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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Julda.

51. Zahrg

Sonn feg, 2. Hlörz 1924

Nr. 53

richtete der Vorsitzende

ZU

wer der Preis der Ber- Sesckt, zwischen Berlin

mittel des Staates zum Schutze der Devöb kerung anwenden. v„.-..■<<<;

tun« der völkischen Bewegung söhnung zwischen Lossow und unb München.

Nach diesen Ausführungen

Der Vericht -er Sachverständigen.

Wtb Paris. 1. März. (Itf.) Nach eln^r Meldung der „Chicago Tribüne" werden die Sach­verständigen am Monkag nachmittag mit der Auf­stellung des Berichts für die Reparationskommifsirm beginnen, der bis zum S' Mär; fertig gestellt fein soll.

„Und nun mutz ich mich einer Frage zuwenden, die berühren mir ungemein schwer wird, der

ultramontanen Politik.

Ich weiß, daß nur die Einigung der Konfessionen

erhalten bleiben muß. Deshalb wird der Reichs- wehr bas Herausnahmen aus ber Politik und die ausschließliche Beschäftigung nut militärischen Auf- gaben in der nächsten Zeit besonders gut tun. Ich bitte die Herren Kom'mandeme, m diesem Sinne an der Festigung der Truppe zu arbeiten, damit die Reichswehr das überparteiliche und nur dem Vaterland dienende scharfe Instrument bleibt, als das sie sich in den letzten Monaten glänzend be­währt hat."_________ _______________

Das Trauerspiel iu München.

Oberst Knödels Unkenntnis der Verfassung. — Lndendorff auf dem Kultnrkampfttepper.

Veronttoorttich für bie Ecknckstlettvng: Dr. SofianneS Kramer. Anreise«: I. $ arreller, Fulda. Rotationkdrrick ,md Setlaa der ~ Fuldaer Aktiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. «

Se»«fl$6tei8t Nonat Februar 2.00 «oldmark bei Däne.

dem hörte ich von Kahr das Wort ber vorübergehenden Trennung Bayerns vom Reich, was mich tief erschreat hat. Ich erinnere an die Friedensresolution, an die No­men Erzberger und Graf Czernin. Ich bin em geint) der Weimarer Verfassung, aber der gefährliche tz 18, der die Abstimmung über die neue Staatenbüdung zu­läßt ist nicht durch die Sozialdemokraten htnemgekom- men, sondern durch das Zentrum, namentlich durch Herrn Trimborn. Der Vatikan war beim deutschen Freiheitskampf nicht neutral, sondern er war d e u t j ch- feindlich und hat Frankreich begünstigt. Auf seiner Amerikareise hat Kardinal Faulhaber über den Eintritt Deutschlands in den Krieg, den Lusitamosall usw. in einer Weise gesprochen, die jedem deuttchen Ge- fülst widersprechen mutzte. Besonders ausfallend war dann gerade für mich um den 8. November herum, als Herr Kabr seins polittsche Rede hatten und seine großen politischen Aktionen einleiten wollte, die Inschutz­nahme der Juden durch die römische Kirche. Ich erinnere an den Brief de- Kardinals an £>r. Stresemann, an die Auslassungen eines hohen Wür­denträgers im „Temps", worin Hitler und ich in em­pörender Weise angerissen wurden. Ich betrachte es auch nicht als Zufall, wenn der Reichskanzler M.rrx die Loslösungsbestebungen in Hannover von Preuhen begünstigt und Dr. Adenauer, der Vorsitzendedes vorletztjährigen Katholikentages den Ruf ertönen läßt. Heraus aus Preußenl Für mich steht fest, daß von führenden Kreisen der Bayerischen Volkspartei eine Politik getrieben wird, die absolut deutschabwegig ist. Sie schafft statt eines starken Reiches, das uns die Freiheit bringen könnte, einen schwachen Staat, ein Gebilde, das unter den Mächten ausscheidet. Wenn diesen Leuten es schon ein Dorn im Auge ist, daß ich als Preuße hier lebe, wie soll dann mir nicht die zersetzende Arbeit ge- gen mein Vaterland ein Dorn im Auge sein? Die Der- fassungsdenkschrift des bcnzerischen Gesamtministeriums wird noch vielen die Augen öffnen. Wenn man die Abmachungen zwischen dem Reichskanzler Marx und dem bayerischen Ministerpräsidenten o. Knilling hin- sichtlich der Vereidigung der Reichswehr liest, so ist das ein Menetekel, auf das wir achten müssen. Ich kam dann in Beziehung zu Oberland. Hitler lernte ich später kennen, aber da war er noch nicht der setzt so bekannte Mann. Ich habe ihn wachsen sehen. Die völ­kische Bewegung ist politisch großdeutsch, anerkennt beide Konfessionen als csieichbrrechtigt, lehnt aber die poli- tische Betätigung der Kirche scharf ab.

