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Ssrrrrtaq, 2, März 1924,

- Fuldaer Leitung

Druck der Fulda« Aetieudrucker« t* gtotb« 3. Blatt.

Keine Wahlreform.

®te man uns aus dem Reichstage mitteilt, kann Wahlreform für diesen Reichstag als erledigt rLjt. Die Parteien sind nicht nur aus technischen, S^etn auch aus politischen Gründen dahin über» bekommen, diese Angelegenheit nicht mehr durch Zf gegenwärtigen Reichstag behandeln zu lassen. Mit «hr wird sich also erst der kommende Reichstag Achäftigen können. .

für diese Stellungnahme war unter ^cherem wesentlich auch der Gerichtspunkt, das; eine Sgjeiltgmtg der besetzten Gebiete an der Reichs- taaSwähh die unbedingt notwendig und mit allen «itieln stchergestellt werden muß, in Frage gestellt »Srde, wenn nun »och lei« neues Wahlverfahren Vlatz greifen würde. Man muß sich vor Augen ugttefl, daß in den besetzten Teilen und vor allem altbesetzten Gebiet der behördliche Verwaltungs- Apparat fast vollkommen zerrüttet, zum Teil geradezu erschlagen ist. Es wäre unmöglich, namentlich auf platte» Lande, die notwendigen Vorbedingungen «5t die Vornahme der Wahlen dafür zu treffen, daß gtfy alle Berechtigten ihr Wahlrecht ausüben könnten. Di« gegenwärtigen Wahllisten sind nach einem be« ««mten Schema aufgestellt, dessen Uebernahme für tzi« kommenden Wahlen im großen und ganzen doch Üe volle Beteiligung der Wahlberechtigten sichern dürste.

Aus diesem Grunde habe» sich auch diejenigen Parteien, die mit dem gegenwärtigen Wahlsystem durchaus unzufrieden sind, mit der Vertagung der Dahlreformfrage einverstanden erklärt.

Allerdings muß auch darauf hiugewiesen werden, daß die Neuregelung des Wahlsystems in der vom Innenministerium vorgeschlagenen Form durchaus keine Besserung, sondern in viele» Fallen eine Ver­schlechterung gebracht haben würde. Jedenfalls würde, wie wir an dieser Stelle auch schon betont haben, das eigentliche Ziel einer Wahlresorm, die stärkere Verbindung zwischen Wählern und zu Wählenden und Gewählten, durch die Art des Wahlverfahrens nicht erreicht worden sein. Es wird notwendig fei», diese Droge gründlich vor« «bereiten, und bei diesen Fragen spielt auch die­jenige der Veringerung der Zahl der Ab­geordneten eine große Rolle. Wir haben in Deutschland allerdings an sich keine übermäßig hohe Abgeordnetenzisser. Es fällt indessen ins Gewicht, daß auch noch eine ganze Anzahl von Landesparla- menie« bestehen. Diese Haden den Abbau ihrer Abgeordnetenzisser zum großen Teil von dem vor­hergehenden Abbau der Maudatsziffer des Reichs­tages abhäugrg gemacht.

Sus dem llachbargebiet.

Hünfeld. Der hiesige Rhönklnbzweigver« e-in öenmftoltete am Mittwoch zur Feier seines 25. Stiftungsfestes einen in jeder Hinsicht wohl­gelungenen Abend. Nach einer herzlichen Begrüßungs­ansprache des Vorsitzenden, Herrn Lehrers Lohsink, überbrachte Scmitätsrat Dr. Schneider-Fulda die .Glückwünsche des hauptvorftcmdes und entwarf einen Rückblick auf die Vereinstätigkeit in den letzten 25 Jah­ren. Er faßte dann in hoffnungsvollem« Ausblick die Dealen Ziele des Rhönklubs zusammen in die Liebe zur engeren Heimat und zum Vaterlande. Rur allzchchnell verging der allen Anwesenden unvergeßliche Abend, der von künstlerischen Musik- und Gesangsoorträgen sowie durch ein drolliges Lustspiel verschönt wurde.

Eiterseid (Krs. Hünfeld). Unsere Pfarrei ist m letzter Zeit reich an Ehejubiläen. Bor einigen Tagen feierte« auch die Eheleute Jakob Rudolph »nd Frau hier ht geistiger und körperlicher Frische im Kreise ihrer Kinder und Enkel die goldene Hochzeit. Aus diesem Anlaß fand in unserer Pfarrkirche ein feierlicher Dankgottesdienst statt.

h Neues aus Mnkfurt.

