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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
51. Zahrg.
Dienstag, 26. Zebruar 1924
Nr. 48
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leben anderer Länder berühre.
Henderson sagte, er wolle deshalb der Oeifent- lichkeit zeigen, auf welkem Standpumt die Negierung stehe. Der Premierminister versuche die not» wendige Atmosphäre ZN schaffen, und er hoffe, daß Schritte durch eine Weltkonferenz, durch den Völkerbund oder durch beide unternommen würden, um zu sehen, ob man nicht zu dem Stand- punkt zurückkommen kljnne, der von dem verstorbenen Präsidenten Wilson im Gegensatz zu der Politik
Sonntag in Berlin im Reichrtagsgebäud« eine sozialpolitische Reichskonserenz ab. Vertreter der Invaliden und Sozialrentner aus allen Teilen des Reiches nahmen an den Verhandlungen teil. In einer Entschließung gab die Reichskonferenz ö« Uederzeugung Ausdruck, daß die mühsam errungenen Fürsorgeeimichtungen und Deiftun. gen des Reiches unbedingt «eiter bestehen bleiben und aufgebaut »erbe« müßte«. Sw einer zweiten Entschließung ckahm die Konferenz nach einem Vortrag des Reichstagsabgsordneten Karsten gegen den Renten- a b b a u Stellung.
hoffe er, ... von ihren berechtigten „ diese günstige Gelegenheit ergreifen werde, diese Gelegenheit verpaßt, dann sehe er nur eine Zukunft voller Unordnung und Dunkelheit. Schließlich trat Painlev- für den Völkerbund ein, der der Menschheit einen ge-
Wnieiaen-Tretic: Äleimeile «iolonel) lokal 0,16 Soldmart anSwärtS 0,20 Goldmark: Utetlameietle lokal 0/0, Soldmark r: answärt» 0.80 Soldmark. •.
Sei Sßiebet6oiungeit Rabatt- 'LostiSeckkonto Frankkv-t a. 8- 4051.
Soziales.
— Suhbgebtuig bet Invaliden Deutschland« Zentralverband der Snoaitben Deutschlands hielt
Berantwortlich lür die editiftieitima: Dr- Jobauner Kramer. Anreisen: I. V a rreller. Fulda. Rotatiourdruck und «erlas der Fuldaer Setiendrnckerei in Fulda. Fernivrecher 9hr- 9-
BerusSdreiS: Monat Februar 2.00 Eoldmark irei SaiS-
rationsproblems am Hmizont aufsteige, •, daß die französische Regierung, ohne etwas ren berechtigten Forderungen aufzuaeben,
zur den deutschen geistigen Mittelstand.
Im Plenarsitzungssaal des Reichstags fand in Anwesenheit des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und verschiedener ReichLminister eine eindrucksvolle Kundgebung für den gefährdeten deutschen geistigen Mittelstand statt. Der von nahezu 2000 Vertretern der notleidenden deutschen Rui- turschlcht besuchten Versammlung wohnten auch zahlreiche Vertreter des Reichstags, der Landesregierungen, der Behörden, der ausländischen Mächte, sowie der inländischen und ausländischen Presse bei. Die Reden wurden radiotelephonisch 2000 Kilometer weit verbreitet. Die Versammlung nahm einmütig eine Entschließung an, worin die Vertreter dec geistigen Berufe Deutschlands (Journalisten, Schrift- steller, Künstler, Aerzte usw.) unter Betonung auf ihr Recht auf Leben die Welt daran erinnern, was die Menschheit der deutschen Wiflenschaft, Kunst und Technik verdankt. Die Entschließung warnt davor, die Verelendung der deutschen Kulturschicht als eme Sonderangelegenheit eines einzelnen Volkes zu betrachten und fordert vom gesamten deutschen Volk, vor keinen Anstrengungen zurückzuschrecken, um den Geistesarbeitern erträgliche Lebens« and Arbeitsbedingungen zu schaffen. -_________
Die Behandlung der letzten Pfalznote.
