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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

51. Zahrg

Nr. 55

Berautwortlichi für die <5&tiftleituitß: Dr. SobotuteS Kramer. Ameigeu: I- arreller. Fulda. Rotationsdruck und Verlas der r, Fuldaer «etiendruckerei in Fulda. Fernldrecker Rr. 9. r

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FuldaerZertung

Die Schläge gegen den konlelsionellen Frieden

uns nur noch etwas gedulden. Dieser Befehl wurde h l n. ter dem Rücken unseres Kommandeurs der Infanterie schule, General o. Tiechowitz ver­lesen Bei der Totengedenkfeier am 4. Novem­ber fand eine große Parade gemeinsam mit dem Deutschen Kampfbund statt. Wir erblickten darin eme letzte Heerschau des Generals v. ßofioro vor der

Vie parlamentarische Lage.

Durch eine Besprechung des. Reichskanzlers mit sozialdemokratischen Pm.-teiführern Muller« ^ranken und Breitscheid über hie durch die Notver- 'ordnungen der Regierung gescl-affene Lage und die «-Handlung derselben im Reichstag ist, wie in par- tmnentarischen Kreisen verlauiiet, irgendeine Ber- Änderung nicht eingetreten. Die Besprechung zwischen dem Reichskanzler irjtb den sozialdemokra- Men Führern werde auch nicht weitergeführt wer­den Bon beiden Seiten sei der bekannte sich ent= Megenstehende Standpunkt festgehal- worden.

LautDeutscher AlkgemÄner Zeitung" wird der Reichskanzler am Dienstag seine Bespre­chungen mit den Parteiführern über hie parlamentarische Lage, insbesondere über die Frage der Reichstagsauflösung, fort« setzm und zwar zunächst mit den Vertretern her Mittelparteien.

Graf Bernstorfs als Reichslagskandidat.

Nach Meldungen aus Rendsburg hat der Landesparteitag der Deutschen Den«krati- jchon Partei für Schleswig-Holstein, Lübeck mst> Lauenburg als ersten Kandidaten für die Reichs« jagswahlen den früheren Botschafter Grafen Pern storff einstimmig wieder aufgestellt.

Der Ritz i« der Sozialdemokratie.

Aus Berlin rmti) uns geschrieben:

Die Berliner Sozialdemokraten hielten am Sonn­tag ihren Bezirksparteitag im Reichstags-Sitzungs- jfool ab. Diese Tagungen der Berliner Sozialdemo­kratie sind immer von einer ganz besonderen De- deutung, da ihr Verlauf eine ganz erhebliche stinr- mungsmäße Rückwirkung auf die Sozialdemokrat:e im ganzen Lande hat. Die Berliner Sozial­demokraten waren aber auch immer viel radikaler als die Reichstagsfraktion, und sie befanden sich schon immer in scharfem Gegensatz, ja in direktem Kampf mit dem Parteivorstand.

Die jetzige Tagung der Berliner Sozialdemo­kratie endete mit einem großen Kladdera­datsch. Es handelte sich um die Aufftellimg der Spitzenkandidaten für Berlin zu den kommenden Reichstagswahlen. Unter etwa 500 De­legierten hatte der linke Flügel eine Mehrheit von etwa 40 Stimmen. In Erkenntnis der kritischen Si­tuation suchte der Abg. D i t t m a n n als Vertreter des Parteivorstandes einen Ausweg, der zur Ver­ständigung über die Mandaten-Aufstellung hätte führen sollen. Sein Vorschlag ist aber glatt abge­lehnt worden. Als Spitzenkandidaten wurden zwei Vertreter der Rechten und zwar Eduard Bern­stein und H e i m a n n und zwei Vertreter der Lin­ken imd zwar C r i s p i e n und Z u b e i l gewählt. Alle übrigen Kandidaten sollten geheim gewählt werden. Das Ergebnis war, daß alle Kandidaten r,n sicherer Stelle Vertreter der Linken waren und daß die Kandidaten der Rechten an gänzlich aus- fichtslofer Stelle standen. Daraufhin zogen nicht nur die für die geheime Wahl gestellten Kandidaten, sondern auch die obengenannten in offener Wahl bestellten Spitzenkandidaten des rechten Flügels ihre Kandidatur zurück. Das führte zu ungeheuren Sturmszenen, zu wüsten Beschimpfungen, und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre man zu Tätlichkeiten übergegangen. Für den Parteivorstand erklärte Dittmann, daß dieses Ergebnis der Kandidatenauf- steüung nicht anerkannt werden könne und Crifpien schlug schließlich vor, die Angelegenhest aus der De» zirkstagung in die Parteiinstanzen zu verlegen. Be­merkenswert war auch noch, daß sich der Bezirks­parteitag zuvor noch in einer sehr scharfen Ent­schließung gegen,die von den hannoverschen Sozial­demokraten beantragte Auffteüung des früheren Wehrmimsters N o s k e als sozialdemok rati schen Reichstagsk andidaten wandte. Die Versammlung nahm ein stürmisches Ende. Roch lange nach ihrem offiziellen SMuß schlugen die Wogen der Erregung sehr hoch.

