Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
51. Zahrg
Nr. 50
Tage der Entscheidung
Mission, L a n d, die Wiederwahl in die Kommission Uvlehnt. Infolgedessen hat der Völkerbundsrat auf seiner Tagung vom 10. März zwei neue Mitglieder der Regierungskommissivn zu ernennen.
* Sowjet-Rußland und die Mächte. Aus Moskau wird gemeldet: Der österreichische Geschäftsträger P o h l'hat dem Volkskommissariat des Aeutzeren eine Note überreicht, in welcher der Beschluß der österreichischen Regierung mitgeteilt wird, normale diplomatische und konsularische Beziehungen zur Sowjetunion herzustellen. — Der italienische Botschafter Graf Manzoni hat Kalinin sein Beglaubigungsschreiben überreicht.
Dem früheren Polizeipräsidenten von Dresden Menke (11. ®.) ist nach einer Meldung aus Dresden vom sächsischen Ministerium des Innern die Mitteilung zugegangen, daß er sein Amt nicht wieder übernehmen könne.
Don unserem parlamentarischen Vertreter im Reichstag wird uns geschrieben:
Die jetzt in Gang gekommene große polnische Aus- ,»rache wird in ihrem Verlauf und in ihrem Ergebnis dem jetzigen Reichstag das charakteristische @e= tröge geben.
Um die Frage: Vertrauenvotum oder Luflösung wird die Entscheidung fallen. Die
zu Ser Seit, wo sie an der Regierung beteiligt war. Es l'egt inir fern, die Löhne und Arbeitsbedingungen zu diktieren. Das von rechts gegen mich gerichtete Schlagwort „Zuumgstarif" weise ich zurück. Wo die Berufsverbände sich um eine Verständigung über die Tarne bemühen fällt ihnen das Arbeitsministeriuni nicht in den Arm Wo aber dieser Wille nicht besteht, hat die Regierung die Pflicht zum Eingreifen. Darum ist die V e r - bindlichkeitserklürung von Tarifverträgen unerläßlich. Die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände hat den Widerstand gegen die neue Schlich- tungsordnung proklamiert und dazu leider auch die Ver- ivelgerung der Mitarbeit an gesetzlichen Schlichtungsem- richtungen empfohlen. Gegen die Verweiger u n g der Durchführung gesetzlicher Maßnahmen wird die Regierung alle notwendigen Mittel amvenden. Bei den Derlorgimgsbehörden haben wir bis zur äußersten Grenze abgebäut. Die bisherige Mißwirtschaft konnte nicht fortgesetzt werden. Die jetzt in der Steuernotverordnung getroffen« Neuregelung dürste allein kaum aus- reichen für die Belebung der Bautätigkeit. Daneben wird der zweit- und letztstelliqe Realkredit gefördert werden müssen Ick' bedauere aufs tiefste, daß sich in m a n ch e n Kreisen der A r b e i t g e b e r da- Verlangen nach einem radikalen Abbau der Sozialpolitik zeigt. Di« wesentlichsten Einrichtungen der Sozialpolitik sind trotz der Not des Reiches aufrecht erhalten worden. Die unter dem Ermächtigungsgesetz erlassenen Verordnungen sollen die Sozialversicherung in eine bessere Zeit hinüber-
Berontitmrtlid) für die Schrittleitung: Dr. Jobauner «tarnet. Anreisen: I. Par,ekler. Sulba. Rotationsdruck und Betlag der a Fuldaer Aetieudruckeret in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. ::
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retten.
Mittwoch: Weiterberatung.
Vie voraussichtliche Entwickelung.
Die L a g e i m Reichstag ist zur Stunde noch vollkommen ungeklärt. Zur gegenwärtigen politischen Aussprache sind etwa ZOAntrügc, darunter auch vollkommene Gesetzentwürfe, eingebracht. Die hauptsächlichsten Anträge sind diejenigen der Sozialdemokraten auf Aenderung einzelner Verordnungen. Dazu treten die d e u t s ch nationalen Anträge, die eine Aushebung der dritten Steuernotverordnung, aber auch der Peftonu!- Abbau-Verordnung wünschen. Weiter liegen Anträge der Deutschnationalen auf Aufrechter- haltung des militärischen Ausnahmezustandes vor, denen kvmmuniftische Anträge bezüglich der sofortigen Aufhebung gegenüberstehen. Andere Anträge betreffen die Aendernng auf dem Gebiet der »Gerichtsverfassung und der Strafrechtspflege, in seziaten Dingen bezüglich der Äugend-Wohlfahrt, der Einfuhr-Erleichterung von Fleisch, der Sparmaßnahmen auf de'm Gebiet der Jugendfürsorge und dergleichen mehr.