Havas veröffentlicht folgende offizöse Note: Man bestätige m allen Kreisen die Erklärung Dr. Strese- manns, daß die stanzösische Regierung dem deutschen Botschafter ohne Antwort die letzte Note über die Pfalzirage zurückgegeben habe. Dir Tatsache ist in Paris geheimgehalten worden, nm zu vermeiden, daß man ibr einen unangenehmen Charakter beilege. Tatsächlich ist auf verschiedene andere Noten, die den gleichen Gegenstand behandelten, vorher geantwortet worden. Sine neue Antwort hätte nur die Fortsetzung
WM imh -er BersÄer totreg
Die Rede -es englischen Innenministers.
Ruf »ach einet schnellstmöglichen Revifi ou des Betttages.
Steuern begleichen, dann aber auch die erforderlichen künstlichen Düngemittel beschaffen. Auf diese Weise würde auch der Kaliindustrie, und ihrer Arbeiterschaft geholfen.
Keinesfalls dürften sofort die sechs Prozent des bäuerlichen Grundbesitzes insgesamt mobilisiert werden, vielmehr hätte die Herausgabe der Obligationen entsprechend den überprüften Kreditforderungen etappenweise zu erfolgen.
In ähnlicher Weise wäre, wie dies bereits von dem Zentrumsabs«ordneten L o m p e l gefordert worden ist, der st ä d t i s ch e Grundbesitz zugunsten der Bauwirtschaft, von deren Belebung die Wiederankurbelung eines großen Teils der deutschen Industrie abhängt, zu belasten. Auch hier wäre den bestehenden Hypothekenbanken — nicht aber einem neuen Bankinstitut — die Möglichkeit zu geben, auf Grund von Hypothekenpfandbriefen Obligationen zmn Bau von Wohnhäusern herauszugeben. Diese Obligationen hätten gleichfalls als gesetzliches Zahlungsmittel zu gelten. Länder, Gemeinden, Siedlungsverbände und private Bauunternehmen könnten sich dieses Kredites zur Herstellung von Wohnhäusern bedienen. So wurde auch der Weg von der gegenwärtigen Zwangswirtschaft in die Freiwirtschaft auf dem Gebiete des Wohnungswesens gebahnt.
miß mit Hindernissen versehenen Weg zum Frieden eröffnen werde.
Nur jetzt Leine Dummheiten.
Unter obiger llederschrift veröffentlicht die Kölnische Volkszeitung einen beachtenswerten Aufsatz, in dem es am Schluffe heißt:
Wenn wir nicht wiederum, hoffnungsloser als zuvor, versinken wollen, muffen wir die Politik der inneren Stabilisierung um jeden Preis fortführen. Krisen, die alles wieder ins Ungewisse stellen, sind Hochverrat. Trotz seiner geschwächten politischen Konstitution hat Poinrar» im französischen Senat ein VertrauenSvoium erzielt, obwohl Dies in der Wahlrechtsfrage, um die es sich handelte, geradezu eine capitis diminutio (Tinflußverminderung) des Senats bedeutete. Der Senat hat sich nicht den Argumenten Poincarös gebeugt, sondern einem Gebot der allgemeinen Politik, wie er sie sah. Soll der Deutsche Reichstag, Der, als er das Er- 'mächtigungsgrsetz beschloß, Den älteren Demokratien ein Beispiel gab, sich von dem französischen Senat beschämen laffen? Gewiß, wir nähern uns den Wahlen, aber wir nähern uns zugleich Entscheidungen auf Tod und Leben in der großen Politik, Die zugleich über die Gesundung unseres Geldwesens entscheiden. Rur jetzt keine Tummheiten!
aus dem besetzten Gebiet.
Wie aus Koblenz berichtet wird, hat die Rhein» landkommission neue Abkommen mit verschiedenen rh einischen industriellen Gruppen getroffen, namentlich mit der Zementindustrie und mir den Dachziegel- und Dacksteinbrennereien. Diese Industrien werden sich an Den Sachiiefelungen be, teiligen.
Nach einer amtlichen Mitteilung auS Paris ist die Strafe des am 8. September 1923 durch das Kriegsgericht in Düsseldorf zum Tode verurteilten Richard Raabe in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt.
Zettspiegel.
