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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Siadt Fulda.

51. Zahrg

zreitag, 7. Mär- 1924

Nr. 57

8mteigen*Steife: SKetaseile (Colonel) lokal 0.15 Goldmarl, anSwärtr 0,20 Soldmark; Stetlameteile lokal 0.60, Soldmark :: auswärts 0,80 Soldmark. ::

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Berantwortliib für die SebrittleNung: Dr. Jobannes Kramer. Ameisen: I- Barre Iler, Fulda. Rotationsdruck mrd Verlag der s Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernkvrecher Rr- 8- S Berugsvreis: Monat Mörz 1.8V Goldmark.

Die Wahlparole.

Opfervolle Arbeit im Dienst des Vaterlandes.

Lin Wichtiger Beschluß des Zentrums über den Wahltag. Die Zurück­weisung der Ludendorff' schen Verleumdungen.

Am Donnerstag nachmittag mill das Reichs- rabinett zusammentreten, um über die weitere par­lamentarische Behandlung der Notverordnungen «nd die Reichstagsauflösung Beschluß zu fassen. Es wird sich vor allem auch mit der Frage beschäftigen, ob nicht eine Verständigung darüber erreicht werden kann, daß der Reichstag, bevor er endgültig auseinandergeht, noch den Not­el at und den deutschnationalen Antrag erledigt, der verlangt, daß gleichzeitig mit den Reichstags­wahlen auch die Wahl des Reichspräsi­denten stattfinde. Dor der Kabinettssißung wird der Reichskanzler vom Reichspräsidenten empfan­gen werden. Man nimmt cm, daß der Kanzler bei dieser Gelegenheit vom Reichspräsidenten die Er­mächtigung zur Auflösung des Reichstags er- Wten werde.

Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat ei «mutig folgenden Beschluß gefaßt: Sie erklärt sich mit einverstcmden, daß keinerlei Aus­sprache über die Verordnungen der Reichsregie- rung erfolgt, daß die dazu gestellten Anträge die Zentrumspartei selber hat übrigens nicht einen ein­zigen Antrag gestellt indiskutabel sind und daß demgemäß der Reichskanzler sofort nach Schluß der Generaldebatte dem Reichstag gegenüber die Fol­gerungen zieht. Zum zweiten hat das Zentrum sich einmütig mit einer Festsetzung des Wahltermins auf den 6. oder den 13. April einverstanden erklärt.

Bei dieser Sachlage kann unter Umständen da­mit gerechnet werden, daß die Reichstagsauflösung schon am Freitag oder Samstag dieser Woche erfolgt. Denn wenn die Dinge nicht mehr anfzuhalten sind, dann ist es nach Meinung des Zentrums bester, die Entscheidung rasch herbeizu- föhren. Sie würde also in dieser Woche die Ge­neraldebatte zu Ende führen und dann über die weiteren Maßnahmen sich schlüssig werden.

Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand im Reichstag eine Besprechung der Reichsregierung mit den Reichstagsabgeordneten der besetzten Ge­biete über die Frage der Neuwahlen im besetzten Gebiet statt. Trotz der mannigfachen Schwierig­keiten sprachen sich die Abgeordneten aus allgemein politischen Gründen für die Vornahme der Neuwahlen im besetzten Gebiet aus.

*

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nahm in ihrer letzten Sitzung den Bericht des Fraktions- Vorsitzenden Hermann Müller über die parlamen­tarischen Besprechungen der lichten Tage entgegen. Die von dem Fraktionsredner Dr. Breitscheid im Plenum abgegebene Erklärung, die Fraktion stehe zu chren Abänderungsanträgm zu den Notverord­nungen und nehme alle Konsequenzen auf sich, welche die Regierung 'voraus ziehen werde, wurde, wie derVorwärts" berichtet, gebilligt.

I« der Besprechung, die der Reichskanzler nach der Plenarsitzung des Reichstags vom Mittwoch mit den Führern der Koalitionsparteien hatte, ergab sich, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, zwischen der Regierung und den vier Koa­litionsparteien (Deutsche Volkspartei, Zen­trum, Bayerische Volkspartei, Demokraten) völ­lige Einigkeit über die Art des Vorgehens in den gegenwärtigen parlamentarischen Auseinander­setzungen über die Behandlung der Notverordnun­gen der Reichsregierung. Die R e i ch s r e g i e,- r u n g gedenkt hierbei die Führungin der Hand zu behalten.

Reichstagisfitzung.