Die eigentlichen Aussagen Ludendorsss zu der gegen ihn erhobenen Anklage auf Hochverrat stimmen mit den Aussagen der früher Vernommenen überein. Luden­dorff befürwortete am Morgen des 9. November einen Aufklärungszug durch bie Stadt über die Marienbrücke und zurück zum Bürgerbräukeller. Er hielt es auch für selbstverständlich, sich als Führer der vAkischen Bewegung an die Spitze zu stellen. Jede Ge. walthandlung war untersagt, die Gewehre waren entladen. Als der Zug bei ber Feldherrn Halle an­kam, erschienen plötzlich Landespolizisten. Gleichzeitig setzte halblinks vorwärts Feuer ein, ohne daß eine Warnung erfolgt war. Das Ganze war ein Mord­überfall. Das Ergebnis des 8. und 9. November war, daß die völkische Bewegung, durch Märtyrerblut gestärkt, neue Kraft erhielt. Die Hoffnungen des 8. No­vember wurden zrmichte durch Treubruch von Offizieren des alten Heeres. Die Bertlich-

MS«6tW MMl.

Thenms kommt nicht wieder.

Wtb Paris. 1. März. (Tel.) Die Morgen- blätter berichlen aus Brüssel, daß die Mvolichkeil bestehe, daß Senator Acm de Bylere. der der slämifch-kalholsichen Gruppe angehört und in dm Karnmer gegen das französisch-belgische Wirtschasts- ab kommen gestimmt hat, jedenfalls mit der üabi- nettLbUdung betraut werden wird. Er werde eta liberales-krtthosisches Kabinett bilden, aber für di« flämisch orientierte Grupps feiner Partei den Vor­zug Bedangen. Nach dem „Echo de Parks" wird Severy den Posten des Außenministers übernehmen, während das Finanzministerium henlard übertragen werde. Der König hat gestern auch den Sozialisten Bandervelde empfangen.

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uns'wieder vorwärts bringen kann. Für Mich sind die Konfessionen gleich. Kein Geringerer wie Bismarck hat es gesagt, daß die Politik des Zentrums eingestellt fei auf die Zerstörung des unbequemen Gebildes eines Deutschen Reiches mit einem evangelischen Kaisertum. Ich war gezwungen, im Jahre 1918 nach Schweden zu gehen. Dort entnahm ich den Zeitungen, daß Bayern einen Sonderfrieden erstrebe. Das ging aus Arttkeln des „Bayerischen Kuriers" unzweifelhaft her- vor. Dr. Heim entwickelte damals im „Bayerischen Kurier" feine Ansichten über die Bildung eines neuen Rlteinbundes mit Einschluß Deutsch-Oesterreichs. 1919 und 1920 fand bann die bekannte Zusammenkunft Dr. Heims mit französischen Offizieren in Wiesbaden und sein Briefwechsel mit Graf Bothmer statt. Ich verweise auf das Bamberger Programm der Bayerischen Volkspartei und feine Stellung zur Bildung von Ein­zelstaaten. Das ift die große Politik, wie sie immer feit dem Zusammenbruch Deutschlands getrieben worden ift. Es war auch die Politik Kahrs, der von starken Staaten und einem starken Reich sprach, während ich von ge­sunden Staaten im starken Reich gesprochen hätte. Mein Hierherzug nach München erfolgte übrigens nicht aus politischen Gründen, sondern weil hier meine einzige Schwester verheiratet lebt und ich meinem Haus- wirt zu tiefstem Dank verpflichtet bin. 3m Herbst 1921 kam ich in nähere Beziehungen zu Herrn v. Kahr. Ich erkannte, daß er »bezug aus Oesterreich genau das Gleiche tagte wie Dr. Heim: Anschluß an die österrei­chischen Länder "hne Niederösterreich unh Wien. 21 »wer-