Im Liegr.itzer Stahlhelm'' wird ein offener Brief an einen katholischen Geistlichen tn Liegnitz veröffentlicht. Dieser Brief beschäftigt sich mit einer Predigt, die der Geistliche am 27. Januar gehalten hat und macht dem Redner schwere und völlig unbegründete Vorwürfe. Daraus einzugehen, ist überflüssig. Aber al» ein Zeichen für die Ueberheblrchkett und Anmaßung, wie sie in nationalistischen Orgam- Rationen vom Schlage des .Stahlhelnu grotzgezogen wird, verdient die Tatsache festgehaiten zu werden, da« sich hier doch noch sehr jugendliche Leute off ent- lief» als Zensor über eine kirchliche Hand, lung aufspielen.
Der englische Mnister des Stiftern Henderson be- fnfete sich in einer Wahlrede in Burnley mir der mternationalen Lage unter besonderer Bezugnahme arf die Notwendigkeit einer Revision des Versailler Vertrages.
(fr sagte, Die Tatsache, die >cm meisten aus der internationalen Lage, herausrc»Ze, sei die, daß di« sisriedensverträge fehlgeschlagen seien. as auch immer die Ansichten der affiterten Staarsmmi- n.r wären, die ihrs Länder in Paris verträten, es fei ihnen nicht gelungen, einen gerechten mch Dau« emDeri Frieden zustande zu bringen. Dis Poetik, die nach dem Waffenstillstand angenommen wurde, habe Europa Chaos, Ruin, Himgersnot, Krankheit und Tod gebracht. Die Aufgäbe, Der Macdonald und die Regierung gegenüberftänöen, fei nicht nur eme Frage, wie die Entsittlichung angehaüen werden könne, sondern wie verhindert melden könne, daß der wirtschaftliche Ruin weitere Fortschritte mache. Die Aufgabe Dter Regierung sei es, Men wirklichen Frieden zu schaffen, Handel und Verkehr wieder herzustellen und auf eme so feste Grundlage zu setzen, daß die Zivilisation niemals wieder von einer ähnlichen Gefahr bedroht werde. Daher müßten alle, Me den Beginn einer neuen Aera internationalen .Zusammenwirkens und Wohlwollens zu sehen wünschten, auf die schnellstmögliche RevisiondesVertragsvonVer« sailles als einer unbedingten Notwendigkeit bestehen, ebenso wie auf einer Lösung Des umstrittenen Reparationsproblems. Was sowohl Die territoriale als auch Die wirtschaftliche Seite des Ver-
* Attentatspläne gegen Trotzki? Laut „Montag" berichtet „Stockholms Tidningen" Moskau, daß in Suchum (Transkaukasien), Trotzki sich gegenwärtig aufhält. Drei mit Revolvern und Handgranaten bewaffnete Personen versucht hatten, in Die Villa Trotzkis einzudringe«. Bei ihrer Verhaftung hätten sie Feuer geben, seien aber selbst erschossen worden.
salller Vertrags betreffe, so sei eine Revision ferner Bestimmungen nicht nur ivessnÄch, sondern jert langem überfällig. Die Urheber Des Vertrags hätten, als sie ihn vorbereite-ten, die Geschichte völlig verhöhnt. Sie hätten zum mindesten erkennen mässen, daß sie alte Traditionen verletzen und sich über Die Wünsche Der Bevölkerung hinweg- setzten, nur damit Die Beute Den Siegern zufalle.
Der Versailler Vertrag fei zweifellos dem Grundgedanken der Dem Waffenstillstand oorausgehen- Den Vereinbarung, unter her Deutschland Die Waffen gestreckt habe, entgegi -ngefetzt. Der Versa Ker Vertrag enthalte territoriale und w.rtschaslliche Klauseln, Die Tatsachen ableugneten, die sowohl dem Buchstaben wie Dem Geist nach in öffentlichen Erklärungen enthalten seien, Die von Den alliierten Staatsmännern während» des Krieges abgegeben wurden. Der Vertrag habe ferner den Kampf Der Völker um Befreiung und- Schaffung einer Herrschaft Des Rechts in einen tatsächlichen Eroberungskrieg umgewandelt. 5Die Bestimmungen des Vertrages verfolgten Den Zr treck, aus Den besiegten Ländern unmögliche Summen als Entschädigung herauszupressen unter der irrtümlichen Annahme, daß das wirtschaftliche Leben mancher Länder zerstört werden könne, ohne daß dies das Wirischafls-
dine Inflation ist unter Berücksichtigung Des angedeuteten Kontrollsystems von den in Vorschlag gebrachten Maßnahmen nicht zu be- f w r d) t en. Die von den Hypothekenbanken her- awgegebenen Obligationen wären vielmehr prin- zipiell tangfriftiden Wechseln gleichzuachten, deren Einlösung durch Die Verpfändung des Grundes und Bodens garantiert ist. Die Rentenmark bliebe von der Herausgabe dieser Obligationen völlig unberührt und würde infolge der dadurch bewirkten Belebung der Volkswirtschaft nicht nur nicht gefährdet, sondern gestützt.