Die Pistolenforderung der Völkischen. Allgemeine Heiterkeit. Die 2. Rednergarnitur.

Die Aschermittwochsitzung des Reichstags be- gmm mit einem Intermezzo., das geradezu einen kar­nevalistischen Anstrich hatte. Die drei deutschvölki­schen Abgeordneten Wulle, Graefe und Henning hatten den deutschoolkspurteilichen Abgeordneten Dr. Cremer zum Duell gefordert. Die Forderung lautete auf Pistolen, Austrag bis zur Ka m p f - Unfähigkeit. Der Grund zu dieser Forderung lag in einem Zuruf Dr. Cremers bei der letzten Rede be? Abgeordneten Graefe, in welchem Graefe des Hochver­rats beschuldigt wurde.

Auf dem Tisch des Hauses find ein paar Kinder­pistolen niedergelegt worden, die unter großer Hei­terkeit von den Mitgliedern des Hauses besichtigt werden.

Es war bekannt geworden, daß Dr. Cremer sofort zu Beginn der Sitzung eine Eklärung abgeben würde. Das führte dazu, daß das Haus eine ganz außerordentliche Be­setzung schon von Anfang an aufwies. Als der Abgeord­nete Dr. Cremer außerhalb der Tagesordnung zur Ab­gabe einer Erklärung aufgerufen wird, herrscht lautlose Stille. Cremer teilt die Tatsache der Ueberbringung der Forderung auf Pistolen mit, und bei seiner Darstellung erhob sich im ganzen hcms ein stürmisches Ge­lächter. Wenn Lächerlichkeit töten könnte, hätten die deutschoölkrschen Abgeordneten, die sich demonstratio vor der Rednertribüne aufgepslanzt haben, freilich nichts mehr zu melden. Dr. Cremer erklärt unter dem Beifall des Hauses, daß für ihn Streitfragen nur auf dem ge­

setzlichen Wege gelöst werden können. Er überläßt es dem Urteil des Hauses und der ganzen Oesientlichkeit, über diesen heroistischen Eingriff der Deutschvölkdschen in die parlamentarische Bervequngsfreihest eines Abge­ordneten sich auszusprechen. Mit besonderem Nachdruck hob Dr. Cremer hervor, daß er nicht geglaubt habe, daß die Deutschvölkischen, die doch ganz offen den hochver. rat predigten, den bezüglichen Vorwurf auch noch als eine Beleidigung empfänden.

Als dann der Abgeordnete Graefe zu einer Gegen­erklärung aufgerufen wird, gibt es große Unruhe und vielfältige sehr unwillige Bemerkungen. Man hatte so- fort das Gefühl, daß das ganze Haus gesÄossen sich gegen ihn wandte. Die ersten schnarrenden Worte:Ich lehne es ab" werden förmlich unter Cntrüstungskund- gedungen, aber auch unter Lachen erstickt. Der Hinweis auf die O f f i z i e r s u n i f o r m, die D r. C v e me r als Hauptmann doch getragen habe, wird natürlich in feiner ganzen Gehässigkeit sofort verstanden. Dr. Cremer soll eben gebrandmarkt werden, als habe er geknfffen". Cremer nimmt aber den Vorwurf mit einem sehr ruhigen Lächeln hin. Seine Parteifreunde tun desgleichen, ebenso das übrige Haus. Als dann Graefe davon spricht, daß diese Angelegenheit auf einem andern Wege" geregelt werde, da rüst man ihm von der Linken zu:Durch Mord wie bei Rathenau und Crzberger!" Als dann Graefe von der Tribüne abtritt, wendet sich wieder die allgemeine Entrüstung gegen ihn. Da eine Aussprache über solche Erklärungen außerhalb der Tagesordnung geschäftsordnungsmäßig nicht zulässig ist, hat damit dieses Sattvspiel. das in der deutschen Parlamentsgeschichte bis jetzt einzig dasteht, sein Ende erreicht.

In der Fortsetzung der parlamentarischen Aussprache kommt zur Einleitung der 2. Rednergarni° t u r zunächst der Sozialdemokrat Vresffcheid zu Worte. Er kommt zunächst auf die Schießaffäre zurück und be­merk sarkastisch, unter der Heiterkeit des Hauses, daß die Deuffchvölkischen in diesem Hause den Borwurf des Hochverrats offenbar doch wobl ernster nehmen als Herr Poehner in München, der erklärt habe, daß er diesesGeschäft" schon seit fünf Jahren betreibe. Im übrigen schlägt Breits'heid vor, künftighin alle solche Streitigkeiten, auch Beleidigungen mst dem Schießprügel auszutragen, das wäre der beste Justizabbau. Der Redner erklärt: Wir stehen zu unseren Abänderungs- anträgey ganz ohne Rücksicht darauf, wie sich die Regie­rung dazu verhält und werden jede Konsequenz auf uns nehmen, die die Regierung daraus zieht. (Bei­fall bei den Soz.)

