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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

51. Zahrg.

Dienstag, 26. Zebruar 1924

Nr. 48

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leben anderer Länder berühre.

Henderson sagte, er wolle deshalb der Oeifent- lichkeit zeigen, auf welkem Standpumt die Negie­rung stehe. Der Premierminister versuche die not» wendige Atmosphäre ZN schaffen, und er hoffe, daß Schritte durch eine Weltkonferenz, durch den Völkerbund oder durch beide unternommen würden, um zu sehen, ob man nicht zu dem Stand- punkt zurückkommen kljnne, der von dem verstorbe­nen Präsidenten Wilson im Gegensatz zu der Politik

Sonntag in Berlin im Reichrtagsgebäud« eine sozial­politische Reichskonserenz ab. Vertreter der Invaliden und Sozialrentner aus allen Teilen des Reiches nahmen an den Verhandlungen teil. In einer Entschließung gab die Reichskonferenz ö« Uederzeugung Ausdruck, daß die mühsam errungenen Fürsorgeeimichtungen und Deiftun. gen des Reiches unbedingt «eiter bestehen bleiben und aufgebaut »erbe« müßte«. Sw einer zweiten Ent­schließung ckahm die Konferenz nach einem Vortrag des Reichstagsabgsordneten Karsten gegen den Renten- a b b a u Stellung.

hoffe er, ... von ihren berechtigten „ diese günstige Gelegenheit ergreifen werde, diese Gelegenheit verpaßt, dann sehe er nur eine Zukunft voller Unordnung und Dunkelheit. Schließlich trat Painlev- für den Völkerbund ein, der der Menschheit einen ge-

Wnieiaen-Tretic: Äleimeile «iolonel) lokal 0,16 Soldmart anSwärtS 0,20 Goldmark: Utetlameietle lokal 0/0, Soldmark r: answärt» 0.80 Soldmark. •.

Sei Sßiebet6oiungeit Rabatt- 'LostiSeckkonto Frankkv-t a. 8- 4051.

Soziales.

— Suhbgebtuig bet Invaliden Deutschland« Zentralverband der Snoaitben Deutschlands hielt

Berantwortlich lür die editiftieitima: Dr- Jobauner Kramer. Anreisen: I. V a rreller. Fulda. Rotatiourdruck und «erlas der Fuldaer Setiendrnckerei in Fulda. Fernivrecher 9hr- 9-

BerusSdreiS: Monat Februar 2.00 Eoldmark irei SaiS-

rationsproblems am Hmizont aufsteige, •, daß die französische Regierung, ohne etwas ren berechtigten Forderungen aufzuaeben,

zur den deutschen geistigen Mittelstand.

Im Plenarsitzungssaal des Reichstags fand in Anwesenheit des Reichspräsidenten, des Reichs­kanzlers und verschiedener ReichLminister eine eindrucksvolle Kundgebung für den gefährdeten deutschen geistigen Mittelstand statt. Der von nahe­zu 2000 Vertretern der notleidenden deutschen Rui- turschlcht besuchten Versammlung wohnten auch zahlreiche Vertreter des Reichstags, der Landes­regierungen, der Behörden, der ausländischen Mächte, sowie der inländischen und ausländischen Presse bei. Die Reden wurden radiotelephonisch 2000 Kilometer weit verbreitet. Die Versammlung nahm einmütig eine Entschließung an, worin die Vertreter dec geistigen Berufe Deutschlands (Journalisten, Schrift- steller, Künstler, Aerzte usw.) unter Betonung auf ihr Recht auf Leben die Welt daran erinnern, was die Menschheit der deutschen Wiflenschaft, Kunst und Technik verdankt. Die Entschließung warnt davor, die Verelendung der deutschen Kulturschicht als eme Sonderangelegenheit eines einzelnen Volkes zu be­trachten und fordert vom gesamten deutschen Volk, vor keinen Anstrengungen zurückzuschrecken, um den Geistesarbeitern erträgliche Lebens« and Arbeitsbe­dingungen zu schaffen. -_________

Die Behandlung der letzten Pfalznote.