Dieses Berliner Vorkommnis bei den Sozial« deinokraten ist charakteristisch für den Zustand inner­halb der Sozialdemokratie. Es läßt auch manches erklären, was die Sozialdemokraten jetzt im Reichs­tage tun. Es ist diktiert von dem Bestreben, die Linke zu gewinnen, und zu diesem Zwecke werden Dutzende von Agitationsanträgen gestellt. Daß aber diese Taktik der Reichstags-Sozialdemü- kraten die Stimmung des linken Flügels nicht zu beeinflussen vermochte, zeigen die jetzigen Vorgänge^ die ein Spiegelbild des inneren Zwistes bei den So-- zialdemokraten sind. Wenn die Sozialdemokraten jetzt in einen Wahlkampf eintreten müßten, und sie geben sich doch den Anschein, als würden sie nur von fofortigen Reichstagswahlen sich besonderen Er­folg für ihre Partei versprechen dann wurde die­ser Riß sich zweifellos sehr empfindlich für die So­zialdemokraten als gemäßigte Linke auswirkim. Die schärfere Richtung, diejenigen, die wieder in das Fahrwasser der früheren unabhängigen Partei möchten, ist schon seit längerer Zeit im Wachsen 'be­griffen. Ja es sind unter der Hand starke Strö­mungen vorhanden, die auf eine Teilung der Sozialdemokratie drängen, und zwar so, daß sich zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten d'e ehemaligen Unabhängigen schieben. Und drese Strömung geht von der Erwägung aus, daß es Nur auf diese Weise gelingen könnte, der kommu- nistjschen Konkurrenz sich zu erwehren,

Opposition kn Sachse«. 'e

Einer Meldung aus Dresden zufolge nahm die Groß-Dresdener Sozialdemokratie eine Entschlie­ßung an, welche die Politik der sozialdemokrat!« sthen Reichstagsfraktion tadelt. Zu Spitzenkan­didaten für die Reichstagswahl für Ostsachfen,marde

der frühere Kultus'lmnister Fl e ne r gewählt. Ferner wurden weiter- sechs Kandidaten aufgestellt, die wie Fleißner alle dem linken Flügel der Partei angehören. i...

Die belgische Kabinettskrise.

Haoas meldet aus Brüssel: Der König hat den ßurücf getretenen Ministerpräsidenten Theu nis empfangen. In politischen Kreisen wird allgemein angenommen, daß der König aufs n e u e in Theu- nis gedrungen fei, die Neubildung des Kabi­netts zu übernehmen. Der Brüsseler Korrespondent des .Journal des Debüts" bemerkt, falls Theunis angesichts der aul allen Seiten herrschenden Un­sicherheit nachgebe, würde er eine Art Geschäfts­ministerium mit einer beschränkten Zahl von Portefeuilles bilden. Dieses Kabinett wurde es sich zur Aufgabe machen, das Budget zur Annahme zu bringen, die Finanzen m sanieren und die Repa- rativnsfrage zu regeln.

Die neue Türkei.

Frieden, Reformen und Völkerbund.

Rach einer Havasmeldung aus Angora wer­den folgende Einzelheiten über die Rede des Prä­sidenten Mustafa Kemal Pascha bei der Eröffnung der Session der Nationalversammlung nritgeteiü:

Mustafa Kemal unterstrich, daß die türk. Nation fest entschlossen sei, der republikanischen Auf- sasfimg zuverlässige Grundlagen zu sichern. Er spielte auf die Herabsetzung der Militär» dienstzeit auf 1% Jahre an und hob hervor, daß dieser Beschluß den Willen der türkischen, Re­gierung, nur im Falle unbedingter Notwendigkeit zu den Waffen zu greifen, außer Zweifel setze.