- t Tod aus den Schienen. Ein Kaufmann aus dem Mittelweg warf sich au seinem 21. Geburtstag in völlig entkleidetem Zustande zwischen Köppern und der Saalburg vor einen Personenzug und wurde auf der Stelle getötet.

Todessturz. Im Stadtteil Rödelheim am Donnerstag eine bejahrte Witwe auf dem durch Eis­massen glatt gewordenen Bürgersteig aus und erlitt eine Gehrrnerschütterung, an deren Folgen sie noch kurzer Zeit verstarb.

Der falsche Kriminalkommissar. Der 19jährige Elektrotechniker Wilhelm Weber verschaffte sich bei einer allein in der Wohnung anwesenden Frau unter dem Vorgeben Eintritt, er sei Kriminalkommissar hader und müsse eme Durchsuchung vornehmen. Dabei bedrohte er

Die Häuser meines Lebens.

Bon Leo Weismantel.

Weismantel, einer unserer bedeutendsten Dichter, dem Herzen Deutschlands der Rhön entsprossen, hat in einem schlichten, doch seinen BüchleinMusikanten und Wallfahrer", (Herder u. Co., Freiburg i. S. Geb. G.-M. 1,20 und 2,50) Licht auf sein junges Leben gestreut. Die darin gezau­berten Reflexe find von solch innig-sinnigem Reiz, daß wir unser Leser gern auf ein Kurz- weilchen in Dichters Morgenrot entführen.

In dem langgestreckten Dorfe Obersinn, zwischen den Berghöngen der südlichen Rhön, liegt inmitten aller Häuser an der hinziehenden Landstraße, dort, wo eine holzbrücke über den Bach führt und ein Marktplatz sich weitet, ein Wirtshaus, zweistöckig unter den niedrigen Gehöften, aus Sandstein zwischen den Fachwerkhäusern aus Holz und Lehm.

hinter diesem Wirtshaus gegen Westen zu liegt die 6hm entlang ein großer Garten; vor dem Wirtshaus aber, just jenseits der Straße ihm gegenüber, lag vor Jahren über einen hochgewölbten Steinkeller aufgebaut ber Tanzsaal".

Auf einem der sieben Märkte, die alljährlich hier ab­gehalten wurden, auf dem Herbstmarkt der ersten Sep. temberwoche, stand einmal ein Verkaufsstand, und ein junger, unternehmungslustiger, sonst aber recht armer Sc^ieDer, der eben von den Jahren seiner Wanderschaft heimgekominen war, verkaufte Pfirsiche, die Früchte des einigen derartigen Baumes, der im Garten jenes Wirts­hauses stand, den Bauern ein seltsames, srenMändisches Leckermahl. Ws die Kinder und Frauen und Liebes­paare dem Schneider die Körbe geleert hatten, ging auch btefer Schneider selbst zum Kirchweihtanz. Richt viel später war es, daß der Schneider von jenem Gasthof nicht nur die Pfirsiche für einen außerordentlichen Han­del, sondern auch jenen Keller sinnt dem darübergebauten Tanzsaal abkauste und davor sich ein zweistöckiges, hoch- gegtebeSfes Haus baute und dieses Haus ringsum an den Mauern mit kleinen, schuppenähnlichen Wetterbrettchen ließ.

So war das Haus sehr wohlgeborgen und innen voll

tAe Stau mit dem Revolver. Durch einen zufällig hin­zukommenden Bekannten der Frau wurde der Bursche überführt und der Polizei übergeben. Unterwegs steckte er den Revolver dem 16jährigen Lehrling Kaspar Rein­hart zu, der ebenfalls bei der ..Amtshandlung" desKom­missars" mitgeholfen hatte, aber auf dem Wege nach dem Revier entkommen konnte. Reinhardt wurde aber jetzt auch verhaftet.

Hss Niederhefien.