Da die Kredite nur im Falle eines zwingenden Bedürfnisses gewährt werden, ließe sich auch die Verknappung des Geldmarktes insoweit auftechterhalten, als dies ein gesunder Preisabbau erfordert.
Schließlich muß aber die Regierung dafür Sorge tragen, daß nach dem erheblichen Preissturz der landwirtschaftlichen Produkte die Spannung zwischen Erzeuger- und Hand- lerpreis wesentlich verringert wird. Nur so können Arbeiter, Angestellte und Beamte mit ihren wesentlich verringerten Bezügen auskommen.
Die angedeuteten Maßnahmen müßten unverzüglich m die Wege geleitet werden, da die aicher- ordentliche Notlage der Weltwirtschaft schnelle Hilfe erfordert. Es muß für den Fall, daß die Rentenbank versagen sollte, die Landwirtschaft in dem angedeuteten Sinne sich selbst zu helfen suchen, um sich die erforderlichen Kredite und die Mittel zur Melioration des Betriebes zu verschaffen.
Würde die Goldnotenbank Ende März in Funktion treten und die Rentenmark überflüssig machen, so könnte die Ausführung Der vorgeschlagenen Maßnahmen unterbleiben, vorausgesetzt, daß die Goldnotenbank der Deutschen Wirtschaft die unbedingt erforderlichen Kredite zu geben vermag. Sollte dies ober nicht möglich fein, so würden die in Vorschlag gebrachten Maßnahmen auch noch neben der Errichtung der Goldnotenbank insoweit durchzusichren fein, als dies die Verhältnisse dringend erfordern. Sollte schließlich wider Erwarten Die Errichtung der Goldnotenbank an politischen Einflüssen scheitern, so würden Die in Vorschlag gebrachten Maßnahmen Die Deutsche Volkswirtschaft unD Die Staatsfinonzen vor Dem sonst unvermeidlichen völligen Zusammenbruch bewahren.
Zur WenuMigeu Lage in der LandlMslhast
Von Dr. Paul Fleischer, M. d. R.
der alliierten Staatsmänner in den Jahren 1915=16 und 1917 eingenommen wurde.
Henderson schloß: Ich bin überzeugt, Daß unsere alliierten Staatsmänner nach Dem WaffenstillstanD und nach Dem Beginn ihrer Arbeit in Paris Deutliche wirtschaftliche Tatsachen unberücksichtigt gelassen haben, und es scheint mir, Daß je eher unsere Regierung Die notwendige Atmosphäre schaffen «nD auf diese Frage Der Revision des Vertrages kommen kann, es um fo besser für alle in Betracht Kommenden sein wird.
painlevs und poiitcare.
Die erhoffte internationale Lösung des Reparakionsproblems.
Der ehemalige französffche Ministerpräsident Painlev- erklärte in Annecy bei einer Kundgebung der Liga der Republik, heute, wo eine internationale Lösung des Repa-
Deutsches Mich.