Der Präsident besprach im einzelnen die Gesetze über die Finanz- und Wirtschaftsreform, die geplan­ten Eisenbahnbauten und den Entwurf des hygie­nischen Gesetzes und gab sodann wichtige Erklärun­gen über die Vereinheitlichung des Unter­richts och. Unter anderem vertrat er die Befesti­gung des religiösen Unterrichts in den Spezialschulen. Der Präsident forderte eine Strafverfassung, die durch Beseitigung der religiösen Genchtshöse eine 'moderne einheitliche Rechtsprechung sichern solle.

Die Ratifikation des Vertrages von L a u s a n ne, erklärte Kemal, töc-b» nur mittels Konzessio­nen erfolgen. Mustafa Kemal Pascha trat auch für den eventl. Bestritt der Türkei zum Völkerbunde em.

deutscher Reich.

* Antrag aus Aushebung des Staatsgerichtshofes. Von dem Abg. der bayrischen Vo kspartei, Rausch- München ist mit Unterstützung der Fraktion der bayerischen Volkspartei folgender Antrag im Reichs­tag eingegangen: Der Reichstag wolle beschließen: den auf Grund des Republikschutzgesetzes errichteten Staatsgerichtshof aufzuheben und dessen Zuständig­keiten wieder den ordentlichen Gerichten zurückzu­überweisen.

* Zm Hamburger Landgebiet haben die Wahlen der Abgeordneten zum Landesausschuß und zu den Gemeindevertretungen stattgefunden. Die Wahlbeteiligung war überall gut, sie betrug etwa 73 bis 92 Prozent, in einem Falle sogar 99 Prozent. Nach den bisher vo-siegenden Ergebnissen wird sich der Landesausschug voraussichtlich zu- sammenietzen aus 6 Vertretern der Bürgerliste, 2 Demokraten, 6 Sozialdemokraten und einem Kom­munisten. Es fehlt noch das WahlergÄais von Loisburg. Bei den Gemeindevertreterwahlen er­hielten in Euxhaden und Bergedorf die bür­gerlichen Parteien die Mehrheit gegenüber den Sozialdemokraten und Kommunisten, während in Geesthacht zwei Bürgerliche, 9 Kommunisten und 4 Sozialdemokraten gegenüberstehen. In den Wald­dörfern werden sich die Gemeindevertretungen im großen und ganzen wie bisher zusammensetze«.

ausIanD.

* Ein politischer Skandal in Prag. Nach einer Meldung derVoss. Ztg." aus Prag besagt ein Polizeibericht, daß wegen Bestechung von Referenten im Heeresministerium bei Benzinlieferungen 16 Personen verhaf- t e t worden sind, darunter der Direktor der Naphta-Gesellschait, Benoni, und der Ministerialrat Svetek. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, daß im Kriegsministerium zwischen der Abteilung, die die Benzinlieferungen zu besorgen hatte, und der Finanz- und Kommerzabteilung sowie der so­genannten Wirtschaftskommission ein Korrup­tion s r i n g bestand. Die verhafteten Leiter der genannten Abteilungen haben bereits gestanden, insgesamt 150 000 Kronen als Destechungsgelder erhalten zu haben.

* Die französische Linke regt sich. Einer Nach- richtenzensur zufolge hat der Kongreß der Radikalen und Radikalsozialisten in Lahors den ehemaligen Minister des Inneren M a l v h mit großer Mehrheit zum Kandidaten der Partei auf der Liste des Links­blocks gewählt, nachdem Senator de Monzie in einer Rede erklärt hatte, für die Republikaner des De­partements Lot existiere das Urteil des Obersten Gerichtshofes, das bekanntlich Malvy während des Krieges als Friedensfreund verurteilt hat, nicht. Es gebe keine Affaire Malvi.

* Russische Finanzreform. Die neuen russischen Silbermünzen, dee werrbeständigen Staatskasienscheine nnd die Preissenkungen werden von allen Schichten der Bevölkerung freudig begrüßt. Die Regierung konzentriert auf die Durchführung der Finanzreform ihre ganze Energie. Sie hält diese Reform nicht für eine lediglich technische finanzielle Aufgabe, sondern für eine Ausa-abe von politischer Be deutung.

