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51. Zahrg

Samstag, 8. HTärz 1924

Nr. 58

sei.

einem Dorhanq aufgtnommea worden Freitag: Beitetberatung.

stundenlangen feie politisch äußert und zu der Politik der Regierung und Pur

Regierung einsetzten. Jeder der Angeklagten hat sich außer zu diesem Gegenstand der Beschuldigung, der an sich einfach und klar gelagert ist, in en Ausführungen über

Vor her WWmg über hie GolbKrehilbanK.

Der Bericht Dr. Schachts. — Ein Gesetzentwurf über die Golv- notenbank. — Im Zeichen der Neichstagsanftösnng.

Die der „Vorwärts" aus Dresden meldet, sind in Zittau am Mittwoch gegen zwei industrielle Unternehmungen Dombenattentate verübt worden. Personen wurden nicht verletzt. Der Sach­schaden ist gering. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.

en Anschauungen ge-

An«eigen»Preise: Kleinreile (Sotottel) total 0,15 Soldmart anSwLrtr 0,20 »oldmark: Setlameielle total 0.60, Soldmart r. auSwlirtr 030 Goldmark. :,

Bei Diedervolnuge« Rabatt- PoMckeckkonto ffratitfntt a. M- 4051

Deutscher Reich.

* Rach der llebersichk über die Geldbewegung bei der Reichshauplkafse betragen für die Dekade vom 21. bis 29. Februar die Eingänge aus Steuern, Zölle und Gebühren 140.4 Trillionen Pa­piermark, die Ausgaben für die allgemeine Reichsverwaltung 188 Trillionen Papiermark, so­daß sich ein Zuschußbedarf von 47.6 Trillio­nen ergibt. Ab 16. November 1923 erhöhte er sich somit auf 167.5 Trillionen Papiermark. Die Cr- höhung der Auszahlungen beruht darauf, daß nach dem 20. Februar in besonders starkem Maße die S t e u e r a n t e i! e an die Länder und Gemein­den ausgeschüttet werden mußten und ein großer Teil des Besoldunosbedarfes für die beiden ersten Monatsdrittel des März bereits in den letzten Fe­bruartagen gezahlt wurde.

Kommunalpolitik.

= Di« vtrwaltungrreform. Der Verband der preußischen Landkreise hat zur VerwaltungS. «form in einer Reihe von Beschlüssen Stellung ge­nommen, in denen er u. a. verlangt, daß die Ver­waltung aller Staatsangelegenheiten unter bewußter Abkehr von jeglichem Ressortgeist bei den ordentlichen Verwaltungsbehörden zusammengefaht und dadurch die entbehrlichen Sonderbehörden abgeba ut werden sollen. AlS ihren Kommissar ernennt die Staatsregie, rang in jeder Provinz den Oberpräsidenten, in geeig. neten Fällen in Personalunion mit dem RegierungS. Präsidenten. Fortzufallen hat da» jetzige Oberpräsidium all Behörde und Instanz AlS staatliche provinzielle Mittelinstan, sind die Regierungspräsidenten unentbehr­lich, wobei die Bezirke der Regierungen, da wo die örtlichen Verhältnisse dar zulasien, zu vergrößern sind. Bei der Teilung der Zuständigkeiten zwischen der Mittelinstanz und der KreiSinstanz ist der Grundsatz stärkster Dekonzentration, daS heißt die entschiedene llebertragung der Aufgaben und der Arbeit höherer auf Nachgeordnete Behörden, zu beobachten. Zu diesem Zwecke sind die technischen staatlichen Dienststellen in der Kreisinstanz an den Landrat anzugliedern. Schließlich stellt der Verband an den Staat die Forde­rung, die Selbstverwaltung wieder erstarken zu lassen und ihr durch die Dezentralisation, das heißt duvtz llebertragung geeigneter staatlicher Aufgaben, echte Selbstverwaltungsausgaben zuzuführen.

wittschaftsstagen.

handel und Gewerbe im Februar. Nach den De> richten der preußischen Handelskammern an das Ministe­rium für handel und Gewerbe erhebt sich die Wirtschaft wieder langsam von dem Tiefstand, den sie Ende vori. gen Jahres erreicht hatte. Im vergangenen Monat konn­ten die Krundindustrien ihre Herstellung infolge ver­mehrter und verbesserter Arbeitsleistung steigern; die Arbeitslosigkeit nahm ab, und die Preise ga­ben noch ein wenig nach. Der handel nahm zu, was besonders auf dem Textilgebiete hervortrat. Nur der Baumarkt und die Lokomotioindustrie lagen noch ganz danieder. Zum ersten Male lassen auch die Verhält- Nisse im besetzten Gebiet leichte Besserung, wenigstens in der Herstellung erkennen, während eine Rentabilltär der Werke bei den Lasten der JDl i cum"=S ertrage unmöglich erscheint. Ohne Aufhebung der .Micron". Bertrüge, Bssettigung der Regiebahnen und des Steuer- Wirrwarr», der infolge des Eingriffs der Franzosen m unser Steuersystem entstanden ist, sowie ohne Aushebung

M NMM WvllkMiM.

Z« einem Skandal entwickelt sich immer mehr der Münchener Hoch­verratsprozeß gegen Hitler, Ludendorff und Ge­noffen. Die Verteidiger, namentlich der Rechtsanwalt Kohl, schlagen, ohne daß der Vorsitzende bisher im Stande gewesen wäre, ihnen zu wehren, Töne an, die vor einem deutschen Gericht bisher nicht denkbar waren. Ein Teil der Zuhörerschaft beteiligt sich durch Bravo-Ruse an der Verhandlung. Am Donnerstag gab es nun den

ZwischenkaS, den man erwarten muhte. Rechtsanwalt Kohl ging wieder zu heftigen Beschimpfungen der Staatsanwalt, schäft über. Der Staatsanwalt habe einen ,Lerhaf- tungs.Fimmel-, Den Herrn b. Kahr, an dessen Fingern Blut klebe, verhafte er aber nicht. Da der Vorsitzende nicht eingriff, erhob sich der Staatsanwalt Dr. Stenglein und erklärte, jetzt fei das Matz voll und er erkläre hiermit, daß er in einer Verhandlung, in der er fort- gesetzt beleidigenden Eingriffen ausgesetzt sei, nicht weiter verbliebe. Er ersucht den zweiten Staatsanwalt, die Anklage weiter zu führen. Dr. Stenglein verließ hierauf den Sitzungssaal. Der zweite Staatsanwalt erklärte, nachdem nunmehr der Vorsitzende die Beleidigung gegen den Staatsanwalt Dr. Stenglein zurückgewiesen hatte, er müsse mit seiner vorgesetzten Behörde in Der» bindung treten und Weisungen einholen, er bitte daher die Verhandlungen auf einige Tage auSzusetzen. Die Verhandlungen wurden daraufhin abgebrochen.

Deutsche Landwirtschaft.

= Sine Moor-vomStte. Das preußischeLandivirischastS- ininiftertum teilt mit: ES wurde angeordnet, daß aus einem Teil der noch nicht besiedelten Fläche des fiskalischen sichten moorr im Regierungsbezirk Han- notier eine Moordomäne geschaffen werden soll. Die in Betracht kommenden Behörden sind angewiesen worden, das zur Verwirklichung dieses Planes Erforderliche in die Wege zu leiten.

weiter hinausgeschaben wird, zu den gegen sie er­hobenen schweren Beschuldigungen Stellung zu nehmen. So wird zugunsten der Angeklagten und zuungunsten der drei Hauptzeugen eine durchaus einseitige Stimmung erzeugt. Daß das in ethischer und strafprozessualer Hinsicht sehr bedenk­lich ist, bedarf keines Beweises. Dazu kommen dann noch die abwegigen politischen Ausführungen. Cs ist bezeichnend, daß auch die offizielle Bayerische Staatszeitung sich veranlaßt sieht, darauf aufmerk­sam zu machen, daß es sich bisher nur uin das verhör der Angeklagten gehandelt hat, und hinzu­zufügen: „Die Beschuldigung lautet bekanntlich dahin, daß die Angeklagten unter Ausbietung von Gewalt am 8. November 1923 die bayerische Re­gierung und die Reichsregierung für abgesetzt er­klärten und selbst für Bayern und Reich eine neue

•ud) bei ben Bstzchungsmächtrn zu wachsen: denn vhi» eine solche Seftminmn können sie aus der Besetzung bei Ruhrgebtetc» nicht Me erhofften Vorteile ziehen. Eo ift nicht ausgeschlossen, daß aus dieser Erkenntnis her«, auch die Reparationsfrage einer Lösung näher gebracht wat).

Seranttoortli* für die <5(6riftlettnng: Dr. Jobamie» Kramer. Anreisen! I. Darre Iler. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der # Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. Ferulvrecher 5fr. 9. n Be-ngSvreiS: Mönch Märr 1.80 Goldmark.

MMMe n. MM*.

Die Roke der Bokschasterkoaferenz. '

Die Rote der Dotschafterkonferenz zur Frage der militärischen Ueberwachung Deutschlands ist dem deutschen Botschafter in Paris übergeben worden. In den umfangreichen Ausführungen wiederholt sich der bereits früher gegen Deutschland erhobene Dorwurf, daß die Militärkontrolle zu funk­tionieren aufgehört habe. Sie gibt der Der» mutung Ausdruck, daß die Zwischenzeit von Deutsch­land dazu benutzt worden sei, seine Rüstungen über die im Vertrage von Versailles vorgcschriebenen Grenzen hinaus verstärkt zu haben. Die Dot- fchafterkonferenz fordert deshalb, daß zunächst die Interalliierte Militärkontrollkommission in den Stand gesetzt werde, sich einen Ueberblick über die Stärke der R e i ch s w e h r und der S chu tz p o l i» z e i, die Waffenbestände und vor allem auch über die Tätigkeit der R ü st u n g s i n d u st r i e zu ver­schaffen. «Ä)'

Lia Sieg der englischen Regierung.

Im englischen Unterhaus wurde ein konser­vativer Antrag, als Protest gegen die deutsch- englische Vereinbarung betreffend die Herabsetzung der Äusfuhrabgabe auf 5 Prozent das Budget zu kürzen mit 240 gegen 170 Stimmen abge­lehnt. Die Liberalen stimmten für die Re­gierung Mocdonald.

Der Frank als Barometer.

Meldungen aus Paris zufolge weist der elschie- nene Wochenausweis der Bank von Frank­reich ein Steigen des Papiergeldumlaufs um rimd eine Milliarde Franks auf. An der Pariser Börse stieg darauf das Pfund Sterling von 105.80 aus 108.30, der Dollar von 24.50 auf 25.25 Franks.

probuffionerüefgang Im Ruhrgebiet.

Rach einer Meldung aus Gelsenkirchen haben Me zahlreichen Feierschichten der letzten Woche im Ruhrgebiet einen merklichen Rückgang der Produktion von Kohle und Koks zur Folge gehabt. So wurden in der vergangenen Woche im Gelsen­kirchener Bezirk nur rund 24 000 Tonnen täglich gegenüber einer täglichen Leistung von 31000 Ton­nen in der Vorwoche gefördert.

Im Laufe der letzten Stunden hat sich noch eine »hwerwiegende Frage für den schon in der Aus- Kstmg stehenden Reichstag aufgeworfen. Die Aage der Goldkreditbank.

Die Rückkehr des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht von feiner Reise muh Paris und L o n - d o n hat diese Frage aufgerollt. Außenminister Dr. Strefemann hat in der Sitzung des Reichstages die Mitteilung gemacht, daß der Gesetzentwurf über die Aoldkrsditbank nach den Plänen des Reichsbank- «äsidenten Dr. Schacht dem Reichstag in Kürze Pgshen werde. Dr. Schacht hatte nach seiner Rück- fthr aus Paris der Reichsregierung über seine Ver­handlungen Bericht erstattet und mitgeteilt, daß sein Entwurf für die Gründung einer deutsch. Goldkredit­bank die Zustimmung der Sachverstän­dig e n und der Reparationskommission gefunden habe.

Im Interesse der Kreditwürdigkeit der Bank sei die Gründung aus gesetzlichem Wege nötig. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist sofort in An­griff genommen worden und wird das Reichskabi- net beschäftigen. Am Dienstag wird die Dor­lage dem Reichstag zur verfassungsmäßigen Ver­abschiedung zugehen.

Aus parlamentarischen Kreisen verlautet, daß während der Plenarsitzung des Reichstages <tm Donnerstag Parteiführerbesprechun­gen stattsanden, in denen die Dispositionen für die nächsten Tage besprochen wurden. Es wurde in Aussicht genommen, den Samstag sitzungsfrei zu lassen, gegebenfalls auch den Montag. Eine giil- üge Entscheidung darüber soll der Aeltestenrat tref­fen. In der nächsten Woche soll der Rotetat und der Gesetzentwurf über die Goldnot<m- bank erledigt werden. Man nimmt in parlamen- tarischen Kreisen an, daß der Reichstag am 12. März aufgelöst wird. Jedoch steht darüber ebenso rote über den Wahl 1 erMin kroch nichts Endgültiges fest.

Die politische Lage.

Das Schicksal des Reichstages dürste fetzt in der Tat besie gelt sein. Die Lebens­dauer des Reichstags wird nur Tags zählen. Der Reichskanzler hatte im Anschluß an den Beschluß der Zentrumsfraktion, den Reichstag zur Auflösung zu bringen, mit den Führern der Regierungs­parteien eine eingehende Aussprache, in welcher eine vollkommene Einmütigkeit über die nächsten Schritte der Regierung wie aber auch des Reichstags erzielt wurde. Durch die Notwendigkeit, das Gesetz über die Goldkreditbank zu verabschieden, Hi allerdings in letzter Stunde wieder ein neues M oment eingetreten. Es knüpfen sich daran Mit­teilungen, daß der Wahltag vielleicht erst der 18. Mai fein werde.

Die Reichsregierung muß vor allem Wert daraus legen, daß von dem gegenwärtigen Reichstag noch -Um mindesten der Not-Etat verabschiedet wird. Dieser Not-Etat ist im Haushaltsausschuß des Reichstags bereits oorberaten. Er stellt eine einfache Uebersicht über die Einnahmen und Aus­gaben in Goldmark dar und gibt für eine be­stimmte Frist und zwar bis 31. Mai die Ermäch­tigung auf Tätigung von Ausgaben und auf Her­einnahme von Einnahmen. Der Haushaltsaus- lchuß selber hatte eine Bestiftung nur bis April vorgesehen, doch ist diese Anregung nicht durch- gegangen. Der Not-Etat wäre um deswillen auch ohne besondere parlamentarische Schwierigkeiten zu erledigen, weil er im großen die finanzielle Er- '«Schtigung an die Reichsregierung gibt. Jeden­falls wollen die Regierungsparteien oermeDen, daß man wiederum auf Grund des Artikels 48 die Fi- »antzfrage des Reiches erledigen müßte.

Weiter besteht aber auch im Reichstag der Wunsch, über den Antrag der Deutschnationalen zu ^»erhandeln, nach welchem gleichzeitig mit der Reichstags- Neuwahl auch die Neuwahl des Reichspräsidenten oorgenommen werden soll. Leber diesen Antrag werden zweifellos noch grö- ©esre politische Debatten im Reichstag erwartet. Das gleiche wlrd beim Gesetz über die Goldkreditbank ter Fall sein.

Die Gesamtfituation ist also wie folgt zn um- schreiben: Die Reichsregierung wird unter keinen umständen die Führung aus der Hand geben. Sie befindet sich bei dieser Taktik im Einvernehmen «ist den vier Koalitionsparteien, der Deutschen Dolks- partei, dem Zentrum, der Bayerischen Volkspartei ttnt> den Demokraten. Die Reichsregierung ist der Auffassung, daß jegliche weitere Erörterung ihrer Verordnungen hn Reichstag, noch dazu im Zeichen ter kommenden Neuwahlen, die Stabilisierung ge- WÄden Darum hält es die Reichsregierung für Hre Pflicht dem Dolksganzen gegenüber, ben Reichstag aufzulösen. Das wird geschehen auf Arund einer proklamatischen Erklärung des Reichskanzlers, die auch geradezu die Richt- linien für den konunenden Wahlkampf ad- «eben dürfte.

Ob die Koalitionsparteien geschlossen den Wahlkampf eintreten, ist natürlich eine jjntere Frage, aber einig werden sie sein über tes Ziel des Wahlkampfes, das gleichzeirig auch teh Grund für die Reichst«gsauflöfirng gibt, näm» "ch darüber, daß alle Mittel darangefetzt werden Msssn, utm die Währung zu halten und da-

mst die deutsche Wirtschaft zu reifen. Don einer solchen gemeinsamen Basis aus wird die Schlagkraft der Koaliüonsparteien zweifellos recht stark fein.

Immerhin 'muß man bedenken, daß die Oppo­sition rechts und links gewaltige Anstren­gungen macht, und daß die kommenden Wahlen sich deshalb zweifellos durch eine außerorden t- liche Schwere und Schärfe kennzeickmen werden.

Die Reichrtagsfitzung.

Don unserem besonderen parlamentarischen Vertreter:

Der Reichstag steht im Endkampfe! Je werter Ne Generaldebatte fort schreitet, um so stärker wird die Spannung. Die anfängliche Müdigkeit ist einer ner­vösen, fieberhaften Stimmung gewichen. Man merkt das auch aus den Rsden der Parteien heraus, daß sie von der Tribüne herab um die Seelen der Wäh- l e r.'ringen!

Die zweite Nednergarmtur in der großen General­debatte zeichnet sich durch eine viel lebhaftere Ton­art aus, als sie im ersten Abschnitt erklang. Die Reden selber sind scharf zugespitzt. Nach der wuchtigen, das ganze Haus wie noch selten fesselnden Reden des Zen- trumsabgeordneten St aas in Abwehr gegen die An­griffe Ludendorffs auf die Jentrumspolitik stand am Donnerstag im Mittelpunkt eine große Anklage- rede Helfferichs. Dor ihm hatte der Abgeordnete der deutschen Dolkspartei Herr von Hamner gesprochen und den Standpunkt der deutschen Dolkspartei zu den schwe- benden Fragen Kar gelegt Ein allgemeines Interesse im Hause kam aber erst bei der Rede Helfferichs zur Geltung. HeMerich sprach wie immer abgehackt, fönnlich p-rsönkich gereizt, zu jeder Sekunde fn scharfer Kampf­stellung und sprudelnd und überschäumend lebhaft macht er seine Ausführungen. Sie richteten sich mit stark feindlicher Tendenz gegen den Außenminister und seine Politik. Strefemann, der inmitten des gesamten Kabi­netts an der Ministerbank sitzt, unterbricht HekfferiL ost durch erregte Zurufe und Zwischenbemerkungen. Da­durch kommt ein dramatisches, immer wieder fesselndes Element in die Debatte, die sich stellenweise zu einer förmlich erregten Zwiesprache gestaltet. Das Haus nimmt an den Ausführungen den allerlebhastesten Anteil, oft sehr scharf gegen Herrn Hekfferich gerichtet.

Sofort nach Helffecich erhebt sich der Reichsaußen- Minister und holt zu einer Rede tuns. Sie zerpflückt Me Darstellungen des Abgeordneten Hekfferich mH unerbitt­licher SchonungÄostgkeit. Unter demonstrativem Beifall des Haufes strich! Strefemann es aus, daß er immer wieder vermisse, daß ihm bei aller Krittk von Seiten Helfferichs auch einmal die Wege gewiesen werden, die man gehen soll. Den Dorwurf, daß die Außenpolitik nicht Me deutsche Würde und die deutschen nationalen Befangen gewahrt habe, weist er mit größter Ent­schiedenheit eines reichhaltigen Materials zurück. Strese- mann erinnert daran, daß immer wieder vergeffen wird, daß wir nicht nur den Weltkrieg, sondern auch den Nachkrieg im Ruhrgebiet verloren haben. Es tarn während dieser Auseinandersetzung, bei der sich das ganze Haus mit Ausnahme der Deutschnationalen immer wieder demonstrativ hinter Strefemann stellt, teilweise zu sehr stürmischen Auseinandersetzungen mit den Deutschnationalen, deren Kegenäußenmgen förmlich er­drückt wurden.

Strefemann kommt aber auch

auf die Ludendorffschen Aeußerungen in München zurück und erklärt namens der Reichsregie, tung:

3m Münchener Prozeß hat General Ludendorff btt seiner Vernehmung ben grundsätzlichen

Sorrourf der Deutschfeindlichkeit gegen den Heiligen Stuhl

erhoben. Die deutsche Regierung kann eine derartige Aeußerung des Generals Ludendorff nur auf das Tiefste bedauern und auf da» aller Entschiedenste zurückweifen. Der Heillge Stuhl hat fich viel» Jahre hindurch ehrlich bemüht, eine Befriedung der Well und eine Versöhnung der Völker herbeizuführen. Die Reichsregierung ist von den mit dieser Tatsache in Wider­spruch stehenden Aeußerungen der Generals Luüendorff umso peinlicher berührt, ats gerade dem deutschen Volk von den charitativen Bestrebungen des Hei­ligen Stuhles ein reiches Maß zugui« gekommen ist. (Lebhafter Beifall.) Wir haben allen Anlaß, uns die Wenigen noch zu erhalten, die sich uns gegenüber un­parteiisch und gerecht in der Welt verhallen. Man kann mit dieser Aeußerung Ludendorffs die deutsche Reichsregierung nicht in Verbindung bringen. (Lebhafter Beifall.)

Abg. ftaas (Ztr.) bedauert in einet persönlichen Be­merkung, daß die Deutschnationalen nicht ent- schiedener von Ludendorff abgerückt seien. Abg. Dr. Hekfferich (Dd.) wendet sich gleichfalls im Rahmen einer persönlichen Bemerkung in längeren Ausführungen gegen die Darstellung, die Abg. Kaas von der Rolle Luden- dorffs bei der Friedensaktion im Weltkrieg gegeben hat. Daraus entwickelt sich, immer in der Form persönlicher Bemerkungen, eine lange Auseinandersetzung zwischen biefen beiden Abgeordneten und dem Abgeoichneten Dr. Dav t b (Soz.) über die Vorgänge, die im Weltkrieg zum Sturz Bethmann-Hollwegs führten. Abg. Dr. Hekfferich (Dn.) sagt u. a.: Dr. David sei bei Deth- mann-Hollwegs Sturz mit im Komplott gewesen. Der ehemalige Kronprinz habe bei der Unterhaltung mit Dr. David den Eindruck gehabt, daß auch Dr. David Dethmanns Sturz wollte. Dr. David bestreitet das. worauf sich Hekfferich atf ein Stenogramm der Unterredung D.r David» mit dem Kronprinzen bezieht, das ohne Wissen des Abgeordneten hinter

Der bisherige verlauf des Prozesses begegnet nicht nur in politischen, sondern auch in richterlichen Kreisen sehr starken Bedenken, soweit die prozeß- technische Seite in Betracht tommt. In diesem Verfahren sind, st schreibt die „R. D.", von vorn­herein die Rollen vollständig vertauscht. Die Ange­klagten treten gerade,zu demonstrativ rriujt als An­geklagte, sondern als Ankläger auf. Und sie halten fellroÄse geradezu Agitationsreden zur Ver­breitung ihrer „völkischen" Ideen. Hitler sprach 4, Ludendorff 3%, Knebel 6 Stunden. Soweit d.ese Reden den Gegenstand des Prozesses selbst betref­fen, wollen sie im wesenSichsten den Nachweis füh­ren, daß die Hauptbeschuldigten nicht auf der An­klagebank sitzen, nämlich dir Herren Kahr. Lossow und Seißer mit dem Odium belastet, daß sie Hoch­verräter seien unb an der. Angeklagten ehrlos gt» handelt hätten. Wir haben darüber nicht zu ur­teilen, ober vom Standpunkte der Rechtsfindung muß es doch bedenklich erscheinen, wenn durch diese ungeheuerliche Breite die Vernehmung der Z e u - gen ungebührlich verzögert und so auch den f)erren Kahr, Losson, und Seißer die Möglichkeit immer

EMsMz l?tinelmmrmer io Pfennig.

FuldaerZeitrmg

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda. _____

Die kttbeiter-llnnchen.

Aus Lud w i g - h aftn wird gemeldet- Don den Opfern Der Unruhen sind im hiesigen Kranken- haufe 2 8 Schwerverletzte untergebracht, darunter ein Polizeibeamter. Außerdem sind etwa 20—25 leichtverletzte Personen aus dem Kranken­hause nach Anlegung von Verbänden entlassen worden. Von der Polizei wurden vier Beamte ver­letzt, darunter zwei schwer. Don den schwerver­letzten sind bereits zwei Personen g e st o r b e n.

feien tm Reiche und in Bayern Stellung genom- 'men." Aus diesen Zeilen ist eine Kritik herauszu- lesen, die man ohne weiteres als zutreffend bezeich­nen kann. Man ist zu der Frage berechtigt, ob es prvzeßtechnifch nicht möglich gewesen wäre, die ge­rügten Mißstände hintanzuhalten. Der Verhand­lungsleitung oblag die Pflicht, dafür zu sorgen, daß den einseitigen Beschuldigungen der Angeklag­ten so rasch als möglich die Aussagen der Haupt­zeugen folgten. Die letzten Vorgänge zeigen, wie berechtigt die Vorstellungen rvaren.

Forksehung des Vrozesfss.

Wie aus München gemeldet wird, haben die Verhandlungen zur Beilegung des Zwischenfalls im Hiklerprozeß zu dem Ergebnis geführt, daß der Prozeß am Freitag ohne Personen wechsel, also auch in Gegenwart des Ersten Staatsonroasts Stenglein, seinen Fortgang nehmen wird. Zu Be­ginn der Verhandlung wird sich die Verteidi­gung formell bei der Staatsanwaltschaft ent­schuldigen.