Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
51. Zahrg
Dienstag, 4. lUärz 1924
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Ludendorffs Sulturkampfrede.
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Schule und Volksbildung.
*= Da» humanistHche Gymnasium in der Thüringer Elnheilsschule. Wie verlautet, werden die Ostern 1922 bezw. IP23 ausgehobenen Lateinsexten vom Be. ginn des neuen Schuljahre» ab wieder eingerichtet, indem in der Real-Unterschule als Fremdsprache an Stelle be» Französischen auf Antrag Latein gewählt »erben kann. Bei den Schülern, bi# Latein wählen, wird vorausgesetzt, daß sie da» Gymnasium ober Realgym- nafium durchlaufen wollen. Für Die Fremdsprach-e werden yuf der Unterschule wieder 6 statt 4 Wochenstunden eingesetzt,«, sodaß die Lateinklassen denselben Lehrplan haben wie die neu|pradjlid?en Klassen. An die Laiein- unlerschule wirb sich eine Mittelschule anschließen, in der vom 8. Schulahr (U 3) ab entweder Griechisch (Gymna- siurn) ober Englisch lRealgymnasium) als 2. Fremd- spräche, vom 10. Schuljahr (11 2) ab als dritte Fremdsprache Englisch oder Französisch betrieben wird.
düng der ,Voss. Ztr/ au« Oldenburg infolge, hoben sich die po Nucken Parteien tn Oldenburg über die Bildung einer parlamentarischen Regierung geeinigt. Dakaugenbl-cküche Beamten min ist erin mdüiste in kurzer Zeit durch ein politische« Kabinett ersetzt werden. Da« Zenirum soll darin den Vorsitz, da« Finanzniini'teiium und da« Landwirt- schafirmininelium erhalten, die Sozialdemokralen Verkehr und soziale Fürsorge, die Deutsche Volk». Partei Kultur, Justiz, Handel und AeußereS und die Demokraten die Verwaltung, Polizei, Handwerk und Ttefbau.___
* Tie Prinzessin Luise, die Tochter bei König- L opold von B- Iot n, einl mal« bet nut durch ihre zahlieiche Schulden und ihre Liebctabknteuer, ist gestorben.
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8Lr die Ehre der deutschen Katholiken. Reichskanzler Dr. Marx und Arbeitsminister
Pr. Brauns gegen Ludendorffs Verleumdungen.
Im Reichstag fand am Sonntag abend eine Versammlung des Volksvereins für die Katholiken Deutschlands statt, in der Reichskanzler Dr. Marx und Reichsarbeitsminister Dr. Brauns sprachen. Der Reichskanzler bezeichnete es als e i n n a t i o - „ales Verhängnis, daß weite Kreise dem neuen Staat teilnahmslos oder feindlich gegenüber- ständen. Es fei gewissenlos, die Mitarbeit am Etaatswohl von der Staatsform abhängig zu machen. Rach der Annahme der Verfas- jung habe der neue Staat eine unbestreitbare Rechtsgrundlage. Wer diesen Staat durch Putsche oder andere gewaltsame Handlungen beseitigen wolle, sei ein Hochverräter.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kennzeichnete der Reichskanzler die völkische Bewegung als verhängnisvoll. Der Sieg der völkischen Idee in ihrer krassesten Auswirkung würde den Krieg aller gegen alle, die Zerfleischung des Volkes, bedeuten. Zum Schluß wandte sich der Reichskanzler scharf gegen die bekannten Ausführungen Ludendorffs gegen die Katholiken, die er als Verleumdungen zurückwies.
Auch der Arbeitsminister Dr. Brauns wandte sich gegen Ludendorff. In Zurückweisung des Angriffes Ludendorff auf Erzberger teilte Dr. Brauns mit, daß im Herbst 1918, als in Berlin über die Frage der Absetzung des Kaisers und Abschaffung der Monarchie verhandelt wurde, das Zentrum und insbesondere Erzberger sich für das Verbleiben der Hohenzol- lern eingesetzt hatte.