leisten soll, so. für außerordentliche Zet­ten und aiif.-u.-;« unverbraucht und akttonsiahig

ÄU5SM-.

* Zunehmende Teuerung in Frankreich. Die fortschreitende Lebensmittelteuerung ist das Tages« gespräch in Paris geworden. Jedermann beschäftig sich damit und fragt verzweifelt, wohin die Teue- rung noch führen werde. Der Motin tröstet seine Leser damit, daß im Jahre 1870, während der letzten Wochen der Belagerung, die Teue- rung noch viel schrecklicher gewesen sei, und führt einige Beispiele an: Elefantenfleisch kostete ein Pfund 20 Franken, Bärenfleisch 15 Franken, Spanferkel 580 Franken, frische Butter 60 Franken, 100 Kilo­gramm Holz 24 Franken, eine Büchse Sardinen 12,50 Franken, eine Kerze 400 Franken, ein Hahn 55 Franken, eine Krähe 6 Franken, eine Katze 15 Franken, ein Blumenkohl 12 Franken, 100 Kilo­gramm Kohlen 30 Franken, ein Ei 2,75 Franken, ein Huhn 70 Franken, eine Ratte 2,25 Franken^ Hundefleisch daS Psimd 3.50 Franken und Eselfleisch 12 Franken. Hierbei muß man aber berücksichtigen, i daß der Franken damals mindestens sieben- bis acht­mal so viel wert war wie heute; man müßte alfe die vorstehenden Zahlen mit mindestens sieben multi­plizieren, um mit den heutigen Preisen vergleichen zu können.

hat. (Noch erregter.) Sie Leute hätten doch wenig­sten, wenn sie in der Nacht den MM nicht fanden, am nächsten Tage uns offiziell sagen können, wir tun nicht mehr mit. Daß sie das nicht getan haben, daß sie den Mut zu diesem Dekenntttis nicht Haiti kichste gewesen. Ich kann den Beweis _ .

der Schießerei an der Residenz General von Lossow in der hintersten Baracke der Kaserne der In­fanterie sich verkrochen hat. Ich kann nachweisen — es ist das Schamloseste was ich kenne — daß bei der falschen Nachricht von Ludendorffs Tode ein Hauptmann Nüdell ausrief: „Das ist die beste Lösung!" (Große lln- ruhe im Publikum, Entrüstungsruse, wie „«brerftfrt", ^Schande über ibn", -das ist kein Offizier"). Ein Be-

3m Reichstag

sprach am Freitag außer den radikalen Herren Mulle (dout'.hvölkisch) und Ledebour (unab- hängig) der

ReichvsinanMinisker Dr. Luther:

Unter lebhafter Mitwirkung der Fachleute, vor allem des Verbandes des Dank- und Bankiergewerbes kam die Rentenmark zustande. Heber ihre Entstehungs- gefchichte wird jetzt im Reichsfinanzministerium eine urkundliche Darstellung vorbereitet. Es hat sich gezeigt, wie unmöglich es gewesen wäre, unter Der-, hältniffen ,die sich mit der Zeit herausgebildet haben, ein festes Verhältnis zwischen Rentenmark und Papiermark durch die Regierung oder Gesetzgebung zu schaffen, be­vor die Wirtschaft ein solches Verhältnis geschaffen hatte. Wenn in der Weltöffentlichkeit an absoluten Zahlen ge­zeigt wird, daß andere Länder ihre Bürger steuerlich höher belasten als wir, so haben diese obsoluten Zahlen keine Beweiskraft. Das Maß unserer Verarmung zeigt das durch einen Vergleich der relativen Steuerbelastung 1923—24.