Rach kurzen Erklärungen des Arbeitsministers Dr. Brauns (er beweist erneut, daß auch die Sozial- demokraten den setzt von ihnen angefocksienen Be­stimmungen über die Arbeitszest beigetreten waren) und des Innenministers Dr. Jarres, der sich über den zivilen Ausnahmezustand verbreitet, gibt der

Redner des Zentrums,

der rheinische Abgeordnete Dr. Saas, wichtige Aufklä­rungen über die Stellung des Zentrums zur gegen- wärstgen Lage. Meine Freunde erwarten von der Re­gierung, daß sie den vom Reichskanzler vor­gezeichneten Weg mit Energie und Festigkeit fortsetzt und die Konsequenzen zu ziehen den Mut hat, falls sich tatsächlich ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen ihrer und der Auffassung der Mehrheit des Hauses äußert. Wir begrüßen in dem Verordnungswerk den Plan einer Sanierung unseres Etats tmb einer Fe­stigung der deuffchen Wähnmg. , Die Verordnungen sind kein Ideal. Sie sind Notmaßnahmen. Aber ihre Kristker haben keine bessere Lösung zeigen können. Es ist eine Verhetzung der großen Masse, wenn es so hin- gestellt wird, als ob durch die Regierungsverordnung das Proletariat di e Last der Währungsstabklisie- rung allein zu tragen hätte. Das gilt auch von der Ar- bestszeitoerordnung. Ich halte grcmdsätzlich an dem Acht­stundentag fest und bitte die Regierung, durch Ausfüh­rungsbestimmungen für den besonderen Schutz der Schwerarbetter und der Arbeiter in gesundheitsschädlichen Betrieben zu sorgen. Nach Ueberwindung der Arbeits- krife erwarten wir die Vorlegung eines Arbeitszeit­gesetzes, in dem für Schwer- und gesundheitsschädliche Ar­beit die 48stündige Arbeitswoche, für die übrigen Ar- beiter eine den Produktionsbedingungen und der aus­ländischen Konkurrenz enffprechende Arbettszeit festgesetzt wird, die niedriger ist, ats die jetzt von den Arbeit­geberverbänden eingeführte. Die Landwirffchast befindet sich gegenwärtig in einer schweren Krise, die die Märchen von'den Kriegsgewinnen der Landwirtschaft zerstört hat. Der Kredttmtt der Landwirffchast muß abgcholfen wer­den. Die Einkommensteuer muß gerecht und einheitlich veranlagt werden. Dem Ausland fft klar gemacht, mit welch brutalem Ernst Deuffchland an die Sanierung seiner Finanzen herangeht.

Der Weg, den Macdonald nei-erdings Frankreich für das Rheinland vorgeschlogen haben soll, ist für UNS ungangbar. (Lebh. Beifall im Zentrum.) Eine Entmilitarisierung unter Oberaufsicht des Völkerbundes muß von unserer Regierung zurückgewiefen werden. (Lebh. Zustimmung im Zentrum.) Niemals war Einig­keit notwendiger als heute. Das zeigt besonders kraß der Münchener Prozeß. Mit dem, was sich

Ludendorff

geleistet hat mit seinen Aussagen gegen das Zentrum und den Vatikan bewefft er, daß er immer noch

bie blaue Brille

trägt, bie er auf der Flucht nach Schweden trug. Na­mens meiner politischen Freunde weise ich die Angriffe Ludendorffs enffchieden zurück. (Lebh. Beifall.) Die von der Entente verlangte Auslieferung der Kriegsverbrecher, zu denen auch Ludendorff gerechnet wurde, ist nur auf das Eingreifen des Päpstlichen Stuhles ver­hindert worden, (hört, hört! links.) Da ist es ver­ständlich, wenn derOffervatore Romano" Ludendorffs Auftreten mit den Worten kennzeichnet: Leichfferttg, un­wissend und wenig ritterlich. (Lebh. Zust) Am sclilimm- sten dünkt es uns, daß Ludendorff auch das Andenken des verstorbenen kerndeuffchen Freundes Trimborn zu beschimpfen wagte. (Rufe im Zentrum.) Ohne das Zentrum wäre auch noch der Rest Oberschlesiens verloren gegangen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Ist vielleicht eine neue Dolchftichlegende in Vorbereitung? Luden­dorffs unglücffiche Aeußerungen werden ein Echo irn katlwlffchen, besonders im rheinffchen Volke finden, das