Havas veröffentlicht folgende offizöse Note: Man bestätige m allen Kreisen die Erklärung Dr. Strese- manns, daß die stanzösische Regierung dem deutschen Botschafter ohne Antwort die letzte Note über die Pfalzirage zurückgegeben habe. Dir Tatsache ist in Paris geheimgehalten worden, nm zu vermeiden, daß man ibr einen unangenehmen Charakter beilege. Tatsächlich ist auf verschiedene andere Noten, die den gleichen Gegenstand behandelten, vorher geantwortet worden. Sine neue Antwort hätte nur die Fortsetzung

WM imh -er BersÄer totreg

Die Rede -es englischen Innenministers.

Ruf »ach einet schnellstmöglichen Revifi ou des Betttages.

Steuern begleichen, dann aber auch die erforder­lichen künstlichen Düngemittel beschaffen. Auf diese Weise würde auch der Kaliindustrie, und ihrer Arbeiterschaft geholfen.

Keinesfalls dürften sofort die sechs Pro­zent des bäuerlichen Grundbesitzes insgesamt mobilisiert werden, vielmehr hätte die Her­ausgabe der Obligationen entsprechend den über­prüften Kreditforderungen etappenweise zu erfolgen.

In ähnlicher Weise wäre, wie dies bereits von dem Zentrumsabs«ordneten L o m p e l gefordert worden ist, der st ä d t i s ch e Grundbesitz zugunsten der Bauwirtschaft, von deren Belebung die Wieder­ankurbelung eines großen Teils der deutschen In­dustrie abhängt, zu belasten. Auch hier wäre den bestehenden Hypothekenbanken — nicht aber einem neuen Bankinstitut — die Mög­lichkeit zu geben, auf Grund von Hypothekenpfand­briefen Obligationen zmn Bau von Wohnhäusern herauszugeben. Diese Obligationen hätten gleich­falls als gesetzliches Zahlungsmittel zu gelten. Län­der, Gemeinden, Siedlungsverbände und private Bauunternehmen könnten sich dieses Kredites zur Herstellung von Wohnhäusern bedienen. So wurde auch der Weg von der gegenwärtigen Zwangs­wirtschaft in die Freiwirtschaft auf dem Gebiete des Wohnungswesens gebahnt.

miß mit Hindernissen versehenen Weg zum Frieden eröffnen werde.

Nur jetzt Leine Dummheiten.

Unter obiger llederschrift veröffentlicht die Kölnische Volkszeitung einen beachtenswerten Aufsatz, in dem es am Schluffe heißt:

Wenn wir nicht wiederum, hoffnungsloser als zuvor, versinken wollen, muffen wir die Politik der inneren Stabilisierung um jeden Preis fortführen. Krisen, die alles wieder ins Ungewisse stellen, sind Hochverrat. Trotz seiner geschwächten politischen Konstitution hat Poinrar» im französischen Senat ein VertrauenSvoium erzielt, obwohl Dies in der Wahlrechtsfrage, um die es sich handelte, geradezu eine capitis diminutio (Tinflußverminderung) des Senats bedeutete. Der Senat hat sich nicht den Argumenten Poincarös gebeugt, sondern einem Ge­bot der allgemeinen Politik, wie er sie sah. Soll der Deutsche Reichstag, Der, als er das Er- 'mächtigungsgrsetz beschloß, Den älteren Demokratien ein Beispiel gab, sich von dem französischen Senat beschämen laffen? Gewiß, wir nähern uns den Wahlen, aber wir nähern uns zugleich Ent­scheidungen auf Tod und Leben in der großen Politik, Die zugleich über die Gesundung unseres Geldwesens entscheiden. Rur jetzt keine Tummheiten!

aus dem besetzten Gebiet.

Wie aus Koblenz berichtet wird, hat die Rhein» landkommission neue Abkommen mit ver­schiedenen rh einischen industriellen Gruppen getroffen, namentlich mit der Zementindustrie und mir den Dachziegel- und Dacksteinbrennereien. Diese Industrien werden sich an Den Sachiiefelungen be, teiligen.

Nach einer amtlichen Mitteilung auS Paris ist die Strafe des am 8. September 1923 durch das Kriegsgericht in Düsseldorf zum Tode verurteilten Richard Raabe in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt.

Zettspiegel.