Zu den vielen Unbegreiflichkeiten der Luden- dorffschen Verteidigungsrede gehört sein scharfer Ausfall auf den Vatikan wegen der päpstlichen Friedenspolitik. Don tta- lienifcher Seite ist Herr Ludendorff inzwischen be­lehrt worden, daß der Vorwurf der Parteilichkeit, den er gegen den Papst erhob, von den Nationa­listen aller Länder vorgebracht worden ist, wohl ein Beweis dafür, daß der Papst in Wirklichkeit eine über dem Völkerkrieg stehende neutrale Stel­lung einnahm. Ob die päpstliche Vermittlungs­aktion zum Frieden führen konnte, läßt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen. Tatsache ist aber, daß sie eine Friedenschance erster Ordnung war, Tatsache ist ferner, daß die deutsche Regie­rung diese Chance nicht richtig benutzt hat. In welcher Art die Berliner Regierung die päpstliche Friedensaktion behandelte, geht am besten aus einer Randbemerkung hervor, die Reichskanzler Mi­ch a e l i s am 22. August 1917 auf einem diploma­tischen Aktenstück machte:M. E. muß unser Be­streben dahin gehen, das Odium eines etwaigen Scheiterns der päpstlichen Vermittlungsversuche auf unsere Gegner abzuwälzen und sie ins Un­recht zu setzen. Ich beabsichtige daher, die Ange­legenheit ziemlich dilatorisch zu behandeln. Das hat Herr Michaelis dann auch wirklich getan und damit dazu beigetragen, daß die päpst­liche Mission scheiterte. Jedenfalls hätten mir heute einen anderenFrieden, wenn der Ver­such des Papstes Erfolg gehabt hätte. Aber einen Frieden vom Papst war natürlich eine unmögliche Sache. Das durfte keinesfalls fein; denn in einer Atmosphäre, die erfüllt ist vom Ludendorff- s ch e n G e i st e, konnte die zarte Pflanze der päpst­lichen Friedensvermittlung nicht gedeihen. Und welche Hoffnung die Ludendorffsche Kampfansage in gewissen Kreisen geweckt hat, mag man aus folgen­den Auslassungen ersehen, die dieHamburger Nachrichten" in einem mächtigen Hymnus auf den Nationalheros veröffentlichen:

Daß ßitbenborff sich gegen den Vatikan selbst wandte und ihm norroarf, mit der Heiligerklärung der Jungfrau von Orleans Partei für Frankreich gegen das Deutsche Reich ergriffen zu haben, war eine Tat, die unwill­kürlich vor unserem Geiste einen anderen großen Deut­schen wiedererweckt, der in Worms das Wort sprach: Hier stehe ich, ich kann nicht anders.

Ob es wirklich gelingt, den General Ludendorff auf die Dauer zum großen Mann zu stempeln? Seine Gedcmkengänge sind doch felbst für Leute, die viel vertragen, etwas zu verwirrt. In einem Blatt, das uns Katholiken wirklich nicht nahe steht, lesen wir in dieser Hinsicht über Ludendorff:

An die Tanks und an die versteckten Reserven des Gegners, die dem deusschen Heere den einzig wahren Dolchstoß versetzten, hatte er nicht geglaubt. Er zieht gegen den bayerischen Partikularismus ins Feld und war doch entschlossen, mit den bayerischen Truppen gegen die Reichswehr zu ziehen. Es schien ihm vor allem wichtig, wie sich General v. Seeckt verhalten wurde, aber er ließ sich zum Oberbefehlshaber dernationalen" Armee er­nennen, und entriß so, wenigstens in Prokla­mationen, dem General v. Seeckt den Kommando­stab. Er sagt offen und richtig, Lossow habe, indem er sich den Weisungen aus Berlin entzog, einendoppel­ten Verfassungsbruch" begangen und Hochver­rat verübt. Gleich darauf sagt er bei Erwähnung Roß­bachs, der gegen den Befehl seiner Vorgesetzten nach dem Battikum marschierte:Das war forsch und darum gefiel es mir. Das alles sind Kleinigkeiten und das Haupt­stück ist natürlich die lange Anklage gegen die Sozial­demokraten, die Juden, die Bayern, die Katholiken und den Papst. Da Ludendorff auch die Alldeutschen des Herrn Elaß zu den Reicbsverrätern rechnet, wird das Vaterland etwas klein. Wir anderen, die Wechten Patrioten, hoffen und sind überzeugt, daß sich die katho­lische Bevölkerung des Rheinlandes durch die Rede des ehemaligen Heerführers nicht verbittern, in ihrer treuen Gesinnung nicht erschüttern lassen wird. Der Papst wird wissen, daß die große Mehrheit des deutschen Vol­kes, die freilich nach Meinung der Münchener Angeklagten gar nicht deutsch ist, ihn und seine milde, überall mildernde Hirteniättgkeit anders als der General Ludendorff schätzt. Nachdem es ihm, nicht durch feine Schuld, während des Krieges nicht geglückt war, die Furien zurückznweisen und den Frieden vor der Katastrophe herbeizuführen, hat er feine Abneigung gegen Siegerexzesse deutlich bekundet, den Notleidenden in Deutschland Hilfe geschickt, durch seinen Einspruch die Freilassung gefangener derrtscher Ruhr- bewohner und den Verzicht auf die Vollstreckung von Todessttafen erwirkt und für all' das nicht Angriffe, sondern respektvollen Dank verdient. Und nie­mals hat ein Papst so massenhaft wie der General Ludendorff exkommuniziert.