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Ualhollsche wett.
» Die katholische Kirche in ventschland. Nach der neuesten etatntit zählte Deutschland einschließlich Saar, Gebiet 1921 20591816 Katholiken mit 9910 Pfarreien und 19317 Weltgeistlichen. Eistkommunikanten gab e« 232 428Knaben und 233 4WMädchen. Ostcrkommunionen zähl.« man 12 900000, Andachtskommunwneii 191 526 376. KirchenauLtrilte sind zu verzeichnen 40152, Eintritte 9 235 (I). Bon 344426 verstorbenen Katholiken wurden 295 692 kirchlich beerdigt. Zivil etraur wurden rein katholische Paaie 194 651, kirchlich getraut 190 091 rein tathvlilche ■Kaate. Katholische Taufen aus rein katholischen Ehen 482557, au» Mischehen mit katholischem Pater 15 280, katholischer Mutter 22 708. (Bd. Xi, 1923, Kros^ Kirchliche« Handbuch, S. 406j.
Deutscher Reich.
♦ Die Regierung in Oidenburg. Einer
Vie Veutschvöikischen gegen die veutschnallonalen.
Um sich der deutschvölkischen Konkurrenz zu er» toebien, haben die Deuischnationalen einen besonderen völkischen Ausschuß eingesetzt. Damit haben sie aber bei der lieben Konkurrenz keine Gegenliebe gefunden, wie au« folgendem Beschluß her vorgeht, den der Reichrverlreleriag der deutschvölkischen Frei- heit«vartei gefaßt hat;
.Die Neich»vertreterta«un« der Deuishvölklschen Freiheitrbcwegung lehnt einmütig jede Verwässerung de« deut sch völkischen ®ebanten» durch Zusammengehen mit sogenannten völkischen Deutsch- nationalen, den Vaterländischen Verbänden der Geisler und Eontag und ähnlichen Gebilden, insbesondere bei den kommenden Reichs-, Landtag«, und ®e- meindewahlen, ab. Die Reichkvertretertagung erkennt nur deutsch-völkische Listen an, die von der Führung v. Graefe« und der Münchener Führung Hitler« anerkannt sind. Wer sich irgendwie im Lande auf faule Kompromisse einläßt, begeht Verrat an der heiligen völkischen Bewegung und schließt damit von selbst sich au» den völkischen Kampfreihen au«.
Die der Teutschvö tischen Freiheitsbewegung anae- schlossen«» Organisationen lehnen jede selb icrndire Verhandlung über Ausstellung gemeinsamer Kandidaten zum ReichSta-, Landtag und den kommunalen Körper» schoflen mit anderen Cr anifatiom-n jeglicher Art a d. Sie verpflichtet sich, alle diesbezüglichen Anregungen an die Berliner Zentrale der Deulsä völkischen FreiheltS- beive ung zu veiweisen. Sie erkennen die Berliner Leitung al» allein verhandlungSberechligt an.“
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Bol>»e<r?,n'o glnmllnrk a. Th 4051.
Ruslan-.
♦ Der Schah von Persien ist am Sonntag io Pari« grrgekommm.
* Ein Wahlsieg der französischen Sozialisten. Bei einer Ersatzwahl zum Senat im Departement Dr6m« haben die Sozialisten einen netten Sitz erobert, und zwar einen, der seit langen Jahren zu dem festen Besitz der Radikalen gehört hat. Der sozialistische Kandidat ist im ersten Wahlgang mit 860 von 706 Stimmen gewählt worden.
* Russisch-japanischer Zwischenfall. Telegramme au» Wladiwostok melden die Verhaftung von acht japanischen Dolmetschoffizieren durch die Russen. Auf den japanischen Protest hin erwiderten die Russen, sie hätten das Recht« jeden verdächtigen Ausländer zu verhaften.