Im Liegr.itzer Stahlhelm'' wird ein offener Brief an einen katholischen Geistlichen tn Liegnitz veröffentlicht. Dieser Brief beschäftigt sich mit einer Predigt, die der Geistliche am 27. Januar ge­halten hat und macht dem Redner schwere und völlig unbegründete Vorwürfe. Daraus einzugehen, ist über­flüssig. Aber al» ein Zeichen für die Ueberheblrchkett und Anmaßung, wie sie in nationalistischen Orgam- Rationen vom Schlage des .Stahlhelnu grotzgezogen wird, verdient die Tatsache festgehaiten zu werden, da« sich hier doch noch sehr jugendliche Leute off ent- lief» als Zensor über eine kirchliche Hand, lung aufspielen.

Der englische Mnister des Stiftern Henderson be- fnfete sich in einer Wahlrede in Burnley mir der mternationalen Lage unter besonderer Bezugnahme arf die Notwendigkeit einer Revision des Ver­sailler Vertrages.

(fr sagte, Die Tatsache, die >cm meisten aus der internationalen Lage, herausrc»Ze, sei die, daß di« sisriedensverträge fehlgeschlagen seien. as auch immer die Ansichten der affiterten Staarsmmi- n.r wären, die ihrs Länder in Paris verträten, es fei ihnen nicht gelungen, einen gerechten mch Dau« emDeri Frieden zustande zu bringen. Dis Poetik, die nach dem Waffenstillstand angenommen wurde, habe Europa Chaos, Ruin, Himgersnot, Krankheit und Tod gebracht. Die Aufgäbe, Der Macdonald und die Regierung gegenüberftänöen, fei nicht nur eme Frage, wie die Entsittlichung angehaüen werden könne, sondern wie verhindert melden könne, daß der wirtschaftliche Ruin weitere Fort­schritte mache. Die Aufgabe Dter Regierung sei es, Men wirklichen Frieden zu schaffen, Han­del und Verkehr wieder herzustellen und auf eme so feste Grundlage zu setzen, daß die Zivilisation nie­mals wieder von einer ähnlichen Gefahr bedroht werde. Daher müßten alle, Me den Beginn einer neuen Aera internationalen .Zusammenwirkens und Wohlwollens zu sehen wünschten, auf die schnellst­mögliche RevisiondesVertragsvonVer« sailles als einer unbedingten Notwendigkeit bestehen, ebenso wie auf einer Lösung Des umstrit­tenen Reparationsproblems. Was sowohl Die terri­toriale als auch Die wirtschaftliche Seite des Ver-

* Attentatspläne gegen Trotzki? Laut „Montag" berichtet „Stockholms Tidningen" Moskau, daß in Suchum (Transkaukasien), Trotzki sich gegenwärtig aufhält. Drei mit Revolvern und Handgranaten bewaffnete Personen versucht hatten, in Die Villa Trotzkis einzudrin­ge«. Bei ihrer Verhaftung hätten sie Feuer geben, seien aber selbst erschossen worden.

salller Vertrags betreffe, so sei eine Revision ferner Bestimmungen nicht nur ivessnÄch, sondern jert langem überfällig. Die Urheber Des Vertrags hätten, als sie ihn vorbereite-ten, die Geschichte völlig verhöhnt. Sie hätten zum mindesten erkennen mäs­sen, daß sie alte Traditionen verletzen und sich über Die Wünsche Der Bevölkerung hinweg- setzten, nur damit Die Beute Den Siegern zufalle.

Der Versailler Vertrag fei zweifellos dem Grund­gedanken der Dem Waffenstillstand oorausgehen- Den Vereinbarung, unter her Deutschland Die Waf­fen gestreckt habe, entgegi -ngefetzt. Der Versa Ker Vertrag enthalte territoriale und w.rtschaslliche Klau­seln, Die Tatsachen ableugneten, die sowohl dem Buchstaben wie Dem Geist nach in öffentlichen Erklä­rungen enthalten seien, Die von Den alliierten Staatsmännern während» des Krieges abgegeben wurden. Der Vertrag habe ferner den Kampf Der Völker um Befreiung und- Schaffung einer Herrschaft Des Rechts in einen tatsächlichen Eroberungs­krieg umgewandelt. 5Die Bestimmungen des Ver­trages verfolgten Den Zr treck, aus Den besiegten Län­dern unmögliche Summen als Entschädigung her­auszupressen unter der irrtümlichen Annahme, daß das wirtschaftliche Leben mancher Länder zer­stört werden könne, ohne daß dies das Wirischafls-