Die Rentenmark ist eine UebergangslösunS. Jetzt brauchen wir vor allem dringend Goldkre­dite für unsere Wirtschaft. Mit der endgilttgen Stabi­lisierung unserer Währung werden wir auch noch nicht die guten Zeiten von 1913 wieder erreicht haben. Jetzt göttgt ims aber unsere Armut, eine Belastung auch über das erträgliche Maß hinaus vorzunehmen, Kamst wir nicht kurz vor dem Ziel einer festen Währung wieder in die Flut der Inflation zurückge- warfen werden. Die Landwirtschaft ist besonder« belastet worden. Die Folge wird ein Rückgang des dies­jährigen Ertrages fein. Das ist eine Schädigung der Volksernährung, die nur in Kauf genommen werden kann, ober mich genommen werden muß, wenn es um das schon genannte Ziel geht. Leider ist die Ge. nohmigung zur Erhebung der Steuern der 2. Steuer­notverordnung im besetzten Gebiet trotz dringendster Vorstellungen bisher noch immer nicht erteilt worden. Uns werden also die Einnahmen aus dem besetzten Ge­biet entzogen, und gleichzeitig die Ausgaben für die Be- satzungskosten auferlegt. Das ist ein Zustand, den keine Währrmg der Welt auf die Dauer aushalten kann. (Leb­hafte Zustimmung.) Wit dm Aenderungsanträgen hat sich die Regierung sehr eingehend beschäftigt, sie muß aber an dem Gedanken der sogenannten Mietssteuer fest halt en. Die harten Lasten, die wir den Be­amten auferlegen mußten, sind in einer Weise aufgenom­ni en worden, die uns zeigt, daß der alte gute Be­amten geift n o ch vorhanden ist. Wir hoffen, wenn nicht mivorhorgelehene Störungen eintreten am 1. April mit einer Erhöhung der Gehälter und der Renten vorgehen zu können. Der Minister verteidigt bann die Auswertungsbestimmungen der Regierung gegen die Angriffe der verschiedenen Parteien. Auch die Wirtschaftsverbände hätten anerkannt, daß für die Auf­wertung em fester Punkt geschaffen werden mutzte, wie die Regierung es getan habe.

Nächste Sitzung: Mittwoch.

Sm Münchener Hltker-Ludendorff-Prozeß hat der Staatsanwalt einen schweren Stand. Die Angeklagten und die Verteidiger suchen mit Leidenschaft Kahr, Lossow und Seisser zu beschuldigen und in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, um ihre Tat in gün­stigem Licht erscheinen und noch in den nationalistischen Kreisen die von ihnen gewünschte Stimmung zu machen. Das Publikwn betelligte sich mit Bravorufen, als der Vor­sitzende einer Bitte des Staatsanwalts, den Angeklagten die polemischen Angriffe auf Kahr zu untersagen bis auch Kahr sich habe äußern können, in scharfer Weise zurückwies. Das Milieu des Münchener Prozesses wird dadurch beleuchtet, daß im Anschluß an diesen Zwischen­fall der Rechtsanwalt Kohl bemerkte: „Der ötaatsan« wast erfüllt eine Pflicht, die ihm selbst sehr lästig sein muß. Er ist in den Grundsätzen eines beut« schon Waffen st udenten erzogen worden und kann ein solches Verhalten (wie das v. Kahrs) nicht billigen." Cs wird also an die Zugehörigkeit des Staatsanwalts zu einer schlagenden Studentenverbindung appelliert. Man kann sich denken, welche verheerenden Folgen der­artige Bemerkungen für das Zutrauen zur bayerischen Justiz haben muß.