Zu Ludendorffs Angriffen werden nach näherer Pnssung der Münchener Aeußerungen auch die offiziellen Instanzen der deutschen Katholiken Stellung nehmen.

3m Münchener Hochveratsprozetz

wurde am Montag Oberleutnant Wagner ver­nommen, der durch einen Neffen des Reichspräsidenten Ebert, einen Vizefeldwebel Ebert, bei Ausbruch der Re- volutton in feiner Oftiziersehre gekränkt und infolge­dessen zu einem Anhänger Hitlers geworden sein will. Er macht Aussagen, die über die Z u st ä n d e bei der Reichswehr in München Licht verbretten. Wagner sagt u. a.:Der Kommandierung an die Jn- faitterieschule in München bin ich mit Freude gefolgt, denn von Bayern erhoffte die Reichswehr die nationale Erhebung. Wir Nichtbayern sahen auf die bayerische Reichswehr immer mit einem gewissen Neid. Im Reich mußte die Reichswehr entsprechend der ganzen Ein­stellung von pazisistisch-inkernationalen Ideen getragen fein. D fitzender: Gehören diese Dinge zur Sache? Angeklagter: Jawohl. General v. Lossow hat als Kommandeur der Jnfanterieschule a n- geordnet, daß die Hitler-Versammlung en zu besuchen sind. Ansang November wurden wir ungeduldig, weil auf Lossows erste Tat nichts er­folgte. Loffow ließ uns darauf durch Oberst Leupold einen Befehl verlesen, daß der Tag der Wiedereinführung der schwarz-weiß-roteu Kokarde bevorstehe, wir sollten

Tat."

Die anschließende Vernehmung des Stiefsohns des Generals Ludendorff, Oberleutnant a. D. Pernet, war in zwei Minuten erledigt. An der Ber- sammlung des 8. November nahm er teil,, ohne zu wis­sen, daß'dabei etwas unternommen werden solle. Don den Ereignissen im Bürgerbräukeller sei er völlig über­rascht worden. Er habe feinen Stiefvater, General Lu- dendorss, geholt und auf Befehl Hitlers auch die Quit­tungen zur Requisition der 14 650 Billionen bei Parcus unterschrieben. Er, Pernet, habe sich gedacht, daß die Sache legal fei.

Ms letzter Angeklagter wird Dberamtmann Dr. Frick vernommen. Er sei von Pöhner Mitte Mai zum Leiter der politischen Abteilung der Polizeidirektion ernannt worden, wobei er ins­besondere die Reichswehr, die Polizeiwehn und Einwoh­nerwehren kennengelernt habe. Im Jahre 1920 sei er auch Kahr besonders nahe getreten. Sdjroer enttäuscht habe ihn Kahr in der Einwohnerwehrfrage. Wir er- kannten, so erklärte Frick, daß die Nation al sozia­listische Bewegung geeignet war, in der marxi- stisch verseuchten Arbeiterschaft Fuß zu fassen. Deshalb hielten wir die schützende Hand vor die Nationalsozialistische Partei und Hitler. Der Angeklagte betonte, daß sich feine Be­ziehungen zu Pöhner im Verlaufe sehr emg gestaltet ha­ben. Seine. Fricks, Neigungen wandten sich immer mehr dem aktivistischen Teil der vaterlLnLifchen Bewe­gung zu. Er habe während seiner Tätigkeit in der Polizeidirektton Wert darauf gelegt, mit der Natio­nalsozialistischen Partei in ständiger Fühlung zu bleiben, um dadurch die Bewegung zu zügeln und einen gewissen Einfluß auf sie auszuüben. Die Fühlungnahme zwischen der Polize idirektion und der vaterländischen Bewegung sei aber nach dem Abgang Pöhners immer lockerer geworden. Frick geht dann auf die Vorgänge im Bürgerbräukeller ein, wobei er be­merkte, daß er von der Ausrufung der ne uen Regierung gegen 9 Uhr abends durch einen telephonischen Anruf informiert worden 'sei. Am anderen Morgen feien ver­schiedene Nachrichten aus dem Lande gekommen, die ihn stutzig machten. Ein Versuch, mit Lossow und Seisfer in Verbindung zu kommen, fei mißlungen. Er habe bann ersucht, die inzwischen gemeldeten Zerstörungen in berMünchener P o st" sofort einzu st eilen. Nach 3 Uhr morgens fei er zu einer Besprechung zu Oberst Banzer gebeten worden, ber ihn im Namen der verfassungsmäßigen Regierung für verhaftet erklärt habe. Nach Erklärung des Obersten Banzer halbe Kultusmini­ster Dr. Matt die verfassungsmäßige Regierung darge­stellt. Auf verschiedene Fragen von (Seiten des Vor­sitzenden versicherte Frick, keine Kenntnis davon gehabt zu haben, daß er Polizeipräsident werden sollte. Frick bestreitet, von den ganzen Vorgängen Sfcezmtnis gehabt zu haben. Hätte Kahr in der BefprechtW« um 12 Uhr nachts nur eine Andeutung gemacht, denn wäre das Unglück vom 9. November an diesem Zeitpunkt noch zu verhindern gewesen. Er habe sich jedenfalls keine Unterlassungssünde zuschulden kommen lassem.