dine Inflation ist unter Berücksichtigung Des angedeuteten Kontrollsystems von den in Vor­schlag gebrachten Maßnahmen nicht zu be- f w r d) t en. Die von den Hypothekenbanken her- awgegebenen Obligationen wären vielmehr prin- zipiell tangfriftiden Wechseln gleichzuachten, deren Einlösung durch Die Verpfändung des Grundes und Bodens garantiert ist. Die Rentenmark bliebe von der Herausgabe dieser Obligationen völlig un­berührt und würde infolge der dadurch bewirkten Belebung der Volkswirtschaft nicht nur nicht ge­fährdet, sondern gestützt.

Da die Kredite nur im Falle eines zwingenden Bedürfnisses gewährt werden, ließe sich auch die Verknappung des Geldmarktes inso­weit auftechterhalten, als dies ein gesunder Preis­abbau erfordert.

Schließlich muß aber die Regierung dafür Sorge tragen, daß nach dem erheblichen Preissturz der landwirtschaftlichen Produkte die Span­nung zwischen Erzeuger- und Hand- lerpreis wesentlich verringert wird. Nur so können Arbeiter, Angestellte und Beamte mit ihren wesentlich verringerten Bezügen aus­kommen.

Die angedeuteten Maßnahmen müßten unver­züglich m die Wege geleitet werden, da die aicher- ordentliche Notlage der Weltwirtschaft schnelle Hilfe erfordert. Es muß für den Fall, daß die Rentenbank versagen sollte, die Landwirtschaft in dem angedeuteten Sinne sich selbst zu helfen suchen, um sich die erforderlichen Kredite und die Mittel zur Melioration des Betriebes zu verschaffen.

Würde die Goldnotenbank Ende März in Funktion treten und die Rentenmark über­flüssig machen, so könnte die Ausführung Der vor­geschlagenen Maßnahmen unterbleiben, vor­ausgesetzt, daß die Goldnotenbank der Deutschen Wirtschaft die unbedingt erforderlichen Kredite zu geben vermag. Sollte dies ober nicht möglich fein, so würden die in Vorschlag gebrachten Maßnahmen auch noch neben der Errichtung der Goldnotenbank insoweit durchzusichren fein, als dies die Verhält­nisse dringend erfordern. Sollte schließlich wider Erwarten Die Errichtung der Goldnotenbank an politischen Einflüssen scheitern, so würden Die in Vorschlag gebrachten Maßnahmen Die Deutsche Volkswirtschaft unD Die Staatsfinonzen vor Dem sonst unvermeidlichen völligen Zusammenbruch be­wahren.

Zur WenuMigeu Lage in der LandlMslhast

Von Dr. Paul Fleischer, M. d. R.

der alliierten Staatsmänner in den Jahren 1915=16 und 1917 eingenommen wurde.

Henderson schloß: Ich bin überzeugt, Daß unsere alliierten Staatsmänner nach Dem WaffenstillstanD und nach Dem Beginn ihrer Arbeit in Paris Deut­liche wirtschaftliche Tatsachen unberücksichtigt gelassen haben, und es scheint mir, Daß je eher unsere Re­gierung Die notwendige Atmosphäre schaffen «nD auf diese Frage Der Revision des Vertrages kommen kann, es um fo besser für alle in Be­tracht Kommenden sein wird.

painlevs und poiitcare.

Die erhoffte internationale Lösung des Reparakionsproblems.

Der ehemalige französffche Ministerpräsident Painlev- erklärte in Annecy bei einer Kund­gebung der Liga der Republik, heute, wo eine internationale Lösung des Repa-

Deutsches Mich.