Zur Reichstagswahl.
Der Hauptausschuß des Reichsdeutschen Mittelstandstages und der Gesamtvorstand des Reichsschutzverbandes für Handel und Gewerbe haben laut „Lok.-Anz." die Parole ausgegeben, für die nächsten Reichstagswahlen keine eigenen Kandidatenlisten für die Wirtschaftsverbände aufzustellen, sondern sofort mit den politischen Parteien Verhandlungen einzuleiten, damit von diesen die Interessen des gewerblichen Mittelstandes bet der Auswahl der Kandidaten in ausreichender Weife berücksichtigt werden.
fehlt dm Leuten, die dauernd auf dem Steckenpferd | einer eingebildeten ultramontanen Gefahr reiten und sich dabei einbilden, auf einem mächtigen Rosse vor dem Heerbann deutscher ©eiftigteit zu reiten.“
Reichskagsabg. Dr. Helm wendet sich in einer Erklärung in den „Münch. Reuest. Nachr." gegen die Angriffe, die Ludendorff in feiner Verteidigungsrede gegen ihn gerichtet hat.
Er sagt, niemals an eine katholische Donau- Monarchie gedacht und nie mit jemandem über eine solche Jd-e gesprochen zu haben. Dor von Ludendorff zstierte Artikel im „Bay. Kurier", der eine zeitweilige Trennung Bayerns vom Reiche vorschlug, sei gegen Äurt Ei-ner» Politik gerichtet gewesen, zu einer Zeit, wo im Norden Deutschlands der Dolschewismu, hochzu- kommen gedroht bube. Er habe nie eine andere als deutsche Politik getrieben. Al» der Ministerpräsident Kahr eines Abends chn wegen der Niederlasiung Lu- dendorffs in Bayern befragt habe, habe er ohne Zögern bejaht, allerdings unter der Voraussetzung, daß Luden- dorff sich nicht politisch betätige und sich nicht tn die innerbayerischen Verhältnisse einmische. Damals habe ihm allerdings Herr v. Kohr gesagt, diese Zusicherung habe ihm General Ludendorff gegeben. Wegen der von Bayern General Ludendorff gegebenen Gastfreundschaft sei er wiederholt im Reichstag angepöbelt und beschimpft worden. Heim bittet, ihn aus der Politik zu lassen, bis einmal feststehe, ob er wieder in das politische Leben zu- rückkehre. Er müsie sich noch einer dritten Operation unterwerfen und sei zurzeit gegen Angriffe mehr ober minder wehrlos, da er fein Material nicht zur Hand habe und zurzeit nicht nur Hand nehmen könne. Dr. Heim leidet an grauem Star.
Aus Rom wird gemeldet, Ludendorffs Anwürfe wirkten im Vatikan peinlichst als Undankbarkeit gegenüber der großen Caritas, welche die beiden letzten Päpste nach dem Kriege für Deutschland ausgeübt hätten und gegenüber der wohlwollenden Haltung während des Krieges, welche dem Vatikan heftige Vorwürfe von Seiten der Entente eingetragen habe. Der „Eorriere d'Jtalia" schreibt, gerade die Herkunft der Angriffe von beiden Seiten beweise die Unparteilichkeit des Vatikans, während Ludendorff die Tatsachen verdrehe.