Fritzlar. Am Dienstag wurde die Leiche der all- verehrien Lehrerin a. D. Fri. Elisabeth Schulte zu Grabe getragen. Wer sie bei Lebzeiten näher gekannt und Einblick in ihre Seele bekommen hat, der muß erstaunen vor ihrem hohen Idealismus, chrem starken Charakter einerseits und ihrer geradezu rührenden Hilf­losigkeit in wirtschaftlichen Dingen. Für eine gute Idee sich einzusetzen, Mühen und Sorgen um das Gelingen einer Aufgabe zu ertragen unter starker Hintansetzung ihrer eigenen Wünsche, dazu war sie allezeit bereit. Die katholischen Vereine haben ihr viel zu danken. Schien es doch ohne ihr kritisches Urteil und ohne ihr künst- lrifches Empfindn schier unmöglich, die weiblichen Mit­spieler z. B. in einem Theaterstück in ihre Rolle ein­zuführen und mit rechtem Verständnis zu durchdringen. Man merkte de« Stücken cm, wo die Hand geformt hatte. Mit der Jugend war sie eng verbunden, die es noch nicht fassen kann, daß ihre Lehrmeisterin sie nicht mehr zum lustigen Reigen ruft. War sie auch streng beim Einüben, so batte sie doch durch Leutseligkeit wiederum das Herz der Jugend für sich gewonnen. Wer zu ihren Freunden gehörte, und es waren ihrer wenig aufrichtige, der weiß, wie sie auch an der Seele der Jugend mitarbeitete. Und manch frommer Entschluß, und manch herrliche ver­borgene Tat ist nicht zuletzt mit ihr Werk gewesen. Möge der allgerechte Richter ihre Treue in seinem Dienste ihr lohnen. Selig die Toten, die im Herrn sterben, denn ihre Werke folgen chnen nach. Der katholischen Jugend Fritzlars wird sie unvergeßlich, ihren Freunden in war­mer Erinnerung stets bleiben. Lehrer Al. St rnge.

vermischtes.

* Unschuldig verurkeilk. Im Jahre 1908 wurde der 60jährige Landwirt Ehrhardt aus Lenzdorf wegen Brandstiftung vom Schwurgericht Nürnberg zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem er ungefähr die Hälfte der Strafe verdüßt hatte, er­krankte er und starb im Gefängnis. Jetzt hat der 32 Jahre alte Landwirt Rohkopf sich als der wirk­liche Täter gemeldet. Er hat die Brandstiftung als 16jähriger Bursche begangen und bei seiner eidlichen Vernehmung vor dem Schwurgericht die Unwahr­heit gesagt. Infolge van Gewissensbissen hat er sich freiwillig gestellt.

* 3m brennenden Maskenkostüm. Auf einem Berliner Maskenball, bei dem die Gisste mei­stens in PapierkleKern erschienen, kam der Bank­direktor Regisrungsrat Dr. Bot he versehentlich mit seiner Zigarre an fein Papierkoftüm. Dadurch geriet der Anzug in Feuer. Der Bankdirektor ver­suchte vergeblich, die Flammen, die an seinem Kör­per hochfchossen, zu löschen. Zwei zufällig anwesende Kriminalkommissare rissen ihm die Kleider vmn Leibe und löschten das Feuer. Schwerverletzt wurde Dr. Boche ins Krankenhaus geschafft.

von den Hochschulen.

DieAkademischen Monatrblätter", da« Verbands, organ des K. V., die vorübergehend il f Erscheinen hatten einstellen müsse», werden jetzt wieder erscheinen Die teuren Produktionsverhältnisse in Köl«, wo die A. M. bisher im Verlag von Bachem erschienen, machten einen Verlagswechsel notwendig rmd in Verbindung damit einen Wechsel der Schriftleitung, die 32 Jahre lang i» den wohlbewährten Händen von Dr. Karl Ho ober lag. Drucklegung und Verlag gingen an die Fränkische Gesellschaftsdruckerei in Würzburg, die Schriftleitung an Dr. Martin L u i b l e in München über. Die erste Nummer enthält neben einem Geleitwort von Reichskanzler Marx, der Alter Herr des K. V. ifi (Arminia.Bonn) und einemSursum corda" von Staatsminister Dr. Kraus neck (Walhalla-Würzburg) verschiedene Aufsätze über aktuelle Themata. Alle K. SB.er werden das Wiedererschernen ihres Verbands- organS, das sie lange Zeit zum größten Leidwesen ent­behren mußte», mit heller Freude begrüßen. Mit einer regen Aussprache über alles, was uns erfüllt und be­wegt, wird neues Leben erstehen zu Nutz und Frommen vom Verband, von Volk und Vaterland, gemäß dem Wahlspruch:Mit Gott für deutsche Ehre." Dr. M. L

Technik und verkehr.