* politische Persoftennachrichien. Dec Staatssekretär im Reichsfinanzmimsterium, Dr. Schroder, ist aus Dem Rieichsdienst ausgeschieden. Er fft als Präsident der Preußischen Staatsbank in Aussicht genommen. An seine Stelle tritt Der bisherige Staatssekretär im Rrichssincmzministe.ium und Vorsitzende der Kriegslastenkommission, Fischer. Zu dessen Nachfolger hi Paris ist der Dirigent im Wederai-ifbauministerium Geh. Regie- rungsrat Dr. Rupf-el linier Beförderung zmn Ministerialdirektor ernannt worden. Der als Nachfolger des Präsidentc.n Kaufmann zum Leiter des Reichsversicherimgsaislts berufene Ministerialdirektor Schäffer war zunächst im wurttemdergifchcii Verwaltungsdienst tätig. Dann wurde er bevollmächtigter MmistericMat beim Bundesrat in Berlin. Nach Der Revolution trat er in die Kruppsch» Direktion em und rvurde von den Franzolen m Abwesenheit zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.
* Der preußische Landtag hat sich am Samstag nach unerheblicher Debatte bis zum 18. März vertagt.
* Hindenburg MV HUerprozeß. Auf Aufforüe- rung an Hindenourg,. zu verhindern, daß der P r o- zeß gegen Ludendorff ftattfindet, arnwor- tete Der FelDmarschall m einem Brief.- Der vom „Lokalcmz." veröffentlicht wird, bei ruh'ger lieber» leg urig müsse man sich sagen, daß in einem Staats» wesen ein Einzriffin die Rechtspflege unmöglich sei.
* Die Erhebung von Verwaliurrgsgebühren bezweckt ein Gesetzentwurf, Den Der Reichs- finanzmrnister Dem Reichstag vorgelegt hat. Danach kann für Die Beantwortung von Anträgen, Anfragen und Gesuchen durch Reichsbien st» stellen neben Dem Ersätze Der Auslagen eine Gebühr erhoben werden. Die Erledigung der solcherart gebuhrpflichi^gen Anträge, Anfragen und Gesuche kann von -der Doreinzahlung der Gebühr oder eines Kostenporschnsses abhängig gemacht
einer ergebnislosen Kvntroverse herberfuhren können. Diese Note sei der deutschen Regierung tn der höflichsten Form und ohne Die Absicht, Die deutsche Regierung zu beleidigen, zurückgegeben worden. Poincare habe nur zum Ausdruck bringen wollen, daß da er alle wüSiscbenSwerten Erläuterungen gegeben habe, er der Ansicht sei, daß er ihr nicht« mehr hinzujufügen habe.__
Kus der ZentrumLpartei.
- Seutrmn «n» kommende Leichrtagswahle«. Die ReichstaaSfraktion Las Zentrum» hat sich m ihren Be. fprechungen auch nttt der Frage der Vorbereitung der Reichstagswahlen euagehenü beschäftigt. Mitte dieser Woche tritt der RerchSpartei-Vorstand in Berlin zusammen, um diefeSlmgelegenheit eingehend vorzuberaten. Laraufhin werden die übrigen Parteiinstanzen mit den Dingen sich befaßen. Inzwischen wird im Lande selbst eine" nachdrückliche Vorbereitung der Wahlen durch gründliche Nachprüfung der orgam,atorischen Verhältniffe erfolgen müssen. Dec Partei.Apparat mutz ohne Verzug wieder in volle Funktion gebracht werden. Don ausschlaggebender Äichtigkeit i,t die Werbung für die ZentrumSpresse, die gerade jetzt mit Entschlossenheit durchgeführt werden mutz.
Die gegenwärtige ftrife in Der Deutschen Wirtschaft wirkt sich ganz besonders schwer in der Landwirtschaft aus. Gerade hier ist Die K r e D i t n o t dis zur Unerträglichkeit gesteigert. Es müssen Deshalb Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, um vor allem der Landwirtfchaft flüffige Geldmittel in bedeutendem Umfange zuzuführen. In erster Linie wäre hierzu Die Rentenmark berufen. Ihre Kredite aber müssen zu einem erheblich niedrigeren Zinsfuß als bisher gewährt werden. Sollte die Rentenbank aber außerstande fein, die notwendigen Kredite zu geben, dann müßte die Landwirtschaft zur Selbsthilfe schreiten. Die Lage macht schnelles Handeln «forderlich.