lieber eine feste Mehrheit verfügt die Reichsregierung nicht, nachdem die Sozialdemokraten hinsichtlich eines großen Teiles der Verordnungen der Reichsregierung in Opposition stehen. Würden sich für die Anträge der Linken die Rechte einfetzen, dann wird die Reichsregie- rung vor den schwersten Entscheidungen stehen. Die Regierungsparteien bereiten auf Anordnung der Reicheregierung selber ein Vertrauensvotum vor, um eine klare Situation herbeizuführen. Wird es abgelehnt, dann kommt es sofort zur Reichstagsauflösung. In diestm Falle würden die Regierungsparteien als geschlossene Einheit in den Wahlkampf ziehen. Dann wäre auch die Wahlparole: „Schutz der Währung", gegeben. Für den Fall der Auflösung wird das jetzige Kabinett Marx 'mit der Weiterführung der Geschäfte bis zum Wieüerzusammentritt des Reichstages betraut werden. Eine in verschiedenen Reichsämtern propagierte sogenannte Beamten-Re- gierung wird auf keinen Fall in Frage kommen, da ein derart farbloses Geschäftskabinett gar nicht in der Lage wäre, die schwerwiegenden innen- und außenpolitischen Fragen wirksam zu behandeln.
Der Wahltermin.
Die Reichstagswahlen werden, wie man in parlamentarischen Kreisen annimmt, wesentlich früher als im Juni vorgenommen werden. In diesen Tagen wird es sich im Reichstag entscheiden, ob der Reichstag aufgelöst wird oder nicht. Im ersteren Falle wird der f r ü h e st e Wahltermin am 6. April fein, nn letzteren FÄle wird er aber spätestens in der zweiten ch ä l f t e des Mak bestimmt werden.
Deutsches Reich.
* Reichsbahn und Länder. Bekanntlich hat Bayern bei der Reichsregierung durchgesetzt, einen großen Teil der Selbständigkeit seiner Bahnen wieder zu erlangen. Wie verlautet, sind auch mit anderen Ländern, so mit Baden, Besprechungen im Gange, die auf eine größere Einflußnahme der einzelnen Länder auf ihren Bahnen hinzielen.
Reichstagskandidatur Roskes Wie die „Voss. Ztg." aus Hamburg meldet, hat die Kreiskonferenz öer Sozialdemokratischen Partei in Hamburg den Oberpräsidenten von Hannover, Noske, zum Reichstagskandidaten gewählt. Noske hat die Kandidatur angenommen.
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das Aufgebot der Aemter selber sticht von den, nachgerade allerdings übertriebenen Gepflogenheiten wesent- sich ab. Das Re ich ska binett ist unter Führung des Reichskanzlers allerdings vollzählig erschienen. Die Mmrsterlalbehörden selber sind aber nur durch ihre Spitzenbeamten vertreten. Die einzelnen Länder haben ihre Reichsratsvertreter entsandt.
Der Auftakt bildet eine formulierte Rede des Reichskanzlers Marx In seiner ruhigen zielsicheren Art legt er die Monoe der Reichsregierung, die sie bei dem Gebrauch der Vollmachten des Ermächtigungsgesetzes geleitet haben, klar. Drei Ziele waren es, bie die Reichsregierung zu erreichen strebte, einmal die Beibehaltung des gegenwärtigen Wäkstungsstandss, zum zweiten die Bilanzierung des Etats und zum dritten die Wiederbelebung der Wirtschaft. Der Reichskanzler erkennt an, daß man von niemandem verlangen kann, daß er die einzelnen Maßnahmen billigt. Aber das Endziel der Beruhigung der Wirtschaft mußte allen andern Erwa- gungen zugrunde gelegt werden. Es gab für die Reichsregierung gar keinen andern Weg, als entweder zu scharfen Maßnahmen zu greifen, um damit der Bevölkerung die Aussicht für eine Beruhigung der Verhältnisse zu geben, oder aber einem neuen wirtschaftlichen Rum ent- gegenzugehen, der nicht nur das ganze Volk, sondern jeden einzelnen vernicklet haben würde.