Die deutschnationale Presse findet natürlich kein Wortder Erwiderung gegen Ludendorffs Ausführungen. Immerhin scheint ihr die Kundgebung nicht gerade erwünscht zu sein. Im „Tag" wird zum Beispiel festgestellt, daß das Auftreten Ludendorffs vor Gericht „kein zweites Tannenburg" war. Der Berichterstatter der „Deutschen Tagesztg", des Organs der deutschnationalen Landwirte, ist ganz einverstanden und nennt die Rede „scharfsinnig nufgrbaut". Die „Deutsche Allg. Ztg." dagegen bemerkt:
„Was General Qubenborff ba heute vorgetragen hat in der festen Ueberzeugung, baß er sich die Herzen gewonnen hab« in bem bayerischen Volke, bas er „aus den Fesseln bes Klerus zu befreien“ bie Mission in sich fühlt, wirb ein ganz anderes Echo finden, als er sich bachte, tmb zwar nicht nur in Bayern. Für jeden Deutschen, der ßubenborff als Soldaten auf» höchste zu verehren gewohnt war, mußte es schmerzlich sein, ihn heute in einer folgen 5orm all Po- litiker sehen zu müssen." „
Bedauerlich ist vor allem, daß sich Ludendorff und auch die andern Angeklagten ihre Blößen angesichts der zahlreich erschienenen Vertreter derWeltpresse geben.
Zu der Rede Ludendorffs schreibt Bet Münchener Korrespondent der „Times": Ludendorff habe wie ein Soldat bei der Parade gesprochen. Mit lauter und rauher Stimme und.unter starkem Aufwand von Gefühlen. Der Münchener Vertreter bes „Daily Telegraph“ meint, daß Ludendorff in den letzten Jahren eine seltsame geiftige Entwicklung durchgemacht habe. Früher waren es die Sozialisten, die an der Niederlage schuld gewesen sein sollen. Jetzt aber habe er entdeckt, daß bas Judentum der Grund feines Mißerfolges gewesen sei. Ludendorffs Antisemitismus, schreibt der Berichterstatter, fei bekannt, aber mancher Zuhörer dürfte feinen Ohren nicht getraut haben, als plötzlich der Ausspruch gegenüber dem Papst kam. Reuter berichtet au» München, Ludendorff» Red« sei eine reine Programmrebe gewesen, so baß man sich fragt«, ob man einem Hochverratsprozeft beiwohnen ober in einem Debattierttub sei. Die Zeitung „Exchange“ teilt mit, baß Ludendorff seine Rebe vorher in 47 Schreibmaschinenseiten an ausländische Journalisten verteilt habe, damit im Falle eines Ausschlusses der Oeffentlichkeit nicht, von ihr verloren ginge.
Die Sage in Bayern.
Im Landesausschuß der Bayerischen Dolkspartei, an dessen Tagung in München auch dec Reichsjustizminister Dr. Emminger teilnahm und aus die Nähe der Reichstagwahl hi.nvies, erklärte der Führer der Partei, Geheimrat Dr. Hel d, als Ursache der Schwierigkeiten in Bayern, daß Dilettanten in der Politik, die ihre Aufgabe darin erblickten, die Staatsautorität zu untergraben, Bayern an den Rand des Verderbens gebracht hätten. Die unverantwortlichen Elemente hätten den bayerffchrn Kredit in Deutschland und drarrßen in der Welt unendlich geschädigt. Dazu komme, daß sich starke Widersacher gegen ein Erstarken der bayerischen Stellung im Lande felbft eingenist«t und festgesetzt und von hier aus ihre Zerstörungsarbeit getrieben hatten. Besonders dankte Dr. Held dem Reichs- fuftiyninifter für feine unermüdlichen Bemühungen, im Reichskabknett dis bayerischen Interessen zu wahren und zu verteidigen. Der Landesausschuß sprach Dr. Emminger sein einmütiges Vertrauen aus.
* Der Reichspräsident weilt« in Süddeutschland und nahm am Pressetag in Mannheim teil. Die Bevanstalttmg war eine überwältigende KrnHgebrmg für die Pfalz: „Die Pfalz, so sagt« der Reichspräsident, ist deutsch, kerndeutsch und wird es bleiben! Hier am Rheine wurzelt fest unser Na» ttonalbewußtsein; solange das deutsche Volk lebt und atmet, wird es ausharren im Kampfe um den deutschen Rhein! Bestehen werden wir diesen Kampf ' aber nur, wenn wir in Opfermut und Opfer- willen in allen großen Fragen unseres Volkes | in Gemeinschaft und Treu« zusammenstehen."
yeranttoortlub ür t.e ectrbtleiiung: Dr. pobanneS Kramer. Hnse(gen: 3- Verteilet, Sulba. Rotationkdruck und Verlas der Fuldaer »ktiendiuckerei in Fulda. Fernlvreter Nr. 9. ::
Beruakvrel«: Ätorat Februar S.00 Loldmark frei S>an».