Aus ber Vernehmung des Obersten Kriedel, des Führers der Kcunpfverbände, ift noch heroorzuheben: xriebel drängte bei Lossow auf den Marsch nach Berlin, weil die mobilgemachten vaterländischen Vor- bände, deren Stimmung immer wieder aufs neue ausge- frischt werden mußte, kein Geld bekommen könnten und hungern müßten. Er führte u. a. aus: Wenn Reichs­wehr und Landespolizei auf die Hungernden schießen würden, bann wäre es unmöglich, daß unsere Leute ge» meinfam mit ihnen den Marsch auf Berlin anträten. Ich betonte, daß Kahr der wirkkiche Retter des Volkes werden tonnte, wenn er endlich zu einem Entschluß komme und zwar zu dem, den er als sicher in Aussicht gestellt hatte. Meine Worte machten ersichtlichen Eindruck auf Lossow, der mir erklärte: „Ich will ja marschieren, ich will ja marschieren! Aber bevor ich nicht 51 Prozent Wahrscheinlichkeit in meinem Notizbuch aus rech­nen kann, kann ich es nicht machen." Diese Aeußermtg eines Soldaten war für mich erschütternd. Der Sinn war jedenfalls der, ich möchte schon, aber ich trau mir nicht. Am 8. .November hatte es sich bann nur darum gehandelt, den drei Zögernden die Türe aufzumachen. Es sollte sich nicht um die Revolution in Bayern handeln, sondern den Herren sollte nur ein kleiner Stubbs gegeben werden, damit sie es wagten, ins kalte Was­ser zu springen. Weiter wird mir vorgeworfen, daß ich in Kenntnis der Weimarer Verfassung Hochverrat be­gangen habe. Ich habe weder die Weimarer noch die Bayerische Verfassung gelesen. Da aber im bayerischen Parlament und im Reichstag immer auf die Weimarer Verfassung losgeschlagen worden ist und da auch in Norddeutschland der Rus er­klungen ift sie zu beseitigen, dachte ich, wenn alle dagegen ankämpfen, kann st du es auch.

K r i e b e I beschuldigt weiter Kahr, Lossow und Seißer des Wortbruches und erklärt: Mir ist vollkommen wurscht, ob ich verurteilt werde und sitzen muß ober nicht, aber es ist doch unerhört, daß diese drei Männer, die Exzellenz Subenborff ihr Wort verpfändet hatten, plötzlich u m f i e I e n, ohne Ludendorff Mitteilung zu machen, weshalb und warum (sehr erregt). Eine solche Mittei. lang hätte man doch von anständigen Leuten erwarten können. Exz. Ludendorff trat ja so west aus dem Sumpf heraus. Aus feiner Krone fällt wahrhaftig keine Perle, weil et unter die Lumpen gefallen ist. Ich schäme mich jedoch, dieselbe Uniform getragen zu haben, wie diese drei Männer. Ich wundere mich bis heute, daß Ludendorff damals in der Nacht keine Klage gegen Kahr, Lossow und Seißer vorgebracht

Die sächsische Landesregierung erlaßt einen Ausruf an di« Bevölkerung, in dem es heißt: Der mflitärifche Ausnahmezustand ist aufgehoben. Da- 'tmt übernimmt die sächsische Regierung wieder die Derfügungsgewalt über das Polizeiwefcn des Landes. Wenn erneut versucht werden sollte, durch Angriffe oder Gewalttätigkeiten das Leben und das Eigentum der Bevölkerung und des Staa­tes zu gefährden, so wird die Regierung die Macht-

Derchchez Keich.

* Ein Spion Frankreichs. Rach einer Meldung der .S3off. Ztg." aus Hamburg wurde vom Land-? gericht Hamburg der Franzose Freidoreaux weg«» Spionage im französischen Auftrag und wegen Ver­rats militärischer Geheimnisse zu zwei Jnhr'e« Gefängnis verurteilt. Freidorcaux bar mti anlassung des französischen Generalkonsulats ksmM» nistische Versammlungen besucht, um festzustellem, M Unruhen geplant seien und ob Waffen würden. Weiter hat er im Freihafen nach Woffkl^ geforscht, die angeblich aus Rußland ein®«! führt werden sollten.