Die neuen Steuern können insbesondere von den kleinen und mittleren Landwirten auf die Dauer nicht getragen werden. Da die Kreditmöglichkeiten für'biefe erschöpft sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Betriebsmittel zu veräußern. Dies hat zur Folge, daß Die Deutsche Landwirtschaft vom intensiven zum extensiven Betrieb übergehen muß. Dadurch wird Die Ernährung Des Deutschen Volkes noch mehr als bisher gefÄirDet unD Der Import ausländil^er Lebensrnittel immer mehr gesteigert. Infolgedeffen wirD sich Die Deutsche Zahlungsbilanz noch weiter verschlechtern als bisher. Dadurch gestaltet sich die Stabilisierung Der Deutschen Währung immer schwieriger.
Da der Landwirt gezwungen ist, ferne Betriebsmittel und Produkte zum billigsten Preffe abzugeben, um die Steuern aufzudringen, so verringert sich notwenDigerweffe auch die Grundrente. Dle vier Prozent Des landwirtschaftlichen Grundbesitzes, die für Die Deckung Der Rentenmark in Frage kommen, entwerten sich dementfprechend, wodurch wiederum die Stabilisierung der Rentenmark gefährdet wird. Da aber auf die Dauer die mittleren und kleinen Landwirte überhaupt nicht in der Lage sind, die Steuerlast tragen zu können, so wird in absehbarer Zeit die Steuer« quelle versiegen und dann der Sturz Der Stenten» mark unvermeidlich fein.
Der Reichsbankpräsident hofft allerdings, die Goldnotenbank bis Ende März errichten zu können. (Er hat jedoch Die Erfüllung Dieser Hoffnung an die Bedingung geknüpft, daß sich die Politik nicht in Diefe Angelegenheit mischt. Es kann nur dringend gewünscht werden, daß sich diese Befürchtung nicht verwirklicht. Nach Den bisher gemachten Erfahrungen muß aber auch Diese Möglichkeit von vorsichtigen Politikern unD Volkswirtschaftlern in Rechnung gestellt roerDen. Er sind Deshalb alle Maßnahmen vorzubereiten. Die geeignet sind, die Nachteile auszugleichen. Die eintreten muffen, falls sich Die Errichtung Der Golbnoteri- bank infolge widriger politischer Einflüsse verzögern oder gar scheitern sollte.
In dieser Beziehung erlaube ich mir, zur Hebung der Kreditnot der Landwirtschaft folgenden Vorschlag zu machen: Der landwirtschaftliche Grundbesitz wird mit weiteren sechs Prozent seines Wertes hypothekarisch belastet. Die Hypothekenbanken sind befugt, Hypothekenpfandbriefe entsprechend der Höhe dieser Belastung auszustellen. Auf Grund dieser Hypothekenpfandbriefe werden sie ermächtigt, Obligationen (eine Art Bodenmark) her- auszugeben. Diese sind als gesetzliches Zahlungsmittel anzuerkennen und könnten von Den Hypothekenbanken durch die Bauernbanken an Die KreditsuchenDen weitergegeben werden. Den Bauernbanken wäre die Verpflichtung aufzuerlegen, in Gemeinschaft mit den landwirtschaftlichen Organisationen Die 5t r e b i t b e D ü r f t i g t e i t zu prüfen unb herüber zu wachen, baß Kredite nur insoweit gewährt werden, als dies die Aufrechterhaltung Der Wirtschaft erfordert. Aus Grund dieser Kredite könnte Der Landwirt zimäckü feine
Einzelnummer 10 Pfennig.
uldaerZeltung
* Dle Schulfrage als Wahlparole. Der Evangelische Reich selterndund, der über zwei Millionen wahlberechtigte Mitglieder umfaßt, hat an seine Unterverbände die Weisung gegeben, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen die „Schulfrage" zur Wahlparole zu machen. Eine Bindung auf bestimmte Parteien wird nicht ausgesprochen. Es wird jedoch empfohlen, denjenigen Kandidaten die Stimme zu geben, die sich für die Wahrung der chrfftlichen Schulinteressen einsetzen.
* Thüringer Landtag. Der Landtag stimmte dem Vorschlag des Aeltestenausschußes zu, roonad) fünf Ausschüße gebildet werden, von dem vier Hauptausschüsse aus je zwölf Miigliedern entsprechend der Stärke der Fraktionen bestehen sollen. Ser Zentrurnsabgeordnete Dr. Schömberg wurde in den Gesuchsausschuß gewählt.