Über bie wir berichteten, hat in den weitesten Kreisen Kopfschütteln hervorgerufen. Daß vor allem bie katho- lffche Presse den Gefühlen Ausdruck gibt, die leben Katholiken angesichts der Auslassungen des wegen Hoch- Verrats angeklagten Generals bewegen, ist natürlich. Die „Köln. Dolksztg." sagt u. a.:
Mit biefen Anwürfen und Derleumbrmgen bürste sich 6er Generell selbst in denjenigen katholisihen Kreisen, bie bisher noch etwas für ihn übrig hatten, den letzten Rest der Sympathie verscherzt haben. Was Ludendorff zum Beweise seiner Behauptungen anführte, ist uns wohl bekannt. Es stammt aus bem Lexikon bes an ti ult ra- montanen Relchsverbanbe».
Das General Ludendorff aus der Geschichte der letzten Jahre anführte, um seine Behauptungen von den ultramontanen zerstörenden Tendenzen zu beweisen, ist mehr als kärglich. Die politischen Pläne des Herrn Dr. Heim haben wir nicht zu vertreten. Herr Dr. Heim ist uns Hekuba, General Bothmer desgleichen. Gegenüber den Anspielungen des Generals auf Vorgänge am Rhein sagen wir nur das Einet Die rheinischen Katholiken und das rheinische Zentrum, bie gemeinsam mit ihren andersgesinnten Stammesgenoffen in bin letzten fünf Jahren unerträglich Schwere» erduldet haben, stehen zu hoch, als daß sie durch die Anzweiflungen ihrer deuffchen Gesinnung, die sich General Su- benborff ertaubt, betroffen werben könnten. Politisch« Diskussionen mit diesem General sind überhaupt eine u n- mögliche Sache. Daß Ludendorff nicht die Verfehlte Ostmarkenpolttik mit ihren Brutalitäten und Ungerechtigkeiten gegenüber den deuffchen Staatsangehörigen polnischer Nation, sondern ba» Zentrum für bie (Ent- roichung in den Ostmarken verantwortlich macht, ist eiebt verwunderlich.
Als Fazit ergibt sich, baß von der positffchen und Nationalen Gebankenwelt bes Generals Ludendorff zu brn Dorftellungen, bie die weitaus größere Mehrhett des deuffchen Volkes und die auch der katholische Dolksteil von der nationalen Größe Deutschlands und von der besten Art, sie sicherzustellen und wieder neu zu schaffen hat, keine Brücke führt. , Der Kampf zwischen den beiden Welten, die sich unoefföhnt auf diesem Gebiet gegenüberstehen, ist noch nicht zu Ende. Wir würden einem zweiten schlimmeren Versailles und der endgültigen Zerstörung der deutschen Ein- h e i t entgegengehen, wenn Ludendorff und seine Gesinnungsgenossen in die Lage kö.nen, mit ihren Mitteln an der Verwirklichung ihrer Ziele zu arbeiten. Lu- benbarff hat mit argwöhnischen Blicken Ausschau g». halten nach Leuten, bie noch seiner Meinung auf die Zerstörung des äußeren Gefüges bes Deutschen Reiches ausgehen. Rach feiner Münchener Gerichtsrede mutz man sagen, daß er alle Voraussetzungen mitbringt, um tm Sinne der unglückseligen Zeit bes 16. und 17. Jahr- Hunderts das Gefüge der geistigen Zulammengehörigkett aller Deuffchen zu zerreißen und bamit der e i g e n t l i che Reich'szerstörer zu werden.