Die Abgeordneten unterstützen diese Gedankengänge vielfach durch lebhafte Zustimmung. Rur aus der kommunistischen Ecke kommen hie und da ebenso törichte rote brutale Zwischenrufe.
Lebhafter wird es, als der Reichskanzler ganz b e - stimmte Erklärungen der Reichsregierung hinsichtlich der Behandlung dieser Fragen im Parlament abgibt. Er erklärt, daß für die Reichsregierung bie Annahme von Aufhebungs-'Anträgen unmöglich sei, daß sie die pflichtmäßige Folgerung zu ziehen und bei dem Reichspräsidenten die A u f 1 ö s u ng des Reichstages zu fordern habe. Diese Erklärung wird von den Regierungsparteien mit stürmischem Bravo entgegengenommen. Der Reichskanzler erklärt aber auch weiter, daß Abänderungs-Anträge zurzeit ausgeschlossen fein sollen, denn es gälte, der Not unverzüglich abzuhelfen. Es handele sich jetzt um Leben und Sterben der Nation, und hier werde sich die Reichsregierung der Verantwortung ihrer Aufgaben bewußt bleiben. Die Worte des Kanzlers drücken eine ernste Mahnung zum verantwortungsvollen Zusammenstehen aus. Nur die äußerste Linke lärmt.
Der Abgeordnete Muiler-Franken, der Führer der Sozialisten, eröffnet die Aussprache der Parteien. Müller beanspruchte das Recht, die Verordnunqsarbeft zu korrigieren. Er übte' vor allem Kritik an der Handhabung des Ausnahmezustandes. Die jetzigen HungergelMter der Beamten müssen aufgebessert roerben. Dazu beantragen mir bie Heranziehung aller Einkommen üstbr 8000 Mark. Der soziale K l a s s e n k a m p f ist nach bem Zeugnis des Demokraten Erkelenz bewußt von der Echwermbuftrie eingeleitet worden. Ein Ausnahmezustand, der über sechs Monate ausgedehnt wird, ist ver- fasftingswidrig. (Sehr richtig! links.) Der Ausnahmezustand wurde wegen Bauern verhängt, ist aber gegen Bayern nie angewandt worden. In dieser Unordnungszelle unternimmt die Landesregierung nichts gegen die illegalen bewaffneten Verbände. Diese Verbände sind ja ihre illegitimen Kinder. Schließlich hat ja der Judas Kahr am 9. November seine Spießgesellen verraten, dieser bayerische Bierbisinarck. (Heiterkeit!) Unter bem Ausnahmezustand wirb Deutschland von sieben Generälen regiert. Es ist ein unerhörter Zustand, daß die Generäle sich zu Willensvollstreckern der bürgerlichen Parteien machen. Dio Generalwirtschaft .ist nur den Deutschvöl- kischen und Kommunisten zugute gekommen, gegen die sich der Ausnahmezustand angeblich richten sollte. Die kommunistischen Mitglieder haben sich unter bem Ausnahmezustand karnickelhaft vermehrt.
' Reichkarbeitsminister Dr. Brauns setzte sich als nächster Redner gegen die von den radikalen Flügeln rechts unb links auf ihn gerichteten Angriffe kräftig zur Wehr. Die furchtbare wirtschaftliche Not nötigte zur Sparsamkeit auch auf sozialpolitischem Gebiet. Die Notwendigkeit der Sozialpolitik halte ich aber nach wie vor aufrecht. Vor allem bleibt das Gebiet dos Arbeite- und Tarifvertrags unberührt. Unsere Produktion ist gegenüber der Vorkriegszeit zu- riitfgegangert. In solchen Zeiten, roo wir unsere Wirtschaft sanieren, und außerdem für die Reparationen arbeiten müssen, ist der A ch t ft n n b e n t a g in vielen Berufen wirtschaftlich ungenügenb. Das Washingtoner Arbeitszeitabkommen ist nur von sehr wenigen Nationen unverändert angenommen worden. Selbst daß die jetzige englische Regierung es ratifiziert, ist noch sehr zweifelhaft. Deutschland steht allein in dieser Frage. Dem Arbeitsministerium liegt nichts ferner, als den Zehnstundentag zur Regel zu machen. Ausnahmen vom Achtstundentag unb eine Neuregelung der Arbeitszeit sind übrigens von allen Parteien mit Einschluß der Sozialdemokraten für notwendig gehalten worden. (Härt! hört! rechts.) Die Haltung der Sozialdemokratie in der Arbeitszeitfrage roar eine andere