Lin neuer Stickstsffoerfabren. Der Professor Lamb von der Chemischen Fakultät der Harvard-Uni- versftät in Cambridge (Massachusetts) gibt bekannt, daß er ein neues Verfahren zur Gewinnung von Stick, stoss aus der Lust gefunden habe. Es werde dadurch

Das Geld zu solchen Schneiderssprüngen hatte jener Schneider wohl nicht ganz bei jenem Pfirfichoerkäuf sich verdient, inzwischen hatte er ein junges Mädchen des Dorfes gefreit, das ihm ganz gleich war in seiner Armut an irdischen Gütern und ihm gleich war im Willen zum Lebenskampf. Er ein Schneider, sie eine Näherin, hatten, beide begünstigt von der Gelegenheit eines Bahn­baues, der viel fremdes Volk in das Dorf warf, sich in Bälde manchen Gulden verdient, samt der wachsenden Zahl ihrer Gesellen. Und dann wurden sie auch mir Vater und Mutter, als ihr letztes und siebtes Kind würbe ich am 10. Juni 1888, an einem Sonntagnach­mittag, geboren, als eben ein Gewitter über die Berge ging, und das Haus, das sie aufrichteten, war mir das elfte Haus meines gebens.

Die Anwesenheit des fremden Bahnervolkes um die siebziger Jahre halle der Bäte: benuyt, seinen kleinen Kleiderladen um eine Schenke, bann um einen Laben für Kolonialwaren, bann um eine volle Gastwirtschaft und Metzgerei zu erweitern, bis der älteste Zweig, die Schneiderei, durch Hinwegzug der Fremden sich nicht mehr verlohnte. Dafür kam als Ersatz ein Handel mit Felderträgnissen des Landes der große Entwicklungs­möglichkeiten bat, so daß die Kaufbeziehungen aus dem kleinen Rhöndorf schließlich bis insWelschland" gingen, nach Italien, der Schweiz und den Niederlanden.

Inmitten dieses Hauses und feiner Geschehnisse wuchs ich auf.

Ich aber spielte wie ein Schmetterling In der Sonne, lernte den Tag unterscheiden von der Nacht, den Sonn­tag von den Tagen der Arbeit, lernte und fang sie selbst, die eintönigen, wehmütigen Bauernlieder von der Liebe und dem lob; ging im Sommer mit Magd und Knecht ins Feld, bas immer größer wurde, fuhr im Herbst in der Frühe mit den Pferden ins Holz, hockte im Winter bei den fpinnertben, Gespenstergeschichten erzählenden Frauen cm eisernen, bilder getriebenen Oefen und fuhr an Sonntagen des Mai in einer kleinen gemütlichen Kutsche, die der Vater einem verarmten Lanvedelmana abgekauft hatte, über die Tannenwaldküpxe und durch die Laubwälder zwischen Maiglöckchen hindurch zu aller­lei Ausflugsorten.

Als meine einzige Schwester achtzehn Jahre alt war, jtarb fte: meta einziger LvHex, b£ W» allen «Sefchm»

möglich sein, in vorteilhafterer Weise als bisher fünft« lichen Dünger sowie Explosivstoffe herzustellen. Er be­hauptet, daß sein Verfahren 14 Prozent Ammoniak er­gebe, während bei dem Haberschen Ammoniaksticksioff- verfahren nut 6 Prozent Ammoniak gewonnen werden.

wiffenschaft und Forschung.

Chintrgen-Sagung in Breslau. Unter dem Vorsitz von Geheimrat Kutter wnrde in BteSlau die achte Tagung südostdeutscher Chirurgen abgehalten. Wie auf allen großen medizinischen Tagungen der letzten Zeit wurden auch hier wreder die Gallenerkrankungen eingehend erörtert. Professor Levh-BreSlau sprach über Eingeweiden-Senkungen. Am Schluß der Tag­ung wurden mehrere von der Breslauer Universitäts­klinik angefertigte Lehrfilme vorgeführt.

Kiinft und Literatur.