Einzelnummer 10 Dfennig.

FuldaerZertunq

an ihn die Frage, wie er sich die Durchsetzung der Bewegung gedacht habe, wenn die drei Herren bei der Stange geblieben wären?

Suber.borff erwiderte, daß die Bervegung, ge­stützt auf die vaterländischen Verbände im Norden, zu einer so gewaltigen Bewegung im Reiche geworden wäre, daß die Sache ohne jede Gewalt- tat verlaufen wäre.

Die Bemerkungen Ludendorffs gegen die katho­lische Kirche werden von den Berichterstattern da­hin gekennzeichnet, daß sie nach dem Vorbild der „Los von R o m"- Bewegung geklungen haben. Es wird noch eingehender auf sie zurückzu­kommen fein. Jetzt schon muß es als eine uner­hörte Tatsache bezeichnet werden, daß ein Mann, der den Weltkrieg für Deutschland ver­loren hat, obwohl Millionen deutsche Männer, darunter Hunderttausende katholische Männer, hel­denmütig in den Tod gegangen find, daß dieser Mann, der unter der Anklage des Hoch- verrats vor dem Gericht steht, sich erlaubt, den Reichskanzler Marx zu beschimpfen und gegen den Papst, das Oberhaupt der Katholiken, gegen Erz­bischof Faulhaber und andere Führer des katho­lischen Bolkes schwerste Borwürfe erheben darf. Das Urteil über Ludendorff m den Krei­sen der deutschen Katholiken, die ihrem Glauben in Treue anhängen, wird nun wohl endgültig fest- stehen.

Oberleuknank a. D. Rohm.

wtb. M ü v che n, 1. März. (Tel.) Am heutigen 5. Verhandln ngslage trat das Gericht in die Verhandlung des Angeklagten, Oberleutnants a. D. Röhm ein. Der Angeklagte hat den ganzen Feldzug mitgemacht unb sich auch an den, Unternehmen gegen die Kommunisten beteiligt. Er schildert seine Einstellung cor und nach der Revolution, ferner seiner Tätigkeit bei der Beigabe in Ingolstadt, unb spricht von feinem er­folgreichen Kampf gegen ben Bolschewismus unb von der Befreiung Münchens von der Räteherrschast.. Mik einem Teil ber Offiziere habe er schlechte Er­fahrungen gemacht und nach ber Befreiung Münchens habe er bei General Epp Dienst getan. Dadurch fei er in Verbindung mit der vakerlänbischen Bewegung ge- kommen. 3n der Einwohnerwehr habe er besonders mit Oberstleutnant Sriebe! zusammengearbestet. Dabei sei er zum Teil in exponierte Lagen getemmen. Das Rcichswehrminsierlum habe ihn von Epp getrennt. 3m Frühjahr 1923 habe er sich mit Haupmann heiß in Ber- Wbung gesetzt, um in München eine Ortsgruppe der Reichsflagge zu gründen.

Nach -er Aufhebung -es Ausnahmezustandes.

Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der preu­ßische Minister des Innern, Ssvering, an £>bdr= und Regierungspräsidenten, die Landräte und Ortspolizsibehürden eine Verfügung zu der Auf­hebung des militärischen Ausnahmezustandes erlas- fen. In der Verfügung heißt es: Durch das Außer­krafttreten der Anordnungen des Militärbefehls­habers ist auch das vom Chef der Heeresleitung er­gangene Verbot der Kommunistischen Partei hinfällig geworden. Dagegen sind hie vom Minister Severmg schon vor Verhängung des Ausnahmezustandes verfügten Mrbote der pro­letarischen Hundertschaften, des Reichsausschusses der deutschen Betriebsräte und des Zentralausschusses der Groß-Berliner Betriebsräte in Geltung geblle- ben.