Hierauf wurde in die
Vernehmung des Dr. Weber eingetreten. Der Angeklagte, Vorsitzender des Bur.- des Oberland, legte dar, daß das Ziel des Bundes die Brechung des Versailler Vertrages, die Ueber- brückung der Klassengegensätze und die Schaffung eines großen deutschen Vaterlandes gewesen fei. Deck Bund habe sich jeder Parteipolitik ferngehalt-n, von Bayern ans sollte die Befreiung Deutschlanis m die Wege geleitet werden. . v
Auf die Frage des Vorsitzenden, was m dec grundlegenden Sitzüng vom 6. November « ahr vorgetragen habe, erklärte Weber, der Sinn der Ausführungen fei der gewesen, daß ex entschlossen war. die schwarz-weiß-rote Stage Bayern ans ins Rollen zu bringen, v. Lossow Howe ausgesührt. daß die Reichswehr hmler dem Slaats- kommissar stehe und entschlossen fei. rede Weisung von ihm zu vollbringen. Weber habe Hitler daraus hingewiesen, daß Sahr ,am erstenmale in größerem Kreis seine Usbereinstimmung mit den Zielen Hitlers 2ittn Ausdruck gebracht habe.
SoWedimfettnä uni) MwkMM.
Die Botschafterkonferenz tritt Mittwoch nachmittag 4 Uhr zusammen. Sie wird sich Havas zufolge mit der interalliierten Militär- Tontrolle beschäftigen.
Dem „Temns" zufolge soll die englische Regierung in ihrer Note an die Botschafterkonferenz über die Militärkontrolle in Deutschland den Vor- Ichlag gemacht hoben, die jetzige interalliierte Mili- 'tärkontrolle, deren Aufgabe beendet sei, durch einen 'Garantieaus schuß zu ersetzen, ähnlich dem, der für die Marine und die Lustschiffahrt besteht. 'Siefer Ausschuß soll eine vollkommene In - v en tur über die Rüstungen und alles, was sich auf die militärischen Einrichtungen in Deutschland ion Menschen und Material bezieht, aufnehmen.
Völkerbund Und 5aargebiet.
Nach den im Dölkerbundssekretariat eingetroffenen Meldungen hat das Mitglied der Regierungs- kommission des Saargebiets Moltke-Huitfeld feine Demission eingereicht. Gleichzeitig ist das Dölkerbundsekretariat davon verständigt worden, daß das saarländische Mitglied der Regierungskom-
Die Reichswehr in Thüringen.
Einer Meldung aus Weimar zufolge Hal das tbüringiscke StaarSministerium beschlossen, seinen Vorsitzenden, den Minister Dr. Leutheußer, nach Berlin zu senden, um bei der Reichsregierung die Fortdauer des Ausnahmezustandes in Thüringen zu beantragen oder wenigstens die Beibehaltung von Truppen als Stütze der Regierungsgewalt angesichts der immer noch drohenden Gefahr kommunistischer Unruhen zu fordern. Wie es weiter in der Meldung heißt, soll Sie dauernde Belegung von Weimar und Erfurt mit Reichs- wehrrruppen so gut wie gesichert sein.
tik herbeiführen. Damit soll der Reichstag gezwungen werden, vor dem ganzen Lande zu bekennen, ob ihm der Schutz der Währung höher steht als auch «och so berechtigte, aber m Zeiten der Notlage nicht ausschlaggebende Bedenken gegen die erlassenen Verordnungen m ihrer Gesamtheit wie in ihren Em- zelheiten.
Es ist eine schon viel ausgesprochene Tatsache, daß es nicht eine einzige Partei, nicht eine einzige politische oder wirtschaftliche Gruppe gibt, die Den lauf Grund des Ermächtigungsgesetzes getroffenen Maßnahmen der Reichsregierung restlos znstim- men. Auch die Veranlasser dieser Bestimmungen ftnö sich bewußt gewesen, daß sie Eingriffe bedingen, die kaum tragbar sind. Und dennoch muhte endlich einmal mit dem immer wiederholten Wort Ernst gemacht werden, daß wir alle Kräfte bis zur Höchst- Leistung anfpatmen müssen, um uns vor dem äntzer- ften zu retten!