= Sranftenroeiu für ein Legendenspiel. Ein sehr ver­lockendes Preisausschreiben erläßt soeben der Stadt- magistrat Würzburg. Nachdem im Sommer 1923 mit gutem Gelingen ein Volks- und Schriftstellertag in Würzburg veranstaltet worden war, soll er in diesem Jahre wiederholt werden, ja sogar erweiterte Form finden. Den Ehrenplatz des Festprogramms soll ein Testspiel erhalten, das diesmal, dem Hauptfesttag ent­sprechend, dem Tag Kiliani, seinen Stoff in der Kilians- legende finden ober dem jedenfalls ein Stoff zu Grunde gelegt werden soll, der mit der Kilcanslegende im Zu» samrnenhang steht. Die Aufführung soll auf einem der Plätze Würzburgs durch Laienspieler stattfinden. Musik und Massenaufzüge können zur Verwendung gelangen. Der Preis für das Stück beträgt fünfzig Bocksbeutel edlen Frankenweins. Da über dessen Güte kein Wort zu verlieren ist, so wird so mancher deutscher Schrift­steller Lust haben, sich als Nachfahre Scheffels und Tro­jans zu bewähren.

Mustk und Gesang.

= Ein kirchennmfikalischer Depot hat der Cäcilien- Verein des Kantons Luzern errichtet. Es umfaßt be­reits über 19000 Partituren, die auch schon katalogisiert worden sind. DaS Depot bezweckt die Erleichterung des schwierigen und zeitraubenden Suchens nach liturgischen wichtigen und empfehlenswerten Musikstücken fürKrrchen- und Volksgesang.

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Sterbefälle vmn 22.-29. Februar 1924.

23. Februar. Katharina von Keitz, 63 I. 11 M 18 T. 24. BotenmeifterS-Witwe Elise Fälsch, geb. Seitz 66 I. 2 M. 11 T. 24. Ehefrau Karolina Gerlach, 68 I. 9 M, 19 T. 25. Ehefrau Magdalena Dittberner, 40 I. 7 M. 16 T. 25. Ehefrau Sophie Diegelmann, 20 I, 8 M. 25. Hüttner Adam Klüh aus Kauppen, 49 I. 18 T. 27. Büro-Vorsteher Joseph Klingenberger aus Harmerz, 24 I. 11 M. 8 T. 27. Hilda Josefine Mathes, 1 M. 7 T. 27. Emma Regina Abel aus Marbach, 2 I. 5 M. 10 T.

Eingesandt.

Mode.

Sie Mode bricht sich Bahn mit zäher Kraft;

Kein Weib verschloß sich je noch dem Gebote;

Warum macht man die Tugend nicht zur Mode,?j Und die Bacchantin selbst wird tugendhaft!,

Tugend. -

So wird es sein:

Und plötzlich wird ein Ekel sie erfassen. Die jetzt im wüsten Schmutze sich beflecken. Und hilfesuchend werden sie die Arme strecken. Es wird ein Grauen gehen durch die Massen!

Dann werden Manche wieder sich besinnen Stuf eine Würde, die einst Tugend hieß. Und die, so scheint's, die Menschheit längst verließ; Und eine Wandlung in den Massen wird beginnen.

Wie Winterschnee vor Frühlingssonne schmolz Und buffte Schatten vor dem Lichte fliehen. So wird auf allen Wegen neu erblühen Die Schönste aller Blumen: Mädchen st olz!

Fulda. , H. St.

Briefkasten -er Schristleitung.

k. fi. hier. Die Inanspruchnahme der Frsseure ist wohl gegen den Frieden stark zurückgegangen, sodaß eine andere Kalkulation gerechtfertigt sein kann. Für solche Fragen sst die P r e i s p r ü f u n g s st e l l e der Stadt Fulda zuständig.

Rach Uttrichshausen. Wir sind für derartige An­regungen bezüglich der Marktberichte dankbar und kom­men ihnen gerne nach.

stern verblieben war, mir um fünfzehn Jahre des Le­bens voraus, stand an der Seite des Vaters, und ich mußte in dis Fremde. So bezog ich ein neues Haus meines Lebens, es stand in Münnerstadt, dem mit Tür­men und Mauern und Gräben bewehrten Städtchen der Dorrhon. Bei den Augusttnermönchen war ich sieben Jahre in Obhut und Pflege.

So gingen meine Schritte zwischen dem Kloster und bem Gymnasium, in dem wir Knaben Latein und Grie­chisch lernte if und viel vom Heidentum und von heidni­schen Staatsmännern und Dichtern Großes hörten und empfanden, hin und her.