Die „Bayerische Volksparteikorre- fpondenz" nennt Ludendorff einen Icidenschaft- lichen Hasser einer nach eigenstaatlichem Loben ringenden bayerischen Politik und sagt von ihm, als Politiker und geistige Persönlichkeil stehe er mitten in den Befangenheiten und Einseitigkeiten der Masse der üblichen Gefühlspolitiker, die es so schwer machten, daß dos deutsche Volk sich zu einem politisch reifen Volk entwickle. Ludendorff habe den unseligen Kulturkampfgei st heraufbeschworen. „Es ist bedauerlich, daß die vom politischen Standpunkt aus ganz unglückselige und schlecht beratene Rede des Generals Ludendorff neues Oel in das ange- fchürte Feuer gegossen hat. So kann man wahrlich km seelisch geeintes völkisches Großdeutsch'and aufbauen. Da muß man erst eine Ahnung von dem andern Deutschland haben, und diese Ahnung
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Abgeordnetenhaus und Staatsrat.
Die Finanzlage des preußischen Staates erfordert gebieterisch neben anderen Einschränkungen auf allen Gebieten des staatlichen Lebens auch eine V e r» ringerung der Mitgliederzahl der Körperschaften, die bei der Gesetzgebung und Venvalttmg mitwirken. Demgemäß hat, rote der Amtliche Preußisch: Pressedienst mitteilt, die Preußische Staatsregierung einen Gesetzentwurf zur Begutachtung an den Staatsrat gehen lassen, der di« Herabsetzung der Abgeordnetenm an- datevon421auf210Sitze vorsieht. Sn der Begründung des Entwurfes wird gesagt, daß eine Verringerung der Zahl der Landtags-Abgeordneten nicht nur aus Sparsamkeitsgründen, sondern insofern erwünscht erscheint, als sie eine Z u s a m m e n- fassung der Kräfte des Parlaments und da- mit in mancher Hinsicht günstiger «Bedingungen für die Erfüllung feiner Aufgaben schaffen wird. Es soll in Zukunft nicht mehr wie bisher auf 40 000, sondern auf 80 000 Stimmen ein Abgeordneten-Sitz entfallen; die hierzu erforderliche Abänderung der §§ 30—32 des Landtagsroahlgefetzes sieht der neu* * Gesetzentwurf vor.
Ferner wird vorgeschlägen, in gleicher Weise auch mit dem Staatsrat zu verfahren. Es wird eine Verminderung der Staatsratsfitzo von 77 auf 33 vorgesehen. Anstatt rote bisher auf 500 000 soll künftig erst auf eine Million Gin- wohner einer Provinz ein Vertreter entfallen. Dementsprechend wird erst auf einen Rest von mehr als 500000 Einwohner statt wie bisher 250 000, ein weiterer Vertreter zugeteilt. Die Festsetzung einen Mmdestzahl von Vertretern für jede Provinz wird beibehalten, um die ausreichende Beteiligung der kleinen Provinzen an den Staatsarbeiten zu sichern; diese Mindestziffer wird aber von 3 auf 2 herabgesetzt. Der Artikel 32 Abs. 2 der Preußisäjey Verfassung soll demenffvrechend abgeändert werden.