Ihnen (nach rechts) in den Ohren gellen wird. (Beffall beim Zentrmn.) In der jetzigen schweren Zeit darf die seltene Einigkeit des deuffchen Volkes nicht in dieser Weise gefährdet werden. In der Sterbestunde des Reichstages lassen wir keinen Zweifel darüber, daß wir das deutsche Volk nicht entzweien, sondern einen wollen in einer großen sozialen und sittlichen Idee. Mit dieser Idee gehen wir in den Wahlkampf. Die Zukunft wird nicht der nationalistischen Frage ge­hören, sondern der opfervollen Arbeit im Dienste des Vaterlandes. (Lebh. Beifall im Zentrum.)

Weiterberatung Donnerstag.

Paris und London.

Das Ergebnis des Briefwechsels. Die Miiitärkan- trolle. Theunis doch wieder belq. Ministerpräsident?

DerManchester Guardian" meldet aus Paris, eines der Ergebnisse de? Briefwechsels zwischen Macdonald und Poincare, sei der Eindruck Ujtter den Franzosen, daß Poincare Groß­britannien beschwichtigt habe, ohne dabei irgendwie seinen Standpunkt aufzugeben.

Die Botschafterkonferenz hat in Anwesen­heit von Marschall Fach eine Sitzung abgehalten, in der sie sich über den Wortlaut der an Deutsch­land zu richtenden Note über die Wiederaufnahme bet Militärkontrolle verständigt hat. Die eng­lischen Vorschläge seien, wie verlautet, abgesehen von einigen Aenderungen in Einzelheiten, in großen Zügen angenommen worden. Die Note, die von der Botschafterkonferenz an die deutsche Regierung gerichtet werde, sehe die demnächstige baldige Wie­deraufnahme der Militärkontrolle in Deutschland vor. Wenn die deutsche Regierung zu dieser Nachprüfung die Hand biete und wenn ferner deren Ergebnis negativ sei, werden die Alliierten bereit fein, anstelle der Militärkontrollkommission ein Garantiekom itee oder irgend ein anderes gleichartiges Organ mit beschränktem Personalbestand zu setzen, entsprechend den Borschlägen, die die Bot­schafterkonferenz im September 1922 Deutschland gemacht habe. Vorher werde Deutschland die in einer Note von 1922 vorgesehenen 5 Forderungen erfüllen müssen, die sich sämtlich auf Abänderung der Gesetzgebung betreffend die Ausfuhr von Waffen, die Entmilitarisierung der Polizei usw. bezögen.

*

Der König von Belgien hat den bisherigen Pre­mierminister TheuniS ersucht, die Möglichkeit einer Umbildung deS Kabinetts nochmals zu erwä­gen. Theunis bat den König um kurze Bedenkzeit, bevor er eine endgültige Antwort erteile. Es scheint, daß der Franzosenfreund Theunis doch noch einmal toieberfommt

Die Statuten -er GoldnotenbanL.

In einem Artikel über die Statuten der künf­tigen Goldnotenbank macht dieInformation* nähere Angaben.

Die Obligationen laufen alles in allem darauf hinaus, daß Deutschland ermächtigt werde, eine Aus­ländsanleihe von 550 Millionen Goldmark aufzu­nehmen, wofür als einzige Kompensation vorgesehen sei, daß der Aufsichtsrat der neuen Bank aus 14 Direk­toren und zwar 7 Deutschen und 7 Ausländern (1 Amerikaner, l Engländer, 1 Italiener, 1 Fran­zose, 1 Belgier, 1 Holländer und 1 Schweizer) zusam­mengesetzt fein werde. Der Vorsitzende soll ein Deutscher fein und ausschlaggebende Stimme haben. Aber seine Vollmachten würden nichtsdestoweniger, was die Vorschüsse an die Reichsregierung anbelange, beschränkt sein durch diejenigen eines alliierten Zen­sors oder Kontrolleurs, sodaß jede Möglichkeit einer neuen Inflation vermieden werde. Das Personal der alten Reichsbank solle ganz beibehalten werden.