Aus den Mauern des Klosters, die uns eng umgaben, streiften wir nur selten, wenn wir im Schülerzug in Reih und Glied spazieren gingen, dieWelt", die selt­sam aussah und wie fernes Rotblond sonnig und kühl zugleich in unfern Mauern und in den Nächten glüh­ten Träume und blühten Geheimnisse voll Gottesfurcht und Marienrninne, und dann wieder lockteFrau Wett", und von all dem Kampf des Geistes, der immer wieder zwischen Heiden und Christen ging, ward mein Körper schwach und elend.

Einmal, als ich verblutend niedersank, warf ein Arzt ein weißes Tuch übet mich und fügte, ich fei tot. Ich hatte diese Worte gehört und fürchtete, lebendig begraben zu werden. Ms ich wieder von einem Friseur und Dors- bader zum Leben zurückgetufen wat, fürchtete ich mich noch jahrelang, fo oft ich nur einen Tropfen Mutes an mir sah, vor Tod unb Grab. Ich focht den Kamps zwischen dem Heiden und dem Christen nicht zu Ende, ich floh iben Kampf, verließ das Kloster und bezog das dritte Haus meines Lebens: dieUniversität".

Als Student mit einer bunten Mütze auf dem Kopfe durchlebte ich die Romantik dieses Lebens zu Würzburg, der Stadt, die von manchen wegen ihrer vielen Küchen ein kleines Rom genannt wird. Der Arzt hatte mir geboten,leichtsinnig" zu fein. So ging ich wenig ins Kolleg, habe es auch bis zum heutigen Tage nicht bereut, denn nicht weniger unwirklich als das romantssche 6tu« dsntenleben wat dieses mündliche Mitteilen des Wissens­krames. Ich lief balfc in die zahnärztliche Klinik, in der mich dis Technik reizte, dann zu den Philologen, zu den Juristen, Naturwissenschaftlern. Immer nur Tage. Ich war wahrhast obdachlos geroanben. Länger wußte

........... " '"-'J -..... .!

Der Mensch mit den 565 Krankheiten.

Wie viele Menschen gibt es doch, die jahraus jafjrein kränklich sind, und die jeden Tag ihrs besondere Krank­heit haben. Heute leiden sie an Kopfschmerzen, morgen haben sie keinen Appettt, übermorgen klagen sie über Schlaflosigkeit usw.; kurz, ein solcher Mensch weiß nie recht, was ihm fehlt. Dieser Zustand sst weiter nichts als eine Folge der Nervosität, die heute noch viel zu ost vernachlässigt wird und tüe zu schweren, oft unheilbaren Nervenleiden führen kann.

Kopffchmerzen, Gliederreißen, Zuckungen, Rücken« schmerzen, Gesichtsschmerzen, Schmerzen in Hals, Arme« und Gelenken, Augenflimmern, Mvckwallungen, Herz^ klopfen, Schlaflosigkeit, sehr lebhafte oder schwere Träume, Beklenunungen, Schwindelanfälle, Angstge­fühle, übermäßige Empfindlichkeit gegen Geräusche, Reiz« barfeit, Unruhe, Launenhaftigkeit, Versagen des Gedächt­nisses, Klopfen in den Adern, Krämpfe (auch Lach-, Wein- und Gähnkrämpfe), Gefühl von Taubheit m ben Gliedern. Zittern der Hände und Knie bei Erregung, blaue Ringe um die Augen, Dfjtenfaufen, Impotenz, Schreckhaftigkeit, Neigung zu Trunksucht und anderen Ausschweifungen treten einzeln ober zusammen auf und sind sichere Zeichen, daß die Nerven angegriffen sind.

Nervenleiden sind Gehirn- oder Rückenmatkleiden, und febr schwere Nervenleiden führen, wenn sie ihren Sitz im Gehirn haben, zu Geistesstörungen, zum unheil­baren Wahnsinn oder, wenn sie vom Rückenmark aus- gehen, zu schweren Lähmungserscheinungen und in nicht allzu langer Zett zum Tode.

Es ist nun gelungen, die edelsten und sehr teuren Neroennähr stosse in absoluter Rein­heit zu gewinnen, und Dt. med. Robert Hahn u. Co., Magdeburg 548, bringt ein solches Neroen-NShr« präparat unter dem NamenRervisan" m den Handel. Dieses Präparat ist nicht identisch mit anderen, durch große Reklame angepriesenen, die irgend ein Kunstprodukt von zweifelhafter Herkunft enthailten unb außerdem meistens viel teurer sind.