Die Reichsregierung wird den Reichstag somit vor die Enffcheidung stellen, ob er das Ziel: Schutz der Währung und vor allem der Rente n^m ar k billigt oder nicht. Auf die Beantwortung dieser Hirage legt die Reichsregierung entscheidendes Gewicht. In der Stellungnahme der Parteien zu ihr wird die Reichsregierrmg ein Vertrauens- oder ein Mißtrauensvotum erblicken. Es liegt ihr fern, den Parteien zuzmnuten, nun auch mit allen Methoden ük^reinzustimmen und alle Mittel zu billigen, die die Reichsregierung unter den anormalen Umständen zur Erreichung ihres Endzieles cmwenden zu müsien glaubte. Die Reichs- vegievung hat auch volles Verständnis dafür, daß die Parteien angesichts der Nähe der Wahlen nicht vollkommen frei in ihrer Kritik sind. Aber gerade ive i l dem so ist, kann es die Reichsregierung int« möglich darauf ankominen lassen, daß durch wahl- liftifd) beeinflußte Stellungnahme der Parteien die fetzt mühsam erreichten, und was nach außen sehr wenig zu erkennen ist, nur mit äußerster Kraftan- strengung bis jetzt aufrechterhaltene Beruhigung unserer Wivtschaftsverl)ältnisse wieder gestört wird. Wollte man die paar Dutzend Anträge, die im Reichstag auf Abänderung der verschiedenen Verordnungen oder gar auch ihre Aufhebung zulasten, dann würden sich unabsehbare Schwierigkeiten Herausstellen, die sofort ihre Wirkung im Sinne einer neuen Unsicherheit im Wirtschaftsleben äußern würde.
Die Verantwortung hierfür kann und darf die Reichsregierung nicht übernehmen. Sie steht auf dem Standpunkt, daß die klare feste Linie, wie sie jetzt eingeschlagen wurde, auch weiter innegepalten werden muß. Sie würde deshalb im gegebenen Falle lieber die Reichstagsauflösung vollziehen, als es zu neuen Unruhen kommen zu lasten. Man geht dabei von der Erwägung aus, daß die damit getroffene klare Entscheidung ihre wohltätige Rückwirkung auf die Wirtschaft nicht verfehlen wird. Das Volk wird zu wählen haben zwischen Aufrechterhaltung der Währung oder neuer Inflation!
Die Reichstagssitzuna.
Die Erklärung des Reichskanzlers. — Die Sprecher der Parteien.
D» groß« „Generalabrechnung", die von den verschiedensten Setten der Reichsregierumwin Aussicht gestellt worden ist, hat am Dienstag im Reichstage eingesetzt. Aber welch ein Wandel! Während früher, in den Zeiten fieberhafter Entwicklung. zurückgeführt auf bie Fieberkurve der Währung, alle derartigen parlamentarischen Erörterungen das stärkste Schauspiel boten, zeigt jetzt der Reichstag nur ein Alltagsgesicht!
Nichts von den äußeren Erscheinungen der sogenannten „großen" Tage! Das Interesse des Publikums ist kaum größer als an andern Tagen, die ausländische Diplomatie läßt sich überhaupt nicht blicken, und ein sehr beträchtlicher Teil der Reichsboten hält es selber noch nicht einmal für notwendig, dieser Debatte beizuroohneii. Sehr große Lücken klaffen in dem gelben Gestühl. Aber auch
Deutschland und Japan.
Empfang des neuen japanischen Botschafters durch den Reichspräsidenten.
Reichspräsident Ebert hat den neuernannten kaiserlich japanischen außerordentlichen beoollmach- ttgten Botschafter Kmnataro Honda zur Entgegennahme fernes Beglaubigungsschreibens und des Ab- berufungsschreibens des bisherigen kaiserlich ;apam- schen außerordentlichen bevollmächtigten Botschafters Emi hioki empfangen.
Bei dem Empfang war der Minister des Aeuße- ren, Dr. Strefemann, zugegen. Der neue Botschafter berichtete in feiner Ansprache, daß es 'sein ausschließliches Ziel sei, alle Kräfte einzusetzen, um die Befestigung und die Entwicklung des Friedens- und Freundfchaftsverhälkniffe s zu fördern, das die beiberjettigen Nationen jetzt jo glücklich wieder verbinde.