Das Verbot der Deutschvölkischen Freiheitspartei wird nur insoweit aufrecht erhalten, als es sich auf die als militärische Kampforganisationen zu betrachtenden deutschvölki- fchen Hundertschaften bezieht.

ten, ist bas Schimpf-

■roeis erbringen, baß bei

Anläßlich der Aufhebung des Ausnahmezuflan- des hat General v. Seeckt eine Dankeskund- gebung an die Reichswehr gerichtet. „Die Sorge", so heißt es da, „die scharfe Waffe des mili- täriichen Ausnahmezustandes nicht stumpf werden zu lassen, haben mich veranlaße, die Aufhebung des Ausnahmezustandes zu beantragen. Ich bin mir nicht im Unklaren darüber, daß dir staalliche und wirtschaftliche Sanierung Deutschlands erst angebahnt ist unb noch viel, sehr viel bis zur wirklichen Ge­sundung zu tun bleibt. Ich bin aber der Ansicht, daß die Reich- dabei keine Alltogsarbeit ‘ *' ' für außerordentliche Zci-

roeis für unser Vertrauen ist, daß wir auf die Nachricht, Seißer komme ins Wehrkreiskommanbo, im Hofe eine Ehrenkompagnie auffteßen ließen, damit ber Reichspolizeiminister mit allen Ehren empfangen werde. Wir wollten auch dem neuen Landerverweser Bayerns unb Statthalter ber Monarchie Kahr eine Ehren­kompanie stellen, in beren Schutz er so sicher gewesen wäre wie je hinter dem Stachelbraht. Die zwei Geschütze, die ich auf der Brücke habe auffahren lasten, waren alte Beutestücke aus Oberschlesien, die mehr Ku- li f f e waren und vor ber bk Lmrdespolizei sicher nicht ausgerissen märe. Nachdem die Anstanbsfrift, in ber man uns hätte verständigen müssen, cbgefaufen war, galt es, einen Entschluß zu soffen. Ich batte vorgeschla­gen, daß wir uns in die Gegend von Rosen- heim zurückziehen. Dann wurde darüber be­raten, ob wir uns selbst durch einen Marsch in die Stabt Klarheit verschaffen sollten. Dieser Dorschtag wurde angenommeg. Ich schlug bann den Marsch bis 3um Rathaus vor, weil kurz vorher durch eine untere Abteilungen die schwarz-wekß-rote Fahne auf dem Rat­haus gehißt worben war.

Der Angeklagte gibt bann eine äußerst lebendige Schilderung des Zusammenstoßes an der Feld- herrnhalle. Er schildert dann, wie er sich zunächst über die Lage orientiert und wie er sich entschloß, Mün­chen zu oertaffen. Er hat sich bann am 16. Januar dem Gericht gestellt.

Strichet schloß: „I ch empfinde keinerlei Reue, mitgewirkt zu haben. Ich habe es mit Stolz getan, weil ich feit langem einen Ekel vor solchen Gaunern habe, die nur immer mit dem Munde etwas tun, ohne jemals wirklich etwas getan zu haben. Für den Rest meines Lebens ist es mir Ehre genug, hier neben Öubenborff, Hitler, Pöhner unb den übrigen ge­soffen zu Haden.

Lützendorfs.

In der Sitzung vom Freitag Nachmittag wurde Ge­neral Subenborff vernommen. Er hielt eine große Rebe, in ber er feine Ansichten über Politik unb West- anf^auung zum Besten gibt Der General bekennt sich als Gegner der marxistischen und kommunistischen Jdeen- weft unb damit auch als Gegner ber Juden, die er im Weltkriege als eine Gefahr genügend kennengelernt habe. Die jüdische Rasse sei ber deutschen entgegengesetzt, unb darum fei er ein Gegner ihres Einflusses in Deutsch­land, ebenso wie er sich gegen ben Einfluß der Eng­länder unb Franzosen wenden würde. Dann fährt LÜ- bendokff fort: