Sonntag, 24. Februar 1924.
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tthaltee bte Bezieher der „Fuldaer Zeitung"
-ie Welt im Bild.
Der Bezugspreis wird durch die Lieferung dieser weiteren Wochenbeilage nicht erhöht. Dagegen erfährt der reichhaltige Lesestoff, den die Fuldaer Zeitung anerkanntermatzen bietet, eine zeitgemäße Ergänzung. Als Segenleiflung mögen »ttsere Leser und Leserinnen in ihrem Bekaankeakrets werben
I6t rasMmyeiuUWtl.
Bauernvereine und Zie-lurrgsfrage.
Bei der diesjährigen Wintertagung der Vorstände her 28 deutschen Bauernvereine wurde u. a. die gge der Kultivierung und Siedlung ein» nd erörtert. Nachstehende Resolution wurde ein- mig angenommen:
„Sie Vereinigung der deutschen Bauernoerelne sondert eine planmäßige und sachverständige Siedlung, um in Deutschland mehr Menschen bodenständig zu erhalten, di« Landarbeiterfroae zu lösen und das deutsche Volk oh Körper und Geist zu gesunden. Für die Siedlung Jammen an erster Stelle kulturfähige Oedländereien und alsdann ein Teil der Domänen in Frage. Wie die Erfahrung gelehrt hat, muffen in der Siedlung neue 'Wege eingefchlltgen werden, wenn ein wirklicher Erfolg erzielt werden soll. Unter allen Umständen müssen die Deutschen Bauernvereine es ablehnen, daß der Land» Wirtschaft eine neue Ge-samtHypothek zur Beschaffung der Siedlungskosten aufßebüröei wird, zumal diese Form 'kaum prcMschen Erfolg haben kann.
Wir verlangen die Beobachtung folgender Grund- Mtze:
1. Soweit ein Besitz bereits die Kultivierung oder Aufforstung von Oedländeroien in Angriff genommen hat oder sich bereit erklärt, dies in einer bestimmten Frist zu tun, muß eine Enteignung dieser Oedländereien unterbleiben.
2. An erster Stelle ist die Siedlung vom Hofe aus zu fördern, da Meie erfahrungsgemäß am leichtesten duMusühren ist und bisher di« größten Er-folge gezeigt hat.
3. Für Vit Besiedelung kommen in der Regel nur die Angehörigen des Bauernstandes, in erster Linie abgehende Kinder und lanüwirtschastlichr Dienstboten, in Betracht, well diese mit der örtlichen Betriebsweise vertraut sind und sie in Zeiten der Not auf die tatkräs» tige Unterstützung ihrer ansässigen Derwandten rechnen können. „ . .
4. Aufwendungen eines Landwirts für Kultivierungen sollen bei den Steuern als abzugssähige Betriebs, ausgaben gelten.
5. Die Erträgnisse aus Reukulturen müssen mehrere Jahre steuerfrei bleiben. Mose Bestimmung liegt rm Jntereffe des Staates und der Arbeitnehmerfchast, welcher neue Bejchäftigungs- und Erwerbsquellen er» schlossen werden. Wenn der Staat hierdurch die Kultivierung von Oedländereien fördert, so schafft er sich in einigen Jahren Steuerquellen, die sonst nicht vorhanden gewesen wären. _
6. Zu etwaigen Verhandlungen über diese Fragen smd an erster Stelle Vertreter der Gegend, in denen kultiviert werden soll und des BauernstmÄes hinzuzu» Iziehenk Bisher hat man die Siedlung durch theoretische und philosophische Erörterungen prattisch wtgeschlagen, was in Zukunft vermieden weichen muß.
7. Die Durchführung der Siedlung Darf nicht durch private Gesellschaften mst sogenanntem gemeinnützigen Charakter verteuert werden. Manche Siedlwigsgesell- jchaften betreiben heute unter dem Deckmantel der Ge» nreinnützigkeit praktisch lediglich Güterschläc^erei.
8. Die Frage der Kultivierung von Deblanbereien und der Siedlung ist grundsätzlich eine Frage der Ren» tabilität der Landwirtschaft. Alle Aufwen» düngen für Kultivierung und Siedlung sind nutzlos, wenn nicht die Rentabilität der Landwirtschaft für die Zukunft gewährleistet wird."
die llredite für die Wirtschaft.
Man schreibt uns aus wirtschaftspolitischen Kreisen: .
Sie Reichsregieruntz hat aus «ne von dem Reichstagsabgeordneten Fehrendach namens der ZentrumslrakSon des Reichstages bezüglich der -Zu- tsillmg der Kredite an die Wirtschaft erhobene An» ft»ge eine Antwort erteilt, die für weite Kreise von allergröfyem Jntereffe ist: Die besagte Anfrage hatte beficrgt, daß die mangelnde Zuteilung vor. KrÄnten an die Wirtschaft zu empfindlichen Störungen, ja so- -gar zu schweren Produktionsverit^ten und zu einer Schädigrmg der Existenz geführt habe. Die Reichs, iregienmg macht nun geltend, daß sie seit Mitte Januar die für die Wiederbelebung der Wirtschaft erforderüchen Kredite habe reichlicher durch die Reichsbank zur Derfügung stellen lassen. Aus den angeführten Ziffern ergibt sich, daß bis zum 31. Dezember ISA an Papier- und Rentenmarkkredrten insgesamt 591 Millionen Goldman! vergeben waren. Am 7. Februar 1924 waren an solchen Krediten bereits 1166 Millionen Goldmark vergeben. Das bedeutet innerhalb etwa 5 Wochen eine Neuausgabe von Krediten durch die Reichsbank von 575 Millionen Goldmark.
Die Reschsregierimg macht aber weiter geltend, daß sie durch ine Vorgänge auf dem Devisenmarkt ta einer Zurückhaltung in der Kreditgewährung ge» tzrmmgen worden sei. Sie erkennt gewiß an, daß der Kreditbedarf der Wirtschaft noch nicht befriedigt M, weist aber darauf hin, daß eine erhöhte Kreditgewährung große Gefahren mit sich bringt. Die weit über den Bedarf gehenden vor kurzem wieder am Devisenmarkt in die Erscheinung tretenden Anforderungen gingen zurück auf die Tatsache, daß die Gelder wieder in größerem Uwfange flüssig waren. Die Reichsregierung steht darum auch weiterhin auf dem Standpunkte, daß eine Derknappungdes inneren Geldmarktes durchgehalten werden müsse, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, eine neue Jnflationsquelle zu öffnen. Allerdings ist
Fuldaer Zeitung
Srankfurter Dörse
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Berliner Kursbericht
Deutsch« Slaakspopieee.
Industrie-Aktie».
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Ausländische Werke.
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Pföicnt- letzt- Kurs 22. 2
mehr bedauern, daß es heute in umgekehrter Weise ge» schieht Wenn einfache Forderungen gestellt werben und. eine Diskussion darüber von vornherein abgelehnt wird, fo ist das zu verwerfen. Man stellt sich dann mcht aus den christlichen Standpunkt, sondern aus den Stonbpunft der starren Macht und eines starren „Rechtes . Ich möchte Sie bitten, da die Ruhe zu bewahren. Wahrm Sie die Rechte Ihres Standpunktes mit Entschiedenheit, aber meiden Sie dabei jeden Radikalismus.
Sie dürfen es nicht vergessen, daß Not und Elend heme in fast allen Kreisen des deutschen Volkes herrsch«!. Selbst die Landwirtschaft steht heute vor dem Ni«t^ und geht schweren Zeilen entgegen. Das sind die ,70tgen eines schweren Krieges und der Entwicklimg, die die Verhältnisse genommen haben. Da hecht es bessern,, was man kann. Nicht Hurrarufen und Krieg» spielen kann uns Deutsche retten. Es ist verbrecherisch, mit der Möglichkeit eines Krieges zu spie», len. Es ist verbrecherisch, in diesem Sinne heute jungen Leuten den Kopf zu verdrehen. Sie sind Manner, die zumeist im Kriege gestanden haben, sie wissen, DaS man ohne Waffen und ohne geschulte .f)eere keinen Krieg führen kann. Nur eine ruhige Entwicklung durch tue Kräfte des Friedens kann uns wieder zum Lichte führen.
Das Christentum birgt solche Kräfte. Darum echte Christen sein! Christen sein auch im öffentlichen Leben; Christen nicht nur im Gotteshause — nein, auch im Rathause! Ob jemand Arbeiter oder Arbeitgeber ist, bleibt sich dabei gleich. Diese Forderung ist an jeden zu stellen. Wir find überzeugt, daß das Wohl des einzelnen als auch der Gesellschaft nur gedeihen kann, wenn christliche Gedanken und Grundsätze die Gesellschaft beherrschen. Daran mitzuarbeüen, daß ist die große Ausgabe der katholischen Arbeitervereine. Diese haben sich in keiner Weife überlebt. Im Gegenteil! Sie wer» den für die Zulmrft eine noch größere Bedeutung haben als bisher. Man sieht heute bis tief in die Reihen der Sozialisten ein, daß es ohne Religion nicht geht. Arbeiten wir deshalb emsig weiter."
Nach mehreren Vorträgen nahm der Delegiertentag einstimmig folgende Entschließung an: „Die Delegierten der katholischen Arbeitervereine der Diözese Hildesheim stehen einmütig, sowohl als Katholiken wie als , Arbeiter auf bem bewährten Boden der Zentrums- Partei. Sie sehen in ihr die rechtmäßige Vertretung ■ ' ihrer konfessionellen, kulturellen und wirtschaftlichen For- bcrimgen und werden es nicht versäumen, sich mit ihrer ganzen Tatkraft in den Dienst ihrer Partei zu stellen." .
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S ersten Anzeichen von Husten raten wir Ihnen, die bewährten Sagitta-Hustenbonbons zu nehmen, die Sie in allen Apotheken erhalten können, stets vorrätig: Hof- und Schwanenapotheke Fulda,
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Vischöfiiche Mahnwotte^
Auf dem außerordentlichen Diözesandeiegier- tentag der katholischen Arbeitervereine der Diözese Hildesheim hielt der Diözesan- bifchos eine Rede, in der er sagte:
„Wir leben in einer schweren Zeit, das merken Sie in den katholischen Arbestervereinen am besten. Zwar haben sich ihre Organisationen durch die Kriegs- und Revolutionszeit hindurchgerettet, das Ende der Mühen und Arbeiten ist aber noch nicht gekommen. Eine schöne Aufgabe liegt noch vor den Mitgliedern der katholischen Arbeitervereine auch in Zukunft: Die katholischen Srimdsätz« nach allen Setten und aus allen Kräften zu vertreten. Ich will nicht eingehen auf so manch« Er- scheinungen, die zu ernsten Bedenken Anlaß geben, denn diese Bedenken liegen nicht auf Ihrer Seite, sondern auf jener Seite, wo man ost so wenig Verständnis dafür hat, was der christliche Arbeiter verlangen muß, auf Seiten einer in wetten Kreisen völlig entchrist- lichten Unternehmerschaft, die kein Interesse für die Lebensnotwendigkeiten der Arbetterschaft besitzt. Und doch muß jeder bloße Zwang beiden Parteien scha- I den, und wenn mir es bedauern, daß in der Revolutionszeit von feiten der sozialistischen Arbeiterschaft die Nötige der Volkes ausgenutzt wurde, fo muß man noch
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die Reichsvegierimg auch der Auffassung, daß mit größter Beschleunigung Auslandskredite herbeigeführt Werden müssen.
Den größtem Nachdruck legt die Reichsregierung bei ihrer gesamten Stellungnahme darauf, daß zunächst einmal die VerhältnisseamDevisen- m a r k t sich unbedingt beruhigen müssen. Erft wenn volle Klarheit darüber besteht, daß von der De- visenseite keine Gefahr für die Wahrung mehr vorhanden fit, würde die Reichsregierung sich veranlaßt sehen können, die inländische Kreditgewährung wieder in größerem Umfange zu erleichtern.
Auch die Zuteilung der Renten'm arkkre- d i t e durch die Reichsbank hat in weiten Kreisen eine Anfechtung erfahren. Die Reichsregierung steht hier auf -dem Standpunkt, daß solche Kredite unbedingt einheitlich von der Reichsbank aus unter selbstverständlicher gleichmäßiger Berücksichtigung erfolgen. Weiter hat die Reichsregierung, und, wie man fest- stellen kann, mit immer wachsendem Erfolg ihrerseits auf die Banken im Sinne einer Ermäßigung der Diskont- und Zinssätze sowie einer Erhöhung der Habenzinsen eingewirkt.
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mehr als einmal hat sie in schier verzweifelter Lage dach noch einen Ausweg gefunden; fernen Augen» blick hat sie ihre Mitwirkung versagt. Sie konnte diese Haltung in den wechselnden Ereignis,en nur bewahren, weil sie sich stets im Einklänge wit der Grundonschauung ihrer Wählerschaft wußte, -«tuch in unferen Reihen ist mehr als einmal di« Frage laut geworden: „Warum muß denn das Zentrum immer in der vordersten Reihe stehen? Warum muß es stets die unangenehmsten Poften und die größte Verantwortung übernehmen? Es darf jich auch einmal zurückhalten und den anderen die Verantwortung zuschieben; auf keinen Fall darf es sich diesmal wieder die Führung aufdrmgen lassen. Hätte die Fraktion nach diesem Rate gehandelt, sie würde bei ihrer Wählerschaft kein Verständnis gefunden haben, weil sich darin ein Mangel an nationalem Pflichtbewuhtsem und Verantwortungsgefühl bekundet hab«r würde.
Das Zentruni ist, wie keine andere Partei, aus religiösem Boden erwachsen; es ist gesanunelt und zusämmengehvlten auf christlicher Grundlage, es will seine Tätigkeit richten nach religiösen Grundsätzen und die sittlich religiösen Kräfte im öfftnt» lichen Leben zur Geltung bringen. Eine christliche Politik ist aber nicht denkbar ohne ein starkes Ber- cmtwortungsgefühl. Deshalb hat das Zentrum m stlMÜerigen Lagen auch stets einen gesunden politischen Instinkt bewiesen; es ist das ein Ausfluß fernes politischen Pflichtbewußtseins. Das Zentrmn kann aber dem politischen Notwendigkeiten um so eher nachkommen, weil es fühlt, daß seine Wählerschaft infolge des - gleichen Verantwortungsgefühls für sein Verhalten' Derständnis Haden wird. So kann das Zentrum zuM Glück für das Vaterland stärkere Belastungsproben ertragen als irgend eine andere Partei. Seine Wähler haben nur Verständnis für eine geraülmie Politik pofitiver Mitarbeit in nationaler Pflichterfüllung, wie fie das Zentrum seit Weimar verfolgt hat.
Es ist selbstverständlich, daß die materiellen Interessen auch im Zentrmn gewisse Verschiedenheiten schaffen. Die Standes- und Berufsinteressen sind vorhanden, sie können aber nicht porteibildend wirken, sondern muffen in der Partei einen Ausgleich finden. In Zeiten wirtschaftlicher Not und llnficherheit, wie mir fie jetzt durchleben, ist es naturgemäß schwer, die materiellen Wünsche der ein» Seinen LevMerungsgrrwpen zu befriedigen. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß auch in der Vergangenheit diese Schwierigkeit oft recht groß war. Gerade in den Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende standen materiellen Fragen im. Vordergründe der Politik: Arbeiterschutz, chandioerker- fiirsorge, Schutz der Landwirtschaft ufro. Das Zentrum ist in allen diesen fragen führend und entscheidend gewesen. Man braucht nicht gleich zu verzagen, wenn einmal in einer Einzel- frage die Meinungen auseinandergehen. Das war auch früher nicht anders. Eine Partei, die einseitig zusammengesetzt ist, wird in wirtschaftlichen Fragen leicht eme (Einigung finden. Dauernde Erfolge sind ihr aber selten beschieden. Das Zentrum war in der Sozialpolitik wohl Über das Ziel, aber nicht Über den Weg von vornherein einig. Manche wünschten keine Einwischimg des Staates in dies« Fragen «nd lehnten jeden Staatssozialismus ab. Freiheit v. Hertlmg erzählt in seinen Erinnerungen, daß bei dem Gesetz über die Innungen durch sein Eingreif«! eine Bestimmung, die Zwang ovrfah, wieder entfernt wurde. 150 Abgeordnete stimmten für diese Bestimmung, 180 dagegen, darunter 30 Zentrumsmitglieder, und Freiherr v. Hertlmg hebt besonders hervor, daß von seinen engeren bayeri- § reimten 16 gegen imd nur 8 für die angefochtene Bestimmung eintraten. Und doch hat sowohl der Arbeiterschutz wie auch die Handwerkerfürsorge vom Zentrum die stärkste Förderung erfahren, ja es ist gerategu ter Träger dieser Sozialpolitik gernefen. In der Grundanschauung, in der es an die Lösung der prakttfchen Tagesfragen herantritt, ist das Zentrum mit seiner Wählerschaft immer einig, und darin beruht die Quelle seiner Erfolge.