Rach Erledigung weiterer Fragen wird, die Sitzung geschlossen. Die Vernehmung der Augeklag, t e n ist damit beendet.

Wieder eine Uetleutnbuttg.

Die W. T. B. von amllicher Stelle erfährt, ist der im Hochverratsprozeß gegen Hitler und Gen. von dem Oberleutnant Wagner erwähnte angeb­liche Vizefeldwebel Ebert weder der Neffe des Reichspräsidenten noch forfft mit dem Reichspräsidenten verwandt, noch Bestehen i r - gendwelche anderen persönlichen Beziehungen zwischen dem Reichspräsidenten und ihm.

So wird es gemacht. Die ganzen bisherigen Verhandlungstage in München sind immer wieder von den Angeklagten benutzt worden, deutsch- völkische Wahlpropaganda zu treiben, wobei es auf Richtigkeit und Wahrheit wenig an­kam.

(Ein berechtigter Protest.

Die kath. Pfarrämter Nürnb-erg-Fürth und die kath. GesamtkirchenverwalttlAg Nürnberg erlassen in derBayer. Volkszeitung" eine Erklärung, worin es tief bedauert wird, daß der Evangelische Bund in Nürnberg den Religionsfrieden gebrochen habe.

ES heißt da: Wir lebten im tiefsten Frieden mit den Volksgenossen protestantischen Bekenntnisses. Wir haben noch vor wenigen Tagen Schulter an Schulter gekämpft mit ihnen um das hl. Gut der christlichen Schmie. Wir waren bereit, jederzeit die Hand zu bie­ten und zu arbeiten mit allen vaterLanvsliebendeu Mitbürgern zum Wiederaufbau unseres armen deutschen Vaterlandes. Und wir sind es immer noch. Wir wür­den uns schämen, irgend eine Kraft brach hegen zu lassen, irgend eine deutsche Bruderhand zurückzuweifen, crnch nur ein deutsches Herz zu kränken in der Zeit tiefster deutscher Boiksnot. Draußen im Weltkrieg i haben unsere Brüder ohne Glaubensstreit miteinander. 1 gekämpft, gehungert und geblutet. Heute wieder die alte Wunde des konfessionellen Bürgerstreits aufzu­reißen, ist Verbrechen am Volke. Dem Zweig- berein desEvangelischen Bundes" in Nürnberg war es Vorbehalten, diesen Friedensstand in unerhörter Weise zu brechen. Donnerstag, den 21. Februar 1924, im Saale der Rosenau zu Nürnberg, hat ein Redner dieses Vereins, unwidersprochen seitens der Bereinslei- tung und unter stärkstem Beifall der anwesenden Bet- emsmitglieder, in unglaublicher Weife ferne kaihoi. Bolksae'noffen geschmäht, geschmäht unsere bl, Kirche alsein verknöchertes, kaltherziges Institut", geschmäht die Friedenspäpste Benedikt XV. und Pius XI. als Blutsauger", geschmäht die katholischen Priester als Schauspieler", geschmäyt unsere Feldgeistliche» als würdelose Hochverratsverdächtige". .Ein Friede mit der katholischen Kirche fei so «»«Agilch.