen. Dagegen werden die angetriebcnen Knollen und Zwiebeln verpflanzt und die Sämlinge verstopft. Stark treibende und eingewurzelte Pflanzen können schon ab und zii einen schwachen Dungguß erhalten. An sonnigen Fenstern entwickeln die TrÄbzwiebeln und -knallen jetzt schnell ihre Blüten, brauchen aber, zumal die Hyazinthen auf Gläsern, sehr viel 2ßaffet und dürfen de* direkten Sonnenbestrahlung nicht ausgesetzt werden.
Der Llelntlerhof.
Beim Geflügel beginnt jetzt die Hauptlegezeit: auch die späten Legerinnen werden mitunter schon brütluftig. Daher ist es an der Zett, für die Nachzucht zu forgen, wenn man gute Rassetiere und Diuterleger für bas kommende Jahr wünscht. Die ausgefchlüpfien Kücken sind vor Külte und Nässe zu schützen und gleichzeitig recht kräftig zu füttern. Das Wassergeflügel beginnt ebenfalls zu brüten. Dor allem lasse man es die Enten reichlich tug, da die Jungenten schnell wachsen und bald schlachtreif werden. Di« Jungen der Tauben aus dieser Zeit eignen sich dagegen besonders gut zur Zucht.
Der Verkauf und Versand der Brütetet beginnt; men sei beim Kauf recht vorsichtig und lege sie nach Ankunft auch nicht sofort unter.
werden jetzt stocken stehen. Bei denen, die trotzdem noch Milch geben, muß bas Trockenstehen erzwungen werden, indem man mit dem Melken allmählich aufhört. Das tägliche Ausmelken ist für die Ziege und das hercmrei- fcude Junge äußerst schädlich. Sorgfältige Fütterung und vor allem peinlichste Sauberkeit und Hautpflege werden dagegen von größtem Nutzen fein.
Die Elagenflälle für Kaninchen, die wegen Raumersparnis angelegt werden, muffen so beschaffen fein, daß der Urin abfließen kann. Die Böden sollen stark geneigt sein, damit der Urin in eine Rinne oder einen Behälter, der öfter gereinigt werden kann, hinemsließt. Werden die in den tiefer gelegenen Ställen untergebrachten Kaninchen nicht vor Einnäsfung bewahrt, so leiden sie sehr an ihrer Gesundheit. Noch besser ist es, in die Böden Löcher zu bohren und unter diese in den oberen Ställen Dlechrohre zu Höngen, die über den Löchern in den darunter liegenden Ställen enden, keinesfalls die Oefinung ganz verschließen dürfen. Die ablaufende Jauche wird in Gefäßen aufgefangen. Die Anbringung einer Schublade mtt Torfmull unter dem aus breiten Latten bestehenden Boden, die mit Sstoh belegt fein muß, ist aus praktischen Gründen recht zu empfehlen. Oft findet man Ställe für die Kaninchen, die ungeheuer schlecht angelegt sind und mit Recht darauf schließen lassen, daß der Tierhalter nichts von seinem Vieh versteht. Die häßliche Maulfeuche der Tiere ist meist die Folge von unsauberer Haltung der Kaninchenställe gewesen.
Gesund« Tauben
baden gerne und scheuen bann auch kaltes Wasser nicht. Man kenn dies im Frühjahr bei der Schneefchmelze oft beobachten. Zeigen sie Widerwillen, so sind sie sicher nicht gesund, ein Merkzeichen für den Besitzer.
von Zeit zu Zeit ist felbstversiändlich, ebenso die Ettt- jentung der alten. Dadurch erhält man einen guten Dünger, der teilweise die Kosten für die Streu einbringt.
Fercchle Setter
sind nicht nur schädlich für die darin aufbewahrten Gemüse, Kartoffeln und Getränke, sondern sie sind auch wahre Zuchistätten für allerlei niedere Pflanzenorganismen, wie Schimmelpilze und Schwamm, und bevorzuge Aufenthaltsort« für Schnecken, Kelleraffeln wid ähnliches Ungeziefer. Abgesehen von schlechten Bodenverhältnissen, wie die Nähe von Wafferansammlungen usw., ist es hauptsächlich Mangel an guter und dauernder Durchlüftung, was den Keller zu feucht macht. Das einfachste, billigste und wirksamste Gegenmittel bleibt daher stets, in jedem Keller möglichst viele Kellerfenster anzubringen und sie tagsüber zu öffnen; dadurch wird bet Keller gut durchlüftet und infolgedessen gleichmäßig erwärmt und trocken. Die nassen Wände und Decken find gründlich abzureiben und zu kalken, ober, was entschieden bester, aber etwas teurer ist, mtt einem leichten Ze» meniverputz zu versehen.
Gewölbte Keller leiden nie fo sehr enter Fowhügkekt, wie es bei flachen der Fall ist. Der Betet ist mit Platten zu bedecken ober mtt einer Betonschicht zu überziehen. Alle zur Aufbewahrung erforderlichen Gestelle und Lager sind, soweit sie nicht aus mennigüberzogenem Eisen bestehen, trocken abzureiben und mit Karbolineum zu imprägnieren oder wenigstens zu teeren. Sei Beachtung dieser Vorsichtsmaßregeln bleiben dem Besitzer viel Verdruß und Verlust erspart.
Bei den Kaninchen beginnt e&enfaUs in diesem Monat die Zucht;«it. Die ersten Würfe verlangen größte Aufmerksamkeit, da die Jungen sonst durch Käste zugrunde gehen. Die trächtigen Ziegen
Die Einstreu im Stalle
soll den Tieren ein warmes, ttockenes und weiches Lager ~ben und zugleich den fluffigen Kot teilweffe nufjajgen. xion nimmt deshalb Stroh, Heu, aber auch Torfstreu, Sägcfpäne und Laub dazu. Eine (Fmeucnmc der Streu
Blühende Myrken zu «zielen.
Um Myrten zum Blühen zu bringen, verpflanze man sie nicht, sondern laste den Topf vollständig mit Wurzeln vollwachsen. Sie haben bann nicht mehr übrige Nahrung, um Blätter zu treiben mH entwickeln ihre reizenden Blüten. Sobald sich Me Knospen zeigen, sorgt man, daß die Untersätze stets mit reinem, weichen Master gefüllt werden. Schlammiges und übelriechendes Master taugt für keine Blume, es müssen daher Me Unteriäh« stets sauber gehalten werde«.