* politische Persoftennachrichien. Dec Staats­sekretär im Reichsfinanzmimsterium, Dr. Schro­der, ist aus Dem Rieichsdienst ausgeschieden. Er fft als Präsident der Preußischen Staatsbank in Aussicht genommen. An seine Stelle tritt Der bis­herige Staatssekretär im Rrichssincmzministe.ium und Vorsitzende der Kriegslastenkommission, Fi­scher. Zu dessen Nachfolger hi Paris ist der Di­rigent im Wederai-ifbauministerium Geh. Regie- rungsrat Dr. Rupf-el linier Beförderung zmn Ministerialdirektor ernannt worden. Der als Nach­folger des Präsidentc.n Kaufmann zum Leiter des Reichsversicherimgsaislts berufene Ministerialdirek­tor Schäffer war zunächst im wurttemdergifchcii Verwaltungsdienst tätig. Dann wurde er bevoll­mächtigter MmistericMat beim Bundesrat in Ber­lin. Nach Der Revolution trat er in die Kruppsch» Direktion em und rvurde von den Franzolen m Abwesenheit zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

* Der preußische Landtag hat sich am Sams­tag nach unerheblicher Debatte bis zum 18. März vertagt.

* Hindenburg MV HUerprozeß. Auf Aufforüe- rung an Hindenourg,. zu verhindern, daß der P r o- zeß gegen Ludendorff ftattfindet, arnwor- tete Der FelDmarschall m einem Brief.- Der vom „Lokalcmz." veröffentlicht wird, bei ruh'ger lieber» leg urig müsse man sich sagen, daß in einem Staats» wesen ein Einzriffin die Rechtspflege unmög­lich sei.

* Die Erhebung von Verwaliurrgsgebühren be­zweckt ein Gesetzentwurf, Den Der Reichs- finanzmrnister Dem Reichstag vorgelegt hat. Da­nach kann für Die Beantwortung von Anträgen, Anfragen und Gesuchen durch Reichsbien st» stellen neben Dem Ersätze Der Auslagen eine Gebühr erhoben werden. Die Erledigung der sol­cherart gebuhrpflichi^gen Anträge, Anfragen und Gesuche kann von -der Doreinzahlung der Gebühr oder eines Kostenporschnsses abhängig gemacht

einer ergebnislosen Kvntroverse herberfuhren können. Diese Note sei der deutschen Regierung tn der höflichsten Form und ohne Die Absicht, Die deutsche Regierung zu beleidigen, zurückgegeben worden. Poincare habe nur zum Ausdruck bringen wollen, daß da er alle wüSiscbenSwerten Erläuterungen ge­geben habe, er der Ansicht sei, daß er ihr nicht« mehr hinzujufügen habe.__

Kus der ZentrumLpartei.

- Seutrmn «n» kommende Leichrtagswahle«. Die ReichstaaSfraktion Las Zentrum» hat sich m ihren Be. fprechungen auch nttt der Frage der Vorbereitung der Reichstagswahlen euagehenü beschäftigt. Mitte dieser Woche tritt der RerchSpartei-Vorstand in Berlin zusammen, um diefeSlmgelegenheit eingehend vorzuberaten. Laraufhin werden die übrigen Parteiinstanzen mit den Dingen sich befaßen. Inzwischen wird im Lande selbst eine" nachdrückliche Vorbereitung der Wahlen durch gründliche Nachprüfung der orgam,atorischen Verhältniffe erfolgen müssen. Dec Partei.Apparat mutz ohne Verzug wieder in volle Funktion gebracht werden. Don ausschlaggebender Äichtigkeit i,t die Werbung für die ZentrumSpresse, die gerade jetzt mit Ent­schlossenheit durchgeführt werden mutz.

Die gegenwärtige ftrife in Der Deutschen Wirt­schaft wirkt sich ganz besonders schwer in der Land­wirtschaft aus. Gerade hier ist Die K r e D i t n o t dis zur Unerträglichkeit gesteigert. Es müssen Des­halb Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, um vor allem der Landwirtfchaft flüffige Geld­mittel in bedeutendem Umfange zuzuführen. In erster Linie wäre hierzu Die Rentenmark berufen. Ihre Kredite aber müssen zu einem erheblich nied­rigeren Zinsfuß als bisher gewährt werden. Sollte die Rentenbank aber außerstande fein, die not­wendigen Kredite zu geben, dann müßte die Land­wirtschaft zur Selbsthilfe schreiten. Die Lage macht schnelles Handeln «forderlich.