Die nächsten Wahlen werden eine schwere Probe dafür sein, ob das alte Verhältnis zwischen dem Zentrmn und seiner Wählerschaft noch besteht. Grund zur Unzufriedenheft ist in allen Schichten ter Bevölkerung in Menge vorhanden. Wenn es auch in der Macht keiner Partei liegt, in kurzer Zeit bessere Zustäitde zu schaffen, so ist doch die Der- suchung für den Wähler groß, seinem Unmut durch einen radikalen Stimmzettel Lust zu machen. Sollten unter diesen Derhältnissen wirklich einmal starke Wählerschichten sich vom Zentrum abwenden, so würde sich ^m«n doch bald wieder die Not- wendigkeft einer gemeinsamen, geschlossenen pollÜ- schen Dertretung aufdrängen. Dann ober würde ein großer Teil des Einflusses, der dem Zentrum durch die Tradinon eines halben Jahrhimterts eigen ist, verloren sein und müßte erst in langer Arbeit Mühsam zurückgewonnen werden. Der gesunde Sinn der Zentrumswählerschcfft wird diesen Umweg ablehnen und der Partei die Treue bewahren. Damit wird es, wie in ter Vergangenheit, so auch jetzt, seinen Interessen, auch den materiellen, am besten dienen.
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Zentrum und Wählerschaft
Bon Prof. Grebe, M. d. L.
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Eismbahn-Aktien.
Die Zentrumspartei hat bei den letzten Reichstagswahlen rund 3 900 000 Stimmen von 28 196 000 und 46 Mandate von 459 erzielt, das find nicht ganz 14 Prozent der Gesamtzahl. Diese Ziffern sollten sich die Zentrumswäber immer vor Augen halten, wenn sie glauben, Vorwüffe erheben zu dürfen, weil dvs Zentrum, obwohl es in ter Regierung fitzt, die eine oder andere Maßnahme nicht verhindert hat. Das Zentrum wird sich um fo ent- chiedener durchsetzen, je stärker es ist und je ge- chlossener feine Wählerschaft hinter ihm steht. Durch Verstimmung und Absplitterung im Lande wird das Gegenteil des erstrebten Zieles erreicht, das Zenttum wird ter Reichspolitik feinen Charakter dann noch weniger scharf aufprägen können. Angesichts des Stärkeoerhältniffes der Parteien im Reichstage muß man eher staune-n, daß das Zentrum einen solchen Einfluß und eine so erfolgreiche Wirksämkeit ausüben konnte, wie das namentlich nach der Revolution ter Fall war. Für diese Er- cheinung müssen besondere Gründe vorliegen.
Das Ansehen und ter über seine Zahl hinausgehende Einfluß, den das Zentrum feit langem ausübt, ist in erster lLmie ein Ausfluß der Erfahrung, daß feine Stellung in der Wählerschaft unerschütterlich ist. Jahrzehntelang hat man immer wieder den baldigen Zerfall des Zentrums vorhergesagt, wisterholt 'mußte es sich im Wahlkampfe gegen das Aufgebot des gesamten Regie- rungs- und Behördenapparats zur Wehr setzen; war die Schlacht geschlagen, fo kehrte es ausnahmslos in alter Stärke in den Reichstag .zurück. Wohl bewies es keine merkliche Ausdehnungskraft, von seinem Besitzstände aber bröckelte nichts ab; es blieb im Parlamente ter ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Man 'mußte dauernd mit ihm rechnen, und man rechnete nicht nur mit ihm, bei kritischen Entscheidungen sah man auch voll Vertrauen nach ihm aus. Das zeigte sich besonders in der Revolution.