In der Erwiderung des Reichspräsidenten wurde gejagt: Mit Genugtuung erfüllt mich die Wahrnehmung, daß die Annäherung der beiden Völker auf geistigem Gebiet bereits durch die Berufung deutscher Gelehrter nach Japan und durch die Ent- jenöung von japanischen Studenten und Beämten zu Siudienzwecken nach Deutschland wesentlich gefördert wird. Sind diese wertvollen Zeichen innerer Annäherung schon zu begrüßen, so ist es ferner von beiderseitigem Vorteil, daß auch die Handels- und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder im Zunehmen begriffen sind. Ich darf mich wohl der Hoffnung hingeben, daß diese Beziehungen die übliche, auf Gegenseitigkeit gegründete vertragliche Grundlage finden werden. Wie ich bei Eurer Exzellenz das gleiche Verständnis für Deutschlands Lage wie bei Ihrem Herrn Vorgänger zu finden hoffe, dürfen auch Sie weiterhin der Sympathie des deutschen Volkes für Japan in seiner schweren Wiederaufbauarbeit naci) dem Schicksalsschlag des letzten Herbstes gewiß fein.______
3m Münchener hochverratZprozeß
fand nach der Verlejuug der Anklageschrift
die Vernehmung Hitlers statt.
Der Vorsitzende stellt fest, daß der Angeklagte Hitler in Braunau am Inn geboren, nach Linz zuständig ist und die bayerische Staatsangehörigkeit nicht erworben hat. Im Jahre 1912 ist er als Architekturzeichner und Maler nach München gekommen. Der Angeklagte erklärt hierzu, er habe sich seinerzeit fein Brot verdienen müssen und beabsichtigt, sich z«nr Baumeister ouszubildeu. Nach den Feststellungen des Vorsitzenden hat der Angeklagte daneben Studien getrieben, so über die Rassenfräge, Weltgeschichte und Militärwissenschaften. Bei Kriegsausbruch 1914 ließ er sich als Freiwilliger in die bayerische Armee aufnehmen, hat bann den ganzen Feldzug mitgemacht und eine Reihe Auszeichnungen erworben. Hitler wurde zweimal verwundet, einmal durch einen Granatsplitter, das zweite Mal erlitt er eine schwere Gasvergiftung. Hitler erklärt dazu, er fei fast erblindet gewesen und habe an keine. Genesung mehr gealaubt. Zeitungü'cn sei ihm unmöglich gewesen. Mi! . Rücksicht auf seinen Berus, der das feinste Auge verlang«, habe er damals prakftich als Erwerbsloser gelten müssen.
Die Verteidigungsrede, die Hitler anschließend an seine Vernehmung hielt, dauerte 4 Stunden. Er erklärte schließlich, er bekenne sich zur Tot, bekenn« sich aber nicht schuldig. Es gebe keinen.Hochverrat bei einer Handlung, die sich gegen den Landesverrat von 1918 wendet. Er fühle sich nicht als Hochverräter, sondern als Deutscher, der das Beste gewollt hat für jein Volk
Auf weitere Frage» des Vorsitzenden erklärt Hitler, daß er die Gelderbeschlagnahme veranlaßt habe. Die weitere Entwickelung der Dinge habe er sich so vorgestellt, daß eine ungeheure nationale Welle in ganz Deutschland losbrechen würde. Wenn General v. Seeckt die Absicht gehabt hätte, von sich aus losJuschlagen, bann müßten bie Ereignisse in München die Entwicklung der Dinge in Bayern beschleunigen.
Auf verschrobene Fragen des Ersten und Zweiten Staatsanwaltes bezeichnet es Hitler als Tatsache, daß Teile der Reichswehr unb der Landespobzei im Anmarsch gewesen seien.
Hierauf wurde die Verhandlung auf Mküwochvor- mittag vertagt. Morgen wird mit der Vernehmung des Angeklagten Dr. Weber begonnen werden, der sich die Vernehmung Ludendorffs anfchließen soll.
Die Verhandlung am Mittwoch.
Wtb München, 27. Febr. (Tel.). In der heutigen Vormittagssitzung wurde zunächst von der Verteidigung an Hitler die Frage gerichtet, ob zu irgend einem Zeitpunkt eine Besprechung mit den einzelnen Parteien stattgefunden habe, bei der die Rede davon Mwejcn sei, ein Direktorium Hitler-Lude n d o r s f als Konkurrenzunternehmen gegen Kahr-v. Lossow-Seitzer zu beabsichtigen. Hitler
Einzelnummer 10 Pfennig.
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