Die neuen Steuern können insbesondere von den kleinen und mittleren Landwirten auf die Dauer nicht getragen werden. Da die Kreditmög­lichkeiten für'biefe erschöpft sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Betriebsmittel zu ver­äußern. Dies hat zur Folge, daß Die Deutsche Landwirtschaft vom intensiven zum extensiven Be­trieb übergehen muß. Dadurch wird Die Ernäh­rung Des Deutschen Volkes noch mehr als bisher gefÄirDet unD Der Import ausländil^er Lebens­rnittel immer mehr gesteigert. Infolgedeffen wirD sich Die Deutsche Zahlungsbilanz noch weiter ver­schlechtern als bisher. Dadurch gestaltet sich die Stabilisierung Der Deutschen Währung immer schwieriger.

Da der Landwirt gezwungen ist, ferne Betriebs­mittel und Produkte zum billigsten Preffe abzu­geben, um die Steuern aufzudringen, so verringert sich notwenDigerweffe auch die Grundrente. Dle vier Prozent Des landwirtschaftlichen Grund­besitzes, die für Die Deckung Der Rentenmark in Frage kommen, entwerten sich dementfprechend, wodurch wiederum die Stabilisierung der Renten­mark gefährdet wird. Da aber auf die Dauer die mittleren und kleinen Landwirte überhaupt nicht in der Lage sind, die Steuerlast tragen zu können, so wird in absehbarer Zeit die Steuer« quelle versiegen und dann der Sturz Der Stenten» mark unvermeidlich fein.

Der Reichsbankpräsident hofft allerdings, die Goldnotenbank bis Ende März errichten zu können. (Er hat jedoch Die Erfüllung Dieser Hoff­nung an die Bedingung geknüpft, daß sich die Politik nicht in Diefe Angelegenheit mischt. Es kann nur dringend gewünscht werden, daß sich diese Befürchtung nicht verwirklicht. Nach Den bisher gemachten Erfahrungen muß aber auch Diese Mög­lichkeit von vorsichtigen Politikern unD Volkswirt­schaftlern in Rechnung gestellt roerDen. Er sind Deshalb alle Maßnahmen vorzubereiten. Die geeig­net sind, die Nachteile auszugleichen. Die eintreten muffen, falls sich Die Errichtung Der Golbnoteri- bank infolge widriger politischer Einflüsse ver­zögern oder gar scheitern sollte.

In dieser Beziehung erlaube ich mir, zur Hebung der Kreditnot der Landwirtschaft folgen­den Vorschlag zu machen: Der landwirt­schaftliche Grundbesitz wird mit weiteren sechs Prozent seines Wertes hypothekarisch belastet. Die Hypothekenbanken sind befugt, Hypothekenpfandbriefe entsprechend der Höhe dieser Belastung auszustellen. Auf Grund dieser Hypothekenpfandbriefe werden sie ermäch­tigt, Obligationen (eine Art Bodenmark) her- auszugeben. Diese sind als gesetzliches Zah­lungsmittel anzuerkennen und könnten von Den Hypothekenbanken durch die Bauernbanken an Die KreditsuchenDen weitergegeben werden. Den Bauernbanken wäre die Verpflichtung aufzuer­legen, in Gemeinschaft mit den landwirtschaftlichen Organisationen Die 5t r e b i t b e D ü r f t i g t e i t zu prüfen unb herüber zu wachen, baß Kredite nur insoweit gewährt werden, als dies die Auf­rechterhaltung Der Wirtschaft erfordert. Aus Grund dieser Kredite könnte Der Landwirt zimäckü feine

Einzelnummer 10 Pfennig.

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* Dle Schulfrage als Wahlparole. Der Evan­gelische Reich selterndund, der über zwei Millionen wahlberechtigte Mitglieder umfaßt, hat an seine Unterverbände die Weisung gegeben, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen die „Schul­frage" zur Wahlparole zu machen. Eine Bindung auf bestimmte Parteien wird nicht aus­gesprochen. Es wird jedoch empfohlen, denjenigen Kandidaten die Stimme zu geben, die sich für die Wahrung der chrfftlichen Schulinteressen einsetzen.

* Thüringer Landtag. Der Landtag stimmte dem Vorschlag des Aeltestenausschußes zu, roonad) fünf Ausschüße gebildet werden, von dem vier Hauptausschüsse aus je zwölf Miigliedern entspre­chend der Stärke der Fraktionen bestehen sollen. Ser Zentrurnsabgeordnete Dr. Schömberg wurde in den Gesuchsausschuß gewählt.