Als die Träger des alten Systems bei dem deutschen Zusammenbruch sich wehrlos zurück zogen und ter Revolution freies Feld überließen, da schienen auch die alten Parteien erledigt zu fein. Sie suchten sämtlich die Verbindung mit ter Befangenheit und die (Erinnerung an sie abzuschneiten und nahmen andere Namen an. Das Zentrum ge» wann nach kurzem Schwanken seine Haltung wieder und zog unter dem alten Namen uiti> mit den alten Idealen in den Kampf. Boll Banken erhofften auch die anderen bürgerlichen Parteien, daß das Zentrum die Lage retten würde, instinktiv aber sanden sich jetzt .zahlreiche Wähler zum Zentrum hin, die ihm bis tehin kühl gegenüber stanten; galt es doch nie als besonders vornehm, sich offen als Zentrumsmann zu bekennen. In ter Rot aber fügten fie, wo Rettung winkte. Das Zentrum erfüllte alle Hoffnungen im vollen Umfange; die Treue und Unerfchütterlichkeft ferner Wählerschaft verhinderte eine soziakdenwkratische Mehrheit. Im Osten Deuffchlands, in den früheren Hochburgen ter Konservativen, in den Provinzen Ostpreußen, Pommern, Brandenburg mit Berlin, Rieterschlesien und Sachsen, sowie in den Ländern Thllrittgen und Sachsen erhielten die sozialisttschen Parteien 89 von 152 Mandaten, also 58y= Prozent. In diesem Gebiete verfügte das Zentrum nur über zwei Mandate. In den Bezirken aber, in denen das Zentrum eine stärkere Stülung hat, in ter Rheinprvvmz, in Westfalen, Oberschlesien, Bayern, Württemberg und Baden vermochten die sozialistischen Parteien nur 54 von 168 Mandaten gleich 32 Prozent zu erringen. Dem Zentrum fielen hier 73 Mandate, also 43,4 Prozent zu. Und die Sozialdemokratie schneitet um so schlechter ab, je stärker ter Zentrumseinschlag in einem Bezirk ist. In ter Rhemprovinz erhielt das Zentrum von 48 Mandaten 27 gleich 56,2 Proz., die Sozialdemokratie 11 gleich 23 Proz.; in den drei genannten preußischen Provinzen zusaimmen erhielt das Zentrum von 92 Mandaten 46 gleich 50 Proz., die Sozialdemokratie 27 gleich 29,3 Proz.; in tert drei süddeutschen Ländern entfielen von 76 Mandaten auf das Zentrum 27 gleich 35,5 Proz., auf die Sozialdemokratie ebenfalls 27 Mandate gleich 35%, Pwz. Das Zentrum hat also in den krftifchM Togen der Revolution das deutsche Dolk vor einer roten Mehrheit bewahrt. Diese Taffache darf nicht vergessen werden. Die Deutschnationalen erinnern sich nicht gern daran, in ter Positft gibt es ja keine Dankbarkeit. Man muß ihnen aber immer wieder sagen, daß sie durch den Einbruch in die Kreise des 'Zentrums die parteipolitische Lage nicht beffem. Wenn sie den „Marxismus" vernickften wollen, dann mögen sie dafür sorgen, in ihren früheren Hochburgen die sozialistischen Massen zmückzugewinnen; das ist ter einzige Weg zuM Erfolge. Die Anhänger des Zentrums aber mögen sich immer wieder vergegenwärtigen, daß es nur unter dem Banner des Zentrums möglich war, Deutsctstand bei der Nationalwahl vor einer sozialistischen Mehrheit zu bewahren. Auch heute besitzt nur das Zentrum sammelnde Kraft genug, feine Wählerschaft zusam- menzuhalten. Zerfällt es, fo verliert diese Masse ihren Einfluß und das Vaterland eine Partei tes versöhnenden Ausgleichs.
Die Zentrumsstaktion hat ebenso wie seine Wählerschaft ihre nationale Pflicht erfüllt,
Deutsch« Bank
15,3
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BIscontoKomm.
19,85
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Ifieininc. Ijpl.-Bk
3,3
2,2
Mitteln. Crebltbk.
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■Reichsbank
40,5
42,5