Man verlange nur die Zusendung einet kostenlosen Probe, diese erhält man so­fort und außerdem ebenfalls ganz kosten- los. ein sehr interessantes Buch über das Nervensystem und seine Krankheiten, das auch sonst noch zahlreiche, für jeden Ner ve n l e i de nden wichtige Aufklärung gen enthält.

Diese menschenfreundliche Handlungsweise hat schon viel Nutzen gestiftet, und es gingen bereits unzählige Dankbriefe unaufgefordert bei Dr. med. Stöbert Hahn u. Co., Magdeburg 548, ein.

Schreiben Sie aber unbedingt heute noch, ehe Sie es vergessen und die Proben vielleicht vergriffen sind?

Aus der Geschäftswelt.

Bor kurzem brachten wir unseren Lesern eine An» mertung bett, der »Drei Türken" der Zigarettenfabtik Constantin.

Eine neuersiche Rückftage bei vorgenanntem Werke gab uns zu wissen, daß diese Zigarette außerordentlich nachgefragt wird und gegenwärtig eia« Tagesproduktion von mehreren Milllonen Stück ettelcht ist unb diese uns gewaltig erscheinende Menge immer noch nicht zur Deckung der Ansprüche ausreicht. Es dürst« dies als besonderes Zeugnis für die Güte der Mark« cm» zusehen sein, wofür unseres Erachtens bet Rome Conftanlin auch bürgt.

^Husten

Lei lästigem Rusten

aten wir Ihnen, Sagitta-Bonbons za nehmen. Lösen den Schleim, lindern die Schmerzen. In allen Apotheken erhältlich. Stets vorrätig: Hof» u. Schwanenapotheke, Felda,

mich ein Geograph durch feinen herzoollen Verkehr mit feinen Schülern für diese Wissenschaft zu begeistern; in ihr brachte ich es sogar summa cum laude mit einer Preisarbett zum philosophischen Doktor, später machte ich, um wieder ein Haus im Leben zu bekommen, ei« philologisches Staatsexamen, aber wo ist ein Hcms, das nicht auf Wirklichkeit gegründet fein müßte? Knb wie können all diese schönen Nichtigkeiten in GestÄschast, Wissenschaft und Kunst uns Wirklichkeit geben? Ich mußte verspüren, daß Wirklichkeit nur dort ist, wo mar den Tod und das Grab nicht mehr fürrfjtet, es war nach dem Jahre 1914, nach dem Tode meines Vaters, da ich die Stätte, an der ich um der Erkenntnis willen nie Blut fließen sah, verließ und meinen Pkm aufgab, hier einmal Lehrer von der Erde zu sein.

Ich wurde Lehrer an einer Handelsrealsch uLe, unb alsogleich wurde mir wieder ein Haus geschenkt, räumlich nur den Stock eines Mietshauses umfassend, aber ein Haus. Im Herbst 1915 heiratete ich, im Sommer 1916 ward mir ein erstes Kind, Gertrud, das Mädchen, ge­schenkt, im Dezember 1920 ein zweites, Werner, der Knabe.

Seit ich in diesem tnerien Hause wohne, bis Herbst 1920 noch in Würzburg, später bann in Markt­brett, einem mittelalterlichen Städtchen am Main, weiß ich, wozu ichDichter" fein muß.Das Dichten ist eine Perversität, wenn nicht das Steineklopfen dane­ben steht", schrieb einmal ein Gleichgesinnter. So war meinSteineklopfen" bis zum Sommer 1919 das Schule» halten, dann wurden es die redaktionellen Arbeiten für einen Verlag, für Zeitschriften und tausend Mükffeligkei- ten des alltäglichen Lebens. Dazwischen erfordert der Drang nach dem Erringen überzeitlicher Werte von mir Wissenschaft und Kunst. Unb wenn ich, seit ich dies vierte Haus meines Lebens bewohne wie irgend ein Arbetter feine Werkstatt, Werke der Kunst und der Wiffenschaft zu schaffen suche, tue ich nichts anderes, als daß ich mich einzustellen versuche in die Reihe aller Schaffenden auf Coden- deren Schaffen Kampf ist um das tägliche Leben, der gekämpft wird mit den Opfern des Blutes unb hofft, daß er gesegnet werde, nicht nur für sich, sondern für das Hcms, das größere an uns ist das Haus, es birgt Familie, Vaterland unb Menschheit.

W I 1 'M -