Dem Verfasser deS Artikels ist versickert worden, daß der Statutenentwurf, der dem Sachverständigen­komitee unterbreitet wird, strengste Vorsichtsmaß­regeln vorsehe und daß namentlich das kommerzielle Kreditgeschäft für den Anfang im Ausmaß von 50% gedeckt fein müsse oder auch, baß der Diskontsatz durch eine Spezialabgabe erhöht werden solle, bieder Unzulänglichkeit der Golddeckung angemessen wäre. Die Bank und die Deckung werden vorläufig außerhalb Deutschlands, wahrscheinlich in Amsterdam bleiben.

Der Landesrat des Saarlandes ist in Saarbrücken erstmalig zusammengetreten. Er forderte den Völkerbundsrat auf, dem Landesrat das Mitbestimmungsrecht bei der Wahl des saarländischen' Mitgliedes der Regie­rungskommission zuzugestehen. Ter Landesrat sei bereit, geeignete Männer zu ernennen.

Sfinnes im Saargebiet.

wtb Saarbrücken, 6. März. (Tel.) Wie dieSaarbrücker Zeitung" von zuverlässiger Seite erfahren haben will, hat Hugo Sfinnes in Ott­weiler (Saargebiet) ein großes Jndustriegelände erworben, um dort ein großes Werk zur Verhüt­tung und Weiterverarbeitung von Eisen zu errichten.

5oMes.

=- Internationale Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In Genf trafen bie Vertreter ber wichtigsten katholischen, protestantischen, israelitischen unb nichtkonfessionellen internationalen Verbäube für den Aus- wandererfchutz auf Grund einer Einladung des Internationalen Verbandes zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit zusammen, um ein gemeinsames Aktions­programm auszuarbeiten. Die Verbände wollen vor allem eine gemeinsame Aktion bei der internationalen Arbeitsorganisation vorbereiten, sowie bei der inter­nationalen Konferenz der Aus- und Einwairdsrungs- tänber, bie von der italienischen Regierung n a ch R o in einberufen wurde. Sin ständiges Komitee, das im April Zusammentritt, soll diese Frage weiter ver- fotaen.

Mm W io MloiMsro. Folgenschwere Auseinandersetzungen über die Ar- beitszeit. Geschlossene Betriebe.

Infolge Lohn- und Arbeitszeitfragen ist es in der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen zu Streik und Aussperrung ge-, kommen. Die Direktion hat folgende Bekannt­machung erlassen: Nachdem der größte Teil der Arbeiterschaft wieder die vorgeschriebene Arbeits-, zeit nicht eingehalten hat und die während und nach der Werksversammlung erfolgten Gewalt- Gewalttätig leiten und Zerstörungen gezeigt haben, daß eine ordnungsmäßige Weiterführung der Be­triebe nicht möglich ist, sehen wir uns genötigt, die Betriebe Ludwigshafen und Oppau morgen, Donnerstag den 6. März, 6 Uhr früh zu schließen imd der gesamten Belegschaft zu kündigen, soweit sie nicht schon fristlos entlassen ist.

Am Donnerstag morgen fft es nun zu blutige» Zwischenfällen gekommen.

wtb Ludwigshafen. 6. Wär;. (Tel.). Di» misgesperrten Arbeiter der Dadischeu Ani< lin- und Sodafabrik haben das Haupt- tor der Fabrik eingeschlagen und die wenigen Arbeitswilligen herausgeholt. Die Be­amten wurden von der Wenge nicht in das Ge­bäude gelassen. Rach 8 Uhr hat sich die Lage be deutend verschärft. Die Polizei versuchte die Straße vor der Fabrik zu säubern, was ihr nur teilweise gelang. Darauf machten die Arbeiter einen Gegenstoß, wobei auf beiden Seiten scharf geschossen wurde. Es wurde sowohl eine An­zahl der ausgesperrten Arbeiter wie der Polizei schwer verwundet. Die Zahl der Verwunde­ten läßt sich nicht genau festsiMen, da die Arbeiter ihre Verwundeten selbst in Sicherheit bringen. 3n der Ambulanz der Badischen Anilin- und Soda- fabrik befinden sich viele verwundete Polizisten.

Vor neuem Sturm.

wtb Ludwigshafen, 6. März. (Tel.) Vach den bisher vorliegenden Weldungen hat es bei dem Ansturm der ausgesperrken Arbeiter auf die Ba­dische Anilin- und Sodafabrik etwa 15 Verwun­dete gegeben. Auch eine Anzahl von Token wird gemeldet. Es ist noch nicht möglich, über die Lage und die Zahl der Opfer einen offiziellen Be­richt auszugeben. Die Arbeiter rüsten zu einew neuen Sturm auf die Fabrik.

Zusammenstehen!

Der alte Führer ber westfälischen Katholiken Lambert ß en f in g in Dortmund, der Herausgeber dec . Tremonia", der beim Einfall ber Franzosen! ins Ruhrgebiet mit vorbildlicher Etttschlosseny-eit für das Deutschtum gekämpft u. gelitten hat, beschäftigt sich in seinem Blatte mit den Ausfällen ß u» dendorffs im Münchener Prozeß. Ben» sing erzählt, noch während des Krieges habe ihm ein alter General gesagt, daß er bei einer Beratung Höchstkommandierender zugegen gewesen sei, als es sich um bie Ernennung eines Divisionskommandeurs handelte. Der vorgeschlagene katholische Bri- gadekoMmandeur sei von hoher Stelle a b g e w i e - fen worden, mit der Begründung, daß ber Briga­dier für bie Stelle eines Divisionskommandeurs als Katholik nicht zuverlässig" sei. ßenfing hat im Dezember 1917 einen Besuch in? großen Hauptquartier gemacht. Darüber berichtet er in berTremonia" folgenbes:

Es war am 15. Dezember 1917, als ich zum ersten Male im Hauptquartier in Kreuznach den General Subenborff sah unb seine Ansichten hörte. Ich war mit einigen anbercn Vertretern bes Auqustinus-Vereins einer Einladunq in bas Hauptquartier gefolgt. Der Zweck der Einlabung sollte fein, die Zentrums- presse für bie Ludendor ff sehen Ibeen zu gewinnen. Wir sollten Propaganda machen für bie Annektionspolitik unb gegen bie Friedensresolution. Das fft nicht erreicht worben, wenigstens nicht bei ben mei­sten von uns, weil wir halb einfahen, baß man uns manches nicht sagte, was hätte gesagt werben müff-n, um uns ein klares Bild gewinnen zu lassen. Ich habe Subenborff ob seines Optimismus trotz ber damaligen Kriegslage bewundert, stelle aber fest, daß er damals von seinen kulturkärnpferffchen Aspirationen nicht geredet! hat, nur der Adlatus Ludendorffs, Major Nicolai,; nahm uns nachher in Kreuzverhör über die Erzk> er-i gerf che Friedensrefvlution vom 19. IuK 1917. Wir sind aus dem Hauptquartier geschieben unter bem Eindruck, daß Subenborff zwar ein tüchtiger Soldat fein möge, baß er aber von ber Politik recht ro e n ig: verstehe. Diese Ansicht hat sich in ber Folgezeit voll­auf bestätigt. Unb Subenborff hat es jetzt wieder vor Gericht bewiesen, indem er als Ankläger gegen Rom, ge« gen das Zentrum, gegen Bayern und Oesterreich auf­trat. Derselbe Mann, der durch sein überstürztes Angebot für den Waffenstillstand das größte Unheil über, Deutschland heraufbeschworen hat, der eigentlich vor den Staatsgerichtshof gehörte, wagt es je&t' noch, in konfessionellem Haß die tteuesten Deutschen vor den Kopf zu schlagen. Ich fühle mich frei von jeglicher Sympathie für den bayerischen Separatismus, v. Kahr ist nicht Katholik, er war stets ein Gegner des Zen­trums Die Fehler dieses Mannes jetzt dem Zentrum, in die Schuhe schieben zu wollen, fft ein starkes Stück und beweist nur, daß Subenborff unb feine deutsch-, völkischen Genossen vieles vergessen und nichts dazu ge­lernt haben. Man muß die jüngsten Reden der beutid)- völkischen Abgeordneten Henning und Wulle im Reichs­tage mit angehört haben, um zu dem Urteil zu kommen, baß diese Brüder um kein Haar besser sind, als die wildesten Kommunisten. Es steckt in; ihnen der alte Kulturkampfsqeist der 70er und 80er Jahre.' Wehe uns Katholiken in Deuffchland, roemv diese Beule wieder einmal die Macht in Händen haben."

ßenfing schließt seine Ausführungen mit folgen­den beachtenswerten Mahnungen:Man wird an anderer Stelle noch auf die gegen uns erhobenen, Vorwürfe ßubenborffs ernteten unb sie gebührend?