Der Artikel 1 des Gesetzentwurfes (Verminderung der Zahl der Landtagsmandate) soll bei der ersten, nach seiner Verkündigung erfolgenden Neuwahl des Landtages m Kraft treten. Den Zeitpunkt des 3ntraft tretens der Vorschrift des Art. 2 (Verminderung der Staatsratssitze) bestimmt das Staatsministerium. Dieser Zeitpunkt Muß aber innerhalb von 3 Monaten nach dem Tag« der ersten nach der Verkündigung des Gesetzes stattfindenden Neuwahl des Landtages liegen. Die Neuwahlen der Staatsratsmitglieder müssen in der ersten nach Inkrafttreten des Arttkels 2 des neuen Gesetzes stattfindenden Tagung der Wahlkörper (Provinziallandtage, Stadtverordnetenversammlung in Berlin, Kommunallandtag der Hohenzollernschen Lande) erfolgen. Die oben erwähnte Bestimmung, daß da» Inkrafttreten des Artikels 2 durch das Staatsministerium bestimmt wird, dient dem Zwecke, eine Gewähr zu schaffen, daß die Neuwahlen zum Staatsrat, die in unmittelbarem Anschluß an die Neuwahlen des Landtages erfolgen sollen, nicht mehr von den bisherigen Provinziallandtagen ufw., sondern erst von den n e u g e ro ä h 11 e n Körperschaften bewirkt werden.
„Deutscher Tag" und Kommunisten.
Aus Jena wird gemeldet: Um den vom „Jungsturm" für Sonntag geplanten Deutschen Tag zu stören, hatten die Kommunisten erhebliche Kräfte nach Jena zusammengezogen. Die Landespolizei mußte vielfach im Laufe des Tage» gegen starke kommunistisch« Demonstrtionen und Umzüge einschresten. Es wurden über 200 Personen aus dem kommunistischen Lager wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhaftet, darunter auch zwei kommunistische Landtagsabgeordnete. Der Festtag des „Iungsturm" konnte programmäßig durchgeführt werden. Um Mitternacht war die Ruhs überall wieder hergestellt.
Macdonald und poincarö
haben aufs neue lange Privat-Driefe gewechselt, die veröffentlicht werden. Macdonald sucht in einem Schreiben einen Weg an die Lösung der großen europäischen Fragen im engsten E i n v « r n e h - men mit Frankreich heranzugehen. Man nimmt an, die Wiederaufnahme des persönlichen Meinungsaustausches als Vorbereitung und Auf- takt für die von Ramfay Macdonald feit der Regierungsübernahme gewünschte mündliche Aussprache mit Poincare ansprechen zu dürfen. Der Pariser „Intransigeant" spricht von einer tiefen Genugtuung, die man in allen Kreisen Frankreichs über den Versuch empfinde, die Begießungen zwischen London und Paris neu zu festigen. Daß man darüber fünf kostbare Jahre unnütz verloren habe, daran trage in erster Linie die Unnachgiebigkeit und Halsstarrigkeit Lloyd Georges die Schuld. Wesentlich skeptischer urteilt di- „Sibert -". Der einzig wirkliche Fort- schritt könne nur darin liegen, daß entweder Mac- donald sich zu der französischen Auffassung oder aber Poincare zu der englischen Betrachtungsweise der großen europäischen Probleme bekehren lasse. Dafür aber seien auf beiden Seiten die Aussichten gering, denn es wäre ein Fehler, wenn man sich in Frankreich hinsichtlich der Ziele, die die e n g l i f ch « Arbeiterregierung verfolge, irgendwelchen Illusionen ßinaeben würde. Es wehe in Europa ein neuer Wind, feit die Labour Party in England am Ruder fei, und man dürfe nicht vergessen, daß eine Offensive, wie sie fetzt in D e l g i e n den Sozialisten im Verein mit den deutschfreundlichen Dlamen gegen das Kabinett Theunis gegluckt fei, yoch vor drei Monaten kaum möglich gewesen wäre. ___________________
10 Dfeitnkft.
uldaerZerlung
wurde am Samstag außer bem Hauptmann Röhm noch . der Oberleutnant der Reserve und Studierende der
Staatswissenschasten Brückner vernommen. Er schilderte hauptsächlich die blutigen Vorgänge in der Rest- denz und behauptete, seine Leute feien dort »rsshl eir.es Hysterien Hanswursten hin